Neue Autorität: Wenn Lehren auf Beziehung statt Bestrafung baut

Martin Lemme, Bruno Körner: „Neue Autorität“ in der Schule – Präsenz und Beziehung im Schulalltag

Wenn die Zeit für umfangreiche Fachliteratur fehlt, sind die Spickzettel für Lehrerinnen aus dem Carl-Auer Verlag eine willkommene Alternative: kompakt, praxisnah und inhaltlich dicht. Band 16 der Reihe, „Neue Autorität in der Schule“ von Martin Lemme und Bruno Körner, ist ein solches Büchlein – und hat es in sich.

In klar strukturierten, aufeinander aufbauenden Kapiteln skizzieren die Autoren einen Leitfaden für den professionellen Umgang mit herausforderndem Verhalten an Schulen. Die dahinterliegende Haltung ist geprägt von den Prinzipien der Gewaltfreien Kommunikation und aktuellen psychologischen Erkenntnissen. Aufbauend auf Haim Omers Konzept der „Neuen Autorität“ aus den 1980er-Jahren, übertragen Lemme und Körner dessen Kerngedanken überzeugend auf die schulische Praxis.

Dabei gelingt ihnen etwas Seltenes: Sie stellen bestehende Routinen nicht anklagend infrage, sondern nehmen gängige pädagogische Verhaltensweisen auf, reflektieren sie und transformieren sie behutsam. Wo der Schulalltag oft mit Strafen und „Konsequenzen“ auf abweichendes Verhalten reagiert, plädieren die Autoren für eine neue Form von Autorität – eine, die auf innerer Ruhe, Präsenz und Beziehung basiert. Selbst im „Schweigenden Gespräch“, das drei Minuten Stille aushält, bleibt diese Haltung spürbar zugewandt.

Lesende werden sich dabei nicht selten an Lehrpersonen erinnert fühlen, die sie selbst erlebt haben – im Positiven wie im Negativen. Gerade deshalb bietet dieses Buch wertvolle Impulse, um im Kollegium gemeinsam über bestehende Praktiken nachzudenken.

Insbesondere der verbreitete Umgang mit Entschuldigungen, Verträgen oder Sanktionen wird kritisch beleuchtet. Die Autoren zeigen auf, wie solche Maßnahmen, so gut gemeint sie sein mögen, oft an der Integrität der Schüler*innen vorbeizielen. Hier knüpfen sie an Jesper Juuls Werteverständnis an und entlarven manche gängige Praxis als pädagogisch fragwürdig.

Zwar hätten einige praxisnahe Fallbeispiele den Text anschaulicher gemacht – dennoch bleibt das Büchlein ein überzeugender, gut lesbarer Leitfaden. Es liefert Anregungen zur Selbstreflexion und eröffnet Wege aus Eskalationsspiralen – ohne erhobenen Zeigefinger, dafür mit Haltung.

Daniela Körner (Lehrkraft, nicht mit dem Autor verwandt oder verschwägert)

Martin Lemme, Bruno Körner
„Neue Autorität“ in der Schule
Präsenz und Beziehung im Schulalltag
Spickzettel für Lehrer
Band 16,
6. Auflage,
Softcover, 123 Seiten
ISBN 978-3-8497-0429-2
Carl-Auer Verlag
Heidelberg 2022
16,95 €

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Jahreszeitliches Lernen im Garten: Natur erleben und gestalten

gartenwerkstatt

Sabine Lohf: Die große Gartenwerkstatt

Immer weniger Kinder haben einen engen Bezug zur Natur – mit spürbaren Folgen: Wo Naturverbundenheit fehlt, sinkt oft auch die Bereitschaft, sich für Umwelt- und Naturschutz zu engagieren. Dabei lieben viele Kinder den Umgang mit Pflanzen, Tieren und natürlichen Materialien. Und auch wenn es heißt: „Es gibt kein schlechtes Wetter, nur falsche Kleidung“, sind unsere Jüngsten doch am liebsten draußen, wenn die Sonne scheint und es angenehm warm ist. Insofern ist jetzt die beste Gartenzeit!

