Von der Ernährungsbildung zur Gemeinschaftsverpflegung

Warum Erwachsene mit ihrem eigenen Essverhalten den Grundstein für eine gesunde Esskultur bei Kindern legen

Als Erwachsene tragen wir eine große Verantwortung, wenn es um das Thema Ernährung geht. Ganz bewusst schreibe ich Erwachsene, denn damit meine ich Eltern, pädagogische Fachkräfte ebenso wie alle anderen Erwachsenen, die durch ihr Handeln im Alltag die Prägung von Kindern beeinflussen – oft ganz unbemerkt und nebenbei.

Um zu verstehen, warum das so ist, reisen wir in der Menschheitsgeschichte etwa 15.000 Jahre zurück. Zu dieser Zeit wurden wir Menschen sesshaft. Das bedeutet: Wir begannen, unsere Lebensmittel selbst anzubauen und Viehzucht zu betreiben. Davor lebten wir als Jäger und Sammler in der freien Natur und zogen in kleinen Gruppen dorthin, wo das Nahrungsangebot gerade am besten war.

Warum wir Süßes und Salziges so mögen

Das Leben in der freien Natur war vom Mangel geprägt – und an diesen Mangel hat sich unser Körper angepasst. Süße Lebensmittel wie Beeren oder Obst waren besonders energiereich. Deshalb entwickelte der Mensch eine Vorliebe für Süßes, die uns motivierte, gezielt danach zu suchen.

Auf diese Suche begeben wir uns auch heute noch. Unser sogenanntes „Reptiliengehirn“ verbindet süß nach wie vor mit wertvoller Energie und wichtigen Nährstoffen. Heute findet es jedoch häufig Schokolade, Süßigkeiten oder andere stark verarbeitete Lebensmittel – also viele Kalorien, viel Zucker, aber vergleichsweise wenige wertvolle Nährstoffe.

Ähnlich verhält es sich mit Salz. Salz ist für unseren Körper lebensnotwendig, stand unseren Vorfahren jedoch nur in geringen Mengen zur Verfügung. Deshalb entwickelte sich auch hierfür eine natürliche Vorliebe. Heute begegnet uns Salz allerdings in einem Überangebot – beispielsweise in Chips, Snacks oder vielen Fertigprodukten.

Unser Lebensmittelangebot hat sich in vergleichsweise kurzer Zeit grundlegend verändert: vom Mangel an natürlichen Lebensmitteln hin zu einem ständigen Überfluss an hochverarbeiteten Produkten. Umso wichtiger ist es heute, gemeinsam mit Kindern auf Entdeckungsreise zu gehen und ein intuitives, gesundheitsförderndes Essverhalten mit Freude und Genuss zu entwickeln.

Kinder lernen durch Vorbilder

Auch hier spielt unser „Reptiliengehirn“ eine wichtige Rolle. In der freien Natur orientierten sich Kinder am Essverhalten der Erwachsenen. Was Mutter, Vater oder andere vertraute Personen aßen, musste sicher, ungiftig und nahrhaft sein. Dieses Lernprinzip hat sich bis heute kaum verändert.

Kinder beobachten sehr genau, wie Erwachsene mit Lebensmitteln umgehen. Sie übernehmen nicht nur, was gegessen wird, sondern auch wie gegessen wird. Deshalb hat das eigene Essverhalten von Erwachsenen einen wesentlich größeren Einfluss, als vielen bewusst ist.

Was eine gesundheitsförderliche Esskultur in der Kita ausmacht

Eine gesundheitsförderliche Esskultur beginnt nicht beim Speiseplan, sondern bei den Menschen, die Kinder begleiten.

Erwachsene sollten mit Freude und Genuss gemeinsam mit den Kindern essen, ihnen auf Augenhöhe begegnen und nichts von ihnen erwarten, was sie nicht selbst vorleben. Authentizität ist dabei einer der wichtigsten Bausteine einer gelungenen Ernährungsbildung.

Mit einer bewussten Ernährungsbildung lässt sich dieses Thema aktiv gestalten. Sie eröffnet Kindern die Möglichkeit, Lebensmittel mit allen Sinnen kennenzulernen, Neues auszuprobieren und Schritt für Schritt Offenheit für unbekannte Geschmacksrichtungen zu entwickeln.

Unsere Sinne entscheiden mit

Auch hier hilft ein Blick in unsere Entwicklungsgeschichte. Unsere Sinne sind die Antennen zur Außenwelt. Mit ihnen lernten Menschen in der freien Natur, welche Lebensmittel genießbar und welche ungenießbar waren.

Jede Esserfahrung wird im Gehirn gespeichert: Geruch, Geschmack, Konsistenz, Geräusche, Aussehen und das Gefühl beim Berühren eines Lebensmittels. Aus all diesen Eindrücken entsteht nach und nach ein inneres Bild davon, was wir mögen und was uns vertraut erscheint.

Lebensmittel, die wir kennen und mit positiven Erfahrungen verbinden, akzeptieren wir meist problemlos. Unbekannte Lebensmittel begegnen wir dagegen zunächst häufig mit Vorsicht. Dieses Verhalten ist völlig normal und diente ursprünglich unserem Schutz.

Gerade deshalb ist die Begleitung durch vertraute Erwachsene so wichtig. Sie vermittelt Sicherheit und Vertrauen. Gleichzeitig wird die gesamte Atmosphäre einer Mahlzeit abgespeichert: Wie fühle ich mich beim Essen? Wie reagieren die Erwachsenen? Darf ich selbst entscheiden, ob ich probieren möchte?

Positive Erfahrungen fördern die Bereitschaft, neue Lebensmittel kennenzulernen. Druck oder Zwang – etwa durch Aufforderungen wie „Du musst wenigstens probieren!“ – können dagegen dazu führen, dass ein Lebensmittel dauerhaft abgelehnt wird. Manchmal genügt später schon sein Geruch, um diese negative Erinnerung wieder hervorzurufen.

Ich bin mir sicher, dass jeder von uns solche Erinnerungen aus der eigenen Kindheit kennt – an ein Lieblingsgericht ebenso wie an ein Lebensmittel, das man bis heute nur ungern isst.

Gemeinsam Verantwortung übernehmen

Das bedeutet: Die Zusammenarbeit zwischen Küche und pädagogischen Fachkräften ist ein entscheidender Hebel, um Kindern die Entwicklung eines gesundheitsförderlichen Essverhaltens zu ermöglichen.

Das Speisenangebot sollte so hochwertig und schmackhaft sein, dass auch die Erwachsenen mit Freude und Genuss mitessen möchten. Nur so können sie die Kinder am Esstisch authentisch begleiten.

Ist dies nicht der Fall und lehnen Erwachsene das Essen ab, weil es nicht ihren Vorstellungen einer guten Mahlzeit entspricht, überrascht es kaum, wenn auch Kinder wenig Begeisterung für das Essen entwickeln.

Deshalb sind drei Faktoren besonders wichtig: die Qualität des Essens, eine angenehme Essatmosphäre und das gemeinsame Essen.

