Berufstätige Mütter unterstützen ihre Kinder meist stärker als vermutet

Große Übersichtsarbeit in Science widerlegt einfache Annahmen über die Auswirkungen mütterlicher Erwerbstätigkeit

Kaum ein Thema wird unter Eltern so kontrovers diskutiert wie die Frage, ob die Berufstätigkeit von Müttern die Entwicklung ihrer Kinder beeinflusst. Während manche befürchten, dass Kinder unter einer frühen Fremdbetreuung oder weniger gemeinsamer Zeit leiden könnten, verweisen andere auf die Vorteile eines gesicherten Familieneinkommens und einer besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Eine umfangreiche wissenschaftliche Analyse, die in der renommierten Fachzeitschrift Science veröffentlicht wurde, kommt nun zu einem klaren Ergebnis: Die Erwerbstätigkeit von Müttern hat grundsätzlich weder eindeutig positive noch eindeutig negative Auswirkungen auf die Entwicklung von Kindern. Entscheidend sind vielmehr die Lebensbedingungen, unter denen Familien ihren Alltag gestalten.

Die Untersuchung liefert damit eine wichtige Orientierung für Eltern, pädagogische Fachkräfte und politische Entscheidungsträger. Sie zeigt, dass die häufig sehr emotional geführte Debatte differenzierter betrachtet werden muss, als dies in der öffentlichen Diskussion oft geschieht.

Eine der bislang umfassendsten Analysen zum Thema

Die Arbeit des internationalen Forschungsteams um Maria Chiara Lo Bue gehört zu den wissenschaftlich hochwertigsten Untersuchungen, die bisher zu diesem Thema veröffentlicht wurden. Die Studie erschien nicht nur in Science, einer der weltweit angesehensten Fachzeitschriften, sondern stützt sich auch auf eine besonders sorgfältige Auswahl vorhandener Forschungsergebnisse.

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler führten keine neue Befragung von Familien durch. Stattdessen analysierten sie die internationale Forschungsliteratur zu den Auswirkungen mütterlicher Erwerbstätigkeit auf Kinder. Dabei berücksichtigten sie ausschließlich Untersuchungen, die möglichst belastbare Aussagen über Ursache und Wirkung zulassen.

Gerade dieser Punkt ist von großer Bedeutung. Viele ältere Studien zeigen lediglich statistische Zusammenhänge. So lässt sich beispielsweise beobachten, dass Kinder berufstätiger Mütter in bestimmten Bereichen bessere oder schlechtere Ergebnisse erzielen als andere Kinder. Daraus kann jedoch nicht automatisch geschlossen werden, dass die Erwerbstätigkeit der Mutter die Ursache dafür ist. Ebenso könnten Einkommen, Bildungsniveau, familiäre Stabilität oder zahlreiche andere Faktoren eine Rolle spielen.

Um solche Fehlschlüsse zu vermeiden, konzentrierte sich das Forschungsteam auf 61 besonders hochwertige Studien, die mit Methoden wie natürlichen Experimenten, politischen Reformen, Längsschnittdaten oder komplexen statistischen Verfahren arbeiteten. Insgesamt wurden mehr als 800 einzelne Effekte auf unterschiedliche Entwicklungsbereiche untersucht.

Hohe wissenschaftliche Qualität macht die Ergebnisse besonders belastbar

Die Qualität dieser Übersichtsarbeit gilt in Fachkreisen als hoch. Zum einen beruht sie auf einer großen Zahl internationaler Studien. Zum anderen wurden bewusst Untersuchungen ausgewählt, die über einfache Korrelationen hinausgehen und möglichst verlässliche Aussagen über Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge ermöglichen.

Dennoch weisen die Autorinnen und Autoren selbst auf Grenzen ihrer Arbeit hin. Die Ergebnisse beruhen auf Studien aus unterschiedlichen Ländern mit sehr verschiedenen Familienpolitiken, Betreuungssystemen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen. Außerdem beschreibt die Analyse Durchschnittswerte großer Bevölkerungsgruppen. Individuelle Familiensituationen können davon selbstverständlich abweichen.

Insgesamt lässt sich die Untersuchung jedoch als wissenschaftlich sehr solide einordnen. Sie bietet derzeit eine der umfassendsten und differenziertesten Zusammenfassungen des internationalen Forschungsstandes.

Die meisten Auswirkungen sind überraschend gering

Das zentrale Ergebnis der Analyse lautet: Die Erwerbstätigkeit von Müttern allein erklärt nur einen sehr kleinen Teil der Unterschiede in der Entwicklung von Kindern.

Die Forschenden stellten fest, dass die überwiegende Mehrheit der untersuchten Effekte statistisch nicht bedeutsam war. Dort, wo Unterschiede festgestellt wurden, hielten sich positive und negative Auswirkungen nahezu die Waage. Insgesamt ergab sich kein Hinweis darauf, dass die Berufstätigkeit von Müttern grundsätzlich schädlich oder grundsätzlich förderlich für Kinder wäre.

Diese Erkenntnis widerspricht vielen vereinfachenden Vorstellungen, die sich über Jahrzehnte in gesellschaftlichen Debatten gehalten haben. Die Frage, ob eine Mutter arbeitet oder nicht, ist offenbar weit weniger entscheidend als die Bedingungen, unter denen Familien leben.

Warum das Familieneinkommen eine wichtige Rolle spielt

Ein Bereich, in dem die Erwerbstätigkeit durchaus positive Auswirkungen haben kann, betrifft die wirtschaftliche Situation von Familien. Zusätzliche Einkünfte ermöglichen häufig bessere Bildungs- und Freizeitangebote, eine stabilere Wohnsituation sowie einen erleichterten Zugang zu gesundheitlicher Versorgung.

