didacta 2026 Köln: spielen und lernen live erleben

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Recht auf Kindheit, starke Impulse und prominente Gäste in Halle 8.1

Gemeinsam mit unseren Schwesterverlagen und Vertriebspartner*innen setzen wir uns auf der didacta 2026 in Köln für das Recht auf Kindheit und eine Pädagogik mit Herz und Verstand ein. Sie finden uns in Halle 8.1, Stand F 015.

Gerade in einer Zeit, in der Kinder immer früher unter Leistungsdruck geraten, ihr Recht auf freies Spiel – und damit auf Selbstbildung – zunehmend eingeschränkt wird und Bildschirmmedien bereits in Krippe und Kindergarten Einzug halten, möchten wir ein deutliches Zeichen setzen: für eine Bildung, die Kinder stärkt statt sie zu überfordern.

Ein Stand zum Ankommen

Wir laden Sie herzlich ein, uns zu besuchen.

Damit Sie sich bei uns wohlfühlen, haben wir unseren Stand wie ein gemütliches Zimmer gestaltet. Regale, Theken, Tisch und Stühle aus massivem Naturholz schaffen eine warme Atmosphäre und laden zum Verweilen, Stöbern und Austausch ein. Sechs große Riesenluftballons weisen Ihnen schon von Weitem den Weg.

Freuen Sie sich außerdem auf kleine Überraschungen, ein Gewinnspiel sowie ein inspirierendes Programm – sowohl an unserem Stand als auch auf der Stiftungsfläche in Halle 8, Stand D 044.

Wer Sie bei uns erwartet

Neben der Redaktion von spielen und lernen begrüßen wir zahlreiche Persönlichkeiten aus Bildung, Erziehung und Kunst:

Prof. Dr. Armin Krenz
Der renommierte Sozialpädagoge und Begründer des Situationsorientierten Ansatzes ist von Dienstag, 10.03., bis Donnerstag, 12.03.2026, am Stand. Er steht für Gespräche zur Verfügung und signiert seine aktuellen Bücher.

Tina Rau
Erzieherin und bekannte Buchautorin ist während der gesamten Messe präsent. Ihre Bücher „Kennt ihr Blauland“, „Angst?“ und „Wir suchen die Liebe“ erscheinen künftig bei Oberstebrink – erste Exemplare finden Sie exklusiv bei uns am Stand. Auch sie signiert gerne.

Loes Botman
Die niederländische Pastellkünstlerin besucht uns am 12. und 13.03. Sie stellt ihre eindrucksvollen Naturbücher vor, berichtet von ihrer künstlerischen Arbeit und signiert.

Frieder Knauss
Theaterpädagoge, Mediator und zertifizierter Kinderschutzbeauftragter ist am Samstag, 14.03., vor Ort. Er bietet zwei kostenfreie Workshops zum Thema „Dein selbstsicheres Kind“ an (11 und 13 Uhr) und stellt sein neues Buch vor.

Tobias Meyer & Michael Uhrmeier
Die beiden Schweizer Lehrkräfte präsentieren während der gesamten Messezeit ihre Projekte Miralearn und MiraSpark – visualisierte Lernwege und projektbasiertes Lernen mit KI-Begleitung.

Sandra Zinndorf
Die Entwicklerin des „Reisenden Klassenzimmers“ verbindet fundiertes Unterrichtsmaterial mit der Kraft von Geschichten und Abenteuern – und stellt ihr Konzept ebenfalls die gesamte Messezeit vor.

Unser Angebot am Stand

Entdecken Sie bei uns:

  • Pädagogische Fachbücher von Burckhardthaus
  • Bilderbücher von spielen und lernen und Oberstebrink
  • Sachbücher zum Thema ADS von Opti Mind
  • Elternratgeber aus der Oberstebrink Elternbibliothek
  • Materialien von Miralearn, MiraSpark und dem Reisenden Klassenzimmer
  • Informationen zum neuen Bausteine Kita Magazin
  • Impulse unseres Möbelpartners möbelum

Veranstaltungs-Highlights

Lesekino „Kennt ihr Blauland?“ – 10. März 2026, 12:00–12:30 Uhr

Ort: Stiftungsfläche, Halle 8, Stand D 044

Mit Tina Rau und Musiker Martin Hermann.
Eine atmosphärische Verbindung aus Sprache, projizierten Bildern und Musik. Das Bilderbuch „Kennt ihr Blauland?“ zählt seit 1988 zu den Klassikern – und ist heute aktueller denn je. Im Anschluss besteht Gelegenheit zum Austausch.

Vortrag von Prof. Dr. Armin Krenz – 10. März 2026, 14:00–15:00 Uhr

„Kinder haben ein RECHT auf ihre Kindheit – Ein Plädoyer für eine kind(heits)orientierte Elementarpädagogik

Krenz zeigt auf, wie sehr Kindheit heute durch Fremdbestimmung, Zeitdruck und getaktete Programme gefährdet sein kann – und was Elementarpädagogik leisten muss, um Kinder in ihrer Entwicklung wirklich zu stärken.

Workshop: „Lernen sichtbar machen: In 30 Minuten zur ersten Lernlandkarte“
11. März 2026, 11:00 Uhr und 14. März 2026, 10:00 Uhr, Dauer: 30 Minuten

Kinder arbeiten individuell, aber wie behältst du den Überblick? Tobias Meyer zeigt live, wie er mit Lernlandkarten ein einfaches Werkzeug entwickelt hat, das beides verbindet: Kinder erleben ihren Lernweg als Abenteuer und Lehrpersonen sehen auf einen Blick, wer Begleitung braucht. Er baut vor Ort eine Karte von Grund auf und zeigt, wie Kinder mit farbigen Kristallen ihre eigene Arbeit einschätzen. Zum Mitnehmen: Eine konkrete Idee für den eigenen Unterricht.

