Viel Bildschirmzeit hemmt die Bildung des Wortschatzes bei Kleinkindern

Warum zu viel passives Schauen die frühe Sprachentwicklung begrenzen kann – und wie Eltern spielen, lesen und sprechen als Alternative nutzen können

Eine groß angelegte britische, staatlich unterstützte Studie mit 4 758 Kindern im Alter von etwa zwei Jahren zeigt, dass die Menge an täglicher Bildschirmzeit mit Unterschieden in der Wortschatzleistung korreliert: Kinder, die täglich etwa fünf Stunden Bildschirmzeit hatten, konnten im Test nur rund 53 % eines 34-Wort-Vokabularsets korrekt benennen, während Kinder mit deutlich geringerer Bildschirmzeit (etwa 44 Minuten täglich) etwa 65 % der Wörter wiedergeben konnten. Im Durchschnitt konnten alle zweijährigen Kinder in der Studie ungefähr 21 der 34 Wörter sagen, ein Wert, der sich nicht signifikant von früheren Jahrgängen (2017–2020) unterscheidet.

Neben diesem primären Befund hob die Studie hervor, dass 98 % der Zweijährigen täglich Bildschirme nutzen, durchschnittlich 127 Minuten pro Tag, was deutlich über den Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) von maximal einer Stunde pro Tag für Kinder im Alter von zwei bis vier Jahren liegt. Darüber hinaus spielten 19 % der untersuchten Zweijährigen Videospiele, sodass die tägliche Gesamtzeit vor Bildschirmen auf etwa 140 Minuten anstieg. Die Forscher stellten fest, dass bei den Kindern mit der höchsten Bildschirmzeit auch ein höherer Anteil möglicher emotionaler oder Verhaltensprobleme beobachtet wurde: Etwa ein Viertel aller Zweijährigen erreichte in einem standardisierten Screening Werte über dem Schwellenwert für potenzielle Schwierigkeiten.

Studiendesign: Wie wurde untersucht?

Die Analyse stammt aus dem Children of the 2020s (COT20s)-Projekt, einer langfristigen Kohortenstudie, die Kinder in England in verschiedenen Entwicklungsphasen begleitet. Die Datenbasis für die vorliegenden Ergebnisse ist eine zweite Erhebungswelle (Wave 2), bei der die Hauptbezugspersonen (meist Mütter) der Kinder einen Fragebogen ausfüllten, als die Kinder zwischen 24 und 28 Monate alt waren. Die Feldarbeit fand zwischen Oktober 2023 und Februar 2024 statt und erzielte eine Rücklaufquote von etwa 55 % der eingeladenen Teilnahmepersonen.

Die Messung der Sprachkompetenz erfolgte anhand eines standardisierten Fragebogens, des UK Communicative Development Inventory (CDI), bei dem geprüft wurde, wie viele von 34 altersgerechten Wörtern die Kinder benennen konnten.

Zusätzliche Faktoren und Kontext

Wichtig ist: Die Studie weistz keine direkte kausale Wirkung von Bildschirmzeit auf Sprachentwicklung nachweisen – sie zeigt Assoziationen bzw. Korrelationen, die weiterer Erforschung bedürfen. So spielen auch sozio-ökonomischer Hintergrund, familiäre Lernaktivitäten (z. B. gemeinsam Lesen oder spielerische Sprachförderung) und mentale Gesundheit der Bezugspersonen eine Rolle für Sprach- und Entwicklungsprofile im Alter von zwei Jahren.

Tatsächlich zeigen die Daten, dass Kinder mit häufigerem Vorlesen oder vielfältigen Lernaktivitäten im Zuhause im Durchschnitt größere Wortschätze hatten als Kinder mit weniger solcher Aktivitäten – der Einfluss dieser positiven Interaktionen war sogar größer als der der Bildschirmzeit allein.

Offizielle Empfehlungen zur Bildschirmnutzung der britischen Regierung geplant

Die Studie und die begleitenden Diskussionen der britischen Regierung betonen, dass Bildschirmzeit nicht per se komplett vermieden werden muss, aber dass passive Nutzung – insbesondere ohne Begleitung durch Erwachsene – die Zeit verringert, die Kinder für Gespräche, Spiel und gemeinsames Lesen mit Bezugspersonen haben. Solche Interaktionen sind laut Forschung wesentlich für die Sprach- und kognitive Entwicklung in den ersten Lebensjahren.

Vor diesem Hintergrund plant die britische Regierung, erstmals offizielle Empfehlungen zur Bildschirmnutzung für unter Fünfjährige zu veröffentlichen (geplant im April 2026). Diese sollen praktische Hinweise geben, wie Bildschirmnutzung sinnvoll in dialog- und spielbasierte Aktivitäten eingebettet werden kann, statt diese zu ersetzen.

