Eltern wünschen Handyverbote – Kinder brauchen etwas anderes

Eine aktuelle Studie zeigt, warum Medienkompetenz nicht mit Verboten beginnt, sondern mit Vorbildern, Beziehungen und einer Kindheit ohne Zeitdruck

Kaum ein Thema wird derzeit so kontrovers diskutiert wie der Umgang mit Smartphones in Schulen. Lehrkräfte berichten von Schülerinnen und Schülern, die während des Unterrichts heimlich Nachrichten lesen, Videos anschauen oder über Messenger-Dienste miteinander kommunizieren. Mehrere Bundesländer haben deshalb strengere Regelungen für die Nutzung digitaler Geräte beschlossen oder angekündigt. Auch viele Eltern begrüßen solche Maßnahmen. Sie wünschen sich Schulen als Orte, an denen Kinder ungestört lernen können.

Doch reicht ein Handyverbot aus, um Kinder auf ein verantwortungsvolles Leben in einer digitalen Welt vorzubereiten?

Eine aktuelle repräsentative Untersuchung der Postbank wirft genau diese Frage auf – wenn auch unbeabsichtigt. Denn hinter den veröffentlichten Zahlen verbirgt sich ein bemerkenswerter Widerspruch. Während sich die große Mehrheit der Eltern klare Regeln für den Schulalltag wünscht, fehlen in vielen Familien ausgerechnet dort verbindliche Vereinbarungen, wo Medienkompetenz ihren Anfang nimmt: im täglichen Zusammenleben.

Damit richtet sich der Blick auf eine grundsätzliche pädagogische Frage. Nicht: Sollten Smartphones im Unterricht erlaubt sein? Sondern vielmehr: Wo entsteht Medienkompetenz überhaupt?

Der Entwicklungs- und Frühpädagoge Armin Krenz beantwortet diese Frage mit einem ebenso einfachen wie weitreichenden Satz:

„Medienkompetenz beginnt bei den Erwachsenen.“

Dieser Gedanke bildet den Schlüssel zum Verständnis der aktuellen Debatte.

Der Widerspruch steckt nicht in den Kindern

Für ihre Postbank-Digitalstudie 2026 befragte die Bank mehr als 3.000 Menschen in Deutschland, darunter 732 Eltern minderjähriger Kinder. Die Ergebnisse bestätigen zunächst eine Entwicklung, die viele Lehrkräfte aus ihrem Schulalltag kennen.

82 Prozent der Eltern sprechen sich für ein Handyverbot an Schulen aus. Mehr als die Hälfte begründet dies mit der Sorge, Smartphones beeinträchtigten Aufmerksamkeit und Konzentration während des Unterrichts. Weitere Eltern befürworten ein Verbot grundsätzlich, wünschen sich jedoch Ausnahmen für besondere Situationen.

Diese Haltung ist nachvollziehbar. Zahlreiche wissenschaftliche Untersuchungen zeigen inzwischen, dass ständige digitale Unterbrechungen Lernprozesse erschweren können. Der Global Education Monitoring Report der UNESCO weist darauf hin, dass digitale Technologien den Unterricht nur dann bereichern, wenn sie didaktisch sinnvoll eingesetzt werden. Werden Smartphones dagegen unkontrolliert genutzt, konkurrieren sie permanent mit der Aufmerksamkeit der Lernenden. Auch Auswertungen der OECD auf Grundlage der PISA-Studien beschreiben Zusammenhänge zwischen häufiger digitaler Ablenkung und geringeren Lernleistungen.

Damit endet jedoch die eigentliche Aussage der Studie nicht.

Denn dieselben Eltern, die von Schulen klare Regeln erwarten, setzen diese im Familienalltag häufig nur eingeschränkt um.

Zwar geben neun von zehn Familien an, grundsätzlich Regeln für die Smartphone-Nutzung ihrer Kinder vereinbart zu haben. Bei genauerem Hinsehen beziehen sich diese Regeln jedoch vor allem auf einzelne Situationen: Während gemeinsamer Mahlzeiten oder bei den Hausaufgaben bleibt das Smartphone in etwa der Hälfte der Familien ausgeschaltet.

Anders sieht es dort aus, wo Kinder heute den größten Teil ihrer digitalen Erfahrungen sammeln.

