Es geht um jedes Kind: Neue Initiative stärkt KiTas
geschrieben von Redakteur | September 28, 2025
Die Bertelsmann Stiftung startet eine bundesweite Initiative, die den Bildungs-, Betreuungs- und Schutzauftrag von KiTas in den Mittelpunkt stellt
Kindertageseinrichtungen übernehmen einen umfassenden gesellschaftlichen Auftrag: Sie sichern Kinderrechte, ermöglichen Beteiligung und stärken die Gemeinschaftsfähigkeit. Damit dies gelingt, müssen sich Politik und Gesellschaft auf die Stärken des bestehenden KiTa-Systems besinnen und Fachkräfte gezielt unterstützen. Genau hier setzt die neue Initiative „Es geht um jedes Kind!“ an, die im September 2025 von der Bertelsmann Stiftung gestartet wurde.
Die Initiative verfolgt drei übergeordnete Anliegen:
– Zugang für alle Kinder zu guter frühkindlicher Bildung – Ganzheitliche Förderung der Kompetenz- und Persönlichkeitsentwicklung durch KiTa-Teams – Qualifizierte Fachkräfte mit professionellen Arbeitsbedingungen
Damit will sie nicht nur Bewusstsein schaffen, sondern auch Impulse für eine bessere Qualitätssteuerung in der Praxis geben.
Formate & Mitwirkende
Um die Debatte zu bereichern, setzt die Initiative auf verschiedene Formate: – Wissenschaftliche Expert:innen beleuchten Widersprüche im aktuellen Diskurs und erinnern an zentrale pädagogische Erkenntnisse. – Botschafter:innen aus Gesellschaft, Kultur, Sport und Wirtschaft setzen sich öffentlich für starke KiTas und Kinder ein. – Im Discussion Paper „KiTa ist Bildung – und mehr“ wird deutlich, was den KiTa-Auftrag so besonders macht, wie individuelle Förderung gelingt und was professionelles Handeln im Alltag bedeutet.
An der Initiative wirken zahlreiche Fachleute mit, darunter Prof. Dr. Marjan Alemzadeh, Dr. Elke Alsago, Dr. Seyran Bostancı, Prof. Dr. Rahel Dreyer und Prof. Dr. Jens Kaiser-Kratzmann. Sie liefern Impulse zu Themen wie Vielfalt, Bedürfnisorientierung, Sprachförderung, Partizipation und Professionalisierung.
Online-Präsenz und Social Media
Neben der Website werden kontinuierlich Inhalte, Videos und Interviews veröffentlicht. Interessierte können die Initiative auch auf Social Media verfolgen:
– Instagram: @gute_kita – Facebook: „Frühkindliche Bildung“ – LinkedIn: Bertelsmann Stiftung – Projekt Frühkindliche Bildung – YouTube: Playlist „Es geht um jedes Kind!“
Einordnung im aktuellen Diskurs
Die Initiative ist Teil des Projekts „Frühkindliche Bildung“ der Bertelsmann Stiftung. Angesichts des anhaltenden Fachkräftemangels, Finanzierungsfragen und struktureller Herausforderungen liefert sie wichtige Impulse: Sie zeigt auf, warum KiTas mehr als Betreuungseinrichtungen sind – und wie sie als Orte von Bildung, Schutz und Teilhabe gestärkt werden können.
Quelle: Bertelsmann Stiftung / Initiative „Es geht um jedes Kind!“
KinderVan W6 von WonderFold: 6-Sitzer für den Kita-Alltag
geschrieben von Redakteur | September 28, 2025
Stabil, komfortabel und mit großem Stauraum – so bewährte sich der Kinderwagen im Würzburger Praxistest
In Kindertagesstätten gehört es zum Alltag, mehrere Kinder gleichzeitig sicher und komfortabel zu transportieren. Für diesen Zweck gibt es spezielle Mehrsitzer-Kinderwagen, die den Anforderungen von Erzieherinnen und Erziehern gerecht werden. Einer der neuesten Vertreter ist der WonderFold W6 KinderVan, ein moderner 6-Sitzer-Kinder- und Transportwagen mit viel Stauraum, stabiler Bauweise und cleveren Sicherheitsfeatures.
Wir haben den WonderFold W6 vier Wochen lang in einer Würzburger Kita getestet und dabei geprüft, wie er sich im täglichen Einsatz mit den Kindern bewährt.
Viel Platz für Kinder – und für alles, was dazugehört
Der WonderFold W6 bietet Platz für bis zu sechs Kinder. Die Sitze sind herausnehmbar, weich gepolstert und mit 5-Punkt-Sicherheitsgurten ausgestattet. Besonders im Vergleich zu herkömmlichen Modellen fiel auf, dass die Kinder bequemer sitzen und auch längere Fahrten entspannt meistern. Eine Erzieherin aus der Kita Würzburg berichtete nach einer Fahrt: „Die Kinder hatten richtig Spaß und saßen entspannt im Wagen. Niemand hat gemeckert, das spricht schon für den Komfort.“ Auch ist der Wagen etwas schmaler als andere, was ein leichtes Durchkommen – vor allem durch Türen – ermöglicht.
