Schwimmunterricht auf dem Prüfstand: Was Kindern wirklich Sicherheit gibt

Internationale Studie zeigt: Deutsche Kinder bewegen sich vergleichsweise souverän im Wasser – dennoch gibt es Handlungsbedarf im Schulschwimmen

Kinder in Deutschland verfügen im europäischen Vergleich über solide schwimmerische Grundlagen und zeigen auch bei komplexeren Anforderungen ein gutes Maß an Wassersouveränität. Das zeigen erste Ergebnisse der internationalen ALFAC-Studie (Aquatic Literacy For All Children), die nun von der Europa-Universität Flensburg, der Deutschen Sporthochschule Köln und der Universität Kassel veröffentlicht wurden. Besonders beim Schweben, Tauchen, Springen und Atmen schnitten viele Kinder gut ab – auch bei Übungen in Kleidung und unter erschwerten Bedingungen.

Allerdings zeigt sich europaweit ein deutliches Defizit beim (Unter-)Tauchen, beim mutigen Springen ins Wasser sowie bei der Einschätzung von Gefahrensituationen. Viele Kinder wählen lieber einfache Wege beim Ein- und Ausstieg und vermeiden riskantere, aber realistischere Alltagssituationen im Wasser.

Stärkere Ausrichtung des Schwimmunterrichts auf Wassersicherheit empfohlen

Die Studienergebnisse geben laut Projektleiterin Dr. Nele Schlapkohl von der Europa-Universität Flensburg wichtige Impulse für die Weiterentwicklung des Schwimmunterrichts. Nicht allein die Technik, sondern vor allem Sicherheit und Selbstvertrauen im Wasser sollten künftig stärker in den Fokus rücken – sowohl im Schulunterricht als auch im Vereinssport.

Ein ganzheitlich verstandener Schwimmunterricht, der auch das Erkennen und Einschätzen von Gefahrensituationen fördert, trägt nicht nur zur Unfallprävention, sondern auch zur Stärkung der Selbstwirksamkeit von Kindern bei. So lernen sie, sich nicht nur sicher zu bewegen, sondern ihre Umwelt auch aktiv mitzugestalten – sei es beim Schwimmbadausflug, beim Schulsport oder beim Familienurlaub am Meer.

Aquatic Literacy als Basis für kindgerechte Schwimmförderung

Das zugrunde liegende Konzept der Aquatic Literacy beschreibt umfassend die Fähigkeiten, die Kinder benötigen, um sich sicher, eigenständig und reflektiert im Wasser zu bewegen. In der Studie wurden Kinder im Alter von 6 bis 12 Jahren europaweit untersucht. Ziel war es, die Effektivität verschiedener nationaler Schwimmausbildungen zu vergleichen und daraus konkrete Empfehlungen für den Schwimmunterricht abzuleiten.

Gerade für ein Land wie Deutschland – mit vielen Seen, Flüssen und der Nähe zur Nord- und Ostsee – ist eine fundierte Wassersicherheit essenziell. Die Erkenntnisse aus der Studie sollen künftig in die Ausbildung von Sportlehrkräften und die Gestaltung eines praxisnahen, kindgerechten Schwimmunterrichts einfließen. Ein sicherer Schwimmunterricht beginnt nicht mit der Kraultechnik, sondern mit dem Vertrauen ins eigene Können, dem Erkennen von Risiken und dem spielerischen Üben realitätsnaher Situationen. Mit einem ganzheitlichen Verständnis von Schwimmfähigkeit lässt sich nicht nur die Zahl der Badeunfälle verringern – sondern auch die Freude und Teilhabe von Kindern an sportlichen und alltäglichen Aktivitäten im Wasser stärken.

Gernot Körner




Kinderzahnpasta im Öko-Test: Viele überzeugen – nicht alle sind harmlos

13 von 31 Produkten erhalten Bestnote „Sehr gut“ – Fluorid bleibt der Goldstandard gegen Karies

Die Zeitschrift Öko-Test hat 31 Kinderzahnpasten unter die Lupe genommen. Das Ergebnis: 13 Produkte schnitten mit „sehr gut“ ab – eine erfreuliche Entwicklung für Eltern, die auf eine sichere Zahnpflege achten. Besonders positiv: Keines der getesteten Produkte enthielt mehr den umstrittenen Farbstoff Titandioxid.