Insbesondere Familien mit begrenzten finanziellen Ressourcen können von einem höheren Haushaltseinkommen profitieren. Kinder erhalten dadurch oft bessere Lernmöglichkeiten, mehr kulturelle Anregungen und zusätzliche Entwicklungschancen.

Die Forschenden betonen deshalb, dass Erwerbstätigkeit nicht isoliert betrachtet werden darf. Sie verändert nicht nur die verfügbare Zeit innerhalb der Familie, sondern auch die materiellen Voraussetzungen für das Aufwachsen von Kindern.

Die Qualität der Betreuung ist entscheidender als die Betreuungsform

Besonders interessant sind die Ergebnisse zur außerfamiliären Betreuung. Seit Jahren wird darüber diskutiert, ob Kinder möglichst lange zu Hause betreut werden sollten oder von einem frühen Besuch einer Kindertageseinrichtung profitieren.

Die Analyse zeigt, dass diese Gegenüberstellung zu kurz greift. Nicht die Betreuungsform selbst entscheidet über die Entwicklung eines Kindes, sondern vor allem die Qualität der Betreuung.

Hochwertige Kindertageseinrichtungen bieten Kindern zahlreiche Möglichkeiten, ihre sprachlichen, sozialen und kognitiven Fähigkeiten zu entwickeln. Sie erleben dort vielfältige Lernanregungen, knüpfen soziale Kontakte und sammeln wichtige Erfahrungen außerhalb ihres familiären Umfeldes.

Gerade im Bereich der Sprachentwicklung weisen zahlreiche Studien darauf hin, dass qualitativ hochwertige frühpädagogische Angebote insbesondere Kinder aus benachteiligten Lebenslagen unterstützen können.

Zeit allein ist nicht der entscheidende Faktor

Ein weiterer wichtiger Befund betrifft die gemeinsame Zeit von Eltern und Kindern. Zwar verändert Erwerbstätigkeit zwangsläufig den Familienalltag und reduziert häufig die Anzahl gemeinsamer Stunden. Die Forschung zeigt jedoch, dass nicht allein die Quantität der Zeit ausschlaggebend ist.

Entscheidend ist vielmehr die Qualität der Interaktionen. Kinder profitieren von Gesprächen, gemeinsamer Aufmerksamkeit, emotionaler Zuwendung und verlässlichen Beziehungen. Entwicklungspsychologische Untersuchungen belegen seit Langem, dass sichere Bindungen und feinfühlige Reaktionen von Bezugspersonen zentrale Voraussetzungen für eine gesunde Entwicklung darstellen.

Eine Familie, die trotz beruflicher Verpflichtungen intensive gemeinsame Zeit gestaltet, kann Kindern ebenso gute Entwicklungsbedingungen bieten wie eine Familie mit deutlich mehr gemeinsamer Zeit.

Familienpolitik beeinflusst die Entwicklungschancen von Kindern

Die Ergebnisse der Studie lenken den Blick auch auf die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen. Länder unterscheiden sich erheblich hinsichtlich Elternzeitregelungen, Betreuungsangeboten, Arbeitszeiten und familienpolitischer Unterstützung.

Wo qualitativ hochwertige Kinderbetreuung verfügbar ist und Eltern Beruf und Familie gut miteinander vereinbaren können, zeigen sich häufig günstigere Bedingungen für die Entwicklung von Kindern. Die Forschenden argumentieren daher, dass politische Maßnahmen oft einen größeren Einfluss auf die Lebensrealität von Familien haben als individuelle Entscheidungen einzelner Eltern.

Damit verschiebt sich die Perspektive weg von der Frage, ob Mütter arbeiten sollten oder nicht. Stattdessen rückt die Frage in den Mittelpunkt, welche Unterstützung Familien benötigen, um Kindern gute Entwicklungsbedingungen zu ermöglichen.

Kinder benötigen ein unterstützendes Umfeld

Für viele Eltern dürfte die wichtigste Botschaft der Studie entlastend sein. Die Forschung liefert keine Hinweise darauf, dass die Berufstätigkeit von Müttern grundsätzlich nachteilig für Kinder ist. Ebenso wenig gibt es Belege dafür, dass Kinder allein deshalb bessere Entwicklungschancen haben, weil ein Elternteil dauerhaft zu Hause bleibt.

Die Entwicklung von Kindern wird von einem komplexen Zusammenspiel unterschiedlicher Faktoren geprägt. Dazu gehören stabile Beziehungen, emotionale Sicherheit, gute Bildungsangebote, ausreichend finanzielle Ressourcen und qualitativ hochwertige Betreuungsangebote.

Gerade diese Erkenntnis macht die Studie so wertvoll. Sie löst sich von einfachen Entweder-oder-Debatten und zeigt, dass Kinder vor allem dann gut aufwachsen, wenn sie in einem unterstützenden Umfeld leben – unabhängig davon, ob ihre Mutter berufstätig ist oder nicht. Die eigentliche Frage lautet deshalb nicht, ob Eltern arbeiten, sondern welche Bedingungen geschaffen werden, damit Familien und Kinder gleichermaßen profitieren können.

Quelle: Lo Bue, M. C. et al. (2025): Maternal work and children’s development. Science, Vol. 388, Issue 6753.