Der tiefe Innenraum und die erhöhte Sitzposition ermöglichen es den Kindern, nach draußen zu schauen – ein entscheidender Pluspunkt für neugierige Kita-Kinder, die ihre Umwelt aktiv wahrnehmen möchten.
Handhabung im Alltag: leichtgängig mit kleinen Einschränkungen
Im täglichen Einsatz wurde der W6 mehrere Male pro Woche genutzt, etwa für Spaziergänge, Ausflüge oder Wege über das Kitagelände. Insgesamt ließ sich der Wagen gut fahren. Geradeaus war das Schieben angenehm und kraftsparend, bei Kurven musste jedoch etwas mehr gesteuert werden.
Ein pädagogischer Mitarbeiter fasste es so zusammen: „Wenn es geradeaus geht, fährt er super. Bei Kurven merkt man, dass die Räder unterschiedlich arbeiten. Zieht man den Wagen, wird es leichter – beim Schieben ist der Wendekreis recht groß.“
Das gilt vor allem dann, wenn der Wagen mit sechs Kindern und dem üblichen Gepäck für Ausflüge voll besetzt ist. Bei geringerer Zuladung ist eben alles leichter.
Besonders hilfreich sind die beiden Griffe, die es ermöglichen, den Wagen nicht nur zu schieben, sondern auch flexibel zu ziehen. Damit eignet sich der KinderVan auch für längere Ausflüge oder wenn das Gelände uneben ist.
Sicherheit und Schutz: Stabilität überzeugt
Ein entscheidendes Kriterium im Kita-Alltag ist die Sicherheit. Hier zeigte sich der WonderFold W6 zuverlässig. Der Wagen steht stabil – selbst dann, wenn Kinder sich daran hochziehen oder abstützen. In einem Testversuch kletterten Kinder am Rahmen, ohne dass der Wagen ins Wanken geriet.
Das große Sonnendach sorgt für wirksamen Schutz vor starker Sonneneinstrahlung und Wind. Pädagogische Fachkräfte lobten die Lösung: „Das Dach ist super. Gerade bei Ausflügen im Sommer ist es wichtig, dass die Kinder nicht nur durch eine Mütze geschützt sind.“
Einziger Kritikpunkt war die Handhabung der Gurte, die in der Praxis etwas umständlich wirken. Hier wäre ein vereinfachtes System wünschenswert, damit Kinder schneller und stressfreier angeschnallt werden können. Andererseits sitzen die Kinder, nachdem sie mit den Fünfpunktguten angeschnallt wurden, supersicher.
Fahrkomfort auf unterschiedlichen Untergründen
Im Test fuhr der KinderVan nicht nur auf Asphalt, sondern auch über Kopfsteinpflaster, Schotterwege und sogar über Gartenschläuche. Das Ergebnis: Die Federung und die XL-Räder machten kleine Hindernisse problemlos mit.
Eine Erzieherin erklärte: „Wir sind auch über Kopfsteinpflaster gefahren – das war kein Problem. Der Wagen ist robust und federt Unebenheiten gut ab.“
Für steilere Strecken im vollbeladenen Zustand wäre eine zusätzliche Handbremse sinnvoll. Hier bietet der Hersteller mittlerweile eine Lösung an: sogenannte E-Wheels (elektrische Räder), die nicht nur beim Schieben unterstützen, sondern auch aktives Bremsen ermöglichen. Diese Option macht den W6 besonders interessant für Kitas, die Ausflüge in hügeliges oder unwegsames Gelände planen.
Praktische Details: Stauraum und Klappfunktion
Neben den Sitzen überzeugt der W6 auch durch durchdachte Extras. Ein großzügiger Stauraum mit Taschen und ein abnehmbarer Korb mit Kühlfach sorgen dafür, dass Snacks, Getränke und Wechselkleidung problemlos Platz finden. Für den Kita-Alltag, in dem viel Material mitgenommen werden muss, ist das ein großer Vorteil.
Außerdem lässt sich der Wagen mit wenigen Handgriffen zusammenklappen und erstaunlich platzsparend verstauen. Im Gegensatz zu vielen sperrigen Konkurrenzmodellen passt er so auch in kleinere Lagerräume oder Fahrzeuge.
Pro & Contra auf einen Blick
Vorteile:
Platz für bis zu sechs Kinder
Bequeme, gepolsterte Sitze
Sehr guter Sonnenschutz
Hohe Stabilität, auch bei Bewegung der Kinder
Viel Stauraum und praktisches Kühlfach
Klappbar und leicht zu verstauen
Geländegängig
Hoher Fahrkomfort auch auf unebenen Untergrund
Schmaler als andere, kommt deshalb durch Türen
Verbesserungspotenzial:
Wendekreis in Kurven relativ groß
Gurt-System etwas umständlich
Handbremse nur als Zubehör (E-Wheels) erhältlich
Fazit: Ein moderner Kinderwagen für den professionellen Einsatz
Der WonderFold W6 KinderVan hat sich im Würzburger Praxistest als stabiler, komfortabler und zuverlässiger 6-Sitzer Kinderwagen für Kitas erwiesen. Die Kinder fuhren sicher, bequem und mit sichtbarer Freude. Pädagogische Fachkräfte schätzten die hohe Stabilität, den Sonnenschutz und die gute Federung.