Wissenschaftlich fundierter Schutz durch Fluorid

Alle empfehlenswerten Zahnpasten enthalten Fluorid – ein Inhaltsstoff, der nach aktuellem Forschungsstand den wirksamsten Schutz vor Karies bietet.

„Zur Kariesprophylaxe gibt es derzeit keine gleichwertige Alternative zu Fluorid“,
betont Prof. Dr. Ulrich Schiffner, Zahnarzt und Beiratsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Kinderzahnmedizin.

Einige Produkte mit zu geringer Fluoridkonzentration (nur 500 ppm) oder fehlenden Anwendungshinweisen wurden von Öko-Test abgewertet. Auch fluoridfreie Zahnpasta für Kinder über ein Jahr wird kritisch gesehen, sofern keine alternative Fluoridzufuhr erfolgt.

Risiken durch Cadmium und unklare Altersangaben

In einem Produkt wiesen die Prüflabore Cadmium nach – ein giftiges Schwermetall, das sich im Körper anreichern und langfristig Organe schädigen kann. Auch das Süßungsmittel Maltodextrin, das als kariesfördernd gilt, wurde in manchen Rezepturen kritisiert.

„Maltodextrin hat in Kinderzahnpasta aus unserer Sicht nichts zu suchen“,
stellt die Öko-Test-Redaktion klar.

Zudem bemängelten die Tester zu große Tubenöffnungen bei fünf Produkten – das erschwere eine kindgerechte Dosierung.

Erfreulich: Titandioxid endgültig verschwunden

Der Weißmacher Titandioxid, der in Lebensmitteln verboten und als potenziell krebserregend gilt, war im letzten Test noch vertreten – diesmal nicht mehr. Eine gute Nachricht, denn die Sicherheit bei Produkten, die möglicherweise verschluckt werden, steht an erster Stelle.

„Dass Titandioxid endlich aus Kinderzahnpasta verschwunden ist, sehen wir als wichtigen Fortschritt“,
so die Einschätzung der Öko-Test-Redaktion.

Elternratgeber: Richtig putzen ab dem ersten Zahn

Bereits mit dem ersten Milchzahn sollte zweimal täglich geputzt werden – zunächst mit einer reiskorngroßen Menge Zahnpasta, später mit einer erbsengroßen Portion. Wichtig sind außerdem die richtige Technik (KAI-Methode) und eine Putzdauer von zwei bis drei Minuten.

Quelle: Redaktion Öko-Test, Artikel „Welche Kinderzahnpasta ist unbedenklich?“,




Bildschirm aus, raus ins Licht: So bleiben Kinderaugen gesund

Warum zu viel Bildschirmzeit Kinder kurzsichtig macht – und was Professor Pfeiffer von der Stiftung Auge Eltern rät

Digitale Medien gehören längst zum Alltag – auch für Kinder. Doch die zunehmende Naharbeit am Smartphone, Tablet oder Laptop bleibt nicht ohne Folgen für die Augen. Das verdeutlichte Professor Dr. med. Norbert Pfeiffer, Direktor der Augenklinik der Universitätsmedizin Mainz und Vorstandsmitglied der Stiftung Auge, bei einer Pressekonferenz am 14. Mai 2025.

Das Auge will in die Ferne schauen

Unser Sehsystem, so Pfeiffer, sei evolutionär für das Leben in der Natur gemacht – mit besonderer Stärke beim Sehen in die Ferne. Beim Sehen in der Nähe muss das Auge hingegen arbeiten: Muskeln spannen sich an, um die Linse zu verformen und scharf zu stellen. Wird dieser Zustand dauerhaft durch Bildschirmnutzung gefordert, reagiert das Auge – es wächst. Die Folge: Kurzsichtigkeit (Myopie).

Kurzsichtigkeit ist keine Bagatelle

Während sich diese mit Brille oder Kontaktlinsen zwar ausgleichen lässt, warnt Pfeiffer vor den langfristigen Risiken: „Kurzsichtigkeit ist keine harmlose Befindlichkeit“, betont er. Sie erhöht das Risiko für schwerwiegende Augenerkrankungen wie Glaukom, Netzhautablösungen und altersbedingte Makuladegeneration – Erkrankungen, die bis zur Erblindung führen können.

