Zink und Vitamin C im Test: Warum viele Nahrungsergänzungsmittel enttäuschen

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Zink und Vitamin C: Öko-Test findet Mängel bei vielen Präparaten

Wenn die Erkältungssaison beginnt, greifen viele Menschen zu Nahrungsergänzungsmitteln, um ihre Abwehrkräfte zu stärken. Besonders beliebt sind Präparate, die Zink und Vitamin C kombinieren. Doch wie sinnvoll ist die zusätzliche Einnahme tatsächlich? Eine Untersuchung von Öko-Test zeigt: Der erwartete Nutzen ist wissenschaftlich nur begrenzt belegt. Zudem weisen zahlreiche Produkte Mängel bei der Dosierung, den Inhaltsstoffen oder der Kennzeichnung auf.

Von den 21 untersuchten Nahrungsergänzungsmitteln schneiden rund drei Viertel nicht überzeugend ab. Die beste Gesamtbewertung lautet „befriedigend“. Das Ergebnis wirft die Frage auf, welchen Beitrag solche Präparate zur Gesundheitsvorsorge leisten können und worauf Verbraucherinnen und Verbraucher bei der Auswahl achten sollten.

Zink und Vitamin C: Was sagt die Wissenschaft?

Für die Bewertung der Präparate hat Öko-Test gemeinsam mit wissenschaftlichen Beratern die aktuelle veröffentlichte Studienlage ausgewertet. Das Ergebnis relativiert die verbreitete Erwartung, dass eine zusätzliche Einnahme von Zink und Vitamin C zuverlässig vor Erkältungen schützt.

Ein Vitamin-C-Mangel ist in Industrieländern vergleichsweise selten. Auch für die Annahme, dass hoch dosierte Nahrungsergänzungsmittel Erkältungen wirksam verhindern oder bekämpfen, liefert die Studienlage nach Einschätzung von Öko-Test keine ausreichenden Belege.

Anders sieht es bei Zink aus: Für bestimmte Bevölkerungsgruppen kann eine zusätzliche Versorgung sinnvoll sein. Ob ein Präparat benötigt wird, sollte jedoch im Einzelfall und gegebenenfalls nach ärztlicher Beratung entschieden werden. Eine pauschale Einnahme zur Stärkung des Immunsystems lässt sich daraus nicht ableiten.

Überdosierung und unerwünschte Zusatzstoffe

Neben dem tatsächlichen Nutzen hat Öko-Test auch die Zusammensetzung der Produkte untersucht. Die Verbraucherschützer verglichen die angegebenen Mengen an Zink und Vitamin C mit den Höchstmengenempfehlungen des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR). Zusätzlich ließ das Magazin die tatsächlichen Nährstoffgehalte im Labor bestimmen.

Das Ergebnis: Bei etlichen Präparaten sind die enthaltenen Mengen zu hoch angesetzt. Eine höhere Dosierung bedeutet allerdings nicht automatisch einen größeren gesundheitlichen Nutzen. Gerade bei Nahrungsergänzungsmitteln ist es deshalb wichtig, die empfohlene Tageszufuhr und mögliche Risiken einer übermäßigen Aufnahme zu berücksichtigen.

Auch die verwendeten Zusatzstoffe geben Anlass zur Kritik. Insgesamt zehn Produkte enthalten nach Angaben von Öko-Test unerwünschte Stoffe. Dazu gehört beispielsweise Talkum. Die Europäische Chemikalienagentur (ECHA) schlägt derzeit eine Einstufung des Stoffes als „wahrscheinlich krebserregend“ für den Menschen vor. Die Bewertung ist damit als vorgeschlagene Einstufung zu verstehen, nicht als bereits abschließend festgestellte Klassifizierung.

Kennzeichnung der Präparate häufig mangelhaft

Nicht nur die Inhaltsstoffe, sondern auch die Angaben auf den Verpackungen stehen in der Kritik. Öko-Test beanstandet bei den meisten untersuchten Nahrungsergänzungsmitteln Mängel in der Deklaration. Eine verständliche und korrekte Kennzeichnung ist jedoch wichtig, damit Verbraucherinnen und Verbraucher die Zusammensetzung und Dosierung eines Produkts nachvollziehen können.

Lediglich die Cetebe Abwehr Fit Vitamin C + Zink Lutschtabletten erreichen im Test ein „befriedigendes“ Gesamturteil. Damit erhalten sie die beste Bewertung der Untersuchung. Ein wirklich überzeugendes Ergebnis liefert der Test insgesamt jedoch nicht.

Was bedeutet das für den Alltag?

Für die Gesundheitsförderung gilt auch bei Zink und Vitamin C: Nahrungsergänzungsmittel sind kein Ersatz für eine ausgewogene Ernährung. Wer sich abwechslungsreich ernährt und keinen Nährstoffmangel hat, benötigt zusätzliche Präparate nicht automatisch.

Auch im pädagogischen Alltag von Kindertageseinrichtungen ist eine sachliche Einordnung solcher Gesundheitsversprechen hilfreich. Gerade wenn Eltern Fragen zur Stärkung der Abwehrkräfte ihrer Kinder haben, lohnt es sich, zwischen wissenschaftlich belegten Erkenntnissen und verbreiteten Werbeversprechen zu unterscheiden. Ob eine zusätzliche Nährstoffversorgung erforderlich ist, sollte bei konkretem Bedarf fachlich abgeklärt werden.

Die Untersuchung von Öko-Test zeigt, dass bei Nahrungsergänzungsmitteln nicht allein die beworbenen Inhaltsstoffe entscheidend sind. Ebenso wichtig sind eine angemessene Dosierung, die Qualität der Zusammensetzung und eine transparente Kennzeichnung.

Weitere Informationen und die vollständigen Testergebnisse finden sich in der Novemberausgabe 2026 des Öko-Test-Magazins sowie online unter oekotest.de/602073.

Quelle: Pressemitteilung Öko-Test




Tag der Zahngesundheit 2026: Kauen macht Kinder fit

kinder essen gesundes obst

Gesund beginnt im Mund – Kau dich fit!

Kauen gehört zum Alltag und wird trotzdem häufig unterschätzt. Der Tag der Zahngesundheit 2026 stellt deshalb einen Vorgang in den Mittelpunkt, der weit mehr mit unserer Gesundheit zu tun hat als nur mit dem Zerkleinern von Nahrung. Gerade für Kinder sind Kauen, gesunde Ernährung und regelmäßige Mundhygiene wichtige Themen.

„Gesund beginnt im Mund – Kau dich fit!“ lautet das Motto des diesjährigen Tags der Zahngesundheit am 25. September 2026. Der Aktionstag nimmt damit die Kaufähigkeit und ihre Bedeutung für die Mund- und Allgemeingesundheit in den Blick.

Für Kinder ist das Thema besonders interessant. Denn was Kinder essen und trinken, wie sie mit ihren Zähnen umgehen und welche Gewohnheiten sie entwickeln, wird schon früh geprägt. Die Kita kann dabei ein wichtiger Ort für Gesundheitsbildung sein.

Warum Kauen für Kinder wichtig ist

Kauen bereitet die Nahrung auf die Verdauung vor. Im Mund wird sie zerkleinert und mit Speichel vermischt, bevor sie weiter in den Verdauungstrakt gelangt. Gleichzeitig werden beim Kauen die Kiefermuskeln beansprucht.

Auch für die Entwicklung von Kindern ist eine gute Kaufunktion von Bedeutung. Nach Angaben des Aktionskreises zum Tag der Zahngesundheit kann sie bei Kleinkindern die Sprachbildung unterstützen. Darüber hinaus gibt es wissenschaftliche Hinweise darauf, dass Kauen mit der Durchblutung des Gehirns zusammenhängt. Eine Studie von Momose und Kollegen aus dem Jahr 1997 untersuchte diesen Zusammenhang.

Weitere Untersuchungen weisen auf mögliche Zusammenhänge zwischen eingeschränkter Kaufunktion und kognitiven Fähigkeiten im Alter hin. Daraus lässt sich jedoch nicht ableiten, dass Kauen allein vor Erkrankungen schützt. Der diesjährige Aktionstag möchte vielmehr darauf aufmerksam machen, dass eine gute Kaufähigkeit über die verschiedenen Lebensphasen hinweg eine Rolle spielt.

Kauen beginnt mit dem, was auf dem Teller liegt

Entscheidend ist nicht allein, dass Kinder kauen, sondern auch, welche Lebensmittel sie angeboten bekommen. Die Organisatoren des Tags der Zahngesundheit beobachten seit Jahren einen Trend zu stark verarbeiteten und häufig weichen Lebensmitteln.

Für die Zahngesundheit problematisch sind insbesondere Lebensmittel und Getränke mit viel Zucker. Auch säurehaltige Getränke können den Zahnschmelz angreifen. Süße Snacks, Softdrinks und stark verarbeitete Produkte sollten deshalb im Alltag von Kindern nicht zur Selbstverständlichkeit werden.

Stattdessen können kauaktive Lebensmittel einen festen Platz in der Ernährung haben. Obst und Gemüse, Vollkornprodukte oder andere Lebensmittel, die gründlicher gekaut werden müssen, bieten Kindern Gelegenheit, ihre Kaufunktion im Alltag einzusetzen.