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Tobias Meyer war zehn Jahre Primarlehrer in der Schweiz. Die Lernlandkarten hat er in seinem eigenen Klassenzimmer erfunden, weil er ein Werkzeug brauchte, das Kindern Freiheit gibt und ihm trotzdem zeigt, wo er gebraucht wird. Heute unterstützt er mit Miralearn Schulen im ganzen deutschsprachigen Raum.

Workshop Entdeckendes Lernen – Eintauchen in die Unterwasserwelt des Indischen Ozeans
11. März 2026, 13:00 Uhr und 12. März 2026, 10:00 Uhr, Dauer: 20 Minuten

Wie gelingt es, Neugier zu wecken und nachhaltige Lernprozesse anzustoßen? In diesem Workshop tauchen wir gemeinsam in die faszinierende Unterwasserwelt des Indischen Ozeans ein und erleben, wie entdeckendes Lernen Kinder neugierig arbeiten lässt und ihnen ermöglicht, Zusammenhänge zu erschließen. Anhand eines praxisnahen Beispiels wird gezeigt, wie der Lebensraum Meer und seine Bewohner:innen erkundet, Lernschritte sichtbar gemacht und Kompetenzen aufgebaut werden. Im Mittelpunkt stehen Staunen, eigenständiges Arbeiten und die Freude am Wissen. Der Workshop bietet konkrete Impulse für Unterricht und Projektarbeit.

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Sandra Zinndorf arbeitet seit 20 Jahren als Primarlehrerin in der Schweiz und kennt den Schulalltag aus gelebter Praxis. Mit dem Wunsch, Lernen noch ganzheitlicher zu gestalten, absolvierte sie eine Ausbildung zur Lehrmittelautorin und erarbeitet seither Projekte vom ersten Ideenfunken bis zur fertigen Illustration. Ihre Arbeit verbindet didaktische Klarheit mit erzählerischer Kraft und ästhetischem Anspruch.

Workshop: „Dein SelbstSicheres Kind“ – 14. März 2026, 11:00 und 13:00 Uhr

Am Samstag, 14. März 2026 (11:00 bis 12.00 und 13:00 bis 14.00 Uhr) zeigt Frieder Knauss in zwei Workshops an unserem Stand (Halle 8.1 F 015) auf der didacta, wie Kinder Selbstsicherheit entwickeln.

Mit dem SelbstSicherheitsDreieck (Selbstbewusstsein, Selbstwert, Selbstwirksamkeit) und der SelbstSicherheitsAmpel (Prävention, Selbstbehauptung, Selbstverteidigung) vermittelt er konkrete, alltagstaugliche Impulse – vom klaren „Stopp“-Sagen bis zu einfachen Schutztechniken.

Praxisnah, kompakt und mit Zeit für Fragen.

Frieder Knauss

didacta 2026: Impulse für Kita, Schule und Bildungspraxis

Die didacta ist der zentrale Treffpunkt für alle, die Bildung gestalten. Gerade in der Frühpädagogik braucht es Räume für Austausch, Orientierung und neue Ideen.

spielen und lernen ist mittendrin – mit Büchern, Materialien, Begegnungen und starken Impulsen für Ihre Praxis.

Besuchen Sie uns in Halle 8.1, Stand F 015.
Entdecken Sie neue Perspektiven, kommen Sie mit uns ins Gespräch – und holen Sie sich Ihr kleines Geschenk als Leser*in von spielen und lernen ab.

Weitere Informationen zur Messe finden Sie unter:
https://www.didacta-koeln.de/




Ausgezeichnet von spiel gut: Mini-Schubkarre

schubkarre

Mini-Schubkarre von Winther – kippsicher für kleine Kinder

Schubkarren in der klassischen Form sind für jüngere Kinder schwer zu händeln. Das Fahrzeug anheben, schieben und gleichzeitig die Ladung ausbalancieren, schaffen sie noch nicht. Die Mini-Schubkarre von Winther ist anders konstruiert. Sie hat vorne zwei Räder, so dass kleine Kinder die verschiedenen Ladungen kippsicher transportieren können. Die praktisch geformten, verstärkten Abstellfüße geben der Schubkarre zusätzlich Standfestigkeit. So kann die Ladung leichter ein- und ausgeladen werden. Das Auskippen geht bei der Karre aber nur über den vorderen Rand. Das Lenken der Schubkarre ist Übungssache, wobei die Schubkarre so ansprechend ist, dass sich die Kleinen der Herausforderung gerne stellen. Die Mini-Schubkarre ist auch für Institutionen empfehlenswert.

schhubkarre mit kind im sand

Material: Stahlrohr, Handgriffe und Reifen TPE, Felgen PP, verstärkte Ladefläche. Wannenhöhe 30 cm, Länge 81 cm, Gewicht 5,5 cm.

Die Mini-Schubkarre wurde wegen ihrer besonderen Form und Konstruktion mit spiel gut ausgezeichnet. Und weil sie sehr stabil und langlebig ist.  

  • Mini-Schubkarre
  • Preis: ca. 98.- €
  • Alter: Ab 2 Jahren
  • Marke:  Jakobs
  • Hersteller: Winther



Pink Noise im Kinderzimmer? Studie warnt vor Risiken

kind schläft

Warum Dauerrauschen den REM-Schlaf von Kindern stören kann

Viele Eltern und Erzieher*innen nutzen White Noise oder Pink Noise, um Babys und Kinder schneller einschlafen zu lassen. Soundmaschinen, Apps oder laufende Ventilatoren gelten als praktische Hilfe bei Straßenlärm oder unruhiger Umgebung. Eine neue Studie im Fachjournal Sleep zeigt jedoch: Dauerrauschen kann wichtige Schlafphasen verändern – und das ist gerade für Kinder bedeutsam.

