20 Prozent der Familien von AD(H)S betroffen

Eltern beklagen großes Informations- und Unterstützungsdefizit

Die Wahrnehmung von ADHS durch die Eltern hat das SINUS-Institut untersucht. Auftraggeberin war die Bundesarbeitsgemeinschaft zur Förderung der Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen mit Teilleistungs-/ Wahrnehmungsstörungen e.V. (BAG-TL/WS). In einer Mitteilung stellt das Institut zunächst fest, dass ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung) eine der am häufigsten diagnostizierten psychiatrischen Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen ist. Naturgemäß werde den Eltern bei Erkennung, Therapie und Begleitung eine wichtige Rolle zugeschrieben. Doch wie relevant ist ADHS aus Sicht der Eltern? Wie groß ist ihr Informations- und Unterstützungsbedarf? Und wie verbreitet sind Vorurteile gegenüber ADHS-Betroffenen? Diesen und weiteren Fragen ist das SINUS-Institut erstmals im Rahmen einer repräsentativen Eltern-Befragung im Auftrag nachgegangen.

ADHS ist ein wichtiges und relevantes Thema unter Eltern: 20% der befragten Eltern mit Kindern unter 18 Jahren haben für ihr Kind eine ärztliche ADHS-Diagnose (9%) oder zumindest eine ADHS-Vermutung (11%). Allerdings stufen sich nur 10% bei diesem Thema selbst als „sehr informiert“ ein. Weitere 51% halten sich für „eher informiert“. Zudem findet jeder Zweite (50%), dass es nicht genügend Informationen zum Thema ADHS gibt. Der Informationsstand zu ADHS ist somit aus Elternsicht ausbaufähig, so die Einordnung von Eckhard Barth, Vorsitzender der BAG-TL/WS e. V.

Viele ADHS-Hilfsangebote sind unter Eltern wenig bekannt

Für ADHS-Betroffene und ihre Familien existieren viele verschiedene Hilfsangebote, aber nur wenige Eltern kennen diese. Von 17 in der Befragung vorgelegten Angeboten sind nur vier mindestens der Hälfte bekannt: Medikamentengabe (66%), Kinder – und Jugendpsychiatrie (65%), Verhaltenstherapie (57%) und Familienhilfe (57%). Die meisten Eltern vermuten aber, dass die abgefragten Angebote – ungeachtet ihrer Bekanntheit – hilfreich sind, allen voran die Familienhilfe (92% halten dieses Hilfsangebot für hilfreich), Elterncoaching (91%), Schulbegleitung und Verhaltenstherapie (jeweils 88%) sowie Fachbücher und Nachhilfe / Freizeit-Angebote (jeweils 85%). Die meisten Eltern sind sich einig, dass Medikamente alleine bei der Behandlung von ADHS nicht ausreichen.

Insbesondere die Therapie von ADHS-Patienten mit Medikamenten wird ambivalent betrachtet. Die Mehrheit der Eltern teilt einerseits die Meinung, dass ADHS-Medikamente Betroffene bei der Alltagsbewältigung helfen (75%) und notwendiger Bestandteil einer Therapie sind (68%). Andererseits ist auch die Meinung weit verbreitet, dass Medikamente betroffene Kinder lediglich ruhigstellen, sie aber nicht heilen (77%). Die Fragen nach negative n Effekten von Medikamenten spaltet die Elternschaft: 56% sind der Meinung, dass ADHS-Medikamente stumpf machen, und 49% finden, dass durch ADHS-Medikamente Lebensgefühl verloren geht. Eine Abhängigkeit von ADHS-Medikamenten befürchten 41% der Eltern.


Unsere Empfehlung bei ADS: Das Optimind-Team-Konzept

Dr. Elisabeth Aust-Claus und Dr. Petra-Marina Hammer stellen mit Optimind ein Team-Konzept für die Betreuung von Kindern mit ADS vor: Wenn Eltern, Lehrer und Therapeuten zusammenarbeiten, kann die Lebensqualität der Kinder schnell verbessert werden! Das ADS-Buch ist eben in einer völlig neu überarbeiteten Ausgabe erschienen.

