Seminar zu proteinreichen pflanzlichen Bio-Lebensmitteln in Kita- und Schule kostenlos
geschrieben von Redakteur | Mai 5, 2022
„Bio kann jeder“ Online-Workshop auch für Lehrkräfte und Erzieher am 18. Mai 2022
In diesem online „Bio kann jeder“-Workshop informiert Sie Anja Erhart von der FiBL Projekte GmbH wie Sie Kindern und Jugendlichen die Vorteile ökologischer Lebensmittel näherbringen können. Der Fokus liegt dabei auf proteinreichen pflanzlichen Lebensmitteln als Alternative zu tierischen Produkten, um deren schlechtes Image als „Ersatz“ zu überwinden.
Die Bio-Musterregion Ludwigsburg-Stuttgart hat sich auf die Fahnen geschrieben, die Erhöhung des Bio-Anteils in der Gemeinschaftsverpflegung in Stuttgart und dem Landkreis Ludwigsburg zu unterstützen. Über die Arbeit in diesem Bereich berichtet Regionalmanagerin Annegret Bezler.
Alexandra Knauß vom Landeszentrum für Ernährung Baden-Württemberg wird die Bedeutung von Hülsenfrüchten für eine nachhaltige, gesundheitsfördernde und ausgewogene Ernährung sowie pädagogische Anknüpfungspunkte beim Einsatz von Linsen, Bohnen und Co. in Kita und Schule erläutern.
Im Anschluss wird Mayoori Buchhalter interaktiv nachhaltige Bio-Gerichte Rezepte mit pflanzlichen Bio-Lebensmittel kochen, die sich auch eignen mit und für Kindern und Jugendliche im Kita- und Schulalltag zubereitet zu werden. Auf diese Weise soll die Lebensmittel- und Rezeptpalette der Kinder und Jugendlichen erweitert werden und diese Alternativen zu konventionellen Fleischgerichten aufgezeigt werden.
Teilnehmende
Eingeladen sind:
Einrichtungs- oder Schulleitungen beziehungsweise Mitarbeitende von Einrichtungsträgern
Lehrkräfte, Erzieherinnen oder Erzieher beziehungsweise Tagesmütter oder -väter
Küchenleitungen, Teile des Küchenteams beziehungsweise Caterer
Verantwortliche oder Verantwortlicher für die Vergabe von Verpflegungsleistungen
interessierte Akteurinnen oder Akteure (Zum Beispiel Mitglieder eines Elternzusammenschlusses)
Programm
14:00 Uhr: Einwahl in den Webex-Raum Technik-Check (Insa Folkerts, FiBL Projekte GmbH)
14:10 Uhr: Begrüßung und Einführung (Anja Erhart, FiBL Projekte GmbH)
14:20 Uhr: Umsetzung: Bio in Kitas und Schulen Tipps und Tricks für ein nachhaltiges Verpflegungsangebot (Anja Erhart, FiBL Projekte GmbH)
15:00 Uhr: Mehr Bio aus der Region für die Region: Was macht die Bio-Musterregion Ludwigsburg-Stuttgart im Bereich Gemeinschaftsverpflegung? (Annegret Bezler, Bio-Musterregion Ludwigsburg-Stuttgart)
15:15 Uhr: Pause
15:30 Uhr: Einsatz von Hülsenfrüchten in Kita und Schule (Alexandra Knauß, Landeszentrum für Ernährung Baden-Württemberg)
15:50 Uhr: Proteinreichen pflanzlichen Lebensmittel – neue Ideen für Kinder und Jugendliche (Mayoori Buchhalter, BIOSpitzenköchin)
16:45 Uhr: Fazit und ein Ausblick (Anja Erhart, FiBL Projekte GmbH)
17:00 Uhr: Ende der Veranstaltung
Termin
18.05.2022, von 14:00 – 17:00 Uhr
Ort
Online für die Region Ludwigsburg-Stuttgart
Regionalpartner und weitere Veranstaltende
FiBL Projekte GmbH, Kasseler Straße 1a, 60486 Frankfurt
Landeszentrum für Ernährung Baden-Württemberg an der Landesanstalt für Landwirtschaft, Ernährung und Ländlichen Raum (LEL), Oberbettringer Straße 162, 73525 Schwäbisch Gmünd
Dieses Angebot ist kostenfrei. Es entsteht keine Teilnahmegebühr. Bio kann jeder – Nachhaltig essen in Kita und Schule unterstützt mithilfe von Workshops Verantwortliche vor Ort dabei, das Verpflegungsangebot für Kinder und Jugendliche nachhaltiger zu gestalten. Die Teilnehmenden erhalten von Regionalpartnern praxisorientierte Tipps wie sie Lebensmittel aus ökologischer Erzeugung in ihren Einrichtungen einführen beziehungsweise das Angebot erweitern können. Die Bio kann jeder-Workshops werden im Auftrag des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) im Rahmen des Bundesprogramm Ökologischer Landbau und andere Formen nachhaltiger Landwirtschaft (BÖLN) durchgeführt.