Ein Buch voller Ideen

Passend zur Gartensaison hat der Gerstenberg Verlag den fünften Band seiner Kreativwerkstatt mit Sabine Lohf veröffentlicht. In „Die große Gartenwerkstatt“ wird der eigene Garten zum Ausgangspunkt für über 150 kreative und praktische Ideen. Die erfahrene Fotografin, Autorin und Illustratorin hat die Projekte übersichtlich den vier Jahreszeiten zugeordnet – mit einem bunten Mix aus praktischen Gartenarbeiten, spannenden Entdeckungen und fantasievollen Bastelaktionen.

garten

Mit Kindern draußen aktiv werden – das ganze Jahr über

Das Buch spricht die Kinder direkt an. Viele der Anregungen eignen sich aber auch für Kindergartenkinder, die noch nicht lesen können. Neben Klassikern wie dem Anpflanzen von Gartenkresse in verschiedenen Varianten finden sich auch anspruchsvollere Projekte, die das räumliche Denken und die Vorstellungskraft fördern – etwa durch den Bau kleiner Gartenmodelle oder die Planung eigener Beete.

Gartenprojekte mit Mehrwert: Lernen durch Tun

Projekte wie ein selbstgebautes Insektenhotel oder ein Mini-Teich im Waschzuber bringen Kindern ökologische Zusammenhänge näher. Das handlungsorientierte Lernen macht Natur erlebbar – und stärkt gleichzeitig die Selbstwirksamkeit der Kinder.

gartenbuch

Kreativ durch den Jahreskreis

Sabine Lohfs neues Buch ist eine schöne Sammlung von Gartenideen und -aktivitäten für Familien, Kitas und Grundschulen. Es lädt dazu ein, Naturerlebnisse zu fördern, Umweltbewusstsein zu stärken und gemeinsam aktiv zu werden. „Die große Gartenwerkstatt“ bietet über das ganze Jahr hinweg vielseitige Anregungen – für eine Kindheit mit Erde unter den Fingernägeln und leuchtenden Augen im Garten.

Gernot Körner

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Sabine Lohf: Die große Gartenwerkstatt

Über 150 kreative Ideen
260 mm x 200 mm x 13 mm
durchgehend farbig
144 Seiten, Softcover
ab 6 Jahren
1.Auflage 2025
ISBN 978-3-8369-6286-5
22,00 € *

Gerstenberg Verlag




Wie Smartphones die frühkindliche Entwicklung stören können

Studie zeigt: Elterliche Handynutzung in Gegenwart von Kleinkindern kann deren Verhalten und Bindung beeinträchtigen

Eine aktuelle Metaanalyse zeigt: Wenn Eltern im Beisein ihres Kleinkindes regelmäßig digitale Medien nutzen, wirkt sich das negativ auf die Entwicklung des Kindes aus. Die sogenannte „Technoferenz“ – also die Ablenkung durch Smartphones oder Tablets – steht in Zusammenhang mit schwächeren kognitiven Fähigkeiten, häufigerem problematischem Verhalten, weniger prosozialem Handeln und einer geringeren emotionalen Bindung zwischen Eltern und Kind.

Digitale Ablenkung hat messbare Folgen

Analysiert wurden 21 Studien mit insgesamt fast 15.000 Familien aus zehn Ländern. Die Ergebnisse belegen, dass die elterliche Nutzung digitaler Geräte mit emotionalen und sozialen Auffälligkeiten bei Kindern unter fünf Jahren korreliert. Gleichzeitig verbringen diese Kinder selbst mehr Zeit vor Bildschirmen. Zwar sind die Effekte statistisch gesehen eher klein, doch angesichts der frühkindlichen Sensibilität können sie langfristig große Auswirkungen haben.

Handlungsbedarf in Familien und Kitas

Für pädagogische Fachkräfte ergibt sich daraus ein klarer Auftrag: Eltern sollten für die Auswirkungen ihrer eigenen Mediennutzung sensibilisiert werden. Frühkindliche Bildungsangebote können hier unterstützend wirken – durch Beratung, Aufklärung und praktische Anregungen für einen achtsamen Medienumgang im Familienalltag.

Quelle: https://jamanetwork.com/journals/jamapediatrics/article-abstract/2833506

Medienkompetenz beginnt bei den Erwachsenen

Kinder kommen heute früh mit digitalen Medien in Kontakt – zu Hause, im Kindergarten und in der Freizeit. Diese Alltagspräsenz weckt Interesse und Neugier, stellt aber auch pädagogische Fragen. Medienkompetenz zählt heute zu den Schlüsselkompetenzen und sollte altersgerecht entwickelt werden.

Dabei geht es nicht nur um das Ob, sondern um das Wie: Welche Inhalte sind geeignet, wie lange ist die Nutzung sinnvoll, und welche Rolle spielen Alter und Kontext? Diese Überlegungen betreffen bereits die Jüngsten – vom Krippen- bis ins Grundschulalter.