Aust-Claus, Elisabeth/Hammer, Petra-Marina
Das ADS-Buch
Neue Konzentrationshilfen für Zappelphilippe und Träumer: Das Optimind®-Konzept 

Oberstebrink
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ISBN: 9783963040382 
20 Euro


Vorurteile gegenüber ADHS existieren weiterhin

Vorurteile gegenüber ADHS bzw. davon Betroffenen sind zwar nicht die Regel unter Eltern, aber es gibt sie weiterhin – verstärkt unter nicht-betroffenen Eltern. Obwohl eine knappe Mehrheit der Eltern (54%) beklagt, dass ADHS nicht als Krankheit akzeptiert wird, halten die Befragten ADHS weder für eine Erfindung der Pharmaindustrie (13% Zustimmung), noch für eine Modekrankheit (24%) oder einen Medienhype (29%). Allerdings halten immerhin 41% der Eltern ADHS für eine „unspezifische Einheitsdiagnose für alles Mögliche“. Eine Minderheit von 22% der Befragten sind der Meinung, dass ADHS vor allem in sozial schlecht gestellten Schichten auftritt, weitere 12% vermuten, dass eine ADHS-Diagnose auf die schlechte Erziehung der Eltern zurückzuführen ist, und 9% der Eltern glauben, dass ADHS vor allem bei Kindern mit niedriger Intelligenz auftritt.

Betroffene müssen auch weiterhin mit sozialer Exklusion rechnen. 80% der Eltern finden, dass ADHS-Erkrankte ausgegrenzt werden (z.B. Mobbing in der Schule), weitere 74% erkennen, dass es Kinder mit ADHS schwerer haben, Freunde zu finden. Immerhin 15% der Eltern ist es lieber, wenn ihre Kinder nicht mit Kindern spielen, die ADHS haben.

Eltern äußern aber auch Mitgefühl gegenüber Betroffenen. Nahezu alle Befragten finden, dass Kinder mit ADHS ihr Potential nicht ausschöpfen können (90% Zustimmung), und dass Kinder mit ADHS mehr Unterstützung benötigen als Kinder ohne ADHS (89%).

„Über die gesamte Studie hinweg sehen wir deutliche Bildungseffekte in den Antworten – egal, ob es um Betroffenheit, Wissen oder Einstellungen zu ADHS geht. In Summe kennen sich formal Hochgebildete besser im Themenkomplex ADHS aus als formal Niedriggebildete. Letztere bilden also eine Zielgruppe, die es in der Gesundheitskommunikation besonders anzusprechen gilt“, fasst Dr. Marc Calmbach, Geschäftsführer des SINUS-Instituts zusammen.

Als Ursachen von ADHS werden von den Eltern vor allem physiologische Aspekte vermutet und weniger soziale, psychologische oder Ernährungsfaktoren

Die von den befragten Eltern mit Abstand am häufigsten vermutete ADHS-Ursachen sind physiologischer Natur wie genetische Ursachen / Vererbung (40%), neurologische Erkrankungen / Störung des Nervensystems (37%) oder chemisches Ungleichgewicht im Hirn (25%).

Soziale, psychologische oder Ernährungsfaktoren als Auslöser für ADHS werden seltener genannt. Ein Viertel führt ADHS zu viel Medienkonsum (24%) zurück. Soziale Aspekte wie mangelnde Aufmerksamkeit der Eltern und problematische Familienverhältnisse (Alkoholismus, häusliche Gewalt, etc.) halten jeweils 21% der Eltern für Ursachen von ADHS. Eben falls etwa jedes fünfte Elternteil bringt ADHS ursächlich mit Leistungsdruck (21%), Drogen-/Alkoholmissbrauch während der Schwangerschaft (20%), überfordernden Lebensereignissen (19%) oder mit bei der Erziehung überforderten Eltern (19%) in Verbindung.

Alle anderen erhobenen Erklärungsansätze werden deutlich seltener genannt, etwa schlechte Erziehung (7%), alleinerziehende Eltern (6%), niedriges Einkommen / Kinderarmut (4%), ADHS-Erkrankung in Folge einer Impfung in der Kindheit (3%).

Über die Studie

Die BAG-TL/WS e.V. hat das SINUS-Institut beauftragt, eine repräsentative Befragung unter Eltern zu ihren Einstellungen und Wahrnehmungen in Bezug auf ADHS durchzuführen. Die SINUS-Studie hilft zu verstehen, was Eltern verschiedener Milieus über ADHS wissen, welche Erfahrungen sie mit ADHS haben und welche Vorurteile sie möglicherweise gegenüber ADHS-Betroffenen reproduzieren.