BZgA-Initiative „Kinder stark machen“
geschrieben von Redakteur | Mai 5, 2022
Beauftragter der Bundesregierung für Sucht- und Drogenfragen, Burkhardt Blienert, übernimmt Schirmherrschaft
Für eine gute körperliche, seelische und geistige Entwicklung von Kindern ist es wichtig, dass sie ihre Potenziale entfalten können. Wer sich stark fühlt, ist gut gewappnet, „Nein“ zu Suchtmitteln jeder Art sagen zu können. Mit der Mitmach-Initiative „Kinder stark machen“ fördert die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) deshalb das Heranwachsen von Kindern und Jugendlichen zu selbstbewussten Persönlichkeiten.
Die Schirmherrschaft der BZgA-Initiative zur frühen Suchtprävention übernimmt der Beauftragte der Bundesregierung für Sucht- und Drogenfragen, Burkhardt Blienert.
Broschüren und Flyer für Erziehende zu der Thematik der gesunden Entwicklung von Kindern – angefangen bei der Suchtvorbeugung im frühen Kindesalter, über ausgewogene Ernährung bis hin zum Angebot der kinderärztlichen Früherkennungsuntersuchungen U1 bis U9 können bei der BZgA bezogen werden.
Kinder stärken und sie in ihrer Entwicklung unterstützen. Das ist der Weg, Kinder körperlich, geistig und seelisch zu erziehen. Auf Basis neuester wissenschaftlicher Erkenntnisse zeigen die Autorinnen, wie Sie dazu beitragen, dass Kinder zu starken Persönlichkeiten werden, die sich nicht in Angst, Gewalt oder Sucht flüchten. Ein umfassender Ratgeber für Eltern, Erzieher und Therapeuten.
Klare Strukturen, Transparenz und Feedback fördern die Arbeitszufriedenheit
geschrieben von Redakteur | Mai 5, 2022
Studie an der Fachhochschule Bielefeld zur Motivation von Kita-Fachkräften
Kindertageseinrichtungen haben in den vergangenen 15 Jahren einen regelrechten Boom erlebt und noch immer entstehen weitere Kitas. Schließlich wurde die Zahl der Betreuungsplätze für Kinder unter drei Jahren ebenso ausgebaut wie die Ganztagesbetreuung. Auch qualitativ sind die Anforderungen an die Bildungseinrichtung Kita gestiegen – zum einen durch den gewachsenen Anspruch an Bildung, aber auch durch Inklusion, Integration und die Zusammenarbeit mit den Eltern. Aufgrund des Mangels an pädagogischen Fachkräften kommt es oftmals zu einem Berg an Überstunden.
Auswirkungen von Aufgabenflut und Fachkräftemangel
Aber wie wirkt sich die gestiegene Vielfalt an Aufgaben und der Fachkräftemangel auf die Arbeitszufriedenheit aus? Mit dieser Frage beschäftigt sich Anne Ruppert, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Fachbereich Sozialwesen der Fachhochschule (FH) Bielefeld. Die Diplom-Pädagogin war selbst Führungskraft in einer Kita und hat danach mehrere Jahre als selbstständige Trainerin viele Kita-Teams in Arbeits- und Teamprozessen begleitet. „Mir fiel auf, dass die Fluktuation beim pädagogischen Personal sehr hoch ist, und ich habe mich gefragt, woran das liegt. Dabei gibt es auch Kindertageseinrichtungen, in denen Teams seit Jahren zusammenarbeiten. Sie scheinen den erhöhten Anforderungen gerecht zu werden, die Fluktuation ist gering“, berichtet Ruppert. „Es scheint, als würde hier eine Balance zwischen den gestiegenen quantitativen wie qualitativen Anforderungen und der erbrachten Arbeitsleistung der Fachkräfte vorliegen.“
Was Teams zusammenhält
Doch was hält langlebige Teams zusammen? Ruppert stellt fest, dass Partizipation zwar wichtig ist. Aber von besonders großer Bedeutung sind Strukturen und Transparenz, also ein klarer Rahmen, in dem Partizipation stattfindet.
Anne Ruppert hat pädagogische Fachkräfte, Kita-Leitungen sowie Vertreterinnen verschiedener Träger in leitfadengestützten Interviews befragt. „Die Leitungen sind von selbst auf mich zugekommen, als sie hörten, dass ich die pädagogischen Fachkräfte befrage, weil sie ebenfalls daran interessiert sind, wie man eine hohe Arbeitszufriedenheit schaffen kann“, erläutert Anne Ruppert. Ähnliche Rückmeldungen bekam sie von den Trägern, und so ist auch diese Gruppe befragt worden. Insgesamt zwölf Leitfadeninterviews hat sie durchgeführt.
