ADHS und Kreativität: Vielfalt im Denken als Ressource begreifen

Forschung zeigt: Unkonzentriertheit kann kreative Stärke sein

Eine neue Studie der Neurowissenschaftlerin Dr. Radwa Khalil von der Constructor University, veröffentlicht im Fachjournal iScience, geht einer Frage nach, die viele Eltern, Pädagoginnen und Pädagogen seit Jahren beschäftigt: Warum wirken manche Menschen mit ADHS im Alltag unkonzentriert – und zugleich oft ungewöhnlich kreativ? Und lässt sich dieser scheinbare Widerspruch wissenschaftlich erklären?

Die Antwort der Forschenden fällt klar aus: Die gleichen neuronalen Netzwerke, die unsere Aufmerksamkeit steuern, sind auch an kreativen Prozessen beteiligt. Das bedeutet, dass typische Merkmale von ADHS – etwa Ablenkbarkeit oder Tagträumen – nicht nur Schwierigkeiten verursachen, sondern unter bestimmten Bedingungen auch kreatives Denken fördern können.

Die Studie zeigt damit eine neue Perspektive auf ein Phänomen, das bislang überwiegend unter dem Blickwinkel von Defiziten betrachtet wurde. Statt ausschließlich zu fragen, was bei ADHS „nicht funktioniert“, rückt sie die Frage in den Vordergrund, welche besonderen kognitiven Potenziale in diesen Aufmerksamkeitsmustern liegen.

Breiter Aufmerksamkeitskegel

Im Zentrum der Untersuchung steht das Konzept der sogenannten „defokussierten Aufmerksamkeit“. Dr. Khalil beschreibt diesen Zustand anschaulich: Während viele Menschen ihre Aufmerksamkeit gezielt auf eine Aufgabe richten können, nehmen Menschen mit ADHS häufig mehrere Reize gleichzeitig wahr. Dieser „breitere Aufmerksamkeitskegel“ erschwert es, bei monotonen Aufgaben konzentriert zu bleiben – eröffnet aber zugleich die Möglichkeit, ungewöhnliche Verbindungen herzustellen und neue Ideen zu entwickeln.

Genau hier liegt der Kern der neuen Erkenntnisse. Kreativität entsteht oft nicht durch lineares Denken, sondern durch das Verknüpfen scheinbar unzusammenhängender Informationen. Prozesse wie freies Assoziieren, gedankliches Abschweifen oder spontanes Umschalten zwischen Themen – alles Phänomene, die im Zusammenhang mit ADHS häufig beobachtet werden – spielen dabei eine zentrale Rolle.

Dass diese Verbindung nicht nur theoretisch ist, zeigt sich auch in der Lebensrealität vieler Betroffener. Immer wieder wird darauf hingewiesen, dass Menschen mit ADHS überdurchschnittlich häufig in kreativen Berufen vertreten sind. Prominente Beispiele wie Justin Timberlake oder Simone Biles werden oft genannt, auch wenn solche Einzelfälle keine wissenschaftlichen Belege ersetzen.


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Aufmerksamkeit und Kreativität sind eng miteinander verschränkt

Die Studie geht jedoch über diese Beobachtungen hinaus und versucht, die zugrunde liegenden Mechanismen systematisch zu erklären. Sie führt Forschungsergebnisse aus verschiedenen Disziplinen zusammen und zeigt, dass Aufmerksamkeit und Kreativität eng miteinander verschränkt sind – auf der Ebene neuronaler Netzwerke ebenso wie im Verhalten.

Ein besonders interessanter Aspekt betrifft die praktische Anwendung dieser Erkenntnisse. Die Forschenden sehen großes Potenzial in sogenannten kreativen Therapieansätzen. Dazu zählen Aktivitäten wie Malen, Musik, Tanz, Schreiben oder auch spielerische digitale Formate. Diese Tätigkeiten nutzen gezielt die offenen, assoziativen Denkprozesse, die bei ADHS häufig ausgeprägt sind.

Dabei geht es nicht um bloße Beschäftigung oder Ablenkung. Kreative Aktivitäten sprechen genau jene Gehirnstrukturen an, die auch für die Steuerung von Aufmerksamkeit zuständig sind. Wenn Kinder oder Erwachsene mit ADHS sich intensiv auf solche Prozesse einlassen, kann dies dazu beitragen, Aufmerksamkeitsmuster zu stabilisieren und neu zu organisieren.

Dr. Khalil formuliert es zugespitzt: Kreativer Ausdruck sei kein Nebenprodukt, sondern eine Form von Training für das Gehirn. Wer sich beim Zeichnen, Musizieren oder Schreiben vertieft, arbeite mit seinem kognitiven Stil – und nicht gegen ihn.

Gut begründet, aber nicht vollständig erforscht

Gleichzeitig bleibt die Studie vorsichtig in ihrer Bewertung. Die Zusammenhänge zwischen ADHS und Kreativität sind zwar gut begründet, aber noch nicht vollständig erforscht. Die Autorinnen und Autoren betonen, dass es weiterer Untersuchungen bedarf, insbesondere langfristiger Studien, die Entwicklungsverläufe genauer abbilden.