Im Einzelnen deckt die Studie folgenden Themen ab:

• ADHS: Bekanntheit, Interesse, Informationsstand, Betroffenheit

• Medizinisch-psychologische Einordnung und vermutete Ursachen von ADHS

• Einstellungen zum Thema ADHS

• Informationsverhalten bei Thema ADHS

• Bekanntheit von Aufklärungs- und Hilfsangeboten

• Bedarfe im Kontext ADHS

Die Studie wurde finanziell von der BARMER unterstützt. Die verwendeten Daten beruhen auf einer Online-Umfrage des SINUS-Instituts im Online-Access-Panel der respondi AG, an der 1.000 Personen zwischen 22.07. und 12.08.2021 teilnahmen. Die Ergebnisse sind repräsentativ für deutschsprachige Eltern ab 30 Jahren, die mindestens 1 Kind unter 18 Jahren haben. Dies entspricht ca. 14,2 Millionen Menschen in Deutschland.

Über das SINUS-Institut

Die SINUS Markt- und Sozialforschung GmbH mit Standorten in Heidelberg und Berlin, ist seit über 40 Jahren Spezialist für psychologische und sozialwissenschaftliche Forschung und Beratung. Das Institut entwickelt Strategien für Unternehmen und Institutionen, die den soziokulturellen Wandel als Erfolgsfaktor nutzen.

Ein zentrales Tool dafür sind die Sinus-Milieus – ein Gesellschafts- und Zielgruppenmodell, das Menschen nach ihren Lebenswelten in „Gruppen Gleichgesinnter“ zusammenfasst. Die Sinus-Milieus zählen seit Jahrzehnten zu den bekanntesten und einflussreichsten Segmentationsansätzen und sind mittlerweile für über 48 Länder verfügbar. SINUS kooperiert eng mit den Schwesterunternehmen INTEGRAL Markt- und Meinungsforschung in Wien und OPINION Market Research & Consulting, Nürnberg (INTEGRAL-SINUS-OPINION Gruppe). Weitere Informationen über das SINUS-Institut unter www.sinus-institut.de.




Geschwister behinderter Kinder sind empathischer

Gesteigertes kognitives Mitgefühl, aber kaum Unterschiede bei emotionaler Empathie und Prosozialität

Geschwister von behinderten Kindern verfügen über eine größere kognitive Empathie. Das haben Forscher der Hebrew University of Jerusalem http://en.huji.ac.il/en , der University of Cambridge http://cam.ac.uk und der University of Toronto http://utoronto.ca herausgefunden. Sie haben untersucht, wie das Aufwachsen mit einem behinderten Kind die Empathie fördern kann. Dabei wurden Daten der „Longitudinal Israeli Study of Twins“ analysiert, eine Studie, die 1.657 Familien von Zwillingen umfasst, die 2004 bis 2005 geboren wurden. Ihre demografischen Merkmale verfügen über Ähnlichkeiten zur jüdischen Mehrheitsbevölkerung in Israel. 63 Familien wurden identifiziert, bei denen einer der Zwillinge eine Behinderung hat und der andere Zwilling sich normal entwickelte.

Elfjährige in Studie befragt

Die sich normal entwickelnden Geschwister von Kindern mit einer Behinderung wurden dann mit 404 sich normal entwickelnden Zwillingsgeschwistern des restlichen Samples verglichen. Dabei ging es um die kognitive sowie emotionale Empathie und die Prosozialität. Abgeschlossen wurde dieser Vergleich, als alle Kinder elf Jahre alt waren. Die teilnehmenden Kinder füllten einen Fragebogen zur eigenen Einschätzung der kognitiven und sozialen Empathie aus. Zusätzlich absolvierten sie eine computergestützte Aufgabe zur Beurteilung des prosozialen Verhaltens. Ergänzend füllten die Eltern einen Fragebogen zur Beurteilung des prosozialen Verhaltens ihrer Kinder aus.

Die Daten zeigen, dass sich normal entwickelnde Kinder mit einem behinderten Zwilling bei der kognitiven Empathie besser abschnitten als sich normal entwickelnde Kinder ohne diese Erfahrung. Entgegen der Prognosen konnten keine Unterschiede bei der emotionalen Empathie und der Prosozialität festgestellt werden. Laut Forscher Ariel Knafo-Noam könnten diese positiven Auswirkungen auf den spezifischen „Vorteil“ der kognitiven Empathie, um ihre behinderten Geschwister besser zu verstehen, und auf die Unterstützung dieser Beziehung zurückzuführen sein. Die Studienautoren räumen ein, dass es sich dabei um vorläufige Ergebnisse handelt und fordern, dass in diesem vernachlässigten Bereich mehr geforscht wird. Details wurden in „Child Development“ veröffentlicht.