Transparenz und Struktur geben Sicherheit
Die Befragungen unter den pädagogischen Fachkräften zeigen: Es ist nicht die Partizipation allein. Ein festgelegter Rahmen, in dem die Mitbestimmung stattfinden kann, ist allen Beteiligten wichtig. Transparenz wird von den Befragten als wichtiger erachtet, als die Durchsetzung der eigenen Meinung. ‚Ich muss nicht immer alles mitbestimmen‘, habe Ruppert oft gehört. Wichtiger sei es für die Fachkräfte, dass Meinungen gehört und wahrgenommen werden, und dass es transparente Verantwortungsbereiche gibt. „Klare Zuständigkeiten geben Sicherheit – und Sicherheit ist die Grundlage für Partizipation und Arbeitszufriedenheit“, so Ruppert. „Wenn sich Prozesse und Gewohnheiten einschleichen und beispielsweise bestimmte Personen immer bestimmte Aufgaben übernehmen, ‚weil sie die schon immer gemacht haben‘, das Ganze aber gar nicht hinterfragt wird, kann das zu Unzufriedenheit führen“, erklärt die Pädagogin. Eine hohe Arbeitszufriedenheit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in einer Kita entsteht, wenn die Fachkräfte das System, in dem sie arbeiten, überblicken können, weil Arbeit und Organisation strukturiert und transparent sind.
Problematisch sei hingegen, wenn die Fachkräfte sich allein gelassen fühlen und keine oder nicht genügend Resonanz von Seiten der Leitung oder des Trägers erfahren, wie Ruppert erklärt: „Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter möchten Transparenz und Feedback, sei es positiv oder negativ – Hauptsache sie bekommen überhaupt eine Rückmeldung. Sie möchten gesehen und eingebunden werden. Kein Feedback zu bekommen, führt zu Unsicherheit, dabei will man Rückhalt und Sicherheit, in dem was man tut.“
Anne Ruppert geht davon aus, dass diese Faktoren sich nicht nur positiv auf die Arbeitszufriedenheit auswirken, sondern damit auch auf die pädagogische Arbeit. „Wer klar in seinen Aufgaben und Zuständigkeiten ist, kann sich auch auf das Wesentliche konzentrieren, nämlich die Arbeit mit den Kindern.“
Befragungen als erster Schritt für Kitaleitungen und Träger
Was können nun Kitaleitungen und die Träger tun, um zu mehr Arbeitszufriedenheit beizutragen? Anne Ruppert sieht in einer Befragung der Beschäftigten eine Chance: „Oft haben die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die täglich in den Strukturen arbeiten, eine Vorstellung davon, wo Abläufe optimiert werden können. Eine Befragung könnte ein erster Schritt sein, ihre Bedürfnisse wahrzunehmen und eine neue Perspektive auf Strukturen zu gewinnen.“ Für das Überarbeiten von Strukturen sei es jedoch ratsam, so Ruppert, sich externe Unterstützung zu holen: „Zum einen, um blinde Flecken ausfindig zu machen, und zum anderen, um Ressourcen zu erkennen, die man selbst nicht oder nicht mehr sieht.“
Wir verlosen drei kleine Pappbilder aus der Feder der bekannten Künstlerin Loes Botman
Das Ausmaß des Insektenrückgangs ist dramatisch. Dabei sind sie auch für uns Menschen überlebenswichtig. Sie bestäuben Pflanzen, dienen anderen Tieren als Nahrung und sind ein wesentlicher Bestandteil im Gleichgewicht Natur.
Deshalb ist es so wichtig, dass Kinder möglichst früh einen Bezug zu den kleinen Wesen finden. Und da der Mensch das am besten schützt, was er liebt, ist ein positiver Zugang entscheidend. Da passt es sehr gut, dass sich die weltbekannte Pastellkünstlerin Loes Botman seit Jahren diesem Thema widmet. Sie weiß wie keine andere, wie sie den Charakter der Tiere in ihren faszinierenden Pastellzeichnungen zum Ausdruck bringen kann. Dies ist einer der Gründe, warum ihre Bücher von kleinen Kindern so geliebt werden. Ihnen erschließt sich hier eine faszinierende neue Welt, in der die kleinen Tiere in einem natürlichen Hintergrund wunderschön zum Leben erweckt werden. Ihr habt noch nie so schöne Insekten gesehen.
Loes Botman
Nach dem Abschluss ihres Studiums an der „Königlichen Akademie für Bildende Künste“ in Den Haag hat sich Loes Botman auf das Zeichnen mit Pastellkreiden spezialisiert. Sie war von der Schlichtheit des Pastellmaterials fasziniert. Sie ist eine der führenden Künstlerinnen in diesem Bereich und gibt Kurse für Hobbykünstler und Profis in den Niederlanden und den USA.
Wir verlosen dreimal das kleine Insektenbuch von Loes Botman.
Service-Portal Integration soll mit Praxistipps, Experteninterviews und Ideen helfen
Rund zwei Millionen Kinder mussten bisher aus den Kriegsgebieten der Ukraine fliehen, schätzt das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen. Allein in Berlin stehen laut Bildungssenatorin Astrid-Sabine Busse bis zu 5.000 Kitaplätze für diese Kinder zur Verfügung. Um den Erzieherinnen und Erziehern in Kitas bei der Integration geflüchteter Kinder zu helfen, hat die Stiftung „Haus der kleinen Forscher“ das Service-Portal Integration (http://hdkf.de/integration) ins Leben gerufen.