Schlagfertig bleiben: Praktische Hilfe für schwierige Gespräche

Ein praxisnaher Ratgeber für den souveränen Umgang mit Angriffen, Arroganz und verbalen Grenzüberschreitungen

Wer kennt es nicht, dass man sich durch verbale Angriffe oder böswillige, unberechtigte Unterstellungen eines Gegenübers vollkommen überfahren fühlt, dass es einem die Sprache verschlägt und dass man dadurch in eine Defensive gerät, die ein lösungsorientiertes Gespräch verhindert.

Konstruktive Gespräche sind gerade bei schwierigen Gesprächspartner*innen häufig dann nicht möglich, wenn man selbst nicht das „verbale Handwerkszeug“ besitzt, um schwierige Gesprächssituationen zu meistern. Umso wichtiger ist es, Gesprächstechniken zu beherrschen, um nicht mit einem Gefühl der Demütigung oder vollkommenen Hilflosigkeit sprachlos zu sein oder, was ebenfalls nicht hilfreich ist, in einen Machtkampf einzusteigen.

Umso erfreulicher ist es, dass ein erfahrener Dozent und Trainer, Hans-Jürgen Kratz, ein Buch veröffentlicht hat, das durch und durch praktische Hinweise liefert, um sich beispielsweise auch gegen Menschen zur Wehr zu setzen, die ihre Überlegenheit zum Ausdruck bringen wollen, mit Arroganz oder persönlichen Angriffen, Alltagstheorien oder einer fachfremden Bauernschläue dafür sorgen wollen, als unbestrittene Sieger eine „Kampfarena“ zu beherrschen.

Inhalt

Das Buch setzt sich aus fünf Kapiteln zusammen. Im ersten Kapitel geht es um eine „Ursachenforschung“, ob gegebenenfalls eigene Verhaltens- und/oder bestimmte Gesprächsmerkmale ein Gespräch kontraproduktiv beeinflussen, verbunden mit sofortigen Hinweisen, welche konstruktiven Merkmale besser angebracht sind.

Im zweiten Kapitel dreht sich alles um die Frage, wie man nun auf unredliche Verhaltensweisen reagieren kann: vom Ignorieren, Nachgeben, Gegenhalten und Durchsetzen bis zum Kontern, um auf eine inhaltliche Ebene wieder zurückzufinden.

Das dritte Kapitel widmet sich der Schlagfertigkeit und geht der Frage nach, wie persönliche Angriffe abgewehrt, Scheinargumente entlarvt, Unredlichkeiten sowie Denkfehler aufgedeckt werden können. Hier werden 68 mögliche Verbalattacken benannt, bei denen zunächst die Frage geklärt wird, was dahinterstecken kann, um dann praktische Vorschläge als Reaktionsmöglichkeiten zu unterbreiten.

Im vierten Kapitel mit dem Schwerpunkt „Lassen Sie sich nichts gefallen“ folgen zwölf Vorschläge für eine mündliche Erwiderung, bevor im fünften, sehr kleinen Kapitel zwei Hinweise gegeben werden, was zu tun ist, wenn eine Situation vollkommen festgefahren ist.

Bewertung

Dieses reine praxisorientierte Buch umfasst außergewöhnlich viele Gesprächssituationen, die in einem Gespräch zu einer Eskalation führen können, wenn auf der einen Seite ein „Gesprächsführungs-Know-how“ nicht vorhanden ist oder auf der anderen Seite in problematischen Gesprächssituationen die persönliche Betroffenheit so groß ist, dass diese zu einer Denk- und Sprechblockade führt.

Die vorgestellten Antwortmöglichkeiten sind sehr vielfältig. So gibt es beispielsweise humorvolle, aber auch grenzsetzende, direkte und indirekte, inhaltlich-sachliche und auch emotional gesteuerte Reaktionsvorschläge.

Was der Inhalt des Buches auf jeden Fall in bester Weise schafft, ist die Möglichkeit für Leser*innen, sich mit „rhetorischen Rückmeldungen“ auseinanderzusetzen, diese kennenzulernen und dann zu prüfen, welche Reaktionsmöglichkeit wohl am besten für sich selbst und die vorhandene Situation geeignet scheint, die „Kuh vom Eis“ zu bringen.

Armin Krenz

Bibliographie

Kratz, Hans-Jürgen:
Lächeln, Nicken, Kontern. Lassen Sie sich von Angreifern, Großmäulern und Besserwissern nicht unterbuttern
Metropolitan – ein Imprint des Walhalla Fachverlags, 2019.
197 Seiten.
ISBN: 978-3-96186-028-9.
14,95 €

Mehr dazu finden Sie hier




Kinderreport 2026: Mehr Gerechtigkeit für alle Kinder

Kinder, Jugendliche und Erwachsene fordern mehr Chancengerechtigkeit, bessere Unterstützung und echte Mitbestimmung in Kitas und Schulen

Deutschland diskutiert seit Jahren über Bildungsprobleme, Lehrkräftemangel und soziale Ungleichheit. Der neue Kinderreport 2026 des Deutschen Kinderhilfswerkes macht nun erneut deutlich, wie groß der Handlungsbedarf tatsächlich ist. Besonders bemerkenswert: Nicht nur Erwachsene, sondern auch Kinder und Jugendliche selbst fordern umfangreiche Reformen, damit Bildungschancen künftig weniger von Herkunft, Armut oder Wohnort abhängen.

Im Mittelpunkt des diesjährigen Kinderreports steht das Thema „Chancengerechte Bildung“. Grundlage sind repräsentative Befragungen von mehr als 1.000 Erwachsenen sowie über 1.000 Kindern und Jugendlichen zwischen zehn und 17 Jahren.