In 57 Prozent der Familien gibt es keine verbindlichen Regeln für die Nutzung sozialer Netzwerke oder Messenger-Dienste. 65 Prozent der Eltern verzichten auf zeitliche Begrenzungen der täglichen Smartphone-Nutzung. In rund zwei Dritteln der Haushalte dürfen Kinder ihr Smartphone sogar unmittelbar vor dem Schlafengehen nutzen. Gleichzeitig überprüfen viele Eltern – insbesondere in der Altersgruppe über 40 Jahre – die Aktivitäten ihrer Kinder in sozialen Netzwerken nur selten oder gar nicht. Häufig begründen sie dies mit ihrem Vertrauen in die Eigenverantwortung ihrer Kinder.

Gerade diese Zahlen machen den eigentlichen Befund der Untersuchung deutlich. Nicht die Kinder handeln widersprüchlich. Die Erwachsenen tun es.

Sie wünschen sich verbindliche Grenzen dort, wo sie selbst nur begrenzt Einfluss haben – in der Schule. Gleichzeitig fällt es vielen Familien schwer, genau jene Orientierung im Alltag zu geben, die Kinder für einen sicheren und verantwortungsvollen Umgang mit digitalen Medien benötigen.

Medienkompetenz beginnt lange vor dem ersten Smartphone

Der Satz „Medienkompetenz beginnt bei den Erwachsenen“ von Armin Krenz wirkt auf den ersten Blick beinahe provokant. Tatsächlich beschreibt er einen Grundsatz, der seit Jahrzehnten zu den gesicherten Erkenntnissen der Entwicklungspsychologie gehört.

Kinder lernen nicht in erster Linie durch Regeln oder Verbote. Sie lernen vor allem durch Beziehungen, Erfahrungen und Vorbilder. Schon der kanadische Psychologe Albert Bandura konnte mit seiner sozial-kognitiven Lerntheorie zeigen, dass Kinder Verhaltensweisen vor allem dadurch übernehmen, dass sie Erwachsene beobachten und deren Handeln nachahmen.

Für den Umgang mit digitalen Medien gilt dieses Prinzip in besonderem Maße.

Kinder erleben täglich, welchen Stellenwert Smartphones im Leben ihrer Eltern einnehmen. Sie beobachten, ob Erwachsene beim Essen auf ihr Display schauen, Gespräche unterbrechen, weil eine Nachricht eingeht, oder jede freie Minute nutzen, um soziale Netzwerke zu verfolgen. Ebenso erleben sie Erwachsene, die ihr Smartphone bewusst zur Seite legen, aufmerksam zuhören, Bücher lesen, miteinander sprechen oder gemeinsame Zeit nicht ständig durch digitale Unterbrechungen unterbrechen lassen.

Diese Erfahrungen prägen Kinder weit nachhaltiger als jede Bildschirmzeitregel.

Deshalb greift die öffentliche Diskussion häufig zu kurz. Sie kreist meist um technische Fragen: Ab welchem Alter sollte ein Kind ein Smartphone besitzen? Wie viele Minuten Bildschirmzeit sind vertretbar? Welche Apps sind problematisch?

Aus pädagogischer Sicht ist zunächst eine ganz andere Frage entscheidend:

Welche Fähigkeiten muss ein Kind überhaupt entwickeln, bevor es digitale Medien selbstständig und verantwortungsvoll nutzen kann?

Entwicklung lässt sich nicht überspringen

Kinder werden nicht mit Konzentrationsfähigkeit, Selbststeuerung oder Urteilsvermögen geboren. Diese Fähigkeiten entwickeln sich Schritt für Schritt während der gesamten Kindheit.

In den ersten Lebensjahren entstehen zunächst die Grundlagen: sichere Bindungen, Sprachentwicklung, Wahrnehmung, Motorik, emotionale Sicherheit, Empathie und die Fähigkeit, eigene Bedürfnisse aufzuschieben. Später kommen logisches Denken, kritische Urteilsfähigkeit, Verantwortungsbewusstsein und Selbstreflexion hinzu.

Genau diese Kompetenzen bilden die Grundlage dessen, was wir später Medienkompetenz nennen:

  • Wer Informationen kritisch bewerten soll, muss zunächst gelernt haben zu beobachten, Fragen zu stellen und Zusammenhänge zu verstehen.
  • Wer Werbung erkennen soll, benötigt ein entwickeltes Urteilsvermögen.
  • Wer soziale Netzwerke verantwortlich nutzen soll, braucht Empathie, Frustrationstoleranz und soziale Handlungskompetenz.
  • Wer der ständigen Verlockung digitaler Angebote widerstehen soll, muss Selbstregulation entwickelt haben.