Ernährungsbildung praktisch erleben

Doch was bedeutet praktische Ernährungsbildung eigentlich?

Ich möchte das am Beispiel der roten Linse zeigen. Immer wieder werde ich gefragt: „Wie können wir Kindern Hülsenfrüchte schmackhaft machen?“

Meine Antwort lautet: Entdeckt die Lebensmittel gemeinsam mit den Kindern – mit allen Sinnen. So entsteht Schritt für Schritt eine positive Beziehung zu neuen Lebensmitteln.

Mit allen Sinnen entdecken

1. Fühlen

Jedes Kind erhält eine Schüssel mit roten Linsen. Nun dürfen die Kinder die Linsen in aller Ruhe mit den Händen ertasten, sie durch die Finger rieseln lassen oder die Hände darin „baden“. Dabei entstehen spannende Sinneseindrücke und angenehme Geräusche.

2. Hören

Füllt gemeinsam mit den Kindern rote Linsen in eine Plastikflasche oder ein Schraubglas und gestaltet daraus eine Rassel. So wird aus einem Lebensmittel ganz nebenbei ein Musikinstrument.

3. Schmecken

Roh sind rote Linsen nicht zum Verzehr geeignet. Gegart eröffnen sie jedoch viele Möglichkeiten. Bereitet deshalb gemeinsam mit den Kindern ein einfaches Rezept zu.

Süßer Linsenaufstrich (für 10 Portionen)

Allergene: Schalenfrüchte

Zutaten

  • 50 g Möhre, gewürfelt
  • 35 g Trockenaprikosen, gewürfelt
  • 75 g rote Linsen
  • 1 g Jodsalz
  • 200 ml Wasser
  • 50 g helles Mandelmus
  • Abrieb oder Saft einer Orange oder Zitrone

Zubereitung

  1. Möhren, rote Linsen, Salz und Wasser in einem geschlossenen Topf etwa 20 Minuten köcheln lassen.
  2. Anschließend alles fein pürieren.
  3. Das Mandelmus unterrühren.
  4. Zum Schluss mit Orangen- oder Zitronenabrieb beziehungsweise etwas Saft abschmecken.

Tipp: Wer den Aufstrich besonders cremig möchte, kann etwas Butter unterrühren. Bitte dabei die zusätzlichen Allergene beachten.

Ernährungsbildung beginnt mit Neugier

Kinder müssen neue Lebensmittel nicht sofort mögen. Viel wichtiger ist, dass sie neugierig werden, Lebensmittel kennenlernen und positive Erfahrungen sammeln dürfen.

Je häufiger Kinder Lebensmittel ohne Druck erleben, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie später bereit sind, Neues auszuprobieren. Ernährungsbildung bedeutet deshalb nicht, Kinder zum Essen zu überreden. Sie bedeutet, ihnen Zeit zu geben, Erfahrungen zu sammeln und Vertrauen in ihre eigenen Sinne zu entwickeln.

Genau darin liegt die große Chance einer guten Gemeinschaftsverpflegung: Sie kann weit mehr sein als die tägliche Versorgung mit Mahlzeiten. Sie wird zu einem Lern- und Erlebnisraum, in dem Kinder mit Freude entdecken, genießen und gesundheitsförderliche Gewohnheiten entwickeln können.

Stefan Brandel

Weitere Informationen, Rezepte sowie Schulungs- und Beratungsangebote:

Stefan Brandel

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Telefon: 0176 819 843 08




WM-Sammelaktionen: Wie Werbung das Essverhalten von Kindern prägt

Fußball begeistert Millionen Kinder. Doch wenn Fanartikel zum Kauf stark zuckerhaltiger Lebensmittel verleiten, geraten Gesundheit und geschicktes Marketing in Konflikt

Fußball-Weltmeisterschaften sind emotionale Großereignisse. Kinder fiebern mit ihren Lieblingsmannschaften und -spielern mit, sammeln Sticker, tauschen Fanartikel und träumen davon, selbst einmal auf dem Spielfeld zu stehen. Diese Begeisterung schafft Gemeinschaft, weckt Emotionen und motiviert viele Kinder, aktiv Sport zu treiben.

Genau diese positiven Gefühle nutzen Unternehmen seit Jahrzehnten. Pünktlich zu großen Sportereignissen erscheinen Sondereditionen, Sammelpunkte und exklusive Fanartikel in den Supermarktregalen. Was auf den ersten Blick wie ein harmloses Gewinnspiel wirkt, ist in Wirklichkeit eine durchdachte Marketingstrategie.

Die Deutsche Allianz Nichtübertragbare Krankheiten (DANK) hat deshalb aktuelle Sammelaktionen verschiedener Lebensmittelhersteller scharf kritisiert. Nach Auffassung des Wissenschaftsbündnisses werden Kinder und Familien gezielt dazu motiviert, besonders viele stark zuckerhaltige Produkte zu kaufen, um begehrte Prämien wie Trinkflaschen, Fan-Shirts oder Fußbälle zu erhalten.

Die von der DANK veröffentlichten Berechnungen verdeutlichen die Dimensionen: Für eine Trinkflasche müssen Produkte gekauft werden, die rechnerisch rund 1,4 Kilogramm Zucker enthalten. Für ein Fan-Shirt summiert sich der Zuckergehalt bereits auf mehr als drei Kilogramm, für einen Fußball sogar auf über fünf Kilogramm Zucker – das entspricht rund 1.700 Zuckerwürfeln. Natürlich wird niemand diese Menge auf einmal verzehren. Dennoch zeigen die Zahlen, welche Mengen durch Sammelanreize verkauft werden sollen.

Diese Diskussion reicht jedoch weit über einzelne Aktionen hinaus. Sie führt zu einer grundlegenden Frage: Wie gelingt es Werbung immer wieder, Kinder für bestimmte Produkte zu begeistern – selbst dann, wenn sie diese ursprünglich gar nicht kaufen wollten?

Kinder mögen Süßes – das ist biologisch ganz normal

Dass Kinder Süßigkeiten lieben, ist keineswegs ein Zeichen mangelnder Disziplin oder falscher Erziehung. Die Vorliebe für Süßes gehört zu unserem biologischen Erbe.

Bereits Muttermilch schmeckt leicht süß. Für unsere Vorfahren war dieser Geschmack ein zuverlässiges Signal für energiereiche Nahrung. Wer süße Früchte oder Honig fand, erhöhte seine Überlebenschancen, während bitterer Geschmack oft auf giftige Pflanzen hinwies. Über Jahrtausende entwickelte sich deshalb eine natürliche Vorliebe für süße Lebensmittel.

Diese evolutionäre Prägung wirkt bis heute. Beim Verzehr süßer Speisen aktiviert Zucker das körpereigene Belohnungssystem. Dabei werden Botenstoffe wie Dopamin ausgeschüttet, die angenehme Gefühle auslösen und unser Gehirn dazu anregen, ähnliche Erfahrungen zu wiederholen.