Wie viel Bildschirmzeit ist noch unbedenklich?

Eine aktuelle Metaanalyse (JAMA Network Open, 2025) kommt zu dem Schluss, dass bis zu einer Stunde tägliche Bildschirmzeit weitgehend unbedenklich sei. Doch bereits bei zwei Stunden steigt das Risiko für Kurzsichtigkeit um über 20 Prozent – vor allem, wenn Displays in sehr geringem Abstand betrachtet werden, wie es bei Smartphones häufig der Fall ist. Auch die Gutenberg Health Study zeigt: Mit höherem Bildungsgrad – und damit mehr Naharbeit – nimmt auch die Kurzsichtigkeit signifikant zu.

Tageslicht als natürliche Schutzmaßnahme

Doch es gibt eine wirkungsvolle Gegenmaßnahme: Tageslicht. Studien deuten darauf hin, dass zwei Stunden Aufenthalt im Freien pro Tag das Risiko, kurzsichtig zu werden, deutlich senken können. Die Stiftung Auge empfiehlt deshalb, Bildschirmzeiten altersgerecht zu begrenzen und möglichst viel Zeit im Tageslicht zu verbringen – beim Spielen, Toben oder Sport draußen.

Ein gesundes Gleichgewicht ist möglich

So lässt sich die Balance finden zwischen digitalem Lernen und gesunder Sehentwicklung – und Kinderaugen werden nicht nur klüger, sondern auch langfristig gesünder.




Zuckerfalle im Glas: Warum süße Getränke für Kinder ein Risiko sind

Wie gezuckerte Limonaden, Tees und Säfte das Risiko für Übergewicht und Krankheiten bei Kindern erhöhen – und was Eltern dagegen tun können

Immer mehr Kinder in Deutschland kämpfen mit Übergewicht – eine Entwicklung, die nicht nur das Wohlbefinden, sondern auch die langfristige Gesundheit bedroht. In einer aktuellen Pressemitteilung warnt die Stiftung Kindergesundheit eindringlich vor dem hohen Zuckerkonsum durch süße Getränke, der eine zentrale Rolle bei dieser Entwicklung spielt.

Jedes sechste Kind in Deutschland ist übergewichtig

Nach Angaben der Stiftung bringt fast jedes sechste Kind hierzulande zu viel auf die Waage. Rund 5,9 Prozent der Kinder und Jugendlichen gelten sogar als adipös – also krankhaft fettleibig. Eine der Hauptursachen: zuckerhaltige Getränke wie Limonade, Cola, gesüßter Tee, Fruchtsäfte und Schorlen.

Laut einer Marktstudie von Foodwatch, auf die sich die Stiftung bezieht, konsumiert in Deutschland fast jedes sechste Kind ein- bis dreimal täglich ein zuckerhaltiges Getränk. Vier Prozent trinken sogar viermal täglich Limo, Cola oder andere gezuckerte Flüssigkeiten.

Zucker in flüssiger Form – ein unterschätztes Risiko

Die Stiftung Kindergesundheit macht deutlich: Der Zusammenhang zwischen dem Konsum süßer Getränke und der Gewichtszunahme ist wissenschaftlich belegt. „Eine Analyse von elf internationalen Studien kommt zu dem Ergebnis, dass ein regelmäßiger Konsum zuckerhaltiger Getränke für etwa ein Fünftel des Risikos der Fettleibigkeit im Kindes– und Jugendalter verantwortlich ist“, betont Professor Dr. Dr. Berthold Koletzko, Kinder- und Jugendarzt sowie Vorsitzender der Stiftung.

Auch der durchschnittliche Zuckergehalt der Getränke spricht für sich: 7,3 Prozent Zucker pro 250 ml – das entspricht etwa sechs Würfeln Zucker pro Glas. Zucker wirkt dabei nicht nur auf das Gewicht, sondern erhöht auch das Risiko für Typ-2-Diabetes und Karies.

Appell an die Politik: Zuckersteuer auch in Deutschland?

Angesichts der hohen Gesundheitskosten – rund 1,8 Milliarden Euro jährlich für übergewichtige Kinder und Jugendliche in Deutschland – fordert die Stiftung ein stärkeres politisches Engagement. Eine Sonderabgabe auf gezuckerte Getränke, wie sie international bereits erprobt wird, könnte auch hierzulande Anreize für eine gesündere Getränkeauswahl schaffen.