Keine dieser Fähigkeiten entsteht am Smartphone. Sie entstehen im Spiel. Im Gespräch. Beim Vorlesen. Beim Bauen, Klettern, Malen, Musizieren und Experimentieren. Sie entstehen dort, wo Kinder ihre Umwelt mit allen Sinnen erfahren dürfen.

Gerade deshalb wäre es ein Missverständnis, Medienkompetenz mit möglichst frühem Medienkontakt gleichzusetzen. Kinder erwerben die Voraussetzungen für einen verantwortungsvollen Umgang mit digitalen Medien nicht dadurch, dass sie möglichst früh digitale Geräte benutzen. Sie erwerben sie dadurch, dass sie zunächst ihre reale Umwelt entdecken und verstehen lernen.

Kindertageseinrichtungen haben einen anderen Auftrag als Schulen

Für die pädagogische Praxis ist diese Unterscheidung von grundlegender Bedeutung.

Immer wieder werden Kindertageseinrichtungen und Schulen in der öffentlichen Diskussion gemeinsam betrachtet. Tatsächlich verfolgen sie jedoch unterschiedliche Bildungsaufträge.

Krippen und Kindergärten sind keine Vorstufe digitaler Bildung. Ihre wichtigste Aufgabe besteht darin, Kindern jene Entwicklungsbedingungen zu ermöglichen, auf denen später jedes weitere Lernen aufbaut. Bewegung, freies Spiel, kreatives Gestalten, Musik, Sprache, Naturerfahrungen, soziales Lernen und tragfähige Beziehungen sind deshalb keine Ergänzung des Bildungsauftrags – sie bilden seinen Kern.

Ein Krippenkind braucht keine Lern-App. Es braucht Erwachsene, die mit ihm sprechen, singen, spielen und seine Neugier ernst nehmen.

Ein Kindergartenkind braucht kein eigenes Smartphone. Es braucht Zeit, mit anderen Kindern Hütten zu bauen, Rollenspiele zu erfinden, Käfer zu beobachten, Geschichten zu hören, Fragen zu stellen und Konflikte auszutragen.

All diese Erfahrungen fördern genau jene Fähigkeiten, die später auch einen verantwortungsvollen Umgang mit digitalen Medien ermöglichen.

Schulen übernehmen anschließend eine andere Aufgabe.

Sie sollen Kinder und Jugendliche auf eine digital geprägte Gesellschaft vorbereiten. Dazu gehört selbstverständlich auch Medienbildung. Schülerinnen und Schüler müssen lernen, Informationen kritisch zu prüfen, Quellen zu bewerten, Desinformation zu erkennen, Datenschutz zu verstehen und digitale Werkzeuge sinnvoll einzusetzen.

Doch auch Schule beginnt nicht auf einer leeren Fläche. Sie baut auf den Erfahrungen auf, die Kinder in den ersten Lebensjahren gemacht haben.

Digitale Bildung kann Entwicklung erweitern. Sie kann fehlende Entwicklung jedoch nicht ersetzen.

Gerade deshalb sollte die aktuelle Diskussion über Handyverbote nicht nur nach den richtigen Regeln für Smartphones fragen. Sie sollte vor allem danach fragen, welche Kindheit wir Kindern ermöglichen wollen. Denn bevor Kinder lernen können, digitale Medien verantwortlich zu nutzen, müssen sie zunächst lernen, sich selbst und die Welt zu verstehen.

Was folgt daraus für die pädagogische Praxis?

Die Ergebnisse der Postbank-Digitalstudie sollten deshalb weder als Plädoyer für uneingeschränkte Smartphone-Nutzung noch als Begründung für immer schärfere Verbote verstanden werden. Sie machen vielmehr deutlich, dass Medienerziehung nicht auf einzelne Regeln reduziert werden kann.

Natürlich können klare Vereinbarungen hilfreich sein. Ein Handyverbot während des Unterrichts kann Ablenkungen verringern und konzentriertes Lernen erleichtern. Ebenso können feste Regeln in der Familie Orientierung geben. Entscheidend ist jedoch, dass Regeln nicht zum Ersatz für Erziehung werden.