In einer Zeit, in der Zucker knapp und wertvoll war, stellte dieser Mechanismus einen Überlebensvorteil dar. Heute leben wir jedoch in einer Umgebung, in der hochverarbeitete Lebensmittel mit viel Zucker jederzeit verfügbar sind. Dieselbe biologische Ausstattung, die unseren Vorfahren half, ausreichend Energie aufzunehmen, macht es heute deutlich schwerer, maßvoll mit Süßem umzugehen.

Kinder reagieren auf diese Belohnungsreize sogar noch stärker als Erwachsene. Gleichzeitig entwickelt sich der Teil des Gehirns, der für Selbstkontrolle und Impulssteuerung verantwortlich ist, erst im Laufe der Kindheit und Jugend vollständig. Kinder erleben deshalb vor allem den unmittelbaren Genuss – nicht aber die möglichen gesundheitlichen Folgen, die sich oft erst viele Jahre später zeigen.

Werbung verkauft längst mehr als Lebensmittel

Lebensmittelwerbung verkauft heute nur selten das eigentliche Produkt. Sie verkauft vielmehr Gefühle, Wünsche und Erlebnisse.

Ein Schokoriegel steht für gemeinsame Zeit mit der Familie. Ein Softdrink verspricht Freundschaft, Abenteuer oder gute Stimmung. Rund um eine Fußball-Weltmeisterschaft kommen weitere starke Bilder hinzu: Teamgeist, Fairplay, Begeisterung und die Identifikation mit den großen Fußballstars.

Marketingexperten sprechen vom Imagetransfer. Die positiven Gefühle, die ein Ereignis hervorruft, übertragen sich unbewusst auf die beworbene Marke. Kinder freuen sich auf die Spiele, fiebern mit ihren Idolen mit und wünschen sich die Fanartikel. Gleichzeitig begegnen ihnen immer wieder dieselben Marken. Im Gedächtnis entstehen dadurch Verbindungen zwischen den positiven Erlebnissen und den beworbenen Produkten.

Hinzu kommt ein weiterer psychologischer Effekt. Je häufiger wir einer Marke begegnen, desto vertrauter erscheint sie uns. Die Psychologie bezeichnet dieses Phänomen als Mere-Exposure-Effekt. Allein die wiederholte Wahrnehmung kann dazu führen, dass wir einer Marke sympathischer gegenüberstehen – selbst dann, wenn wir uns dessen gar nicht bewusst sind.

Für Unternehmen ist dies ein zentrales Ziel ihrer Markenkommunikation. Es geht längst nicht nur darum, den Absatz während einer Weltmeisterschaft zu steigern. Viel wichtiger ist es, Marken dauerhaft positiv im Gedächtnis junger Menschen zu verankern. Wer bereits als Kind eine emotionale Bindung zu einer Marke entwickelt, greift häufig auch Jahre später immer wieder zu denselben Produkten.

Genau an diesem Punkt setzt die Kritik vieler Gesundheitswissenschaftler an. Sie sehen das eigentliche Problem nicht in einer einzelnen Süßigkeit oder einem Glas Limonade, sondern in den langfristigen Auswirkungen solcher Marketingstrategien auf das Ernährungsverhalten von Kindern.

Warum Sammelaktionen so erfolgreich sind

Wer schon einmal ein Sammelalbum vervollständigt oder eine Treuekarte bis zum letzten Stempel gefüllt hat, kennt das Gefühl: Je näher das Ziel rückt, desto größer wird der Wunsch, die Sammlung abzuschließen. Genau diesen psychologischen Mechanismus machen sich viele Sammelaktionen zunutze.

Fachleute sprechen vom Completion-Effekt. Hat ein Mensch mit einer Sammlung begonnen, entsteht ein innerer Anreiz, sie vollständig abzuschließen. Dieser Effekt ist bei Kindern besonders stark ausgeprägt. Sie erleben jeden neuen Sammelpunkt als kleinen Erfolg und jede weitere Packung als einen Schritt näher an der ersehnten Belohnung.

Hinzu kommt die Vorfreude. Bereits die Aussicht auf eine Trinkflasche, ein Fan-Shirt oder einen Fußball aktiviert das Belohnungssystem im Gehirn. Nicht erst die Prämie selbst, sondern schon der Gedanke daran erzeugt positive Gefühle. Aus Sicht der Werbepsychologie gehören Sammelaktionen deshalb zu den wirksamsten Instrumenten, um Kaufentscheidungen zu beeinflussen.

Für die Hersteller ist das ein erfolgreicher Marketingansatz. Gesundheitswissenschaftler weisen jedoch darauf hin, dass dabei nicht der Bedarf an einem Lebensmittel im Vordergrund steht. Entscheidend ist vielmehr der Wunsch, möglichst schnell genügend Sammelpunkte zu erreichen. Damit wird der Kaufanreiz vom eigentlichen Produkt auf die Belohnung verlagert.

Wie Werbung Ernährungsgewohnheiten prägt

Noch bedeutsamer als der kurzfristige Verkaufserfolg ist jedoch die langfristige Wirkung solcher Kampagnen.

Essgewohnheiten entstehen nicht von heute auf morgen. Sie entwickeln sich über viele Jahre hinweg – durch unzählige kleine Erfahrungen, die sich nach und nach zu festen Routinen verbinden.

Kinder lernen früh, welche Lebensmittel zu bestimmten Situationen gehören. Geburtstage werden mit Kuchen verbunden, Kino mit Popcorn, Grillfeste mit Limonade oder Sportereignisse mit Schokolade und Softdrinks. Solche Verknüpfungen entstehen meist unbewusst. Sie vermitteln Kindern, was in ihrer Lebenswelt als selbstverständlich gilt.

Werbung verstärkt diese Lernprozesse. Sie zeigt Lebensmittel nicht isoliert, sondern verbindet sie mit positiven Erlebnissen: mit Freundschaft, Familie, Erfolg, Gemeinschaft oder Abenteuer. Das eigentliche Produkt tritt dabei häufig in den Hintergrund. Verkauft wird ein Lebensgefühl.

Je häufiger Kinder diese Bilder erleben, desto stärker prägen sie sich ein. Aus der Lernpsychologie ist bekannt, dass wiederholte positive Erfahrungen Gewohnheiten fördern. Mit der Zeit entstehen stabile Erwartungen: Zu bestimmten Anlässen „gehören“ bestimmte Lebensmittel einfach dazu.

Deshalb investieren Unternehmen erhebliche Summen in Werbung, die Familien und Kinder erreicht. Ziel ist nicht allein ein höherer Umsatz während einer Fußball-Weltmeisterschaft. Marken sollen langfristig Vertrauen, Sympathie und Wiedererkennung aufbauen. Aus Marketingsicht ist dies ein zentraler Erfolgsfaktor.

Aus Sicht der Gesundheitsforschung stellt sich dagegen die Frage, welche Ernährungsgewohnheiten Kinder auf diese Weise entwickeln. Denn vieles von dem, was in der Kindheit selbstverständlich erscheint, begleitet Menschen bis ins Erwachsenenalter.

Warum wir die Folgen so leicht unterschätzen

Eine einzelne Süßigkeit macht niemanden krank. Genau darin liegt eine der größten Herausforderungen der Prävention.