Dr. Christian Rath, Geschäftsführer des Vereins für Zahnhygiene (VfZ), betont die Bedeutung früher Gesundheitsbildung:

„Idealerweise gehen dafür bereits in der Kindheit gesunde Ernährung, regelmäßige Mundhygiene und Gesundheitsbildung Hand in Hand. Im Alltag von Krippen, Kindergärten und Schulen bedeutet das vor allem, dass Wasser und ungesüßte Getränke, kauaktive Lebensmittel in der Brotdose sowie das regelmäßige Zähneputzen selbstverständliche Bestandteile des Tages sein sollten.“

Zahngesundheit gehört in den Kita-Alltag

Gesundheitsbildung beginnt nicht erst in der Schule. Auch in der Kita können Kinder ganz selbstverständlich lernen, warum Zähneputzen wichtig ist, welche Getränke ihre Zähne schützen und weshalb regelmäßige Mahlzeiten mit geeigneten Lebensmitteln zu einer ausgewogenen Ernährung gehören. Dabei kommt es nicht darauf an, Kindern ständig Vorschriften über gesundes Essen zu machen. Viel wirkungsvoller ist es, gesunde Gewohnheiten im Alltag selbstverständlich werden zu lassen. Wasser kann das normale Getränk sein. Obst und Gemüse können gemeinsam vorbereitet und gegessen werden. Und das Zähneputzen kann zu einem festen Bestandteil des Tagesablaufs werden.

Auch Gespräche über Zähne und Ernährung lassen sich spielerisch aufgreifen. Bücher, Rollenspiele oder kleine Experimente können Kindern vermitteln, was in ihrem Mund passiert und warum Zähne Pflege brauchen.

Regelmäßiges Zähneputzen schützt vor Karies

Kauen allein hält Zähne natürlich nicht gesund. Entscheidend ist das Zusammenspiel aus ausgewogener Ernährung, Mundhygiene und regelmäßiger zahnärztlicher Kontrolle. Besonders Zucker spielt bei der Entstehung von Karies eine wichtige Rolle. Bakterien im Zahnbelag können Zucker in Säuren umwandeln, die den Zahnschmelz angreifen. Auch häufiges Naschen über den Tag hinweg kann die Zähne belasten. Für Kinder ist deshalb nicht nur die Auswahl der Lebensmittel wichtig. Auch regelmäßiges Zähneputzen muss früh zur Gewohnheit werden. Wenn die Mundpflege gemeinsam mit anderen Kindern stattfindet und von Erwachsenen begleitet wird, kann daraus ein fester Bestandteil des Kita-Alltags werden.

Gruppenprophylaxe erreicht viele Kinder

Eine wichtige Rolle spielt die zahnmedizinische Gruppenprophylaxe in Kitas und Schulen. Sie verbindet Gesundheitsbildung mit praktischer Anleitung und erreicht auch Kinder, deren Familien möglicherweise weniger Zugang zu entsprechenden Angeboten haben.

Dr. Justine Röhmel vom GKV-Spitzenverband (GKV-SV) hebt diesen Aspekt hervor:

„In der Gruppe und mit der richtigen Anleitung kaut und putzt es sich einfach besser. Die gesetzlichen Krankenkassen unterstützen die zahnmedizinische Gruppenprophylaxe in Kitas und Schulen, damit bei uns alle Kinder die Chance haben, die Grundlage für eine lebenslange gute Mundgesundheit früh zu erlernen.“

Damit kann die Kita einen wichtigen Beitrag dazu leisten, dass Mundgesundheit nicht von den individuellen Voraussetzungen eines Kindes abhängt.

Früh üben, was Zähne gesund hält

Für Kinder sind die ersten Erfahrungen mit Ernährung und Zahnpflege besonders prägend. Was heute selbstverständlich wird, kann auch später leichter beibehalten werden. Der Bundesverband der Zahnärztinnen und Zahnärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes (BZÖG) unterstreicht deshalb die Bedeutung der Mundgesundheitskompetenz bereits im frühen Lebensalter. Gleichzeitig weist der Verband auf den Unterstützungsbedarf weiterer Bevölkerungsgruppen hin und fordert eine Stärkung der zahnärztlichen Dienste im Öffentlichen Gesundheitswesen.

Auch Dr. Romy Ermler MBA, Präsidentin der Bundeszahnärztekammer (BZÄK), betont anlässlich des Aktionstags den Zusammenhang von Ernährung, Kaufähigkeit und Prävention:

„Richtig zubeißen können bringt so viel für die Gesundheit. Ernährung und Kauen verdienen deshalb mehr Aufmerksamkeit. Der Tag der Zahngesundheit erinnert uns daran, dass gesunde Zähne kein Zufallsprodukt sind. Sie sind das Ergebnis bewusster Ernährung, funktionierender Kaufähigkeit, frühzeitiger Prävention und klarer politischer Rahmenbedingungen – für gesunde Münder, gesunde Menschen und insgesamt eine gesündere Gesellschaft.“

Was Kitas für gesunde Zähne tun können

Für pädagogische Fachkräfte lässt sich aus dem diesjährigen Motto vor allem eine einfache Botschaft ableiten: Zahngesundheit beginnt im Alltag. Kinder brauchen nicht nur Informationen über ihre Zähne, sondern Gelegenheiten, gesundes Verhalten regelmäßig zu erleben.

Wasser und ungesüßte Getränke, geeignete Lebensmittel für die Brotdose, gemeinsames Zähneputzen und Angebote der zahnmedizinischen Gruppenprophylaxe können dabei wichtige Bausteine sein. Ebenso wichtig ist eine Atmosphäre, in der Kinder Fragen stellen und eigene Erfahrungen machen können.

Der Tag der Zahngesundheit 2026 richtet den Blick deshalb nicht nur auf schöne und gesunde Zähne. Es geht um eine Gesundheitskompetenz, die Kinder möglichst früh entwickeln und im Laufe ihres Lebens weiterführen können.

Gesund beginnt im Mund

Der Tag der Zahngesundheit findet seit 1991 jedes Jahr am 25. September statt. Getragen wird der Aktionstag vom Aktionskreis zum Tag der Zahngesundheit, dem neben dem Verein für Zahnhygiene, der Bundeszahnärztekammer, dem GKV-Spitzenverband und dem BZÖG rund 30 Organisationen aus Gesundheitswesen und Politik angehören. Ziel ist es, die Öffentlichkeit für Mundgesundheit zu sensibilisieren und Wissen über die Pflege von Zähnen und Mund zu vermitteln.

Quelle: Pressemitteilung Verein für Zahnhygiene e.V. tagderzahngesundheit.de




Gesund essen in Kita und Schule: Kleine Impulse wirken

kind in der schuklantine bei der essensauswahl

Nudging in der Schulverpflegung: Gesunde Entscheidungen fördern

Wie können Kinder im Alltag leichter zu gesunden Lebensmitteln greifen? Oft braucht es dafür keine großen Veränderungen. Ein Online-Vortrag zur Schulverpflegung zeigt, wie kleine Anreize die Speisenauswahl beeinflussen und zugleich zu einem bewussteren Umgang mit Lebensmitteln beitragen können.

Ob Kinder zum Wasser greifen, einen Salat probieren oder sich für eine ausgewogene Mahlzeit entscheiden, hängt nicht allein davon ab, was angeboten wird. Auch die Gestaltung der Umgebung kann eine Rolle spielen. Genau hier setzt das sogenannte Nudging an. Gemeint sind kleine, gezielte Impulse, die eine bestimmte Entscheidung erleichtern, ohne andere Möglichkeiten vorzuschreiben.

Anlässlich des bundesweiten Tags der Schulverpflegung am 23. September 2026 zeigt die Vernetzungsstelle Kita- und Schulverpflegung Sachsen-Anhalt, wie solche Ansätze in der Praxis funktionieren können.

Kleine Veränderungen können die Auswahl beeinflussen

Nudging bedeutet übersetzt etwa „Anstupsen“. Im Bereich der Ernährung geht es darum, gesunde und nachhaltige Entscheidungen einfacher und sichtbarer zu machen. Ein Beispiel: Markierungen in Form von Wassertropfen auf dem Boden können den Weg zu einem Trinkbrunnen weisen. In einer Mensa oder Kantine kann ein gut erreichbares und ansprechend präsentiertes Salatbuffet dazu einladen, das Mittagessen mit Gemüse zu ergänzen.

Entscheidend ist dabei, dass niemand zu einer bestimmten Entscheidung gezwungen wird. Die Auswahl bleibt bestehen. Lediglich die Umgebung wird so gestaltet, dass eine gesundheitsfördernde Entscheidung leichter fällt. Für Kitas und Schulen kann dieser Ansatz interessant sein, weil Kinder täglich mit vielen kleinen Entscheidungen rund ums Essen und Trinken konfrontiert sind.

Online-Vortrag zeigt Beispiele aus der Praxis

Wie Nudging bei der Verpflegung konkret eingesetzt werden kann, zeigt ein kostenloser Online-Vortrag der Landesvereinigung für Gesundheit Sachsen-Anhalt.