Kleinere Kritikpunkte wie das Gurt-System oder der Wendekreis schmälern den positiven Gesamteindruck kaum – zumal der Hersteller mit den optionalen E-Wheels bereits Lösungen anbietet. Damit ist der WonderFold W6 eine intelligente und moderne Transportlösung für Kindertagesstätten, die regelmäßig mit mehreren Kindern unterwegs sind und Wert auf Sicherheit, Komfort und Praxistauglichkeit legen.
Arme Kinder starten mit Nachteilen – reiche erben Erfolg und ein langes Leben
geschrieben von Redakteur | September 28, 2025
Neue Langzeitstudie zeigt: Wohlstand schafft Vorteile durch Selbstkontrolle, Wohlbefinden, Netzwerke – und wirkt bis in Gesundheit und Lebenserwartung hinein
Bundeskanzler Friedrich Merz forderte jüngst im Bundestag einen „neuen Konsens der Gerechtigkeit“. Es gehe, so Merz, „um nichts weniger als um Gerechtigkeit“ – und darum, was dieser Begriff in unserer Zeit bedeutet. Diese politische Forderung trifft auf aktuelle Forschung, die deutlich macht, wie stark Herkunft, Wohlstand und Netzwerke das Leben von Kindern und Jugendlichen prägen – von der Karriere bis hin zur Gesundheit und Lebenserwartung.
Das Märchen von der Leistungsgesellschaft
Die Ergebnisse einer neuen Untersuchung der Concordia University in Montreal stellen die Frage neu, ob in modernen Gesellschaften tatsächlich Leistung, Fleiß und Talent über Erfolg entscheiden – oder doch eher der Geldbeutel und die Kontakte der Eltern.
Die Forschenden haben Daten der British Cohort Study ausgewertet, einer Langzeiterhebung mit knapp 6.800 Kindern. Sie alle wurden 1970 geboren und bis ins Erwachsenenalter begleitet. Ergebnis: Kinder aus wohlhabenden Familien haben wesentlich bessere Chancen, schon mit Mitte zwanzig eine Führungsposition einzunehmen.
„Wohlstand bedeutet die Möglichkeit zu haben, Hobbys nachzugehen, zu reisen und eine gute Schule zu besuchen“, erklärt Studienautor Steve Granger. „Diese Möglichkeiten helfen, soziales Kapital aufzubauen – also Ressourcen und Chancen, die wir durch unsere Netzwerke erwerben.“
Vermögen wirkt – Geld öffnet Türen
Vermögen wirkt gleich mehrfach: Es sorgt für materielle Sicherheit, ermöglicht Zugang zu guter Bildung und eröffnet Erfahrungen, die wiederum Kontakte nach sich ziehen. Auch wenn die Studie Selbstkontrolle und psychisches Wohlbefinden als Vermittler herausstellt, spielt die finanzielle Ausgangslage eine kaum zu unterschätzende Rolle.
„Frühe Widrigkeiten – sei es eine dysfunktionale Familie, berufliche Unsicherheit, ständige Umzüge oder wirtschaftliche Belastungen – können Kindern wichtige Ressourcen vorenthalten“, so Granger. „Diese Erfahrungen behindern ihre Entwicklung und wirken bis ins Erwachsenenalter hinein.“
Netzwerke als Karriere-Sprungbrett
Neben dem Geld sind es die Netzwerke der Eltern, die entscheidend sind. In den Befragungen berichteten Jugendliche schon mit 16 Jahren, ob sie jemals durch familiäre Beziehungen an einen Arbeitsplatz gekommen waren. Die Daten zeigen: Wer gut vernetzte Eltern hat, profitiert oft direkt beim Einstieg in den Arbeitsmarkt.
Das widerspricht der liberalen Erzählung, dass jede und jeder „seines Glückes Schmied“ sei. Zwar spielen Talent und Anstrengung eine Rolle – doch der Zugang zu Gelegenheiten, Praktika oder ersten Jobs ist ungleich verteilt.
Gesundheit und Lebenserwartung – ein doppelter Vorteil
Die ungleichen Startbedingungen wirken sich nicht nur auf Karrierewege aus, sondern auch auf Gesundheit und Lebenszeit. Wer in einer wohlhabenden Familie aufwächst, hat besseren Zugang zu medizinischer Versorgung, gesunder Ernährung und sicheren Wohnumfeldern. Zahlreiche Studien zeigen, dass die Lebenserwartung zwischen einkommensstarken und einkommensschwachen Gruppen in westlichen Gesellschaften oft um zehn Jahre oder mehr auseinanderliegt.
Reichtum verschafft also nicht nur bessere Chancen auf Bildung und Karriere, sondern auch höhere Chancen auf ein langes und gesundes Leben. Wenn also derzeit so viele Reiche und Prominente ihren 90. oder gar 100. Geburtstag feiern, ist das kein Zufall, sondern schlicht das Ergebnis einer besseren medizinischen Versorgung. Damit stellt sich die Frage nach gesellschaftlicher Gerechtigkeit noch grundlegender: Wenn Herkunft über beruflichen Erfolg, Gesundheit und Lebensdauer entscheidet, kann von gleichen Chancen kaum die Rede sein.