Wer heute einen Schokoriegel isst oder eine Limonade trinkt, erlebt zunächst nur den angenehmen Geschmack und das gute Gefühl, das damit verbunden ist. Die möglichen gesundheitlichen Folgen treten dagegen nicht sofort ein. Übergewicht, Typ-2-Diabetes oder andere ernährungsbedingte Erkrankungen entstehen durch viele kleine Entscheidungen, die sich über Jahre hinweg summieren.

Unser Gehirn ist jedoch nicht besonders gut darin, solche langfristigen Zusammenhänge wahrzunehmen. Es bewertet unmittelbare Belohnungen deutlich stärker als mögliche Nachteile in einer fernen Zukunft. Verhaltenspsychologen bezeichnen dieses Phänomen als zeitliche Diskontierung.

Für Kinder gilt dies in besonderem Maße. Ihre Fähigkeit, langfristige Folgen abzuschätzen und spontane Wünsche zugunsten späterer Vorteile zurückzustellen, entwickelt sich erst allmählich. Sie erleben deshalb vor allem den unmittelbaren Genuss – nicht aber das Risiko, das aus vielen ähnlichen Entscheidungen über Jahre hinweg entstehen kann.

Treffen diese biologischen Voraussetzungen auf Werbung, die Süßwaren zusätzlich mit Sport, Gemeinschaft, Erfolg und attraktiven Fanartikeln verbindet, verstärken sich beide Effekte gegenseitig. Genau deshalb fällt es Kindern besonders schwer, solchen Kaufanreizen zu widerstehen.

Das eigentliche Problem ist nicht die einzelne Süßigkeit

In der öffentlichen Diskussion entsteht häufig der Eindruck, es gehe darum, Kindern Schokolade oder Softdrinks grundsätzlich zu verbieten. Das greift jedoch zu kurz.

Ernährungswissenschaftler weisen seit Langem darauf hin, dass kein einzelnes Lebensmittel allein über Gesundheit oder Krankheit entscheidet. Entscheidend ist vielmehr das gesamte Ernährungsverhalten – also die Summe vieler kleiner Entscheidungen im Alltag.

Genau deshalb richtet sich die Kritik der Deutschen Allianz Nichtübertragbare Krankheiten nicht gegen einzelne Produkte, sondern gegen Marketingstrategien, die Kinder gezielt ansprechen und den regelmäßigen Konsum stark zuckerhaltiger Lebensmittel fördern sollen.

Prävention beginnt deshalb nicht erst beim Speiseplan. Sie beginnt bereits dort, wo Kinder lernen, Werbung zu erkennen, Konsumwünsche zu hinterfragen und zwischen eigenen Bedürfnissen und geschickten Marketingbotschaften zu unterscheiden.

Gesundheit ist auch eine gesellschaftliche Aufgabe

Die Folgen eines dauerhaft unausgewogenen Ernährungsverhaltens betreffen nicht nur den Einzelnen. Übergewicht, Adipositas, Typ-2-Diabetes und andere ernährungsbedingte Erkrankungen verursachen erhebliche Belastungen für das Gesundheitswesen und beeinträchtigen die Lebensqualität vieler Menschen.

Deshalb betrachten Fachleute Prävention heute umfassender als noch vor einigen Jahren. Es geht nicht allein darum, Kindern zu sagen, was gesund oder ungesund ist. Ebenso wichtig ist es, Bedingungen zu schaffen, die gesunde Entscheidungen erleichtern.

Dazu gehören eine ausgewogene Verpflegung in Kitas und Schulen ebenso wie ausreichend Bewegung – aber auch ein verantwortungsvoller Umgang mit Werbung, die sich gezielt an Kinder richtet.

Zwischen Eigenverantwortung und Kinderschutz

Seit Jahren wird darüber diskutiert, wie weit Werbung für ungesunde Lebensmittel gehen darf, wenn sie Kinder erreicht. Die Deutsche Allianz Nichtübertragbare Krankheiten (DANK) fordert deshalb strengere gesetzliche Regeln für das Marketing von Produkten mit einem hohen Zucker-, Fett- oder Salzgehalt. Nach Auffassung des Wissenschaftsbündnisses sollten Sportgroßereignisse nicht dazu genutzt werden, Kinder gezielt zum Kauf solcher Lebensmittel zu motivieren.

Zu den Forderungen gehören unter anderem verbindliche Standards für die Verpflegung in Kitas und Schulen nach den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE), mehr tägliche Bewegung im Bildungsalltag sowie eine stärkere Einschränkung an Kinder gerichteter Werbung. Auch über eine Abgabe auf zuckerhaltige Getränke wird seit Jahren diskutiert.

Die Lebensmittelwirtschaft verweist dagegen regelmäßig darauf, dass ihre Produkte in Maßen Teil einer ausgewogenen Ernährung sein können. Unternehmen betonen zudem, dass letztlich die Verbraucherinnen und Verbraucher über ihren Einkauf entscheiden und viele Hersteller inzwischen auch Rezepturen überarbeitet oder zuckerreduzierte Varianten anbieten.

Gesundheitswissenschaftler widersprechen dieser Sichtweise allerdings nicht grundsätzlich, weisen jedoch auf einen entscheidenden Unterschied hin: Erwachsene können Werbung in der Regel besser einordnen als Kinder. Jüngere Kinder erkennen häufig noch nicht, dass Werbung in erster Linie das Ziel verfolgt, den Absatz eines Produktes zu steigern. Gerade deshalb sehen viele Fachgesellschaften einen besonderen Schutzbedarf.

Was Eltern, Kitas und Grundschulen tun können

Die gute Nachricht lautet: Kinder können lernen, Werbung zu durchschauen.

Schon im Vorschul- und Grundschulalter entwickeln sie ein Verständnis dafür, warum Unternehmen werben und welche Strategien dabei eingesetzt werden. Pädagogische Fachkräfte und Eltern können diese Entwicklung gezielt unterstützen.

Dazu gehört beispielsweise, gemeinsam Werbespots oder Sammelaktionen anzuschauen und darüber ins Gespräch zu kommen. Warum gibt es Sammelpunkte? Weshalb werden gerade Fanartikel verschenkt? Was hat ein Schokoriegel eigentlich mit Fußball zu tun? Solche Fragen fördern kritisches Denken und helfen Kindern, Kaufanreize besser zu erkennen.

Ebenso wichtig ist eine positive Ernährungsbildung. Kinder profitieren davon, Lebensmittel mit allen Sinnen kennenzulernen, gemeinsam zu kochen, Obst und Gemüse selbst zuzubereiten oder Kräuter anzubauen. Wer erlebt, dass gesundes Essen schmeckt, Freude macht und Gemeinschaft schafft, entwickelt häufig ein nachhaltigeres Ernährungsverhalten als durch Verbote allein.

Auch Bewegung sollte um ihrer selbst willen Freude bereiten. Kinder brauchen keine Süßigkeit als Belohnung dafür, dass sie gerannt, geklettert oder Fußball gespielt haben. Das eigentliche Erfolgserlebnis besteht in der Bewegung selbst, im gemeinsamen Spiel und in der Erfahrung, etwas geschafft zu haben.

