Gerecht verteilen: An welchen Kriterien orientieren sich Kinder und Jugendliche?
geschrieben von Redakteur | März 22, 2021
Stehen Bedürftigkeit oder Leistung im Vordergrund?
Gerechtigkeit ist ein Menschheitsthema und spielt auch in der Schule eine große Rolle. Die Psychologin Prof. Dr. Jutta Kienbaum erforscht zusammen mit ihren Studierenden an der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe, wie sich Verteilungsgerechtigkeit bei Kindern und Jugendlichen entwickelt. Entscheiden sie nach Bedürftigkeit oder nach Leistung?
Gerechtigkeit ist ein zentrales Thema
Woran orientieren sich Kinder und Jugendliche intuitiv, wenn sie etwas gerecht verteilen sollen? Daran, wer bedürftiger ist? Daran, wer mehr geleistet hat? Oder berücksichtigen sie beide Kriterien? Und entscheiden jüngere Kinder anders als ältere? „Gerechtigkeit ist ein Menschheitsthema und spielt auch in der Schule eine große Rolle“, sagt die Entwicklungspsychologin Prof. Dr. Jutta Kienbaum, Leiterin des Instituts für Psychologie der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe.
Forschungsseminar zum Thema „Verteilungsgerechtigkeit“
Ihr empirisches Forschungsseminar zur Frage, wie sich Verteilungsgerechtigkeit bei Kindern und Jugendlichen entwickelt, ist deshalb bei Lehramtsstudierenden auch im zehnten Jahr sehr gefragt. Im Rahmen dieses Seminars führen Studierende mit Schulkindern ein Experiment durch, das sich um eine Pausenhofgeschichte dreht. Dabei sollen die Schülerinnen und Schüler entscheiden, welche Protagonisten – dargestellt durch Playmobilfiguren – fürs Müllsammeln symbolisch mit wie viel Süßigkeiten belohnt werden. Sollen diejenigen mehr bekommen, die sich beim Müllsammeln angestrengt haben? Oder diejenigen, die zu Hause gar keine oder nur wenig Süßigkeiten haben?
Kriterien wandeln sich mit dem Alter
Mehr als 60 Abschlussarbeiten sind bereits aus dem Seminar heraus entstanden. Außerdem sind die Ergebnisse der Studierenden in eine Längsschnittstudie eingeflossen, die in Karlsruhe durchgeführt wurde. „Unsere Studie hat gezeigt, dass Kinder in der Grundschulzeit denjenigen mehr geben, die bedürftiger sind, oder Bedürftigkeit und Anstrengung gleichzeitig berücksichtigen“, berichtet Prof. Dr. Kienbaum. Jugendliche hingegen integrieren ganz überwiegend beide Kriterien und Erwachsene geben entweder der Person mehr, die sich mehr angestrengt hat, oder berücksichtigen beide Kriterien. „Die Bedürftigkeit als alleiniges Verteilungskriterium scheint also im Laufe des Lebens zu verschwinden“, so Kienbaum. Dieses Ergebnismuster bestätigten auch ihre in der Schweiz und Südtirol erhobenen Daten.
Kinder entscheiden mit großer Sorgfalt
„In meinem Forschungsseminar zur Verteilungsgerechtigkeit lernen die Studierenden wissenschaftlich zu arbeiten, auch experimentell “, sagt die Psychologin und unterstreicht: „Es ist wichtig und schön, den Forschergeist der Studierenden zu wecken.“ Marie Sommer beispielsweise geht gerade in ihrer Bachelorarbeit der Frage nach, ob Kinder an einer Montessori-Schule genauso verteilen wie an einer staatlichen Regelschule. Dazu hat die Lehramtsstudentin, die später in einer Grundschule unterrichten möchte, im Januar und Februar Schülerinnen und Schüler in der Notbetreuung in Rheinland-Pfalz befragt. „Besonders beeindruckt hat mich, wie wichtig Gerechtigkeit für Kinder ist, und mit wie viel Sorgfalt sie entscheiden“, erzählt die 23-Jährige.
Und Alexandra Wilmsen, die Lehramt für die Sekundarstufe I studiert, sagt: „Durch das Seminar zum Thema Verteilungsgerechtigkeit habe ich mehr Verständnis für Schülerinnen und Schüler entwickelt. Gerade in der Sekundarstufe machen Kinder einen wichtigen Entwicklungsschritt. Hier sind Gelassenheit und Geduld gefragt.“ Es sei sehr spannend gewesen, die Forschungs- und Auswertungsmethoden der Psychologie kennenzulernen, so die 25-jährige Studentin. Und der Mehrwert, den das Seminar für ihren späteren Beruf als Lehrerin habe, sei „nicht von der Hand zu weisen“.
Über die Pädagogische Hochschule Karlsruhe
Als bildungswissenschaftliche Hochschule mit Promotions- und Habilitationsrecht forscht und lehrt die Pädagogische Hochschule Karlsruhe zu schulischen und außerschulischen Bildungsprozessen. Ihr unverwechselbares Profil prägen der Fokus auf MINT, mehrsprachliche Bildung und Heterogenität sowie eine aktive Lehr-Lern-Kultur. Das Studienangebot umfasst Lehramtsstudiengänge für Grundschule und Sekundarstufe I, Bachelor- und Masterstudiengänge für andere Bildungsfelder sowie professionelle Weiterbildungsangebote. Rund 220 in der Wissenschaft Tätige betreuen rund 3.600 Studierende. https://www.ph-karlsruhe.de
Regina Schneider M. A., Pressesprecherin Pädagogische Hochschule Karlsruhe
Angebote und Elternabende online umsetzen
geschrieben von Redakteur | März 22, 2021
Eltern-Kind-Gruppen gehen online: Arbeitshilfe und Videofilme erschienen:
Das Netzwerk Evangelischer und Katholischer Eltern-Kind-Gruppen in Deutschland (NEKED) hat die Arbeitshilfe „Eltern-Kind-Gruppen gehen online – Wie geht das?“ veröffentlicht. Die Broschüre zeigt Wege auf, wie digitale Angebote für Eltern mit Kindern bis drei Jahren und digitale Elternabende konzipiert und umgesetzt werden können.
Beratung jetzt online
Denn derzeit können Eltern und Kindern keine Angebote vor Ort gemacht werden, obwohl junge Familien doch gerade jetzt Beratung und Begleitung benötigen: Wen kann ich fragen? Mit wem kann ich mich austauschen? Wo erfahre ich Unterstützung? Die eaf als Teil des NEKED-Netzwerks möchte die LeiterInnen in der Eltern-Kind-Arbeit und die Familien ermutigen, neue Wege zu gehen und online-Formate zu nutzen.