Die Untersuchung „Efficacy of pink noise and earplugs for mitigating the effects of intermittent environmental noise exposure on sleep“ von Basner et al. (2026) kommt zu einem klaren Ergebnis: Pink Noise reduzierte signifikant den REM-Schlaf. Umweltlärm verringerte vor allem den Tiefschlaf (N3). Auch wenn die Studie mit jungen Erwachsenen durchgeführt wurde, sind die Ergebnisse besonders relevant für Kinder – denn sie verbringen deutlich mehr Zeit im REM-Schlaf als Erwachsene.

Was ist REM-Schlaf – und warum ist er so wichtig?

REM steht für „Rapid Eye Movement“, also „schnelle Augenbewegungen“. In dieser Schlafphase bewegen sich die Augen unter den geschlossenen Lidern rasch hin und her. Gleichzeitig ist das Gehirn sehr aktiv – fast so aktiv wie im Wachzustand. Der Körper ist jedoch weitgehend entspannt, die Muskulatur stark reduziert. In dieser Phase träumen wir besonders intensiv.

REM-Schlaf erfüllt mehrere wichtige Funktionen:

  • Er unterstützt die Verarbeitung von Erlebnissen und Gefühlen.
  • Er hilft beim Lernen und beim Festigen von Gedächtnisinhalten.
  • Er spielt eine zentrale Rolle bei der Entwicklung und Vernetzung des kindlichen Gehirns.

Neugeborene verbringen etwa 50 Prozent ihrer Schlafzeit im REM-Schlaf. Erst im Laufe der ersten Lebensjahre sinkt dieser Anteil. Das zeigt, wie wichtig diese Phase für die frühe Entwicklung ist.

Wenn nun ein dauerhaftes Hintergrundgeräusch wie Pink Noise genau diesen REM-Schlaf reduziert, ist das aus entwicklungspsychologischer Sicht kritisch zu betrachten.

Was die Studie konkret zeigte

In einem kontrollierten Schlaflabor verbrachten 25 gesunde Erwachsene mehrere Nächte unter verschiedenen Bedingungen: ruhige Kontrollnächte, Nächte mit wiederholtem Umweltlärm (z. B. Verkehr), Nächte mit Pink Noise sowie Kombinationen aus beidem. Zusätzlich wurde untersucht, wie gut Ohrstöpsel vor Lärm schützen.

Die Ergebnisse:

  • Umweltlärm reduzierte deutlich den Tiefschlaf (N3).
  • Pink Noise allein reduzierte signifikant den REM-Schlaf.
  • Die Kombination aus Umweltlärm und Pink Noise verbesserte den Schlaf nicht – sie verschlechterte teilweise sogar die Schlafstruktur.
  • Ohrstöpsel milderten fast alle negativen Effekte des Umweltlärms.

Besonders relevant für Kinder ist der Befund zur REM-Reduktion durch Pink Noise. Die Forschenden warnen ausdrücklich vor einem unkritischen Einsatz von Dauerrauschen, insbesondere bei vulnerablen Gruppen wie Neugeborenen und Kleinkindern.

Was bedeutet das für Kitas, Krippen und Familien?

Dauerrauschen sollte nicht automatisch als harmlose Einschlafhilfe betrachtet werden. Für pädagogische Fachkräfte ergeben sich daraus konkrete Anregungen:

1. Schlafumgebung optimieren

Schlafräume möglichst ruhig wählen. Wenn möglich, Räume auf der verkehrsabgewandten Seite nutzen.

2. Lärm reduzieren statt überdecken

Stuhlbeine filzen, Türen abdichten, Geräuschquellen während der Ruhezeit minimieren. Prävention ist wirksamer als Maskierung.

3. Rauschgeräte kritisch einsetzen

Wenn White Noise oder Pink Noise verwendet wird:

  • nur sehr leise einstellen
  • nicht die gesamte Schlafphase durchlaufen lassen
  • ausreichenden Abstand zur Liegefläche halten
  • regelmäßig prüfen, ob das Kind wirklich davon profitiert

Endlich ruhig schlafen – für Eltern und Kind

Schlaflose Nächte mit Baby oder Kleinkind? Dieses Buch bündelt die sechs bewährtesten Ein- und Durchschlaf-Programme in einem Band – verständlich erklärt und praxisnah aufbereitet. Mit klaren Schritt-für-Schritt-Plänen, psychologischem Hintergrundwissen zu Ursachen von Schlafproblemen und konkreten Alltagstipps für ruhigere Nächte. Zahlreiche Fallbeispiele aus der Beratungspraxis helfen Ihnen, die passende Methode für Ihr Kind zu finden.

Petra Weidemann-Böker, So lernen Kinder schlafen – Die sechs besten Einschlaf-Programme für Kinder, Hardcover, 288 Seiten, ISBN: 978-3-934333-59-8, 19,95 €


4. Entwicklungsfördernde Rituale stärken

Leises Vorlesen, ruhige Musik in geringer Lautstärke, Atemübungen oder gleichbleibende Einschlafrituale unterstützen das Sicherheitsgefühl – ohne die Schlafarchitektur zu verändern.

5. Eltern informieren

Viele Eltern wissen nicht, dass Dauerrauschen den REM-Schlaf beeinflussen kann. Aufklärung in Entwicklungsgesprächen oder Elternabenden schafft Bewusstsein.