Am Donnerstag, 24. September 2026, von 12:30 bis 14 Uhr werden verschiedene Möglichkeiten vorgestellt. Fotobeispiele sollen zeigen, wie die Gestaltung von Räumen und Angeboten die Speisenauswahl beeinflussen kann. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer lernen unterschiedliche Nudging-Kategorien kennen und erhalten Anregungen, die sich mit vergleichsweise einfachen Mitteln umsetzen lassen.

Auch für pädagogische Fachkräfte kann das Thema interessant sein. Denn Ernährungsbildung findet nicht nur in speziellen Projekten statt. Sie beginnt im täglichen Umgang mit Lebensmitteln und Getränken.

Gesunde Ernährung und Lebensmittel wertschätzen

Der Online-Vortrag stellt außerdem einen Zusammenhang zur bundesweiten Aktionswoche „Zu gut für die Tonne!“ des Bundesministeriums für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) her. Dabei geht es um die Frage, wie sich Lebensmittelverschwendung reduzieren lässt. Nach Angaben des BMLEH fallen in Deutschland jedes Jahr rund 10,8 Millionen Tonnen Lebensmittelabfälle an. Ein Teil davon wäre noch vermeidbar.

Auch bei der Verpflegung von Kindern kann ein bewusster Umgang mit Lebensmitteln eine Rolle spielen. Passende Portionsgrößen können beispielsweise verhindern, dass mehr auf dem Teller landet, als ein Kind tatsächlich essen möchte. Gleichzeitig können Kinder lernen, Lebensmittel wertzuschätzen und bewusst mit ihnen umzugehen.

Was Nudging für Kitas bedeuten kann

Auch wenn sich der Online-Vortrag ausdrücklich mit Schulverpflegung beschäftigt, lässt sich das Prinzip auf den Kita-Alltag übertragen. Wasser kann beispielsweise gut sichtbar und jederzeit erreichbar angeboten werden. Obst und Gemüse lassen sich ansprechend präsentieren. Bei gemeinsamen Mahlzeiten können Kinder außerdem einbezogen werden, etwa indem sie bei der Auswahl von Beilagen mitentscheiden oder gemeinsam überlegen, welche Lebensmittel gerade Saison haben. Wichtig ist dabei, Nudging nicht mit Bevormundung zu verwechseln. Kinder sollen weiterhin eigene Entscheidungen treffen können. Die Umgebung kann ihnen lediglich dabei helfen, gesunde Möglichkeiten wahrzunehmen.

Online-Vortrag am 24. September

Der kostenlose Online-Vortrag richtet sich an Trägervertretungen, Beschäftigte aus Schulen, Caterer und weitere Interessierte, die die Verpflegung nachhaltiger gestalten möchten. Die Veranstaltung findet am 24. September 2026 von 12:30 bis 14 Uhr online statt. Weitere Informationen zur Veranstaltung gibt es bei der Vernetzungsstelle Kita- und Schulverpflegung Sachsen-Anhalt unter vernetzungsstelle@lvg-lsa.de oder telefonisch unter 0391 28 86 83-0. Anmeldungen sind unter https://www.lvg-lsa.de/?veranstaltungen=bundesweite-themenwoche-schulverpflegung möglich.

Quelle: Pressemitteilung Landesvereinigung für Gesundheit Sachsen-Anhalt


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Manon Sander
Kochen und Backen mit Kindern
Alles, was Kinder gerne essen und über Ernährung wissen sollten

288 Seiten
Format: 21,3 x 15,0 cm
ISBN: 9783934333482
7,95 €
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Psychische Gesundheit und Bildung von Kindern stärken

Erzieherin spricht mit einem Kind

Verlässliche Beziehungen, Beteiligung und sichere Strukturen fördern die psychische Gesundheit von Kindern – jeden Tag im Kita-Alltag

Kinder brauchen Sicherheit, verlässliche Beziehungen und die Möglichkeit, ihre Umwelt mitzugestalten. Gerade in den ersten Lebensjahren werden wichtige Grundlagen für die weitere Entwicklung gelegt. Zum Weltkindertag am 20. September 2026 macht der Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen (BDP) deshalb auf die psychische Gesundheit und Bildung von Kindern und Jugendlichen aufmerksam.

Unter dem Motto „Starke Kinder, starke Zukunft!“ weist der Verband auf die unterschiedlichen Belastungen hin, denen junge Menschen heute ausgesetzt sind. Klimawandel, Kriege, soziale Ungleichheit und gesellschaftliche Spannungen gehören ebenso zu ihrer Lebenswelt wie die Folgen der vergangenen Krisen. Für Kindertageseinrichtungen stellt sich damit eine Frage, die im pädagogischen Alltag ohnehin eine wichtige Rolle spielt: Was brauchen Kinder, damit sie sich sicher fühlen, Vertrauen entwickeln und mit schwierigen Situationen umgehen können?

Psychische Belastungen bei Kindern nehmen wieder zu

Die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen wird seit mehreren Jahren durch wissenschaftliche Untersuchungen begleitet. Die COPSY-Studie untersucht seit 2020 die Auswirkungen der Corona-Pandemie und weiterer Krisen auf die psychische Gesundheit junger Menschen.

Nach Angaben des BDP zeigen auch die Ergebnisse des Deutschen Schulbarometers 2025/26 eine erneute Zunahme psychischer Belastungen bei Kindern und Jugendlichen. Gleichzeitig sind die Voraussetzungen, unter denen Kinder aufwachsen, sehr unterschiedlich. Kinderarmut, soziale Benachteiligung und Migration können bereits in den ersten Lebensjahren mit besonderen Herausforderungen verbunden sein. Auch bei den Möglichkeiten, sich zu beteiligen und die eigene Lebenswelt mitzugestalten, bestehen Unterschiede.

Für pädagogische Fachkräfte ist dabei vor allem eines wichtig: Kinder kommen mit sehr unterschiedlichen Erfahrungen, Bedürfnissen und Voraussetzungen in die Kita. Ein wertschätzender und verlässlicher Umgang kann ihnen Orientierung und Sicherheit geben.

Frühkindliche Bildung schafft wichtige Grundlagen

Die ersten Lebensjahre sind für die Entwicklung eines Kindes von großer Bedeutung. Bildung in der Kita bedeutet deshalb weit mehr als die Vorbereitung auf die Schule. Kinder brauchen Möglichkeiten, ihre Umwelt zu erkunden, Beziehungen aufzubauen, eigene Fähigkeiten zu entdecken und Vertrauen in sich selbst zu entwickeln. Auch die psychische Gesundheit gehört zu diesen Entwicklungsgrundlagen. Kinder müssen zunächst lernen, eigene Gefühle wahrzunehmen und auszudrücken, Konflikte auszuhalten und mit Enttäuschungen umzugehen. Erwachsene können sie dabei begleiten und ihnen zeigen, dass auch schwierige Gefühle ihren Platz haben.

Gerade im Kita-Alltag ergeben sich dafür viele Möglichkeiten. Beim gemeinsamen Spielen, beim Lösen von Konflikten oder bei Gesprächen über Erlebnisse lernen Kinder, sich selbst und andere besser zu verstehen.Psychische Gesundheit entsteht nicht erst dann, wenn ein Problem auftritt. Sie wird durch viele Erfahrungen im Alltag geprägt. Für Kinder ist es beispielsweise wichtig, dass Erwachsene verlässlich reagieren, Regeln nachvollziehbar sind und sie wissen, an wen sie sich wenden können.

Beteiligung stärkt Selbstvertrauen und Selbstwirksamkeit

Auch die Beteiligung von Kindern spielt eine wichtige Rolle. Wenn Kinder erleben, dass ihre Meinung zählt und sie ihren Alltag an geeigneten Stellen mitgestalten können, erfahren sie Selbstwirksamkeit. Das muss nicht bei großen Entscheidungen beginnen. Schon die Frage, welches Buch vorgelesen wird, welches Spiel die Gruppe spielen möchte oder wie ein Raum genutzt werden soll, kann Kindern zeigen: Meine Ideen werden gehört.

Dabei geht es nicht darum, Kindern alle Entscheidungen zu überlassen. Pädagogische Fachkräfte geben weiterhin den Rahmen vor. Innerhalb dieses Rahmens können Kinder jedoch Verantwortung übernehmen und eigene Entscheidungen treffen. Das stärkt nicht nur das Selbstvertrauen. Kinder lernen gleichzeitig, anderen zuzuhören, unterschiedliche Interessen auszuhalten und gemeinsam nach Lösungen zu suchen.

Veränderungen aufmerksam beobachten

Nicht jede schwierige Phase ist gleich ein Anzeichen für eine psychische Erkrankung. Kinder reagieren unterschiedlich auf Belastungen und durchlaufen immer wieder Entwicklungsphasen. Dennoch lohnt es sich, genauer hinzusehen, wenn sich das Verhalten eines Kindes über längere Zeit deutlich verändert. Ein Kind zieht sich vielleicht plötzlich zurück, beteiligt sich kaum noch am Spiel oder reagiert ungewöhnlich häufig mit Angst und Wut. Solche Beobachtungen sollten nicht vorschnell interpretiert werden. Sie können jedoch ein Anlass sein, sich im Team auszutauschen und mit den Eltern ins Gespräch zu kommen. Wenn die Belastung anhält oder sich verstärkt, können Beratungs- und Unterstützungsangebote hinzugezogen werden. Die Aufgabe der pädagogischen Fachkräfte besteht dabei nicht darin, Diagnosen zu stellen. Ihre wichtige Rolle liegt darin, Kinder im Alltag aufmerksam zu begleiten, Veränderungen wahrzunehmen und bei Bedarf gemeinsam mit den Familien weitere Unterstützung anzustoßen.