Kinder brauchen Erwachsene, die sich für ihre digitale Lebenswelt interessieren. Erwachsene, die nachfragen, welche Videos sie anschauen, mit wem sie kommunizieren, welche Spiele sie faszinieren und welche Erfahrungen sie im Internet machen. Medienerziehung beginnt dort, wo Gespräche beginnen.

Mindestens ebenso wichtig ist jedoch die Erkenntnis, dass sich Medienkompetenz nicht auf den Umgang mit digitalen Geräten beschränkt. Sie setzt Fähigkeiten voraus, die lange vorher entstehen.

Ein Kind, das aufmerksam zuhören kann, wird später Informationen besser einordnen. Ein Kind, das gelernt hat, Konflikte fair zu lösen, wird sich auch in sozialen Netzwerken respektvoller verhalten. Ein Kind, das Frustrationen aushalten kann, wird sich weniger von Algorithmen und permanenten Belohnungsreizen steuern lassen. Und ein Kind, das neugierig geworden ist, Fragen stellt und kritisch denken gelernt hat, wird Informationen im Internet eher hinterfragen als ungeprüft übernehmen. Aus diesem Grund beginnt Medienerziehung weder mit dem ersten Smartphone noch mit der ersten Unterrichtsstunde zur digitalen Bildung. Sie beginnt in den ersten Lebensjahren – ohne Bildschirm.

Kindheit braucht Zeit

Gerade für Krippen und Kindergärten ergibt sich daraus eine klare pädagogische Haltung.

Kleine Kinder brauchen keine möglichst frühe Digitalisierung ihrer Lebenswelt. Sie brauchen auch keine Programme, die versprechen, analoge Erfahrungen durch Bildschirme zu ersetzen. Was sie benötigen, ist etwas anderes: Zeit.

  • Zeit zum Spielen.
  • Zeit zum Entdecken.
  • Zeit zum Klettern, Rennen, Matschen und Bauen.
  • Zeit zum Zuhören und Erzählen.
  • Zeit, Freundschaften zu schließen, Konflikte auszutragen und Versöhnung zu erleben.
  • Zeit, Natur zu erfahren.
  • Zeit für Langeweile, aus der Fantasie entstehen kann.

Genau diese Erfahrungen schaffen jene Grundlagen, auf denen später Konzentrationsfähigkeit, Sprache, Selbststeuerung, Kreativität, Empathie und Urteilsvermögen wachsen. Sie sind die eigentliche Vorbereitung auf eine Welt, in der digitale Medien selbstverständlich geworden sind.

Wer Kindern diese Erfahrungen nimmt oder sie zu früh durch digitale Angebote ersetzt, beschleunigt Entwicklung nicht – er überspringt Entwicklungsschritte, die sich später kaum nachholen lassen.

Schulen stehen anschließend vor einer anderen Aufgabe. Sie müssen junge Menschen befähigen, sich sicher und verantwortungsvoll in einer digitalen Gesellschaft zu bewegen. Dazu gehört Medienbildung selbstverständlich dazu. Sie kann jedoch nur dann nachhaltig gelingen, wenn sie auf einem Fundament aufbaut, das bereits in der frühen Kindheit entstanden ist.

Deshalb führt die gegenwärtige Debatte über Handyverbote letztlich zu einer grundsätzlicheren Frage.

Nicht: Wie früh sollten Kinder digitale Medien nutzen?

Sondern:

Welche Kindheit brauchen Kinder, damit sie digitale Medien später verantwortungsvoll nutzen können?

Vielleicht liegt genau darin die wichtigste Botschaft der Postbank-Digitalstudie. Sie zeigt weniger ein Problem der Kinder als eine Verunsicherung vieler Erwachsener. Der Wunsch nach klaren Regeln für Schulen macht deutlich, dass viele Eltern Orientierung suchen. Diese Orientierung lässt sich jedoch nicht allein durch schulische Verbote schaffen.

Sie beginnt in den Familien.
Sie setzt sich in Kindertageseinrichtungen fort.
Und sie wird in der Schule aufgegriffen und weiterentwickelt.

Der Satz von Armin Krenz bringt diesen Zusammenhang auf den Punkt: „Medienkompetenz beginnt bei den Erwachsenen.“

Er erinnert daran, dass Kinder nicht zuerst von Bildschirmen lernen, sondern von den Menschen, die sie begleiten. Erwachsene entscheiden durch ihr eigenes Handeln, welche Bedeutung digitale Medien im Alltag erhalten. Sie sind es, die Grenzen setzen, Gespräche ermöglichen, Werte vermitteln und Kindern zeigen, dass Smartphones nützliche Werkzeuge sein können – aber niemals den Platz von Beziehungen, Spiel, Bewegung und gemeinsamen Erfahrungen einnehmen dürfen.