Warum Ohrstöpsel keine Lösung für Kinder sind

In der Studie waren Ohrstöpsel bei Erwachsenen am wirksamsten gegen Lärm. Für Kinder sind sie jedoch meist ungeeignet – aus Sicherheits-, Komfort- und Handhabungsgründen. Deshalb bleibt die wichtigste Strategie: Lärmquellen möglichst reduzieren.

Kein Dauerrauschen im Kinderzimmer

Pink Noise und White Noise sind keine neutralen Einschlafhilfen. Sie können wichtige Schlafphasen beeinflussen – insbesondere den REM-Schlaf, der für die Gehirnentwicklung von Kindern zentral ist.

Bis weitere Langzeitstudien vorliegen, erscheint ein zurückhaltender und bewusster Umgang mit Dauerrauschen im Kinderzimmer sinnvoll. Die beste Grundlage für gesunden Kinderschlaf bleibt eine ruhige Umgebung, verlässliche Rituale und ein geschützter Schlafraum.

Quelle:
Basner, M. et al. (2026). Efficacy of pink noise and earplugs for mitigating the effects of intermittent environmental noise exposure on sleep. Sleep. https://doi.org/10.1093/sleep/zsag001




Zweitsprache beeinträchtigt Mutter-Kind-Bindung nicht

kind lacht

Studie belegt neuronale Synchronität beim Spielen in zwei Sprachen

Die enge Bindung zwischen Mutter und Kind ist nicht nur emotional spürbar – sie lässt sich auch im Gehirn messen. Forschende der School of Medicine der University of Nottingham um Erstautorin Efstratia Papoutselou haben herausgefunden: Die Hirnwellen von zweisprachigen Müttern und ihren Kindern bleiben synchron – unabhängig davon, ob sie in der Erstsprache der Mutter oder in einer Zweitsprache miteinander spielen.

Die Ergebnisse der Studie wurden im Fachmagazin Frontiers in Cognition veröffentlicht und liefern wichtige Erkenntnisse zur frühkindlichen Entwicklung, Mehrsprachigkeit und Eltern-Kind-Bindung.

Zweisprachigkeit beeinflusst die Bindung nicht negativ

Weltweit wachsen immer mehr Kinder mehrsprachig auf. Auch in Europa steigt der Anteil stetig: Zwischen 2014 und 2023 erhöhte er sich von acht auf 15,6 Prozent. Viele Eltern fragen sich daher, ob eine Zweitsprache die emotionale Verbindung oder Kommunikation mit dem Kind beeinträchtigen könnte.

Die aktuelle Studie gibt Entwarnung: Die Verwendung einer zweiten Sprache stört die sogenannte Hirn-zu-Hirn-Verbindung nicht. Die neuronale Synchronisation – also das gleichzeitige Aktivieren bestimmter Hirnregionen – bleibt bestehen. Diese Synchronität gilt als wichtiger Baustein für eine gesunde emotionale Entwicklung und stabile Bindung zwischen Eltern und Kindern.

Zwar zeigen frühere Untersuchungen, dass selbst sehr kompetente Sprecherinnen und Sprecher in einer Zweitsprache langsamer sprechen, häufiger Pausen machen oder sich korrigieren. Besonders in emotional anspruchsvollen Situationen berichten viele Menschen zudem von einer gewissen inneren Distanz. Doch offenbar wirkt sich das nicht negativ auf die grundlegende neuronale Abstimmung zwischen Mutter und Kind aus.

So wurde die neuronale Aktivität gemessen

Untersucht wurden 15 Familien in Großbritannien mit drei- bis vierjährigen Kindern, die zweisprachig aufwuchsen. Englisch war nicht die Muttersprache der Mütter, allerdings verfügten sie über sehr gute Sprachkenntnisse (C1 oder C2).

In der Forschungsklinik saßen Mutter und Kind gemeinsam an einem Tisch mit Spielzeug. Beide trugen eine sogenannte fNIRS-Kappe (funktionelle Nahinfrarotspektroskopie). Dieses Verfahren misst Veränderungen der Sauerstoffkonzentration im Blut und dient als indirekter Indikator für neuronale Aktivität im Gehirn.

Die Mutter-Kind-Paare spielten anschließend in drei unterschiedlichen Szenarien miteinander:

  • in der Erstsprache der Mutter
  • ausschließlich auf Englisch
  • räumlich getrennt und ohne Interaktion

Bindung stärkt von Anfang an das Gehirn

Blickkontakt, Nähe und feinfühlige Signale prägen von Anfang an das kindliche Gehirn. Dr. Walter Hultzsch zeigt, wie Bindung Aufmerksamkeit, Selbstregulation und Persönlichkeit stärkt. Sein Buch verbindet Neurobiologie und Bindungsforschung mit alltagstauglichen Impulsen für Eltern, Großeltern und Fachkräfte, die Babys achtsam begleiten möchten.

Dr. Walter Hultzsch, Hey Mama, schau mir in die Augen – und sprich mit mir – Bindung, Blickkontakt & frühe Kommunikation – wie sie das Gehirn deines Babys formen, 120 Seiten, 978-3-96304-072-6, 20 €


Synchronität im präfrontalen Kortex besonders stark

Die Messungen zeigten bei allen Mutter-Kind-Paaren eine statistisch signifikante neuronale Synchronität. Besonders ausgeprägt war diese im präfrontalen Kortex – einer Hirnregion, die für Entscheidungsfindung, Planung, Argumentation und emotionale Prozesse zuständig ist.

Weniger stark fiel die Synchronität im temporo-parietalen Übergang aus, der eine wichtige Rolle bei sozialer Kognition und Aufmerksamkeit spielt.