Gemeinsamkeit statt Bildschirmzeit

Die britische Langzeitstudie liefert wichtige empirische Hinweise, dass hohe tägliche Bildschirmzeiten bei Zweijährigen mit geringerer Wortschatzleistung und möglichen Verhaltensauffälligkeiten einhergehen. Gleichzeitig unterstreicht sie, wie zentral qualitativ hochwertige häusliche Lernumgebungen, wie gemeinsames Lesen, Spielen und Sprechen, für den frühkindlichen Spracherwerb sind, und legt nahe, dass Bildschirmzeit nicht isoliert gesehen, sondern immer im Kontext familiärer Interaktion bewertet werden sollte.




Eltern prägen die Bewegung ihrer Kinder stärker als gedacht

Neue Swiss-TPH-Studie zeigt langfristige Zusammenhänge im Familienalltag

Wie viel sich Kinder bewegen, hängt eng mit dem Bewegungsverhalten ihrer Eltern zusammen. Das zeigt eine aktuelle Auswertung der sogenannten SOPHYA-Kohortenstudie des Schweizerischen Tropen- und Public-Health-Instituts (Swiss TPH). Die Forschenden untersuchten mehrere hundert Familien in der Schweiz, bei denen Eltern und Kinder über mehrere Tage hinweg Bewegungssensoren trugen. So konnten Aktivität und Sitzzeiten objektiv erfasst und über mehrere Jahre hinweg miteinander verglichen werden.

Die Ergebnisse zeigen: Eltern mit höherer Alltagsaktivität haben im Durchschnitt auch aktivere Kinder. Dieser Zusammenhang lässt sich nicht nur zu einem bestimmten Zeitpunkt beobachten, sondern bleibt über längere Zeiträume hinweg bestehen. Umgekehrt gehen längere Sitzzeiten der Eltern häufiger mit geringerer Aktivität bei den Kindern einher.

Aktivität, Bewegungsintensität und Sitzzeiten systematisch gemessen

Die Analyse basiert auf der SOPHYA-Studie, in der körperliche Aktivität, Bewegungsintensität und Sitzzeiten systematisch gemessen wurden. Dabei ging es nicht um einzelne Sportarten oder Trainingsprogramme, sondern um das gesamte Bewegungsprofil im Alltag — also darum, wie viel Zeit Menschen sitzend verbringen, wie viel sie sich leicht, moderat oder intensiv bewegen und wie sich diese Muster über die Zeit entwickeln.

Die Forschenden verglichen die Bewegungsdaten von Eltern und Kindern und verfolgten diese über mehrere Jahre hinweg. So konnte untersucht werden, ob sich Zusammenhänge nicht nur kurzfristig, sondern auch langfristig zeigen.

Bewegungsverhalten in Familien kein zufälliges oder kurzfristiges Phänomen

Die Daten der SOPHYA-Studie zeigen vor allem, dass Bewegungsverhalten in Familien kein zufälliges oder kurzfristiges Phänomen ist. Das Swiss TPH konnte nachweisen, dass sich das Aktivitätsniveau von Eltern und Kindern nicht nur zum gleichen Zeitpunkt ähnelt, sondern dass sich diese Zusammenhänge auch über mehrere Jahre hinweg wiederfinden lassen. Kinder von Eltern mit höherer Alltagsaktivität wiesen im Durchschnitt ebenfalls höhere Bewegungswerte auf, während längere Sitzzeiten der Eltern mit mehr Inaktivität bei den Kindern verbunden waren.

Dabei geht es laut den Forschenden weniger um einzelne sportliche Aktivitäten als um übergreifende Muster: Wie bewegungsreich ist der Alltag insgesamt? Wie viel Zeit wird sitzend verbracht? Welche Rolle spielen Wege, Routinen und Freizeitgestaltung? Die Studie macht deutlich, dass sich diese alltäglichen Rahmenbedingungen zwischen Eltern und Kindern ähneln und über die Zeit stabil bleiben.

Auffällig ist außerdem, dass sich diese Zusammenhänge auch dann zeigen, wenn man Alter, Geschlecht oder sozioökonomische Faktoren berücksichtigt. Das spricht dafür, dass Bewegung im familiären Kontext nicht nur individuell geprägt ist, sondern in gemeinsamen Strukturen entsteht — etwa in der Art, wie der Tag organisiert wird, wie Freizeit verbracht wird oder wie selbstverständlich Bewegung Teil des Alltags ist.

Bewegung als Teil geteilter Lebensweisen

Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass Bewegung weniger als bewusste Einzelentscheidung zu verstehen ist, sondern vielmehr als Bestandteil gemeinsamer Lebensweisen. Kinder wachsen in bestimmte Rhythmen, Routinen und Alltagsformen hinein, die mitbestimmen, wie viel Bewegung in ihrem Leben vorkommt.

In diesem Sinne beschreibt die Studie Bewegung nicht als etwas, das isoliert „vermittelt“ wird, sondern als etwas, das sich in geteilten Alltagserfahrungen herausbildet — im gemeinsamen Unterwegssein, im Umgang mit Freizeit, in der Organisation des Familienlebens.