Deshalb ist Medienkompetenz kein Unterrichtsfach und keine App.Sie ist das Ergebnis einer Kindheit, in der Kinder Zeit hatten, Kinder zu sein.

Quellen

  • American Academy of Pediatrics (AAP): Family Media Plan und Empfehlungen zur Mediennutzung von Kindern und Jugendlichen.
  • Krenz, Armin: „Medienkompetenz beginnt bei den Erwachsenen“, spielen und lernen.
  • OECD (2023): PISA 2022 Results. Paris: OECD Publishing.
  • Postbank: Postbank-Digitalstudie 2026 – Die digitalen Deutschen. Repräsentative Befragung von 3.050 Personen, darunter 732 Eltern mit minderjährigen Kindern im Haushalt.
  • UNESCO (2023): Global Education Monitoring Report – Technology in Education: A Tool on Whose Terms?



Alltagsintegrierte Sprachbildung beginnt mit Beziehung

Prof. Dr. Armin Krenz zeigte auf der Klax Konferenz 2026, warum Sprachentwicklung vor allem in vertrauensvollen Beziehungen, bedeutsamen Alltagssituationen und wertschätzenden Dialogen gelingt

„Bildung braucht Bindung“ – kaum ein Satz fasst die Grundlagen erfolgreicher Sprachbildung so treffend zusammen wie dieser. Kinder lernen sprechen, weil sie Beziehungen gestalten, sich selbst, ihre eigenen Ausdrucksmöglichkeiten sowie ihre Umwelt entdecken und sich verstanden fühlen wollen. Dass Sprachentwicklung deshalb vor allem im Alltag und nicht in isolierten Förderprogrammen gelingt, verdeutlichte Prof. h.c. Dr. h.c. Armin Krenz auf der Klax Konferenz 2026 in Berlin. Sein Vortrag traf einen Nerv bei den zahlreichen pädagogischen Fachkräften und regte zu intensiven Diskussionen über die Zukunft frühkindlicher Bildung an.

Trotz hochsommerlicher Temperaturen in den Veranstaltungsräumen blieb die Aufmerksamkeit der Zuhörerinnen und Zuhörer während der beiden Vortragseinheiten ungebrochen. Die überwiegend aus Kindertageseinrichtungen, Krippen und anderen pädagogischen Einrichtungen stammenden Fachkräfte verfolgten die Ausführungen mit großer Konzentration. Viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer äußerten sich im Anschluss begeistert über die fachliche Tiefe, die Praxisnähe und die klare Haltung des Referenten.

Sprache entsteht nicht durch Programme, sondern durch sicher erlebte Beziehungen

Im Mittelpunkt des Vortrags stand eine zentrale Botschaft: Sprachbildung ist kein isolierter Förderbereich, sondern Teil einer ganzheitlichen Entwicklung des Kindes. Sprache, Bindung und nachhaltige Bildungsprozesse bilden ein untrennbares Wirkungsgefüge bei der Sprachbildung, so wie es immer wieder vielfältige wissenschaftliche Untersuchungen zeigen. Armin Krenz zitierte dabei stets entsprechende Wissenschaftler*innen und benannte die Untersuchungen, so dass interessierte Teilnehmer*innen die Quellenangaben aufrufen können. Auch wenn in der Auseinandersetzung >alltagsintegrierte Sprachbildung versus additive Sprachförderung< unterschiedliche Aussagen vorgebracht werden, geht es Armin Krenz um fundierte Belege, die für eine alltagsintegrierte Sprachbildung sprechen und nicht um persönlich geprägte Meinungsaussagen, die einer additiven Sprachförderung den Vorzug geben sollen. Sprache eröffnet Kindern Zugänge zu sich selbst, zu anderen Menschen und zur Welt. Gleichzeitig kann Sprache vielfältige Entwicklungsfelder im Kind fördern – oder auch behindern, wenn das Kind mit entwicklungshinderlichen Sprachäußerungen konfrontiert wird.
Krenz stellte die Bedeutung einer alltagsintegrierten Sprachbildung heraus. Sprachliche Entwicklung vollzieht sich demnach nicht in künstlich geschaffenen Förderstunden, sondern in alltäglichen Interaktions- und Kommunikationssituationen. Kinder lernen Sprache dort besonders nachhaltig, wo sie sich angenommen fühlen, eigenen Interessen nachgehen können und erleben, dass ihre Worte Wirkung entfalten.