Die Ergebnisse zeichnen ein eindeutiges Bild: Kinder und Erwachsene wünschen sich ein gerechteres Bildungssystem, mehr Unterstützung im Schulalltag und bessere Möglichkeiten zur Mitbestimmung.

Bildung darf nicht vom Wohnort abhängen

Besonders groß ist die Zustimmung zu einheitlichen Bildungsstandards in ganz Deutschland. 91 Prozent der Erwachsenen sprechen sich dafür aus, dass Kinder unabhängig vom Bundesland vergleichbare Bildungsbedingungen erhalten. Auch bei den Kindern und Jugendlichen selbst ist die Zustimmung hoch: 87 Prozent wünschen sich gleiche Regeln und gleiche Chancen an allen Schulen.

Ebenso deutlich fällt die Forderung nach kostenfreier Bildung aus. 90 Prozent der Erwachsenen halten eine kostenfreie Bildung von der Kita bis zur Schule einschließlich Lern- und Unterrichtsmaterialien für wichtig. Bei Kindern und Jugendlichen sagen sogar 88 Prozent, dass Kitas, Schulen und Schulmaterialien kostenlos sein sollten.

Der Kinderreport macht damit sichtbar, wie stark das Thema Bildungsgerechtigkeit inzwischen auch im Alltag junger Menschen angekommen ist.

Mehr Fachkräfte und Unterstützung im Alltag

Besonders alarmierend ist der Blick auf die Situation in Schulen und Kitas. Viele Befragte sehen vor allem den Personalmangel als zentrales Problem. 93 Prozent der Erwachsenen halten zusätzliches und qualifiziertes Personal an Schulen und Kitas für notwendig, um pädagogische Fachkräfte zu entlasten.

Auch Kinder und Jugendliche erleben offenbar, dass Lehrkräfte häufig überlastet sind. Rund zwei Drittel der Befragten wünschen sich mehr Erwachsene an Schulen, damit Lehrkräfte mehr Zeit für Unterricht und Unterstützung haben.

Der Kinderreport fordert deshalb eine umfassende Fachkräfteoffensive. Nach Einschätzung des Deutschen Kinderhilfswerkes fehlen bundesweit mindestens 125.000 Fachkräfte in der frühkindlichen Bildung. Gleichzeitig brauche es bessere Ausbildungsbedingungen und eine langfristige finanzielle Absicherung.

Sprachförderung und Schulsozialarbeit gewinnen an Bedeutung

Besonders große Zustimmung erhalten Maßnahmen zur direkten Unterstützung sozial benachteiligter Kinder. 94 Prozent der Erwachsenen halten verbindliche Lern- und Sprachförderangebote für wichtig. Auch bei Kindern und Jugendlichen stehen Sprach- und Lernförderung ganz oben: 88 Prozent wünschen sich zusätzliche Unterstützung beim Lernen und beim Deutschlernen.

Zugleich zeigt der Bericht, wie wichtig Schulsozialarbeit und psychosoziale Beratung inzwischen geworden sind. 87 Prozent der Erwachsenen sprechen sich für flächendeckende Schulsozialarbeit aus. Viele Kinder wünschen sich mehr Ansprechpersonen in Schulen, die helfen können, wenn Probleme auftreten.

Der Kinderreport macht damit deutlich, dass Bildung heute weit mehr umfasst als Unterricht allein. Kinder brauchen offenbar nicht nur Wissen, sondern auch Begleitung, Unterstützung und verlässliche Beziehungen.

Kinder wollen Demokratie lernen – und mitbestimmen

Ein besonders bemerkenswertes Ergebnis betrifft die Demokratiebildung. 94 Prozent der befragten Kinder und Jugendlichen halten es für wichtig, in der Schule zu lernen, wie Demokratie funktioniert und wie Menschen fair miteinander umgehen.

Auch verbindliche Mitbestimmungsmöglichkeiten stoßen auf große Zustimmung. 88 Prozent der Kinder und Jugendlichen möchten bei Regeln oder Projekten in der Schule mitentscheiden können.

Die Erwachsenen sehen das ähnlich. 88 Prozent halten verbindliche Demokratiebildung in Schulen für wichtig. Rund zwei Drittel sprechen sich zudem für feste Mitbestimmungsrechte von Schülerinnen und Schülern im Schulalltag aus.

Der Kinderreport knüpft damit an frühere Untersuchungen an, nach denen Beteiligung und Mitbestimmung die Resilienz von Kindern stärken und gesellschaftliche Teilhabe fördern können.

Bildung ist Kinderrecht

Das Deutsche Kinderhilfswerk erinnert im Bericht ausdrücklich daran, dass Bildung ein grundlegendes Kinderrecht ist. Die UN-Kinderrechtskonvention verpflichte Bund und Länder dazu, allen Kindern diskriminierungsfreien Zugang zu hochwertiger Bildung zu ermöglichen.

Tatsächlich hängen Bildungschancen in Deutschland nach wie vor stark von sozialer Herkunft, Wohnort oder Aufenthaltsstatus ab. Der Kinderreport fordert deshalb umfangreiche Investitionen in Kitas, Schulen und außerschulische Bildungsangebote.

Dazu gehören unter anderem:

  • mindestens 400.000 zusätzliche Kita-Plätze,
  • bundesweit verbindliche Qualitätsstandards,
  • multiprofessionelle Teams an Schulen,
  • bessere Ganztagsangebote,
  • stärkere Förderung sozial benachteiligter Regionen,
  • sowie ein sofortiger Bildungszugang für geflüchtete Kinder.