Es bietet Praxistipps, Experteninterviews sowie Beispiele und Ideen für den Alltag mit geflüchteten Kindern in den Bildungseinrichtungen.
Service-Portal als zentrale Anlaufstelle für Fragen rund um das Thema Integration in Kitas
Die Pädagoginnen und Pädagogen in Kitas stehen aktuell vor großen Herausforderungen. Sie haben viele Fragen, wenn es gilt, geflüchtete Kinder in die Einrichtung zu integrieren: Wie gehe ich mit traumatischen Fluchterfahrungen, Trauer oder Furcht um? Wie kann die Einbindung in die Gruppe trotz sprachlicher Unterschiede gelingen? Was ist bei der Kommunikation mit den Eltern zu beachten?
Das Service-Portal Integration bietet als zentrale Anlaufstelle den pädagogischen Fachkräften erste Antworten, Praxistipps, Beispiele und Ideen für den Alltag in den Bildungseinrichtungen sowie Experteninterviews, Hintergrundartikel und Reportagen zum Thema Integration. Kita-Mitarbeitende finden zu den Themengebieten Ankommen, Sprachförderung, Forschendes Lernen, Trauma sowie Interkulturalität und Elternarbeit zahlreiche alltagsnahe Angebote, wie Erfahrungsberichte aus der Praxis, Hintergrundartikel, Reportagen und Beispiele für eine gelungene Integration.
Der Vorstand der Stiftung „Haus der kleinen Forscher“, Michael Fritz: „Viele Erzieherinnen und Erzieher berichten uns, dass ihnen die Corona-Pandemie viel abverlangt hat. Trotzdem möchten sie die Kinder, die aus der Ukraine bei uns in Deutschland ankommen, gut in ihre Gruppen aufnehmen und ihnen ein sicheres und kindgerechtes Umfeld bieten. Wir als Stiftung unterstützen sie dabei. Das digitale Angebot Service-Portal Integration ist eine Anlaufstelle bei allen Fragen rund um das Thema ‚Integration geflüchteter Kinder in der Kita‘.“
Das Service-Portal Integration entstand zwischen 2016 und 2019 („Flüchtlingskrise in Deutschland“) durch Förderung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF). Aktuell wird es durch die Robert Bosch Stiftung und den Fröbel e.V unterstützt.
Quelle: Pressemitteilung der Stiftung Haus der kleinen Forscher
Dem Resonanzbedürfnis des Kindes antworten
geschrieben von Redakteur | Mai 5, 2022
Die Möglichkeit durch wechselseitiges Berührtwerden ein In-Beziehung-Treten mit dem Kind zu pflegen
Der viel diskutierte deutsche Soziologe und Sozialphilosoph Hartmut Rosa erkennt, dass heute die Sinnressource zunehmend austrocknet und Menschen in eine Sinnkrise führen kann. Erwachsene und Kinder erfahren aber ihr Leben dann als sinnvoll, wenn sie sich mit der Welt und besonders mit anderen Menschen, mit ihrer Arbeit und ihrer Umgebung verbunden fühlen und in diesem Resonanzraum danach handeln. Anders gesagt: wenn sie Resonanz erleben und die Welt zu ihnen spricht.
Rosa wendet sich dem unverfügbaren zwischenmenschlichem Raum zu. Er sieht in dem Begriff Resonanz eine Möglichkeit, zu dem Innenleben des Kindes zu finden, mit ihm ein In-Beziehung-Treten von Ich zu Ich zu pflegen durch wechselseitiges Berührtwerden für ein gutes Leben des Kindes wie des Erwachsenen zu sorgen. Gelingt dies nicht, dann beginnt eine Entfremdung.
Für das Kind wie ein Reflektor wirken
Versuchen wir die Entwicklung eines Kindes auf der Grundlage der mir bekannten Erkenntnisse aus den Humanwissenschaften auf den Punkt zu bringen, dann können wir sagen: Jedes Kind wächst von Beginn an in die sozialen Regeln seiner Mitwelt hinein, lernt diese immer besser zu verstehen und einzuhalten. Ebenso gestaltet es diese aus eigener Initiative mit, sofern seinem Bedürfnis nach Resonanz, nach einfühlender Antwort, nach Anerkennung und Achtung seiner individuellen Entwicklung entsprochen wird. Hier gestaltet es im sozialen Miteinander seine Entwicklung und die Entwicklung seiner Mitwelt mit.
Die Erzieherin hat also dafür zu sorgen, dass sich das Kind nach seinem Bedürfnis an diesem wechselseitigen Geschehen mit beteiligen kann. Sie wird über ihre Erfahrungen nachdenken und sich bemühen, ihre Praxis weiterzuentwickeln und zu verbessern. Sie wird für das Kind, das in der Spiel- und Lernsituation bei einer schwierigen Aufgabe eine Lösung sucht, wie ein Reflektor oder Spiegel wirken und ihm so mit einfühlender Haltung sein ganz persönliches neugieriges, entdeckendes und forschendes Lernen ermöglichen – ohne Überredung, Besserwissen oder gar Zwang.