Methodisch handelt es sich bei der Arbeit um eine interdisziplinäre Zusammenführung bestehender Forschungsergebnisse. Sie entwickelt daraus ein theoretisches Modell und leitet Empfehlungen für zukünftige Studien ab. Dazu gehören unter anderem:

•          eine engere Zusammenarbeit zwischen Neurowissenschaft, Pädagogik und Therapie

•          neue Methoden zur Erfassung kreativer Prozesse

•          langfristige Untersuchungen zur Wirkung kreativer Interventionen

ADHS – kognitive Besonderheit mit eigenen Möglichkeiten

Auffällig ist vor allem der Perspektivwechsel, den die Studie anstößt. ADHS erscheint hier nicht mehr ausschließlich als Störung, die korrigiert werden muss, sondern als kognitive Besonderheit mit eigenen Möglichkeiten. Diese Sichtweise verändert nicht nur den wissenschaftlichen Diskurs, sondern hat auch Konsequenzen für den Alltag – in Familien, in Kitas, in Schulen.

Denn wenn Aufmerksamkeit nicht nur als Fähigkeit zur Fokussierung verstanden wird, sondern auch als Offenheit für vielfältige Reize, dann stellt sich die Frage neu, wie Lernumgebungen gestaltet sein sollten. Die Studie liefert dafür keine einfachen Rezepte, aber sie verschiebt den Blick: weg von der reinen Anpassung an bestehende Anforderungen – hin zu einem Verständnis, das Vielfalt im Denken als Ressource begreift.

Weitere Informationen finden Sie hier:

Gernot Körner




Kostenfreies Bildungsprogramm: Kita-Kinder entdecken Lebensmittel

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Pädagogische Fachkräfte erkunden mit Kita-Kindern, woher regionale Bio-Lebensmittel kommen und wie sie hergestellt werden

Essen entdecken! ist ein kostenfreies, interaktives Bildungsprogramm der Sarah Wiener Stiftung für Kitas deutschlandweit. Die Lernreise begleitet pädagogische Fachkräfte dabei, mit Kita-Kindern zu erkunden, woher regionale Bio-Lebensmittel kommen und wie sie hergestellt werden. Die Teilnahme ist ganzjährig möglich. Kita-Fachkräfte können sich der Webseite sw-stiftung.de/mitmachen/essen-entdecken anmelden.

Die Entstehung und Verarbeitung von Bio-Lebensmitteln wie Getreide, Milch, Eier, Honig, Obst- oder Gemüsesorten wird bei Essen entdecken! mit allen Sinnen erlebbar. Das Programm fördert einen Bezug zum Essen, weckt Neugier, Interesse und Wertschätzung für die ökologische Landwirtschaft, für Tiere und Pflanzen.

Interaktiver E-Mail-Kurs

Im Rahmen eines sechswöchigen E-Mail-Kurses erhalten die pädagogischen Fachkräfte Impulse und Materialien. Sie erfahren, wie sie gemeinsam mit ihrer Kita-Gruppe im Alltag, etwa beim Morgenkreis, den Mahlzeiten oder im Kitagarten, das jeweilige Lebensmittel näher kennenlernen können. Zu den Inhalten und Formaten des Programms gehören digitale Info-Module, Videos, Hörbeiträge, Praxisbeispiele, Rezepte, interaktive Ideenpinnwände und Austauschrunden.

Exkursion

Neben dem Erkunden des Bio-Lebensmittels in der Kita ist eine Exkursion Teil der Lernreise. Kitas können einen selbstorganisierten Erlebnisort oder einen Partnerbetrieb der Stiftung besuchen.

Die Sarah Wiener Stiftung bietet jährlich bis zu 150 qualitätsgesicherte Tagesexkursionen zu erzeugenden und verarbeitenden Bio-Betrieben in ganz Deutschland an und kooperiert mit rund 30 Betrieben. Termine für Kitagruppen zwischen 15 und 30 Kindern, die zwischen drei und sechs Jahre alt sind, finden sich auf der Essen entdecken!-Webseite.

Bei der Variante mit einer Exkursion zu einem selbstorganisierten Erlebnisort sind die Teilnehmenden freier in der Termin- und Ortsplanung. Alles entlang der Wertschöpfungskette des jeweiligen Lebensmittels ist möglich (z.B. eine Bio-Bäckerei, ein Bio-Markt oder eine Streuobstwiese). Die Sarah Wiener Stiftung unterstützt mit Tipps und Hilfestellungen, um die Organisation so einfach wie möglich zu halten. Eventuell entstehende Exkursionskosten müssen die Kitas selbst tragen.

Förderpartner

Essen entdecken! ist von IN FORM, Deutschlands Initiative für gesunde Ernährung und mehr Bewegung, ausgezeichnet. Es wird gefördert vom Bundesprogramm Ökologischer Landbau (BÖL), der Deutschen Postcode Lotterie (DPL), der Zukunftsstiftung Landwirtschaft und der Stiftung Berliner Sparkasse. Mit dem BÖL fördert das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) den Ausbau der ökologischen Land- und Lebensmittelwirtschaft in Deutschland.

Quelle: Pressemitteilung Sarah Wiener Stiftung




Übergewicht bei Kindern bleibt ein wichtiges Gesundheitsthema

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PowerKids-App unterstützt Kinder bei gesunder Lebensweise

Übergewicht und Adipositas zählen weiterhin zu den größten gesundheitlichen Herausforderungen im Kindes- und Jugendalter. In Deutschland gelten etwa 15,4 % der Drei- bis 17-Jährigen als übergewichtig, rund 5,9 % als adipös.