Kinder sehen die Probleme sehr genau

Auffällig am Kinderreport 2026 ist vor allem, wie differenziert Kinder und Jugendliche selbst auf Bildung blicken. Sie wünschen sich nicht nur bessere Lernbedingungen, sondern auch mehr Fairness, Unterstützung und Beteiligung.

Der Bericht zeigt damit auch: Kinder nehmen gesellschaftliche Ungleichheiten sehr genau wahr. Und sie formulieren erstaunlich klar, was sich verändern müsste.

Vielleicht ist genau das eine der wichtigsten Botschaften dieses Kinderreports: Bildungsgerechtigkeit ist längst kein abstraktes politisches Thema mehr. Für viele Kinder entscheidet sie ganz konkret darüber, wie sicher, unterstützt und zuversichtlich sie ihre eigene Zukunft erleben.

Quelle

Deutsches Kinderhilfswerk (2026): Kinderreport Deutschland 2026 – Chancengerechte Bildung. Zusammenfassung der repräsentativen Befragungen von Erwachsenen, Kindern und Jugendlichen.

Weitere Informationen finden Sie hier: https://www.dkhw.de/informieren/unsere-themen/kinderrechte/kinderreport/




Digitale Ausstellungsvideos zu Krieg, Sexualität und Trauer

Drei fachlich fundierte Ausstellungsvideos stehen ab sofort online zur Verfügung

Im Rahmen der beiden bisher in Aderstedt am Huy stattgefundenen Zeltfachtagungen sind drei Ausstellungsvideos mit dem Titel „Ausschnitte unseres Lebens – Tabus, Wahrheiten, Gegenwart“ entstanden, die ab sofort im Internet aufgerufen werden können.

Im Mittelpunkt stehen die Themen Krieg, Sexualität und Trauer – Themenbereiche, die üblicherweise selbst bei konkreten Anlässen weder in vielen Kindertageseinrichtungen mit Kindern noch unter Kita-Fachkräften professionell thematisiert werden.

Regine Leipert, Erzieherin im Ruhestand und Fachkraft für den Situationsorientierten Ansatz, hat diese Ausstellungsvideos in enger Zusammenarbeit mit Christina Brehmer vom Kuratorium des Schulfördervereins e. V. der Petri-Sekundarschule Schwanebeck konzipiert und zusammengestellt. Bei Bedarf können die Inhalte gleichzeitig im Transkript mitgelesen werden. Unterstützt wurden die beiden dabei von Armin Krenz, dem Entwickler des Situationsorientierten Ansatzes, der die inhaltliche Vorbereitung der Themenschwerpunkte aktiv begleitet hat.

Die drei Ausstellungsvideos eignen sich sowohl für eine intensivere, fachlich fundierte Auseinandersetzung mit den zentralen Themen als auch für den Einsatz bei Elternabenden. Sie bieten eine gute Grundlage, um gemeinsam mit Eltern in einen offenen Gedankenaustausch einzutauchen.

Es gibt drei Möglichkeiten, die Ausstellungsvideos aufzurufen:

  1. über die Eingabe des Suchtextes:
    „Ausstellung Ausschnitte unseres Lebens – eine digitale Ausstellung zur Kindesentwicklung“
  2. über den YouTube-Kanal des Schulfördervereins:
    YouTube-Kanal Schulförderverein Petri
  3. über den Direktlink:
    Direktlink zur Ausstellung

Um eine möglichst breite Bekanntmachung dieser Ausstellungsvideos zu erreichen, wäre es hilfreich, diese Informationen weiterzugeben. Daher bietet es sich an, den Hinweis an interessierte Fachkräfte sowie selbstverständlich auch an Eltern weiterzuleiten. Im Hinblick auf eine entwicklungsförderliche Pädagogik wäre dies sehr zu begrüßen.

Märchen – ein Zaubermittel für Sprachbildung und Sprachentwicklung

Die Ausstellungsvideos stehen zugleich im thematischen Zusammenhang mit der Zeltfachtagung 2026 in Aderstedt am Huy, die ebenfalls vom Schulförderverein Petri Schwanebeck organisiert wird. Unter dem Titel „Märchen – ein Zaubermittel für Sprachbildung und Sprachentwicklung“ beschäftigt sich die Tagung mit aktuellen Erkenntnissen zur Sprachbildung in der frühen Kindheit und der Bedeutung von Märchen für Entwicklungs- und Bildungsprozesse in der Kita.

Die zweitägige Fortbildung findet am 11. und 12. September 2026 statt und richtet sich an pädagogische Fachkräfte aus Kita, Krippe und Hort sowie an weitere Interessierte.

Weitere Informationen zur Zeltfachtagung und zur Anmeldung finden Sie unter:

Online-Anmeldung Zeltfachtagung 2026




Kostenloser Kita-Song, der eure Gruppe verbindet

kitasong

Musik für den Kita-Alltag

Musik ist in Kitas mehr als ein schöner Moment zwischendurch. Sie begleitet den Morgenkreis, gibt Übergängen Struktur, bringt Bewegung in die Gruppe und schafft Rituale, die Kinder schnell wiedererkennen. Wenn ein Lied zur eigenen Gruppe passt, wird daraus etwas Besonderes: ein gemeinsames Gefühl für Kinder, Team und Eltern.