„Sprache will erlebt werden“, lautete eine der zentralen Aussagen seines Vortrags. Sprachbildung entstehe in interessanten Interaktionen, in wertschätzenden Dialogen und in Situationen, die für Kinder bedeutsam seien. Additive Sprachförderprogramme könnten diese Voraussetzungen nur sehr begrenzt erfüllen.

Bildung braucht Bindung

Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der engen Verbindung zwischen Sprachentwicklung und Bindungserfahrungen. Krenz knüpfte dabei an entwicklungspsychologische Erkenntnisse an und machte deutlich, dass Kinder zunächst ein sicheres Verhältnis zu sich selbst und ihren Bezugspersonen entwickeln müssen, bevor sie die Welt neugierig erkunden können.

Sichere Beziehungen schaffen die Grundlage für Exploration, Lernfreude und sprachliche Ausdrucksfähigkeit. Kinder, die sich emotional angenommen und wertgeschätzt fühlen, entwickeln leichter Selbstvertrauen, Selbstwirksamkeit und die Bereitschaft, sich auf neue Erfahrungen einzulassen. Sprachbildung geschieht deshalb vor allem durch Beziehungserfahrungen, durch Sprechfreude und durch eine wertschätzende Dialogkultur.

Besonders eindrücklich schilderte Krenz die Bedeutung der pädagogischen Fachkraft als „Faktor Nummer 1“ für gelingende Bildungsprozesse. Internationale Studien belegten, dass die Qualität der Erwachsenen-Kind-Interaktion einen entscheidenden Einfluss auf die sprachliche, soziale und kognitive Entwicklung von Kindern habe.

Kritik an einer zunehmend verschulten Frühpädagogik

Mit deutlichen Worten setzte sich der Referent auch kritisch mit aktuellen Entwicklungen in der Elementarpädagogik auseinander. Er warnte vor einer ständig zunehmenden Instrumentalisierung von Bildung und vor der Tendenz, frühkindliche Bildungsprozesse an schulischen, funktionsdefinierten Logiken, die einer Erwachsenensicht entspringen, auszurichten.

Kinder seien weder Förderobjekte noch „unfertige Erwachsene“, sondern eigenständige Persönlichkeiten mit individuellen Entwicklungswegen. Bildung dürfe deshalb nicht auf Programme, Lernziele und standardisierte Förderangebote reduziert werden. Vielmehr brauche es Zeit, Beziehung, Alltagserfahrungen und die Möglichkeit zur selbstbestimmten Auseinandersetzung mit der Welt.

Dabei griff Krenz unter anderem Gedanken von Gerd E. Schäfer, Alice Miller, Rebeca Wild und Carl Gustav Jung auf und plädierte für eine Rückbesinnung auf die Eigenständigkeit der Elementarpädagogik.

Die Welt durch Sprache entdecken

Immer wieder führte der Vortrag zurück zur Frage, welche Bedeutung Sprache für die Entwicklung eines Kindes besitzt. Sprache eröffnet den Zugang zu den eigenen Gefühlen, Bedürfnissen und Ressourcen ebenso wie zur sozialen und kulturellen Umwelt.

Kinder benötigen deshalb sprachunterstützende, wahrnehmungsoffene, mitfühlende und aufmerksam beobachtende Begleiterinnen und Begleiter. Sprachbildung gelingt dort, wo Kinder ernst genommen werden, ihre Gedanken Gehör finden und Dialoge auf Augenhöhe entstehen. Sprachbildung unterstützt, sofern diese Merkmale von Kindern erlebt werden, damit die >Selbstbildung< des Kindes im Unterschied zu einer additiven Sprachförderung, durch die sich das Kind eher als ein ‚Reakteur‘ versteht und sich weniger als ‚Akteur‘ seiner eigenen Entwicklung erleben kann.

Besonders die Verbindung von Sprachbildung, Selbstwertentwicklung, Resilienz und sozialem Lernen zog sich als roter Faden durch den Vortrag. Sprache wurde dabei nicht als Technik verstanden, sondern als grundlegendes Medium menschlicher Beziehung und Persönlichkeitsentwicklung.