KursleiterInnen und Eltern profitieren
„Vor einem Jahr schien es für viele noch unvorstellbar, eine Eltern-Kind-Gruppe online durchzuführen. Aber die Praxis in unseren vielen Familienbildungsstätten hat gezeigt: Es geht, und zwar sehr gut. Ich freue mich sehr, dass die Erfahrungen und das Fachwissen aus dem Netzwerk nun als Arbeitshilfe auch einer breiteren Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt werden kann. Davon werden sicherlich viele KursleiterInnen und mit ihnen viele Familien profitieren,“ so Dr. Martin Bujard, Präsident der eaf.
Herzstück der Familienbildung
Eltern-Kind-Gruppen als Herzstück der Familienbildung sind ein geeigneter Ort zur Stärkung der Elternkompetenzen und Eltern-Kind-Bindung. Sie bieten Begleitung, Bildung, Orientierung, Impulse zur religiösen Sozialisation und dienen der Entwicklungsförderung, sowie der Gesundheitsprävention. Die Eltern profitieren von dem Informations- und Erfahrungsaustausch, dem Gemeinschaftserlebnis und der Netzwerkbildung. Sie erfahren Entlastung und Selbstvergewisserung für den Familienalltag.
Quelle: Pressemitteilung der Evangelischen Arbeitsgemeinschaft Familie (eaf)
Den Weg zum Glück sollten wir nicht alleine gehen
geschrieben von Redakteur | März 22, 2021
Oder, was Glück mit Schopenhauers Stachelschweinen zu tun hat:
Der 20. März 2021 ist nicht nur Frühlingsanfang, sondern auch der internationale Tag des Glücks. Darunter verstehen viele Menschen ganz unterschiedliche Dinge. Wir haben uns das Thema von ganz unterschiedlichen Seiten angesehen und lassen verschiedene Expertinnen zu Wort kommen.
Eine Kleine Parabel
Wissen Sie, was Stachelschweine und Glück miteinander verbindet? Artur Schopenhauer, seines Zeichens Philosoph, hat vor über 160 Jahren eine kleine Parabel verfasst. In dieser drängen sich an einem kalten Wintertag Stachelschweine eng zusammen, um nicht zu erfrieren. Da pieksen sie aber die Stacheln der anderen. So suchen sie eine mäßige Entfernung voneinander, bei der sie die Wärme ihrer Artgenossen spüren aber nicht deren Stacheln.
Auch wenn der alte Philosoph in seiner Geschichte damals etwas anderes sah, könnte Sie heute doch eine Parabel zum Thema Glück sein. Der bekannte Neurobiologe Gerald Hüther hat etwa unlängst verkündet: „Glücklich sind die Menschen immer dann, wenn sie die Gelegenheit bekommen, ihre beiden Grundbedürfnisse nach Verbundenheit und Nähe einerseits und Wachstum, Autonomie und Freiheit andererseits stillen zu können.“
Das Stachelschwein: ziemlich stachelig und dennoch kuschelbedürftig
Gebunden und doch frei
Wie die Stachelschweine brauchen wir die Nähe der anderen, ohne uns dabei jedoch eingeengt zu fühlen. Schließlich wollen wir unsere Freiheit, um uns zu entwickeln.
Besonders deutlich offenbart sich das bei unseren Kindern. Wenn Sie Ihr Kind ruhig beobachten, wenn es völlig versonnen ins Spiel abgetaucht ist, oder wenn es sich völlig ausgetobt hat und nun zufrieden in Ihren Armen liegt, haben Sie Momente reinen Glücks miterlebt. Dabei sind wir Eltern immer als wärmende und sichere Ausgangsbasis für alle Abenteuer gefordert. Wir sind jene, die ihren Nachwuchs liebevoll und motivierend in seiner Entwicklung begleiten. Wenn wir dabei aber unsere Kinder in ihren Unternehmungen zu sehr einschränken, kommt ganz schnell das kleine Stachelschwein zum Vorschein und sticht zu.
Von Eltern zu „Entwicklungsassistenten“
Die Verhaltensbiologin Gabriele Haug-Schnabel sieht in Eltern deshalb „Entwicklungsassistenten“, die sich nicht als die großen Macher verstehen, sondern ihr Kind individuell und mit Liebe ermuntern, es aber selbst ausprobieren lassen und erst dann Unterstützung bieten, wenn es sie braucht. „Durch die zunehmende Selbstständigkeit und Wissenserweiterung entsteht ein Gefühl von Eigenkompetenz, das in immer neuen Situationen gestärkt und durch neue Erfahrungen erweitert wird“, schreibt sie in ihrem unlängst erschienenen Buch „Stark von Anfang an“.
Aber reicht das für das Glück? Die Antwort könnte lauten. Grundsätzlich ja! Zudem brauchen die Kinder noch unsere Liebe, ein ausreichend ausgestattetes Umfeld, in dem kein wirklicher Mangel herrscht und Möglichkeiten vorhanden sind, Gesundheit und … glückliche Eltern.
„Glückliche Eltern = glückliche Kinder“
„Glückliche Eltern = glückliche Kinder“ lautet eine der vielen Glücksformeln. Damit steht es zwar nicht allzu schlecht, aber dennoch bedenklich. Seit 2011 beobachtet die OECD das Glücksempfinden der Menschen in ihren Mitgliedsstaaten. Das Maß ist der Better-Life-Index, der sich auf einer Skala von Null bis Zehn ausdrücken lässt. Die Deutschen landen dabei auf den hinteren Plätzen. Rund ein Drittel der Befragten geben hierzulande sechs oder weniger Punkte an. Das hat zum einen objektive Gründe, zum anderen aber vor allem subjektive. Zu den objektiven Gründen gehören neben gesundheitlichen Beeinträchtigungen vor allem finanzielle. Denn Geld allein mag zwar nicht glücklich machen, ein Mangel daran fördert jedoch das Unglück. Wer also in den unteren Einkommenskategorien darben muss, keinen Einfluss auf den Verlauf seines Lebens hat, keine Wertschätzung erfährt und für seine Kinder keine Möglichkeit sieht, aus dieser Lage zu entfliehen, ist sehr wahrscheinlich unglücklich. Für Deutschland fordert die OECD deshalb Bildungsgerechtigkeit, anständige Löhne und Steuergerechtigkeit.
Vom Glück im Unglück
Dennoch fühlen sich nicht alle, die in einer solch misslichen Lage leben, unglücklich. Und nicht alle, die finanziell abgesichert leben und gesund sind, fühlen sich glücklich. Denn unser Glücks- oder besser Wohlbefinden ist subjektiv. Es kann also in jedem Menschen stecken oder eben nicht.