„Wir hoffen sehr auf die Bereitschaft der Politik zu konsequenten Maßnahmen“, so Professor Koletzko. „Die Lasten des kindlichen Übergewichts sind enorm – medizinisch, sozial und wirtschaftlich.“

Was Eltern tun können: Wasser fördern, Regeln setzen

Neben politischen Maßnahmen sieht die Stiftung aber auch Eltern in der Verantwortung. In ihrer Mitteilung gibt sie praktische Tipps für den Alltag:

  • Kinder sollten regelmäßig Wasser trinken – fünf bis sechs Gläser täglich.
  • Wasser sollte jederzeit verfügbar sein, etwa in einer eigenen Flasche oder Karaffe.
  • Mit Zitronenscheiben, Minze oder gefrorenen Beeren lässt sich Wasser geschmacklich aufwerten.
  • Zu jeder Mahlzeit gehört ein zuckerfreies Getränk – idealerweise Wasser.

Gezuckerte Getränke hingegen sollten Ausnahmen bleiben. In Kitas und Schulen empfiehlt die Stiftung, komplett auf süße Getränke zu verzichten.

Umgang mit Süßem: Maß und Vorbildwirkung

Auch beim Thema Süßigkeiten empfiehlt die Stiftung klare Regeln: keine Belohnung mit Schokolade, keine Vorratshaltung und keine offenen Süßigkeiten im Haus. Kinder sollten früh erfahren, dass Zucker die Zähne angreift – und dass Zähneputzen nach dem Naschen Pflicht ist.

Eltern sollten dabei mit gutem Beispiel vorangehen: Wer selbst ständig nascht, sendet widersprüchliche Signale.

Die Pressemitteilung der Stiftung Kindergesundheit ist ein Weckruf: Zuckerhaltige Getränke sind keine harmlosen Durstlöscher, sondern ein ernstzunehmender Risikofaktor für Übergewicht und Folgeerkrankungen bei Kindern. Ein Umdenken in Familien, Bildungseinrichtungen und der Politik ist dringend erforderlich.

Quelle: Giulia Roggenkamp, Pressemitteilung Stiftung Kindergesundheit




Unangemessene Werbung auf Kinderwebseiten trotz gesetzlicher Verbote

Trotz gesetzlicher Verbote stoßen Kinder auf Lern- und Spieleseiten im Netz regelmäßig auf sexuelle, medizinische und kommerzielle Werbung

Von außen sehen sie harmlos aus: Lernplattformen, Spieleportale und Wissensseiten für Kinder unter 13 Jahren. Doch wer genauer hinschaut, entdeckt dort Werbung, die alles andere als kindgerecht ist. Eine aktuelle Untersuchung von Forschenden der Radboud-Universität (Niederlande), der KU Leuven (Belgien) und der Ruhr-Universität Bochum bringt nun systematisch ans Licht, womit junge Nutzerinnen und Nutzer tatsächlich konfrontiert werden. Die Ergebnisse sind erschreckend – und zeigen auch, dass gesetzliche Schutzvorgaben im digitalen Raum praktisch ins Leere laufen.

„Es war eine bunte Mischung mit einigen alarmierenden Inhalten“, sagt Informatik-Professorin Dr. Veelasha Moonsamy von der Ruhr-Universität Bochum. Gemeinsam mit ihrem Team analysierte sie rund 2.000 Webseiten, die speziell auf Kinder ausgerichtet sind. Dabei wurden etwa 70.000 Werbeanzeigen gesammelt – eine enorme Datenmenge, die durch die dynamische Struktur vieler Webseiten zustande kam: „Die Werbeanzeigen ändern sich alle paar Minuten“, erklärt Moonsamy.

Werbung, die Kinder nicht sehen sollten

Insgesamt fanden die Forschenden 1.003 Anzeigen, die sie als unangemessen einstuften. Darunter Werbung für Verlobungsringe und Dessous, für Diätpillen und Partnerbörsen. Auch Anzeigen für Tests auf Depression oder Homosexualität sowie für Sexspielzeug und Chatangebote mit anzüglich gekleideten Frauen waren Teil des Materials.