Zur Studie

Die Ergebnisse stammen aus der SOPHYA-Kohortenstudie des Schweizerischen Tropen- und Public-Health-Instituts und wurden in der Fachzeitschrift Journal of Activity, Sedentary and Sleep Behaviors veröffentlicht.

Die offizielle Mitteilung des Swiss TPH zur Studie findet sich hier:
👉 https://www.swisstph.ch/en/news/news-detail/news/parents-activity-patterns-shape-children-for-years-cohort-data-show




Rückruf von Nestlé-Babynahrung: Fragen zur Transparenz bleiben offen

Nestlé ruft vorsorglich bestimmte Chargen von Säuglingsnahrung zurück. foodwatch fordert vollständige Aufklärung und strengere Sanktionen

Nestlé hat in Deutschland einen vorsorglichen Rückruf mehrerer Chargen von Säuglingsnahrung der Marken BEBA, BEBA expert, BEBA supreme, BEBA AR und ALFAMINO eingeleitet. Grund ist der mögliche Nachweis des Toxins Cereulid, das von dem Bakterium Bacillus cereus gebildet wird, in einer Zutat eines Zulieferers, die in den betroffenen Produkten verwendet wurde.

Nach Angaben des Unternehmens handelt es sich um eine reine Vorsichtsmaßnahme. Bislang seien keine Erkrankungen oder Symptome im Zusammenhang mit dem Verzehr der betroffenen Produkte bekannt geworden. Dennoch habe man sich in Abstimmung mit den zuständigen Behörden entschieden, die betroffenen Chargen vorsorglich aus dem Verkehr zu ziehen.

Eltern werden gebeten, die betroffenen Produkte nicht weiter zu verwenden und im Handel zurückzugeben. Der Kaufpreis wird auch ohne Vorlage eines Kassenbons erstattet. Andere Chargen derselben Produkte sowie weitere Nestlé-Erzeugnisse seien nicht betroffen und könnten weiterhin verwendet werden.

Mögliche Gesundheitsgefahr durch Cereulid

Cereulid ist ein hitzestabiles Toxin, das von bestimmten Stämmen des Bakteriums Bacillus cereus gebildet wird und zu Magen-Darm-Beschwerden wie Erbrechen und Durchfall führen kann. Besonders Säuglinge gelten als empfindlich gegenüber solchen Belastungen.

Nach derzeitigem Stand liegen jedoch keine bestätigten Krankheitsfälle vor. Ob und in welchem Umfang es tatsächlich zu einer Belastung der betroffenen Produkte gekommen ist, ist bislang nicht öffentlich dokumentiert. Bei Rückfragen werden Eltern gebeten, sich an den Nestlé-Verbraucherservice unter der Telefonnummer: +49 (0) 800 2344 944 zu wenden.

foodwatch fordert vollständige Offenlegung

Die Verbraucherorganisation foodwatch hat den Rückruf zum Anlass genommen, scharfe Kritik an Nestlé und den zuständigen Behörden zu üben. Sie fordert eine vollständige Transparenz über den Ablauf des Vorfalls.

Konkret verlangt foodwatch Antworten auf unter anderem folgende Fragen:

  • Wann wurde die Kontamination erstmals festgestellt?
  • In welcher Produktionsstätte trat sie auf?
  • Wann wurde die zuständige Behörde informiert?
  • Wurde die Belastung durch Eigenkontrollen des Unternehmens oder durch staatliche Überwachung entdeckt?
  • Welche Maßnahmen wurden außer dem Rückruf ergriffen?
  • Um welchen Zulieferer handelt es sich?

foodwatch kritisiert, dass Nestlés Aussage, es seien bislang keine Symptome bekannt, zum jetzigen Zeitpunkt kaum überprüfbar sei, da der Rückruf erst am selben Tag öffentlich gemacht worden sei.

Forderung nach schärferen Sanktionen

Darüber hinaus erneuerte foodwatch seine Forderung nach einer Reform des Unternehmensstrafrechts. Bei schweren Verstößen im Lebensmittelbereich müssten Geldstrafen spürbar und abschreckend sein. Derzeit seien die finanziellen Sanktionen für große Konzerne oft zu gering, um eine tatsächliche Wirkung zu entfalten.

Als Beispiel verweist foodwatch auf eine Verurteilung Nestlés in Frankreich im Jahr 2024 wegen illegal gefilterten Mineralwassers zu einer Geldstrafe von zwei Millionen Euro — eine Summe, die angesichts der wirtschaftlichen Größe des Konzerns aus Sicht der Organisation kaum ins Gewicht falle.

Nestlé bereits mehrfach in der Kritik

foodwatch erinnert zudem daran, dass Nestlé mit Babyprodukten bereits mehrfach in die Kritik geraten sei. In der Vergangenheit habe man unter anderem Mineralölrückstände in Säuglingsmilch nachgewiesen, außerdem laufe aktuell in den USA ein Verfahren wegen angeblicher Schwermetallbelastungen in Babynahrung.

