Gefüllte Berliner – Keine besser als „befriedigend“

Öko-Test hat elf Mal gefüllte Berliner getestet und jedes Produkt kommt mit Pestizidrückständen daher

Öko-Test hat elf Mal gefüllte Berliner getestet – vier davon aus deutschlandweit gelisteten Bäckereiketten und sieben aus Supermärkten und Discountern.

Kein Produkt kommt ohne Pestizidrückstände daher. Bei Mehrfachrückständen wertet Öko-Test ab, da nicht abschätzbar ist, welche Auswirkungen die Substanzen in Kombination auf den menschlichen Organismus haben können. Auch ein Abbauprodukt des als vermutlich krebserregend eingestuften Anti-Pilzmittels Captan ist darunter.

Insektizid im Edeka Berliner

In den „Gut & Günstig Leckeren Berlinern“ von Edeka wies das beauftragte Labor das bienengiftige Insektizid Pirimiphosmethyl nach. Dasselbe Produkt fällt laut Öko-Test wegen erhöhter Mengen an gesättigten Mineralölkohlenwasserstoffen (MOSH/ MOSH-Analoge) auf. Von MOSH ist bekannt, dass sie sich im menschlichen Fettgewebe, in Leber, Milz und den Lymphknoten anreichern. Im Körper stellen sie die wohl größte Verunreinigung dar – mit bisher ungeklärten Folgen.

Punktabzug für zugesetzte Aromen

Auch einige Zusatzstoffe kritisieren die Verbrauchschützer in mehreren Produkten: Punktabzug gibt es etwa für zugesetzte Aromen, da aus Öko-Test-Sicht Zucker und süße Füllung schon genug für den Geschmack der Berliner tun.

Phosphate als Backtriebmittel

Daneben wurden in einigen Berlinern Phosphate als Backtriebmittel eingesetzt. Diese können laut der Verbraucherschützer leicht ersetzt werden – etwa durch Weinstein oder eine Mischung aus Natron und Zitronensäure. Bis zu einem gewissen Maß sind Phosphate zwar wichtig für die Knochen – eine zu hohe Aufnahme kann jedoch den Nieren schaden.

Kamps Berliner mit Carboxymethylcellulose

Die „Kamps Backstube Berliner“ enthalten außerdem Carboxymethylcellulose, die hochdosiert in Tierversuchen zu entzündlichen Veränderungen der Darmflora geführt hat. Die Unbedenklichkeit für den Menschen wurde bislang nicht belegt. Öko-Test wertet auch hier ab.

Am Ende fallen vier Produkte durch – drei davon sogar mit „ungenügend“: die getesteten Berliner von Edeka, Kamps und der Bäckereikette Eifler.

Mehr Informationen zum Test finden Sie in der Märzausgabe des Öko-Test-Magazins, das am 27. Februar erscheint, oder online über: oekotest.de/15253

Quelle: Pressemitteilung Öko-Test




Luftverschmutzung und extreme Temperaturen verlängern Schwangerschaften

Studie der Curtin University hat Daten von fast 400.000 Geburten in Western Australia analysiert

Der Kontakt mit Luftverschmutzung im Freien und extreme Temperaturen während der Schwangerschaft erhöhen das Risiko einer verlängerten Schwangerschaft, zeigt eine Studie der Curtin University. Die Forscher haben die Daten von fast 400.000 Geburten in Western Australia analysiert. Eine höhere Belastung mit Feinstaub PM2.5 und biothermischer Stress stehen demnach mit 41 Wochen andauernden Schwangerschaften in Verbindung.

Viele Schwangere betroffen

Laut dem leitenden Wissenschaftler Sylvester Dodzi Nyadanu ist das die erste Studie, die die Auswirkungen einer Klima-Exposition auf längere Schwangerschaften untersucht. Von einer verlängerten Schwangerschaft sind vor allem Frauen über 35 Jahren, Erstgebärende, Frauen, die in einer städtischen Umgebung leben und jene betroffen, deren Schwangerschaften kompliziert sind.

Umweltstressoren wie klimabedingte Belastungen wurden bereits mit mütterlichen Stressreaktionen in Verbindung gebracht. In der Folge kommt es zu Störungen der endokrinen und entzündlichen Aktivitäten, die gegen Ende der Schwangerschaft noch zunehmen. Dadurch kommt es entweder zur Verkürzung der Schwangerschaft oder fallweise auch zur Verlängerung, so die Experten.