Dabei ist die Rechtslage eigentlich klar: Werbung, die Kinder gefährden oder in ihrer Entwicklung beeinträchtigen könnte, ist verboten. Doch die Realität im Netz sieht anders aus. „Eigentlich gibt es Gesetze, die regeln, mit welchen Anzeigen Kinder konfrontiert werden dürfen“, betont Moonsamy. „Aber sie werden nicht eingehalten.“

Gesetzlicher Schutz bleibt Theorie

Ein Kernproblem liegt in der technischen Infrastruktur des Internets: Werbeanzeigen werden häufig automatisch und zentral gesteuert, unabhängig davon, für wen die jeweilige Webseite gedacht ist. Es gibt keine technische Unterscheidung zwischen Seiten für Kinder und solche für Erwachsene – und somit auch keine Filterung im Anzeigennetzwerk.

„Das Internet gibt es seit Jahrzehnten. Es ist ein komplexes System, das seine bestimmte Funktionsweise hat, und man kann nicht einfach grundlegend etwas ändern. Das könnte alles zusammenbrechen lassen“, erklärt Moonsamy. Dennoch bleibt die Frage, warum bestehende Regeln nicht wirksam durchgesetzt werden – und warum es noch immer keinen flächendeckenden Schutz für Kinder im Netz gibt.

Was Eltern tun können

Eltern sind mit dieser Situation oft überfordert. Welche Tools helfen wirklich, um Kinder zu schützen? Wie funktioniert verhaltensbasierte Werbung? Und wie kann man als Familie digitale Kompetenz aufbauen? Antworten auf diese Fragen liefert der ausführliche Artikel von Veelasha Moonsamy im Wissenschaftsmagazin Rubin der Ruhr-Universität Bochum. Darin gibt sie praxisnahe Tipps – und fordert eine konsequentere Regulierung auf politischer und technischer Ebene.

👉 Der vollständige Beitrag ist hier zu finden: Rubin-Magazin.

Quelle: Pressemitteilung von Dr. Julia Weiler, Dezernat Hochschulkommunikation, Ruhr-Universität Bochum




„Extreme Candy“: foodwatch warnt vor gesundheitsgefährdenden Süßigkeiten

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Marktcheck: Import-Produkte mit riskanten Zusatzstoffen und fehlenden Warnhinweisen über TikTok an Kinder vermarktet

Die Verbraucherorganisation foodwatch hat vor gesundheitsgefährdenden Süßigkeiten aus dem Ausland gewarnt. Viele Produkte, die wegen ihres extremen Geschmacks, ihrer knallbunten Farben oder wegen aufsehenerregenden Posts in den sozialen Medien besonders bei Kindern und Jugendlichen beliebt seien, enthielten nicht nur viel Zucker sondern auch gefährliche Zusatzstoffe. Darunter sind Azofarbstoffe oder das potentiell krebserregende Tert-Butylhydrochinon (TBHQ), so foodwatch.

Produkte sind nicht immer gesetzeskonform gekennzeichnet

Ein Marktcheck der Verbraucherorganisation zeigt: Weder online noch in den vielen Candy-Shops vor Ort sind die Produkte immer gesetzeskonform gekennzeichnet. So fehlten in vielen Fällen Nährwertangaben, Zutatenlisten und gesundheitsrelevante Warnhinweise. foodwatch forderte stärkere Lebensmittelkontrollen durch die Behörden, ein Verbot besonders riskanter Zusatzstoffe und eine effektive Beschränkung der Junkfood-Werbung.

„Knallbunt, extrem süß oder sauer, aber vollgestopft mit teils gefährlichen Zusatzstoffen – der Candy-Trend ist schon lange kein lustiges Jugendphänomen mehr, sondern eine ernsthafte Gefahr für Minderjährige. Die Süßigkeiten und Snacks, die über Tiktok & Co.völlig legal an ein junges Millionenpublikum vermarktet werden und dabei oft gesundheitsgefährdende Substanzen enthalten, müssen von deutschen Behörden lückenloser kontrolliert und notfalls vom Markt genommen werden“, forderte Luise Molling von foodwatch.