Dem Kind die Lösung zutrauen
Die Erzieherin traut dem Kind die Lösung des Problems beim Spielen, Lernen und Arbeiten zu. Es kann dann mit seiner Willenskraft seinen Weg finden – auch durch Versuch und Irrtum. In diesem einladenden Raum entwickelt es seine Fantasie und Neugierde. Sein Handlungsspielraum wächst und es kann auch dem Schweren die Stirn bieten.
Die Erzieherin handelt hier so, dass die Möglichkeiten des kindlichen Handelns wachsen, seine Fähigkeiten und Talente sich (aus)bilden und ausformen und es auch die Verantwortung für sein Handeln übernehmen kann. Hier werden die Handlungen des Kindes nicht festgelegt. Es kann sein Handeln frei entfalten und erweitern.
Disposition zur Resonanz bestimmt die Grundhaltung der Erzieherin
Die Erzieherin geht nicht von einer vorgegebenen abstrakten Theorie aus. Sie entwickelt vielmehr ihr Handeln aus dem wahrgenommenen Bedürfnis des Kindes in der Beziehungssituation. Diese Resonanz kann keiner für sich allein haben. Sie ereignet sich vielmehr im
Zwischenraum: Die Erzieherin schwingt mit dem Kind mit und antwortet so auf sein Resonanzbedürfnis. Ihre Resonanzfähigkeit zeigt sich im einfühlenden Erleben des Kindes und führt zum inneren Reichtum – unabhängig von den äußeren Umständen. Ihre Grundhaltung ist von einer Disposition zur Resonanz bestimmt.
In diesem Buch bringt Ferdinand Klein Rudolf Steiners Gedanken über die Erziehungs- und Bildungspraxis ins Gespräch. Dabei geht es auch um Humanisierung und die Entschulung der Schulen und Kindergärten, um grundlegende Orientierung am sich entwickelnden Kinder in der Lebenswirklichkeit hier und heute. Denn alles Forschen, Lehren, Erziehen und Bilden dient einer Aufgabe: Das (auf)gegebene individuelle Kind auf seinem Entwicklungsweg mit Herz und Tatkraft zu begleiten und zu leiten.
Ferdinand Klein Waldorfpädagogik in Krippe und Kita Einblick in eine ganzheitliche Praxis, die jedem Kind seinen individuellen Lebensweg ermöglicht BurkchardtHaus ISBN: 9783963046100 208 Seiten, 25 Euro
Rosa veranschaulicht die Resonanzphänomene mit dem Bild zweier Stimmgabeln, die sich wechselseitig in Schwingung versetzen. Schlägt man eine Stimmgabel an und hält man eine zweite auf den Körper, dann schwingen beide bei positiven Bedingungen, eben auch die nichtangeschlagene Stimmgabel (Rosa 2016, S. 211 f.). Dies ermöglicht den Resonanzboden zwischen Ich und Welt zu verbessern. Die Atmosphäre des Wohlwollens und der gegenseitigen Akzeptanz kann niemals einseitig sein, denn Resonanz ereignet sich zwischen dem Ich des Kindes und dem Ich der Erzieherin. Rosa beschreibt diese Beziehungs- und Lernvorgänge mit dem Hören und Antworten: „Hören auf eine Sache und dann antworten in einer Weise, wie es eben nicht in einem Managementbuch oder in einem Kompetenzbuch zu lesen ist, sondern wie es situationsadäquat und interaktionsadäquat sein muss“ (Rosa 2019, S. 19). Dieser Atmosphäre des Wohlwollens begegnen wir im Waldorfkindergarten.
Beispiel: Kochen und Backen (von Gabriele Scholz)
Einmal in der Woche kochen oder backen wir, wobei wieder das sprachlich-rhythmische Begleiten der Tätigkeiten eine große Rolle spielt. Ebenso wichtig ist eine gut vorbereitete Arbeitssituation. Die Kinder sollen durch die vorbereitete Situation in die gewünschte Handlungsweise kommen, das heißt die bereitgelegten Schürzen, die gerichteten Zutaten, die bereitgestellten Gerätschaften sagen in sich aus, um was es geht, wie was getan werden will.
Im Erleben und Tun sinnvoller Handlungsabläufe begründet sich das spätere Erfassen von Ursache und Wirkung, von sinngemäßen Zusammenhängen im Denken. Die gut geplante Vorbereitung und genau bedachte Abfolge tragen in sich die richtige Richtung und sinnvolle Handlung der uns nachahmenden Kinder. Auch die dadurch vorhandene Ruhe der Handlung ist sehr wichtig, um sich jedem Teil des Handlungsablaufs in Liebe und Freude zuwenden zu können.