Philosophen, Soziologen, Psychologen, Pädagogen und Ökonomen haben sich wissenschaftlich mit dem Thema „Glück“ auseinandergesetzt. Der Soziologe Gerhard Schulze kennt zwei Arten von Glück. 1. Die Freiheit von Leid und Mangel. 2. Das schöne Leben. Hier baut das eine auf das andere auf. Dabei unterscheiden Glücksforscher wie der Nürnberger Professor Karlheinz Ruckriegel das Zufallsglück „luck“ vom persönlichen Glück „happiness“. Letzteres lässt sich als subjektives Wohlbefinden bezeichnen und ist Gegenstand der Forschung. Wohlbefinden beinhaltet zwei Elemente oder Ebenen: Das emotionale Wohlbefinden, also das Verhältnis zwischen positiven und negativen Gefühlen, und das kognitive Wohlbefinden.
3 x positiv bei 1 x negativ
Laut Ruckriegel sollte das Verhältnis zwischen positiven und negativen Empfindungen im Tagesdurchschnitt mindestens bei drei zu eins liegen. Unter kognitivem Wohlbefinden versteht die Forschung den Grad der Zufriedenheit mit dem eigenen Leben.
Und so formuliert Ruckriegel die Frage nach den Glück: „Wie zufrieden bin ich mit meinem Leben vor dem Hintergrund der Ziele, Wünsche und Erwartungen?“
Vom Glück im Märchen
Die extremen Typen erleben wir in den Hausmärchen der Gebrüder Grimm. Da ist zum einen die Frau des Fischers, die noch nicht einmal glücklich und zufrieden sein kann, als sie Papst ist. Oder „Hans im Glück“, der auch noch glücklich ist, als er gar nichts mehr hat. Hans macht sich frei von allem Habenwollen und allen Erwartungen. Deshalb ist er glücklich und deshalb gehören gerade die kleinen Kinder zu den glücklichsten Menschen in unserer Gesellschaft. Wenn sie genügend Geborgenheit spüren, trüben keine Sorgen den Augenblick. Sie Leben im Hier und Jetzt, staunen über die Welt, über Blätter, Käfer und Seifenblasen. Sie freuen sich über sich und über andere Menschen und Tiere, mit denen sie ausgiebig spielen und kuscheln können. „Ich freue mich. Das ist des Lebens Sinn. Ich freue mich vor allem, dass ich bin“, schrieb Mascha Kaléko einst in ihrem Gedicht „Sozusagen grundlos vergnügt“.
Der Sog des Habenwollens
Leider erleben auch unsere Kinder im Laufe der Zeit viele Schattenseiten im Leben. So verlieren sie ihre Sorglosigkeit und kommen selbst in den Sog des Habenwollens und -müssens. In der Schule und später im Arbeitsleben sehen wir uns vielen Anforderungen ausgesetzt, die wir erfüllen sollen. Das bedeutet aber noch lange nicht Unglück. Solange wir noch das Gefühl haben, das eigene Leben gestalten zu können, sind wir meist noch glücklich.
Das Unglück kommt erst mit der Überforderung. Laut einer Studie der Techniker Krankenkasse (TK) „…zur Stresslage der Nation“ aus dem Jahr 2013 fühlt sich jeder Dritte in Deutschland ausgebrannt. Rund 60 Prozent fühlen sich gestresst, jeder Fünfte steht sogar unter Dauerdruck. Am meisten davon betroffen ist die heutige Elterngeneration. „In der Rushhour ihres Lebens reiben sie sich auf zwischen Kind, Haushalt und Karriere und den eigenen Eltern, die auch immer mehr Hilfe brauchen.“ Hier sind rund 80 Prozent gestresst. Dabei stehen Frauen noch mehr unter Druck als Männer. Je höher Bildungsabschluss und Einkommen sind, desto höher ist auch der Belastungsgrad. Die „Stress-Hochburgen“ sind dabei die Metropolen – vor allem im Süden der Republik.
Stressig und immer stressiger
Dabei glauben viele, dass ihr Leben in den vergangenen Jahren noch stressiger geworden ist. Sobald drei und mehr Personen in einem Haushalt leben, steigt der Stresslevel enorm. „Ganz nüchtern betrachtet:“, heißt es in der Studie, „Beruf, Privatleben und Kinder – da steigt einfach der Nervfaktor. So sind 71 Prozent der Eltern im Stress – nur 29 Prozent gelingt es, gelassen zu bleiben. „Wobei die Kinder selbst gar nicht als größte Belastung empfunden werden. Die hauptsächlichen Stressfaktoren für Eltern sind der Reihenfolge nach: die Arbeit, private Konflikte, die Betreuung der Kinder, hohe Ansprüche an sich selbst sowie finanzielle Sorgen.“ Wieder sind es die Frauen, die am meisten unter dem familiären Stress leiden.
Glücklich trotz Stress
Unsere Stachelschweinherde wären bei so viel Stress wohl längst weggelaufen oder hätten den Kopf in den Sand gesteckt. Laut TK-Studie ist das aber der falsche Weg. Wer den Kopf in den Sand steckt, wird schneller krank. Am besten ist es wohl, die Dinge anzupacken und die Herausforderungen anzunehmen.
Trotz Stress sind knapp die Hälfte der Befragten zufrieden mit ihrem bisherigen Leben. Frauen sind sogar zufriedener als Männer. „Der Schlüssel zum Glück sind für die allermeisten Familie und Freunde. Für 91 Prozent der Menschen sind sie ein starker Rückhalt. Sieben von zehn Befragten ziehen Energie aus ihrem privaten Umfeld und 58 Prozent finden einen Ausgleich im Engagement in ihrer Freizeit.“
Heilmittel Familie
Glück trotz Überforderung und Stress? Und als Heilmittel Familie und soziale Beziehungen? Genau das hat auch die Glücksforschung erkannt. Laut Ruckriegel stehen an erster Stelle soziale Beziehungen, dann psychische und physische Gesundheit, eine befriedigende Tätigkeit und das Gefühl, das eigene Leben gestalten zu können. Gleiches hat auch Maike van den Boom bei den Recherchen für ihr Buch „Wo geht’s denn hier zum Glück?“ Sie hat Menschen in den so genannten glücklichsten Ländern dieser Welt befragt und kommt zu dem Schluss: Das Glück basiert
auf gelebten Werten,
auf Solidarität,
Verantwortung für sich selbst und die Menschen,
auf der Erfahrung von Freiheit, sein Leben gestalten zu können,
auf Humor und
Gelassenheit.