Wenn digitale Medien zum Thema in der frühen Bildung werden, ist eine sorgfältige Auseinandersetzung nötig. Diese Streitschrift fordert dazu auf, Nutzung und Wirkung differenziert zu betrachten.

Broschüre, 28 Seiten, ISBN: 9783963046193, 5 €




Lillys Welt: Wenn Fantasie Flügel verleiht

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Sara O’Leary/Julie Morstad: Das ist Lilly

Realität wahrzunehmen ist etwas, das wir erst lernen müssen. Zugegeben, manch einem gelingt das ein Leben lang nicht, und andere mögen sich fragen, ob es überhaupt erstrebenswert ist. Die Wissenschaft ist sich jedoch weitgehend einig: Das Realitätsverständnis entwickelt sich im Grundschulalter. Zuvor lernen Kinder, zwischen Fiktion und Wirklichkeit zu unterscheiden – in jener Zeit durchleben sie die sogenannte „magische Phase“. Diese beginnt etwa mit drei Jahren und endet meist erst mit dem Schuleintritt. In dieser Phase ist in ihrer Vorstellungswelt alles möglich.

In genau dieser magischen Phase lebt die kleine Lilly. Mal ist ihre Schachtel ein riesiges Boot, viele ihrer Freunde wohnen zwischen den Seiten von Büchern. Sie war schon eine Meerjungfrau, ein Junge, der von Wölfen aufgezogen wurde, erlebte Abenteuer im Wunderland oder behauptete sich heldenhaft in der Märchenwelt. Langeweile kennt Lilly in ihrer Fantasiewelt nicht. Es gibt so viel zu machen, zu erleben – und zu sein.

Für das neue Bilderbuch „Das ist Lilly“ haben sich zwei erfahrene kanadische Künstlerinnen zusammengetan. Autorin Sara O’Leary, bekannt für zahlreiche Kindergeschichten, und Julie Morstad, deren Illustrationen ebenso zahlreich wie einfühlsam sind. O’Leary entwirft mit Lillys Fantasiewelt ein tiefes Porträt kindlicher Vorstellungskraft. Das ist oft witzig, manchmal spannend – und immer faszinierend. Kinder werden Lilly gut verstehen, weil sie ihrer eigenen inneren Welt sehr nahekommt. Das Buch lädt nicht nur zum Träumen, sondern auch zur Reflexion und zum gemeinsamen Austausch ein.

Eines ist dabei sicher: „Lillys Flügel tragen sie überallhin. Und bringen sie immer wieder nach Hause.“ Ein wunderschönes Bild – das wir uns doch alle für jedes Kind wünschen würden. Diesen poetischen Ton transportiert auch die äußerst gelungene Übersetzung von Diana Steinbrede hervorragend ins Deutsche.

Julie Morstad hat die Geschichte in hellen, freundlichen Farben illustriert. Jede Zeichnung bietet einen tiefen Einblick in Lillys Seelenlandschaft. Und es gibt viel zu entdecken: Ein Buch wird zum Pool, in den Lilly eintaucht; als kleine Meerjungfrau schwimmt sie durch eine geheimnisvolle Welt aus Meeresalgen oder sitzt versteckt in einem Baum, um mit den Vögeln zu plaudern.

O’Learys und Morstads neues Bilderbuch ist rundum gelungen. Vor allem aber bietet es Kindern die Möglichkeit, sich in ihrer eigenen Fantasiewelt wiederzuerkennen – und dadurch sich selbst ein Stück näherzukommen.

Gernot Körner

O’Leary, Sara
Das ist Lilly

Bilderbuch
Übersetzung: Steinbrede, Diana
Gebunden, 1. Auflage, Von Hacht (2025)
ISBN: 978-3-96826-052-5
18,00 €




„Musik ist ein Geschenk“ – Marko Simsa über die Kraft der Klänge für Kinder

Wie der Wiener Künstler seit vier Jahrzehnten Kinder für Musik begeistert – und warum er pädagogischer Arbeit größten Respekt zollt

Seit vier Jahrzehnten bringt der Wiener Künstler Marko Simsa mit seinem kleinen Ensemble vorwiegend klassische Musik auf Kinderbühnen – lebendig, humorvoll und mit großem pädagogischem Feingefühl. Für SPIELEN UND LERNEN erzählt er, warum Musik für Kinder mehr ist als Unterhaltung, wie Konzerte zur Initialzündung fürs eigene Musizieren werden – und weshalb er der Bildungsarbeit mit Kindern großen Dank ausspricht.