Große Resonanz und intensive Diskussionen

Die Resonanz auf den Vortrag war ausgesprochen positiv. Viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer nutzten die Gelegenheit für Gespräche, Rückfragen und den fachlichen Austausch. Besonders die Verbindung wissenschaftlicher Erkenntnisse mit langjährigen Praxiserfahrungen wurde von den Zuhörenden hervorgehoben.

Die Klax Konferenz 2026 hatte sich zum Ziel gesetzt, Bildung neu zu denken und wissenschaftliche Impulse mit pädagogischer Praxis zu verbinden. Mit seinem Vortrag traf Armin Krenz genau den Nerv vieler Fachkräfte, die nach Orientierung in einer zunehmend komplexen Bildungslandschaft suchen. Die Themen Sprachbildung, Beziehungsgestaltung und kindorientierte Pädagogik erwiesen sich dabei als hochaktuell und praxisrelevant.

Die Präsentation zum Vortrag

Da zahlreiche Teilnehmerinnen und Teilnehmer den Wunsch geäußert haben, die Inhalte des Vortrags noch einmal nachlesen und für die eigene pädagogische Praxis nutzen zu können, stellen wir die Präsentation von Prof. h.c. Dr. h.c. Armin Krenz im Anschluss an diesen Bericht als Download zur Verfügung. Sie enthält die zentralen Gedanken, Impulse und Literaturhinweise des Vortrags und bietet zahlreiche Anregungen für die alltagsintegrierte Sprachbildung in Krippe, Kita und Kindertagespflege.




Gesprächsführung mit Kindern und Jugendlichen professionell gestalten

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Eine differenzierte Betrachtung eines Handbuchs für Fachkräfte in Beratung, Therapie und Pädagogik

Sprache ist ein zentraler Bereich der Pädagogik, der eine unermesslich große Bedeutung für eine nachhaltige Persönlichkeitsentwicklung des Kindes hat. So besitzt die Sprache die Kraft, die Gesamtentwicklung des Kindes aktiv zu unterstützen, oder sie kann auch dazu beitragen, die kindliche Entwicklung zu hemmen bzw. in Einzelbereichen vollkommen zu bremsen. Daher kommt der Sprachgestaltung durch Erwachsene im Hinblick auf die Persönlichkeitsentwicklung des Kindes ein Bedeutungswert zu, dem sich Erwachsene – pädagogische Fachkräfte ebenso wie Eltern – von Zeit zu Zeit selbstreflektorisch zuwenden sollten.

„Gesprächsführung“ oder besser „Kinder wahrnehmen, auf Kinder hören, mit Kindern sprechen“ ist ein alltägliches Sprachhandeln. Dabei kommen immer wieder Gesprächsmuster von Erwachsenen zum Vorschein, die wenig bzw. gar nicht geeignet sind, die Sprach-, Explorations- und Entwicklungsfreude von Kindern zu aktivieren, zu unterstützen und letztlich zu stabilisieren.

Inhalt

In diesem vorliegenden Buch haben sich nun die beiden Autoren Dr. Gauck und Dr. Kahl mit den Merkmalen von professionell geführten bzw. zu führenden Gesprächen mit Kindern sowie Jugendlichen in fünf Kapiteln auseinandergesetzt.

Zunächst gehen sie der Frage nach, worauf zu achten ist, um professionell einen Kontakt aufzubauen und aufrechtzuerhalten. Im Folgekapitel stellen sie unterschiedliche Methoden für wirksame Gespräche vor – vom Fragen, einem aktiven Zuhören, dem Reframing, der Nutzung von Metaphern über Rollenspiele, Aufstellungen bis hin zum Einsatz von Medien, wobei sich letztere Methoden eher für Jugendliche eignen.

Im dritten Kapitel dreht sich alles um die Berücksichtigung individueller Lebenswelten (z. B. um den Entwicklungsstand, den kulturellen Hintergrund, die Sprache, auffälliges Verhalten). Im vierten Kapitel mit dem Schwerpunkt „Ich selbst im Gespräch“ sind Leser*innen aufgefordert, sich selbst als gesprächsführende Person wie in einem Spiegelbild zu betrachten und den Fragen nachzugehen, in welcher aktuellen Situation man sich befindet und was das für einen Gesprächsverlauf bedeutet, was die eigene Biografie mit der jeweils spezifischen Gesprächshaltung und den Gesprächsstrategien zu tun hat und welche Auswirkungen eigene Gefühle auf die Gesprächsführung mit dem Kind bzw. dem Jugendlichen haben.