Kinder stark machen statt nur Verbote auszusprechen

Die Diskussion über WM-Sammelaktionen zeigt, dass die eigentliche Herausforderung weit über einzelne Schokoladenriegel oder Softdrinks hinausgeht. Sie betrifft die Frage, wie Kinder in einer Welt aufwachsen, in der Unternehmen um Aufmerksamkeit konkurrieren und Emotionen gezielt nutzen, um Marken positiv zu besetzen.

Süßigkeiten werden auch künftig zum Alltag vieler Familien gehören. Entscheidend ist deshalb nicht, sie grundsätzlich zu verbieten. Viel wichtiger ist es, Kinder dabei zu begleiten, bewusste Entscheidungen zu treffen und Werbung kritisch einordnen zu können.

Ernährungsbildung bedeutet heute weit mehr als die Vermittlung von Wissen über Zucker, Vitamine oder Kalorien. Sie umfasst auch Verbraucherbildung und Medienkompetenz. Kinder sollten verstehen, warum Werbung bestimmte Gefühle anspricht, weshalb Fanartikel so begehrt sind und wie Kaufentscheidungen beeinflusst werden können.

Gerade Kitas und Grundschulen leisten dabei einen wichtigen Beitrag. Sie schaffen Erfahrungsräume, in denen Kinder Lebensmittel entdecken, Genuss erleben, Werbebotschaften hinterfragen und lernen, Verantwortung für die eigene Gesundheit zu übernehmen.

Vielleicht ist genau das die wichtigste Erkenntnis aus der aktuellen Debatte: Nicht die einzelne Süßigkeit entscheidet über ein gesundes Leben. Entscheidend ist, ob Kinder früh lernen, zwischen eigenen Bedürfnissen und geschickten Marketingstrategien zu unterscheiden. Diese Fähigkeit begleitet sie weit über die nächste Fußball-Weltmeisterschaft hinaus.

Quellen




Warum Hitze im Auto schon nach wenigen Minuten lebensgefährlich ist

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Extreme Sommerhitze: Fahrzeuge werden schnell zur tödlichen Falle

Jedes Jahr im Sommer passiert es wieder: Ein Kind wird „nur kurz“ im Auto gelassen – und schwebt plötzlich in Lebensgefahr. Was viele Eltern und Betreuungspersonen unterschätzen: Bereits nach wenigen Minuten wird ein geparktes Auto in der Sonne zur tödlichen Falle.

Wie schnell heizt sich ein Auto wirklich auf?

Die Zahlen sind erschreckend: Schon bei moderaten Außentemperaturen unter 30 °C kann die Temperatur im Fahrzeuginneren auf über 50 °C steigen. Nach etwa 90 Minuten wurden sogar knapp 60 °C gemessen.

Der Grund dafür ist der Treibhauseffekt: Die Sonnenstrahlen dringen durch die Scheiben ein, die Wärme kann aber nicht entweichen. Die Temperatur steigt rasant – unabhängig davon, ob ein Fenster einen Spalt offen steht oder nicht.

Besonders tückisch: Armaturenbrett, Lenkrad, Gurtschlösser und Kindersitze können Temperaturen von bis zu 80 °C erreichen. Für Kinderhände bedeutet das akute Verbrennungsgefahr.

Warum Kinder besonders gefährdet sind

Kinder können ihre Körpertemperatur deutlich schlechter regulieren als Erwachsene. Ihr Organismus überhitzt schneller – mit potenziell lebensbedrohlichen Folgen:

  • Hitzschlag – Die Körpertemperatur steigt gefährlich an
  • Kreislaufversagen – Durch Flüssigkeitsverlust und Überhitzung
  • Bewusstlosigkeit – Im schlimmsten Fall droht Organversagen

Deshalb gilt ohne Ausnahme: Kinder gehören niemals allein ins Auto – auch nicht „nur für eine Minute“.

Der gefährliche Irrtum mit dem offenen Fenster

Viele Eltern glauben, ein leicht geöffnetes Fenster würde ausreichen, um das Auto kühl zu halten. Das ist falsch. Untersuchungen zeigen: Ein kleiner Spalt senkt die Innentemperatur nur minimal. Das Fahrzeug heizt sich trotzdem auf lebensgefährliche Werte auf.

Praktische Tipps für den Kita- und Familienalltag

Das Auto möglichst kühl halten

  • Schattige Parkplätze bevorzugen
  • Reflektierende Sonnenschutzfolie für die Windschutzscheibe nutzen
  • Helle Sitzbezüge oder Handtücher über den Kindersitz legen

Wichtig: Auch im Schatten kann sich ein Fahrzeug stark aufheizen. Keine dieser Maßnahmen ersetzt das Mitnehmen aller Kinder.

Kinder vor Hitze schützen

  • Ausreichend trinken – Wasser oder ungesüßte Getränke regelmäßig anbieten, auch ohne Durst
  • Aktivitäten anpassen – Toben und Spielen im Freien in die frühen Morgen- oder Abendstunden verlegen
  • Leichte Kleidung – Helle, luftige Stoffe, Sonnenhut und Sonnencreme
  • Kühle Räume nutzen – In der Mittagshitze drinnen bleiben, Räume abdunkeln

Was tun, wenn Sie ein Kind im heißen Auto entdecken?

Wenn Sie ein Kind in einem überhitzten Fahrzeug sehen, handeln Sie sofort:

  1. Klopfen Sie an die Scheibe und versuchen Sie, Aufmerksamkeit zu erregen
  2. Prüfen Sie den Zustand des Kindes – Reagiert es? Ist es ansprechbar?
  3. Rufen Sie den Notruf 112, wenn das Kind teilnahmslos wirkt, verwirrt ist oder nicht reagiert
  4. Scheibe einschlagen nur im absoluten Notfall – wenn akute Lebensgefahr besteht und keine andere Hilfe möglich ist. Ziehen Sie wenn möglich Zeugen hinzu.

Warnsignale eines Hitzschlags erkennen

Achten Sie bei Kindern auf folgende Symptome:

  • Schwindel oder Kopfschmerzen
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Heiße, gerötete Haut
  • Verwirrtheit oder ungewöhnliches Verhalten
  • Erschöpfung bis hin zur Bewusstlosigkeit

Sofortmaßnahmen: Kind an einen kühlen Ort bringen, mit feuchten Tüchern kühlen, Flüssigkeit geben (wenn bei Bewusstsein), Rettungsdienst rufen.

Kühle Orte in Ihrer Nähe finden

Viele Städte bieten inzwischen Kühle-Orte-Karten an, die klimatisierte Gebäude, Parks und schattige Plätze anzeigen. Eine bundesweite Übersicht finden Sie auf kühle-orte.de – hilfreich für Ausflüge mit der Kita-Gruppe oder der Familie.

Fazit: Aufmerksamkeit kann Leben retten

Sommerliche Temperaturen gehören für Kinder zu den schönsten Erlebnissen – aber sie bergen auch Gefahren. Ein geparktes Auto wird in der Sonne innerhalb von Minuten zur Hitzefalle.

Die wichtigste Regel: Kinder niemals im Auto zurücklassen. Nicht für den kurzen Weg zur Kasse, nicht für den Gang zum Briefkasten – niemals.

Wer aufmerksam bleibt, auf Warnsignale achtet und im Notfall schnell handelt, kann im Ernstfall ein Leben retten.

Quellen: Pressemitteilungen Feuerwehr Hamburg, ADAC, Polizeiinspektion Wilhelmshaven/Friesland
und Informationen auf kühle-orte.de




Hitze-Ratgeber in Leichter Sprache: Verständliche Hilfe für heiße Tage

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Umweltbundesamt erweitert sein Angebot zum Hitzeschutz

Mit einem neuen Hitze-Ratgeber in Leichter Sprache baut das Umweltbundesamt (UBA) sein Informationsangebot zum Schutz der Bevölkerung vor hohen Temperaturen weiter aus. Ziel ist es, möglichst vielen Menschen leicht verständliche und praktische Hinweise an die Hand zu geben, damit sie gesundheitliche Risiken während heißer Tage besser vermeiden können.

Warum Hitzeschutz immer wichtiger wird

Die Auswirkungen des Klimawandels machen sich auch in Deutschland zunehmend bemerkbar. Längere Hitzeperioden und immer mehr heiße Tage stellen eine wachsende Belastung für die Gesundheit dar. Besonders gefährdet sind ältere Menschen, Kinder, Schwangere sowie Personen mit chronischen Erkrankungen. Um über mögliche Gefahren aufzuklären und wirksame Schutzmaßnahmen aufzuzeigen, wurde der bereits bekannte „Hitzeknigge“ entwickelt.

Der Ratgeber vermittelt alltagsnahe Empfehlungen, die sich einfach umsetzen lassen. Dazu gehören Hinweise zur ausreichenden Flüssigkeitsaufnahme, zum richtigen Lüften von Wohnräumen, zu einer angepassten Ernährung sowie zum Verhalten bei starker Sonneneinstrahlung. Die Informationen helfen dabei, die Belastung durch hohe Temperaturen zu reduzieren und gesundheitliche Beschwerden vorzubeugen.

Leichte Sprache schafft bessere Zugänglichkeit

Mit der neuen Ausgabe in Leichter Sprache werden die Inhalte nun für noch mehr Menschen zugänglich. Kurze Sätze, verständliche Begriffe und eine übersichtliche Struktur erleichtern das Lesen und Verstehen der Informationen. Davon profitieren insbesondere Menschen mit Lernschwierigkeiten, Personen mit eingeschränkten Deutschkenntnissen sowie alle, die komplexe Texte vermeiden möchten.

Unterstützung für Kommunen und soziale Einrichtungen

Der Hitze-Ratgeber richtet sich nicht nur an Privatpersonen. Auch Städte, Gemeinden, Vereine und soziale Einrichtungen können die Broschüre nutzen, um über die gesundheitlichen Folgen von Hitze aufzuklären. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, die Inhalte um lokale Informationen zu ergänzen und an regionale Bedürfnisse anzupassen.

Kostenloser Download verfügbar

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Die neue Ausgabe des Hitze-Ratgebers in Leichter Sprache steht ab sofort kostenlos auf der Internetseite des Umweltbundesamtes zum Download bereit.

Damit erhalten Bürgerinnen und Bürger sowie Institutionen eine leicht verständliche Unterstützung, um sich besser auf zunehmende Hitzebelastungen vorzubereiten.

Quelle: Pressemitteilung Umweltbundesamt

Hitzeschutz für Kinder: So bleiben Kinder bei Sommerhitze gesund – SPIELEN UND LERNEN




„TigerKids – Kindergarten aktiv“: Mehr Material für Gesundheit in der Kita

Neues Modul zum Thema „Resilienz“ soll die psychische Gesundheit der Kinder unterstützen

Das Präventionsprogramm „TigerKids – Kindergarten aktiv“ soll einen gesunden Lebensstil im Kindergarten fördern. Laut Giulia Roggenkamp von der Stiftung Kindergesundheit wurden die Inhalte umfassend überarbeitet und weiterentwickelt. Dabei hat die Stiftung die Materialbasis aktualisiert, digitale Ergänzungselemente und ein neu entwickeltes Modul zum Thema „Resilienz“ hinzugefügt. Dieses wurde neben den Schwerpunkten Bewegung, Ernährung und Entspannung als viertes Element in das Programm aufgenommen. Der Grund: wissenschaftliche Studien würden die Bedeutung frühzeitiger Resilienzförderung für die psychische Gesundheit von Kindern hervorheben, so Roggenkamp.

Stärkung von Selbstvertrauen und Bewältigungskompetenzen

So zeigten etwa die Ergebnisse des Kinder- und Jugendgesundheitssurveys KiGGS, dass etwa jedes sechste Kind (16,9 %) im Alter von drei bis 17 Jahren Hinweise auf psychische Auffälligkeiten aufweise. Im Zuge der Corona-Pandemie habe sich dieser Anteil bei Kindern und Jugendlichen deutlich erhöht (Robert Koch-Institut, 2018; Ravens-Sieberer et al., 2021). Forschungsergebnisse belegten zugleich, dass insbesondere stabile Beziehungen, soziale Unterstützung sowie die Stärkung von Selbstvertrauen und Bewältigungskompetenzen wichtige Schutzfaktoren darstellten. Präventions- und Gesundheitsförderungsmaßnahmen würden dabei als besonders wirksam gelten, wenn sie frühzeitig, entwicklungsorientiert und im direkten Lebensumfeld der Kinder – etwa in Kindertageseinrichtungen – ansetzen würden.

Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten und im Umgang mit Herausforderungen

„Kinder wachsen heute in einer Welt auf, die ihnen viel abverlangt. Mit dem neuen Resilienz-Modul stärken wir sie genau dort, wo es früh beginnt: im Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten und im Umgang mit Herausforderungen”, erklärt Eva Berninger, Fachexpertin für Gesundheitsprävention bei der SBK Siemens-Betriebskrankenkasse. Das neue Resilienz-Modul unterstützt Kinder spielerisch beim Aufbau emotionaler Stärke, der Selbstwahrnehmung und im Umgang mit Herausforderungen und erweitert damit die ganzheitliche Gesundheitsförderung im frühkindlichen Bereich.

Praxisnah zur einfacheren Umsetzung

Darüber hinaus soll das Programm nun deutlich praxisnäher gestaltet sein: „Alle Module folgen nun einem einheitlichen Praxisstundenformat, das pädagogische Fachkräfte direkt und eigenständig im Kindergartenalltag umsetzen können. Neu entwickelt wurden außerdem ein Praxisbegleiter mit Geschichten und Übungen, Gesundheitsimpulse für pädagogische Fachkräfte sowie Materialien wie Gefühlswürfel und Gefühlskarten – ergänzt durch digitale Elemente, die analoge Inhalte sinnvoll erweitern und zeitgemäße Vermittlungsformen unterstützen“, schreibt Roggenkamp.

Einbindung von Familien gestärkt

Zudem habe man auch die Einbindung der Familien gestärkt: Mit dem neu entwickelten „Gesunden Tiger-Wochenende“ begleite der kleine Tiger die Kinder nach Hause und lade Familien ein, gemeinsam gesunde Erlebnisse im Alltag zu sammeln.

Für Kindertageseinrichtungen und Familien

„,TigerKids – Kindergarten aktiv‘ verbindet damit weiterhin bewährte Ansätze der Gesundheitsförderung mit aktuellen Entwicklungen in Pädagogik, Praxisorientierung und Digitalisierung”, erklärt Prof. Dr. Berthold Koletzko, Kinder- und Jugendarzt und Vorsitzender der Stiftung Kindergesundheit. „Das Programm unterstützt pädagogische Fachkräfte in Kindertageseinrichtungen sowie Familien nachhaltig dabei, Bewegung, ausgewogene Ernährung, Entspannung und nun auch Resilienz fest im kindlichen Alltag zu verankern.”

Pädagogische Fachkräfte, Eltern und Erziehungsberechtigte können bereits jetzt ins erste TigerKids-Abenteuer starten. Egal ob zuhause oder im Kindergarten.

Weitere Informationen zum Programm „TigerKids – Kindergarten aktiv“




Kindersonnencremes im Test: Viele Produkte überzeugen bei Öko-Test

Untersuchung von 22 Sonnenschutzmitteln für Kinder zeigt überwiegend gute Ergebnisse

Eltern achten beim Kauf von Sonnencremes für Kinder zunehmend auf Inhaltsstoffe und zuverlässigen UV-Schutz. In der Vergangenheit hatten Berichte über problematische UV-Filter, Weichmacher oder unzureichende Lichtschutzfaktoren für Verunsicherung gesorgt. Eine aktuelle Untersuchung von Öko-Test kommt nun bei den meisten getesteten Produkten zu positiven Ergebnissen.

22 Kindersonnencremes mit Lichtschutzfaktor 50 getestet

Für die aktuelle Ausgabe hat Öko-Test insgesamt 22 Sonnenschutzmittel für Kinder mit Lichtschutzfaktor 50 oder 50+ untersucht. Nach Angaben des Verbrauchermagazins überzeugten sämtliche getesteten Produkte bei den Inhaltsstoffen. Kritische Weichmacher sowie potenziell hormonwirksame oder korallenschädliche UV-Filter seien im Test nicht festgestellt worden.

Wie Öko-Test mitteilt, wich zudem nur ein Produkt beim angegebenen Lichtschutzfaktor von der Auslobung ab.

Abweichungen beim Lichtschutzfaktor festgestellt

Betroffen war laut Test die „Bevola Kids Sonnenmilch 50+“ von Kaufland. Produkte mit der Kennzeichnung „50+“ müssten unter Laborbedingungen mindestens einen Lichtschutzfaktor von 60 erreichen. Nach Angaben von Öko-Test unterschritt das getestete Produkt diesen Wert deutlich.

Das Magazin bewertet die Sonnenmilch deshalb mit „befriedigend“. Ebenfalls die Note „befriedigend“ erhielt die „Avène Kinder-Sonnenmilch 50+“. Hier kritisierte Öko-Test unter anderem unvollständige Anwendungshinweise auf der Verpackung.

Mehrheit der Produkte mit guten Bewertungen

Insgesamt bewertete Öko-Test 19 der getesteten Sonnenschutzmittel mit „gut“ oder „sehr gut“. Zu den positiv bewerteten Produkten gehört nach Angaben des Verbrauchermagazins auch die „Lacura Sun Kids Sonnenmilch 50+“ von Aldi Süd. Sie war zugleich die günstigste Sonnencreme im Test und kostete laut Öko-Test 3,45 Euro pro 200 Milliliter.

Weitere Informationen veröffentlicht Öko-Test in der Juniausgabe des Magazins sowie online unter oekotest.de.




ADHS und Kreativität: Vielfalt im Denken als Ressource begreifen

Forschung zeigt: Unkonzentriertheit kann kreative Stärke sein

Eine neue Studie der Neurowissenschaftlerin Dr. Radwa Khalil von der Constructor University, veröffentlicht im Fachjournal iScience, geht einer Frage nach, die viele Eltern, Pädagoginnen und Pädagogen seit Jahren beschäftigt: Warum wirken manche Menschen mit ADHS im Alltag unkonzentriert – und zugleich oft ungewöhnlich kreativ? Und lässt sich dieser scheinbare Widerspruch wissenschaftlich erklären?

Die Antwort der Forschenden fällt klar aus: Die gleichen neuronalen Netzwerke, die unsere Aufmerksamkeit steuern, sind auch an kreativen Prozessen beteiligt. Das bedeutet, dass typische Merkmale von ADHS – etwa Ablenkbarkeit oder Tagträumen – nicht nur Schwierigkeiten verursachen, sondern unter bestimmten Bedingungen auch kreatives Denken fördern können.

Die Studie zeigt damit eine neue Perspektive auf ein Phänomen, das bislang überwiegend unter dem Blickwinkel von Defiziten betrachtet wurde. Statt ausschließlich zu fragen, was bei ADHS „nicht funktioniert“, rückt sie die Frage in den Vordergrund, welche besonderen kognitiven Potenziale in diesen Aufmerksamkeitsmustern liegen.

Breiter Aufmerksamkeitskegel

Im Zentrum der Untersuchung steht das Konzept der sogenannten „defokussierten Aufmerksamkeit“. Dr. Khalil beschreibt diesen Zustand anschaulich: Während viele Menschen ihre Aufmerksamkeit gezielt auf eine Aufgabe richten können, nehmen Menschen mit ADHS häufig mehrere Reize gleichzeitig wahr. Dieser „breitere Aufmerksamkeitskegel“ erschwert es, bei monotonen Aufgaben konzentriert zu bleiben – eröffnet aber zugleich die Möglichkeit, ungewöhnliche Verbindungen herzustellen und neue Ideen zu entwickeln.

Genau hier liegt der Kern der neuen Erkenntnisse. Kreativität entsteht oft nicht durch lineares Denken, sondern durch das Verknüpfen scheinbar unzusammenhängender Informationen. Prozesse wie freies Assoziieren, gedankliches Abschweifen oder spontanes Umschalten zwischen Themen – alles Phänomene, die im Zusammenhang mit ADHS häufig beobachtet werden – spielen dabei eine zentrale Rolle.

Dass diese Verbindung nicht nur theoretisch ist, zeigt sich auch in der Lebensrealität vieler Betroffener. Immer wieder wird darauf hingewiesen, dass Menschen mit ADHS überdurchschnittlich häufig in kreativen Berufen vertreten sind. Prominente Beispiele wie Justin Timberlake oder Simone Biles werden oft genannt, auch wenn solche Einzelfälle keine wissenschaftlichen Belege ersetzen.


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Aufmerksamkeit und Kreativität sind eng miteinander verschränkt

Die Studie geht jedoch über diese Beobachtungen hinaus und versucht, die zugrunde liegenden Mechanismen systematisch zu erklären. Sie führt Forschungsergebnisse aus verschiedenen Disziplinen zusammen und zeigt, dass Aufmerksamkeit und Kreativität eng miteinander verschränkt sind – auf der Ebene neuronaler Netzwerke ebenso wie im Verhalten.

Ein besonders interessanter Aspekt betrifft die praktische Anwendung dieser Erkenntnisse. Die Forschenden sehen großes Potenzial in sogenannten kreativen Therapieansätzen. Dazu zählen Aktivitäten wie Malen, Musik, Tanz, Schreiben oder auch spielerische digitale Formate. Diese Tätigkeiten nutzen gezielt die offenen, assoziativen Denkprozesse, die bei ADHS häufig ausgeprägt sind.

Dabei geht es nicht um bloße Beschäftigung oder Ablenkung. Kreative Aktivitäten sprechen genau jene Gehirnstrukturen an, die auch für die Steuerung von Aufmerksamkeit zuständig sind. Wenn Kinder oder Erwachsene mit ADHS sich intensiv auf solche Prozesse einlassen, kann dies dazu beitragen, Aufmerksamkeitsmuster zu stabilisieren und neu zu organisieren.

Dr. Khalil formuliert es zugespitzt: Kreativer Ausdruck sei kein Nebenprodukt, sondern eine Form von Training für das Gehirn. Wer sich beim Zeichnen, Musizieren oder Schreiben vertieft, arbeite mit seinem kognitiven Stil – und nicht gegen ihn.

Gut begründet, aber nicht vollständig erforscht

Gleichzeitig bleibt die Studie vorsichtig in ihrer Bewertung. Die Zusammenhänge zwischen ADHS und Kreativität sind zwar gut begründet, aber noch nicht vollständig erforscht. Die Autorinnen und Autoren betonen, dass es weiterer Untersuchungen bedarf, insbesondere langfristiger Studien, die Entwicklungsverläufe genauer abbilden.

Methodisch handelt es sich bei der Arbeit um eine interdisziplinäre Zusammenführung bestehender Forschungsergebnisse. Sie entwickelt daraus ein theoretisches Modell und leitet Empfehlungen für zukünftige Studien ab. Dazu gehören unter anderem:

•          eine engere Zusammenarbeit zwischen Neurowissenschaft, Pädagogik und Therapie

•          neue Methoden zur Erfassung kreativer Prozesse

•          langfristige Untersuchungen zur Wirkung kreativer Interventionen

ADHS – kognitive Besonderheit mit eigenen Möglichkeiten

Auffällig ist vor allem der Perspektivwechsel, den die Studie anstößt. ADHS erscheint hier nicht mehr ausschließlich als Störung, die korrigiert werden muss, sondern als kognitive Besonderheit mit eigenen Möglichkeiten. Diese Sichtweise verändert nicht nur den wissenschaftlichen Diskurs, sondern hat auch Konsequenzen für den Alltag – in Familien, in Kitas, in Schulen.

Denn wenn Aufmerksamkeit nicht nur als Fähigkeit zur Fokussierung verstanden wird, sondern auch als Offenheit für vielfältige Reize, dann stellt sich die Frage neu, wie Lernumgebungen gestaltet sein sollten. Die Studie liefert dafür keine einfachen Rezepte, aber sie verschiebt den Blick: weg von der reinen Anpassung an bestehende Anforderungen – hin zu einem Verständnis, das Vielfalt im Denken als Ressource begreift.

Weitere Informationen finden Sie hier:

Gernot Körner




Kostenfreies Bildungsprogramm: Kita-Kinder entdecken Lebensmittel

essen-entdecken

Pädagogische Fachkräfte erkunden mit Kita-Kindern, woher regionale Bio-Lebensmittel kommen und wie sie hergestellt werden

Essen entdecken! ist ein kostenfreies, interaktives Bildungsprogramm der Sarah Wiener Stiftung für Kitas deutschlandweit. Die Lernreise begleitet pädagogische Fachkräfte dabei, mit Kita-Kindern zu erkunden, woher regionale Bio-Lebensmittel kommen und wie sie hergestellt werden. Die Teilnahme ist ganzjährig möglich. Kita-Fachkräfte können sich der Webseite sw-stiftung.de/mitmachen/essen-entdecken anmelden.

Die Entstehung und Verarbeitung von Bio-Lebensmitteln wie Getreide, Milch, Eier, Honig, Obst- oder Gemüsesorten wird bei Essen entdecken! mit allen Sinnen erlebbar. Das Programm fördert einen Bezug zum Essen, weckt Neugier, Interesse und Wertschätzung für die ökologische Landwirtschaft, für Tiere und Pflanzen.

Interaktiver E-Mail-Kurs

Im Rahmen eines sechswöchigen E-Mail-Kurses erhalten die pädagogischen Fachkräfte Impulse und Materialien. Sie erfahren, wie sie gemeinsam mit ihrer Kita-Gruppe im Alltag, etwa beim Morgenkreis, den Mahlzeiten oder im Kitagarten, das jeweilige Lebensmittel näher kennenlernen können. Zu den Inhalten und Formaten des Programms gehören digitale Info-Module, Videos, Hörbeiträge, Praxisbeispiele, Rezepte, interaktive Ideenpinnwände und Austauschrunden.

Exkursion

Neben dem Erkunden des Bio-Lebensmittels in der Kita ist eine Exkursion Teil der Lernreise. Kitas können einen selbstorganisierten Erlebnisort oder einen Partnerbetrieb der Stiftung besuchen.

Die Sarah Wiener Stiftung bietet jährlich bis zu 150 qualitätsgesicherte Tagesexkursionen zu erzeugenden und verarbeitenden Bio-Betrieben in ganz Deutschland an und kooperiert mit rund 30 Betrieben. Termine für Kitagruppen zwischen 15 und 30 Kindern, die zwischen drei und sechs Jahre alt sind, finden sich auf der Essen entdecken!-Webseite.

Bei der Variante mit einer Exkursion zu einem selbstorganisierten Erlebnisort sind die Teilnehmenden freier in der Termin- und Ortsplanung. Alles entlang der Wertschöpfungskette des jeweiligen Lebensmittels ist möglich (z.B. eine Bio-Bäckerei, ein Bio-Markt oder eine Streuobstwiese). Die Sarah Wiener Stiftung unterstützt mit Tipps und Hilfestellungen, um die Organisation so einfach wie möglich zu halten. Eventuell entstehende Exkursionskosten müssen die Kitas selbst tragen.

Förderpartner

Essen entdecken! ist von IN FORM, Deutschlands Initiative für gesunde Ernährung und mehr Bewegung, ausgezeichnet. Es wird durch die Holistic Foundation, die Landwirtschaftliche Rentenbank, die Stiftung Berliner Sparkasse und die TARGOBANK Stiftung gefördert.

Quelle: Pressemitteilung Sarah Wiener Stiftung