Nestlé selbst betont, dass der aktuelle Rückruf Teil der eigenen strengen Qualitäts- und Sicherheitsstandards sei und man transparent informieren wolle.

Offene Fragen bleiben

Der Fall zeigt, wie sensibel der Bereich der Säuglingsernährung ist — und wie hoch die Anforderungen an Kontrolle, Transparenz und Kommunikation sind. Während Nestlé den Rückruf als vorsorgliche Maßnahme einordnet, sieht foodwatch erheblichen Aufklärungsbedarf.

Welche Informationen tatsächlich noch offengelegt werden, welche Rolle der betroffene Zulieferer spielt und ob sich der Verdacht einer Belastung bestätigt, bleibt vorerst offen.




Bildschirmzeit im Kleinkindalter erhöht später das Angst-Risiko

Eine große Längsschnittstudie zeigt, wie frühe Mediennutzung die Gehirnentwicklung beeinflusst – und welche Folgen das für Entscheidungsfähigkeit und psychische Gesundheit von Kindern haben kann

Wie viel Bildschirmzeit ist für kleine Kinder unproblematisch? Eine aktuelle neurowissenschaftliche Längsschnittstudie aus Singapur liefert dazu neue Hinweise: Eigentlich sollten kleine Kinder überhaupt nicht vor einem Bildschirm sitzen. Doch je mehr Zeit sie bereits im Kleinkindalter vor Bildschirmen verbringen, desto höher ist ihr Risiko, später Ängste zu entwickeln. Der Zusammenhang ist dabei nicht nur statistisch, sondern neurobiologisch erklärbar.

Die Forschenden untersuchten 168 Kinder aus der bekannten GUSTO-Geburtskohorte über mehr als zehn Jahre hinweg — von der frühen Kindheit bis ins Jugendalter. Dabei kombinierten sie Elternbefragungen zur Bildschirmzeit mit wiederholten MRT-Untersuchungen des Gehirns, kognitiven Tests und Fragebögen zur psychischen Gesundheit.

Analyse verschiedener Entwicklungsstufen

Die Studie analysierte folgende Entwicklungsstufen:

• Bildschirmzeit im Alter von 1–2 Jahren, erfasst durch Elternfragebögen
• Gehirnentwicklung im Alter von 4,5 bis 7,5 Jahren, gemessen mit moderner diffusionsbasierter Magnetresonanztomographie
• Entscheidungsverhalten mit 8,5 Jahren (Cambridge Gambling Task) und
• Angstsymptome mit 13 Jahren (MASC-Fragebogen)

Besonders betrachtet wurde dabei, wie sich die Vernetzung zwischen visuellen Hirnarealen und dem sogenannten kognitiven Kontrollnetzwerk entwickelt — also jener Hirnstruktur, die unter anderem Aufmerksamkeit, Selbststeuerung und bewusste Entscheidungen ermöglicht.

Zentrale Ergebnisse der Studie

Die wichtigsten Befunde lassen sich wie folgt zusammenfassen:

• Bildschirmzeit im Kleinkindalter beschleunigt die Reifung bestimmter Hirnnetzwerke.
Diese „beschleunigte Reifung“ klingt zunächst positiv, bedeutet aber in diesem Fall eine zu frühe funktionale Spezialisierung — zulasten der flexiblen Vernetzung im Gehirn.

• Diese veränderte Hirnentwicklung führt zu langsameren Entscheidungsprozessen im Schulalter.
Die betroffenen Kinder brauchten im Durchschnitt länger, um Entscheidungen zu treffen, obwohl sie nicht schlechter entschieden.

• Langsame Entscheidungsfindung war wiederum mit mehr Angstsymptomen im Jugendalter verbunden.

Erstmals konnte damit ein durchgängiger Entwicklungsweg gezeigt werden:
Frühe Bildschirmzeit → veränderte Gehirnreifung → verändertes Entscheidungsverhalten → mehr Angst im Jugendalter.


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Blickkontakt und Bindung formen das Gehirn

Dr. Walter Hultzsch erklärt, wie Nähe, Blickkontakt und feine Signale die Entwicklung von Aufmerksamkeit, Selbstregulation und Persönlichkeit von Säuglingen fördern. Sein Buch verbindet neurowissenschaftliches Wissen mit alltagstauglicher Orientierung für Eltern, Großeltern, Paten und pädagogische Fachkräfte, die Babys in den ersten Lebensjahren achtsam begleiten wollen.

Dr. Walter Hultzsch
Hey Mama, schau mir in die Augen – und sprich mit mir – Bindung, Blickkontakt & frühe Kommunikation – wie sie das Gehirn deines Babys formen
120 Seiten, ISBN: 9783963040726, 20 €
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Keine Bildschirmzeit im Kleinkindalter!

Letztlich sind diese Ergebnisse ein weiterer Beleg dafür, wie schädlich Bildschirmzeit im Baby- und Kleinkindalter ist. So haben wir erst vor knapp einem Monat über die Ergebnisse der Adolescent Brain Cognitive Development Study (ABCD-Studie) berichtet, in der die Gesundheitsrisiken eines frühen Smartphone-Besitzes festgestellt wurden.