Ein dauerhaftes Ungleichgewicht zwischen Energieaufnahme und Energieverbrauch, zu wenig Bewegung sowie psychosoziale Belastungen können langfristig gesundheitliche Probleme verursachen.

Auch die Stiftung Kindergesundheit setzt auf diesen Ansatz und fördert mit der digitalen Präventionslösung PowerKids gesunde Lebensgewohnheiten bei Kindern.

Die PowerKids-App: Spielerische Prävention für Kinder

Die kostenfreie PowerKids-App richtet sich an Kinder im Alter von acht bis zwölf Jahren. Über einen Zeitraum von zwölf Wochen begleitet das Programm die jungen Nutzerinnen und Nutzer mit interaktiven Inhalten rund um:

  • gesunde Ernährung
  • regelmäßige Bewegung
  • Selbstwert und mentale Stärke

Kinder können beispielsweise Mahlzeiten in einem Ernährungstagebuch festhalten, Bewegungspunkte durch Alltagsaktivitäten sammeln oder ihre Stimmung im sogenannten „Launometer“ dokumentieren. Ergänzend stärken kurze mentale Übungen das Selbstbewusstsein.

Podcasts, Videos, Spiele und Challenges sorgen dafür, dass die Inhalte abwechslungsreich und motivierend vermittelt werden.

Das Programm basiert auf einem wissenschaftlich fundierten Konzept. Entwickelt wurde es gemeinsam mit Expertinnen und Experten aus Ernährungstherapie, Gesundheitswissenschaften und Kinderpsychotherapie.

Bedeutung früher Prävention

„Es ist entscheidend, Kinder frühzeitig zu erreichen – bevor gesundheitliche Risiken entstehen oder sich verfestigen“, sagt Prof. Dr. med. Dr. h. c. mult. Berthold Koletzko, Gründer und Vorstand der Stiftung Kindergesundheit.

„Programme wie PowerKids zeigen, dass Prävention dort ansetzen muss, wo Kinder leben und lernen. Wenn wir Wissen, Motivation und Selbstvertrauen spielerisch und handlungsorientiert vermitteln, schaffen wir nachhaltige Grundlagen für einen gesunden Lebensstil.“

Erste Bilanz: Gute Akzeptanz der Präventions-App

Ein halbes Jahr nach dem Start fällt die erste Bilanz positiv aus. Die App wurde rund 1.700-mal heruntergeladen. Durchschnittlich nutzen etwa 90 Kinder das Programm täglich, mit einer mittleren Nutzungsdauer von rund zehn Minuten.

Mehr als 60 Kinder haben das gesamte Programm bereits abgeschlossen. Besonders erfreulich: 85 % der teilnehmenden Kinder würden die App weiterempfehlen.

Auch die Rückmeldungen aus der Zielgruppe zeigen eine positive Resonanz:

„Der Podcast war immer sehr interessant“, berichtet ein Kind.
Ein anderes hebt hervor: „Die Fitness-Challenge fand ich sehr, sehr toll.“
Und ein weiteres sagt: „Ich mag gerne den Mixer mit den Launen.“

Weiterentwicklung der PowerKids-App geplant

Für das Jahr 2026 plant die Stiftung Kindergesundheit eine Weiterentwicklung der Anwendung. Dabei sollen Rückmeldungen und Wünsche der bisherigen Nutzerinnen und Nutzer einfließen. Parallel ist eine wissenschaftliche Evaluation vorgesehen, um die Wirksamkeit des Programms genauer zu untersuchen.

Digitale Prävention als Chance für Familien

Prävention muss früh beginnen und leicht zugänglich sein. Digitale Angebote können dabei eine wichtige Rolle spielen.

Programme wie PowerKids unterstützen Familien dabei, gesunde Routinen aufzubauen, das Selbstvertrauen von Kindern zu stärken und langfristig die Basis für ein aktives und gesundes Leben zu schaffen.

Weitere Informationen finden Sie unter:
www.powerkids.de




Social Media gefährdet Bildung und Psyche von Kindern deutlich

Studie zeigt Zusammenhang zwischen Medienkonsum, PISA-Werten und mentaler Gesundheit

Digitale Medien prägen den Alltag von Kindern und Jugendlichen in einem bislang nicht gekannten Ausmaß. Eine aktuelle Analyse des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) im Auftrag der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) weist auf deutliche Zusammenhänge zwischen intensiver Nutzung sozialer Medien, sinkenden schulischen Leistungen und zunehmenden psychischen Belastungen hin. Die Ergebnisse liefern wichtige Hinweise für pädagogische Fachkräfte – insbesondere im schulischen Kontext.

Psychische Gesundheit weiterhin belastet

Die Untersuchung zeigt, dass sich die psychische Situation vieler Kinder und Jugendlicher seit der Corona-Pandemie nicht vollständig stabilisiert hat. Angstsymptome, Einsamkeit und Sorgen über globale Krisen gehören weiterhin zum Alltag vieler junger Menschen. Besonders häufig werden Ängste im Zusammenhang mit Kriegen und Terrorismus genannt.