Gesellschaftliche Gerechtigkeit auf dem Prüfstand
Die Befunde werfen Fragen nach Gleichheit der Chancen auf. Wenn Vermögen und soziale Netzwerke schon früh Weichen stellen, wird die Idee eines fairen Wettbewerbs fragwürdig. Kinder aus benachteiligten Familien müssen oft doppelt so hart arbeiten, ohne vergleichbare Chancen auf Förderung oder Protektion.
Gleichzeitig zeigt die Studie: Interventionen sind möglich. Selbstkontrolle und psychisches Wohlbefinden lassen sich durch stabile Umfelder, schulische Unterstützung und außerschulische Aktivitäten fördern. Die Forschenden regen an, diese Ressourcen gezielt zu stärken und zugleich Unternehmen stärker in die Verantwortung zu nehmen, Talente auch jenseits privilegierter Herkunft zu fördern.
„Sozialneid“ – ein Kampfbegriff gegen Gerechtigkeit
In gesellschaftlichen Debatten wird die Forderung nach gleichen Chancen häufig mit dem Schlagwort „Sozialneid“ abgetan. Doch diese Vokabel ist weniger eine sachliche Diagnose als eine rhetorische Abwehrstrategie: Sie verunglimpft berechtigte Anliegen nach fairen Startbedingungen als Neidreaktion.
Wer aber nüchtern auf die Daten blickt, erkennt: Es geht nicht um Neid, sondern um fundamentale Fragen der Gerechtigkeit. Kinder aus armen Familien leben kürzer, sind häufiger krank und haben geringere Chancen auf Bildung und beruflichen Aufstieg. Das zu kritisieren, bedeutet nicht Neid – sondern den Anspruch auf eine Gesellschaft, in der Herkunft nicht über Lebenschancen entscheidet.
Schlussfolgerung für die Politik
Für die Politik bedeutet dies: Ein „neuer Konsens der Gerechtigkeit“, wie ihn Bundeskanzler Merz einfordert, muss zwar auch über Steuerfragen oder Bildungspolitik geführt werden. Er muss zudem die tiefgreifenden Zusammenhänge zwischen Herkunft, Gesundheit und Lebenschancen berücksichtigen. Wenn die Bundesregierung den Anspruch auf mehr Gerechtigkeit ernst nimmt und nicht nur leere Worthülsen von sich geben will, muss sie Strukturen schaffen, die allen Kindern unabhängig vom Elternhaus faire Chancen ermöglichen – auf gute Bildung, stabile Gesundheit und eine Zukunft, in der Leistung nicht länger hinter Vermögen und Beziehungen zurückstehen muss.
Mag dies alles auch längst bekannt sein, steckt doch der Hauptgrund für die Radikalsierung vieler demokratischer Gesellschaften darin. Eine wirkliche faire soziale Gerechtigkeit böte deshalb viele Chancen auf ein friedliches Leben für alle in Wohlstand. Eine glückliche Kindheit, mehr Motivation und damit bessere Leistungen zählen dazu.
Mitbestimmung stärkt Demokratie und Motivation in Schule und Ganztag
geschrieben von Redakteur | September 28, 2025
Neue Studie: Wo Lernende mitentscheiden, wachsen Motivation, Selbstwirksamkeit und Demokratiekompetenzen – besonders im Ganztag
Schulen sind mehr als Lernorte – sie sind Erfahrungsräume für demokratisches Handeln. Das zeigt die aktuelle Meldung „Schulen können die Demokratie noch stärker machen – wenn sie richtig unterstützt werden“, die neue Daten zur Beteiligung von Schüler:innen zusammenfasst (zur Meldung). Dort, wo Lernende mitbestimmen, sind demokratische Kompetenzen und empfundene Selbstwirksamkeit stärker ausgeprägt – besonders in Ganztagsschulen.
„Unsere Demokratie braucht engagierte junge Menschen, die gelernt haben, ihre Stimme zu erheben, unterschiedliche Perspektiven einzubeziehen und Kompromisse zu finden.“
(Brigitte Mohn)
Was die Daten zeigen
Die Studie „Demokratisierung des Lernens in Schule“ macht deutliche Lücken sichtbar: 63 % der Befragten können selten oder nie über Unterrichtsthemen mitbestimmen, 55 % haben kaum Einfluss auf Methoden und Materialien, 41 % geben an, Lehrkräften selten oder nie Feedback zum Unterricht mitteilen zu können. Nur etwa die Hälfte glaubt, Entscheidungen beeinflussen zu können, die die gesamte Schule betreffen. Besonders in Gymnasien ohne Ganztag erleben Jugendliche wenig Mitbestimmung (Studienhinweis in der Meldung).