BDP fordert mehr Unterstützung für Kinder

Der Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen sieht angesichts der aktuellen Entwicklungen einen wachsenden Bedarf an Unterstützung. Seit vielen Jahren setzt sich der Verband nach eigenen Angaben für den Schutz und die Rechte von Kindern und Jugendlichen ein.

„Gerade die Psychologie als Profession kann Kinder und Jugendliche in den unterschiedlichen Lebensphasen bei der Stärkung ihrer psychischen Gesundheit und Resilienz unterstützen sowie auch u. a. Erziehungsberechtigte, pädagogisches Personal oder Bildungseinrichtungen beratend begleiten“, erläutert BDP-Präsidentin Thordis Bethlehem und erklärt weiter „dafür braucht es den Ausbau niedrigschwelliger psychologischer und psychotherapeutischer Unterstützungsangebote, gezielte frühkindliche Bildungsförderung und die Umsetzung gemeindepsychologischer Grundlagen sowie den Ausbau schulpsychologischer Strukturen.“

Der Verband fordert damit unter anderem einen besseren Zugang zu psychologischer und psychotherapeutischer Unterstützung sowie eine gezielte Förderung bereits in der frühen Kindheit.

Starke Kinder brauchen starke Beziehungen

Der Weltkindertag richtet den Blick auf die Rechte und Bedürfnisse von Kindern. Psychische Gesundheit und Bildung gehören dabei eng zusammen. Kinder brauchen Möglichkeiten, zu lernen und sich zu entwickeln. Sie brauchen aber ebenso Schutz, Beteiligung, verlässliche Beziehungen und Erwachsene, die ihnen etwas zutrauen. Damit Kinder zuversichtlich in die Zukunft blicken können, braucht es allerdings mehr als die engagierte Arbeit einzelner pädagogischer Fachkräfte. Familien, Bildungseinrichtungen, Politik und Gesellschaft sind gemeinsam gefordert, Kindern faire Entwicklungs- und Bildungschancen zu ermöglichen.

Quelle: Pressemitteilung Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen e.V.





Bisphenole in Dosenkonserven

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Bisphenole in Dosenkonserven: Maggi Ravioli stark belastet

Von Softdrinks über Ananas und Gemüse bis hin zu Fisch und Linseneintopf: In fast allen von Öko-Test untersuchten Dosenlebensmitteln wurden Bisphenole nachgewiesen. Besonders auffällig sind die Maggi Ravioli in Tomatensauce. Gleichzeitig gibt es eine gute Nachricht: Erstmals fanden die Verbraucherschützer auch Konserven, die frei von Bisphenol A (BPA) sind.

Öko-Test untersucht 52 Dosenkonserven

Für den Test ließ Öko-Test 52 Dosenkonserven auf die Industriechemikalien Bisphenol A (BPA), Bisphenol S (BPS) und Bisphenol F (BPF) untersuchen. Das Ergebnis fällt bei einem Großteil der Produkte kritisch aus: Bei 42 Konserven stuft Öko-Test die Bisphenol-Belastung als „hoch“ oder „sehr hoch“ ein.

Besonders hohe Werte wurden bei den Maggi Ravioli in Tomatensauce festgestellt. Auch fünf weitere Dosenlebensmittel enthielten BPA-Konzentrationen, die mehr als 100-mal über der von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) als noch unbedenklich angesehenen täglichen Aufnahmemenge liegen.

Maggi Ravioli mit höchstem BPA-Wert im Test

Die Maggi Ravioli in Tomatensauce weisen laut Öko-Test den höchsten im Test gemessenen BPA-Gehalt auf. Bei einer Portion von 400 Gramm liegt der Wert demnach 833-mal höher als die Menge, die die EFSA bei täglicher Aufnahme noch als akzeptabel bewertet. ÖKO-TEST stuft das Produkt deshalb in der höchsten Kategorie als „sehr hoch“ belastet ein.

Erste Konserven ohne BPA

Trotz der hohen Belastungen gibt es auch eine positive Entwicklung: Öko-Test hat erstmals Lebensmittel in Weichblechdosen gefunden, die ohne BPA auskommen.

Nach Einschätzung der Verbraucherschützer könnte dies mit einer neuen Verordnung zusammenhängen. Sie schränkt den bewussten Einsatz von BPA und einigen anderen gefährlichen Bisphenolen in Materialien ein, die mit Lebensmitteln in Kontakt kommen. Dazu gehören auch Konservendosen, die als eine wichtige Quelle für den Eintrag von Bisphenolen in Lebensmittel gelten. Allerdings gelten noch Übergangsfristen. Deshalb sind weiterhin Dosen mit Bisphenol-haltigen Beschichtungen im Handel zu finden.

Wie gefährlich ist Bisphenol A?

BPA wirkt hormonell auf Mensch und Umwelt und ist als reproduktionstoxisch eingestuft. Die Industriechemikalie wird zudem mit verschiedenen gesundheitlichen Auswirkungen in Verbindung gebracht, darunter einem erhöhten Brustkrebsrisiko, Übergewicht und Verhaltensauffälligkeiten bei Kindern.

Wie streng BPA gesundheitlich bewertet werden sollte, ist allerdings Gegenstand unterschiedlicher wissenschaftlicher Einschätzungen. Während sich Öko-Test bei seiner Bewertung am TDI-Wert der EFSA orientiert, hat das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) einen eigenen Wert veröffentlicht, der um den Faktor 1.000 weniger streng ist. Öko-Test begründet die Verwendung des EFSA-Wertes mit dem vorbeugenden Verbraucherschutz.

BPS und BPF ebenfalls unter Beobachtung

Auch Bisphenol S (BPS) und Bisphenol F (BPF) werden als Alternativen zu BPA in Beschichtungen eingesetzt. Für diese beiden Stoffe gibt es bislang keinen entsprechenden TDI-Wert, da die Forschung zu ihnen später begonnen hat.

BPS ist in der Europäischen Union bereits als „vermutlich reproduktionstoxisch beim Menschen“ eingestuft. Für BPF wird eine entsprechende Einstufung noch in diesem Jahr erwartet.

Zwei Produkte ohne BPA, BPS und BPF

Ganz ohne die drei untersuchten Bisphenole kommen zwei der 52 getesteten Produkte aus: der Bio Primo Linseneintopf rustikal und die Sea Gold Heringsfilets geteilt in Tomatensauce.

Weitere Informationen zum Test gibt es in der Septemberausgabe des Öko-Test Magazins sowie online unter oekotest.de/601681.

Quelle: Pressemitteilung Ökotestt




Bodyshaming beginnt früh: Wie Kinder ihren Körper bewerten

Schon im Vorschulalter entstehen Vorstellungen vom „richtigen“ Körper. Eltern, Medien und Pädagogik können diese prägen – und wirksam gegensteuern

Kinder lernen erstaunlich früh, Körper zu beurteilen. Noch bevor soziale Medien für sie selbst eine Rolle spielen, haben manche bereits Vorstellungen davon entwickelt, welche Körper als schön, gesund oder erstrebenswert gelten – und welche nicht. Untersuchungen zeigen, dass Vorurteile gegenüber Menschen mit höherem Körpergewicht bereits im frühen Kindesalter auftreten können. Auch Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper beginnt teilweise schon vor der Einschulung.

Damit ist Bodyshaming keineswegs nur ein Problem von Jugendlichen, die auf Instagram, TikTok oder anderen Plattformen mit vermeintlich perfekten Körpern konfrontiert werden. Die Grundlagen dafür, wie Kinder ihren eigenen Körper und den anderer Menschen wahrnehmen, entstehen deutlich früher. Eltern und pädagogische Fachkräfte können deshalb viel dazu beitragen, dass Kinder einen wertschätzenden Umgang mit körperlicher Vielfalt entwickeln.

Bereits kleine Kinder übernehmen Vorurteile über Körper

Einen besonders aktuellen Einblick liefert ein 2026 im Journal of Epidemiology & Community Health veröffentlichter systematischer Review. Theo Lorenc von der University of York und sein Forschungsteam werteten 34 qualitative Studien aus Großbritannien aus, in denen Kinder zwischen vier und zwölf Jahren zu Körpergewicht, Körpergröße und Körperform befragt worden waren.

Das Ergebnis: Schon sehr junge Kinder äußerten häufig negative Vorstellungen über höheres Körpergewicht. Sie brachten es beispielsweise mit schlechter Gesundheit, eingeschränkter körperlicher Leistungsfähigkeit sowie Hänseleien und Mobbing in Verbindung. Die Forschenden berichten zudem von einer bei Kindern auftretenden Angst davor, selbst dick zu werden. Vorstellungen über den Körper könnten unter anderem durch Familienmitglieder sowie durch Medien und soziale Medien beeinflusst werden.

Damit wird ein grundlegendes Problem sichtbar: Kinder beobachten nicht nur Unterschiede zwischen Körpern. Sie lernen zugleich, diesen Unterschieden soziale Bedeutungen zuzuschreiben.