Ernste Auswirkungen möglich

Laut Nyadanu kann eine längere Schwangerschaft ernsthafte gesundheitliche Folgen für werdende Mütter und Kinder haben. Dazu gehören medizinische Interventionen wie die Geburtseinleitung oder Kaiserschnitte. Zudem nähmen das Risiko einer Totgeburt, Komplikationen während der Geburt und der Kindersterblichkeit zu. Zu spät geborene Kinder können früh Probleme beim Verhalten und mit ihren Emotionen haben. Die Forschungsergebnisse sind im Fachmagazin „Urban Climate“ nachzulesen.

Moritz Bergmann/pressetext.redaktion




Kostenfreies Bildungsprogramm: Kita-Kinder entdecken Lebensmittel

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Pädagogische Fachkräfte erkunden mit Kita-Kindern, woher regionale Bio-Lebensmittel kommen und wie sie hergestellt werden

Essen entdecken! ist ein kostenfreies, interaktives Bildungsprogramm der Sarah Wiener Stiftung für Kitas deutschlandweit. Die Lernreise begleitet pädagogische Fachkräfte dabei, mit Kita-Kindern zu erkunden, woher regionale Bio-Lebensmittel kommen und wie sie hergestellt werden. Die Teilnahme ist ganzjährig möglich. Kita-Fachkräfte können sich der Webseite sw-stiftung.de/mitmachen/essen-entdecken anmelden.

Die Entstehung und Verarbeitung von Bio-Lebensmitteln wie Getreide, Milch, Eier, Honig, Obst- oder Gemüsesorten wird bei Essen entdecken! mit allen Sinnen erlebbar. Das Programm fördert einen Bezug zum Essen, weckt Neugier, Interesse und Wertschätzung für die ökologische Landwirtschaft, für Tiere und Pflanzen.

Interaktiver E-Mail-Kurs

Im Rahmen eines sechswöchigen E-Mail-Kurses erhalten die pädagogischen Fachkräfte Impulse und Materialien. Sie erfahren, wie sie gemeinsam mit ihrer Kita-Gruppe im Alltag, etwa beim Morgenkreis, den Mahlzeiten oder im Kitagarten, das jeweilige Lebensmittel näher kennenlernen können. Zu den Inhalten und Formaten des Programms gehören digitale Info-Module, Videos, Hörbeiträge, Praxisbeispiele, Rezepte, interaktive Ideenpinnwände und Austauschrunden.

Exkursion

Neben dem Erkunden des Bio-Lebensmittels in der Kita ist eine Exkursion Teil der Lernreise. Kitas können einen selbstorganisierten Erlebnisort oder einen Partnerbetrieb der Stiftung besuchen.

Die Sarah Wiener Stiftung bietet jährlich bis zu 150 qualitätsgesicherte Tagesexkursionen zu erzeugenden und verarbeitenden Bio-Betrieben in ganz Deutschland an und kooperiert mit rund 30 Betrieben. Termine für Kitagruppen zwischen 15 und 30 Kindern, die zwischen drei und sechs Jahre alt sind, finden sich auf der Essen entdecken!-Webseite.

Bei der Variante mit einer Exkursion zu einem selbstorganisierten Erlebnisort sind die Teilnehmenden freier in der Termin- und Ortsplanung. Alles entlang der Wertschöpfungskette des jeweiligen Lebensmittels ist möglich (z.B. eine Bio-Bäckerei, ein Bio-Markt oder eine Streuobstwiese). Die Sarah Wiener Stiftung unterstützt mit Tipps und Hilfestellungen, um die Organisation so einfach wie möglich zu halten. Eventuell entstehende Exkursionskosten müssen die Kitas selbst tragen.

Förderpartner

Essen entdecken! ist von IN FORM, Deutschlands Initiative für gesunde Ernährung und mehr Bewegung, ausgezeichnet. Es wird gefördert vom Bundesprogramm Ökologischer Landbau (BÖL), der Deutschen Postcode Lotterie (DPL), der Zukunftsstiftung Landwirtschaft und der Stiftung Berliner Sparkasse. Mit dem BÖL fördert das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) den Ausbau der ökologischen Land- und Lebensmittelwirtschaft in Deutschland.

Quelle: Pressemitteilung Sarah Wiener Stiftung




Masernschutz in Deutschland noch immer unzureichend

Laut dem aktuellen Arzneimittelreport der Barmer haben nur 87 Prozent der Zweijährigen den vollständigen Masernimpfschutz erhalten

Der Masernschutz bei Kindern bleibt in Deutschland trotz Einführung der Impfpflicht im Jahr 2020 hinter den angestrebten Zielen zurück. Dies geht aus dem aktuellen Arzneimittelreport der Barmer hervor, bei dem Impfquoten von Kindern bis zum sechsten Lebensjahr untersucht werden. So hatten im Jahr 2022 bundesweit 87 Prozent der Zweijährigen den vollständigen Masernimpfschutz erhalten. Das entspricht einer Steigerung um rund acht Prozentpunkten im Vergleich zum Jahr 2019. Um eine Herdenimmunität zu erreichen, ist jedoch eine Immunisierungsrate von mindestens 95 Prozent notwendig.

