Hauptursache Sonnencreme: Kinder mit verbotenen Weichmachern belastet

Aktuelle Untersuchungen zeigen: In 92 Prozent der Urinproben von Kindern und Jugendlichen wurde ein fortpflanzungsschädigender Weichmacher nachgewiesen

Neue Daten des Umweltbundesamt zeichnen ein klares Bild: Kinder und Jugendliche in Deutschland sind auch 2025 weiterhin mit einem in der EU nicht zugelassenen Weichmacher belastet. In einer aktuellen Untersuchung wurden zwischen April und Juli 2025 insgesamt 259 Urinproben von 6- bis 17-Jährigen analysiert.

Das Ergebnis ist eindeutig: In 92 Prozent der Proben wurde Mono-n-hexylphthalat (MnHexP) nachgewiesen – ein Abbauprodukt des fortpflanzungsschädigenden Weichmachers Di-n-hexylphthalat (DnHexP). Zwei der untersuchten Kinder überschritten sogar den gesundheitlichen Beurteilungswert deutlich.

Damit bestätigt sich ein Trend, der bereits in früheren Untersuchungen sichtbar wurde – allerdings in einer neuen Dimension.

Verbotener Weichmacher mit überraschend hoher Verbreitung

DnHexP gilt als fortpflanzungsschädigend und ist in der Europäischen Union nicht zugelassen. Umso problematischer ist der aktuelle Befund: „Der hohe Anteil belasteter Proben sowie die teils sehr hohen Konzentrationen haben uns überrascht“, erklärte UBA-Präsident Dirk Messner. Zwar liegen die meisten gemessenen Werte unterhalb des sogenannten HBM-I-Wertes von 60 Mikrogramm pro Liter Urin, doch einzelne Überschreitungen zeigen, dass gesundheitlich relevante Belastungen möglich sind.

Sonnencreme als zentrale Quelle identifiziert

Die Ursache der Belastung ist inzwischen weitgehend geklärt: Bereits 2024 konnten Untersuchungen zeigen, dass verunreinigte Sonnencremes eine zentrale Rolle spielen. Im Fokus steht dabei der UV-Filter Diethylaminohydroxybenzoylhexylbenzoat (DHHB), bei dessen Herstellung der verbotene Weichmacher DnHexP als Nebenprodukt entstehen kann. Die Analysen zeigen jedoch auch:

  • Die Belastung schwankt stark zwischen Produkten
  • Es sind bereits Sonnencremes ohne Verunreinigung auf dem Markt

Das Problem ist damit technisch lösbar – aber bislang nicht konsequent reguliert.

EU reagiert – Grenzwerte erst ab 2027

Der Wissenschaftliche Ausschuss für Verbrauchersicherheit der EU (SCCS) hat 2025 bewertet, dass eine minimale Verunreinigung technisch möglich ist. Dennoch gilt:

  • Erst ab 1. Januar 2027 dürfen nur noch Sonnenschutzmittel mit klar begrenzten DnHexP-Gehalten verkauft werden
  • Frühere Messungen lagen teils um ein Vielfaches über diesen zukünftigen Grenzwerten

Bis dahin bleibt eine relevante Belastungsquelle bestehen – insbesondere für Kinder.

Mehrfachbelastung erhöht gesundheitliche Risiken

Ein zentrales Problem liegt nicht nur im einzelnen Stoff, sondern in der Kombinationswirkung mehrerer Weichmacher.

Bereits frühere Studien zeigten, dass Kinder häufig gleichzeitig verschiedenen fortpflanzungsschädigenden Substanzen ausgesetzt sind – teilweise über der von der European Food Safety Authority als tolerierbar eingestuften Gesamtmenge.

Das bedeutet:
Selbst wenn einzelne Stoffe unterhalb von Grenzwerten liegen, kann die Gesamtbelastung gesundheitlich relevant sein.

Schutz bleibt notwendig – aber ohne vermeidbare Risiken

Trotz der aktuellen Befunde betont das Umweltbundesamt:
Sonnenschutz bleibt unverzichtbar, insbesondere für Kinder mit empfindlicher Haut, um das Hautkrebsrisiko zu senken.

Gleichzeitig wird deutlich: Vermeidbare Schadstoffquellen müssen konsequent eliminiert werden.

Kinderrechte und Gesundheit: ein ungelöstes Spannungsfeld

Die aktuellen Ergebnisse werfen auch eine grundsätzliche Frage auf:
Wie kann es sein, dass Kinder weiterhin mit verbotenen, fortpflanzungsschädigenden Stoffen belastet sind – obwohl Schutz und Gesundheit zentrale gesellschaftliche Ziele sind?

Die Daten des Umweltbundesamtes machen deutlich:
Es handelt sich nicht um Einzelfälle, sondern um ein strukturelles Problem – mit unmittelbaren Konsequenzen für die Gesundheit der jungen Generation.

Mehr dazu unter: https://www.umweltbundesamt.de/themen/gesundheit/belastung-des-menschen-ermitteln/alise-deutsche-kinder-jugendstudie-zur