Moritz Bergmann/Pressetext.redaktion




Bis zu 10.000 Euro für Kinder- und Jugendprojekte möglich

Jetzt Anträge beim Förderfonds des Deutschen Kinderhilfswerkes stellen

Ziel der Förderfonds ist die Bekanntmachung der Kinderrechte und die Verbesserung der Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen unter dem Aspekt der Mitbestimmung. Anträge können Vereine, freie Träger, Initiativen, Elterngruppen, Kinder- und Jugendgruppen sowie Schülerinitiativen für noch nicht begonnene Projekte stellen.

Unterstützung von demokratischem und politischem Engagement

So werden zum Beispiel Projekte gefördert, die das demokratische und politische Engagement von Kindern und Jugendlichen unterstützen, deren Mitbestimmung an Prozessen in Jugendeinrichtungen, Schule und Stadtteil ermöglichen, den Zugang zu Medien verbessern bzw. den kompetenten Umgang mit diesen befördern, oder Kinder und Jugendliche bei der kreativen Auseinandersetzung mit für sie relevanten Themen fördern.

Ferner sollen Projekte Unterstützung erhalten, die bewegungsfördernde und interessante Spielorte im Wohnumfeld oder auf dem Schulgelände schaffen oder der Vernetzung, Sicherung bzw. Rückgewinnung von Spiel- und Aufenthaltsmöglichkeiten dienen. Voraussetzung für eine Bewilligung ist auch hier, dass die Kinder und Jugendlichen an der Planung und Durchführung des Projektes aktiv beteiligt werden.

Spielplatz-Initiative

Auch bei der Spielplatz-Initiative des Deutschen Kinderhilfswerkes sind weiterhin Anträge möglich. Im Rahmen dieser Initiative werden deutschlandweit Projekte gefördert, die einen Spielraum sanieren, ergänzen oder neugestalten. Dazu zählen neben klassischen Spielplätzen auch die öffentlichen Außenanlagen von Jugendfarmen, Freizeittreffs oder Familienzentren, Abenteuerspielplätzen, Sportvereinen, Skateparks oder Jugendtreffs sowie Kitaaußenanlagen oder Schulhöfe, sofern sie frei zugänglich sind. Antragsberechtigt sind Eltern- und Nachbarschaftsinitiativen, Kinder- und Jugendgruppen oder Vereine, privat engagierte Einzelpersonen ebenso wie Kommunen/kommunale Träger oder Wohnungsunternehmen.

Bei den Projekten sollten einfache, aber sinnvolle Spielelemente und Raumkonzepte mit Erlebnischarakter im Vordergrund stehen, die die kindliche Fantasie anregen und die Kreativität fördern. Elementar sind die möglichst aktive Beteiligung der Kinder und Jugendlichen bei der Planung und Gestaltung des Spielraumes, aber auch die Kreativität bei der Mittelakquise und der Gestaltung sowie der Wille, selbst tatkräftig mit anzupacken.

Kinder-Kulturprojekte

Zudem sind weiterhin Bewerbungen für Kinder-Kulturprojekte im Rahmen des Förderprogrammes „It‘s your Party-cipation“ des Deutschen Kinderhilfswerkes möglich. Als Partner im Programm „Kultur macht stark. Bündnisse für Bildung“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung fördert das Deutsche Kinderhilfswerk noch bis zum 31. August 2022 außerschulische Projekte der kulturellen Bildung mit insgesamt über fünf Millionen Euro.

Gefördert werden Workshops, Festivals und Kinderstädte, die sich an Kinder und Jugendliche im Alter von drei bis 17 Jahren aus finanziell oder sozial benachteiligten Familien richten. Der Fokus der Aktionen soll auf den Kinderrechten und der aktiven Beteiligung von Kindern und Jugendlichen liegen.