Genau hier setzt kitasong.de an. Über diese innovative Plattform können Kitas, Kindergärten und Tagesmütter kostenlos einen individuellen Kita-Song für ihre Einrichtung erstellen lassen – passend für ihre Gruppe oder einem besonderen Anlass. Ob Morgenkreis, Sommerfest, Abschied der Vorschulkinder, Projektwoche oder Kita-Hymne: Aus wenigen Angaben entsteht ein Lied, das Gemeinschaft hör- und fühlbar macht.

Einfach gemacht für pädagogische Teams

Der Kita-Song lässt sich unkompliziert in den pädagogischen Alltag integrieren. Teams brauchen keine musikalischen Vorkenntnisse und müssen nichts vorbereiten. Die Erstellung läuft online, der Song wird individuell entwickelt und anschließend mit Songtext sowie eigenem, individualisiertem Musikcover zur Verfügung gestellt.

So kann das Team den Song direkt nutzen: zum Abspielen, Mitsingen, Üben oder als Erinnerung an besondere Momente.

Praktisch für die Kommunikation mit Familien: Der Kita-Song kann über eine eigene, kostenlos generierte Webseite mit Eltern geteilt werden. Zusätzlich steht er zum Download bereit.

Das bringt kitasong.de in eure Kita:

  • individuelle Lieder für eure Einrichtung
  • eigene Musikcover und Songtexte dazu
  • ein Ritual für den Morgenkreis, Feste und Abschiede uvm.
  • einfache Weitergabe an Eltern per Webseite oder Download
  • kostenlos, unkompliziert und ohne Abo
Mitgründer Alex von kitasong.de

Aus einem Kinderlächeln entstanden

Hinter kitasong.de stehen Markus und Alex von Magic Melody Studio. Die Idee entstand, als sie für die Tochter guter Freunde ein persönliches Kinderlied schrieben – mit ihrem Namen und kleinen Details aus ihrem Alltag. Als sie ihren eigenen Namen im Lied hörte und dabei strahlte, war klar: Solche Momente sollten mehr Kinder erleben. Mit kitasong.de bringen Markus und Alex dieses Gefühl nun auch in Kitas – als kostenloses Angebot, das Kinder, Gruppen und Familien musikalisch verbindet.

Für Familien bietet Magic Melody Studio zusätzlich persönliche Kinderlieder an – mit Namen des Kindes, individuellen Details, eigenem Cover und Songtext zum herunterladen.

Jetzt kostenlosen Kita-Song in wenigen Minuten sichern:

www.kitasong.de

Persönliche Kinderlieder für Familien:

magicmelodystudio.com/

(Mit dem Gutscheincode MAGICSTART20 gibt es aktuell 20 % Rabatt auf persönliche Songs.)




Musik & Bewegung im Kita-Alltag nutzen

musik

Warum Musik und Bewegung im Kita-Alltag unverzichtbar sind

Stell Dir vor, die Kinderaugen leuchten, die Füße tanzen und der gesamte Raum ist voller Energie. Musik und Bewegung gehören zu den wirkungsvollsten Impulsen im Alltag von Kindern und genau darin liegt ihr großes Potenzial.

Sie fördern Kinder ganzheitlich: Motorik, Sprache, soziale Kompetenzen und emotionale Entwicklung werden gleichzeitig angesprochen. Wenn Kinder singen, tanzen oder sich rhythmisch bewegen, entstehen wichtige Lernprozesse oft ganz nebenbei.

Bereits die Jüngsten profitieren davon. Rhythmus und Wiederholung helfen ihnen, sprachliche Muster zu erkennen und ihre Wahrnehmung zu schulen. Ältere Kinder entwickeln durch musikalische und bewegungsorientierte Aktivitäten zusätzlich Teamfähigkeit, Konzentration und Kreativität.

Das Besondere: Musik und Bewegung lassen sich ohne großen Aufwand in den Alltag integrieren. Ein Lied im Morgenkreis, ein Bewegungsspiel zwischendurch oder ruhige Musik in Entspannungsphasen, oft sind es kleine Impulse mit großer Wirkung.

Ein besonders wirkungsvoller Ansatz ist die Rhythmik. Sie verbindet Musik, Bewegung, Sprache und Wahrnehmung miteinander und unterstützt Kinder dabei, sich auszudrücken, ihren Körper besser wahrzunehmen und Selbstvertrauen zu entwickeln.

Musik und Bewegung sind daher keine Zusatzangebote, sondern ein zentraler Bestandteil frühkindlicher Bildung.

Gerade in einem oft reizintensiven Alltag können Musik und Bewegung außerdem dabei helfen, Anspannung abzubauen und emotionale Balance zu fördern. Aktive Bewegungsphasen, rhythmische Rituale oder ruhige musikalische Impulse unterstützen Kinder dabei, Gefühle besser wahrzunehmen, zur Ruhe zu kommen und neue Energie zu tanken. Auch Entspannungsübungen und bewusste Bewegungsmomente leisten damit einen wichtigen Beitrag zum Gesundheits- und Stressmanagement bereits im frühen Kindesalter.

Passende Weiterbildungen für Deinen Alltag

Damit Du diese Potenziale gezielt nutzen kannst, findest Du hier passende Kurse:

Musik & Ausdruck
Musik und Bewegung · Musik und Tanz · Musik und Sprache

Körper & Entwicklung
Kinderyoga · Bewegungslandschaften · Bewegungsförderung

Kreativität & Balance
Kreativraum · Gesundheits- und Stressmanagement

👉 Zusätzlich findest Du auf unserem Blog weiterführende Praxisideen und Fachwissen.

Dein nächster Schritt

Mit den richtigen Impulsen kannst Du Musik und Bewegung ganz selbstverständlich in Deinen Alltag integrieren, ohne zusätzlichen Stress, aber mit großer Wirkung für die Kinder.