Wie viel wird da entdeckt, zum Beispiel beim Gemüse waschen und schneiden. Jedes einzelne Rübchen trägt innen einen hellen Stern, Zucchini haben die schönsten Blumenformen, die Röschen des Blumenkohls sind einzeln wie kleine Bäumchen – unendlich ist die Vielfalt und Schönheit der Natur. Die Kinder lieben diese Entdeckungen, besonders die herrlichen Farb-, Form- und Dufterlebnisse. Wie vielfältig sind die Tastqualitäten, wie reichhaltig die Möglichkeit der feinmotorischen Tätigkeiten beim Schneiden der Gemüse oder Wiegen der Kräuter mit dem Wiegemesser. Beim Backen lieben sie besonders die verschiedenen Stadien des Mürb-Hackteigs. Wieder kann man erleben, einerseits wie wichtig die differenzierte Einzelwahrnehmung ist, andererseits der Bezug, den man schaffen kann durch die am Anfang erwähnte Begleitung mit Sprachlich-Musikalischem. Auch kann natürlich nicht jeder gleichzeitig am Teig sein, aber die Gestaltung durch das Backlied beim Kneten oder Rührlied beim Rühren teilt ganz selbstverständlich die Tätigkeit ein: solange ein Lied dauert rührt oder knetet ein Kind. Ist es zu Ende, kommt das nächste dran. Ein hilfreiches sozial wirksames Instrument wird durch diese Handhabung geschaffen.
Wenn das Gemüse geschnitten ist, oder der Teig auf dem Blech liegt, samt den dazugehörigen Äpfeln oder sonstigem Belag, „füttern“ wir unser Feuer im Herd: Zuerst braucht es kleine „Vorspeisen“, das heißt die Kinder suchen die feinen, kleinen Holzstückchen. Später verträgt es auch den „Braten“, das heißt die großen Holzstücke. Und wieder erleben die Kinder herrliche, vielfältige Sinneseindrücke, beim Kochen drinnen am Feuerherd, beim Backen draußen am Backhaus. Unersetzbar scheinen mir diese Erfahrungen zu sein, und ich habe bis jetzt auch noch nie erlebt, dass ein Kind sich am Feuer verbrannt hat. Zu ehrfurchtgebietend ist das lebendig erlebte Feuer – ganz anders als der Elektroherd, an dem sie oft unbewusst am Schalter drehen, ohne wirklich zu erleben, was passiert, weil Tat und Wirkung zu viele Denkprozesse voraussetzen (Scholz 1999).
Literaturverzeichnis:
Rosa H. (2016), Eine Soziologie der Weltbeziehung, 3. Aufl. Berlin, Suhrkamp.
Rosa H. (2019), Unverfügbarkeit, Wien/Salzburg, Residenzverlag.
Scholz, G. (1999), Der Jahreslauf im Föhrenbühler Kindergarten als Grundlage rhythmischer Gestaltung. In: Zeitschrift lernen konkret. 18. Jg., Heft 1, S. 12 bis 18.
Der Autor:
Prof. Dr. Dr. et Prof h.c. Ferdinand Klein ist Lehrer, Heilpädagoge und Logotherapeut, Erziehungswissenschaftler im Fachgebiet Heilpädagogik. Er war 14 Jahre in der heilpädagogischen Praxis tätig, dann an acht Universitäten im In- und Ausland. Zu seinen Arbeitsschwerpunkten zählen Kindheitspädagogik, interkulturelle und inklusive Pädagogik, Forschungsmethoden, Korczakpädagogik und ethische Fragen.
„Wir brauchen ein 100-Milliarden-Sondervermögen für Bildung“
geschrieben von Redakteur | Mai 5, 2022
Bildungsgewerkschaft GEW zum „Tag der Arbeit“
„Gleiche Bildungschancen sind entscheidend für die Entwicklung unserer Gesellschaft. Sie ermöglichen den Menschen Teilhabe und ein selbstbestimmtes Leben“, begründet Maike Finnern, Vorsitzende der GEW, ihren Vorstoß während der Kundgebung der DGB-Gewerkschaften am 1. Mai in Essen. Der „Tag der Arbeit“ steht unter dem Motto „GeMAInsam Zukunft gestalten“.
Große und bedeutsame Worte auch füllen
Die GEW-Vorsitzende macht deutlich, dass sie die Bildungsvorhaben mit dem Titel „Mehr Fortschritt wagen“, die die Ampel in ihrem Koalitionsvertrag vereinbart hat, grundsätzlich begrüße. Sie stellt aber auch fest: „Die neue Bundesregierung inszeniert sich mit viel Pathos. So große und bedeutsame Worte wollen aber erst einmal gefüllt und umgesetzt werden. Denn so gut und fortschrittlich sich die Pläne der Regierung anhören, so wenig wird über die Preisschilder gesagt, die sich hinter den angekündigten Maßnahmen verbergen. Und bereits jetzt, nach knapp fünf Monaten, bröckelt die Einheit, der kleinste Koalitionspartner FDP nimmt sich extrem viel Raum.“
Kooperationsverbot beenden
Die angekündigten Verbesserungen der Betreuungsrelation in den Kitas, Qualitätsstandards für den Ganztag, sozial Ungleiches ungleich zu behandeln mit dem Startchancen-Programm, das für 20 Prozent der allgemein- und berufsbildenden Schulen greifen soll, mehr Dauerstellen für Daueraufgaben an den Hochschulen und die Fortführung der Nationalen Weiterbildungsstrategie seien richtige Projekte. „Fest steht: Das alles kostet Geld, viel Geld. Das Sondervermögen ist eine Lösung. Aber die Bundesregierung wird ihre Projekte nicht finanzieren können, ohne das Kooperationsverbot in der Bildung komplett zu schleifen, die Schuldenbremse zu kippen und die Lasten in unserer Gesellschaft anders zu verteilen. Wir brauchen eine mutigere und gerechtere Steuerpolitik, die Vorschläge des DGB liegen auf dem Tisch“, unterstreicht Finnern.