„Sich zu entscheiden und zu handeln im Sinn des Glücks, das macht die Bewohner der Glücksländer zu glücklichen Menschen“, stellt sie fest. In Deutschland dagegen, strebten die Menschen nach Geld, Status, Besitz und Macht – und hofften, dass sich das Glück schon irgendwann einstelle. Dass das so nicht funktioniert, wissen wir ja schon.
Dabei sind Glück und Zufriedenheit sicher nicht dasselbe. Denn Glück ist viel mehr Freude, Bewegung, Überschwang im Geist. Ungetrübte Lebensfreude also.
Kinder sehen täglich 15 Werbungen für ungesundes Essen
geschrieben von Redakteur | März 22, 2021
Kinderärzte, Wissenschaftler und AOK fordern Verbot von Kindermarketing für Junk-Food:
Schaut ein Kind TV oder nutzt es Internetmedien, sieht es in Deutschland durchschnittlich pro Tag 15,48 Werbespots oder -anzeigen für ungesunde Lebensmittel. Davon entfallen 5,14 auf das Internet und 10,34 auf das Fernsehen. Zugleich ist die Zahl der TV-Spots pro Stunde um 29 Prozent gestiegen. Das ist das Ergebnis einer Studie der Universität Hamburg, basierend auf Daten noch vor der Corona-Krise.
92 % der Lebensmittelwerbung für Kinder bezieht sich auf ungesundes Essen
Durchschnittlich 92 Prozent der Lebensmittelwerbung, die Kinder in Internet und TV wahrnehmen, bezogen sich auf ungesunde Produkte wie Fast Food, Snacks oder Süßigkeiten (Fernsehen 89 Prozent, Internet 98 Prozent). Ein Bündnis aus Wissenschaftlern, Kinderärzten und dem AOK-Bundesverband erneuert angesichts dieser Zahlen die Forderung, Kindermarketing für ungesunde Produkte in allen Medienarten zu untersagen – wie es in vielen Ländern bereits Standard ist. Auch Kinderzeitschriften sind seit vielen Jahren längst frei von dieser Art von Werbung.
Studie mit Kindern von drei bis 13 Jahren
Die Studie von Wirtschaftswissenschaftler Dr. Tobias Effertz analysiert die Werbekontakte von Kindern von drei bis 13 Jahren für den Zeitraum März 2019 bis Februar 2020 für Internet und von Juni bis September 2019 für TV. Grundlagen waren neben eigenen Erhebungen unter anderem Daten von Nielsen Media Research zum Internetsurfverhalten von Kindern und zur Reichweite von Webseiten sowie Daten über rezipierte Werbung. Die Bewertung der Produkte als gesund oder ungesund erfolgte nach dem Nutrition Profile Model der Weltgesundheitsorganisation (WHO), das eigens für den Bereich Kinder entwickelt wurde. Die Auswertung bezog sich auf die Kinder, die Internet bzw. TV nutzen.
„89 Prozent aller Werbespots werben für ungesunde Produkte“
70 Prozent der untersuchten Lebensmittelwerbespots im Fernsehen richten sich durch ihre Aufmachung oder Sendeumfeld speziell an Kinder. 89 Prozent aller TV-Spots werben für ungesunde Produkte. Die Zahl, der von Kindern gesehenen Spots pro Tag, ist zwar seit 2007 etwa gleichgeblieben, aber Kinder sehen heute 30 Minuten weniger fern. Pro Stunde werden also 29 Prozent mehr ungesunde Spots ausgestrahlt als früher. „Die Unternehmen haben den Werbedruck auf Kinder bewusst erhöht“, kritisiert Dr. med. Sigrid Peter, Kinderärztin in Berlin und stellvertretende Vorsitzende des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte (BVJK). „Die schädlichen gesundheitlichen Folgen davon sehen wir täglich in unseren Praxen. Wir müssen endlich die Ursachen angehen für Übergewicht bei Kindern – und Werbung ist dabei ein wichtiger Faktor.“
Werbepostings im Netz meist über Facebook
Im Internet werden Kinder vor allem über Facebook mit Werbepostings zu ungesunden Produkten erreicht – über zehn Milliarden Mal pro Jahr in Deutschland. Zudem locken die Unternehmen Kinder gezielt auf ihre Webseiten zu ungesunden Produkten und versuchen sie dort durch Spiele oder ähnliches lange zu halten. Auf YouTube erfolgt die Werbung für Ungesundes mit Kindermarketing zu zwei Dritteln durch Influencer.
Animation zu mehr Zucker
„Über 15 mal am Tag werden unsere Kinder von der Industrie dazu animiert, mehr Zucker, Salz und Fett zu essen“, kritisiert Professor Dr. Hans Hauner, Leiter des Else Kröner-Fresenius-Zentrum für Ernährungsmedizin der TU München und Vorsitzender der Deutschen Diabetes Stiftung (DDS). „Das macht alle Bemühungen um eine Erziehung zur gesunden Ernährung zunichte und darf nicht weiter toleriert werden. Diese Werbeaktivitäten in den digitalen Medien nehmen rasch zu und sind besonders wirksam.“ Zumal es Nachweise gebe, dass Werbung sogar stärker wirken kann als ein gutes Vorbild der Eltern.
„Keine Übernahme von Verantwortung seitens der Industrie“
„Die Studie zeigt erneut, dass seitens der Lebensmittelindustrie offenkundig keine Übernahme von Verantwortung oder Unterstützung zu erwarten ist“, sagt Dr. Kai Kolpatzik, Leiter der Abteilung Prävention beim AOK-Bundesverband. „Es wird daher höchste Zeit, diese Branche in die Pflicht zu nehmen. Denn freiwillige Selbstverpflichtungen, ganz egal ob im Rahmen der Nationalen Reduktionsstrategie oder beim Werbeverbot für Kinderlebensmittel, liefen bisher ins Leere.“ Ein gesetzlich verankertes Werbeverbot fordert auch das Wissenschaftsbündnis Deutsche Allianz Nichtübertragbare Krankheiten (DANK): „Ernährungsbedingte Krankheiten haben sich auch bei Covid-19 als verhängnisvolle Risikofaktoren für schwere Verläufe und Versterben gezeigt“, sagt DANK-Sprecherin Barbara Bitzer. „Viele Todesfälle hätten verhindert werden können, wenn die Politik früher Maßnahmen gegen Übergewicht ergriffen hätte. Deshalb ist ein Werbeverbot jetzt mehr als überfällig.“
Gemeinsame Studie von DANK und AOK
Die Studie wurde von der Deutschen Allianz Nichtübertragbare Krankheiten (DANK), dem AOK-Bundesverband sowie sechs medizinischen Fachgesellschaften und Organisationen finanziert.
Die Kurzfassung der Studie finden Sie auf der Website der DANK oder des AOK-Bundesverbandes: https://www.dank-allianz.de.