Entdecke jetzt die passenden Kurse und bringe neue Energie in Deine pädagogische Arbeit.




NEU: Das SAFARI Glockenspiel von SONOR

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SONOR SAFARI Glockenspiel – musikalische Abenteuer für Kinder

Mit dem neuen SAFARI Glockenspiel von SONOR wird der Einstieg in die Welt der Musik zu einem echten Erlebnis. Das farbenfrohe Instrument verbindet spielerisches Lernen mit kreativer Entfaltung und ist ideal für Zuhause, Kindergarten oder Musikunterricht geeignet.

Dank des bewährten Boomwhackers®-Farbsystems können Kinder sofort loslegen – ganz ohne Notenkenntnisse. Jede Klangplatte ist farblich markiert, sodass erste Melodien intuitiv entdeckt werden können. So wird Musizieren von Anfang an zum Erfolgserlebnis.

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Ein besonderes Highlight ist die innovative Rollfunktion: Nach dem Spielen lässt sich das Glockenspiel einfach zusammenrollen und in der praktischen Dose verstauen. Diese dient nicht nur als Transportbox, sondern kann im Handumdrehen auch als kleine Trommel genutzt werden – perfekt für kreativen Rhythmusspaß unterwegs.

Die hochwertigen, präzise gestimmten Klangplatten (Tonumfang c3–f4) sorgen für einen klaren, angenehmen Klang und fördern das Gehör bereits im frühen Alter. Gleichzeitig garantiert die stabile Filzunterlage ein sicheres und langlebiges Spielgefühl.

Ob erste musikalische Schritte, rhythmische Übungen oder freies Ausprobieren: Das SAFARI Glockenspiel ist ein vielseitiger Begleiter für kleine Entdeckerinnen und Entdecker.

Jetzt entdecken: www.sonor.com/de/orff-percussion/instrumente/safari-glockenspiel

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Deutschland bei Kinderwohl lediglich auf Platz 25 von 37

Neue UNICEF-Studie zeigt gravierende Folgen von Kinderarmut und sozialer Ungleichheit für Bildung, Gesundheit und Zukunftschancen von Kindern in Deutschland

Deutschland zählt zu den wirtschaftsstärksten Ländern der Welt – doch wenn es um das Wohlbefinden von Kindern geht, landet die Bundesrepublik im aktuellen internationalen Vergleich von UNICEF lediglich auf Rang 25 von 37 untersuchten Staaten. Für das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen ist dieses Ergebnis ein deutliches Warnsignal. Die neue Studie des UNICEF-Forschungsinstituts Innocenti macht sichtbar, wie stark soziale Ungleichheit und Kinderarmut die Entwicklungschancen von Kindern beeinträchtigen – auch in einem reichen Land wie Deutschland.

Die Untersuchung „Report Card 20: Unequal Chances – Children and Economic Inequality“ analysiert die Lebensbedingungen von Kindern in Ländern der Europäischen Union und der OECD. Bewertet wurden unter anderem Bildungserfolge, körperliche Gesundheit, psychisches Wohlbefinden sowie die Auswirkungen wirtschaftlicher Ungleichheit auf das Aufwachsen von Kindern und Jugendlichen. Das Ergebnis für Deutschland fällt ernüchternd aus: Trotz hoher wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit gelingt es offenbar nicht, allen Kindern vergleichbare Chancen auf Bildung, Gesundheit und gesellschaftliche Teilhabe zu ermöglichen.

UNICEF spricht von vertanen Zukunftschancen

UNICEF Deutschland bewertet das Abschneiden Deutschlands ungewöhnlich deutlich. Christian Schneider, Geschäftsführer von UNICEF Deutschland, erklärt, die Bekämpfung von Kinderarmut müsse endlich politische Priorität erhalten. Nach Einschätzung der Organisation verspielt Deutschland Zukunftschancen, wenn nicht konsequent in Bildung, Teilhabe und gesundheitliche Versorgung von Kindern investiert werde. Besonders kritisch bewertet UNICEF, dass ein wirtschaftlich so starkes Land seit Jahren lediglich im unteren Mittelfeld des Rankings liegt.

Die Studie verdeutlicht, dass soziale Herkunft in Deutschland weiterhin erheblich über Bildungs- und Entwicklungsmöglichkeiten entscheidet. Während Kinder aus wohlhabenden Familien deutlich bessere Chancen haben, erleben viele Kinder aus einkommensschwachen Haushalten Einschränkungen in nahezu allen Lebensbereichen. Für UNICEF ist das nicht nur ein sozialpolitisches Problem, sondern langfristig auch ein Risiko für gesellschaftlichen Zusammenhalt und wirtschaftliche Stabilität.

Kinderarmut bleibt in Deutschland auf hohem Niveau

Besonders problematisch ist nach Angaben der Studie die seit Jahren stagnierende Kinderarmut in Deutschland. Rund 15 Prozent aller Kinder leben demnach in einkommensarmen Familien. Gleichzeitig wächst die Einkommensungleichheit weiter. Menschen im wohlhabendsten Fünftel der Bevölkerung verfügen inzwischen über ein Vielfaches des Einkommens der ärmsten Bevölkerungsgruppen. UNICEF sieht darin eine zentrale Ursache für ungleiche Entwicklungschancen von Kindern.