Die ersten Lebensjahre sind eine Phase extrem hoher Plastizität des Gehirns. In dieser Zeit wird nicht nur Wissen aufgebaut, sondern vor allem die Grundarchitektur des Denkens, Fühlens und Handelns geformt.

Die aktuelle Studie zeigt, dass intensive visuelle Reize durch Bildschirme:

• die sensorische Verarbeitung verändern,
• die Balance zwischen Wahrnehmung, Emotion und Kontrolle verschieben und
• dadurch langfristig die emotionale Selbstregulation beeinträchtigen können.

Gerade Angststörungen gehören zu den häufigsten psychischen Belastungen im Jugendalter — mit erheblichen Folgen für Lernen, soziale Entwicklung und Lebensqualität.

Die Autorinnen und Autoren der Studie betonen, dass es nicht um eine Verteufelung von Medien geht, sondern um sensible Entwicklungsfenster. Besonders das Baby- und Kleinkindalter sei eine Phase, in der reale Sinneserfahrungen, Bewegung, Beziehung und Spiel nicht durch Bildschirmzeit verdrängt werden sollten.

Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt weiterhin:

• unter 2 Jahren: keine Bildschirmzeit,
• 2–5 Jahre: maximal eine Stunde täglich, möglichst begleitet, wobei die Stunde eher für die Fünfjährigen und deutlich weniger für die Zweijährigen gilt.

Neue neurobiologische Gründe für den Hirnentwicklungsschutz

Die neue Studie liefert nun weitere neurobiologische Gründe, diese Empfehlungen äußerst ernst zu nehmen.

Diese Forschung zeigt eindrücklich: Frühe Mediennutzung wirkt tiefer und langfristiger, als wir lange angenommen haben. Bildschirmzeit im Baby- und Kleinkindalter beeinflusst nicht nur Verhalten, sondern die Struktur und Vernetzung des Gehirns — mit möglichen Folgen bis in die Pubertät.

Für Eltern, pädagogische Fachkräfte und Bildungspolitik bedeutet das: Frühkindliche Bildung ist immer auch Hirnentwicklungsschutz.

Mehr zur Studie finden Sie hier.

Gernot Körner




Hähnchenfleisch im Test: Keime in mehr als jedem zweiten Produkt

Öko-Test findet antibiotikaresistente Keime in vielen Hähnchen – was es jetzt zu beachten gilt

Hähnchenfleisch gehört in vielen Familien regelmäßig auf den Tisch. Umso beunruhigender sind die aktuellen Ergebnisse von Öko-Test: In einer Laboruntersuchung wurden 23 Hähnchenbrustfilets auf antibiotikaresistente Keime geprüft — mit einem alarmierenden Ergebnis. 14 der 23 Produkte fielen durch, weil sie entsprechend belastet waren.

Getestet wurden sowohl konventionelle als auch Bio-Hähnchen. Sieben Bio-Produkte und sieben Produkte aus konventioneller Haltung bewertete Öko-Test als „bedenklich“. Akut gesundheitsgefährdend ist der Verzehr nicht, dennoch stellen antibiotikaresistente Keime ein großes gesellschaftliches Risiko dar: Sie können dazu führen, dass Infektionen beim Menschen künftig immer schlechter behandelbar werden.

Warum sind antibiotikaresistente Keime so problematisch?

Antibiotikaresistenzen gelten weltweit als eine der größten Bedrohungen für die öffentliche Gesundheit. Wenn Bakterien unempfindlich gegenüber Antibiotika werden, verlieren wichtige Medikamente ihre Wirkung — selbst bei eigentlich gut behandelbaren Erkrankungen.

Die Geflügelfleischindustrie spielt dabei eine zentrale Rolle. In der Massentierhaltung werden Antibiotika häufig eingesetzt, um Krankheiten in großen Tierbeständen in Schach zu halten. Laut Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) gab es 2024 keinen Rückgang des Antibiotikaeinsatzes in irgendeiner Wirkstoffklasse — trotz gesetzlicher Vorgaben zur Reduzierung.

Warum sind auch Bio-Hähnchen betroffen?

Auch Bio-Hähnchen waren im Test nicht frei von belasteten Keimen. Ein möglicher Grund ist die sogenannte Kreuzkontamination in Schlachthöfen, in denen Tiere aus unterschiedlichen Haltungsformen verarbeitet werden. So können Keime von konventionellen auf Bio-Produkte übertragen werden — selbst wenn die Tiere selbst weniger Antibiotika erhalten haben.

Was bedeutet das für Familien?

Belastetes Fleisch in der Küche ist kein Grund zur Panik — aber ein Anlass zu besonderer Sorgfalt. Gelangen resistente Keime über mangelnde Küchenhygiene auf Hände, Arbeitsflächen oder andere Lebensmittel, können sie sich weiterverbreiten und im schlimmsten Fall Infektionen auslösen.