„Ich bin eigentlich Siebdrucker“, sagt Marko mit einem Augenzwinkern, „kein ausgebildeter Musiker, kein Schauspieler.“ Und doch steht er seit 40 Jahren auf der Bühne – mit Begeisterung, die ansteckt. Er erzählt Geschichten, singt, moderiert, lässt Kinder mitmachen, sich bewegen und lachen. „Der Humor ist ein Schlüssel. Kinder haben oft schon einen feinen Schmäh, wie wir in Wien sagen. Wenn sie lachen, sind sie offen – auch für Mozart oder Strauß.“

Diese Offenheit greift Marko auf und führt sie weiter: „Ich will Kindern Gusto machen auf Musik – auf klassische, auf weltweite, auf jede Art von Musik. Wenn ich sehe, wie sie aufhorchen, mitmachen, begeistert sind, dann weiß ich: Es funktioniert.“

Gemeinsam für Mozart für Kinder: Marko Simsa (Mitte), Alfredo Garcia-Navas (links), Nora Samandjiev (rechts). (Foto von Beate Hofstadler). Und hier geht es zum Pocast mit Marko (unten). Einfach draufklicken und los geht es.

„Musik soll kein Fremdwort sein“

Musik ist für Marko weit mehr als ein kulturelles Angebot – sie gehört für ihn zum Menschsein. „Ich glaube, dass Musik für Kinder nicht viel anderes bedeutet als für Erwachsene. Sie kann uns trösten, aufheitern, durch den Tag begleiten.“ Und: Musik wirkt nachhaltig. „Wenn du als Kind mal Vivaldi oder Mussorgsky gehört hast, dann ist das später nichts Fremdes. Dann bleibt es ein Teil deines Lebens.“

Deshalb will er Kinder nicht nur aktiv musizieren lassen, sondern auch ihre Hörkompetenz stärken. „Meine Konzerte sollen in erster Linie unterhalten. Wenn dabei ein Aha-Erlebnis entsteht oder ein Kind plötzlich ein Instrument erkennt – wunderbar. Aber zuerst kommt die Freude.“

„Viele Kinder wollen danach selbst musizieren“

Immer wieder erhält Marko Rückmeldungen, dass seine Konzerte bleibende Spuren hinterlassen. „Eine Mutter hat mir erzählt: ‚Meine Tochter lernt jetzt seit drei Jahren Cello, weil sie das bei euch gesehen hat.‘ Oder ein Kind will Horn spielen, weil es das bei Peter und der Wolf gehört hat.“

Dabei sei das eigene Musizieren oft fordernd, aber umso wertvoller. „Es prägt, es verändert den Alltag. Und vor allem: Gemeinsames Musizieren – sei es im Chor oder Ensemble – ist etwas ganz Besonderes. Schon das gemeinsame Singen im Kindergarten bleibt im Gedächtnis.“

„Lasst die Musik im Kindergarten“

Auf die Rückläufigkeit von musikalischen Aktivitäten in den Kindertageseinrichtungen angesprochen, antwortet Marko. „Ich glaube, es liegt nicht an den Pädagog*innen – viele leisten unglaublich viel. Aber wenn der Rahmen enger wird, wenn alles dokumentiert werden muss, dann ist Musik oft das Erste, das gestrichen wird.“ Dabei sei sie ein „starker Motor für Entwicklung – emotional, sozial, sprachlich“.

Er beobachtet die Wirkung auch in seiner Familie: „Ich habe zwei Enkelkinder, vier und sechs Jahre alt. Wenn Musik läuft, passiert etwas. Da wird sich bewegt, da entstehen Stimmungen.“ Dabei gehe es nicht um formale Bewegungseinheiten: „Ich sage bewusst nicht tanzen, sondern sich zur Musik bewegen. Kinder machen das intuitiv – das ist wertvoll und sollte erhalten bleiben.“

„Wenn Schulklassen kommen, ist das ein Geschenk“

Ein zentrales Anliegen ist Marko die Zusammenarbeit mit Schulen. „Wenn eine Klasse ins Konzert kommt, dann habe ich wirklich alle Kinder im Publikum – nicht nur die, deren Eltern sowieso kulturell aktiv sind. Das ist mir besonders wichtig, weil Musik kein Elitenprogramm sein soll.“

Er zollt den Lehrkräften und Pädagog*innen besonderen Respekt: „Was die auf sich nehmen – mit Öffis oder Bus anreisen, Jacken organisieren, Gruppen begleiten – das ist eine große Leistung. Und viele bereiten die Kinder auch inhaltlich auf das Konzert vor. Wir stellen dafür Materialien zur Verfügung. Ich sag einfach: Danke – denn ohne euch wären diese Erlebnisse nicht möglich.“

Hier geht es zu einem YouTube-Video mit Marko Simsa. Der Künstler stellt hier sein Projekt „Das bunte Kamel, Reise durch den Orient“ vor. Viel Spaß!