Ein übermäßiger Medienkonsum wird dabei als ein relevanter Belastungsfaktor beschrieben. Studien, auf die sich das Gutachten stützt, zeigen einen Zusammenhang zwischen intensiver Nutzung sozialer Medien und psychischen Beeinträchtigungen wie Depressionen, Angstzuständen und Stress. Gleichzeitig lässt sich beobachten, dass eine Reduktion der Nutzung mit einer verbesserten Lebenszufriedenheit einhergeht.

Rückgang schulischer Leistungen

Parallel zu den beschriebenen psychischen Belastungen verweisen die Daten auf einen kontinuierlichen Rückgang schulischer Kompetenzen. Seit 2015 verschlechtern sich die Ergebnisse deutscher Schülerinnen und Schüler in den PISA-Studien in den Bereichen Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften.

Die IW-Analyse zeigt hierbei einen statistischen Zusammenhang zwischen der Nutzung sozialer Medien und den gemessenen Kompetenzen: Mit steigender Nutzungsintensität gehen im Durchschnitt geringere Leistungswerte einher. Konkret wird ein Rückgang von über 20 Punkten im Lesen und knapp 20 Punkten in Mathematik beschrieben.

Auch Befragungen unter Jugendlichen stützen diese Ergebnisse. Ein Großteil gibt an, durch soziale Medien vom Lernen abgelenkt zu werden oder Schwierigkeiten zu haben, sich über längere Zeit zu konzentrieren.

Verändertes Freizeitverhalten als Hintergrund

Die Studie führt diese Entwicklungen unter anderem auf Veränderungen im Freizeitverhalten zurück. Digitale Medien nehmen heute einen deutlich größeren Raum im Alltag ein als noch vor einigen Jahren. Während Jungen mehr Zeit mit Computerspielen verbringen, hat sich bei Mädchen insbesondere die Nutzung sozialer Netzwerke und digitaler Kommunikation stark ausgeweitet.

Diese Verschiebung geht mit einer veränderten Nutzung von Zeitressourcen einher, die sich auch auf Lernprozesse auswirken kann.

Ungleichheit der Bildungschancen nimmt zu

Besonders deutlich zeigen sich die Effekte bei Kindern aus bildungsferneren Haushalten. Sie nutzen digitale Medien im Durchschnitt intensiver und verfügen gleichzeitig über geringere Ressourcen, um mögliche negative Auswirkungen auszugleichen.

Die Analyse kommt zu dem Ergebnis, dass mit steigender Mediennutzung auch das Risiko von Bildungsarmut zunimmt. Damit verschärfen sich bestehende Unterschiede in den Bildungschancen.

Empfehlungen mit Fokus auf Schule und Elternhaus

Zur Einordnung der Ergebnisse formuliert die Studie zwei zentrale Ansatzpunkte:

Regulatorischer Ansatz:
Bestehende Altersbeschränkungen und Schutzmechanismen sollen konsequenter umgesetzt werden, um Kinder und Jugendliche besser vor problematischen Inhalten und suchtfördernden Strukturen zu schützen.

Kompetenzstärkender Ansatz:
Die Vermittlung von Medienkompetenz wird als zentrale Aufgabe im schulischen Kontext beschrieben. Dazu gehören Fortbildungen für Lehrkräfte sowie eine stärkere Aufklärung von Eltern über Risiken und Kontrollmöglichkeiten.

Bedeutung für die pädagogische Praxis

Die Ergebnisse verdeutlichen, dass digitale Medien einen relevanten Einfluss auf Lernprozesse und das Wohlbefinden von Kindern und Jugendlichen haben können. Für pädagogische Fachkräfte – insbesondere im schulischen Bereich und nicht im Kindergartenbereich – ergeben sich daraus Hinweise für die Gestaltung von Lernumgebungen sowie für den Umgang mit digitalen Medien im Bildungsalltag.

Einordnung der Studie

Die Studie basiert auf Auswertungen bestehender Datensätze, insbesondere der international anerkannten PISA-Studien, und nutzt ergänzend Befragungen anderer Institutionen. Dadurch ist die Datengrundlage grundsätzlich belastbar und für den schulischen Bereich repräsentativ. Allerdings handelt es sich nicht um eine eigene, neu erhobene Stichprobe, sondern um eine Sekundäranalyse. Die Ergebnisse zeigen statistische Zusammenhänge zwischen Mediennutzung, Bildungserfolg und psychischer Gesundheit, erlauben jedoch keine eindeutigen Aussagen über Ursache und Wirkung. Zudem wurde die Studie im Auftrag der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft erstellt, einem wirtschaftspolitisch ausgerichteten Thinktank. Diese Rahmung sollte bei der Interpretation berücksichtigt werden. Insgesamt liefert die Analyse fundierte Hinweise, ersetzt jedoch keine differenzierte Betrachtung weiterer Einflussfaktoren und Forschungsergebnisse.

Quelle: Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM), basierend auf einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW)

Digitale Mediennutzung bewusst begleiten – von Anfang an

Kinder wachsen heute selbstverständlich mit digitalen Medien auf. Umso wichtiger ist es, sie frühzeitig dabei zu begleiten, einen verantwortungsvollen Umgang zu entwickeln. Diese Streitschrift beleuchtet fundiert und praxisnah die Chancen, Risiken und pädagogischen Herausforderungen digitaler Mediennutzung im Krippen-, Kita- und Grundschulalter – differenziert, kritisch und ohne vorschnelle Antworten.