Bereits 1904 Projekte mit 8.126.000 Euro gefördert

Das Deutsche Kinderhilfswerk hat in den vergangenen fünf Jahren durch seine Förderfonds 1.904 Projekte mit insgesamt rund 8.126.000 Euro unterstützt. Durch die Fonds erhalten Projekte, Einrichtungen und Initiativen finanzielle Unterstützung, die die Teilhabe von Kindern und Jugendlichen, unabhängig von deren Herkunft oder Aufenthaltsstatus, zum Grundsatz ihrer Arbeit gemacht haben.

Dabei geht es vor allem um Beteiligung in Bereichen demokratischer Partizipation, um Chancengerechtigkeit und faire Bildungschancen für benachteiligte Kinder, gesunde Ernährung oder kinder- und jugendfreundliche Veränderungen in Stadt und Dorf, auf Schulhöfen, Kita-Außengeländen oder Spielplätzen. Die Schaffung sinnvoller Freizeitangebote und Möglichkeiten zur Entwicklung einer kulturellen Identität, zu kultureller Bildung und Medienkompetenz sind ebenso Förderschwerpunkte.

Weitere Informationen zu den Förderfonds des Deutschen Kinderhilfswerkes unter www.dkhw.de/foerderfonds, zur Spielplatz-Initiative unter www.dkhw.de/spielplatzinitiative, zum Förderprogramm „It‘s your Party-cipation“ unter www.kinderrechte.de/kulturmachtstark.




Index für Inklusion für Kindertageseinrichtungen

Lernen, Partizipation und Spiel in der inklusiven Kindertageseinrichtung entwickeln

Alle Jahre wieder weisen wir auf den Index für Inklusion für Kindertageseinrichtungen hin. Er ist eine Hilfestellung und Handreichung zur inklusiven Entwicklung. Er hilft bei der Planung und Umsetzung. Für den deutschsprachigen Raum hat die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) den Index übersetzen lassen und  herausgegeben. Die ältere Fassung steht als pdf frei zugänglich im Netz.

Mittel, um Partizipation zu erhöhen

Das Centre for Studies in Inclusive Education (CSIE) in Bristol in England hat den „Index for Inclusion – developing learning, participation and play in early years and childcare“ entwickelt.  Die GEW hat ihn unter dem Titel „Index für Inklusion (Tageseinrichtungen für Kinder)“ hierzulande herausgegeben. Er ist eine Hilfestellung und Handreichung zur Unterstützung der inklusiven Entwicklung in allen institutionellen Formen von Tageseinrichtungen für Kinder einschließlich Krippen, Spielplätze, Familienzentren, Krabbelstuben, Babysitten, Tagespflege, Kinderläden und Kinderhäuser. Der Indexist ein umfassendes Werk, das allen in diesen Einrichtungen helfen kann, ihre eigenen „nächsten Schritte“ zu finden, um die Partizipation der Kinder und Jugendlichen an Spiel und Lernen zu erhöhen.

Anregung zur Entwicklung

Die Materialien sind so konzipiert, dass sie auf dem Wissen und der Erfahrung der ErzieherInnen aufbauen und die Entwicklung jeder beliebigen Einrichtung anregen und unterstützen, unabhängig davon, wie „inklusiv“ die Einrichtung auch immer im Moment eingeschätzt wird. Und er ist ein Ansatz, sich mehr mit Erziehung, Bildung und Betreuung nach inklusiven Maßstäben zu befassen.

Dank der GEW steht der ältere Index von 2005 für alle frei zugänglich im Internet. Hier der Link.

Die Neuausgabe gibt es im Shop der GEW zum Einzelpreis von 16 €. Für größere Mengen gibt es ordentliche Rabatte. Hier der Link.




Praktische Hilfen, Downloads, Ideen und Konzepte zur Integration

Das Internetangebot des Bundesfamilienministeriums „Frühe Chancen“ informiert pädagogische Fachkräfte umfangreich

www.fruehe-chancen.de ist ein Internetangebot der Internetredaktion des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Unter dem Stichwort „Integration“ finden sich Informationen zum Thema. In der Rubrik „Auf einen Blick“ gibt es zahlreiche Links. Downloads sowie weitere Informationen. Mit dabei sind zum Beispiel eine Fülle von Antworten auf häufig gestellte Fragen. Ein eigener Bereich ist den rechtlichen Rahmenbedingungen gewidmet.