„Die Eltern tanzen Walzer – und das Publikum strahlt“

Besonders lebendig wird es bei Simsas Johann-Strauß-Konzerten. „Da machen wir eine Polka-Einlage: zweimal links, zweimal rechts. Und ich lade auch die Erwachsenen ein, mitzumachen – einfach zum Spaß. Und die meisten stehen wirklich auf.“

Am Ende wird gemeinsam Walzer getanzt – Eltern mit ihren Kindern, mitten im Konzertsaal. „Da entsteht eine besondere Stimmung – leicht, herzlich, verbindend. Es ist einfach schön.“

Auch Erwachsene nehmen viel mit: „Viele sagen mir nach einem Konzert: ‚Ich habe das schon oft gehört, aber jetzt habe ich die Geschichte dahinter verstanden.‘ Zum Beispiel bei Smetanas Moldau. Wenn man die Quellen hört, das Jagdsignal, die Feen – dann wird Musik zur Erzählung.“


Aufführungstermine von Marko Simsa 2025 (chronologisch):

  • Sa., 24. Mai – 16:00 Uhr
    Tschiribim, Tschiribam – Klezmer für Kinder
    St. Pölten, Ehemalige Synagoge
  • So., 1. Juni – 11:00 & 15:00 Uhr
    Die Kinderlieder-Schatzkiste
    2294 Schloss Hof, Schloss, Schloss Hof 1
  • So., 22. Juni – 11:00 & 14:00 Uhr
    J. Strauß für Kinder – Walzerschritt & Polkahit
    Oestrich-Winkel, Kelterhalle, Rheinallee 1, Rheingau Musik Festival
  • Mi., 6. August – 11:00 Uhr
    Tschiribim – Klezmermusik für Kinder
    St. Gilgen, Kindermusikfestival, Mozarthaus St. Gilgen, 5340 St. Gilgen
  • Fr., 15. August – 11:00 & 15:00 Uhr
    Das Zookonzert (Quintettfassung)
    2294 Schloss Hof, Schloss, Schloss Hof 1
  • Fr., 29. August – 16:00 Uhr
    Die Kinderlieder-Schatzkiste
    Schloss Herzogenburg, Prandtauerring 2, 3130 Herzogenburg
  • So., 31. August – 11:00 & 15:00 Uhr
    Der kleine Bär und das Zirkusfest
    2294 Schloss Hof, Schloss, Schloss Hof 1
  • So., 21. September – 11:00 Uhr
    Tschiribim – Klezmermusik für Kinder
    Wien, Theater am Spittelberg, 1070 Wien, Spittelberggasse 10
  • Mi., 8. Oktober – 16:00 Uhr
    Walzerschritt & Polkahit – Johann Strauß für Kinder
    Horn, Jeunesse Horn, Kunsthaus Horn, 3580 Horn
  • Fr., 10. Oktober – 16:00 Uhr
    Der kleine Bär und das Zirkusfest
    Wien, Kabarett Niedermair, Lenaugasse 1a, 1080 Wien
  • Sa., 11. Oktober – 17:00 Uhr
    Walzerschritt & Polkahit – Johann Strauß für Kinder
    Wörgl, Jeunesse Wörgl, KOMMA, Pichlerstr 21A, 6300 Wörgl
  • So., 12. Oktober – 14:00 Uhr
    Nachtmusik und Zauberflöte – Mozart für Kinder
    Wien, Haus der Musik, Seilerstätte 30a, 1010 Wien
  • So., 12. Oktober – 16:00 Uhr
    Walzerschritt & Polkahit – Johann Strauß für Kinder
    Wien, Haus der Musik, Seilerstätte 30a, 1010 Wien
  • Fr., 17. Oktober – 15:00 & 16:30 Uhr
    Die vier Jahreszeiten – Vivaldi für Kinder
    Klosterneuburg, Kulturamt, Kellertheater Wilheringerhof, 3400 Klosterneuburg
  • Sa., 25. Oktober – 11:00 Uhr
    Walzerschritt & Polkahit – Johann Strauß für Kinder
    Bamberg, Bamberger Symphoniker, Konzerthalle, Mußstraße 1, D-96047 Bamberg