Armin Krenz
Medienkompetenz beginnt mit der Sach- und Selbstkompetenz bei den Erwachsenen und nicht zuvorderst „am“ Kind!
28 Seiten, ISBN: 9783963046193, 5 €




Hauptursache Sonnencreme: Kinder mit verbotenen Weichmachern belastet

Aktuelle Untersuchungen zeigen: In 92 Prozent der Urinproben von Kindern und Jugendlichen wurde ein fortpflanzungsschädigender Weichmacher nachgewiesen

Neue Daten des Umweltbundesamt zeichnen ein klares Bild: Kinder und Jugendliche in Deutschland sind auch 2025 weiterhin mit einem in der EU nicht zugelassenen Weichmacher belastet. In einer aktuellen Untersuchung wurden zwischen April und Juli 2025 insgesamt 259 Urinproben von 6- bis 17-Jährigen analysiert.

Das Ergebnis ist eindeutig: In 92 Prozent der Proben wurde Mono-n-hexylphthalat (MnHexP) nachgewiesen – ein Abbauprodukt des fortpflanzungsschädigenden Weichmachers Di-n-hexylphthalat (DnHexP). Zwei der untersuchten Kinder überschritten sogar den gesundheitlichen Beurteilungswert deutlich.

Damit bestätigt sich ein Trend, der bereits in früheren Untersuchungen sichtbar wurde – allerdings in einer neuen Dimension.

Verbotener Weichmacher mit überraschend hoher Verbreitung

DnHexP gilt als fortpflanzungsschädigend und ist in der Europäischen Union nicht zugelassen. Umso problematischer ist der aktuelle Befund: „Der hohe Anteil belasteter Proben sowie die teils sehr hohen Konzentrationen haben uns überrascht“, erklärte UBA-Präsident Dirk Messner. Zwar liegen die meisten gemessenen Werte unterhalb des sogenannten HBM-I-Wertes von 60 Mikrogramm pro Liter Urin, doch einzelne Überschreitungen zeigen, dass gesundheitlich relevante Belastungen möglich sind.

Sonnencreme als zentrale Quelle identifiziert

Die Ursache der Belastung ist inzwischen weitgehend geklärt: Bereits 2024 konnten Untersuchungen zeigen, dass verunreinigte Sonnencremes eine zentrale Rolle spielen. Im Fokus steht dabei der UV-Filter Diethylaminohydroxybenzoylhexylbenzoat (DHHB), bei dessen Herstellung der verbotene Weichmacher DnHexP als Nebenprodukt entstehen kann. Die Analysen zeigen jedoch auch:

  • Die Belastung schwankt stark zwischen Produkten
  • Es sind bereits Sonnencremes ohne Verunreinigung auf dem Markt

Das Problem ist damit technisch lösbar – aber bislang nicht konsequent reguliert.

EU reagiert – Grenzwerte erst ab 2027

Der Wissenschaftliche Ausschuss für Verbrauchersicherheit der EU (SCCS) hat 2025 bewertet, dass eine minimale Verunreinigung technisch möglich ist. Dennoch gilt:

  • Erst ab 1. Januar 2027 dürfen nur noch Sonnenschutzmittel mit klar begrenzten DnHexP-Gehalten verkauft werden
  • Frühere Messungen lagen teils um ein Vielfaches über diesen zukünftigen Grenzwerten

Bis dahin bleibt eine relevante Belastungsquelle bestehen – insbesondere für Kinder.

Mehrfachbelastung erhöht gesundheitliche Risiken

Ein zentrales Problem liegt nicht nur im einzelnen Stoff, sondern in der Kombinationswirkung mehrerer Weichmacher.

Bereits frühere Studien zeigten, dass Kinder häufig gleichzeitig verschiedenen fortpflanzungsschädigenden Substanzen ausgesetzt sind – teilweise über der von der European Food Safety Authority als tolerierbar eingestuften Gesamtmenge.

Das bedeutet:
Selbst wenn einzelne Stoffe unterhalb von Grenzwerten liegen, kann die Gesamtbelastung gesundheitlich relevant sein.

Schutz bleibt notwendig – aber ohne vermeidbare Risiken

Trotz der aktuellen Befunde betont das Umweltbundesamt:
Sonnenschutz bleibt unverzichtbar, insbesondere für Kinder mit empfindlicher Haut, um das Hautkrebsrisiko zu senken.

Gleichzeitig wird deutlich: Vermeidbare Schadstoffquellen müssen konsequent eliminiert werden.

Kinderrechte und Gesundheit: ein ungelöstes Spannungsfeld

Die aktuellen Ergebnisse werfen auch eine grundsätzliche Frage auf:
Wie kann es sein, dass Kinder weiterhin mit verbotenen, fortpflanzungsschädigenden Stoffen belastet sind – obwohl Schutz und Gesundheit zentrale gesellschaftliche Ziele sind?