Mitbestimmung wirkt – im Unterricht und darüber hinaus
Wissenschaftlich gut belegt ist: Beteiligung stärkt Motivation und Verantwortung. Wenn Lernende mitentscheiden dürfen, was und wie sie lernen, fühlen sie sich ernst genommen – Unterricht lässt sich passgenauer zuschneiden, was Bildungserfolg und Chancengleichheit erhöht.
„Eine zukunftsfähige Schule ist ohne Beteiligung nicht mehr vorstellbar.“
(Arne‑Christoph Halle)
„Den Auftrag, junge Menschen für das Leben in einer sich schnell verändernden Gesellschaft vorzubereiten, können Schulen nur erfüllen, wenn sie sich selbst verändern. Dafür brauchen sie die politische Rückendeckung, die Mittel und die nötigen Freiheiten.“
Die Befunde sind mit klaren Empfehlungen verknüpft: Feedback von Schüler:innen verbindlich und regelmäßig einbeziehen – etwa durch digitale Befragungen, wie sie in kommunalen Monitorings erprobt sind (z. B. UWE – Umwelt, Wohlbefinden und Entwicklung). Dazu gehören mehr Freiheiten in der Unterrichtsgestaltung und flexiblere Lehrpläne sowie eine Lern- und Prüfungskultur, in der Lernende mitbestimmen, was und wie sie lernen (Hintergründe und Materialien u. a. im Schulbereich von jungbewegt). Zentral ist die Qualifizierung von Schulleitungen und Lehrkräften, damit Beteiligung sinnvoll umgesetzt werden kann. Mitbestimmungsrechte der Schülervertretungen sollten gestärkt und enger in schulpolitische Diskussionen eingebunden werden. Für konkrete Situationen zeigt das multimediale Angebot Demokratiekosmos Schule (DEKOS), wie pädagogische Teams bei Antisemitismus und Rechtsextremismus sicher reagieren und demokratische Kultur im Alltag verankern können.
Gelebte Demokratie sichtbar machen
Wie Schulen Demokratie bereits sichtbar leben, illustrieren Auszeichnungen und Initiativen. Ein aktueller Bezugspunkt ist der Themenpreis Demokratiebildung im Rahmen des Deutschen Schulpreises – er würdigt Schulen, die Demokratie vorbildlich in ihren Alltag integrieren.
Studie und Methodik
Die Ergebnisse beruhen auf einer repräsentativen Online‑Befragung von 1.044 Schüler:innen an allgemeinbildenden Schulen (Alter 12–16 Jahre); Erhebungszeitraum: 8. November bis 1. Dezember 2024 (Details zur Erhebung in der Meldung). Ergänzende Materialien finden sich in den Projektseiten von jungbewegt sowie in thematischen Dossiers.
Mehr Inhalte der Bertelsmann Stiftung zum Thema:
Über die Bedarfe von Kindern und Jugendlichen sowie die aus ihrer Sicht wichtigen Faktoren für gutes Lernen:
Kindergesundheit in Gefahr: Patientensicherheit braucht Systemwandel
geschrieben von Redakteur | September 28, 2025
Aktionsbündnis Patientensicherheit fordert bessere Versorgung und mehr Ressourcen für Kinder
Das Aktionsbündnis Patientensicherheit (APS), die KKH Kaufmännische Krankenkasse und die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) schlagen Alarm: Die Versorgung von Kindern im deutschen Gesundheitssystem ist unsicher und unterfinanziert. „Kinder sind keine kleinen Erwachsenen. Dieser Satz ist mehr als eine medizinische Binsenweisheit, er ist ein Auftrag“, betonte APS-Vorsitzende Dr. Ruth Hecker. Versorgung müsse sich immer an Alter, Größe, Entwicklung und sprachlichen Fähigkeiten der jungen Patientinnen und Patienten orientieren.
Eine zentrale Rolle spielen dabei Eltern. Sie seien die Brücke zwischen Kind und Behandlungsteam, nehmen oft Veränderungen früh wahr und müssten stärker einbezogen werden: „Da sollten wir genau hinhören“, so Hecker.
Strukturelle Defizite in der Kindermedizin
Seit Jahren werde die Kindermedizin vernachlässigt, kritisiert der stellvertretende APS-Vorsitzende und Kinderchirurg Dr. Christian Deindl. „Kindermedizin bedeutet Zuwendung und Empathie und benötigt entsprechende zeitliche und personelle Ressourcen.“ Besonders die geplante Krankenhausreform gerät in die Kritik: DGKJ-Präsidentin Prof. Dr. Ursula Felderhoff-Müser warnt, die speziellen Bedürfnisse von Kindern und Jugendlichen drohten aus dem Fokus gesundheitspolitischer Entscheidungen zu verschwinden.
Wachsende Ängste bei Eltern
Eine aktuelle forsa-Umfrage im Auftrag der KKH zeigt, dass die Unsicherheit bei Eltern wächst. 26 Prozent der Befragten mit Kindern bis 12 Jahren äußerten Ängste im Hinblick auf Klinikaufenthalte (2021: 19 Prozent). Hauptsorge sind Infektionen mit Krankenhauskeimen, gefolgt von Befürchtungen vor erneuten Operationen oder Narkosekomplikationen.