Wer mehr über die Arbeit von Marko Simsa erfahren möchte, findet dazu einiges unter https://markosimsa.at/

Johann Strauß für Kinder

Aus Anlass des 200. Geburtstages des Weiner Walzerkönigs Johann Strauß hat Marko Simsa das Buch „Johann Strauß für Kinder – Walzerschritt und Polkahit“ herausgebracht. Mit seinem neuen Buch lädt Marko Simsa Kinder ab fünf Jahren zu einer musikalischen Zeitreise in die Welt der berühmten Wiener Familie Strauß ein. Zum 200. Geburtstag von Johann Strauß Sohn präsentiert er schwungvolle Walzer und Polkas und erzählt unterhaltsam aus dem Leben der Musikerfamilie. Die musikalischen Klassiker – darunter Werke von Johann, Josef und Eduard Strauß – werden durch die lebendigen Illustrationen von Silke Brix ergänzt. Die enthaltene CD (oder der digitale Download) lädt zum Mitsingen, Mittanzen und Mitfühlen ein – ein klangvolles Porträt für junge Musikentdeckerinnen und -entdecker im Strauß-Jahr 2025.

Marko Simsa

Walzerschritt und Polkahit. Johann Strauß für Kinder

Buch mit CD
Illustrationen: Silke Brix
Empfohlen für Kinder ab 5 Jahren
Hardcover: 230 x 300 mm, 32 Seiten
Jumbo Verlag
ISBN: 978-3-8337-4800-4
24 €

Gernot Körner




Spurensuche im Hyänenkot: Wie das Wollnashorn an den Bodensee kam

Ein neues Erklärvideo zeigt, wie Umweltgenomik faszinierende Einblicke in die Eiszeit liefert – und macht komplexe Forschung für Kinder verständlich

Wo heute Spaziergängerinnen und Radfahrer am Bodenseeufer unterwegs sind, stapften vor Jahrtausenden Mammuts, Höhlenlöwen – und Wollnashörner. Dass diese längst ausgestorbenen Tiere einst in der Region lebten, belegen heute keine Knochenfunde, sondern weitaus unscheinbarere Spuren: fossiler Kot, Bodensediment – und moderne DNA-Analysen.

Junge Zuschauerinnen und Zuschauer im Fokus

Das neue Erklärvideo „Ein Häufchen Detektivarbeit – Wie das Wollnashorn an den Bodensee kam“, produziert von der Universität Konstanz in Zusammenarbeit mit dem Animationsstudio Midnight Motion, macht Umweltforschung greifbar – wortwörtlich. Es richtet sich besonders an junge Zuschauerinnen und Zuschauer, die erfahren, wie Wissenschaftlerinnen wie Umweltgenomikerin Dr. Laura Epp mithilfe genetischer Untersuchungen die Vergangenheit rekonstruieren.

Archäologische Spurensuche mit Hightech

Im Mittelpunkt des Films stehen Proben, die Tausende Jahre alt sind – darunter sogenannte Koprolithen, versteinerter Kot aus Hyänenhöhlen in Süddeutschland. Was für Laien unspektakulär klingt, ist für die Forschung eine Goldgrube: Die darin enthaltene Umwelt-DNA erlaubt Rückschlüsse auf ausgestorbene Tiere und frühere Lebensräume. So konnte das Team um Laura Epp unter anderem das Vorkommen des europäischen Wollnashorns in der Bodenseeregion belegen.

Doch das Video zeigt nicht nur spektakuläre Ergebnisse, sondern auch, wie Wissenschaft funktioniert: mit Geduld, viel Analysearbeit – und manchmal auch einer Prise Humor.

Wissenschaft zum Weitergeben

Das Erklärvideo ist unter einer Creative-Commons-Lizenz (CC BY-ND 4.0) erschienen und darf frei verwendet, aber nicht verändert oder neu vertont werden. Es eignet sich besonders für den Einsatz im Schulunterricht, in Museen, bei Bildungsveranstaltungen oder im Familienprogramm.