„Die Masernimpfpflicht hat zwar die Impfquote gesteigert, aber das angestrebte 95 Prozent-Ziel nach wie vor in allen Bundesländern verfehlt. Um dies zu erreichen, sind weitere Schritte erforderlich wie etwa zielgerichtete Impfkampagnen und eine intensivere Aufklärung, um Vorbehalte gegen Impfungen auszuräumen“, sagt Prof. Dr. med. Christoph Straub, Vorstandsvorsitzender der Barmer.

Bislang sei es nicht gelungen, eine flächendeckende Herdenimmunität zu gewährleisten. Dies erschwere die Bekämpfung der hochinfektiösen Krankheit erheblich. Eine Herdenimmunität sei entscheidend, um nicht nur geimpfte Menschen, sondern auch jene zu schützen, die sich aus medizinischen Gründen nicht impfen lassen könnten.

Erhebliche regionale Unterschiede

Wie aus dem Report weiter hervorgeht, ist der Masernschutz in Sachsen, Baden-Württemberg und Bayern besonders lückenhaft. Hier wurden lediglich etwa 77 beziehungsweise etwa 84 und etwa 85 Prozent der Zweijährigen vollständig gegen Masern geimpft. Damit liegen die Werte um bis zu zehn Prozentpunkte unter dem Bundesschnitt.

Insgesamt waren im Jahr 2022 annähernd fünf Prozent der im Jahr 2020 geborenen Kinder in Deutschland ohne jegliche Masernimpfung. „Impflücken gefährden die Gesundheit der Kinder und schwächen die Schutzwirkung für alle. Je größer diese in einzelnen Regionen ausfallen, desto mehr steigt dort das Risiko für regionale Masernausbrüche. Weltweit ist die Zahl der Todesfälle durch Masern im Jahr 2022 im Vergleich zum Vorjahr um 43 Prozent gestiegen“, sagt Prof. Dr. med. Daniel Grandt, Studienautor des Barmer-Arzneimittelreports und Chefarzt am Klinikum Saarbrücken.

Zunehmende Impfraten, aber Lücken bleiben bestehen

Laut Arzneimittelreport haben sich die Impfraten für Masern, Mumps und Röteln, die üblicherweise als Kombinationsimpfung verabreicht werden, seit Einführung der Masernimpfpflicht zwar merklich verbessert. Im Vergleich zu den Geburtskohorten der Jahre 2016 und 2017 stieg der Anteil der vollständig geimpften Kinder um fast zehn Prozentpunkte. Dennoch sind nach wie vor viele Kinder nicht ausreichend geschützt. Rund acht Prozent erhalten in den ersten beiden Lebensjahren nur eine statt der empfohlenen zwei Impfdosen, was den individuellen Schutz beeinträchtigen kann.

Zahlreiche ungeimpfte Kleinkinder

Nach den Ergebnissen des Arzneimittelreports gibt es immer noch Kinder, die in den ersten beiden Lebensjahren komplett ungeimpft sind. Bundesweit betrifft dies fast drei Prozent der im Jahr 2020 geborenen Kinder, hochgerechnet etwa 20.800. „Es ist alarmierend, dass immer noch so viele Kinder keinerlei Impfschutz haben. Diese Impflücke gefährdet nicht nur die betroffenen Kinder, sondern alle, die sich nicht selbst durch Impfung schützen können“, sagt BARMER-Chef Straub.

Bayern und Baden-Württemberg hätten mit rund vier Prozent den höchsten Anteil ungeimpfter Kinder, während Brandenburg mit 1,5 Prozent die geringste Quote ungeimpfter Kinder bis zwei Jahre aufweise. Letztmalig wurden diese Zahlen für den Report des Jahres 2019 für die im Jahr 2016 geborenen Kinder erhoben. Damals lag die Quote der komplett ungeimpften Kinder bundesweit bei etwas mehr als vier Prozent, was einer Verbesserung um 1,6 Prozentpunkte entsprach.

Impfquoten bei weiteren Infektionskrankheiten

Neben dem Masernschutz liefert der Arzneimittelreport auch Daten zu den Impfquoten bei anderen von der Ständigen Impfkommission empfohlenen Schutzimpfungen. So zeigen die Daten etwa, dass bis zum Ende des zweiten Lebensjahres bei den Impfungen ohne Impfpflicht, wie Diphtherie, Keuchhusten, Polio, Hepatitis B, Impfquoten zwischen 81 und rund 84 Prozent erreicht werden.