„In erster Linie fürchten 77 Prozent der besorgten Eltern eine Infektion mit Krankenhauskeimen“, erläutert Vijitha Sanjivkumar, Expertin für Kindergesundheit im Kompetenzteam Medizin der KKH. Knapp zwei Drittel sorgen sich außerdem vor Narkoserisiken oder erneuten Operationen. Gleichzeitig vertrauen immerhin 73 Prozent der Eltern dem Klinikpersonal.
Forderung nach Paradigmenwechsel
APS-Generalsekretär Joachim Maurice Mielert geht noch einen Schritt weiter: „Wir brauchen nicht nur eine Reform, sondern einen Paradigmenwechsel.“ Patientensicherheit müsse gesetzlich verankert werden – bislang scheue die Politik diesen Schritt aus Angst vor Haftungsrisiken und Kosten.
Konkrete Maßnahmen für mehr Sicherheit
Das Aktionsbündnis Patientensicherheit, die KKH und die DGKJ fordern eine Reihe von Maßnahmen, um die Sicherheit von Kindern im Gesundheitssystem zu verbessern:
standardisierte Checklisten
doppelte Kontrollen bei Medikamentengaben
Dosierung nach Gewicht
pädiatrische Datenbanken in der elektronischen Verordnung
Aufbau einer „Speak-Up-Kultur“, die auch Eltern und junge Fachkräfte ermutigt, Bedenken offen anzusprechen
Alle Informationen stammen aus der Pressemitteilung des Aktionsbündnisses Patientensicherheit (APS). Das APS ist ein bundesweites Netzwerk aus Expertinnen und Experten verschiedener Fachrichtungen, das sich seit 2005 für mehr Patientensicherheit in Deutschland einsetzt.
Gesunder Medienkonsum für Kinder: Empfehlungen des BIÖG für Eltern
geschrieben von Redakteur | September 28, 2025
Wie Eltern ihre Kinder im Umgang mit Smartphone, Tablet und Fernseher unterstützen können
Zum Beginn des neuen Schuljahres wird wieder über Handyverbote an Schulen diskutiert. Manche Bundesländer haben feste Regeln, andere überlassen die Entscheidung den Schulen. Für Eltern ist jedoch die zentrale Frage: Wie gelingt es, Kindern von klein auf einen gesunden Umgang mit Smartphone, Tablet und Fernseher zu vermitteln?
Das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG), früher Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA), hat klare Empfehlungen veröffentlicht. Mit der Präventionskampagne „Ins Netz gehen“ möchte es Eltern Orientierung geben, um problematische Bildschirmzeit und eine mögliche Handysucht bei Kindern zu verhindern.
Bildschirmzeit bei Kleinkindern: klare Empfehlungen des BIÖG
Das BIÖG rät, dass Kinder unter drei Jahren am besten gar nicht fernsehen oder andere Bildschirmgeräte nutzen sollten. In diesem Alter sind direkte Sinneserfahrungen in der realen Welt entscheidend. Videospiele – auch einfache Lernspiele – sind frühestens ab vier Jahren geeignet. Apps auf Smartphones und Tablets sind in den ersten Lebensjahren nicht zu empfehlen und können problemlos durch gemeinsame Aktivitäten im Alltag ersetzt werden.
Handynutzung bei Kindern: Warnzeichen für problematisches Verhalten
Nicht jede intensive Nutzung von Smartphone oder Tablet ist gleich bedenklich. Eltern sollten jedoch aufmerksam werden, wenn Kinder ständig Nachrichten prüfen, gereizt reagieren, wenn sie das Handy nicht nutzen dürfen, oder gedanklich dauerhaft mit Spielen und sozialen Netzwerken beschäftigt sind. Weitere Warnzeichen sind erfolglose Versuche, die Nutzung einzuschränken, das Vernachlässigen von Schule, Hobbys oder Freundschaften sowie körperliche Symptome wie Schlafmangel, Kopfschmerzen oder Rückenschmerzen. Auch das Verheimlichen oder Verharmlosen des eigenen Nutzungsverhaltens deutet auf eine problematische Mediennutzung hin.
Medienerziehung in der Familie: Tipps für einen gesunden Umgang
Eltern spielen die wichtigste Rolle, wenn es darum geht, Bildschirmzeit zu begrenzen und Mediennutzung gesund zu gestalten. Das BIÖG empfiehlt:
Kinderschutzfunktionen am Gerät einrichten, damit ungeeignete Inhalte blockiert werden.
Klare Regeln für handyfreie Zeiten festlegen, zum Beispiel bei Mahlzeiten, bei Besuch oder vor dem Schlafengehen.
Benachrichtigungen reduzieren, damit das Smartphone weniger Ablenkung erzeugt.
Vorbild sein: Eltern, die bewusst mit digitalen Medien umgehen, erleichtern Kindern das Einhalten von Regeln.
Digitale Pausen erklären, damit Kinder verstehen, warum Bildschirmzeit begrenzt wird.
Freizeit abwechslungsreich gestalten, um Handy und Tablet in den Hintergrund zu rücken.