Die Daten des Umweltbundesamtes machen deutlich:
Es handelt sich nicht um Einzelfälle, sondern um ein strukturelles Problem – mit unmittelbaren Konsequenzen für die Gesundheit der jungen Generation.

Mehr dazu unter: https://www.umweltbundesamt.de/themen/gesundheit/belastung-des-menschen-ermitteln/alise-deutsche-kinder-jugendstudie-zur




Putzmittel bleiben große Gefahr für kleine Kinder im Haushalt

Waschmittelpackungen und Sprühflaschen führen laut einer US-Langzeit-Studie häufig zu Verletzungen – besonders bei Kindern unter fünf Jahren

Putzmittel gehören zum Alltag in nahezu jedem Haushalt – und genau darin liegt ein oft unterschätztes Risiko. Eine aktuelle Langzeitstudie des Center for Injury Research and Policy zeigt, wie häufig Kinder durch Reinigungsprodukte verletzt werden. Zwischen 2007 und 2022 wurden in den USA mehr als 240.800 Kinder unter fünf Jahren nach Kontakt mit Reinigungs- oder Bleichmitteln in Notaufnahmen behandelt. Rein rechnerisch bedeutet das: Alle 35 Minuten kommt es zu einer solchen Verletzung.

Die Ergebnisse wurden im Fachjournal Pediatrics veröffentlicht. Grundlage der Analyse ist das National Electronic Injury Surveillance System (NEISS), eine umfassende Datenbank, die landesweit Krankenhausaufnahmen dokumentiert und damit einen realistischen Einblick in Unfallgeschehen im Alltag ermöglicht.

Waschmittel und Sprays als zentrale Gefahrenquellen

Besonders auffällig ist, dass bestimmte Produkte immer wieder eine zentrale Rolle spielen. Waschmittelpackungen – insbesondere Kapseln – sind für etwa ein Drittel aller Verletzungen verantwortlich. Fast ebenso häufig sind Sprühflaschen beteiligt, die mehr als ein Viertel der Fälle ausmachen.

Diese Produkte sind im Haushalt allgegenwärtig, leicht zugänglich und wirken auf Kinder oft harmlos oder sogar ansprechend. Gerade Waschmittelkapseln erinnern mit ihren bunten Farben nicht selten an Süßigkeiten. Sprühflaschen wiederum verteilen Flüssigkeiten fein und können so leicht in die Augen oder auf die Haut gelangen.

Die Folgen sind entsprechend ernst. Viele Kinder erleiden Verätzungen, Hautreizungen oder Augenverletzungen. Besonders häufig kommt es zu Bindehautentzündungen oder Dermatitis. In schweren Fällen führen die Kontakte sogar zu Vergiftungen.

Warum besonders kleine Kinder gefährdet sind

Das Risiko ist nicht gleichmäßig verteilt. Besonders betroffen sind Kinder im Alter zwischen einem und zwei Jahren. In dieser Entwicklungsphase erkunden Kinder ihre Umwelt intensiv – und zwar vor allem über den Mund.

Die Studienautorin Rebecca McAdams erklärt, dass kleine Kinder Gefahren schlicht noch nicht einschätzen können. Warnhinweise auf Verpackungen bleiben wirkungslos, weil sie weder gelesen noch verstanden werden. Stattdessen zählen Neugier und spontane Impulse.

Das führt dazu, dass Produkte geöffnet, angefasst oder direkt in den Mund genommen werden – oft innerhalb weniger Sekunden.

Häufigster Unfallhergang: Verschlucken von Reinigungsmitteln

Die Daten der Studie zeigen deutlich, dass das größte Risiko vom Verschlucken ausgeht. In den meisten Fällen, in denen Kinder verletzt wurden, hatten sie zuvor Reinigungsmittel aufgenommen.

Vergiftungen sind daher die häufigste Diagnose. Fast alle dieser Fälle lassen sich darauf zurückführen, dass Kinder Flüssigkeiten aus Sprühflaschen oder den Inhalt von Waschmittelkapseln verschluckt haben.

Bemerkenswert ist zudem, dass etwa ein Viertel der Vorfälle nicht durch das Kind selbst ausgelöst wurde. Stattdessen kam es zu einem Kontakt mit den Chemikalien, weil eine andere Person – meist unbeabsichtigt – das Kind während des Putzens einbezog oder nicht ausreichend Abstand hielt.

Der Haushalt als Risikoraum

Ein besonders wichtiger Befund der Studie ist der Ort des Geschehens: Die meisten Unfälle passieren im eigenen Zuhause. Damit wird deutlich, dass es sich nicht um seltene Ausnahmesituationen handelt, sondern um Risiken, die direkt im Alltag entstehen.

Reinigungsmittel stehen häufig offen herum, werden kurz abgestellt oder bewusst griffbereit gehalten. Für Erwachsene ist das praktisch – für Kinder kann es gefährlich sein. Denn aus kindlicher Perspektive sind diese Produkte weder als Risiko erkennbar noch klar von ungefährlichen Gegenständen zu unterscheiden.

Ein unterschätztes Alltagsrisiko

Die hohe Zahl an dokumentierten Verletzungen über einen Zeitraum von 15 Jahren macht deutlich, dass Putzmittel ein dauerhaftes und bislang unterschätztes Risiko darstellen. Trotz Sicherheitsverschlüssen und Warnhinweisen kommt es immer wieder zu schweren Zwischenfällen.