Die Impfung gegen Rotaviren bildet mit 72,4 Prozent das Schlusslicht. „Zentrales Ergebnis der Analysen ist, dass die angestrebten Impfquoten für die 13 empfohlenen Impfungen zur Grundimmunisierung bei keiner Impfung erreicht werden, auch nicht für Masern nach Einführung der Impfpflicht. 521 Masernfälle und ein Todesfall in den ersten beiden Monaten des Jahres 2024 in England zeigen noch einmal, dass ohne Erreichen der Herdenimmunität massive Ausbrüche von Masernerkrankungen jederzeit möglich sind“, sagt Grandt.

Service

Das ePaper zur Studie finden Sie hier: bifg – BARMER Institut für Gesundheitssystemforschung

Quelle: Pressemitteilung Barmer




Problemstoffe in Kindertattoos – darunter krebserregendes Benzol

tattoo

Öko-Test hat 15 Marken temporärer, abwaschbarer Kindertattoos getestet

Klebetattoos sind ein bunter Spaß für Kinder, doch laut Öko-Test gibt es bei den meisten Produkten wenig Grund zur Freude:

13 Kindertattoos sind „ungenügend“, nur zwei empfehlenswert. Fast alle fallen wegen problematischer – teilweise sogar krebserregender – Inhaltsstoffe mit „ungenügend“ durch.

Bei einigen Produkten bemängeln die Verbraucherschützer unvollständige Inhaltsstoffangaben.

In den auf der Handelsplattform Shein gekauften Kinder Cartoon Tattoo Aufkleber, Armbanduhr, 10 Bögen des Herstellers Infinite Style hat das von Öko-Test beauftragte Labor Benzol nachgewiesen. Die Substanz ist krebserregend und in Kosmetikprodukten generell verboten. Der gemessene Gehalt überschreitet zudem den Grenzwert der europäischen Chemikalienverordnung (REACH) für Spielzeug.

In diesem Produkt sowie in zwei Marken, die Öko-Test auf den Handelsplattformen Temu und Amazon erworben hat, steckt auch Naphthalin. Der Stoff ist als vermutlich krebserregend gelistet. Shein und Temu nahmen die betroffenen Produkte auf ihren Plattformen aus dem Verkauf.

„Die Liste der gefundenen Problemstoffe im Test ist lang. Die Hersteller müssen dringend die Zusammensetzung der Tattoos ändern – insbesondere weil es sich um Produkte für Kinder handelt“, sagt Öko-Test-Redakteurin Marieke Mariani.

Nur zwei Marken, Lutz Mauder und Namaki, schneiden im Test „sehr gut“ ab. Lutz Mauder hat allerdings den Verbraucherschützern eine Umstellung angekündigt – ausgerechnet auf die Zusammensetzung vieler Testverlierer.

Mehr Informationen zum Test finden Sie in der Februarausgabe des Öko-Test-Magazins oder online über: oekotest.de/15185

Quelle: Pressemitteilung Öko-Test




Pflanzendrinks in der Kleinkindernährung

Das Netzwerk Gesund ins Leben empfiehlt Pflanzendrinks, denen die Nährstoffe Calcium, Jod, Vitamin B2 und Vitamin B12 zugesetzt sind

Pflanzendrinks aus Hafer, Soja oder Mandeln nutzen immer mehr Kleinkind-Eltern in der Alltagsküche. Die Milchalternativen liefern jedoch nicht die gleichen, für Kinder essenziellen Nährstoffe wie Kuhmilch. Was bezogen auf Nachhaltigkeit und Klima sinnvoll ist, kann, was die Nährstoffversorgung angeht, zum Problem werden. Nehmen 1- bis 3-Jährige keine oder nur wenig Kuhmilch und Milchprodukte zu sich, verringert das die Versorgung mit wichtigen Nährstoffen wie Calcium, Jod und den Vitaminen B2 und B12. Pflanzendrinks beinhalten diese natürlicherweise nur in geringen, oft kaum relevanten Mengen bzw. überhaupt nicht. Nicht angereicherte Sojadrinks enthalten zum Beispiel nur 13 mg Calcium pro 100 ml, während es bei Kuhmilch 120 mg pro 100 ml sind*. In Haferdrinks kommt Calcium ohne Anreicherung gar nicht vor.