Tipps für den sicheren Umgang mit Hähnchenfleisch im Familienalltag

Damit Keime keine Chance haben, empfiehlt ÖKO-TEST — und auch die Lebensmittelhygiene allgemein — folgende Regeln:

  • Kühl lagern: Hähnchenfleisch möglichst schnell nach dem Einkauf in den Kühlschrank legen (unter 4 °C).
  • Nicht abwaschen: Abspülen verteilt Keime nur über Spritzwasser in der Küche.
  • Strikt trennen: Rohes Geflügel immer getrennt von anderen Lebensmitteln lagern und verarbeiten.
  • Eigene Bretter & Messer: Möglichst separate Küchenutensilien für rohes Fleisch verwenden.
  • Gründlich durchgaren: Hähnchen immer vollständig durchbraten — innen dürfen keine rosa Stellen bleiben.
  • Hände waschen: Nach dem Kontakt mit rohem Fleisch Hände gründlich mit Seife waschen.
  • Arbeitsflächen reinigen: Alle Flächen und Utensilien danach heiß abwaschen.

Was fordert Öko-Test?

Die Verbraucherschützer fordern eine deutliche Verringerung des Antibiotikaeinsatzes in der Geflügelmast sowie bessere Hygienestandards in Schlachthöfen. Nur so lasse sich langfristig verhindern, dass antibiotikaresistente Keime weiter in Umwelt und Lebensmittelkette gelangen.

Weitere Details zum Test finden sich in der Januarausgabe des Öko-Test-Magazins sowie auf der Website des Verbraucherportals.




Abnehmen in Kindheit und Jugend schützt das Herz ein Leben lang

Eine große schwedische Langzeitstudie zeigt: Normalisiert sich das Gewicht bis zum jungen Erwachsenenalter, ist das spätere Risiko für koronare Herzkrankheit nicht erhöht

Eine neue internationale Studie aus Schweden belegt: Kinder, die zeitweise übergewichtig sind, aber bis zum jungen Erwachsenenalter wieder Normalgewicht erreichen, tragen kein erhöhtes Risiko für koronare Herzerkrankungen im Erwachsenenalter. Entscheidend ist also nicht, ob ein Kind einmal zu schwer war – sondern ob es gelingt, das Gewicht rechtzeitig zu normalisieren.

Die Untersuchung wurde in JAMA Pediatrics veröffentlicht und basiert auf den Gesundheitsdaten von mehr als 100.000 Menschen, die von der Kindheit bis ins mittlere Erwachsenenalter begleitet wurden.

Früh abnehmen – langfristig gesund bleiben

Die Forschenden verfolgten Kinder mit unterschiedlichen Gewichtsentwicklungen:

  • normalgewichtig in Kindheit und Jugend
  • übergewichtig in der Kindheit, später normalgewichtig
  • normalgewichtig in der Kindheit, später übergewichtig
  • durchgehend übergewichtig

Das zentrale Ergebnis:
👉 Kinder, die in der Kindheit übergewichtig waren, dieses Übergewicht aber bis zum jungen Erwachsenenalter wieder verloren, hatten später kein höheres Risiko für koronare Herzerkrankungen als Menschen, die immer normalgewichtig waren.

Das bedeutet: Der Körper kann sich erholen. Gesundheitsrisiken sind nicht „festgeschrieben“.

Kritisch ist vor allem eine Gewichtszunahme in der Pubertät

Besonders auffällig war ein anderer Befund:
Menschen, die erst während der Pubertät deutlich zunahmen, hatten später sogar ein höheres Herzrisiko als jene, die schon als Kinder übergewichtig waren.

Die Pubertät scheint also eine besonders sensible Phase für die langfristige Stoffwechsel- und Herzgesundheit zu sein. Schnelle Gewichtszunahmen in dieser Zeit wirken sich offenbar stärker auf die späteren Gefäße aus als ein früheres, aber wieder rückläufiges Übergewicht.

Was heißt das für Eltern, Kitas, Schulen und Politik?

Die Studie vermittelt eine ermutigende, entlastende und zugleich handlungsorientierte Botschaft:

  • Übergewicht in der Kindheit ist kein gesundheitliches Schicksal.
  • Entscheidend ist, dass Kinder rechtzeitig Unterstützung bekommen, um wieder in ein gesundes Gleichgewicht zu finden.
  • Prävention und Begleitung wirken – und sie lohnen sich langfristig.

Für die Praxis bedeutet das:

  • weniger Stigmatisierung,
  • mehr frühe, wertschätzende Unterstützung,
  • mehr gesundheitsförderliche Alltagsbedingungen (Bewegung, Ernährung, Stressreduktion),
  • und eine stärkere Aufmerksamkeit für die Pubertät als sensible Entwicklungsphase.