Ein Grund dafür liegt auch in der Gestaltung vieler Produkte. Farbenfrohe Verpackungen oder gelartige Kapseln wirken auf Kinder anziehend. Gleichzeitig fehlt ihnen jede Möglichkeit, die damit verbundenen Gefahren zu verstehen.

Zugang zu gefährlichen Substanzen verhindern

Die Studie liefert keine neuen technischen Lösungen, aber sie macht deutlich, wie wichtig konsequente Vorsicht im Alltag ist. Entscheidend ist vor allem, den Zugang zu gefährlichen Substanzen zu begrenzen.

Reinigungsmittel sollten grundsätzlich außerhalb der Reichweite von Kindern aufbewahrt werden – idealerweise in verschlossenen Schränken. Auch während des Putzens ist Aufmerksamkeit gefragt: Sprühflaschen sollten nicht in unmittelbarer Nähe von Kindern verwendet werden, und geöffnete Behälter sollten nie unbeaufsichtigt stehen bleiben.

Gerade in Familien mit kleinen Kindern sind es oft kurze Momente der Unachtsamkeit, die zu Unfällen führen. Die Studie zeigt eindrücklich, dass schon wenige Sekunden ausreichen können.




ADHS-Medikamente: Forschende entwarnen und empfehlen regelmäßiges Monitoring

Eine große Meta-Analyse der Universität Southampton zeigt: Medikamente wie Ritalin verändern Puls und Blutdruck nur gering – sollten aber systematisch überwacht werden

Ein Forschungsteam der University of Southampton hat in einer groß angelegten Meta-Analyse die kardiovaskulären Effekte von ADHS-Medikamenten untersucht. Die Arbeit wurde im Fachjournal The Lancet Psychiatry veröffentlicht und basiert auf über 100 randomisierten kontrollierten Studien mit mehr als 22.000 Teilnehmenden.

Die Ergebnisse sind klar, aber differenziert: Nahezu alle untersuchten Medikamente führen zu leichten Anstiegen von Blutdruck und Herzfrequenz. Diese Effekte sind statistisch signifikant, bleiben jedoch in einem Bereich, den die Forschenden als klinisch gering einordnen.

Konkret zeigen sich im Durchschnitt:

•          leichte Erhöhungen des systolischen und diastolischen Blutdrucks
•          ein moderater Anstieg der Herzfrequenz
•          insgesamt kleine Veränderungen ohne unmittelbare klinische Relevanz

Eine wichtige Ausnahme bildet der Wirkstoff Guanfacin, bei dem Blutdruck und Puls eher sinken.

Keine Unterschiede zwischen Medikamentenklassen

Ein zentrales Ergebnis der Analyse betrifft den Vergleich verschiedener Wirkstofftypen. Die Daten zeigen, dass es keine bedeutsamen Unterschiede zwischen Stimulanzien und Nicht-Stimulanzien gibt.

Das bedeutet: Medikamente wie Methylphenidat (z. B. Ritalin) schneiden in Bezug auf kardiovaskuläre Effekte nicht schlechter ab als alternative Wirkstoffe wie Atomoxetin oder Viloxazin.

Diese Erkenntnis ist besonders relevant, da in der öffentlichen Diskussion häufig angenommen wird, dass gerade Stimulanzien ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Probleme darstellen.

Was genau wurde untersucht – und was nicht?

Die Studie konzentriert sich ausschließlich auf körperliche Nebenwirkungen im Herz-Kreislauf-System. Untersucht wurden unter anderem:

•          Blutdruck (systolisch und diastolisch)
•          Herzfrequenz
•          teilweise elektrokardiografische Parameter

Nicht untersucht wurde hingegen die Frage, wie wirksam die Medikamente bei ADHS-Symptomen sind – etwa im Hinblick auf Aufmerksamkeit, Impulssteuerung oder schulische Leistungen.

Diese Unterscheidung ist entscheidend für die Einordnung der Ergebnisse: Die Studie liefert keine neue Evidenz zur therapeutischen Wirksamkeit, sondern ausschließlich zur körperlichen Sicherheit.

Schlussfolgerung der Forschenden: Überwachung ist entscheidend

Die zentrale Empfehlung des Forschungsteams ist eindeutig: Auch wenn die beobachteten Veränderungen gering sind, sollten Blutdruck und Herzfrequenz bei allen ADHS-Medikamenten regelmäßig kontrolliert werden. Dabei betonen die Autorinnen und Autoren ausdrücklich, dass diese Empfehlung für alle Wirkstoffklassen gilt – nicht nur für Stimulanzien.

Die klinische Botschaft lautet damit nicht „völlige Entwarnung“, sondern eher: Geringe Risiken – aber systematische Kontrolle notwendig.

Wie belastbar sind die Ergebnisse?

Die Studie gehört zu den methodisch stärksten Arbeiten in diesem Bereich. Sie basiert ausschließlich auf randomisierten kontrollierten Studien, also auf einem Studiendesign mit hoher interner Validität. Die große Stichprobe und der direkte Vergleich mehrerer Wirkstoffe erhöhen zusätzlich die Aussagekraft.