Worauf Sie achten sollten

Eltern, die ihren Kindern Pflanzendrinks statt Kuhmilch anbieten möchten, sollten sich dessen bewusst sein und folgende Tipps befolgen (siehe auch Abbildung):

• Pflanzendrinks wählen, denen die Nährstoffe Calcium, Jod, Vitamin B2 und/oder Vitamin B12 zugesetzt sind – eine aktuelle Markübersicht bietet die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen hier. https://www.verbraucherzentrale.nrw/pflanzendrinks
• Fehlen den Milchalternativen diese Nährstoffe ganz oder teilweise, gezielt Lebensmittel in die Ernährung einbauen, die diese enthalten. Eine professionelle Ernährungsberatung kann hier unterstützen.
• Nahrungsergänzungsmittel können bei unzureichender Nährstoffzufuhr ggf. eine Option sein. Sie sollen jedoch nur nach Rücksprache mit der Kinder- und Jugendärztin oder dem Kinder- und Jugendarzt eingenommen werden. Nur bei einer rein pflanzlichen Ernährung soll Vitamin B12 generell supplementiert werden.

Pflanzendrinks statt Kuhmilch

Ausführlichere Informationen zum Thema bietet der neue Nachgefragt-Beitrag „Pflanzendrinks statt Kuhmilch: Wie ist der Ersatz in der Ernährung von Kleinkindern zu bewerten?“ https://www.gesund-ins-leben.de/fuer-fachkreise/ernaehrung-und-bewegung-fuer-kle… des Netzwerks Gesund ins Leben. Neben praxisnahen Empfehlungen beinhaltet er wissenschaftliche Berechnungen zur Bedeutung von Kuhmilch in der Ernährung von Kindern zwischen einem und drei Jahren.

*Es handelt sich hier um Durchschnittswerte, einzelne Produkte können davon abweichen. Die Werte sind dem Bundeslebensmittelschlüssel entnommen und beziehen sich auf „Sojadrink/Sojadrinkprodukte“ und „Kuhmilch Trinkmilch 3,5 % Fett“.

Weitere Informationen:

https://www.verbraucherzentrale.nrw/pflanzendrinks Pflanzendrinks
https://www.ble-medienservice.de/3418-2-ernaehrung-und-bewegung-im-kleinkindalte… Handlungsempfehlungen
https://www.bzfe.de/ernaehrung/ernaehrungswissen/newsletter-fuer-ernaehrungsfach… Fachkräfte-Newsletter

Gudrun Kinzel, Geschäftsstelle Netzwerk Gesund ins Leben




Simulationspuppen klären Eltern über Schütteltrauma auf

Jedes Jahr werden in Deutschland bis zu 200 Kinder aufgrund eines Schütteltraumas in einer Klinik behandelt

In Deutschland werden jedes Jahr bis zu 200 Kinder aufgrund eines Schütteltraumas in einer Klinik behandelt. Betroffen sind schätzungsweise doppelt so viele Babys und Kleinkinder. Zwischen zehn und 30 Prozent davon überleben die dabei entstandenen Hirnverletzungen nicht. Das Perinatalzentrum des Universitäts-Kinder-Frauenzentrums am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden demonstriert in Elternkursen mit einer Simulationspuppe die lebensbedrohlichen Folgen des heftigen Schüttelns von Neugeborenen anschaulich. Dank der Unterstützung durch die Dresdner Altmarkt-Galerie kommt nun eine zweite Puppe dazu. Davon profitieren nicht nur Eltern von krank oder zu früh geborenen Babys, die am Uniklinikum durch das FamilieNetz begleitet und so unter anderem auf die Zeit nach dem Krankenhausaufenthalt vorbereitet werden. Damit Eltern lernen, mit Stresssituationen umzugehen, werden sie am Uniklinikum vom FamilieNetz mithilfe der Schüttelpuppen geschult.

Den Fokus stärker auf den Alltag der Eltern mit Neugeborenen richten

„Ein Schütteltrauma kann zu schweren Hirnverletzungen, bleibenden Schäden oder sogar zum Tod führen“, erklärt Prof. Uwe Platzbecker, Medizinischer Vorstand des Dresdner Uniklinikums. Während die medizinische Versorgung von extrem früh oder krank geborenen Babys in hochspezialisierten Zentren heute sichergestellt ist, müsse der Fokus noch stärker auf den Alltag der Eltern mit ihrem Neugeborenen gerichtet werden. „Dabei nimmt das Projekt FamilieNetz, das zum Ziel hat, eine sichere Eltern-Kind-Bindung auch bei intensivmedizinisch versorgten Säuglingen aufzubauen, eine Vorreiterrolle ein. Die Simulationspuppen sind in diesem Rahmen ein praxisnahes Mittel, das den Eltern zeigt, wie sie auch in Stresssituationen richtig agieren.“

Wenn Eltern die Nerven verlieren…

Diplom-Psychologin Josephin Jahnke betont, dass weder Mütter noch Väter dem eigenen Baby schaden wollen. „Und doch passiert es immer wieder“, sagt die Leiterin des FamilieNetzes, einem Versorgungsbereich, der in der Universitäts-Kinderklinik insbesondere für die psychosoziale und spezielle pflegerische Begleitung von Familien zu früh oder krank Neugeborener zuständig ist. Dabei bereitet sie die Familien auch auf die Grenzsituation vor, wenn sich ein Kind über eine lange Zeit nicht beruhigen lässt und 20 Minuten oder in extremen Fällen sogar mehr als eine Stunde durchgehend schreit. In solchen Fällen die Nerven zu verlieren, ist nichts Außergewöhnliches: „Das kann jedem so ergehen“, sagt Josephin Jahnke.