Vermarktung an Kinder und Jugendliche über soziale Medien

Knallbunte und oft extrem schmeckende Süßigkeiten, Getränke und Snacks aus dem Ausland werden vor allem über soziale Medien vermarktet. Kinder und Jugendlichen sammeln diese wie Statussymbole und präsentieren sie untereinander. Zu kaufen gibt es die Produkte sowohl online als auch offline in Candy-Shops. Diese gibt es inzwischen in jeder größeren Innenstadt. Auch Supermärkte haben den Trend erkannt und bieten erste Produkte an.

Die Ergebnisse des foodwatch-Marktchecks:

Gesundheitsgefährdende Inhaltsstoffe:

Viele der Süßigkeiten und Snacks sind die reinsten Zusatzstoffcocktails. Zutatenlisten mit bis zu zwanzig E-Nummern sind keine Seltenheit. Einige dieser Zusatzstoffe sind zwar sicher, andere hingegen bergen mögliche gesundheitliche Risiken. Darunter die Azofarbstoffe mit den Nummern E102, E104, E110, E122, E124 und E129. Diese stecken in vielen Süßwaren und auch einigen salzige Snacks insbesondere aus den USA. Azofarbstoffe können Pseudoallergien auslösen und stehen unter Verdacht, bei Kindern Hyperaktivität und Aufmerksamkeitsstörungen auszulösen.

Der seit 2010 in der EU vorgeschriebene Warnhinweis hat dazu geführt, dass Azofarbstoffe fast vollständig aus den hiesigen Supermarktregalen verschwunden sind. Mit den importierten Süßwaren kehren sie nun wieder zurück. Weitere kritische Zusatzstoffe sind Tert-Butylhydrochinon/TBHQ (E319) und Butylhydroxytoluol/BHT (E321): Für TBHQ gibt es unter anderem den Verdacht auf eine krebserregende Wirkung und eine Beeinträchtigung der Immunabwehr. Für den Konservierungsstoff BHT besteht unter anderem der Verdacht, dass der Hormonhaushalt durch den Konsum gestört werden kann. Da BHT in großen Mengen zur Blausucht und sogar zum Erstickungstod führen kann, ist es für Säuglings- und Folgenahrung nicht zugelassen. Produkte wie Airheads, Dr. Sour oder Toxic Waste enthalten zudem hohe Anteile an Zitronensäure (E330), teils aber auch Apfelsäure, Milchsäure oder Fumarsäure. Der hohe Säuregehalt greift insbesondere den empfindlichen Zahnschmelz von Kinderzähnen an.Säurehaltige flüssige Sprays bergen bei unsachgemäßem Gebrauch zudem die Gefahr der schweren Reizung von Augen und Haut.

Mangelhafte Kennzeichnung:

Sowohl online als auch offline halten Hersteller und Händler die Kennzeichnungsregeln nicht ein:

Mal gibt es keine Zutatenlisten, mal keine Nährwertangaben. Oft sind die Zusatzstoffe nicht ordnungsgemäß bezeichnet oder die Übersetzungen fehlerhaft oder unvollständig. Darüber hinaus fehlt bei etlichen Produkten mit Azofarbstoffen der vorgeschriebene Warnhinweis „Kann Aktivität und Aufmerksamkeit bei Kindern beeinträchtigen“. Auf den Verpackungen selbst ist zudem die Beschriftung etlicher Produkte so klein, dass sie mit dem bloßen Auge kaum zu entziffern ist.

Marketing über soziale Medien:

Die Hersteller und die Candy-Shops, in denen ihre Produkte verkauft werden, nutzen insbesondere Instagram und TikTok, um ihre Produkte an das oft sehr junge Zielpublikum zu bringen. Dabei bedienen sie sich verschiedener Strategien: „Challenges“, also die Aufforderung an junge Menschen, ihren „Mut“ unter Beweis stellen, indem sie extrem saure oder eklige Süßigkeiten essen und ihre Reaktion darauf filmen. „Boxing-Videos“, in denen besonders große Bestellungen von Kund:innen erwähnt werden, inklusive deren Vornamen. Eines dieser Videos, in dem tatsächlich einfach nur die bestellten Produkte in einen Karton gepackt werden, wurde über fünf Millionen mal angesehen und hat über eine halbe Million Likes.