Handysucht bei Kindern erkennen und Hilfe finden
Wenn Eltern unsicher sind, ob ihr Kind bereits ein problematisches Nutzungsverhalten entwickelt hat, bietet das BIÖG auf seiner Plattform „Ins Netz gehen“ einen Selbsttest an. Kinder und Jugendliche erhalten dort eine Auswertung ihrer Smartphone-Nutzung und können bei Bedarf eine kostenlose Online-Beratung in Anspruch nehmen.
Weitere Informationen zu gesunder Mediennutzung
Eltern, die sich umfassend informieren möchten, finden praxisnahe Tipps auf den Seiten des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit unter www.ins-netz-gehen.de sowie auf dem Portal www.kindergesundheit-info.de. Beide Angebote unterstützen Familien dabei, Kinder altersgerecht an digitale Medien heranzuführen und Handynutzung sinnvoll zu begleiten.
Bildschirmzeit von Kindern bewusst begleiten
Medienerziehung beginnt früh. Eltern, die von Anfang an klare Regeln setzen, Bildschirmzeit begrenzen und Alternativen anbieten, helfen Kindern dabei, Smartphone und Tablet sinnvoll zu nutzen. So lernen Kinder, digitale Medien verantwortungsvoll einzusetzen – ohne dass Handy, Fernseher oder Konsole das Familienleben bestimmen.
EU will Kinder besser vor sozialen Medien schützen
geschrieben von Redakteur | September 28, 2025
Ursula von der Leyen bringt mögliche Altersgrenzen ins Gespräch – Umfragen zeigen breite Zustimmung
Immer mehr Kinder und Jugendliche verbringen einen großen Teil ihres Alltags in sozialen Netzwerken. Doch die Diskussion um Risiken wie Suchtverhalten, Cybermobbing oder den Druck durch Schönheitsideale wird lauter. Jetzt hat EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen angekündigt, mögliche Altersgrenzen für die Nutzung sozialer Medien prüfen zu lassen.
„Zu meiner Zeit haben wir als Gesellschaft unseren Kindern beigebracht, dass sie bis zu einem bestimmten Alter nicht rauchen, trinken und Inhalte für Erwachsene ansehen dürfen“, sagte von der Leyen in ihrer Rede zur Lage der Union. „Ich glaube, es ist an der Zeit, dass wir dasselbe für soziale Medien in Betracht ziehen.“
Ein Expert*innengremium soll Empfehlungen erarbeiten
Um das Thema fundiert anzugehen, will die EU-Kommission noch in diesem Jahr eine Gruppe von Fachleuten einsetzen. Diese soll bis Ende 2025 Leitlinien vorlegen, wie soziale Medien für Kinder sicherer gestaltet werden können. Dazu gehört auch die Frage, ab welchem Alter ein Zugang überhaupt sinnvoll ist.
Blick nach Australien
Als Vorbild verweist die EU auf Australien. Dort wird bereits an einer Altersgrenze von 16 Jahren für die Nutzung von Plattformen wie TikTok, Instagram oder Snapchat gearbeitet. Die europäischen Fachleute wollen genau beobachten, welche Erfahrungen dort gemacht werden – und ob sich ähnliche Regeln auch hier bewähren könnten.
Rückhalt in der Bevölkerung
Nicht nur die Politik treibt das Thema voran – auch in der Bevölkerung ist der Wunsch nach strengeren Regeln groß. Laut dem aktuellen „Bildungsbarometer 2025“ des ifo Instituts sprechen sich 85 Prozent der Erwachsenen in Deutschland für ein Mindestalter von 16 Jahren für die Einrichtung eines eigenen Social-Media-Accounts aus. Selbst unter den 14- bis 17-Jährigen befürwortet mit 47 Prozent fast die Hälfte ein solches Mindestalter.
Die Befragten sehen vor allem Risiken für die psychische Gesundheit und die schulischen Leistungen von Kindern und Jugendlichen. Fast die Hälfte der Erwachsenen (47 Prozent) würde sogar lieber in einer Welt ohne soziale Medien leben. Unter den Jugendlichen ist es umgekehrt: Zwei Drittel (68 Prozent) wollen auf soziale Medien nicht verzichten.
Bildungsbarometer 2025 – die wichtigsten Zahlen
85 % der Erwachsenen: für Mindestalter 16 Jahre bei Social-Media-Accounts
47 % der Jugendlichen (14–17 Jahre): ebenfalls dafür
78 % der Jugendlichen & 58 % der Erwachsenen: verbringen werktags über eine Stunde täglich in sozialen Medien
47 % der Erwachsenen: würden lieber in einer Welt ohne soziale Medien leben
64 % der Erwachsenen & 57 % der Jugendlichen: für Handy-Verbot im Grundschulunterricht
66 % der Jugendlichen: wünschen sich KI-Unterricht in der Schule
Die Sorge um Kinder im Netz
Die Umfrage macht deutlich: Viele wünschen sich Schutz vor Überforderung, ohne Kinder komplett von digitalen Angeboten auszuschließen. So befürworten 64 Prozent der Erwachsenen und 57 Prozent der Jugendlichen, dass Handys in der Grundschule während des Unterrichts verboten werden. Gleichzeitig sprechen sich 66 Prozent der Jugendlichen dafür aus, den Umgang mit Künstlicher Intelligenz in den Unterricht aufzunehmen.