Aus „Menschen sehen unterschiedlich aus“ kann dann beispielsweise „Dünn ist besser“ oder „Dicksein ist schlecht“ werden.

Gewichtsvorurteile können schon vor dem dritten Geburtstag entstehen

Dass dieser Lernprozess sehr früh beginnt, zeigt auch ein 2023 veröffentlichter Forschungsüberblick zur Gewichtsstigmatisierung in der frühen Kindheit. Berücksichtigt wurden Studien mit sehr jungen Kindern sowie deren Eltern.

Die Forschenden fanden Hinweise darauf, dass Kinder bereits in den ersten Lebensjahren Vorlieben für dünnere Körper und negative Einstellungen gegenüber dickeren Körpern zeigen können. Mit zunehmendem Alter wurden diese Vorurteile tendenziell deutlicher. In vier Studien bestand zudem ein positiver Zusammenhang zwischen den Gewichtsvorurteilen von Eltern und denen ihrer Kinder.

Das bedeutet nicht, dass Eltern ihren Kindern solche Einstellungen bewusst vermitteln. Kinder lernen vielmehr permanent durch Beobachtung. Sie hören, wie Erwachsene über den eigenen Körper sprechen, wie andere Menschen beschrieben werden und welche Bedeutung Aussehen und Gewicht im Familienalltag erhalten.

Sätze wie „Ich bin viel zu dick“, „Ich muss unbedingt abnehmen“ oder „Hast du gesehen, wie die zugenommen hat?“ sind deshalb keineswegs bedeutungslos, nur weil sie nicht an das Kind gerichtet sind.

Körperunzufriedenheit schon im Vorschulalter

Noch weiter geht die Frage, wann Kinder beginnen, den eigenen Körper kritisch zu betrachten.

Ein systematischer Review von Gemma Tatangelo und Kolleginnen und Kollegen untersuchte 16 Studien über Körperunzufriedenheit bei Vorschulkindern. Demnach ließ sich bereits bei Kindern unter sechs Jahren Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper feststellen. Je nach Untersuchungsmethode lagen die Anteile zwischen etwa 20 und 70 Prozent.

Die große Spannweite mahnt allerdings zur Vorsicht: Körperwahrnehmung und Körperunzufriedenheit lassen sich bei kleinen Kindern methodisch nur schwer erfassen. Ein eindeutiger Unterschied zwischen Mädchen und Jungen ließ sich ebenfalls nicht feststellen. Relativ klar zeigte sich dagegen, dass Eltern einen wichtigen Einfluss auf die Entwicklung des kindlichen Körperbildes haben können.

Auch eine Untersuchung mit 395 Kindern zwischen vier und sechs Jahren liefert dafür Hinweise. Die meisten Kinder waren zwar grundsätzlich mit ihrem Körper zufrieden. Dennoch wünschten sich viele einen schlankeren Körper, besonders Mädchen und ältere Vorschulkinder. Bemerkenswert war zudem, womit die Kinder ihre Wunschkörper begründeten: Neben körperlichen Fähigkeiten, Ernährung oder dem Wunsch, größer zu sein, tauchten dabei auch Äußerungen ihrer Mütter auf.

Solche Ergebnisse sollten nicht dramatisiert werden. Ein vierjähriges Kind, das auf einer Abbildung einen schlankeren Körper auswählt, hat nicht automatisch ein gestörtes Körperbild. Die Studien zeigen aber, dass Vorstellungen über erwünschte und unerwünschte Körper bereits zu einem Zeitpunkt entstehen können, an dem Erwachsene solche Fragen häufig noch gar nicht erwarten.

Bodyshaming ist mehr als Hänseln wegen des Gewichts

Der Begriff Bodyshaming bezeichnet die Abwertung, Beschämung oder Diskriminierung eines Menschen aufgrund seines Körpers oder körperlicher Merkmale. Dabei geht es nicht ausschließlich um Gewicht.

Betroffen sein können etwa Körpergröße, Körperform, Haut, Haare, Gesicht, Behinderungen oder andere sichtbare Merkmale. Prof. Dr. Sandra Mirbek von der Dualen Hochschule Baden-Württemberg Villingen-Schwenningen beschäftigt sich seit Jahren mit Bodyshaming und diskriminierungssensibler Arbeit. Zu ihren Forschungs- und Arbeitsgebieten gehört ausdrücklich die diversitätsbewusste und diskriminierungssensible Arbeit mit Fokus auf Ableismus, Bodyshaming und Adultismus. Gemeinsam mit Prof. Dr. Frank Francesco Birk hat sie zahlreiche Veröffentlichungen zum Thema Körper und Diskriminierung vorgelegt.

Birk und Mirbek weisen insbesondere auf den Sportunterricht als sensiblen Raum hin. Dort stehen Körper und körperliche Leistungsfähigkeit besonders sichtbar im Mittelpunkt. Auch Umkleidesituationen können Räume sein, in denen Hierarchien, Körpernormen und Beschämung entstehen. In ihrem Fachbeitrag „Bodyshaming als Thema des Schulsports“ beschreiben sie deshalb Körperlichkeit und Machtstrukturen als wichtige Faktoren.

Für Kitas gilt ein ähnlicher Grundgedanke: Körper sind beim Spielen, Essen, Anziehen, Schwimmen, Turnen und bei pflegerischen Situationen ständig präsent. Damit entstehen täglich Gelegenheiten, respektvollen Umgang mit körperlichen Unterschieden zu lernen – oder eben Abwertung zu erfahren.

Erwachsene sind wichtige Vorbilder

Kinder lernen Körperbilder nicht nur dadurch, was Erwachsene ihnen ausdrücklich erklären. Wesentlich bedeutsamer kann sein, was sie beiläufig erleben.

Eine Mutter, die sich regelmäßig vor dem Spiegel abwertet, ein Vater, der Menschen wegen ihres Gewichts kommentiert, eine Erzieherin, die ein Kind als „kleinen Moppel“ bezeichnet, oder eine Lehrkraft, die vor der Klasse Bemerkungen über Körper und Leistungsfähigkeit macht, vermitteln Vorstellungen darüber, welche Körper akzeptiert sind.

Besonders problematisch ist dabei, dass körperbezogene Kommentare häufig als Scherz, Motivation oder vermeintlich gut gemeinter Gesundheitshinweis verstanden werden.

Die American Academy of Pediatrics warnt ausdrücklich vor Gewichtsstigmatisierung bei Kindern und Jugendlichen. Negative gewichtsspezifische Stereotype können bereits im Alter von etwa drei Jahren auftreten. Als Quellen der Stigmatisierung nennt die Fachgesellschaft nicht nur Gleichaltrige, sondern auch Eltern, andere Familienmitglieder, Lehrkräfte, medizinisches Personal und Medien.

Damit wird deutlich: Prävention beginnt nicht erst dann, wenn ein Kind wegen seines Körpers gemobbt wird.

Beschämung macht Kinder nicht gesünder

Eine verbreitete Vorstellung hält sich hartnäckig: Ein kritischer Kommentar über das Gewicht könne ein Kind vielleicht motivieren, sich mehr zu bewegen oder anders zu essen.

Die Forschung spricht dagegen.

Die American Academy of Pediatrics fasst zahlreiche Untersuchungen zusammen, nach denen Gewichtsstigmatisierung unter anderem mit einem schlechteren Körperbild, geringem Selbstwert, Angst und depressiven Symptomen verbunden ist. Auch soziale Isolation, Essanfälle, weniger körperliche Aktivität und die Vermeidung medizinischer Versorgung können auftreten.

Gerade im Zusammenhang mit Bewegung entsteht dadurch ein Paradox: Wird ein Kind wegen seines Körpers oder seiner sportlichen Leistungsfähigkeit beschämt, kann es beginnen, genau jene Situationen zu meiden, in denen es sich bewegen könnte. Jugendliche, die wegen ihres Gewichts gehänselt werden, berichten beispielsweise häufiger, Sport und Sportunterricht zu vermeiden.

Beschämung ist deshalb kein geeignetes Mittel zur Gesundheitsförderung.

Gesundheit ist keine Körperform

Für Eltern und pädagogische Fachkräfte ergibt sich daraus allerdings eine Herausforderung. Denn selbstverständlich gehören ausgewogene Ernährung, Bewegung und Gesundheit zu Bildungs- und Erziehungsaufgaben.

Die Lösung kann nicht darin bestehen, Körper oder Gesundheit überhaupt nicht mehr zu thematisieren. Entscheidend ist vielmehr, Gesundheit nicht mit einer bestimmten Körperform gleichzusetzen.

Ein dünner Körper ist nicht automatisch gesund, ein größerer Körper nicht automatisch krank. Vor allem aber sollte körperliche Erscheinung nicht moralisch bewertet werden. Ein Kind ist nicht disziplinierter, fleißiger oder wertvoller, weil es schlank ist.

Auch die aktuelle Untersuchung von Lorenc und seinem Team zeigt, wie eng Kinder Gewicht, Gesundheit und persönliche Eigenschaften miteinander verknüpfen können. Gerade deshalb empfehlen die Forschenden, genau zu beachten, wie Botschaften über Gewicht und Gesundheit von Kindern verstanden werden.

„Du bist schön“ allein reicht nicht

Bei der Prävention geht es deshalb um mehr als darum, einem Kind häufig zu versichern, es sei schön.