Zuletzt gibt es Unternehmen, die gezielt Influencer:innen einsetzen, um das Vertrauen der jungen Zielgruppe zu gewinnen: Unter den „Candyfluencern“ sind eine junge Frau und ein junger Mann, die im Namen der „Sugargang“ Social-Media-Marketing betreiben. Die Sugargang werden auf Live-Events von eindeutig minderjährigen Kindern wie die größten Idole gefeiert. Das jüngste in einem Video erscheinende Kind ist vier Jahre alt und bekommt überzuckerte amerikanische Frühstücksflocken mit Azofarbstoffen geschenkt.

foodwatch fordert Maßnahmen der Politik

Angesichts des gefährlichen Candy-Trends forderte foodwatch wirksame Maßnahmen der Politik:

  • Erstens brauche es eine effektive Überwachung von Online-Shops durch die Lebensmittelüberwachungsbehörden.
  • Die Zuständigkeiten müssten gebündelt und von den Landkreisen auf den Bund übertragen und personell besser ausgestattet werden.
  • Besonders kritische Zusatzstoffe müssten bei Zweifeln an der Sicherheit im Sinne des EU-Vorsorgeprinzips verboten werden,
  • Mindestschriftgrößen müssen erhöht werden, damit Inhaltsstoffe immer gut lesbar sind.
  • Schließlich müsse es umfassende Werbebeschränkungen auf allen Kanälen geben.

Werbung für Ungesundes, dazu zähle auch „extreme Candy“, habe einen negativen Einfluss auf die Ernährungsgewohnheiten von Kindern, die ohnehin schon bereits doppelt so viele Süßwaren und Snacks zu sich nehmen wie empfohlen, so foodwatch.

Quellen und weiterführende Informationen:

Quelle: Pressemitteilung foodwatch e.V.




Den eigenen Körper wahrnehmen – schon Babys spüren Herzschlag und Atmung

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Körpersignale spielen bereits im Säuglingsalter eine Rolle in der Entwicklung

Körpersignale wie Herzschlag und Atmung begleiten uns ständig, oft unbewusst als Hintergrundrauschen unserer Wahrnehmung. Bereits in den ersten Lebensjahren sind diese Signale wichtig, da sie etwa zur Entwicklung des Selbstgefühls und der eigenen Identität beitragen. Bislang ist jedoch kaum erforscht, ob und wie Babys ihre eigenen Körpersignale wahrnehmen können. Eine aktuelle Studie der Wiener Kinderstudien der Universität Wien zeigt erstmals, dass bereits drei Monate alte Babys ihren Herzschlag wahrnehmen. Darüber hinaus untersuchte das leitende Team der Universität Wien gemeinsam mit Kolleg*innen der Universität Potsdam und der Royal Holloway University of London erstmals auch die Wahrnehmung der eigenen Atmung bei Säuglingen und zeigt, dass sich diese in den ersten zwei Lebensjahren entwickelt. Die Ergebnisse erscheinen aktuell im renommierten Fachjournal eLife.

Die Wahrnehmung körpereigener Signale hängt eng mit der Emotionswahrnehmung, psychischen Gesundheit und Selbstwahrnehmung zusammen. In den ersten Lebensjahren könnte die Wahrnehmung der eigenen Körpersignale besonders wichtig sein, da sie oft die Basis für Interaktionen mit der Bezugsperson bildet – Babys sind auf ihre Bezugsperson angewiesen, um beispielsweise auf ihre Hungersignale oder Unwohlsein angemessen zu reagieren. Zudem baut die Entwicklung des Selbstgefühls und der eigenen Identität unter anderem auf der Wahrnehmung und Erfahrung des eigenen Körpers auf.

Die Studie zeigt, dass bereits 3 Monate alte Babys den eigenen Herzschlag wahrnehmen und, dass diese Fähigkeit in den ersten 2 Lebensjahren relativ stabil bleibt. Gleichzeitig zeigen die Ergebnisse, dass sich die Wahrnehmung der Atmung im 2. Lebensjahr stark verbessert. Interessanterweise hängen die Wahrnehmung von Herzschlag und Atmung nicht zusammen – ähnlich wie bei Erwachsenen.