Eine klare Botschaft: Es ist nie „zu spät“ – aber früh ist besser

Die Forschenden betonen ausdrücklich:
Wer es schafft, Übergewicht bis zum jungen Erwachsenenalter abzubauen, hat die gleichen Chancen auf ein gesundes Herz wie Menschen ohne frühere Gewichtsprobleme.

Damit wird ein verbreitetes Gefühl relativiert, das viele Eltern und Betroffene kennen: „Jetzt ist es ohnehin schon zu spät.“
Diese Studie zeigt: Nein – ist es nicht.

Diese Forschung liefert ein wichtiges Gegengewicht zu alarmistischen Debatten:
Sie zeigt nicht nur Risiken, sondern vor allem Möglichkeiten.

Kinder sind entwicklungsfähig – körperlich wie seelisch. Und wenn Gesellschaft, Familie und Bildungseinrichtungen günstige Rahmenbedingungen schaffen, kann sich Gesundheit nicht nur erhalten, sondern auch wiederherstellen.

Quelle:

Ohlsson C. et al. (2025). Change in Weight Status From Childhood to Young Adulthood and Risk of Adult Coronary Heart Disease. JAMA Pediatrics. doi:10.1001/jamapediatrics.2025.4950




Kinder wollen mitreden – warum Mitbestimmung in der Medizin so wichtig ist

Kindergesundheitsbericht 2025 weist auf Mitbestimmungsrecht von Kindern und Jugendlichen bei medizinischen Fragen hin

Kinder und Jugendliche möchten verstehen, was mit ihrer Gesundheit geschieht, und sie wollen an Entscheidungen beteiligt werden. Darauf weist der aktuelle Kindergesundheitsbericht 2025 der Stiftung Kindergesundheit hin. Grundlage ist eine repräsentative Befragung von 1.006 Eltern sowie ihren Kindern im Alter von 8 bis 17 Jahren.

Kinder sind mehr als passive Patientinnen und Patienten

Kinder sollten im medizinischen Alltag nicht nur „mitbehandelt“, sondern ernsthaft einbezogen werden. Nach Einschätzung der Stiftung Kindergesundheit profitieren sie deutlich davon, wenn sie altersgerecht informiert werden und echte Mitsprache erleben. Dieses Beteiligungsrecht ist in der UN-Kinderrechtskonvention verankert und gilt ausdrücklich auch für Fragen der Gesundheitsversorgung.

Mitbestimmung bedeutet dabei nicht, Kinder zu überfordern. Vielmehr geht es darum, ihnen zuzuhören, ihre Fragen ernst zu nehmen und Entscheidungen verständlich zu erklären.

Was Kinder heute beim Arzt erleben

Die gemeinsam mit dem forsa-Institut durchgeführte Befragung zeigt zunächst ein überwiegend positives Bild. Fast alle Kinder wussten vor ihrem letzten Arztbesuch, warum sie dort waren. Die große Mehrheit fühlte sich ernst genommen, viele erhielten Erklärungen zu Untersuchungen und Behandlungen. Auffällig ist, dass sich die Einschätzungen von Kindern und Eltern kaum unterscheiden.

Gleichzeitig macht die Befragung aber auch deutlich, dass die Beteiligung häufig begrenzt bleibt: Rund ein Drittel der Kinder und Jugendlichen berichtet, beim Arzt nur wenig oder eher wenig mitentscheiden zu können. Mehr als die Hälfte dieser Kinder wünscht sich ausdrücklich mehr Mitsprache. Auch viele Eltern sehen hier deutlichen Verbesserungsbedarf.

Was Kinder vermissen

Besonders aufschlussreich sind die Hinweise der Kinder selbst. Fast die Hälfte gibt an, dass einfachere und verständlichere Erklärungen helfen würden, medizinische Entscheidungen besser nachzuvollziehen. Viele wünschen sich außerdem, dass Ärztinnen und Ärzte häufiger direkt mit ihnen sprechen und sich mehr Zeit für ihre Fragen nehmen.

Jüngere Kinder berichten diese Bedürfnisse häufiger als ältere Jugendliche. Mädchen äußern öfter den Wunsch nach mehr Zeit für Rückfragen. Die Ergebnisse zeigen: Kinder wissen sehr genau, was sie brauchen – wenn man sie fragt.

Warum Mitbestimmung wirkt

Partizipation ist mehr als eine freundliche Geste. Kinder, die in Entscheidungen einbezogen werden, entwickeln ein besseres Verständnis für ihre eigene Gesundheit. Sie erleben weniger Angst, fassen mehr Vertrauen zum medizinischen Personal und können Empfehlungen leichter nachvollziehen und mittragen.

Mitbestimmung stärkt zudem das Gefühl von Selbstwirksamkeit – eine wichtige Grundlage für langfristige Gesundheitskompetenz und einen verantwortungsvollen Umgang mit dem eigenen Körper.

Wo es noch hakt

Aus Sicht der Eltern liegen die größten Hindernisse für mehr Beteiligung darin, dass sich Kinder nicht trauen, Fragen zu stellen, Gespräche vor allem mit den Erwachsenen geführt werden oder medizinische Inhalte für Kinder schwer verständlich sind. Auch Zeitmangel in Arztpraxen spielt eine Rolle.