Hilfreicher ist eine Umgebung, in der der Wert eines Menschen grundsätzlich nicht von seinem Aussehen abhängig gemacht wird. Körper können stark, beweglich, langsam, schnell, klein, groß, dick, dünn und in vieler Hinsicht verschieden sein. Sie ermöglichen Kindern, zu rennen, zu tanzen, zu fühlen, zu klettern, zu kuscheln, zu malen und ihre Umwelt zu entdecken.

Ein solcher Blick entspricht eher dem Ansatz der Body Neutrality: Nicht jeder Mensch muss seinen Körper jederzeit schön finden. Entscheidend ist, den eigenen und andere Körper mit Respekt zu behandeln.

Für Kinder kann dies eine entlastende Botschaft sein: Ihr Körper muss nicht aussehen, um bewertet zu werden. Er gehört zu ihnen.

Was Erwachsene konkret tun können

Erwachsene können früh gegen Bodyshaming und negative Körperbilder arbeiten, indem sie ihre eigene Sprache überprüfen. Das gilt insbesondere für alltägliche Kommentare über Gewicht, Diäten und vermeintliche „Problemzonen“.

Statt Lebensmittel moralisch in „gute“ und „schlechte“ einzuteilen oder Essen mit Körpergewicht zu verbinden, lässt sich darüber sprechen, was Nahrung dem Körper liefert, wie unterschiedlich Lebensmittel schmecken und warum Vielfalt auch beim Essen sinnvoll ist.

Ebenso wichtig ist der Umgang mit Äußerungen des Kindes. Sagt ein Kind beispielsweise „Der ist aber dick“, muss daraus weder ein Tabu noch eine Standpauke entstehen. Man kann sachlich antworten: Menschen haben unterschiedliche Körper. Aus einer Beobachtung muss keine Bewertung werden.

Wird dagegen ein anderes Kind verspottet, braucht es eine klare Grenze. Körperbezogene Abwertung ist keine harmlose Neckerei.

Kita und Schule dürfen nicht erst bei Mobbing reagieren

Auch Bildungseinrichtungen können erheblichen Einfluss darauf haben, welche Körperbilder Kinder entwickeln.

Das beginnt bei Bilderbüchern, Puppen, Illustrationen und anderen Materialien. Kommen darin unterschiedliche Körper selbstverständlich vor – oder sehen die „guten“, erfolgreichen und beliebten Figuren immer ähnlich aus?

Es setzt sich beim Sport fort. Werden Kinder öffentlich nach Leistung verglichen? Müssen sie Übungen vorführen, bei denen sie sich bloßgestellt fühlen? Wird das Gewicht kommentiert? Werden Mannschaften so gewählt, dass einzelne Kinder regelmäßig als Letzte übrig bleiben?

Birk und Mirbek sehen insbesondere den Schulsport und die Umkleide als Räume, in denen Körperlichkeit, Macht und Beschämung besondere Bedeutung bekommen können.

Pädagogische Prävention bedeutet deshalb auch, Strukturen zu überprüfen – und nicht ausschließlich das Selbstvertrauen des betroffenen Kindes zu stärken.

Selbstvertrauen ist wichtig – aber nicht die ganze Lösung

Prof. Dr. Sandra Mirbek betont in der Mitteilung der DHBW Villingen-Schwenningen, wie wichtig Selbstvertrauen, Mut und Courage für Kinder sind. Die Hochschule beschäftigt sich aktuell intensiv mit Bodyshaming und dem gesellschaftlichen Druck zur Körperoptimierung; auch in ihrer Ringvorlesung 2026 wird Bodyshaming als Form von Diskriminierung und als Herausforderung für die Soziale Arbeit behandelt.

Kinder zu stärken ist zweifellos wichtig. Dennoch sollte die Verantwortung nicht beim betroffenen Kind enden. Ein Kind sollte nicht lernen müssen, Beschämungen besonders gut auszuhalten.

Die entscheidende pädagogische Aufgabe besteht ebenso darin, Beschämung gar nicht erst zu normalisieren.

Dazu gehören Erwachsene, die einschreiten, wenn über Körper gespottet wird, die selbst eine respektvolle Sprache verwenden und die Vielfalt nicht nur erklären, sondern im Alltag selbstverständlich werden lassen.

Dass Prävention grundsätzlich Wirkung zeigen kann, legen auch systematische Untersuchungen nahe. Eine Meta-Analyse von Präventionsprogrammen für Kinder zwischen fünf und 17 Jahren fand Verbesserungen bei Körperwertschätzung, Selbstwert und der Übernahme gesellschaftlicher Schönheitsideale. Die Autorinnen weisen allerdings darauf hin, dass die Qualität der vorhandenen Evidenz begrenzt ist.

Eine weitere systematische Übersichtsarbeit zu Grundschulkindern zwischen sechs und zwölf Jahren fand ebenfalls kleine positive Effekte von Präventionsprogrammen auf körperbildbezogene Ergebnisse.

Entscheidend ist, was Kinder über Körper lernen

Soziale Medien können den Druck auf Jugendliche massiv verstärken. Sie sind aber nicht der Anfang der Geschichte.

Lange bevor Kinder selbst einen Social-Media-Account besitzen, beobachten sie Erwachsene, andere Kinder, Bilderbücher, Filme und Werbung. Sie hören Gespräche über Gewicht, Schönheit, Essen und Sport. Und sie lernen daraus, welche Körper Anerkennung erfahren und welche kommentiert, belächelt oder abgewertet werden.

Die Forschung zeigt inzwischen deutlich genug, dass dieser Lernprozess bereits im Vorschulalter beginnen kann.

Gerade darin liegt eine Chance: Wenn Körperbilder früh entstehen, kann auch Prävention früh beginnen.

Kinder brauchen nicht die Botschaft, dass jeder Körper schön sein müsse. Sie brauchen vielmehr die Erfahrung, dass kein Mensch wegen seines Körpers weniger wert ist.

Quellen

Lorenc, T.; Burchett, H.; Mendizabal-Espinosa, R.; Stansfield, C.; Sutcliffe, K.; Sowden, A. (2026): Children’s views of obesity, body size and weight: systematic review of UK qualitative evidence. Journal of Epidemiology & Community Health, 80(6), 416–422. DOI: 10.1136/jech-2025-225045.

Spiel, E. C. et al. (2023): Weight bias among children and parents during very early childhood: A scoping review of the literature. Appetite.

Tatangelo, G.; McCabe, M.; Mellor, D.; Mealey, A. (2016): A systematic review of body dissatisfaction and sociocultural messages related to the body among preschool children. Body Image, 18, 86–95. DOI: 10.1016/j.bodyim.2016.06.003.

Tatangelo, G. et al. / Untersuchung zum Körperbild von 395 Kindern zwischen vier und sechs Jahren (2021): What Do Children Think of Their Perceived and Ideal Bodies? Understandings of Body Image at Early Ages. International Journal of Environmental Research and Public Health, 18, 4871.

Pont, S. J.; Puhl, R.; Cook, S. R.; Slusser, W. (2017): Stigma Experienced by Children and Adolescents With Obesity. Pediatrics, 140(6), e20173034.

Birk, F. F.; Mirbek, S. (2024): Bodyshaming als Thema des Schulsports. Der Körper und Körperlichkeit im Fokus. Sportunterricht, 73(3), 98–102.

DHBW Villingen-Schwenningen: Profil Prof. Dr. Sandra Mirbek und Ringvorlesung „Gesellschaftliche Entwicklungen“ 2026.




Bauernhof-Effekt: Welche Bakterien Kinder vor Asthma schützen

Eine neue Studie zeigt, wie Bakterien aus dem Kuhstall das Immunsystem beeinflussen könnten – und liefert neue Hinweise zur Hygienehypothese

Kinder brauchen Schutz vor Krankheitserregern. Aber braucht ihr Immunsystem zugleich den Kontakt mit einer vielfältigen Umwelt, um sich gesund entwickeln zu können? Genau diese Frage steckt hinter der sogenannten Hygienehypothese. Sie besagt vereinfacht: Wenn Kinder in ihren ersten Lebensjahren mit zu wenigen Mikroorganismen in Kontakt kommen, fehlt ihrem Immunsystem möglicherweise ein Teil des notwendigen „Trainings“. Die Folge könnte sein, dass es später häufiger überschießend reagiert – etwa bei Allergien oder Asthma.

Seit Jahrzehnten gibt es dafür bemerkenswerte Hinweise. Besonders auffällig ist der sogenannte Bauernhof-Effekt: Kinder, die auf traditionellen Bauernhöfen aufwachsen, leiden seltener an Asthma und bestimmten allergischen Erkrankungen als andere Kinder. Frühere Untersuchungen zeigten zudem, dass diese Kinder einer größeren Vielfalt von Mikroorganismen ausgesetzt sind. Bereits 2011 konnte eine große Untersuchung unter Beteiligung von Markus Ege zeigen, dass eine größere mikrobielle Vielfalt mit einem geringeren Asthmarisiko verbunden war.

Doch eine entscheidende Frage blieb offen: Was genau schützt die Kinder?