„Die zweite entscheidende Frage lautet: Mit welchem Personal sollen die Veränderungen vor dem Hintergrund des dramatischen Fachkräftemangels gelingen? Bis 2030 werden mindestens 250.000 qualifizierte Menschen in den Bildungsberufen fehlen. Bund und Länder müssen diesen Fachkräftemangel endlich gemeinsam wirksam bekämpfen“, betont Finnern. „Wenn das nicht gelingt, sind alle anderen Vorhaben zum Scheitern verurteilt.“ Zusätzlich müssten die Fachkräfte an Kitas, Schulen, Hochschulen und in der Weiterbildung nach zwei Jahren Corona-Pandemie endlich entlastet werden: „Die Kolleginnen und Kollegen arbeiten am Limit – und oft darüber hinaus.“
Solidarität der Gewerkschaftsbewegung mit Geflüchteten
Die GEW-Vorsitzende verurteilt den völkerrechtswidrigen Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine scharf. Sie appelliert an den russischen Präsidenten Wladimir Putin: „Beenden Sie diesen Krieg sofort! Lassen Sie endlich die Waffen schweigen!“ Finnern verweist auf die grenzüberschreitende Solidarität der Gewerkschaftsbewegung: „Der DGB und seine Mitgliedsgewerkschaften haben eine friedenspolitische Überzeugung aus historischer Verantwortung. Wir arbeiten eng mit der internationalen Gewerkschaftsbewegung zusammen. Wir organisieren praktische Hilfe.“ Gemeinsam unterstützten die DGB-Gewerkschaften die ukrainischen Gewerkschaften mit humanitärer Hilfe, organisierten Konvois und Züge mit Hilfsgütern und öffnen Bildungsstätten für Geflüchtete. „Die vielen Kinder und Jugendlichen, die aus der Ukraine geflüchtet sind, in das Bildungssystem in Deutschland zu integrieren, ist eine große Herausforderung. Dieser stellen sich alle Beschäftigten gerne. Sie brauchen von der Politik jedoch materielle und personelle Unterstützung“, sagt Finnern.
Quelle: Pressemitteilung GEW
Alleinerziehende haben das Nachsehen
geschrieben von Redakteur | Mai 5, 2022
Studie der Bertelsmann-Stiftung „Wer gewinnt? Wer verliert?“ gratis zum Download
Frauen können sich, auf das gesamte Erwerbsleben gerechnet, nur etwas mehr als halb so viel Bruttoeinkommen erarbeiten wie Männer. Dieser sogenannte Gender Lifetime Earnings Gap ist für Mütter noch größer. Eine von der Bertelsmann Stiftung geförderte Studie des ForscherInnenteams um Timm Bönke von der FU Berlin zeigt, dass sich diese Lücke mit Blick auf die verfügbaren Einkommen und damit den tatsächlichen Lebensstandard vor allem dann schließt, wenn Frauen sich innerhalb des traditionellen Familienbilds bewegen. Werden beide Einkommen im Haushalt zwischen den Eheleuten gleichmäßig aufgeteilt, fängt das Partnereinkommen Einkommensausfälle von Müttern infolge von Erwerbsunterbrechungen, beispielsweise durch Kindererziehungszeiten, auf.