Handreichungen und Broschüren

Unter „Links & Downloads finden sich etliche Handreichungen und Praxismaterialien zur Betreuung von Kindern mit Fluchthintergrund. Dazu gehören Informationen zum Thema Flucht und Kindertagesbetreuung, Handreichungen und Broschüren zum Download und zum Bestellen, Praxismaterialien, Filme, Initiativen und Modellprogramme, Links und Downloads in den Bundesländern, Fachpublikationen sowie Informationen für Eltern.

Einfach praktisch

Die Rubrik „Willkommen in der Kindertagesbetreuung“ wendet sich direkt an pädagogische Fachkräfte und enthält Informationen und praktische Anregungen für den Fall, dass Kinder mit Fluchthintergrund in die Kita kommen. Eine Übersicht spezifischer Fort- und Weiterbildungen für Fachkräfte ist hier ebenfalls zu finden.

Und noch mehr Praxis

Wer praktische Anregungen, Interviews bis hin zu Konzepten sucht, findet diese unter dem Button „Aus der Praxis“. Eine Übersicht über verschiedene Initiativen und Programme, mit denen das Bundesfamilienministerium die Integration von Kindern fördert, ist unter „Was Politik leistet“ zu entdekcn..




Neuer, kostenloser Online-Kurs „Sonne, Mond und Sterne“

Von der Fortbildung zur Entdeckungsreise durchs All mit Kindern in Kita und Grundschule

Kann man auf dem Mond leben? Was genau sind eigentlich Sterne? Wohin geht die Sonne, wenn sie abends untergeht? Kinder haben etwa so viele Fragen zum Universum wie Sterne am Himmel stehen. Antworten darauf und Tipps für eine Entdeckungsreise durchs All mit Kita- und Grundschulkindern gibt es im neuen Online-Kurs „Sonne, Mond und Sterne“ der Stiftung „Haus der kleinen Forscher“ – kostenlos, kompakt und praxisnah auf campus.haus-der-kleinen-forscher.de.

Online-Kurs für Fachkräfte

Etwa ein bis zwei Stunden dauert der offene Online-Kurs auf der Lernplattform Campus und richtet sich an pädagogische Fach- und Lehrkräfte in Kita, Hort und Grundschule. Sie können das Format jederzeit starten und in ihrem eigenen Tempo absolvieren, auch mit Unterbrechungen. Dabei erfahren sie unter anderem, wie sich Sterne, Planeten und Monde voneinander unterscheiden, wie der Wechsel der Jahreszeiten entsteht und was es mit den Sternzeichen auf sich hat. Dazu gibt es bei „Sonne, Mond und Sterne“ viele praktische Anregungen, die Pädagoginnen und Pädagogen sofort in ihre Arbeit mit Kindern einbauen können: den Bau einer Sonnenuhr beispielsweise, das Gestalten eigener Planetenmodelle und die Himmelsbeobachtung.

Genug praktische Anregungen zum Loslegen

„Die vielen Fragen von Mädchen und Jungen zu unterschiedlichen Themen können auch für Erzieherinnen und Erzieher sowie Grundschullehrkräfte herausfordernd sein“, sagt Michael Fritz, Vorstandsvorsitzender der Stiftung „Haus der kleinen Forscher“. „Sie sind aber auch eine Chance, um beispielsweise gemeinsam mit den Kindern das All zu entdecken und zu erforschen. Zum Einstieg braucht es gar nicht unbedingt eine große Fortbildung. Konzentrierte und qualitativ hochwertige Online-Kurse wie ‚Sonne, Mond und Sterne‘ bieten genug praktische Anregungen, um gleich loszulegen.“

Einmalig registrieren und gleich starten

Hier geht es direkt zum offenen Online-Kurs „Sonne, Mond und Sterne“. Für die kostenlose Teilnahme müssen sich Pädagoginnen und Pädagogen auf der Lernplattform einmalig registrieren und können sofort mit dem Kurs loslegen. Darüber hinaus gibt es auf der Lernplattform „Campus“ weitere kostenlose Webinare sowie offene und moderierte Online-Kurse zu vielen Themen rund um das Entdecken und Forschen mit Kindern.