Eine neue Studie eines internationalen Forschungsteams um Professor Markus Ege vom Dr. von Haunerschen Kinderspital des LMU Klinikums und dem Institut für Asthma- und Allergieprävention bei Helmholtz Munich kommt der Antwort nun erstaunlich nahe. Die Forschenden konnten bestimmte Bakterien aus der Stallumgebung identifizieren und einen möglichen biologischen Weg bis zu Rezeptoren in den menschlichen Atemwegszellen nachzeichnen. Die Ergebnisse wurden 2026 in NEJM Evidence veröffentlicht.

Die Hygienehypothese: Zu wenig Kontakt mit der Umwelt?

Die Hygienehypothese entstand Ende der 1980er-Jahre vor dem Hintergrund einer auffälligen Entwicklung: In westlichen Industrieländern hatten Allergien, Heuschnupfen und Asthma bei Kindern über Jahrzehnte stark zugenommen.

Dabei handelt es sich um Erkrankungen, bei denen Immun- und Entzündungsreaktionen eine entscheidende Rolle spielen. Die grundlegende Überlegung lautet deshalb: Könnte eine veränderte Lebensumwelt dazu führen, dass das sich entwickelnde Immunsystem weniger Gelegenheit bekommt, angemessen auf die mikrobielle Welt eingestellt zu werden?

Bauernhofkinder wurden für die Forschung besonders interessant. Denn bei ihnen zeigte sich wiederholt ein geringeres Risiko für Asthma und Allergien. Gleichzeitig kommen sie mit einer wesentlich größeren Vielfalt von Bakterien, Pilzen und anderen Bestandteilen der natürlichen Umwelt in Berührung.

Ege beschreibt diese Mikroorganismen anschaulich als bakterielle „Sparringspartner“, mit denen sich das Immunsystem auseinandersetzen müsse.

Doch damit war noch lange kein Beweis erbracht.

Denn viele Erkenntnisse zur Hygienehypothese stammen aus Beobachtungsstudien. Diese können zeigen, dass zwei Dinge miteinander zusammenhängen. Sie können aber nur eingeschränkt klären, ob das eine tatsächlich die Ursache des anderen ist.

Ege bringt dieses Problem auf den Punkt: „Diese Art von Forschung kann nur mehr oder weniger überzeugende Zusammenhänge zeigen.“

Genau hier setzt die neue Untersuchung an.

Mehr als 1.000 Kinder und Staub aus Kuhställen

Für ihre Untersuchung werteten die Forschenden Daten von mehr als 1.000 Kindern aus europäischen Studien in ländlichen Regionen aus. Von den Kindern lagen Nasenabstriche und Proben aus Matratzenstaub vor. Bei 47 Bauernhofkindern konnten zusätzlich Staubproben aus Kuhställen untersucht werden.

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler analysierten, welche Bakterien und Pilze darin vorkamen und welche Gruppen von Mikroorganismen mit einem geringeren Asthmarisiko zusammenhingen.

Dabei kamen moderne genetische und metabolische Analyseverfahren sowie computergestützte Modelle zum Einsatz. Außerdem untersuchte das Team, ob genetische Unterschiede zwischen den Kindern den beobachteten Schutzeffekt beeinflussen könnten.

Die Ergebnisse wurden anschließend mit weiteren Daten aus Frankreich und Finnland überprüft.

Einige Bakterien fallen besonders auf

Das Forschungsteam konnte schließlich eine kleine Gruppe grampositiver Bakterien herausfiltern, die besonders eng mit dem Bauernhof-Effekt verbunden war.

Dazu gehören unter anderem die Arten Romboutsia timonensis und Glutamicibacter arilaitensis. Die Erstautorin Giulia Pagani betont, dass sich die entscheidenden Bakterien nun bis auf die Ebene einzelner Arten eingrenzen ließen.

Das ist ein wesentlicher Fortschritt.

Denn frühere Studien konnten zwar zeigen, dass eine vielfältige mikrobielle Umgebung mit einem geringeren Asthmarisiko zusammenhängt. Noch 2011 schrieben Ege und seine Kollegen jedoch ausdrücklich, ihre damaligen Methoden erlaubten es nicht, einzelne Mikroorganismen zu identifizieren, die den Schutz vermitteln könnten.

Genau diese Lücke beginnt die neue Untersuchung nun zu schließen.

Von der Kuh bis zum menschlichen Immunsystem

Besonders spannend ist, woher die identifizierten Bakterien offenbar kommen: aus dem Verdauungstrakt der Kühe.

Von dort gelangen sie in die Umgebung und damit auch in die Stallluft. Die Bakterien produzieren oder verstoffwechseln unter anderem Substanzen wie Kynurenin, Xanthin, Alpha-Linolensäure und Stearidonsäure.

Diese Stoffe können eingeatmet werden. In den menschlichen Atemwegen treffen sie auf bestimmte Rezeptoren der Zellen, insbesondere AhR und PPARγ.

Diese Rezeptoren erfüllen verschiedene Aufgaben und spielen auch bei der Regulation des Immunsystems eine Rolle. Nach der Interpretation der Forschenden könnten sie dazu beitragen, überschießende Entzündungsreaktionen zu verhindern. Ihre Bedeutung für den Bauernhof-Effekt war bislang nicht bekannt.

Damit ergibt sich erstmals eine erstaunlich konkrete biologische Kette:

Kuh → Stallluft → Bakterien → bakterielle Stoffwechselprodukte → Rezeptoren in den Atemwegen → mögliche Regulation von Entzündungsreaktionen → geringeres Asthmarisiko.

Das ist wesentlich mehr als die allgemeine Feststellung, dass „Bauernhofkinder gesünder sind“.

Zwei Drittel des Bauernhof-Effekts bei Asthma

Auch die Größenordnung ist bemerkenswert.

Nach den Analysen der Forschenden vermitteln die identifizierten grampositiven Bakterien zusammen rund zwei Drittel des beobachteten Bauernhof-Effekts beim Asthmaschutz. Bei Heuschnupfen und Neurodermitis soll es ungefähr die Hälfte des Effekts sein.

Das bedeutet allerdings nicht, dass diese Bakterien Asthma mit einer Wahrscheinlichkeit von zwei Dritteln verhindern. Die Aussage bezieht sich auf den statistisch beobachteten Unterschied zwischen Bauernhof- und Nicht-Bauernhofkindern. Von diesem sogenannten Bauernhof-Effekt lässt sich ein erheblicher Teil mit den identifizierten Bakterien in Verbindung bringen.

Diese Unterscheidung ist wichtig, um die Ergebnisse nicht zu überinterpretieren.

Also weniger putzen und mit den Kindern in den Kuhstall?

Nein. Eine solche Schlussfolgerung lässt sich aus der Studie nicht ableiten.

Die Untersuchung hat nicht getestet, ob Kinder vor Asthma geschützt werden, wenn Eltern weniger putzen, Kinder häufiger im Stall spielen oder ihnen bestimmte Bakterien verabreicht werden.

Und schon gar nicht bedeutet die Hygienehypothese, dass grundlegende Hygiene überflüssig oder sogar schädlich wäre. Händewaschen in den richtigen Situationen, sichere Lebensmittelhygiene, sauberes Trinkwasser und der Schutz vor Krankheitserregern haben mit übertriebener Sterilität wenig zu tun.

Die entscheidende Frage lautet vielmehr, ob unser moderner Alltag Kindern genügend Gelegenheit gibt, mit einer vielfältigen, natürlichen mikrobiellen Umwelt in Kontakt zu kommen.

Die vorliegende Studie liefert dafür einen wichtigen biologischen Erklärungsansatz, untersucht aber keine pädagogischen oder familiären Interventionen. Deshalb sollte aus ihr kein konkretes „Mikrobenprogramm“ für Kinder abgeleitet werden.

Naturkontakt statt steriler Kindheit

Für Eltern, Kitas und Schulen lässt sich dennoch eine vernünftige Grundhaltung formulieren: Eine gesunde Kindheit muss keine sterile Kindheit sein.

Kinder dürfen draußen spielen, Erde anfassen, durch den Wald laufen, im Garten buddeln und Natur unmittelbar erleben. Ein Kind muss nicht vor jedem Kontakt mit Erde, Pflanzen oder Tieren bewahrt werden, nur weil dort Mikroorganismen vorkommen.

Dabei handelt es sich allerdings um eine pädagogische und gesundheitliche Einordnung, nicht um ein Ergebnis, das die neue Studie direkt getestet hätte.

Der Unterschied ist wichtig. Die Studie zeigt nicht, dass ein Nachmittag im Wald oder das Buddeln im Sandkasten Asthma verhindert. Sie stärkt aber die wissenschaftliche Vorstellung, dass die mikrobielle Umwelt, in der Kinder aufwachsen, für die Entwicklung ihres Immunsystems von Bedeutung sein kann.

Hygiene bleibt wichtig – Sterilität ist etwas anderes

Gerade bei der Hygienehypothese entsteht schnell ein falscher Gegensatz: entweder hygienisch oder gesund.

So einfach ist es nicht.

Es gibt Situationen, in denen Hygiene unverzichtbar ist: nach dem Toilettengang, bei der Zubereitung bestimmter Lebensmittel, bei ansteckenden Erkrankungen oder bei der Versorgung von Wunden. Solche Hygienemaßnahmen verhindern Infektionen.

Etwas anderes ist der Versuch, die gesamte Lebenswelt eines gesunden Kindes möglichst keimfrei zu halten.