Die Folgen von Armut zeigen sich laut Studie bereits früh im Alltag vieler Kinder. Schlechte Wohnverhältnisse, fehlende Rückzugsorte, mangelnde Freizeitmöglichkeiten und unzureichend ausgestattete Bildungseinrichtungen prägen vielerorts die Lebensrealität benachteiligter Familien. Hinzu kommen strukturelle Unterschiede zwischen Wohngebieten: In sozial benachteiligten Stadtteilen fehlen häufig gut erreichbare Kinderarztpraxen, Spielplätze oder ausreichende Bildungsangebote.

Schwache Bildungsergebnisse trotz hoher Wirtschaftskraft

Besonders alarmierend fällt das Ergebnis Deutschlands im Bildungsbereich aus. Nur etwa 60 Prozent der 15-Jährigen erreichen laut UNICEF grundlegende Kompetenzen in Lesen und Mathematik. Damit liegt Deutschland auf Rang 34 von 41 vergleichbaren Staaten. Länder wie Irland, Slowenien oder Südkorea schneiden deutlich besser ab – teilweise trotz geringerer wirtschaftlicher Ressourcen.

Auffällig groß ist zudem die Bildungsschere zwischen sozial benachteiligten und privilegierten Jugendlichen. Während in einkommensstarken Familien neun von zehn Jugendlichen grundlegende Kompetenzen erreichen, gelingt dies unter Jugendlichen aus benachteiligten Haushalten nicht einmal jedem Zweiten. Die Studie beschreibt damit eine Bildungsungleichheit, die sich über viele Jahre hinweg verfestigt hat.

Für pädagogische Fachkräfte bestätigt die Untersuchung zahlreiche Entwicklungen, die bereits seit Jahren im Bildungsalltag sichtbar werden: Kinder starten mit sehr unterschiedlichen Voraussetzungen ins Bildungssystem, und soziale Benachteiligungen lassen sich häufig nur schwer ausgleichen. UNICEF sieht darin einen klaren politischen Handlungsauftrag.

Gesundheit und Lebenszufriedenheit hängen stark vom Einkommen ab

Die Untersuchung zeigt außerdem deutliche Zusammenhänge zwischen sozialer Lage und Gesundheit von Kindern. Kinder aus wirtschaftlich abgesicherten Familien sind häufiger körperlich gesund und berichten häufiger von hoher Lebenszufriedenheit. Bei Kindern aus einkommensarmen Familien zeigen sich dagegen häufiger gesundheitliche Belastungen und psychische Probleme.

In Deutschland bewerten lediglich 61 Prozent der Jugendlichen aus einkommensschwachen Familien ihre Lebenszufriedenheit als hoch. Bei Jugendlichen aus wohlhabenden Haushalten liegt dieser Anteil deutlich höher. UNICEF verweist darauf, dass finanzielle Unsicherheit in Familien Stress erzeugt und sich negativ auf das familiäre Zusammenleben sowie die psychische Entwicklung von Kindern auswirken kann.

Auch gesundheitliche Unterschiede zeigen sich deutlich: Während ein Großteil der Kinder aus wohlhabenden Familien eine sehr gute gesundheitliche Verfassung aufweist, fällt dieser Anteil bei Kindern aus armen Familien wesentlich geringer aus. Die Studie macht damit sichtbar, dass soziale Ungleichheit nicht nur Bildungschancen beeinflusst, sondern tief in alle Lebensbereiche hineinwirkt.

Andere Länder zeigen, dass bessere Bedingungen möglich sind

Dass bessere Ergebnisse erreichbar wären, zeigt laut UNICEF der internationale Vergleich. Die Niederlande, Dänemark und Frankreich belegen in der Gesamtwertung die Spitzenplätze. Auch Staaten mit geringerer Wirtschaftskraft wie Portugal oder Litauen schneiden deutlich besser ab als Deutschland.

UNICEF leitet daraus die Forderung ab, Kinderpolitik stärker in den Mittelpunkt staatlichen Handelns zu stellen. Die Organisation fordert gezielte Investitionen in benachteiligte Familien, bessere Bildungs- und Gesundheitsangebote sowie eine stärkere politische Vertretung von Kinderinteressen. Darüber hinaus müsse die soziale Infrastruktur in benachteiligten Wohngebieten verbessert werden, damit alle Kinder vergleichbare Chancen auf ein gesundes und sicheres Aufwachsen erhalten.

Über die Report Card-Serie von UNICEF Innocenti

Das UNICEF-Forschungsinstitut Innocenti mit Sitz in Florenz vergleicht in seiner Report Card-Serie seit dem Jahr 2000 regelmäßig die Situation von Kindern in den wohlhabenden Ländern der Welt. Auf der Basis aktueller Forschungsergebnisse werden Trends im kindlichen Wohlbefinden untersucht, Gründe für diese Entwicklungen identifiziert und mögliche Maßnahmen für Politik und Gesellschaft erarbeitet. Jede Ausgabe untersucht unterschiedliche Schwerpunkte im Bereich des kindlichen Wohlbefindens anhand aktueller Forschungsergebnisse. Die Report Card 20 untersucht in 44 Ländern der EU und OECD, wie wirtschaftliche Ungleichheit mit dem Wohlbefinden von Kindern zusammenhängt. Sie aktualisiert die Rangliste des kindlichen Wohlbefindens anhand von sechs Indikatoren aus den Bereichen physische Gesundheit, mentales Wohlbefinden und Kompetenzen. In den Gesamtvergleich gehen noch 37 der 44 Länder ein, da für einen Teil der Länder nicht alle dafür nötigen Daten vorliegen.

Hier finden Sie eine Zusammenfassung des Berichts aus deutsch.