📽️ Zum Video: Ein Häufchen Detektivarbeit – Wie das Wollnashorn an den Bodensee kam
📚 Mehr zur Forschung: Website der Universität Konstanz

Quelle: Pressemitteilung Helena Dietz, Stabsstelle Kommunikation und Marketing, Universität Konstanz




Für einen notwendigen Perspektivwechsel auf das „schwierige Kind“

Tures, Andrea (Hrsg.): Das schwierige Kind? Herausforderndem Verhalten professionell begegnen

Schon das Fragezeichen hinter dem Buchtitel lässt aufhorchen und die Fragen aufkommen: ja, geht es um ein schwieriges Kind (als Etikettierung des ganzen Menschen) oder handelt es sich um ein Kind mit Schwierigkeiten in bestimmten Handlungsfeldern? Oder sind die Lebensbedingungen/ biographischen Einflüsse, denen das Kind ausgesetzt ist, schwierig? Sind es vielleicht die schwierigen, entwicklungshinderlichen Konzepte/ pädagogischen Strukturen in einer Einrichtung, die dem Kind Schwierigkeiten bereiten? … So macht schon der Titel mehr als neugierig und problematisiert die Formulierung >Das schwierige Kind<, wie es in den Köpfen und Sichtweisen sicherlich vieler pädagogischer Fachkräfte schnell bei einem Kind mit problembehafteten Ausdrucksformen herumgeistert.

Damit hat schon alleine der Titel des Buches für eine bedeutsame und wichtige Problematisierung der Zuordnung, es handele sich aufgrund eines bestimmten kindlichen Verhaltens um ein >schwieriges Kind<.

In 17 Fachartikeln, die diese Veröffentlichung beinhaltet, geht es um folgende Schwerpunkte, die gleichzeitig als Zielsetzung dienlich sind:

  • 1.) Nur mit einem konkreten, wissenschaftlich fundierten Hintergrundwissen können Fachkräfte eine professionelle Sichtweise entwickeln, durch die so genannte aggressive, desinteressierte, unsoziale, überdrehte, unkooperativ handelnde, systemsprengende Kinder nicht von vornherein als ‚verhaltensgestört‘ oder ‚therapie-/ veränderungsresistent‘ abgestempelt werden. Das führt zu einem Perspektivwechsel auf die Aspekte, was einem Kind fehlt, was es an ‚Seelenproviant‘ braucht und wo der tatsächliche Problemkern vorhanden ist.
  • 2.) Durch konkrete Hilfs-/Handlungsstrategien erfahren Leserinnen, was getan werden kann/ muss, um aus einer salutogenetischen Haltung heraus kritische Situationen in entwicklungsförderliche Veränderungsprozesse zu wandeln.
  • 3.) Nur durch das authentische Verstehen der Ursachen von herausforderndem Verhalten geschieht ein Perspektivwechsel auf das Kind – vom Negativ-Blick zum Konzept einer Arbeit, die sich auf das Kindeswohl und eine bedürfnisbefriedigende Pädagogik richtet.

Im ersten Teil des Fachbuches finden Leserinnen Grundlagen im Umgang mit herausforderndem Verhalten des Kindes (z.B. systematisches Handeln/ ethische Ausrichtung der Pädagogik/ Professionalität als unabdingbare Voraussetzung für eine bedürfnisorientierte Pädagogik).

Der zweite und umfangreichste Teil des Buches geht auf unterschiedliche Phänomene eines herausfordernden Verhaltens von Kindern ein (z.B. Verhaltensweisen, die so genannte >überdrehte, unkooperative und destruktiv handelnde, beißende, aggressive, theatralische, wilde, heikle, unsympathische, sprachlose< Kinder), wobei alle Beiträge ein festes Strukturmuster haben:

  • (a) Vermittlung von Wissensbausteinen, um das Kind zu verstehen und das gezeigte Verhalten des Kindes fachkompetent einordnen zu können;
  • (b) Vorstellung von konkreten Handlungsstrategien, Vorgehensweisen und Konzepten, um das Kind bei entwicklungsförderlichen Prozessen angemessen zu begleiten;
  • (c) Es folgt ein konkretes Beispiel aus der Praxis;
  • (d) Jedes Kapitel endet dann mit Hinweisen für Leitungskräfte/ Träger, welche Rahmenbedingungen und Strukturen die Praxisarbeit stabilisieren.

Außerdem werden Literaturhinweise, Podcasts/ Filme/ Videos und Weiterbildungshinweise gegeben. Merksätze, Reflexionsfragen, Kernbotschaften und Tipps werden in so genannten ‚Merkkästen‘ aufgeführt.

Fachkräfte in Krippen/ Kitas und Grundschulen werden dieses Fachbuch als einen großen Schatz entdecken, auch wenn es anstrengend ist, sich auf einen vollkommen neuen, aber notwendigen Perspektivwechsel einzulassen, sind es doch vor allem die Erwachsenen oder bestimmte, eingefahrene Arbeitsstrukturen, die die Kinder zu Symptomträgern werden lassen.