Überraschend: Die neuronale Abstimmung war sogar dann nachweisbar, wenn Mutter und Kind unabhängig voneinander spielten. Das deutet darauf hin, dass die Verbindung zwischen beiden tief verankert ist und nicht allein von direkter Interaktion oder einer bestimmten Sprache abhängt.

Was bedeutet das für Eltern?

Für mehrsprachige Familien ist das eine beruhigende Botschaft: Wer mit seinem Kind in einer Zweitsprache spricht, muss keine Sorge um die emotionale Nähe haben. Entscheidend ist nicht die Sprache selbst, sondern die Qualität der gemeinsamen Zeit, der Blickkontakt, das Spiel und die feinfühlige Reaktion aufeinander.

Die Studie unterstreicht damit die Bedeutung von Bindung, früher Kommunikation und spielerischem Lernen – ganz gleich, in welcher Sprache.




Weltkindertag 2026: Starke Kinder, starke Zukunft!

kinder auf berg gegen das licht

UNICEF und Deutsches Kinderhilfswerk fordern mehr Schutz, Beteiligung und Investitionen in junge Generation

Der Weltkindertag 2026 steht unter einem klaren und kraftvollen Leitmotiv: „Starke Kinder, starke Zukunft!“. Mit diesem Motto rufen UNICEF Deutschland und das Deutsche Kinderhilfswerk Politik und Gesellschaft dazu auf, die Rechte von Kindern und Jugendlichen konsequenter zu stärken, ihren Schutz auszubauen und insbesondere ihre mentale Gesundheit nachhaltig zu fördern.

Junge Generation unter wachsendem Druck

Kriege, die Folgen des Klimawandels sowie wirtschaftliche Krisen prägen die Lebensrealität vieler Familien – in Deutschland ebenso wie weltweit. Diese Entwicklungen hinterlassen spürbare Spuren bei Kindern und Jugendlichen. Zukunftssorgen, Unsicherheit und soziale Belastungen wirken sich zunehmend auf ihre psychische Gesundheit aus.

Umso wichtiger ist es, junge Menschen mit gezielten Investitionen in Bildung, Gesundheitsversorgung und Präventionsangebote zu unterstützen. Ziel ist es, sie zu resilienten, selbstbewussten Gestalterinnen und Gestaltern der Gesellschaft von morgen zu machen.

Ein zentraler Aspekt dabei ist die stärkere Beteiligung von Kindern und Jugendlichen an politischen Entscheidungen – insbesondere dann, wenn diese ihre eigene Zukunft unmittelbar betreffen.

Klare Forderungen an Politik und Gesellschaft

Christian Schneider, Geschäftsführer von UNICEF Deutschland, betont: Eine starke Zukunft für alle hänge entscheidend davon ab, wie sehr Kinder heute gestärkt würden. Je fragiler das Leben von Kindern sei, desto fragiler werde auch die Welt insgesamt. Das Motto des Weltkindertags 2026 verstehe sich daher als gemeinsamer Kraftakt für eine gerechte und stabile Zukunft.

Auch Holger Hofmann, Bundesgeschäftsführer des Deutsches Kinderhilfswerk, fordert ein Umdenken in der politischen Debatte. Die Interessen junger Menschen würden in Deutschland häufig vernachlässigt. Kinderrechte müssten als vorrangiger Gesichtspunkt politischen Handelns endlich konsequent berücksichtigt werden. Dazu gehöre insbesondere die Verankerung der Kinderrechte im Grundgesetz, damit das Wohl von Kindern bei allen staatlichen Entscheidungen verbindlich mitgedacht werde.

Bundesweite Mitmach-Aktion zum Weltkindertag 2026

Unter dem Motto „Starke Kinder, starke Zukunft!“ planen UNICEF Deutschland und das Deutsches Kinderhilfswerk zum 20. September 2026 eine gemeinsame bundesweite Mitmach-Aktion. Im Mittelpunkt stehen die Wünsche und Forderungen von Kindern und Jugendlichen aus ganz Deutschland.

Darüber hinaus sind zahlreiche lokale Initiativen geplant – von Demonstrationen über Feste bis hin zu Informations- und Bildungsaktionen. Ziel ist es, Menschen im ganzen Land für Kinderrechte, Chancengleichheit und eine nachhaltige Zukunft zu mobilisieren.

Hintergrund: Bedeutung des Weltkindertags

Der Weltkindertag geht auf eine Empfehlung der Vereinten Nationen aus dem Jahr 1954 zurück. Ziel war es, weltweit einen Tag einzuführen, der den Einsatz für Kinderrechte stärkt, die Freundschaft zwischen jungen Menschen fördert und Regierungen zur Unterstützung der internationalen Kinderhilfsarbeit aufruft.

Heute wird der Weltkindertag in mehr als 145 Staaten begangen – wenn auch an unterschiedlichen Terminen. In Deutschland findet er traditionell am 20. September statt. Seit 1989 sind die Rechte von Kindern zudem durch die UN-Kinderrechtskonvention völkerrechtlich verbindlich festgeschrieben.

Mit dem Motto „Starke Kinder, starke Zukunft!“ setzen die Initiatoren 2026 ein deutliches Signal: Die Stärkung der jungen Generation ist keine Option, sondern Voraussetzung für eine gerechte, demokratische und zukunftsfähige Gesellschaft.




Mutterwerden: Wohlbefinden steigt – Partnerschaft leidet

baby schreit

Neue Studie zeigt: Stimmung und Sinn wachsen, doch Lebens- und Paarzufriedenheit sinken nach der Geburt des ersten Kindes

Mutter werden verändert das Leben grundlegend – emotional, sozial und im Alltag. Doch was passiert eigentlich mit dem psychischen Wohlbefinden in dieser sensiblen Phase? Eine aktuelle Studie der Universität Greifswald und der Tilburg University liefert nun differenzierte Antworten. Die Forschungsergebnisse wurden im renommierten Journal of Personality and Social Psychology veröffentlicht und zeichnen ein überraschend vielschichtiges Bild des Übergangs zur Mutterschaft.

Studie begleitet Frauen von der Schwangerschaft bis nach der Geburt

Im Projekt „Transition to Parenthood: Individual Variability in Well-Being“ begleiteten die Forschenden 161 Frauen im Alter zwischen 22 und 42 Jahren, die ihr erstes Kind erwarteten. Über einen Zeitraum von zehn Monaten – von der Schwangerschaft bis in die ersten Monate nach der Geburt – wurden in drei Messphasen verschiedene Aspekte des Wohlbefindens erfasst: Stimmung, Sinnerleben, Lebenszufriedenheit und Partnerschaftszufriedenheit.

Der besondere Mehrwert dieser Untersuchung liegt in der hohen zeitlichen Auflösung. Anders als frühere Studien, die meist rückblickend nach Veränderungen fragten, betrachtete das Team den Übergang zur Mutterschaft als dynamischen Prozess. Dadurch konnten die Forschenden erstmals präzise nachvollziehen, wann sich welche Dimension des Wohlbefindens verändert.

Positive Gefühle nehmen zu – aber nicht alles wird besser

Die Ergebnisse zeigen: Mutterwerden ist weder ein eindeutiges Glücksversprechen noch ein reiner Belastungsfaktor.

Besonders gegen Ende der Schwangerschaft und in den ersten Monaten nach der Geburt steigen positive Emotionen deutlich an. Auch das Gefühl von Sinn im Leben wächst spürbar. Viele Frauen erleben diese Phase also als emotional erfüllend und bedeutsam.

Gleichzeitig sinkt jedoch die allgemeine Lebenszufriedenheit – zumindest in der globalen, rückblickenden Einschätzung. Im täglichen Erleben fällt dieser Rückgang deutlich schwächer aus. Besonders auffällig ist zudem die Entwicklung der Partnerschaftszufriedenheit: Sie nimmt nach der Geburt merklich ab.

Damit relativiert die Studie das bislang eher negative Bild früherer Forschung. Diese konzentrierte sich meist ausschließlich auf Lebenszufriedenheit und kam zu dem Schluss, dass das Wohlbefinden nach der Geburt deutlich sinke. Die neue Untersuchung zeigt hingegen: Entscheidend ist, welche Facette von Wohlbefinden betrachtet wird.


Endlich ruhig schlafen – für Eltern und Kind

Schlaflose Nächte mit Baby oder Kleinkind? Dieses Buch bündelt die sechs bewährtesten Ein- und Durchschlaf-Programme in einem Band – verständlich erklärt und praxisnah aufbereitet. Mit klaren Schritt-für-Schritt-Plänen, psychologischem Hintergrundwissen zu Ursachen von Schlafproblemen und konkreten Alltagstipps für ruhigere Nächte. Zahlreiche Fallbeispiele aus der Beratungspraxis helfen Ihnen, die passende Methode für Ihr Kind zu finden.

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Unterschied zwischen Alltagserleben und Gesamtbewertung

Ein zentrales Ergebnis der Studie liegt im Unterschied zwischen globalen Einschätzungen und dem konkreten Alltagserleben. Während Frauen rückblickend ihre Lebens- und Partnerschaftszufriedenheit niedriger bewerten, erleben sie im täglichen Leben durchaus viele positive Momente.

Das bedeutet: Der Übergang zur Mutterschaft bringt zwar Herausforderungen mit sich, aber ebenso emotionale Zugewinne. Besonders das gestiegene Sinnerleben – also das Gefühl, dass das eigene Leben bedeutsam und erfüllend ist – stellt einen wichtigen psychologischen Faktor dar.

Schlaf und Baby beeinflussen das Wohlbefinden

Neben den allgemeinen Entwicklungen untersuchte das Forschungsteam auch konkrete Alltagsfaktoren. Der wichtigste Stimmungsaufheller bleibt – wenig überraschend – der Schlaf. Frauen, die besser schliefen, berichteten von höherem Wohlbefinden und größerer Zufriedenheit.

Nach der Geburt spielt vor allem das Verhalten des Babys eine entscheidende Rolle. Häufiges Weinen wirkt sich deutlich negativ auf die emotionale Verfassung der Mütter aus. Soziale Kontakte außerhalb der Familie wirken anfangs unterstützend, werden jedoch im weiteren Verlauf teilweise als zusätzliche Belastung empfunden.

Übergang zur Mutterschaft ist ein komplexer Prozess

Die Studie macht deutlich: Der Übergang zur Mutterschaft ist kein einfacher Vorher-Nachher-Effekt, sondern ein komplexer Entwicklungsprozess mit unterschiedlichen Dynamiken. Positive Gefühle und Sinnzuwachs stehen sinkender Partnerschaftszufriedenheit und geringerer globaler Lebenszufriedenheit gegenüber.

Für Fachkräfte, Familien und politische Entscheidungsträger liefern die Ergebnisse wichtige Hinweise. Sie zeigen, dass Unterstützungsangebote differenziert ansetzen sollten – etwa durch Förderung von Erholung und Schlaf, Stärkung partnerschaftlicher Ressourcen und realistische Erwartungen an die erste Zeit mit Baby.

Insgesamt zeichnet die Forschung ein differenziertes, teilweise sogar überraschend positives Bild des Mutterwerdens: Während sich die Bewertung des eigenen Lebens verändert, wächst zugleich das Gefühl von Sinn und emotionaler Erfüllung – besonders rund um die Geburt des ersten Kindes.




Tarifabschluss Länder: 5,8 Prozent mehr Gehalt bis 2028

Zeichnung von einer Demonstration

Einigung zwischen Gewerkschaften und TdL bringt Entgeltplus in drei Stufen sowie höhere Zulagen für Schichtarbeit

Der neue Tarifabschluss im öffentlichen Dienst der Länder steht: Die Beschäftigten erhalten 5,8 Prozent mehr Gehalt in drei Schritten. Darauf haben sich die Gewerkschaften und die Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL) in Potsdam verständigt. Die Laufzeit des Tarifvertrags beträgt 27 Monate.

Gehaltserhöhung in drei Stufen

Konkret steigen die Entgelte zum 1. April 2026 um 2,8 Prozent, mindestens jedoch um 100 Euro monatlich. Zum 1. März 2027 folgt eine weitere Erhöhung um 2,0 Prozent. Der dritte Schritt bringt zum 1. Januar 2028 nochmals 1,0 Prozent mehr Gehalt.

Neben der linearen Gehaltserhöhung sieht der Tarifabschluss strukturelle Verbesserungen vor. Dazu gehören höhere Zulagen für Beschäftigte im Schicht- und Wechselschichtdienst. Diese können künftig auf bis zu 250 Euro steigen. Auch Nachwuchskräfte profitieren: Die Ausbildungsentgelte werden insgesamt um 150 Euro angehoben.

Mit dem Abschluss orientieren sich die Länder am jüngsten Tarifabschluss im öffentlichen Dienst von Bund und Kommunen und sichern damit den Anschluss an die allgemeine Entgeltentwicklung im öffentlichen Dienst.

GEW: Anschluss gesichert, aber Kritik an fehlender Tarifierung

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) spricht von einem schwierigen, aber notwendigen Kompromiss.

„Dieser Kompromiss ist nach sehr schwierigen Verhandlungen zustande gekommen. Mit der Einigung halten die Länder-Beschäftigen Anschluss an die Entwicklung in Bund und Kommunen“, erklärte die GEW-Vorsitzende Maike Finnern.

Kritisch bewertet die Gewerkschaft jedoch, dass die Arbeitgeber eine Tarifierung der studentischen Beschäftigten weiterhin ablehnen. „Es ist sehr enttäuschend, dass sich die Arbeitgeber nicht bewegen wollten. Sie verwehren damit 300.000 studentischen Beschäftigten den Schutz eines Tarifvertrages. Die Erhöhung der Mindest-Stundensätze um Cent-Beträge ist nicht ausreichend, zudem sind diese nicht individuell einklagbar“, so Finnern.

TdL: „Langfristig tragfähiger Kompromiss“

Die Arbeitgeberseite sieht im Tarifabschluss ein ausgewogenes und finanzierbares Ergebnis. Der TdL-Vorsitzende und Hamburger Finanzsenator Andreas Dressel erklärte:

„Wenn man sich die Ausgangslage mit leeren Kassen in den Ländern und überhöhten Forderungen der Gewerkschaften vor Augen führt, ist das ein gut vertretbarer Kompromiss, der zeigt, dass wir als Tarifpartner gesamtstaatliche Verantwortung übernehmen.“

Der Abschluss biete Planungssicherheit für die Länderhaushalte in den kommenden 27 Monaten und berücksichtige mit drei Erhöhungsschritten in drei Haushaltsjahren die angespannte Finanzlage der Bundesländer. Gleichzeitig sei das Paket für Beschäftigte attraktiv, da sie bereits ab April 2026 spürbar mehr Geld erhielten.

Dressel betonte zudem, dass angesichts der Haushaltslage kein zusätzlicher Urlaubstag – wie zuletzt im TVöD vereinbart – Bestandteil des Abschlusses sei. Der Tarifvertrag gehe „an die Grenzen des finanziell Machbaren“.

Kosten von mehr als zwölf Milliarden Euro

Die Einigung verursacht erhebliche Mehrkosten. Allein im Tarifbereich belaufen sich diese auf rund 4,11 Milliarden Euro. Einschließlich der Übertragung auf Beamtinnen und Beamte, Richterinnen und Richter sowie Versorgungsempfängerinnen und -empfänger entstehen Gesamtkosten von rund 12,34 Milliarden Euro.

Mit dem Tarifabschluss im öffentlichen Dienst der Länder erhalten die Beschäftigten planbare Gehaltssteigerungen bis 2028. Gleichzeitig bleibt die finanzielle Belastung für die Länderhaushalte ein zentrales Thema künftiger Tarifrunden.

Quellen: Pressemitteilungen der GEW und der TdL




Kinderbetreuung in Deutschland: Mehr als die Hälfte der Eltern von Ausfällen betroffen

Mütter mit Kindern auf dem Spielplatz

Neue WSI-Befragung zeigt massive Probleme bei Kita- und Ganztagsbetreuung – viele Erwerbstätige müssen Arbeitszeit reduzieren

Mehr Arbeit, höhere Erwerbsbeteiligung und weniger Teilzeit – diese Forderungen prägen derzeit die arbeitsmarktpolitische Debatte in Deutschland. Doch eine neue Befragung des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung zeigt: Für viele Familien fehlt dafür die verlässliche Grundlage. Instabile Kinderbetreuung, kurzfristige Schließungen und verkürzte Öffnungszeiten gehören für viele Eltern weiterhin zum Alltag.

Laut der aktuellen WSI-Erwerbspersonenbefragung waren 54 Prozent der erwerbstätigen oder arbeitsuchenden Eltern im Herbst 2025 von Kürzungen der Betreuungszeiten oder kurzfristigen Schließungen betroffen. Befragt wurden rund 900 Personen mit Kindern in externer Betreuung – also in Kitas, bei Tageseltern oder in schulischer Ganztagsbetreuung.