GEW warnt vor System-Burnout in Kitas

Bildungsgewerkschaft sieht Situation in Kindertagesstätten am Kipppunkt

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) mahnt die Bundesregierung, die Empfehlungen des Robert Koch-Institutes für die Kindertagesstätten (Kita) schnell umzusetzen. Zudem seien die Kommunen sowie freie und konfessionelle Kita-Träger mit den notwendigen Ressourcen auszustatten, damit diese ihre Beschäftigten schützen können und so das Vertrauen in die Arbeitgeber wieder gestärkt wird. „Bundesfamilienministerin Anne Spiegel (Grüne) muss jetzt handeln“, sagte Doreen Siebernik, GEW-Vorstandsmitglied Jugendhilfe und Sozialarbeit, mit Blick auf den heute tagenden Corona-Kita-Rat. „Die Situation in der frühkindlichen Bildung ist bundesweit dramatisch. Es darf kein Tag mehr verschenkt werden, sonst droht ein System-Burnout.“

Kaum Schutz für pädagogische Fahckräfte

Laut Siebernik sei die Erschöpfung der Kita-Teams, der Fachkräfte und Leitungen groß und lege sich wie ein bleierner Nebelschleier über den Alltag in den Einrichtungen. Viele Kolleginnen und Kollegen hätten ein Gefühl des „Ausgeliefertseins“. Nach wie vor könnten sich Erzieherinnen und Erzieher wegen des engen Kontakts zu den Kindern weder durch Abstandhalten noch mit Masken schützen. Gleichzeitig gebe es vielfach negative Rückmeldungen, weil die Lolli-Tests nicht verlässlich genug seien. „Die Situation, dass die Eltern nicht nur mit falsch positiven Ergebnissen umgehen müssen, sondern zunehmend auch mit falsch negativen, ist für alle frustrierend“, sagt Siebernik. „Nur wenn die Rahmenbedingungen der Beschäftigten in den Einrichtungen stimmen, kann qualitativ gute Arbeit geleistet werden und die Kinder fühlen sich wohl und geborgen wie in einer kleinen Familie.“

Hintergrund

Der Corona-Kita-Rat wurde als Fachgremium während der Pandemie eingerichtet. Er soll die Arbeit in den Kindertageseinrichtungen begleiten und die bundesweite Situation bewerten. Auf dieser Grundlage berät er die Bundesregierung.




Ich will mein Haupthaar zurück!

Jörg Mühle: Als Papas Haare Ferien machten

Möglichst stark und üppig soll sie sein, die Haarpracht des Mannes. Jedenfalls erzählen uns Fußballer und Models ungefragt in der Werbung, dass sie ihr Haupthaar unbedingt behalten wollen und deshalb eben genau dieses Shampoo… Bodyshaming ist bei den Männern angekommen. Und auch bei Papa. Denn der steht im Badezimmer und bürstet und föhnt.

Bis die Haare keinen Bock mehr auf diese Behandlung haben. Und einfach abhauen! Was dann passiert, ist so skurril und witzig geschrieben und gezeichnet, dass ich unvermittelt in lautes Lachen ausbrach. Papa rennt seinen Haaren hinterher, lauert ihnen mit dem Kescher hinter dem Baum auf, sucht im Restaurant, im Blumenladen, sogar im Zoo. Obwohl das im Gehege von Bär und Nilpferd nicht ganz ungefährlich ist.

Dann gibt Papa auf. Und seine Haare machen Ferien. Sie schreiben ihm – wie im Urlaub üblich – Postkarten aus aller Welt, schicken E-Mails und machen Selfies. Aus der Sahaara. Und Norhaarmerika. Nun ja, auch Coiffeur-Werkstätten sind ja heutzutage crehaartief in ihrer Namensfindung. Und ich finde, mit Glatze sieht Papa gar nicht so schlecht aus. Und er hat auch keine schlechte Laune mehr. Er hat seinen Kahlkopf akzeptiert.

Doch was passiert dann, an einem stürmischen Herbsttag? Ein haarsträubender Regenguss setzt ein…

Immer wieder wird behauptet, dass Jungen Lesemuffel seien. Dabei geben sie – auch in Studien – durchaus Antwort auf die Frage, was für Bücher sie gerne lesen würden: Spannend sollen sie sein. Und witzig. Am besten beides. Mit diesem haarfreundlichen Abenteuer werden Leseanfänger jede Menge Spaß haben. Und ihre Eltern auch. Denn die wollen ja irgendwann wissen, warum die Kinder so vergnügt lachen.

Ralf Ruhl

Mühle, Jörg
Als Papas Haare Ferien machten
Hardcover 72 Seiten, 21,6 cm x 15,4 cm x 1,2 cm
ab 7 Jahren
Moritz Verlag
ISBN 978-3-89565-427-572
9,95 Euro