Für die Internetanalyse wurden Paneldaten des Marktforschungsunternehmens Nielsen Media Research zum Internetsurfverhalten von Kindern und der Reichweite bestimmter Webseiten bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen in Deutschland von 3 bis 13 Jahren für den Zeitraum 1. März 2019 bis 29. Februar 2020 genutzt. Zusätzlich lagen Daten über rezipierte Werbung aus demselben Zeitraum vor. Diese beinhalteten die Anzahl der wahrgenommenen Werbungen auf Internetseiten, so genannte Ad-Impressions. Der Zeitraum wurde bewusst gewählt, um Einflüsse der Coronakrise auf das Medien- nutzungsverhalten auszuschließen. In einem weiteren Datensatz wurden 1.585 einzelne Produkte samt ihrer Marketingkampagne erfasst. Für Youtube wurde eine Stichprobe von 315 Videos zu 33 Produkten prominenter Marken im Lebensmittelbereich analysiert.
7.804 Werbespots analysiert
Das Werbegeschehen im TV wurde wesentlich mit einem Datensatz der Universität Hamburg dokumentierter TV-Werbung aus dem Zeitraum Juni bis September 2019 analysiert. Dieser Datensatz beinhaltete 7.804 Werbespots auf den fünf wichtigsten Fernsehsendern für Kinder (Disney Channel, Nickelodeon, Pro7, RTL und Super RTL)1. Hinzu kamen weitere Datenquellen aus früheren Erhebungen zu Internet und Fernsehen für eine kurze zeitliche Skizzierung der Entwicklung des Kindermarketings so- wie weitere ergänzende Statistiken.
Die Bewertung der Lebensmittel als gesund oder ungesund erfolgte anhand des Nutrient Profile Model (NPM) der WHO, das eigens für den Bereich Kinder entwickelt wurde. Es legt für die einzelnen Inhaltsstoffe Grenzwerte für Kinderprodukte fest, bei deren überschreiten keine Vermarktung an Kinder erfolgen soll.
Die Deutsche Allianz Nichtübertragbare Krankheiten (DANK)
Die Deutsche Allianz Nichtübertragbare Krankheiten (DANK) ist ein Zusammenschluss von 24 medizinisch-wissenschaftlichen Fachgesellschaften, Verbänden und Forschungseinrichtungen, der sich für Maßnahmen zur Verhinderung von Krankheiten wie Adipositas, Diabetes, Krebs und Herz-Kreislaufkrankheiten einsetzt. www.dank-allianz.de.
Christina Seddig IDW Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Konzentration auf Impfstoff ist Türöffner für die Ausbreitung anderer Krankheiten
geschrieben von Redakteur | März 22, 2021
Ein Jahr COVID-19 macht Fortschritte bei der Armuts- und Krankheitsbekämpfung zunichte
Während sich die Welt auf COVID-19-Impfstoffe konzentriert, sinken die Impfraten für andere tödliche Krankheiten zum ersten Mal seit 28 Jahren deutlich. Die internationale Kinderhilfsorganisation World Vision befürchtet, dass viele Fortschritte in der Armutsbekämpfung der vergangenen 20 Jahre zunichte gemacht werden.
Pandemie könnte jährliche Todesrate verdoppeln
Laut World Vision habe die Konzentration auf einen Impfstoff gegen das Virus wesentliche Gesundheitsdienste behindert und Millionen von Kindern seien nicht gegen andere Krankheiten geimpft worden. Mehr als fünf Millionen Kinder unter fünf Jahren sind nach Auskunft der Kinderhilfsorganisation durch Cholera und Durchfallerkrankungen bedroht. Die Pandemie könnte 20 Jahre Fortschritt bei der Bekämpfung von HIV, Tuberkulose und Malaria zunichte machen und die jährliche Todesrate verdoppeln.
Tiefe globale Rezession
„Wir dürfen nicht zulassen, dass die Pandemie weiterhin die Bildung der Kinder auf Eis legt, die Gesundheitssysteme überfordert sind, Impfungen ausgesetzt werden und Kinder hungern müssen, während ihre Lebensgrundlagen dezimiert werden“, sagte Christoph Waffenschmidt, Vorstandsvorsitzender von World Vision Deutschland.
Die Pandemie hat eine tiefe globale Rezession ausgelöst. Die extreme Armut hat zum ersten Mal seit 22 Jahren zugenommen, und die Arbeitslosigkeit in ärmeren Ländern ist dramatisch gestiegen. Die Weltbank prognostiziert, dass durch COVID-19 in diesem Jahr bis zu 150 Millionen extrem Arme hinzukommen werden, die Hälfte davon Kinder.
„Es darf keine gestohlene Kindheit mehr geben“
„World Vision ist zutiefst besorgt, dass die langfristigen Auswirkungen von COVID-19 die Entwicklung einer Generation der verletzlichsten Kinder der Welt dauerhaft beeinträchtigen könnten. Es darf keine gestohlene Kindheit mehr geben, da Mädchen und Jungen auf der ganzen Welt weiterhin mit den verheerenden Nachbeben von COVID-19 konfrontiert sind“, so Waffenschmidt.
Millionen Kinder bedroht
Die bisherigen Erfolge in der Bekämpfung vieler Krankheiten seien bedroht, so World Vision. Seit 1990 hatte sich die Zahl der Kinder, die an vermeidbaren Ursachen wie Armut, Hunger und Krankheiten sterben, mehr als halbiert. Wenn die internationale Gemeinschaft jetzt nicht den Ländern Priorität einräumt, die langfristig am stärksten von den Auswirkungen von COVID-19 bedroht sind, befürchtet World Vision, dass die Pandemie Millionen von Kindern dem Tod durch Hunger und Krankheiten aussetzen wird.
„Die internationale Gemeinschaft muss sich der Herausforderung stellen – und wir müssen uns zusammenschließen, um Hoffnung zu bringen, bevor es zu spät ist“, sagte Christoph Waffenschmidt.
235 Millionen Menschen brauchen humanitäre Hilfe
Die UNO hat kürzlich vorausgesagt, dass im Jahr 2021 weltweit 235 Millionen Menschen humanitäre Hilfe und Schutz benötigen werden; ein Anstieg von 40 Prozent innerhalb eines Jahres. Das bedeutet, dass 1 von 33 Menschen weltweit Hilfe benötigt, ein deutlicher Anstieg gegenüber dem Wert von 1 von 45 Menschen vor einem Jahr, der bereits der höchste Wert seit Jahrzehnten war. Im Jahr 2020 stieg die Zahl der Menschen, die von World Vision mit Bargeld und Gutscheinen unterstützt werden, auf 6,4 Millionen an – eine Steigerung um 60 Prozent im Vergleich zu 2019. World Vision konnte dem steigenden Bedarf durch schnelles Umgewichten bestehender Mittel gerecht werden.