Die Messung der Körperwahrnehmung bei Babys ist eine Herausforderung, da man sie – anders als Erwachsene – nicht einfach fragen kann. Daher nutzte das Forschungsteam innovative Methoden, bei denen Augenbewegungen der Säuglinge aufgezeichnet wurden, während sie kinderfreundliche Figuren beobachteten. Diese Figuren bewegten sich entweder synchron mit Herzschlag oder Atmung des Kindes, oder sie waren zeitlich versetzt. Es zeigte sich, dass Babys bereits früh die Übereinstimmung zwischen eigenem Herzschlag bzw. Atemrhythmus und den animierten Figuren erkennen. Sie schauten länger zum Bildschirm bei den synchronen als bei den zeitlich versetzten Figuren. „Die Babys müssen erkannt haben, dass sich die Figuren zeitgleich zu ihrem Herzschlag oder der Atmung bewegten und wurden dann aufmerksamer“, sagt der Leiter der Studie, Markus Tünte von der Universität Wien.

Diese Forschungsergebnisse eröffnen spannende Perspektiven für zukünftige entwicklungspsychologische Forschung. Besonders relevant ist die Frage, wie die frühe Körperwahrnehmung mit der Entwicklung emotionaler und sozialer Fähigkeiten zusammenhängt, und welche Rolle Eltern in der Entwicklung frühkindlicher Körperwahrnehmung spielen. Langfristig können solche Forschungsergebnisse genutzt werden, um eine gesunde Körperwahrnehmung, und damit auch die psychische Gesundheit von Kindern zu fördern.

Originalpublikation:

Respiratory and Cardiac Interoceptive Sensitivity in the First Two Years of Life. Markus R. Tünte, Stefanie Hoehl, Moritz Wunderwald, Johannes Bullinger, Asena Boyadziheva, Lara Maister, Birgit Elsner, Manos Tsakiris, Ezgi Kayhan. In eLife.

DOI: 10.7554/eLife.91579

Quelle: Pressemitteilung Universität Wien




Zucker, Zusatzstoffe und Bisphenol – fast alle Energydrinks fallen durch

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Verbände und Mediziner fordern eine Altersgrenze für den Verkauf von Energydrinks

Immer mehr Verbände und Mediziner fordern eine Altersgrenze für den Verkauf von Energydrinks. Sie stecken voller Zucker, Zusatzstoffe und Koffein. Aber nicht nur das: Öko-Test bemängelt im Großteil der Testprodukte die Industriechemikalie Bisphenol A.

Öko-Test hat 22 koffeinhaltige Energydrinks getestet

Öko-Test hat 22 koffeinhaltige Energydrinks getestet. In den meisten Produkten steckt laut Öko-Testzu viel Zucker. In einigen umstrittene Zusatzstoffe. Außerdem hat das von Öko-Test beauftragte Labor in fast allen Getränken die Industriechemikalie Bisphenol A (BPA) nachgewiesen – häufig in Gehalten, die die Verbraucherschützer als „stark erhöht“ einstufen.

BPA kann das Hormonsystem beeinflussen und ist seit 2016 offiziell als reproduktionstoxisch eingestuft. Es wird auch mit erhöhtem Brustkrebsrisiko, Übergewicht, neurologischen Schäden und Verhaltensauffälligkeiten bei Kindern in Zusammenhang gebracht.

Nach einer Einschätzung der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) soll BPA außerdem bereits in sehr geringen Mengen das Immunsystem beeinträchtigen. Deshalb hat die EFSA vor zwei Jahren die am Körpergewicht orientierte Tagesdosis an BPA, die sie noch für gesundheitlich vertretbar hält – den TDI – stark abgesenkt.

Bei der Bewertung im Test rechnet Öko-Test mit einer 60 Kilogramm schweren Person – das entspricht etwa dem Gewicht von Jugendlichen. Bei über der Hälfte der Testprodukte sind die BPA-Gehalte so hoch, dass ein Jugendlicher den TDI der EFSA zu mehr als 100 Prozent ausschöpft, wenn er täglich eine 250-Milliliter-Dose trinkt.

Nur bei zwei Produkten im Test werten die Verbraucherschützer kein BPA ab, da es laut Laborbericht nicht nachweisbar oder nur in sehr geringen Mengen enthalten war. Dennoch: Kein Energydrink schafft eine bessere Note als „ausreichend“.

Weitere Information finden Sie in der Maiausgabe des Öko-Test-Magazins und online unter: oekotest.de/15411

Quelle: Pressemitteilung Öko-Test