„Wir schätzen, dass in Deutschland jedes Jahr bis zu 200 Kinder aufgrund eines Schütteltraumas in eine Klinik gebracht werden. Zwischen zehn und 30 Prozent davon überleben die dabei entstandenen Hirnverletzungen nicht“, sagt Dr. Monica Pleul von der Klinik für Kinderchirurgie, die zugleich zur Leitung der Kinderschutzgruppe am Universitätsklinikum gehört. Das macht das Schütteltrauma zur häufigsten syndromalen Sonderform des nicht akzidentellen Schädel-Hirn-Traumas im Säuglings- und Kleinkindesalter.


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Ein Kursus in Eltern-Kind-Verständigung

In diesem Buch finden Eltern alles über das Schreien im Baby-Alter – und wie sie am besten damit umgehen. Mit wertvollen Tipps, wie sie herausfinden, warum ihr Baby schreit. Denn kein Baby schreit, um seine Eltern zu ärgern. Schreien kann viele Gründe haben. Hier finden Eltern Antworten auf die entscheidende Frage: Was sagt mir mein Baby, wenn es schreit?

Dr. Joachim Bensel
Wie Sie Ihr Schreibaby verstehen und beruhigen
Hardcover, 208 Seiten
ISBN: 9783934333406
14,95 €


„Allein im Uniklinikum Dresden wurden in den vergangenen fünf Jahren 17 Kinder mit dem Shaken-Baby-Syndrom, wie es in der Fachsprache genannt wird, diagnostiziert“, sagt Jacqueline Zinn, Sozialpädagogin in der Kinderschutzgruppe. 50 bis 70 Prozent der Babys, die mit Schütteltrauma in Kliniken gebracht werden, erleiden schwerste bleibende körperliche und geistige Beeinträchtigungen. Das sind Krampfanfälle, Erblindungen, Sprachstörungen, Lernschwierigkeiten oder Entwicklungsverzögerungen. Lediglich zehn bis 20 Prozent der Säuglinge überleben ein Schütteltrauma ohne bleibende Schäden.

Denn der Säugling kann den Kopf noch nicht alleine halten

Beim Schütteln schleudert der Kopf unkontrolliert hin und her. Denn der Säugling kann – wegen seiner schwachen Nackenmuskulatur – den Kopf noch nicht allein halten. Die gewaltsamen Bewegungen führen dazu, dass das Gehirn im Schädel hin- und hergeworfen wird. Dabei können Nervenbahnen und Blutgefäße reißen. Rein äußerlich sind diese Verletzungen oft nicht sichtbar. Die akut auftretenden Symptome könnten auch andere Ursachen haben. Typische Anzeichen sind Blässe, Reizbarkeit, Apathie, Erbrechen, Krampfanfälle oder Atemstillstand.

Simulationspuppe zeigt Schäden am Gehirn

Um den Eltern die schweren Folgen dieser Überforderungshandlung im wahrsten Sinne „begreifbar“ zu machen, setzt das FamilieNetz die Schüttelpuppe in ihren Elternkursen ein. Eltern wird durch den durchsichtig gestalteten Kopf der Puppe veranschaulicht, welche Schäden das Gehirn selbst durch kurzzeitiges Schütteln erleiden kann. Auf diese Weise schulte das FamilieNetz im vergangenen Jahr präventiv rund 65 Mütter und Väter. Zusätzlich kommt die Puppe auch in der Personalschulung zum Einsatz, um für das Thema zu sensibilisieren und zu verdeutlichen, dass Folgen dieser Form der Kindesmisshandlung etwa nicht nur durch einen Sturz von der Wickelauflage allein erklärbar sind. Wird die Simulationspuppe durch Schütteln aktiviert, schreit sie wie ein echtes Kind. Zudem leuchten im transparenten Kopf der Puppe rote Warn-Lampen auf, die zeigen, dass die noch zarten Gefäße im Kopf des Kindes dadurch gerissen und in der Folge Hirnblutungen entstanden wären. Umfragen zeigen, dass rund zwei Drittel der deutschen Bevölkerung nicht bewusst ist, dass schon kurzes Schütteln tödliche Folgen haben kann.