Mehr Bedarf aber weniger Mittel
Noch besorgniserregender ist, dass zu einer Zeit, in der die Ärmsten der Welt mehr Unterstützung denn je benötigen, insgesamt weniger Mittel bereitgestellt werden. Die Vereinten Nationen gehen davon aus, dass die ausländischen Direktinvestitionen in die Entwicklungsländer im Jahr 2020 um 35 % bis 45 % zurückgegangen sind.
Christoph Waffenschmidt: „Vor einem Jahr haben wir die größte Nothilfeaktion in unserer Geschichte gestartet. Wir rufen Regierungen, Einzelpersonen und Unternehmen dazu auf, der Hilfe für Kinder Vorrang einzuräumen und dringend auf die verheerenden Folgen zu reagieren, die diese Pandemie bereits angerichtet hat.“
World Vision wird im Kampf gegen Covid-19 und die Folgen der Pandemie weiterhin in den Bereichen Aufklärung, medizinische Hilfe und Nothilfe aktiv sein. So unterstützt World Vision beim Aufbau von Quarantänezentren, Verteilung von Impfinformationen und der Einrichtung digitaler Lernplattformen für Schüler und Schülerinnen.
Quelle: Pressemitteilung von World Vision
Tablet-Nutzung ändert bei Vorschulkindern offenbar die Wahrnehmung
geschrieben von Redakteur | März 22, 2021
Studie: Tablet-Kinder im Vorschulalter sehen den Wald vor lauter Bäumen oft nicht
Schon seit geraumer Zeit fordern unter anderem die Weltgesundheitsorganisation WHO oder der Berufsverband der Kinder und Jungendärzte (bvkj), Kinder unter drei Jahren gar nicht und Kinder im Kindergartenalter nur maximal eine halbe Stunde pro Tag vor Bildschirmen sitzen zu lassen. Dazu zählen neben TV-Geräten und Computermonitoren auch die Bildschirme von Smartphones und Tablets. WHO und bvkj stützen sich dabei auf Langzeitstudien, die vor schädlichen Folgen für die geistige, emotionale und körperliche Entwicklung von Kindern warnen.
Tablet Spiele haben eigene Anforderungen
Das Alpha Generation Lab des Diagnostik- und Therapie-Exzellenz-Programms an der Eötvös Loránd Universität (Budapest) hat nun speziell für Kleikinder entwickelte Tablet-Spiele unter die Lupe genommen. Damit die Kinder hier erfolgreich sind, müssen sie eine ganze Reihe Fähigkeiten und Fertigkeiten zum Einsatz bringen, wodurch Feinmotorik und Sensorik trainiert werden. Die Experten haben sich deshalb der Frage gestellt, inwieweit die bei diesen Spielen entwickelten Fähigkeiten Einfluss auf die Wahrnehmung der Kinder haben:
Vom Detail zum Gesamtbild
Die meisten Menschen erfassen zunächst das große Ganze und dann die Details, also zum Beispiel erst den Wald und dann die Bäume. Bei den untersuchten Tablet-Spielen geht es aber darum, die Details möglichst schnell zu erfassen und zu verarbeiten.
Mit Hilfe von Wahrnehmungstests und psychologischen Tests konnten die Wissenschaftler bei den Kindern im Vorschulalter vor allem zwei Dinge feststellen. Jene Kinder, die häufig mit Tablets spielten, konnten Details besser erfassen als andere. Im Gegensatz dazu hatten sie Probleme, das große Ganze zu identifizieren. Zudem hatten die trainierten Kinder größere Schwierigkeiten, sich in andere hineinzuversetzen.
In nur sechs Minuten
„Interessanterweise reichten sechs Minuten Spielzeit mit einem Ballonschießspiel aus, um einen detailfokussierten Aufmerksamkeitsstil in einer konsekutiven (direkt darauf folgenden) Aufgabe zu induzieren. Im Gegensatz dazu zeigten die Kinder, die mit einem nicht-digitalen Spiel spielten, den typischen globalen Fokus“, sagt Ádám Miklósi, Leiter der Gruppe.
Der Gebrauch von digitalen Geräten verändert also die Art und Weise, wie Kinder die Welt wahrnehmen. Die Ergebnisse zeigen, dass die Art der Erfahrungen, mit denen Kinder konfrontiert werden, entscheidend ist. Denn in diesem Alter ist das Gehirn sehr plastisch, so dass eine solch massive frühe Exposition einen signifikanten Langzeiteffekt haben kann.
„Der atypische Aufmerksamkeitsstil bei Kindern, die Mobiltelefone benutzen, ist nicht unbedingt schlecht, aber mit Sicherheit anders, und wir können das nicht ignorieren – zum Beispiel in der Pädagogik“, sagt Krisztina Liszkai-Peres, eine Mitarbeiterin der Gruppe und Zweitautorin der Publikation.
Neues Bildungsmaterial nötig?
Diese Kinder brauchen wahrscheinlich eine neue Art der Präsentation von Bildungsmaterial. Wie die Forscher betonen, sind Menschen, die auf Details achten, geschickter im analytischen Denken, aber weniger kreativ und haben schwächere soziale Fähigkeiten. Daher ist es möglich, dass – wenn sich dieser Trend nicht ändert – es unter den Kindern der neuen Generation mehr wissenschaftliche Denker und weniger künstlerische oder soziale geben wird, und das wird wahrscheinlich die Welt, in der wir leben, verändern.
Studienverlauf
Die Studie wurde mit insgesamt 40 Kindern, die aus insgesamt 1270 Kindern aufgrund bestimmter Kriterien ausgewählt wurden, durchgeführt. Sie waren im Durchschnitt fünf Jahre alt. 20 Kinder waren regelmäßige Nutzer von Tablets, 20 kamen mit diesen Geräten so gut wie nicht in Verbindung. Bei der Auswahl der Kinder aus der großen Gruppe unter wissenschaftlichen Kriterien sind diese sehr wahrscheinlich repräsentativ für ihre Altersgruppe. Allerdings ist die Gruppe sehr klein, weshalb die Ergebnisse der Studie als wahrscheinlich oder Tendenz betrachtet werden können. Ob sie aber repräsentativ sind muss offen bleiben. Wer sich selbst ein Bild davon machen möchte, findet die Studie hier.
Herzlichen Glückwunsch, Herr Janosch!
geschrieben von Redakteur | März 22, 2021
Zum 90. Geburtstag des großen Kinderbuchautors und Literaten Horst Eckert:
Heute feiert einer der erfolgreichsten Kinderbuchautoren seinen 90. Geburtstag: Horst Eckert alias Janosch. Die bekanntesten Figuren des genialen Zeichners und Geschichtenerfinders sind sicher der kleine Tiger, der kleine Bär und die Tigerente.