Gleichzeitig bestehen typische Einschränkungen solcher Analysen:

•          Die meisten Studien erfassen kurz- bis mittelfristige Zeiträume
•          Kinder mit bestimmten Vorerkrankungen sind häufig ausgeschlossen
•          Die Bedingungen klinischer Studien unterscheiden sich vom Alltag

Das bedeutet: Für die Bewertung kurzfristiger Kreislaufeffekte sind die Ergebnisse robust. Für Langzeitfolgen oder seltene Risiken bleiben jedoch weiterhin Unsicherheiten.

Einordnung: Präzisere Daten für eine differenzierte Debatte

Die Studie liefert keine grundlegend neue Bewertung von ADHS-Medikamenten, aber sie präzisiert ein wichtiges Detail: Die körperlichen Nebenwirkungen im Herz-Kreislauf-System sind in der Regel klein, konsistent und über verschiedene Medikamente hinweg ähnlich.

Für die Praxis ergibt sich daraus vor allem eines: Nicht die grundsätzliche Entscheidung für oder gegen ein Medikament wird durch diese Daten verändert – wohl aber der Umgang damit. Regelmäßiges Monitoring wird zur zentralen Voraussetzung einer verantwortungsvollen Behandlung.

Weitere Informationen: https://www.thelancet.com/journals/lanpsy/article/PIIS2215-0366%2825%2900062-8/abstract




KI-Chatbots und die alarmierende Mediensucht bei Kindern

DAK-Studie: Neue Erkenntnisse zur Mediennutzung und den Risiken für junge Menschen

Die aktuelle DAK-Studie zur Mediennutzung bei Kindern und Jugendlichen zeigt alarmierende Trends im Zusammenhang mit Mediensucht, insbesondere durch den Einfluss von KI-Chatbots. Die Studie, die seit 2019 in mehreren Wellen durchgeführt wird, basiert auf einer repräsentativen Längsschnittuntersuchung, die in der achten Erhebungswelle 2025 rund 1.000 Eltern-Kind-Dyaden befragte. Die Datenerhebung erfolgt durch Interviews des Meinungsforschungsinstituts Forsa, was eine umfassende Analyse des Verhaltens und der Einstellungen sowohl der Jugendlichen als auch ihrer Familien ermöglicht.

Die Rolle von KI-Chatbots im Alltag junger Menschen

Ein zentrales Ergebnis der Studie ist die steigende Nutzung von KI-Chatbots unter Jugendlichen. Fast 25 % der Jugendlichen verwenden Anwendungen wie ChatGPT regelmäßig, wobei besonders auffällig ist, dass bis zu 10 % der Kinder und Jugendlichen Chatbots nutzen, um Einsamkeit zu lindern oder mit negativen Gefühlen umzugehen. Dies zeigt, dass KI-Chatbots für viele junge Menschen eine wichtige Rolle im Alltag spielen, nicht nur als Informationsquelle, sondern auch als emotionale Unterstützung. Bei Jugendlichen mit depressiven Symptomen vertraut nahezu 33 % darauf, dass ein Chatbot sie besser versteht als ein echter Mensch. Diese Entwicklung führt zu gefährlichen parasozialen Beziehungen, die emotionale Bindungen zu digitalen Medien fördern und potenziell zu problematischen Nutzungsmustern führen können.

Mediensucht bleibt ein drängendes Problem

Die DAK-Studie verdeutlicht, dass Mediensucht unter Kindern und Jugendlichen weiterhin ein hohes Niveau aufweist. Hochgerechnet nutzen rund 1,5 Millionen Kinder in Deutschland soziale Medien problematisch, was bedeutet, dass sie von einer Sucht bedroht sind oder bereits betroffen sind. Bei der letzten Erhebungswelle gaben 21,5 % der 10- bis 17-Jährigen an, Social Media riskant zu nutzen. Dies zeigt, dass der Einfluss digitaler Medien nicht nur bei Jugendlichen, sondern auch bei jüngeren Kindern zunehmend problematisch wird.

Definition und Anzeichen von Mediensucht

Die Studie definiert Mediensucht als eine übermäßige Nutzung digitaler Medien, die negative Auswirkungen auf das tägliche Leben hat. Dies kann sich in einer Vernachlässigung von sozialen Kontakten, schulischen Verpflichtungen oder familiären Aktivitäten äußern. Der Anstieg pathologischer Nutzungsmuster ist ebenfalls besorgniserregend, da 6,6 % der Jugendlichen als süchtig gelten, was etwa 350.000 Betroffenen entspricht.

Dringender Handlungsbedarf und Präventionsstrategien

DAK-Chef Andreas Storm fordert daher schnelle gesetzliche Maßnahmen, um Kinder und Jugendliche besser zu schützen. Er betont die Notwendigkeit einer frühzeitigen Vermittlung von Medienkompetenz in Schulen, um den Herausforderungen der digitalen Welt zu begegnen. Die Studie zeigt, dass über 60 % der Eltern bereits Regeln zur Mediennutzung aufstellen, was eine positive Entwicklung darstellt.

Für weitere Informationen zu den Ergebnissen der Studie und dem Angebot der DAK-Gesundheit besuchen Sie www.dak.de/mediensucht.

Lesen und hören Sie dazu auch das Interview mit dem führenden Gehirnforscher Prof. Martin Korte zu Kinder und Medien.