Alleinerziehende haben höhere Einbußen
Fällt diese Absicherung im Haushalt jedoch weg, kann der Staat Einkommensausfälle in der Lebensperspektive nur unzureichend kompensieren: Heute Mitte-30-jährige verheiratete Mütter und Väter haben in ihrem Haupterwerbsalter, das heißt zwischen 20 und 55 Jahren, nach Steuern und Abgaben zuzüglich Transfers und Familienleistungen jeweils rund 700.000 Euro zur Verfügung. Frauen, die überwiegend alleinerziehend sind (mehr als die Hälfte der Erziehungszeit) kommen lediglich auf rund 520.000 Euro und müssen im Vergleich zu verheirateten Müttern damit durchschnittlich Einbußen von rund 25 Prozent hinnehmen. Der tatsächliche Lebensstandard hängt also stark von der Familienkonstellation und den wohlfahrtsstaatlichen Leistungen ab. „Für verheiratete Mütter schließt sich die geschlechtsspezifische Lücke in den Lebenseinkommen – die Partnerschaft sichert sie finanziell ab“, sagt Manuela Barišić, Arbeitsmarktexpertin der Bertelsmann Stiftung. „Alleinerziehende haben dagegen das Nachsehen, da sie von Partnereinkommen kaum oder gar nicht profitieren können.“
Der Sozialstaat gleicht Lebenseinkommensverlust von Alleinerziehenden nicht aus
Bei (überwiegend) alleinerziehenden Müttern kann das im Zuge der Familiengründung wegfallende Einkommen kaum oder gar nicht durch einen Partner kompensiert werden. Sie sind daher stärker auf staatliche Sozialleistungen angewiesen und hinken dennoch hinterher. Das gilt auch für Mütter, die über einen längeren Zeitraum verheiratet waren und sich nach der Trennung um die Kinder kümmern. Das verfügbare Lebenseinkommen von heute Mitte-30-jährigen teilweise alleinerziehenden Müttern (weniger als die Hälfte der Erziehungszeit) liegt bei 625.000 Euro und ist damit rund 10 Prozent niedriger als das der verheirateten Mütter. Die Zahlen zeigen auch, dass Alleinerziehende zunehmend auf Transferleistungen angewiesen sind. Im Vergleich zu älteren Alleinerziehenden (Jahrgang 1964), ist der Anteil der Transfers am gesamten Lebenseinkommen für jüngere teilweise alleinerziehende Mütter (Jahrgang 1985) von fünf auf neun Prozent und für überwiegend Alleinerziehende von zehn auf 17 Prozent stark angestiegen. Gleichzeitig ist der Anteil des Einkommens aus Erwerbstätigkeit gesunken, weil sich beispielsweise Phasen der Ausbildung oder der Arbeitslosigkeit verlängert haben. Sie sind nur bedingt in der Lage, zu den verheirateten Müttern aufzuschließen. „Viele der familienbezogenen Leistungen sind noch immer auf die eheliche Lebensgemeinschaft ausgerichtet, so wie das Ehegattensplitting oder die beitragsfreie Mitversicherung. Für Alleinerziehende oder nicht verheiratete Paare sind diese Leistungen nicht zugänglich“, sagt Bönke, Juniorprofessor für Öffentliche Finanzen und Autor der Studie.
Fehlanreize abbauen, Kinderbetreuung ausbauen und finanzielle Absicherung stärken
Insbesondere die Kombination aus Ehegattensplitting, steuer- und abgabenfreien Minijobs und fehlenden Betreuungsmöglichkeiten setzt starke Anreize für eine traditionelle Rollenaufteilung, in der die Frau weniger Erwerbsarbeit und dafür mehr Sorgearbeit übernimmt als der Mann. Dabei sind die Vorteile einer solchen Spezialisierung im Haushalt über das Leben gering, der Preis langfristig aber hoch: „Viele Frauen stecken in der Zweitverdienerinnenfalle fest. Dadurch sind es bei Trennungen und im Alter vor allem Frauen, die gravierende finanzielle Einbußen in Kauf nehmen müssen“, mahnt Barišić. „Wohlfahrtstaatliche Leistungen, die einen spezifischen Lebensentwurf fördern, sollten der Vergangenheit angehören, zumal Familie heute deutlich vielfältiger ist als früher.“
Stattdessen müsse es um eine universellere Absicherung unterschiedlicher Lebenswirklichkeiten gehen – durch verlässliche und qualitativ hochwertige Kinderbetreuung und größeren finanziellen Spielraum. Dies seien wichtige Rahmenbedingungen für eine gleichmäßigere Aufteilung von Erwerbs- und Sorgearbeit zwischen den Geschlechtern und eine bessere Absicherung von Alleinerziehenden.
Zusatzinformationen:
Der von der Bertelsmann Stiftung geförderten Studie „Wer gewinnt? Wer verliert? Die Absicherung von Lebenseinkommen durch Familie und Staat“ liegt ein dynamisches Mikrosimulationsmodell zugrunde, das vollständige Erwerbsbiografien im Längsschnitt auf Basis des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) nachzeichnet. Basierend auf den jährlichen Haushaltsbruttoerwerbseinkommen, der Haushaltszusammensetzung und der Einkommens- und Erwerbshistorie werden Transferansprüche, staatliche Familienleistungen (inklusive Ehegattensplitting), Steuern und Abgaben im Alter zwischen 20 und 55 Jahren für die Geburtskohorten 1964 bis 1985 modelliert. Dabei wird ein vollständiges Einkommenspooling unterstellt, sodass Erwerbseinkommen zwischen Eheleuten gleichmäßig aufgeteilt werden. So kommt man vom individuellen Bruttolebenserwerbseinkommen zum äquivalenten verfügbaren Lebenseinkommen. Diese Publikation bildet die dritte und letzte Studie der Reihe „Wer gewinnt? Wer verliert?“ zu langfristigen Arbeitsmarkt- und (Lebens-)Einkommensentwicklungen von Frauen und Männern in Deutschland.