Die Forschung zum Bauernhof-Effekt legt vielmehr nahe, dass Mikroorganismen nicht pauschal als Feinde betrachtet werden können. Menschen leben seit jeher in einer Welt voller Bakterien, Pilze und anderer Mikroorganismen. Viele davon sind harmlos, manche für uns sogar wichtig.

Für das heranwachsende Immunsystem könnte die Begegnung mit einer vielfältigen mikrobiellen Umwelt ein Teil normaler Entwicklung sein.

Warum gerade die ersten Lebensjahre interessant sind

Für die Forschung spielt zudem der Zeitpunkt der Exposition eine wichtige Rolle. Schon frühere Arbeiten zum Bauernhof-Effekt weisen darauf hin, dass mikrobielle Einflüsse besonders in frühen Entwicklungsphasen relevant sein könnten. Die ältere Untersuchung von Ege und Kollegen machte zugleich deutlich, dass viele Daten bei Schulkindern erhoben wurden und deshalb die genaue Bedeutung früher Exposition noch genauer untersucht werden müsse.

Das passt zu einem grundlegenden Gedanken der Entwicklungsbiologie: Das Immunsystem eines Kindes ist kein fertiges Abwehrsystem, das bei der Geburt nur eingeschaltet werden muss. Es entwickelt und reguliert sich im Zusammenspiel von genetischer Ausstattung und Umwelt.

Welche Mikroorganismen dabei wann und in welcher Menge besonders wichtig sind, ist allerdings längst nicht abschließend geklärt.

Die Hygienehypothese ist damit noch nicht bewiesen

So überzeugend die neue Arbeit wirkt: Sie ist kein endgültiger Beweis für die Hygienehypothese.

Auch Ege selbst warnt vor einer solchen Interpretation. Der entscheidende Fortschritt liegt vielmehr darin, dass sich nun mehrere Glieder einer möglichen biologischen Wirkungskette miteinander verbinden lassen: bestimmte Bakterien, deren Stoffwechselprodukte und Rezeptoren menschlicher Atemwegszellen.

Das macht eine kausale Erklärung erheblich plausibler als zuvor.

Trotzdem bleibt die Untersuchung wesentlich auf epidemiologische Daten und komplexe statistische beziehungsweise bioinformatische Analysen angewiesen. Sie ersetzt keine kontrollierte Interventionsstudie, in der gezielt geprüft würde, ob die identifizierten Bakterien oder ihre Stoffwechselprodukte tatsächlich Asthma verhindern.

Genau solche Untersuchungen wären ein nächster wichtiger Schritt.

Vielleicht kommt der Kuhstall eines Tages aus der Apotheke

Langfristig könnte die Forschung sogar in eine ganz andere Richtung führen.

Wenn tatsächlich bestimmte bakterielle Stoffwechselprodukte die entscheidenden Signale liefern, müsste der schützende Effekt möglicherweise gar nicht durch einen Aufenthalt auf einem Bauernhof erzeugt werden.

Die Forschenden sehen deshalb die Perspektive, die molekularen Mechanismen weiter zu entschlüsseln und möglicherweise eines Tages Wirkstoffe zu entwickeln, die Teile des Bauernhof-Effekts nachahmen.

Bis dahin ist allerdings noch erhebliche Grundlagenforschung notwendig.

Wie ist die Studie zu bewerten?

Die neue Arbeit ist wissenschaftlich bedeutsam, weil sie eine seit Jahrzehnten bekannte epidemiologische Beobachtung mechanistisch wesentlich genauer erklären kann.

Ihre besondere Stärke liegt in der Verbindung unterschiedlicher Ebenen: Die Forschenden betrachten nicht nur Erkrankungshäufigkeiten, sondern analysieren Umweltproben, bestimmen Mikroorganismen, untersuchen bakterielle Stoffwechselprodukte, beziehen menschliche Rezeptoren ein und überprüfen ihre Ergebnisse anhand weiterer Datensätze.

Hinzu kommt eine lange Forschungsgeschichte. Bereits die 2011 veröffentlichte Untersuchung von Ege und Kollegen hatte gezeigt, dass Bauernhofkinder einer größeren mikrobiellen Vielfalt ausgesetzt waren und dass diese Vielfalt mit einem geringeren Asthmarisiko zusammenhing. Damals konnten die Forschenden die möglicherweise schützenden Mikroorganismen aber noch nicht präzise bestimmen.

Die neue Studie schließt also eine wichtige Lücke.

Ihre Grenze liegt dort, wo aus einem sehr plausiblen biologischen Modell ein praktischer Präventionsratschlag werden soll. Dafür reicht die Evidenz noch nicht. Es ist weder geklärt, welche Exposition für welches Kind optimal wäre, noch in welchem Alter, in welcher Menge und über welchen Zeitraum sie stattfinden müsste.

Deshalb wäre die Botschaft „Kinder brauchen mehr Dreck“ wissenschaftlich zu grob.

Treffender ist eine andere Erkenntnis: Die mikrobielle Umwelt gehört offenbar zu den Faktoren, mit denen sich das kindliche Immunsystem entwickelt. Eine möglichst keimfreie Kindheit ist deshalb nicht automatisch eine gesündere Kindheit.

Und möglicherweise verstehen wir inzwischen ein Stück besser, warum.

Studie und Quellen

Giulia Pagani et al. (2026): Gram-Positive Bacteria and the Inverse Association between Farm Exposure and Childhood Asthma. NEJM Evidence.

Originalpublikation in NEJM Evidence

Markus J. Ege et al. (2011): Exposure to Environmental Microorganisms and Childhood Asthma. New England Journal of Medicine, 364, 701–709.

Informationen zur neuen Studie bei Helmholtz Munich




ÖKO-TEST prüft weiße Wandfarben: Zwei Produkte fallen deutlich durch

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15 von 19 Wandfarben erhalten die Bestnote. Zwei Produkte enthalten ein Konservierungsmittel mit allergieauslösendem Potenzial

Für die aktuelle Untersuchung hat ÖKO-TEST 19 weiße Dispersionsfarben analysiert. Das Ergebnis fällt insgesamt erfreulich aus: 15 Produkte erhalten die Bestnote „sehr gut“. Gegenüber früheren Untersuchungen ist das ein deutlicher Fortschritt. Während vor rund zehn Jahren viele Wandfarben noch problematische Konservierungsmittel enthielten, verzichten heute zahlreiche Hersteller auf diese Stoffe.

Gerade für Räume, in denen Kinder viel Zeit verbringen – etwa Kinderzimmer, Gruppenräume in Kindertageseinrichtungen oder Klassenräume –, ist diese Entwicklung von Bedeutung. Schließlich verbringen Kinder dort täglich viele Stunden.

Zwei Produkte schneiden nur „ausreichend“ ab

Lediglich zwei der getesteten Wandfarben erhalten im Gesamtergebnis die Note „ausreichend“. Nach Angaben von ÖKO-TEST wurde in beiden Produkten das Konservierungsmittel Benzisothiazolinon (BIT) nachgewiesen.

Dabei handelt es sich um einen Stoff aus der Gruppe der Isothiazolinone. Diese Konservierungsmittel stehen seit Jahren im Fokus von Fachleuten, weil sie allergische Reaktionen auslösen können. Nach Angaben des Umweltbundesamtes gibt es Hinweise darauf, dass bei bereits sensibilisierten Menschen in seltenen Fällen sogar der Aufenthalt in frisch gestrichenen Räumen ausreichen kann, um eine allergische Reaktion hervorzurufen.

Besonders bemerkenswert: Zu den beiden Schlusslichtern zählt ausgerechnet die teuerste Wandfarbe im gesamten Test Plantodecor Nr. 524 vom Naturfarben-Spezialisten Auro. Betroffen ist auch Einfach Schöner Farbwelten Profiweiss

Preis ist kein verlässlicher Qualitätsmaßstab

Viele Verbraucherinnen und Verbraucher gehen davon aus, dass hochwertige oder besonders teure Produkte automatisch auch gesundheitlich unbedenklicher sind. Der aktuelle Test zeigt jedoch, dass diese Rechnung nicht immer aufgeht. Ein hoher Preis ist kein Garant für bessere Inhaltsstoffe.

Wer eine Wandfarbe auswählt, sollte deshalb nicht nur auf Werbeversprechen oder den Preis achten, sondern auch unabhängige Testergebnisse berücksichtigen.

Worauf Familien und Einrichtungen achten sollten

Beim Streichen von Kinderzimmern sowie von Räumen in Kitas und Schulen empfiehlt es sich, möglichst konservierungsmittelfreie Wandfarben zu verwenden. Nach dem Anstrich sollten die Räume gründlich gelüftet werden, bevor Kinder sie wieder regelmäßig nutzen.

Der aktuelle Test macht deutlich, dass Verbraucherinnen und Verbraucher heute eine große Auswahl gesundheitlich empfehlenswerter Produkte finden. Gleichzeitig zeigt er aber auch, wie wichtig ein genauer Blick auf die Inhaltsstoffe bleibt – selbst bei hochpreisigen Wandfarben.

Quelle: Pressemitteilung von ÖKO-TEST vom 30. Juli 2026 zum Wandfarben-Test (Ausgabe August 2026); Hinweise des Umweltbundesamtes zu Isothiazolinonen.