Der Bericht macht deutlich: Neben strukturellen Rahmenbedingungen ist vor allem eine Haltung gefragt, die Kinder als ernstzunehmende Gesprächspartner wahrnimmt.

Wie Eltern die Beteiligung ihrer Kinder stärken können

Der Kindergesundheitsbericht 2025 gibt Eltern konkrete Hinweise, wie sie die Teilhabe ihrer Kinder unterstützen können – etwa durch eine altersgerechte Vorbereitung auf Arztbesuche, das Ermutigen zur eigenen Wortmeldung oder kleine Wahlmöglichkeiten während der Untersuchung. Auch eine gemeinsame Nachbesprechung hilft Kindern, ihre Erfahrungen einzuordnen und stärkt ihr Selbstvertrauen.

Gute Voraussetzungen für mehr Mitbestimmung

Der Bericht zeigt auch Anlass zur Zuversicht: In vielen Arztpraxen und Kliniken sind bereits gute Grundlagen vorhanden. Mit klarer Sprache, verständlicher Kommunikation und der bewussten Ansprache von Kindern kann Mitbestimmung im medizinischen Alltag weiter gestärkt werden – gemeinsam von medizinischem Personal und Eltern.




Pflanzenbasierte Ernährung kann für Kinder gesund sein

essen-vegan

Große internationale Studie zeigt: Vegane und vegetarische Kost braucht gezielte Ergänzung

Eine vegetarische oder vegane Ernährung kann das gesunde Wachstum von Kindern unterstützen – vorausgesetzt, sie ist gut geplant und wird durch geeignete Nahrungsergänzungsmittel ergänzt. Das ist das zentrale Ergebnis der bislang größten Auswertung zur pflanzenbasierten Ernährung bei Kindern, die unter Leitung der University of Florence durchgeführt wurde. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift Critical Reviews in Food Science and Nutrition veröffentlicht.

Umfangreiche Metaanalyse mit Daten aus aller Welt

Für die Studie werteten Forschende aus Italien, den USA und Australien Daten von mehr als 48.000 Kindern und Jugendlichen aus. Insgesamt flossen 59 Einzelstudien aus 18 Ländern in die Metaanalyse ein. Untersucht wurden unter anderem Wachstum, Körperzusammensetzung, Nährstoffversorgung und gesundheitliche Risikofaktoren.

Nährstoffreich – aber nicht automatisch ausgewogen

Die Analyse zeigt: Pflanzlich ernährte Kinder nehmen häufig mehr Ballaststoffe, Folsäure, Vitamin C, Magnesium und Eisen auf als Gleichaltrige mit Mischkost. Gleichzeitig ist ihre Zufuhr an Energie, Protein, Fett sowie bestimmten Mikronährstoffen oft geringer. Besonders kritisch sind Vitamin B12, Zink, Calcium und Jod – vor allem bei veganer Ernährung.

Ohne angereicherte Lebensmittel oder Nahrungsergänzungsmittel erreichen viele Kinder hier nicht die empfohlenen Richtwerte. Co-Autorin Jeannette Beasley von der New York University betont insbesondere die Bedeutung von Vitamin B12, das über pflanzliche Lebensmittel kaum aufgenommen werden kann.

Günstige Effekte auf Herz und Stoffwechsel

Trotz möglicher Nährstoffrisiken zeigen die Ergebnisse auch positive Effekte einer pflanzenbasierten Ernährung. Vegetarisch und vegan ernährte Kinder weisen im Durchschnitt günstigere Herz-Kreislauf-Profile auf. So sind die LDL-Cholesterinwerte niedriger als bei Kindern, die regelmäßig Fleisch und Fisch essen.

Unterschiede bei Wachstum und Körperzusammensetzung

Die Studie zeigt zudem leichte Unterschiede im körperlichen Wachstum. Vegetarisch und vegan ernährte Kinder sind im Durchschnitt etwas kleiner und leichter. Sie haben einen niedrigeren Body-Mass-Index, weniger Fettmasse und einen geringeren Knochenmineralgehalt. Die Forschenden betonen jedoch, dass diese Werte im Rahmen einer insgesamt gesunden Entwicklung liegen können, wenn die Ernährung ausgewogen gestaltet ist.

Gute Planung ist entscheidend

Die Ergebnisse machen deutlich: Eine pflanzenbasierte Ernährung kann für Kinder gesund sein, erfordert jedoch Fachwissen, Planung und gegebenenfalls ärztliche Begleitung. Für Eltern und pädagogische Fachkräfte bedeutet das, genauer hinzusehen und sicherzustellen, dass Kinder alle wichtigen Nährstoffe erhalten – unabhängig davon, ob sie sich vegetarisch, vegan oder gemischt ernähren.

Weitere Informationen unter: https://www.tandfonline.com/doi/full/10.1080/10408398.2025.2572983