Ein weiter Weg
Feiern wird er heute wohl mit seiner Frau Ines auf Teneriffa. In die Berge der Insel im Atlantik zog es ihn bereits 1980, um sich von einer Krankheit zu erholen. Das Klima dort hat ihm wohl gutgetan.
Janosch hatte eine schwierige Kindheit- und Jugend. 1931 im oberschlesischen Hindenburg geboren, flüchtete er 1946 mit seinen Eltern nach Bad Zwischenahn in Westdeutschland. Hier arbeitete er in der Textilfabrik. 1953 begann er ein Studium an der Akademie der Bildenden Künste, das er nach wenigen Semestern wegen „mangelnder Begabung“ wieder aufgab.
Nach einem weiteren Studium bei Romano Guardini arbeitete er als freischaffender Künstler und begann seine schriftstellerische Tätigkeit im Feuilleton. Aus seinen Zeichnungen entstand sein erstes Kinderbuch „Die Geschichte von Valek dem Pferd. Sein Freund und Verleger Georg Lentz riet ihm damals, sich Janosch zu nennen. 1970 erschien sein erster Roman „Cholonek oder Der liebe Gott aus Lehm“.
Ein großes Werk
Heute blickt Janosch auf ein großes Werk zurück. Er ist Autor hunderter Kinderbücher, Romane und Theaterstücke, die in viele Sprachen übersetzt wurden. Zu seinen gestalterischen Werken zählen Ölgemälde, Aquarelle, Zeichnungen, Holzschnitte, Radierungen, Plastiken und Textilarbeiten. Seine Figurenwelt steht für zeitlose Werte wie Freundschaft („Wenn man einen Freund hat, braucht man sich vor nichts zu fürchten“) und soziales Miteinander. Die Kinderbuch-Klassiker „Oh, wie schön ist Panama“, „Post für den Tiger“ und „Komm, wir finden einen Schatz“ sind in etlichen Kinderzimmern zu finden. Janosch wurde mit unzähligen Preisen geehrt, unter anderem mit dem deutschen Jugendliteraturpreis und dem Bundesverdienstkreuz.
Hier gibt es noch eine Riesengeburtstagsparty beim kleinen Tiger
Aktionen im Geburtstagsjahr
Das Janosch-Geburtstagsjahr 2021 wird von verschiedenen Aktionen begleitet. So gibt es unter anderem tolle Janosch GIFs für Instagram und WhatsApp oder im Sommer den Tigerenten-Lauf, den die Umweltschutzorganisation WWF Deutschland und die Janosch film & medien AG veranstalten. Bei der Aktion werden Spenden zum Schutz von Tigern und deren Lebensraum gesammelt. Die Tigerente, neben dem kleinen Bären wohl der beste „Freund“ des kleinen Tigers, begleitet diese Aktion als Botschafterin. Weitere Informationen gibt es unter wwf.de/tigerententag. Zudem finden Reihe von Ausstellungen statt, so auch eine große Ausstellung im Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg. Weitere Informationen finden sich hier.
Zum Geburtstag ist im Merlin Verlag eine Werkschau mit rund 240 Abbildungen erschienen: Marie Thiriet und Marc Bastet (Hg.), „Janosch – Leben & Werk“, ISBN 978-3-87536-341-8
Auf www.janosch.de gibt es Janosch-Ausmalbilder, Bastelanleitungen und mehr.
Die Bildungschancen hängen weiter von der sozialen Herkunft ab
geschrieben von Redakteur | März 22, 2021
Der neue Datenreport 2021 – ein Sozialbericht für die Bundesrepublik Deutschland:
Eben ist der Datenreport 2021 erschienen. Er ist der Sozialbericht für die Bundesrepublik Deutschland. Die Ergebnisse sind ernüchternd. Mehr Menschen sind von Armut bedroht und immer mehr geraten dauerhaft in Armut. Das betrifft auch die Kinder. Denn wer arm ist, hat auch schlechtere Chancen.
Einmal arm, immer arm?
Wer in Deutschland einmal unter die Armutsgrenze rutscht, bleibt immer öfter länger arm. So beträgt der Anteil dauerhaft von Armut bedrohter Menschen an allen Armen 44 Prozent – und ist damit mehr als doppelt so hoch wie noch 1998. Zudem droht die Corona-Pandemie die finanzielle Situation benachteiligter Gruppen zu verschärfen: Auch wenn höhere Einkommensgruppen im ersten Lockdown häufiger Einkommenseinbußen hatten, kämpften neben Selbstständigen besonders Menschen mit niedrigen Einkommen, Geringqualifizierte und Alleinerziehende mit finanziellen Schwierigkeiten.
Ungleichheit und Ungerechtigkeit
Die Ungleichheit der Einkommen schlägt sich auch in den Einstellungen der Bevölkerung nieder. Niedrige Einkommen werden überwiegend als ungerecht bewertet. Gleichzeitig hält nur knapp jeder zweite Beschäftigte den eigenen Bruttolohn für gerecht. Diese Befunde zu den Lebensverhältnissen liefert der neue Datenreport 2021 – ein Sozialbericht für die Bundesrepublik Deutschland. Fachleute aus amtlicher Statistik und Sozialforschung haben darin Zahlen und Fakten zu wichtigen Lebensbereichen zusammengestellt.
Mehr Menschen sind dauerhaft von Armut bedroht
2018 lebte in Deutschland fast jeder Sechste (15,8 %) unterhalb der Armutsrisikoschwelle. Diese lag 2018 bei 1 040 Euro monatlich für einen Ein-Personen-Haushalt. Bei einem Ein-Elternhaushalt mit einem Kind (unter 14 Jahre) bei rund 1 352 Euro. Der Anteil ist im Vergleich zum Vorjahr (17,3 %) leicht gesunken, das Armutsrisiko liegt aber deutlich über dem Niveau Ende der 1990er-Jahre (knapp 11 %).
Auch verfestigen sich die Armutsrisiken. Wer einmal unter die Armutsgrenze rutscht, verbleibt immer länger in diesem Einkommensbereich: Von den Personen, die im Jahr 2018 unter die Armutsrisikoschwelle fielen, waren 88 % bereits in den vier Jahren zuvor (2014 bis 2017) zumindest einmal von Armut bedroht.