Babys schreien in den ersten Lebenswochen besonders häufig

Im Mittel schreien Babys ab der 2. bis zur 6. Lebenswoche zwei Stunden am Tag. Dies reduziert sich danach schrittweise und sinkt nach der 12. Lebenswoche auf durchschnittlich weniger als eine Stunde täglich. Gerade in den ersten Monaten scheinen viele Schreianfälle unvorhersehbar und lassen sich nicht nachvollziehen. In bis zu zehn Prozent dieser Anfälle ist das Baby untröstlich. Alle Versuche der Eltern, das Kind zu beruhigen, bleiben erfolglos. Dies kann bei den Eltern Gefühle der Hilflosigkeit, Frustration und Wut auslösen und schließlich zum Schütteln des Kindes im Affekt führen.

Die noch immer verbreitete Ansicht, dass das Schreien in den ersten Lebensmonaten auf Probleme des Darmtrakts – sogenannte „Dreimonatskoliken“ – zurückzuführen sei, ist nach heutigen Erkenntnissen nicht mehr zutreffend. Vielmehr gehen die Expertinnen und Experten davon aus, dass das Schreien mit verschiedenen Reifungsprozessen zusammenhängt. In den ersten Lebensmonaten lernt der Säugling in einem Anpassungs- und Reifungsprozess Schlaf- und Wachzustände, Hunger und Sättigung zu regulieren. Insbesondere bei zu früh geborenen Babys können hier Verzögerungen auftreten, sodass die Eltern dieser Kinder häufiger und intensiver mit dem Problem konfrontiert werden.

Wann sich Eltern Hilfe suchen sollten

Liegt die tägliche Schreidauer über drei Wochen an mindestens drei Tagen der Woche bei mindestens drei Stunden, spricht man von exzessivem Schreien. Das betrifft zwischen fünf und 19 Prozent der Säuglinge. Babys schreien, weil sie ihre Bedürfnisse noch nicht anders ausdrücken können. Sie können erkrankt sein und schreien in der Folge der mit der Erkrankung verbundenen Schmerzen – hier ist unbedingt die kinderärztliche Untersuchung angezeigt. Schreien ist für sie aber auch der einzige Weg zu zeigen, dass ihnen etwas fehlt.

„Trösten Sie Ihr Kind, wenn es schreit. So erlebt ihr Kind, dass sie für es da sind, und es kann Vertrauen aufbauen“, sagt Josephin Jahnke. Ursachen, weshalb Babys schreien, sind Müdigkeit oder Hunger, das Gefühl, dass es ihnen zu warm oder zu kalt ist, dass sie eine nasse oder volle Windel haben, sie eine zu laute Umgebung stört oder ihnen gerade körperliche Nähe vor allem zu Mutter oder Vater fehlt oder aber auch zu viel wird.

Babys schreien nicht, um andere zu ärgern

„Wichtig zu wissen ist, dass Babys niemals schreien, um ihre Eltern oder andere Menschen zu ärgern. Zu so einem absichtsvollen Handeln sind Babys noch gar nicht in der Lage“, betont die Diplom-Psychologin. „Im Zweifel sollten Eltern ihr Kind lieber sicher ablegen und kurz die Situation verlassen, um ihre Emotionen abkühlen zu lassen, bevor die Situation eskaliert und es zu einer Handlung kommt, deren Folgen lebensverändernd ausfallenkönnen“, erklärt Josephin Jahnke.

Sollten solche Situationen jedoch häufiger vorkommen, sei es wichtig zu wissen, an wen man sich hilfesuchend wenden kann. Hierfür stehen die kinderärztlichen Praxen, die sogenannten Schreiambulanzen oder die Familien- und Erziehungsberatungsstellen zur Verfügung. Das Amt für Gesundheit und Prävention, Sachgebiet Frühe Gesundheitshilfen, unterhält die (Schrei-)Babysprechstunde, die an diesem Donnerstag (9. Januar 2025) ebenfalls eine Schüttelpuppe von der Altmarkt-Galerie bekommen hat und diese künftig in der Präventionsarbeit einsetzen wird.

Die Kosten von knapp 4.000 Euro pro Puppe übernimmt die Altmarkt-Galerie Dresden komplett. Am Universitätsklinikum sind für betroffene Familien beispielsweise das FamilieNetz in der Nachsorge und das Sozialpädiatrische Zentrum der Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendmedizin oder die Mutter-Kind-Ambulanz der Klinik und Poliklinik für Psychotherapie und Psychosomatik zuständig.