Hohe Ausfallquote bei Kitas und Ganztagsschulen

Im Detail berichten 35 Prozent der befragten Mütter und Väter, dass die Betreuungseinrichtung in den drei Monaten vor der Befragung mindestens einmal ungeplant geschlossen war. Bei 44 Prozent wurden vereinbarte Betreuungszeiten verkürzt. Da viele Eltern beide Probleme gleichzeitig erlebten, ergibt sich insgesamt die hohe Betroffenenquote von 54 Prozent.

Im Vergleich zu einer Vorläuferbefragung Ende 2024 mit rund 59 Prozent ist das zwar ein leichter Rückgang – dennoch bleibt das Niveau hoch. WSI-Direktorin Prof. Dr. Bettina Kohlrausch betont: Die Debatte über angeblich zu hohe Teilzeitquoten gehe an der Realität vieler Familien vorbei, wenn die strukturellen Probleme der Betreuung nicht mitgedacht werden.

Kleine Kinder besonders häufig betroffen

Besonders stark treffen Betreuungsausfälle Familien mit jüngeren Kindern. Bundesweit meldeten:

  • 40 Prozent der Eltern mit Kindern unter drei Jahren Schließungen
  • 39 Prozent der Eltern von Drei- bis Sechsjährigen entsprechende Ausfälle

Auch bei verkürzten Öffnungszeiten liegen die Werte hoch: 49 Prozent (unter drei Jahre) und 51 Prozent (drei bis sechs Jahre) berichten von Reduzierungen. Bei älteren Kindern fallen die Quoten niedriger aus.

Regional zeigen sich Unterschiede: In Ostdeutschland sind die Ausfallquoten geringer als im Westen. Dort meldeten 21 Prozent Schließungen gegenüber 39 Prozent im Westen. Verkürzte Zeiten betrafen 39 Prozent der Eltern im Osten und 45 Prozent im Westen.

Viele Eltern reduzieren wegen Betreuung ihre Arbeitszeit

Die Folgen für den Arbeitsmarkt sind unmittelbar spürbar. Fast ein Drittel der betroffenen Eltern reagierte auf Betreuungsausfälle mit einer kurzfristigen Reduzierung der eigenen Arbeitszeit. Insgesamt gaben 30 Prozent an, ihre Erwerbsarbeitszeit verringert zu haben.

In Partnerschaften übernehmen überwiegend Mütter die zusätzliche Sorgearbeit. 73 Prozent der betroffenen Männer in heterosexuellen Partnerschaften sagten, ihre Partnerin habe die Betreuungslücke geschlossen. Umgekehrt berichteten das nur 39 Prozent der Frauen über ihren Partner.

Auffällig ist zugleich: Männer reduzierten mit 33 Prozent etwas häufiger ihre Erwerbsarbeitszeit als Frauen mit 26 Prozent – laut WSI vermutlich deshalb, weil Männer häufiger in Vollzeit arbeiten. Zusätzlich greifen 42 Prozent der Eltern auf Verwandte oder Freunde zurück, um akute Betreuungskonflikte zu lösen.

Kritik an Arbeitszeitdebatte und Deregulierung

WSI-Direktorin Kohlrausch warnt vor falschen politischen Schlüssen:
„Unter den aktuellen Umständen können berufstätige Eltern nicht verlässlich planen und vor allem Frauen müssen sich zweimal überlegen, ob sie eine Erwerbsarbeit aufnehmen oder ausweiten können.“

Weiter fordert sie klare Prioritäten bei Investitionen:
„Wir brauchen erstens weitere massive Investitionen in eine wirklich verlässliche Infrastruktur für die frühe Bildung, vor allem eine bessere Personalausstattung. Zumal ja zusätzlich noch hunderttausende Betreuungsplätze fehlen.“

Kritisch sieht sie auch mögliche Deregulierungen bei Arbeitszeiten:
„Zweitens sollte man alles unterlassen, was Arbeitszeiten für Beschäftigte noch schlechter planbar macht, beispielsweise die von der Regierung geplante Abschaffung der täglichen Arbeitszeit-Höchstgrenze.“

Betreuung als Schlüssel für höhere Erwerbsbeteiligung

Aus Sicht des WSI ist unzuverlässige Kinderbetreuung inzwischen ein zentraler Engpass für die Erwerbstätigkeit von Millionen Eltern – besonders von Müttern. Fehlende Verlässlichkeit verschärfe zudem bestehende Ungleichgewichte bei der Verteilung von Sorgearbeit zwischen Männern und Frauen.

Kohlrausch fasst zusammen:
„Das Geld für eine Fachkräfteoffensive und verbesserte Arbeitsbedingungen in Erziehungsberufen wäre damit doppelt gut angelegt. Solche Investitionen sind allemal wirkungsvoller als zusätzlicher Druck durch Deregulierungen.“

Methodik der Befragung

Die Ergebnisse stammen aus der WSI-Erwerbspersonenbefragung der Hans-Böckler-Stiftung. Erwerbstätige und Arbeitsuchende werden dabei online zu ihrer Lebenssituation befragt. Die Stichprobe ist hinsichtlich Geschlecht, Alter, Bildung und Bundesland repräsentativ für die Erwerbspersonen in Deutschland.

Quelle: Pressemitteilung der Hans-Böckler-Stiftung / WSI-Erwerbspersonenbefragung, übermittelt durch die Abteilung Öffentlichkeitsarbeit. Weitere Informationen unter: https://www.boeckler.de/de/auf-einen-blick-17945-debatte-um-die-arbeitszeit-69628.htm