Die Hälfte davon (44 %) befand sich in diesem Zeitraum vier Jahre durchgehend in diesem niedrigen Einkommenssegment. Damit hat sich der Anteil der dauerhaft von Armut bedrohten Personen an allen Armen in den vergangenen zwanzig Jahren mehr als verdoppelt: 1998 betrug er noch 20 %. Das Risiko, in Armut zu leben, ist besonders hoch für Alleinerziehende (41 %), Menschen mit Hauptschulabschluss und ohne Berufsabschluss (35 %) und Menschen mit Migrationshintergrund (29 %).
Nur jeder Zweite findet den eigenen Bruttolohn gerecht
Das hohe Ausmaß sozialer Ungleichheit schlägt sich auch in den Einstellungen und Wahrnehmungen der Menschen nieder. Nur knapp die Hälfte der Bevölkerung sieht das eigene (Brutto-)Einkommen als gerecht an. Vor allem niedrige Einkommen werden als ungerecht wahrgenommen. Sehr hoch ist auch der Anteil derjenigen, die sich dafür aussprechen, dass sich der Staat für den Abbau von Einkommensunterschieden engagieren soll. Das befürworten in Westdeutschland mittlerweile fast drei Viertel der Menschen (2002 war es noch weniger als die Hälfte), in Ostdeutschland sind es rund 80 %.
Corona: Finanziell trifft es Geringqualifizierte, Alleinerziehende, Selbstständige und Zugewanderte
Große Unterschiede zeigen sich bei den finanziellen Auswirkungen der Corona-Pandemie. So berichteten für Ende März bis Anfang Juli 2020 17 % der an- und ungelernten Arbeiterinnen und Arbeiter und knapp 14 % der einfachen Angestellten von finanziellen Schwierigkeiten. Bei Bezieherinnen und Beziehern von Niedrigeinkommen war es fast jeder Fünfte. Bei den Facharbeiter-, Meister- und qualifizierten Angestelltenberufen fielen die Anteile mit rund 9 % deutlich niedriger aus. Am häufigsten waren Alleinerziehende (25 %) und Selbstständige (20 %) von finanziellen Problemen im Zuge der Pandemie betroffen. Auch Menschen, die nach Deutschland zugewandert sind, berichteten mit 15 % fast doppelt so häufig von finanziellen Schwierigkeiten wie Menschen ohne Migrationshintergrund (8 %).
Ungleiche Bildungschancen – vor und nach Corona
Nach wie vor hängen in Deutschland Bildungschancen stark von der sozialen Herkunft ab. Zwei von drei Kindern an Gymnasien haben Eltern, die selbst Abitur haben. Aber nur 8 % der Gymnasiastinnen und Gymnasiasten haben Eltern, die als höchsten Schulabschluss einen Hauptschulabschluss oder gar keinen allgemeinbildenden Schulabschluss besitzen.
In der Corona-Krise zeigt sich einmal mehr, dass auch materielle Voraussetzungen Bildungschancen beeinflussen. Augenfällig ist dies beim Zugang zu digitalen Unterrichtsformaten, für die es Computer und Tablets braucht. Familien mit höherem Einkommen besitzen im Durchschnitt mehr Endgeräte, während Familien mit niedrigen Einkommen oft nicht für jedes Kind einen Computer haben. So standen Familien mit hohem monatlichem Haushaltsnettoeinkommen (5 000 bis unter 18 000 Euro) Anfang 2020 im Durchschnitt vier PCs zur Verfügung. In der untersten Einkommensgruppe (unter 2 000 Euro) waren es durchschnittlich zwei Geräte.
Chancengleichheit bei der Bildung betrifft auch das Geschlechterverhältnis. Frauen holen auf, sind aber an der Spitze immer noch unterrepräsentiert. In den letzten zehn Jahren ist der Anteil der Professorinnen von 18 auf 26 % gestiegen. Doch mit 21 % ist nur jede fünfte der am höchsten besoldeten Professuren (C4 und W3) mit einer Frau besetzt. Der Anteil liegt damit immer noch traditionell auf niedrigem Niveau.
Corona: Homeoffice nutzen vor allem Besserverdienende
Während bis vor einem Jahr Homeoffice ein Randphänomen war und nur 5 % überwiegend von zuhause aus gearbeitet haben, waren es während des ersten Lockdowns 23 %. Bezogen auf diejenigen, die weiterhin beschäftigt und zum Beispiel nicht in Kurzarbeit waren, lag der Homeoffice-Anteil sogar bei knapp 30 %. Einiges spricht dafür, dass Homeoffice infolge der Erfahrungen während der Corona-Krise eine neue Normalität für viele wird.
Allerdings sind die sozialen Unterschiede bei der Nutzung von Homeoffice enorm. Das liegt daran, dass einige Berufe nicht für Homeoffice geeignet sind – anders als typische Büroberufe wie Marketing oder Finanzdienstleistungen. Besonders selten arbeiteten Menschen in Berufen im unteren Drittel der Einkommensverteilung im ersten Lockdown von zuhause aus. So betrug in rund der Hälfte dieser Berufe der Homeoffice-Anteil weniger als 6 %. Ganz anders zeigt sich das Bild bei Berufen im oberen Einkommensdrittel: Fast zwei Drittel dieser Berufsgruppen hatten einen Homeoffice-Anteil von 20 % und mehr.
Anhaltende Geschlechterungleichheit
Auch wenn Elternzeit für Väter heute recht verbreitet ist, werden noch immer 90 % der Elternzeitmonate von Müttern genommen. Zudem arbeiten viele Mütter in Teilzeit. Diese Arbeitsteilung hat Auswirkungen auf die finanzielle und berufliche Situation von Müttern. So stagniert beispielsweise das Berufsprestige und damit die Karriere von zweifachen Müttern nach ihrer Familiengründung nahezu gänzlich. Dagegen gewinnen kinderlose Frauen sowie Männer und Väter vom Berufseinstieg bis zum 45. Lebensjahr im Schnitt etwa 4 Prestigepunkte.
Dass viele Frauen und Männer nach der Familiengründung in alte Rollenmuster zurückfallen, liegt auch an gesellschaftlichen Normen: Fast 60 % der Personen im Familienalter zwischen 24 bis 43 Jahren denken, die Gesellschaft spreche einer vollzeiterwerbstätigen Mutter mit einem zweijährigen Kind ab, eine „gute Mutter“ zu sein. Demgegenüber stimmen aber nur 17 % der Befragten selbst dieser Aussage zu. Die wahrgenommene gesellschaftliche Norm bildet also möglicherweise etwas anderes ab als die tatsächlichen Einstellungen in der Gesellschaft.
Hintergrund
Der Datenreport wird herausgegeben vom Statistischen Bundesamt (Destatis), dem Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB), dem Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BiB) in Zusammenarbeit mit dem Sozio-oekonomischen Panel (SOEP). Er erscheint als Publikation der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb).