Social Media gefährdet Bildung und Psyche von Kindern deutlich

Studie zeigt Zusammenhang zwischen Medienkonsum, PISA-Werten und mentaler Gesundheit

Digitale Medien prägen den Alltag von Kindern und Jugendlichen in einem bislang nicht gekannten Ausmaß. Eine aktuelle Analyse des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) im Auftrag der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) weist auf deutliche Zusammenhänge zwischen intensiver Nutzung sozialer Medien, sinkenden schulischen Leistungen und zunehmenden psychischen Belastungen hin. Die Ergebnisse liefern wichtige Hinweise für pädagogische Fachkräfte – insbesondere im schulischen Kontext.

Psychische Gesundheit weiterhin belastet

Die Untersuchung zeigt, dass sich die psychische Situation vieler Kinder und Jugendlicher seit der Corona-Pandemie nicht vollständig stabilisiert hat. Angstsymptome, Einsamkeit und Sorgen über globale Krisen gehören weiterhin zum Alltag vieler junger Menschen. Besonders häufig werden Ängste im Zusammenhang mit Kriegen und Terrorismus genannt.

Ein übermäßiger Medienkonsum wird dabei als ein relevanter Belastungsfaktor beschrieben. Studien, auf die sich das Gutachten stützt, zeigen einen Zusammenhang zwischen intensiver Nutzung sozialer Medien und psychischen Beeinträchtigungen wie Depressionen, Angstzuständen und Stress. Gleichzeitig lässt sich beobachten, dass eine Reduktion der Nutzung mit einer verbesserten Lebenszufriedenheit einhergeht.

Rückgang schulischer Leistungen

Parallel zu den beschriebenen psychischen Belastungen verweisen die Daten auf einen kontinuierlichen Rückgang schulischer Kompetenzen. Seit 2015 verschlechtern sich die Ergebnisse deutscher Schülerinnen und Schüler in den PISA-Studien in den Bereichen Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften.

Die IW-Analyse zeigt hierbei einen statistischen Zusammenhang zwischen der Nutzung sozialer Medien und den gemessenen Kompetenzen: Mit steigender Nutzungsintensität gehen im Durchschnitt geringere Leistungswerte einher. Konkret wird ein Rückgang von über 20 Punkten im Lesen und knapp 20 Punkten in Mathematik beschrieben.

Auch Befragungen unter Jugendlichen stützen diese Ergebnisse. Ein Großteil gibt an, durch soziale Medien vom Lernen abgelenkt zu werden oder Schwierigkeiten zu haben, sich über längere Zeit zu konzentrieren.

Verändertes Freizeitverhalten als Hintergrund

Die Studie führt diese Entwicklungen unter anderem auf Veränderungen im Freizeitverhalten zurück. Digitale Medien nehmen heute einen deutlich größeren Raum im Alltag ein als noch vor einigen Jahren. Während Jungen mehr Zeit mit Computerspielen verbringen, hat sich bei Mädchen insbesondere die Nutzung sozialer Netzwerke und digitaler Kommunikation stark ausgeweitet.

Diese Verschiebung geht mit einer veränderten Nutzung von Zeitressourcen einher, die sich auch auf Lernprozesse auswirken kann.

Ungleichheit der Bildungschancen nimmt zu

Besonders deutlich zeigen sich die Effekte bei Kindern aus bildungsferneren Haushalten. Sie nutzen digitale Medien im Durchschnitt intensiver und verfügen gleichzeitig über geringere Ressourcen, um mögliche negative Auswirkungen auszugleichen.

Die Analyse kommt zu dem Ergebnis, dass mit steigender Mediennutzung auch das Risiko von Bildungsarmut zunimmt. Damit verschärfen sich bestehende Unterschiede in den Bildungschancen.

Empfehlungen mit Fokus auf Schule und Elternhaus

Zur Einordnung der Ergebnisse formuliert die Studie zwei zentrale Ansatzpunkte:

Regulatorischer Ansatz:
Bestehende Altersbeschränkungen und Schutzmechanismen sollen konsequenter umgesetzt werden, um Kinder und Jugendliche besser vor problematischen Inhalten und suchtfördernden Strukturen zu schützen.

Kompetenzstärkender Ansatz:
Die Vermittlung von Medienkompetenz wird als zentrale Aufgabe im schulischen Kontext beschrieben. Dazu gehören Fortbildungen für Lehrkräfte sowie eine stärkere Aufklärung von Eltern über Risiken und Kontrollmöglichkeiten.

Bedeutung für die pädagogische Praxis

Die Ergebnisse verdeutlichen, dass digitale Medien einen relevanten Einfluss auf Lernprozesse und das Wohlbefinden von Kindern und Jugendlichen haben können. Für pädagogische Fachkräfte – insbesondere im schulischen Bereich und nicht im Kindergartenbereich – ergeben sich daraus Hinweise für die Gestaltung von Lernumgebungen sowie für den Umgang mit digitalen Medien im Bildungsalltag.

Einordnung der Studie

Die Studie basiert auf Auswertungen bestehender Datensätze, insbesondere der international anerkannten PISA-Studien, und nutzt ergänzend Befragungen anderer Institutionen. Dadurch ist die Datengrundlage grundsätzlich belastbar und für den schulischen Bereich repräsentativ. Allerdings handelt es sich nicht um eine eigene, neu erhobene Stichprobe, sondern um eine Sekundäranalyse. Die Ergebnisse zeigen statistische Zusammenhänge zwischen Mediennutzung, Bildungserfolg und psychischer Gesundheit, erlauben jedoch keine eindeutigen Aussagen über Ursache und Wirkung. Zudem wurde die Studie im Auftrag der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft erstellt, einem wirtschaftspolitisch ausgerichteten Thinktank. Diese Rahmung sollte bei der Interpretation berücksichtigt werden. Insgesamt liefert die Analyse fundierte Hinweise, ersetzt jedoch keine differenzierte Betrachtung weiterer Einflussfaktoren und Forschungsergebnisse.

Quelle: Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM), basierend auf einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW)

Digitale Mediennutzung bewusst begleiten – von Anfang an

Kinder wachsen heute selbstverständlich mit digitalen Medien auf. Umso wichtiger ist es, sie frühzeitig dabei zu begleiten, einen verantwortungsvollen Umgang zu entwickeln. Diese Streitschrift beleuchtet fundiert und praxisnah die Chancen, Risiken und pädagogischen Herausforderungen digitaler Mediennutzung im Krippen-, Kita- und Grundschulalter – differenziert, kritisch und ohne vorschnelle Antworten.

Armin Krenz
Medienkompetenz beginnt mit der Sach- und Selbstkompetenz bei den Erwachsenen und nicht zuvorderst „am“ Kind!
28 Seiten, ISBN: 9783963046193, 5 €




Hauptursache Sonnencreme: Kinder mit verbotenen Weichmachern belastet

Aktuelle Untersuchungen zeigen: In 92 Prozent der Urinproben von Kindern und Jugendlichen wurde ein fortpflanzungsschädigender Weichmacher nachgewiesen

Neue Daten des Umweltbundesamt zeichnen ein klares Bild: Kinder und Jugendliche in Deutschland sind auch 2025 weiterhin mit einem in der EU nicht zugelassenen Weichmacher belastet. In einer aktuellen Untersuchung wurden zwischen April und Juli 2025 insgesamt 259 Urinproben von 6- bis 17-Jährigen analysiert.

Das Ergebnis ist eindeutig: In 92 Prozent der Proben wurde Mono-n-hexylphthalat (MnHexP) nachgewiesen – ein Abbauprodukt des fortpflanzungsschädigenden Weichmachers Di-n-hexylphthalat (DnHexP). Zwei der untersuchten Kinder überschritten sogar den gesundheitlichen Beurteilungswert deutlich.

Damit bestätigt sich ein Trend, der bereits in früheren Untersuchungen sichtbar wurde – allerdings in einer neuen Dimension.

Verbotener Weichmacher mit überraschend hoher Verbreitung

DnHexP gilt als fortpflanzungsschädigend und ist in der Europäischen Union nicht zugelassen. Umso problematischer ist der aktuelle Befund: „Der hohe Anteil belasteter Proben sowie die teils sehr hohen Konzentrationen haben uns überrascht“, erklärte UBA-Präsident Dirk Messner. Zwar liegen die meisten gemessenen Werte unterhalb des sogenannten HBM-I-Wertes von 60 Mikrogramm pro Liter Urin, doch einzelne Überschreitungen zeigen, dass gesundheitlich relevante Belastungen möglich sind.

Sonnencreme als zentrale Quelle identifiziert

Die Ursache der Belastung ist inzwischen weitgehend geklärt: Bereits 2024 konnten Untersuchungen zeigen, dass verunreinigte Sonnencremes eine zentrale Rolle spielen. Im Fokus steht dabei der UV-Filter Diethylaminohydroxybenzoylhexylbenzoat (DHHB), bei dessen Herstellung der verbotene Weichmacher DnHexP als Nebenprodukt entstehen kann. Die Analysen zeigen jedoch auch:

  • Die Belastung schwankt stark zwischen Produkten
  • Es sind bereits Sonnencremes ohne Verunreinigung auf dem Markt

Das Problem ist damit technisch lösbar – aber bislang nicht konsequent reguliert.

EU reagiert – Grenzwerte erst ab 2027

Der Wissenschaftliche Ausschuss für Verbrauchersicherheit der EU (SCCS) hat 2025 bewertet, dass eine minimale Verunreinigung technisch möglich ist. Dennoch gilt:

  • Erst ab 1. Januar 2027 dürfen nur noch Sonnenschutzmittel mit klar begrenzten DnHexP-Gehalten verkauft werden
  • Frühere Messungen lagen teils um ein Vielfaches über diesen zukünftigen Grenzwerten

Bis dahin bleibt eine relevante Belastungsquelle bestehen – insbesondere für Kinder.

Mehrfachbelastung erhöht gesundheitliche Risiken

Ein zentrales Problem liegt nicht nur im einzelnen Stoff, sondern in der Kombinationswirkung mehrerer Weichmacher.

Bereits frühere Studien zeigten, dass Kinder häufig gleichzeitig verschiedenen fortpflanzungsschädigenden Substanzen ausgesetzt sind – teilweise über der von der European Food Safety Authority als tolerierbar eingestuften Gesamtmenge.

Das bedeutet:
Selbst wenn einzelne Stoffe unterhalb von Grenzwerten liegen, kann die Gesamtbelastung gesundheitlich relevant sein.

Schutz bleibt notwendig – aber ohne vermeidbare Risiken

Trotz der aktuellen Befunde betont das Umweltbundesamt:
Sonnenschutz bleibt unverzichtbar, insbesondere für Kinder mit empfindlicher Haut, um das Hautkrebsrisiko zu senken.

Gleichzeitig wird deutlich: Vermeidbare Schadstoffquellen müssen konsequent eliminiert werden.

Kinderrechte und Gesundheit: ein ungelöstes Spannungsfeld

Die aktuellen Ergebnisse werfen auch eine grundsätzliche Frage auf:
Wie kann es sein, dass Kinder weiterhin mit verbotenen, fortpflanzungsschädigenden Stoffen belastet sind – obwohl Schutz und Gesundheit zentrale gesellschaftliche Ziele sind?

Die Daten des Umweltbundesamtes machen deutlich:
Es handelt sich nicht um Einzelfälle, sondern um ein strukturelles Problem – mit unmittelbaren Konsequenzen für die Gesundheit der jungen Generation.

Mehr dazu unter: https://www.umweltbundesamt.de/themen/gesundheit/belastung-des-menschen-ermitteln/alise-deutsche-kinder-jugendstudie-zur




Putzmittel bleiben große Gefahr für kleine Kinder im Haushalt

Waschmittelpackungen und Sprühflaschen führen laut einer US-Langzeit-Studie häufig zu Verletzungen – besonders bei Kindern unter fünf Jahren

Putzmittel gehören zum Alltag in nahezu jedem Haushalt – und genau darin liegt ein oft unterschätztes Risiko. Eine aktuelle Langzeitstudie des Center for Injury Research and Policy zeigt, wie häufig Kinder durch Reinigungsprodukte verletzt werden. Zwischen 2007 und 2022 wurden in den USA mehr als 240.800 Kinder unter fünf Jahren nach Kontakt mit Reinigungs- oder Bleichmitteln in Notaufnahmen behandelt. Rein rechnerisch bedeutet das: Alle 35 Minuten kommt es zu einer solchen Verletzung.

Die Ergebnisse wurden im Fachjournal Pediatrics veröffentlicht. Grundlage der Analyse ist das National Electronic Injury Surveillance System (NEISS), eine umfassende Datenbank, die landesweit Krankenhausaufnahmen dokumentiert und damit einen realistischen Einblick in Unfallgeschehen im Alltag ermöglicht.

Waschmittel und Sprays als zentrale Gefahrenquellen

Besonders auffällig ist, dass bestimmte Produkte immer wieder eine zentrale Rolle spielen. Waschmittelpackungen – insbesondere Kapseln – sind für etwa ein Drittel aller Verletzungen verantwortlich. Fast ebenso häufig sind Sprühflaschen beteiligt, die mehr als ein Viertel der Fälle ausmachen.

Diese Produkte sind im Haushalt allgegenwärtig, leicht zugänglich und wirken auf Kinder oft harmlos oder sogar ansprechend. Gerade Waschmittelkapseln erinnern mit ihren bunten Farben nicht selten an Süßigkeiten. Sprühflaschen wiederum verteilen Flüssigkeiten fein und können so leicht in die Augen oder auf die Haut gelangen.

Die Folgen sind entsprechend ernst. Viele Kinder erleiden Verätzungen, Hautreizungen oder Augenverletzungen. Besonders häufig kommt es zu Bindehautentzündungen oder Dermatitis. In schweren Fällen führen die Kontakte sogar zu Vergiftungen.

Warum besonders kleine Kinder gefährdet sind

Das Risiko ist nicht gleichmäßig verteilt. Besonders betroffen sind Kinder im Alter zwischen einem und zwei Jahren. In dieser Entwicklungsphase erkunden Kinder ihre Umwelt intensiv – und zwar vor allem über den Mund.

Die Studienautorin Rebecca McAdams erklärt, dass kleine Kinder Gefahren schlicht noch nicht einschätzen können. Warnhinweise auf Verpackungen bleiben wirkungslos, weil sie weder gelesen noch verstanden werden. Stattdessen zählen Neugier und spontane Impulse.

Das führt dazu, dass Produkte geöffnet, angefasst oder direkt in den Mund genommen werden – oft innerhalb weniger Sekunden.

Häufigster Unfallhergang: Verschlucken von Reinigungsmitteln

Die Daten der Studie zeigen deutlich, dass das größte Risiko vom Verschlucken ausgeht. In den meisten Fällen, in denen Kinder verletzt wurden, hatten sie zuvor Reinigungsmittel aufgenommen.

Vergiftungen sind daher die häufigste Diagnose. Fast alle dieser Fälle lassen sich darauf zurückführen, dass Kinder Flüssigkeiten aus Sprühflaschen oder den Inhalt von Waschmittelkapseln verschluckt haben.

Bemerkenswert ist zudem, dass etwa ein Viertel der Vorfälle nicht durch das Kind selbst ausgelöst wurde. Stattdessen kam es zu einem Kontakt mit den Chemikalien, weil eine andere Person – meist unbeabsichtigt – das Kind während des Putzens einbezog oder nicht ausreichend Abstand hielt.

Der Haushalt als Risikoraum

Ein besonders wichtiger Befund der Studie ist der Ort des Geschehens: Die meisten Unfälle passieren im eigenen Zuhause. Damit wird deutlich, dass es sich nicht um seltene Ausnahmesituationen handelt, sondern um Risiken, die direkt im Alltag entstehen.

Reinigungsmittel stehen häufig offen herum, werden kurz abgestellt oder bewusst griffbereit gehalten. Für Erwachsene ist das praktisch – für Kinder kann es gefährlich sein. Denn aus kindlicher Perspektive sind diese Produkte weder als Risiko erkennbar noch klar von ungefährlichen Gegenständen zu unterscheiden.

Ein unterschätztes Alltagsrisiko

Die hohe Zahl an dokumentierten Verletzungen über einen Zeitraum von 15 Jahren macht deutlich, dass Putzmittel ein dauerhaftes und bislang unterschätztes Risiko darstellen. Trotz Sicherheitsverschlüssen und Warnhinweisen kommt es immer wieder zu schweren Zwischenfällen.

Ein Grund dafür liegt auch in der Gestaltung vieler Produkte. Farbenfrohe Verpackungen oder gelartige Kapseln wirken auf Kinder anziehend. Gleichzeitig fehlt ihnen jede Möglichkeit, die damit verbundenen Gefahren zu verstehen.

Zugang zu gefährlichen Substanzen verhindern

Die Studie liefert keine neuen technischen Lösungen, aber sie macht deutlich, wie wichtig konsequente Vorsicht im Alltag ist. Entscheidend ist vor allem, den Zugang zu gefährlichen Substanzen zu begrenzen.

Reinigungsmittel sollten grundsätzlich außerhalb der Reichweite von Kindern aufbewahrt werden – idealerweise in verschlossenen Schränken. Auch während des Putzens ist Aufmerksamkeit gefragt: Sprühflaschen sollten nicht in unmittelbarer Nähe von Kindern verwendet werden, und geöffnete Behälter sollten nie unbeaufsichtigt stehen bleiben.

Gerade in Familien mit kleinen Kindern sind es oft kurze Momente der Unachtsamkeit, die zu Unfällen führen. Die Studie zeigt eindrücklich, dass schon wenige Sekunden ausreichen können.




ADHS-Medikamente: Forschende entwarnen und empfehlen regelmäßiges Monitoring

Eine große Meta-Analyse der Universität Southampton zeigt: Medikamente wie Ritalin verändern Puls und Blutdruck nur gering – sollten aber systematisch überwacht werden

Ein Forschungsteam der University of Southampton hat in einer groß angelegten Meta-Analyse die kardiovaskulären Effekte von ADHS-Medikamenten untersucht. Die Arbeit wurde im Fachjournal The Lancet Psychiatry veröffentlicht und basiert auf über 100 randomisierten kontrollierten Studien mit mehr als 22.000 Teilnehmenden.

Die Ergebnisse sind klar, aber differenziert: Nahezu alle untersuchten Medikamente führen zu leichten Anstiegen von Blutdruck und Herzfrequenz. Diese Effekte sind statistisch signifikant, bleiben jedoch in einem Bereich, den die Forschenden als klinisch gering einordnen.

Konkret zeigen sich im Durchschnitt:

•          leichte Erhöhungen des systolischen und diastolischen Blutdrucks
•          ein moderater Anstieg der Herzfrequenz
•          insgesamt kleine Veränderungen ohne unmittelbare klinische Relevanz

Eine wichtige Ausnahme bildet der Wirkstoff Guanfacin, bei dem Blutdruck und Puls eher sinken.

Keine Unterschiede zwischen Medikamentenklassen

Ein zentrales Ergebnis der Analyse betrifft den Vergleich verschiedener Wirkstofftypen. Die Daten zeigen, dass es keine bedeutsamen Unterschiede zwischen Stimulanzien und Nicht-Stimulanzien gibt.

Das bedeutet: Medikamente wie Methylphenidat (z. B. Ritalin) schneiden in Bezug auf kardiovaskuläre Effekte nicht schlechter ab als alternative Wirkstoffe wie Atomoxetin oder Viloxazin.

Diese Erkenntnis ist besonders relevant, da in der öffentlichen Diskussion häufig angenommen wird, dass gerade Stimulanzien ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Probleme darstellen.

Was genau wurde untersucht – und was nicht?

Die Studie konzentriert sich ausschließlich auf körperliche Nebenwirkungen im Herz-Kreislauf-System. Untersucht wurden unter anderem:

•          Blutdruck (systolisch und diastolisch)
•          Herzfrequenz
•          teilweise elektrokardiografische Parameter

Nicht untersucht wurde hingegen die Frage, wie wirksam die Medikamente bei ADHS-Symptomen sind – etwa im Hinblick auf Aufmerksamkeit, Impulssteuerung oder schulische Leistungen.

Diese Unterscheidung ist entscheidend für die Einordnung der Ergebnisse: Die Studie liefert keine neue Evidenz zur therapeutischen Wirksamkeit, sondern ausschließlich zur körperlichen Sicherheit.

Schlussfolgerung der Forschenden: Überwachung ist entscheidend

Die zentrale Empfehlung des Forschungsteams ist eindeutig: Auch wenn die beobachteten Veränderungen gering sind, sollten Blutdruck und Herzfrequenz bei allen ADHS-Medikamenten regelmäßig kontrolliert werden. Dabei betonen die Autorinnen und Autoren ausdrücklich, dass diese Empfehlung für alle Wirkstoffklassen gilt – nicht nur für Stimulanzien.

Die klinische Botschaft lautet damit nicht „völlige Entwarnung“, sondern eher: Geringe Risiken – aber systematische Kontrolle notwendig.

Wie belastbar sind die Ergebnisse?

Die Studie gehört zu den methodisch stärksten Arbeiten in diesem Bereich. Sie basiert ausschließlich auf randomisierten kontrollierten Studien, also auf einem Studiendesign mit hoher interner Validität. Die große Stichprobe und der direkte Vergleich mehrerer Wirkstoffe erhöhen zusätzlich die Aussagekraft.

Gleichzeitig bestehen typische Einschränkungen solcher Analysen:

•          Die meisten Studien erfassen kurz- bis mittelfristige Zeiträume
•          Kinder mit bestimmten Vorerkrankungen sind häufig ausgeschlossen
•          Die Bedingungen klinischer Studien unterscheiden sich vom Alltag

Das bedeutet: Für die Bewertung kurzfristiger Kreislaufeffekte sind die Ergebnisse robust. Für Langzeitfolgen oder seltene Risiken bleiben jedoch weiterhin Unsicherheiten.

Einordnung: Präzisere Daten für eine differenzierte Debatte

Die Studie liefert keine grundlegend neue Bewertung von ADHS-Medikamenten, aber sie präzisiert ein wichtiges Detail: Die körperlichen Nebenwirkungen im Herz-Kreislauf-System sind in der Regel klein, konsistent und über verschiedene Medikamente hinweg ähnlich.

Für die Praxis ergibt sich daraus vor allem eines: Nicht die grundsätzliche Entscheidung für oder gegen ein Medikament wird durch diese Daten verändert – wohl aber der Umgang damit. Regelmäßiges Monitoring wird zur zentralen Voraussetzung einer verantwortungsvollen Behandlung.

Weitere Informationen: https://www.thelancet.com/journals/lanpsy/article/PIIS2215-0366%2825%2900062-8/abstract




KI-Chatbots und die alarmierende Mediensucht bei Kindern

DAK-Studie: Neue Erkenntnisse zur Mediennutzung und den Risiken für junge Menschen

Die aktuelle DAK-Studie zur Mediennutzung bei Kindern und Jugendlichen zeigt alarmierende Trends im Zusammenhang mit Mediensucht, insbesondere durch den Einfluss von KI-Chatbots. Die Studie, die seit 2019 in mehreren Wellen durchgeführt wird, basiert auf einer repräsentativen Längsschnittuntersuchung, die in der achten Erhebungswelle 2025 rund 1.000 Eltern-Kind-Dyaden befragte. Die Datenerhebung erfolgt durch Interviews des Meinungsforschungsinstituts Forsa, was eine umfassende Analyse des Verhaltens und der Einstellungen sowohl der Jugendlichen als auch ihrer Familien ermöglicht.

Die Rolle von KI-Chatbots im Alltag junger Menschen

Ein zentrales Ergebnis der Studie ist die steigende Nutzung von KI-Chatbots unter Jugendlichen. Fast 25 % der Jugendlichen verwenden Anwendungen wie ChatGPT regelmäßig, wobei besonders auffällig ist, dass bis zu 10 % der Kinder und Jugendlichen Chatbots nutzen, um Einsamkeit zu lindern oder mit negativen Gefühlen umzugehen. Dies zeigt, dass KI-Chatbots für viele junge Menschen eine wichtige Rolle im Alltag spielen, nicht nur als Informationsquelle, sondern auch als emotionale Unterstützung. Bei Jugendlichen mit depressiven Symptomen vertraut nahezu 33 % darauf, dass ein Chatbot sie besser versteht als ein echter Mensch. Diese Entwicklung führt zu gefährlichen parasozialen Beziehungen, die emotionale Bindungen zu digitalen Medien fördern und potenziell zu problematischen Nutzungsmustern führen können.

Mediensucht bleibt ein drängendes Problem

Die DAK-Studie verdeutlicht, dass Mediensucht unter Kindern und Jugendlichen weiterhin ein hohes Niveau aufweist. Hochgerechnet nutzen rund 1,5 Millionen Kinder in Deutschland soziale Medien problematisch, was bedeutet, dass sie von einer Sucht bedroht sind oder bereits betroffen sind. Bei der letzten Erhebungswelle gaben 21,5 % der 10- bis 17-Jährigen an, Social Media riskant zu nutzen. Dies zeigt, dass der Einfluss digitaler Medien nicht nur bei Jugendlichen, sondern auch bei jüngeren Kindern zunehmend problematisch wird.

Definition und Anzeichen von Mediensucht

Die Studie definiert Mediensucht als eine übermäßige Nutzung digitaler Medien, die negative Auswirkungen auf das tägliche Leben hat. Dies kann sich in einer Vernachlässigung von sozialen Kontakten, schulischen Verpflichtungen oder familiären Aktivitäten äußern. Der Anstieg pathologischer Nutzungsmuster ist ebenfalls besorgniserregend, da 6,6 % der Jugendlichen als süchtig gelten, was etwa 350.000 Betroffenen entspricht.

Dringender Handlungsbedarf und Präventionsstrategien

DAK-Chef Andreas Storm fordert daher schnelle gesetzliche Maßnahmen, um Kinder und Jugendliche besser zu schützen. Er betont die Notwendigkeit einer frühzeitigen Vermittlung von Medienkompetenz in Schulen, um den Herausforderungen der digitalen Welt zu begegnen. Die Studie zeigt, dass über 60 % der Eltern bereits Regeln zur Mediennutzung aufstellen, was eine positive Entwicklung darstellt.

Für weitere Informationen zu den Ergebnissen der Studie und dem Angebot der DAK-Gesundheit besuchen Sie www.dak.de/mediensucht.

Lesen und hören Sie dazu auch das Interview mit dem führenden Gehirnforscher Prof. Martin Korte zu Kinder und Medien.




Asbest in Knetsand entdeckt: ÖKO-TEST warnt vor Kinderprodukt

ÖKO-TEST findet krebserregende Fasern im Mushimallow Stretch Sand

Ein aktueller Test der Verbraucherschutzorganisation ÖKO-TEST sorgt für Verunsicherung bei Eltern: In einem in Deutschland erhältlichen Knetsandprodukt für Kinder wurden Asbestfasern nachgewiesen. Der Stoff gilt als hochgefährlich und ist in Spielzeug in der Europäischen Union strikt verboten.

Belastetes Produkt trotz Rückruf weiter erhältlich

Im Fokus des Tests steht das Produkt „Mushimallow Stretch Sand“ (4er-Set). Ein beauftragtes Labor stellte einen Asbestgehalt von über 0,1 Massenprozent fest – ein Wert, ab dem Materialien bereits als gefährlicher Bauabfall eingestuft werden.

Der Anbieter Eduplay gab gegenüber ÖKO-TEST an, den Verkauf gestoppt und Kundinnen und Kunden informiert zu haben. Dennoch war das Produkt zum Zeitpunkt der Veröffentlichung weiterhin online verfügbar.

Mehrheit der Produkte unauffällig

Insgesamt untersuchte ÖKO-TEST 18 Knetsandprodukte, nachdem zuvor in mehreren Ländern Asbestfunde gemeldet worden waren. Das Ergebnis fällt differenziert aus: In den meisten getesteten Produkten konnten keine belastenden Fasern nachgewiesen werden. Der Fund im Mushimallow-Sand bleibt jedoch ein gravierender Einzelfall.

Ursache vermutlich natürliche Rohstoffe

Viele der betroffenen Produkte stammen aus China. Als wahrscheinliche Quelle gilt das Ausgangsmaterial des Sands: Asbest kommt natürlicherweise in bestimmten Gesteinen vor. Bei der industriellen Verarbeitung können die gefährlichen Fasern unbemerkt in das Endprodukt gelangen.

Besonders problematisch ist Asbest beim Einatmen. Die feinen Fasern können in die Lunge gelangen und dort langfristig schwere Erkrankungen bis hin zu Krebs auslösen. In der EU ist Asbest als karzinogener Stoff der höchsten Gefahrenkategorie (1A) eingestuft.

Klare Empfehlungen für Verbraucher

ÖKO-TEST rät dazu, betroffene Produkte sofort zu entsorgen. Räume, in denen der Knetsand verwendet wurde, sollten gründlich gereinigt werden, um mögliche Faserreste zu entfernen.

Zudem wird empfohlen, aktuelle Rückrufaktionen aufmerksam zu verfolgen, um mögliche Risiken frühzeitig zu erkennen und zu vermeiden.

Weitere Informationen finden Sie online unter: oekotest.de/16257




Neue S3-Leitlinie stärkt Therapie depressiver Kinder deutlich

Unterzeile: Aktualisierte S3-Leitlinie: Neue Empfehlungen für Depressionen bei Kindern und Jugendlichen

Die Behandlung von Depressionen bei Kindern und Jugendlichen soll künftig differenzierter, partizipativer und stärker auf nicht-medikamentöse Ansätze ausgerichtet werden. Das sieht die im März 2026 veröffentlichte, umfassend überarbeitete S3-Leitlinie „Behandlung depressiver Störungen bei Kindern und Jugendlichen“ vor. Federführend erarbeitet wurde sie von der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie am LMU Klinikum München im Auftrag der DGKJP.

Zentrale Neuerungen sind altersdifferenzierte Therapieempfehlungen, der weiterhin klare Vorrang von Psychotherapie vor medikamentösen Behandlungen sowie eine stärkere Einbindung von Kindern, Jugendlichen und ihren Familien in alle Therapieentscheidungen. Ergänzende Maßnahmen wie Sport oder kreative Therapien werden erstmals systematisch berücksichtigt.

Hohe Krankheitslast – verstärkt durch die Pandemie

Depressive Störungen zählen weltweit zu den häufigsten psychischen Erkrankungen im Kindes- und Jugendalter. Während sie bereits bei jüngeren Kindern auftreten können, steigt die Prävalenz im Jugendalter auf etwa acht Prozent. Die COVID-19-Pandemie hat diese Entwicklung deutlich verschärft: Internationale Studien berichten von Depressionssymptomen bei rund einem Viertel der jungen Menschen, in Deutschland von bis zu 24 Prozent. Zwar gingen die Zahlen nach der Pandemie zurück, das Belastungsniveau bleibt jedoch erhöht.

Depressionen verlaufen häufig in Episoden und beeinträchtigen die psychosoziale Entwicklung erheblich – insbesondere schulische und berufliche Perspektiven. Zudem erhöhen sie das Risiko für weitere psychische und körperliche Erkrankungen.

Altersgerechte Therapie erstmals klar strukturiert

Ein wesentlicher Fortschritt der neuen Leitlinie ist die konsequente Differenzierung nach Altersgruppen. Erstmals werden spezifische Empfehlungen für Kinder im Alter von 3–6 Jahren, 7–12 Jahren sowie für Jugendliche von 13–18 Jahren formuliert.

Damit trägt die Leitlinie dem Umstand Rechnung, dass sich Symptomatik, Behandlungsbedarf und Wirksamkeit therapeutischer Ansätze im Entwicklungsverlauf deutlich unterscheiden. So gewinnen bei jüngeren Kindern familienbasierte Verfahren an Bedeutung. Für Grundschulkinder wird etwa die familienbasierte interpersonelle Therapie als Alternative empfohlen, während für Vorschulkinder spezifische Eltern-Kind-Interventionsprogramme im Fokus stehen.

Psychotherapie bleibt erste Wahl

Über alle Altersgruppen hinweg bestätigt die Leitlinie die Psychotherapie als zentrale Behandlungsform. Insbesondere die kognitive Verhaltenstherapie gilt weiterhin als Therapie der ersten Wahl. Sie zielt darauf ab, belastende Denk- und Verhaltensmuster zu erkennen und nachhaltig zu verändern.

Die Empfehlungen zur medikamentösen Behandlung wurden jedoch erweitert. Während bislang vor allem ein Wirkstoff im Vordergrund stand, stehen nun mehrere evidenzbasierte Optionen zur Verfügung. Medikamente kommen vor allem bei mittelgradigen und schweren Verläufen ergänzend zur Psychotherapie zum Einsatz.

Mehr als Therapie: Bewegung, Kreativität und soziale Unterstützung

Erstmals betont die Leitlinie die Bedeutung ergänzender Maßnahmen. Dazu zählen körperliche Aktivität, künstlerische Therapien sowie Unterstützungsangebote aus der Kinder- und Jugendhilfe. Diese Erweiterung unterstreicht den interdisziplinären Ansatz moderner Depressionsbehandlung.

Ziel ist eine ganzheitliche Versorgung, die neben der Symptomreduktion auch die Lebensqualität und Entwicklungschancen der betroffenen Kinder und Jugendlichen verbessert.

Beteiligung von Kindern und Eltern wird gestärkt

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der partizipativen Entscheidungsfindung. Kinder, Jugendliche und ihre Eltern sollen künftig systematisch in Therapieentscheidungen einbezogen werden. Voraussetzung ist eine altersgerechte Aufklärung, die individuelle Bedürfnisse, Ressourcen und Erwartungen berücksichtigt.

Dieser Ansatz soll nicht nur die Therapieadhärenz verbessern, sondern auch die Selbstwirksamkeit der Betroffenen stärken.

Digitale Angebote unterstützen Aufklärung und Prävention

Parallel zur Leitlinie wurde auch das Informationsportal „ich bin alles“ aktualisiert. Es wurde vom LMU Klinikum München gemeinsam mit der Beisheim Stiftung entwickelt und richtet sich gezielt an Kinder, Jugendliche, Eltern und Fachkräfte.

Das Portal vermittelt wissenschaftlich fundierte Informationen in verständlicher, altersgerechter Form – unter anderem durch Texte, Videos, Podcasts und Erfahrungsberichte. Studien belegen die Wirksamkeit des Angebots hinsichtlich Verständlichkeit und nachhaltiger Wissensvermittlung. Ergänzend bietet „ich bin alles @Schule“ praxisnahe Materialien und Fortbildungen für Lehrkräfte.

Evidenzbasierte Leitlinie als Grundlage für bessere Versorgung

Die aktualisierte S3-Leitlinie basiert auf einer umfassenden Auswertung aktueller Studien und soll die Versorgung depressiver Kinder und Jugendlicher nachhaltig verbessern. Ziel ist es, Behandlungsdauer und Rückfallrisiken zu reduzieren und gleichzeitig Nebenwirkungen möglichst gering zu halten.

Mit der stärkeren Differenzierung nach Altersgruppen, der klaren Priorisierung psychotherapeutischer Verfahren und der Einbindung ergänzender Maßnahmen markiert die Leitlinie einen wichtigen Schritt hin zu einer modernen, individualisierten und evidenzbasierten Versorgung.