Armin Krenz

Tures, Andrea (Hrsg.): Das schwierige Kind? Herausforderndem Verhalten professionell begegnen.

Cornelsen/ Verlag an der Ruhr, Mülheim 2025. ISBN: 978-3-8346-5294-2. 288 Seiten, 34,99 €.




Klatschspiele und Sprechzeichnen für 4- bis 8-Jährige

Doering, Sabine: Klatschspiele und Sprechzeichnen für 4- bis 8-Jährige. Spaßgedichte für Sprachförderung, Rhythmus

Fingerspiele, Klatschspiele und Reime gehören zu den ersten Spielformen, die mit Kindern gemeinsam erlebt werden können. Diese Spielform zeichnet in erster Linie >Bewegung im Rhythmus< aus und damit erfüllen diese Spielaktivitäten neben der Freude am Reimen, an der Sprache, am Sprechen, an der Interaktionsnähe zum Erwachsenen und der motorischen Aktivität vor allem das Gefühl der Sicherheit und Annahme. Beide Aspekte bilden unter anderem die Grundlage für eine beziehungsorientierte Kommunikation und bindungssichere Selbstbildungsimpulse im Kind. Gleichzeitig ergibt sich – das zeigen wissenschaftliche Untersuchungen – aus einem intensiven Erleben von Finger- und Klatschspielen sowie aus motorisch umgesetzten Reimen (Reimspielen) bei Kindern der Wunsch, weiterhin neugierig sich selbst und die Welt um sie herum entdecken zu wollen. Damit ist auch der Grundstein für den Aufbau einer entstehenden Spielfähigkeit gewährleistet. Praxisbeobachtungen in Krippen und Kindertagesstätten offenbaren allerdings recht häufig, dass dieser übergreifenden Spielform zu wenig Beachtung geschenkt wird.

Insofern ist es sehr zu begrüßen, dass die Autorin – Logopädin und Legasthenie-Therapeutin – ein Buch veröffentlicht hat, das 66 Spielverse zum Klatschen, Bewegen und Sprechzeichnen herausgebracht hat. Diese Veröffentlichung ist so aufgebaut, dass nach einem kurz gehaltenen Vorwort ein paar wenige Erläuterungen zu den Themen ‚Sprechsilben und Spracherwerb‘, ‚Klatschspiele‘ ‚Sprechzeichnen‘ sowie ‚Reimwörter und Gegensätze‘ vorgenommen werden und die theoretischen Aspekte mit einer Erklärung der Klatschmuster enden.

Der Praxisteil besteht dann aus:

  • vielerlei Klatschspielen (Teil 1),
  • Klatschspielen mit einem Jahreszeitenbezug (Teil 2),
  • Silben-Klatschspielen (Teil 3),
  • dem rhythmischen Sprechzeichnen (Teil 4)
  • sowie den ‚Reimwörtern und Gegensätzen‘ (Teil 5).

Gerade der letzte Schwerpunkt bietet sich für >Deutsch als Zweitsprache< (DaZ) sehr gut an. Als Zusatzmaterial können interessierte Leser*innen einige Reime und Verse mit Bildern downloaden.

Wie aus wissenschaftlichen Untersuchungen (aus dem Feld der Spiel{e]forschung) bekannt ist, erleben Kinder Reim- und Klatschspiele, die sowohl den motorischen, emotionalen, kognitiven und sozialen Kompetenzbereich von Kindern ansprechen, als ein überaus motivierendes Element, auch weitere Spielformen entdecken, erkunden und umsetzen zu wollen. Wird hingegen dieser ersten Spielform zu wenig Beachtung geschenkt, ist damit auch in vielen Fällen das Spielinteresse nicht mehr so überaus stark ausgeprägt, dann das Bauspiel, das Konstruktionsspiel, das Gestaltungsspiel mit Fundmaterialen, Musik- und Tanzspiele sowie das Rollenspiel in ganzer Erfahrungstiefe zu entdecken.

Insofern ist diese Veröffentlichung sehr zu begrüßen. Sie sollte daher in Krippen, Kindertagesstätten, bei Tagesmüttern und -vätern sowie in den ersten zwei Klassen einer Grundschule eine große Beachtung finden.

Armin Krenz

Doering, Sabine: Klatschspiele und Sprechzeichnen für 4- bis 8-Jährige.

Spaßgedichte für Sprachförderung, Rhythmus, Motorik und DaZ.

Verlag an der Ruhr, Mülheim 2024.
ISBN: 978-3-8346-6706-9.
96 Seiten, 18,99 €