„Jugendliche wollen klare Grenzen für ablenkende Technik, aber eine gezielte Förderung bei zukunftsrelevanten digitalen Kompetenzen“, erklärt ifo-Co-Autorin Katharina Wedel.
Ein Schritt in eine größere Schutzstrategie
Die Initiative der EU ist Teil einer umfassenderen europäischen Politik, die große Plattformen stärker in die Pflicht nehmen will. Mit dem Digital Services Act wurden bereits Regeln geschaffen, damit gefährliche Inhalte schneller entfernt werden. Altersgrenzen für soziale Medien könnten nun ein weiterer Baustein werden – mit dem klaren Ziel, Kinder und Jugendliche im digitalen Raum besser zu schützen.
Deutschland spart an Familien – und riskiert die Zukunft seiner Kinder
geschrieben von Redakteur | September 28, 2025
Immer mehr Eltern fürchten um Versorgung ihrer Kinder und fordern stärkere politische Maßnahmen
Natürlich geht es nicht immer ums Geld. Manchmal aber eben schon und in diesem Fall besonders. Denn bei der Frage nach dem Grund für die niedrige Geburtenrate in Deutschland zeigt sich deutlich, dass es vor allem die schwache Unterstützung seitens der Gesellschaft ist, die den Wunsch nach einer kinderreichen Familie zum unerfüllbaren Traum werden lässt. Wer sich dennoch in das Abenteuer stürzt, muss nicht nur mit großen finanziellen Einschränkungen in der Familienzeit rechnen, sondern auch im Alter. Schließlich fehlen vielen Eltern aufgrund der hohen Erziehungskosten die notwendigen Mittel zur Vorsorge. Frankreich bietet ein Beispiel dafür, wie es auch anders gehen könnte. Doch eine aktuelle forsa-Umfrage im Auftrag von Save the Children zeigt, wie unbelehrbar Politik und Gesellschaft hierzulande doch sind.
Umfrage zeigt wachsende Existenzängste
Eine repräsentative Befragung unter Eltern minderjähriger Kinder verdeutlicht die angespannte Lage: Drei Viertel der Befragten (76 Prozent) halten die Pläne der Bundesregierung gegen Kinderarmut für unzureichend. Besonders alarmierend ist der Anstieg der finanziellen Sorgen seit Jahresbeginn. Ein Viertel der Eltern befürchtet mittlerweile, die Grundbedürfnisse ihrer Familie – Heizung, Wohnen, Kleidung und Nahrung – künftig nicht mehr decken zu können. Im Januar lag dieser Wert noch bei 15 Prozent.
Familien mit niedrigem Einkommen besonders betroffen
Besonders hart trifft es Haushalte mit weniger als 3.000 Euro Nettoeinkommen im Monat. 57 Prozent von ihnen geben an, dass sie ihre Familie kaum noch mit dem Nötigsten versorgen können – ein Anstieg um 21 Prozentpunkte seit Januar. Fast die Hälfte dieser Familien verzichtet dauerhaft auf Dinge wie Urlaub, Restaurantbesuche oder die Hobbys der Kinder. Bei Alleinerziehenden liegt der Anteil bei einem Drittel. Für die Kinder bedeutet das nicht nur materielle Einschränkungen, sondern auch psychischen Druck: Rund 20 Prozent reagieren mit seelischem Stress auf die angespannte finanzielle Lage.
Kinder leiden unter dem Druck der Eltern
„Die Ergebnisse bestätigen, dass Armut und finanzielle Sorgen große psychische Belastungen für Eltern, aber auch für Kinder und Jugendliche selbst sind“, sagt Prof. Dr. Julian Schmitz, Klinischer Kinder- und Jugendpsychologe an der Universität Leipzig. Studien zeigen, dass Kinder aus finanziell benachteiligten Familien häufiger unter psychischen Störungen leiden und gleichzeitig schwerer Zugang zu Unterstützung finden.
Appell an die Politik
Save the Children fordert von der Bundesregierung ein umfassendes familienpolitisches Konzept, das über Stückwerk hinausgeht. Dazu gehören eine leicht zugängliche Kindergrundsicherung, der Abbau von Bürokratie bei Sozialleistungen sowie Investitionen in Bildung, soziale Infrastruktur und leistbaren Wohnraum. Auch die Stärkung der mentalen Gesundheit von Kindern müsse stärker in den Fokus rücken, etwa durch Schulsozialarbeit, Mental-Health-Coaches und mehr Therapieplätze.
Die Erwartungshaltung bleibt hoch: 88 Prozent der Eltern sehen Kinderarmut als drängendes Problem, das die Politik mit Vorrang angehen muss. Besonders die Investition in Bildung und der Ausbau der Kinderbetreuung gelten ihnen als sehr wichtig. Immer größere Teilen der Gesellschaft sind von dieser Problematik ausgenommen, da sie sich selbst gegen ein Leben mit Kindern entschieden haben.