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Versteckter Zucker: Wie Fruktose die Nieren von Kindern belasten kann

Viele Kinderprodukte enthalten große Mengen Fruchtzucker. Nephrologen warnen: Zu viel Fruktose aus Getränken und Fertigprodukten kann langfristig auch die Nierengesundheit beeinträchtigen

Viele Lebensmittel, die speziell für Kinder vermarktet werden, enthalten überraschend große Mengen zugesetzten Zuckers. Besonders häufig findet sich dabei Fruktose – also Fruchtzucker. Sie steckt nicht nur in Softdrinks oder Energydrinks, sondern auch in Fruchtjoghurts, Frühstückscerealien, Müsliriegeln oder aromatisierten Getränken.

Mediziner warnen jedoch zunehmend davor, diese Zuckerquelle zu unterschätzen. Nach Einschätzung der Deutschen Gesellschaft für Nephrologie (DGfN) kann ein dauerhaft hoher Fruktosekonsum die Nieren belasten und langfristig das Risiko für chronische Nierenerkrankungen erhöhen.

Dabei geht es weniger um den natürlichen Fruchtzucker in frischem Obst. Problematisch sind vor allem industriell zugesetzte Formen wie Fruktose-Glukose-Sirup oder Maissirup, die vielen Fertigprodukten beigemischt werden.

Süße Getränke liefern besonders viel Zucker

Besonders kritisch sehen Fachleute den Konsum zuckergesüßter Getränke. Gerade Kinder und Jugendliche trinken häufig Limonaden, Eistees oder sogenannte Sportgetränke. Diese enthalten oft hohe Mengen Fruktose, die der Körper schnell aufnimmt.

Das Problem: Flüssige Zucker liefern viele Kalorien, sättigen aber kaum. Dadurch kann die tägliche Zuckermenge rasch deutlich ansteigen. Schon ein halber Liter Softdrink oder Energydrink kann mehr Zucker enthalten, als für Erwachsene pro Tag empfohlen wird – für Kinder entsprechend noch mehr.

Hinzu kommt ein weiterer Effekt: Bei Hitze oder körperlicher Aktivität trinken Kinder oft größere Mengen. Werden dann überwiegend süße Getränke konsumiert, kann dies den Stoffwechsel zusätzlich belasten.

Warum Fruktose für den Körper problematisch sein kann

Fruktose wird im Körper anders verarbeitet als andere Zuckerarten. Sie wird überwiegend in der Leber, aber auch in der Niere abgebaut. Bei dauerhaft hohem Konsum kann dieser Stoffwechsel verschiedene gesundheitliche Probleme begünstigen.

Studien zeigen, dass ein hoher Fruktosekonsum mit Übergewicht, Fettleber und Insulinresistenz zusammenhängt. Diese Veränderungen gelten wiederum als wichtige Risikofaktoren für Bluthochdruck und Typ-2-Diabetes – zwei Erkrankungen, die langfristig auch die Nieren schädigen können.

Darüber hinaus kann Fruktose den Harnsäurespiegel im Körper erhöhen. Erhöhte Harnsäure steht unter anderem im Zusammenhang mit Gicht, Nierensteinen und entzündlichen Prozessen im Nierengewebe.

Wo sich Fruktose im Kinderalltag versteckt

Viele Eltern vermuten Fruchtzucker vor allem in Süßigkeiten. Tatsächlich steckt er aber häufig in Produkten, die als praktisch oder sogar gesund beworben werden. Dazu gehören etwa

  • Fruchtjoghurts, Trinkjoghurts und Desserts,
  • Frühstückscerealien und Müsliriegel,
  • Eistees, aromatisierte Wässer und Sportgetränke,
  • Softdrinks und Limonaden,
  • Fertigsaucen, Ketchup oder süße Backwaren.

Auf Zutatenlisten taucht Fruktose oft unter verschiedenen Bezeichnungen auf – etwa als Fruktose-Glukose-Sirup, Maissirup oder „Fruchtzucker“.

Was Familien für die Nierengesundheit tun können

Nierenerkrankungen entwickeln sich häufig über viele Jahre hinweg und bleiben lange unbemerkt. Umso wichtiger ist es, frühzeitig auf eine ausgewogene Ernährung und möglichst wenig zugesetzten Zucker zu achten.

Fachleute empfehlen vor allem, im Alltag häufiger Wasser oder ungesüßten Tee zu trinken und süße Getränke nur gelegentlich anzubieten. Auch ein Blick auf die Zutatenliste vieler Kinderprodukte kann helfen, versteckte Zuckerquellen zu erkennen.

Darüber hinaus spielt ein gesunder Lebensstil eine wichtige Rolle: regelmäßige Bewegung, ein normales Körpergewicht sowie die frühzeitige Behandlung von Bluthochdruck oder Diabetes können dazu beitragen, die Nieren langfristig zu schützen.

Quelle: Deutsche Gesellschaft für Nephrologie (DGfN), Pressemeldung zum Weltnierentag 2026, Autorin der Pressemeldung: Adelheid Liebendörfer, DGfN Pressestelle