Weiterführende Informationen

Das Nationale Zentrum Frühe Hilfen (NZFH) in der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung informiert auf seinen Internetseiten weiterführend über die Ursachen des Baby-Schreiens, gibt Tipps für einfache Hilfen und bietet Unterstützung bei der Suche nach wohnortnahen Schreiambulanzen an:

Kontakt für Eltern

Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden
FamilieNetz in der Nachsorge
Tel.: 0351 458 10421
E-Mail: NeNa@ukdd.de
www.ukdd.de/kik/familienetz

Nora Domschke, Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden




Erstgeborene und Einzelkinder: Höheres Risiko für psychische Erkrankungen

Wissenschaftler*innen analysieren Daten von 182.477 Kindern aus den USA

Erstgeborene Kinder und Einzelkinder tragen ein höheres Risiko, an psychischen Erkrankungen wie Angststörungen und Depressionen zu leiden, als Kinder, die später in der Geburtenreihenfolge stehen. Dies zeigt eine aktuelle Untersuchung aus den USA, für die Daten von 182.477 Kindern analysiert wurden. Die Studie von Blaine Franklin, Emily Higgs. Kersten Bartelt und Neil Sandberg ist im Fachmagazin Epic Research erschienen.

Wer ist besonders betroffen?

Die Analyse ergab, dass erstgeborene Kinder mit Geschwistern ein um 48 Prozent höheres Risiko haben, an Angststörungen zu erkranken, und ein um 35 Prozent höheres Risiko, Depressionen zu entwickeln, verglichen mit später geborenen Kindern. Noch ausgeprägter ist das Risiko bei Einzelkindern: Ihre Wahrscheinlichkeit, Angststörungen zu entwickeln, liegt um 42 Prozent höher, und die Wahrscheinlichkeit für Depressionen ist um 38 Prozent erhöht.

Warum spielt die Geburtsreihenfolge eine Rolle?

Die Geburtenreihenfolge wird bisher selten als Risikofaktor für psychische Erkrankungen untersucht. Bekannte Einflussfaktoren sind Frühgeburt, Geschlecht, BMI, psychische Erkrankungen der Mutter oder traumatische Erlebnisse. Die neue Studie zeigt jedoch, dass auch die Position in der Geschwisterfolge eine wichtige Rolle spielen könnte. Die Wissenschaftler*innen vermuten, dass erstgeborene Kinder und Einzelkinder unter einem höherem Druck stehen, besonderen Erwartungen gerecht zu werden, oder sie erfahren weniger soziale Unterstützung durch Geschwister.

Große Datenbasis liefert neue Einblicke

Die Untersuchung basiert auf Daten von Kindern, die zwischen 2009 und 2016 geboren wurden. Sie hatten im Alter von acht Jahren eine Vorsorgeuntersuchung, bei der die Wahrscheinlichkeit von Angststörungen und Depressionen analysiert wurde. Die Forscher*innen berücksichtigten zahlreiche Faktoren wie Alter, Geschlecht, ethnische Zugehörigkeit, psychische Vorgeschichte der Mutter, Versicherungsstatus, Frühgeburt und soziale Rahmenbedingungen.

Was bedeuten die Ergebnisse?

Die Ergebnisse werfen ein neues Licht auf die psychische Gesundheit von Kindern und können helfen, Risikofaktoren besser zu verstehen. Besonders wichtig ist dies für die Entwicklung präventiver Maßnahmen. „Ein besseres Verständnis der Zusammenhänge zwischen Geburtsreihenfolge und psychischen Erkrankungen könnte dazu beitragen, gezielte Unterstützung anzubieten“, erklärten die Forschenden.

Die Studie zeigt klar: Erstgeborene und Einzelkinder benötigen besondere Aufmerksamkeit, um ihr Risiko für psychische Erkrankungen zu senken. Eltern und Fachleute sollten sich der möglichen Belastungen bewusst sein, die mit der Geburtsposition zusammenhängen, und frühzeitig Maßnahmen ergreifen, um Kinder zu unterstützen.

Weitere Informationen: https://www.epicresearch.org/articles/firstborn-children-and-only-children-more-likely-to-have-anxiety-and-depression-than-later-born-children

Literatur:

Kowalchuk A, Gonzalez SJ, Zoorob RJ. Anxiety disorders in children and adolescents. Am Fam Physician. 2022;106(6):657-664. https://www.aafp.org/pubs/afp/issues/2022/1200/anxiety-disorders-children-adolescents.html. Accessed September 3, 2024.
Moore PS, Mokrova I, Frazier JA, et al. Anxiety and depression correlates at age 10 in children bornextremely preterm. J Pediatr Psychol. 2021;46(4):422-432. doi:10.1093/jpepsy/jsaa118.
Anxiety in children and adolescents: Screening. U.S. Preventive Services Task Force. Published October 11, 2022.
https://www.uspreventiveservicestaskforce.org/uspstf/recommendation/screening-anxiety-children-adolescents. Accessed September 30, 2024.

Gernot Körner