Das fünfte Kapitel mit dem Schwerpunkt „Besondere Gesprächskontexte“ wendet sich möglichen Testungen und Ergebnisgesprächen, Familiengesprächen, einer möglichen Krisenintervention und Gruppenangeboten zu.

Dabei kann jedes der fünf Kapitel – je nach Bedarf und Interesse – einzeln ausgewählt und gelesen werden, weil es eine weitestgehend in sich geschlossene Einheit bildet und Leserinnen nicht zwingend die anderen Kapitel lesen müssen. Die Aufbaustruktur der einzelnen Kapitel ist dabei gleich: Zunächst wird ein sogenanntes „Fallbeispiel“ vorgestellt, dann folgen theoretische Hintergrundinformationen, anschließend werden mögliche Gesprächsstrategien und Beispielfragen aufgeführt und zum Schluss erhalten Leserinnen einige (wenige) Fragenimpulse bezüglich des eigenen Arbeitsalltags.

Fazit

Dieses Buch bedarf einer deutlich differenzierten Betrachtung!

So erhalten in erster Linie Kinder- und Jugendpsychologinnen, Fachkräfte im Feld der Psychotherapie sowie in der Kinder- und Jugendpsychiatrie ebenso wie schulpsychologisch tätige Beraterinnen bedeutsame Informationen für eine zielorientierte Gesprächsführung mit Kindern und Jugendlichen, denn das Buch informiert sowohl mit fundierten theoretischen Hintergrundinformationen als auch mit zieldefinierten Gesprächsstrategien.

Gleichzeitig haben die beiden Autoren den Anspruch, Beziehungen durch eine ressourcenorientierte Gesprächsführung zu stärken, sodass sich Kinder und Jugendliche in ihren besonderen Lebenssituationen verstanden fühlen und durch die eingesetzten Gespräche in entwicklungsförderliche Prozesse hineinfinden können. Ebenso wird die Absicht benannt, dass eine Gesprächsführung mit Kindern und Jugendlichen nicht als bloße Technik verstanden werden darf, um Gespräche nicht zu funktionsorientierten Lenkungsmanövern verkümmern zu lassen.

Besonders erfreulich ist das Kapitel 4 („Ich selbst im Gespräch“), das dazu anregt, sich selbst mit unterschiedlichen Fragen zur jeweils aktuellen Arbeitssituation zu reflektieren, das eigene Verhalten in Beziehung zur eigenen Biografie zu betrachten und sich mit den eigenen Emotionen auseinanderzusetzen.

Gleichzeitig darf bzw. muss allerdings auch die Frage gestellt werden, ob die verwissenschaftlichte, überwiegend sehr funktionsorientierte Sprache – vor allem in den Kapiteln 1 bis 3 – nicht dazu beiträgt, eine Gesprächsführung – auch und gerade bei emotionalen Prozessen – primär kognitiv zu steuern, was dem oben genannten Ziel widersprechen würde.

Zum anderen weckt der Untertitel des Buches („Ein praxisorientiertes Handbuch“) die berechtigte Erwartung, dass in dieser Publikation auch immer wieder ausführliche, prozessorientiert geführte Gesprächsverläufe als nachvollziehbare Beispiele dokumentiert sind, was allerdings eine unerfüllte Erwartung bleibt.

Und auch für die Gesprächsführung – gerade mit Kindern – wäre es weiterhin sehr hilfreich gewesen, ausführlich auf den Aspekt „Adultismus“ einzugehen sowie das „Vier-Seiten-Modell der Kommunikation“ und im Kapitel 4 das Modell „Inneres Team“ anhand von Beispielen zu verdeutlichen.

Gerade pädagogische Fachkräfte im Elementar- und Primarbereich könnten aus beispielhaft dargestellten Gesprächsverläufen von Gesprächen mit Kindern Parallelen zu ihrem eigenen Gesprächsverhalten ziehen, am „Vier-Seiten-Modell der Kommunikation“ die dabei unterschiedlich wirksamen Feinheiten eigener Sprachformulierungen besonders deutlich erkennen und beim Modell „Inneres Team“ die unterschiedlichen inneren Perspektiven beleuchten und in Einklang bringen.

Vergleiche mit anderen Publikationen, die sich mit dem Schwerpunkt „Gespräche mit Kindern führen“ beschäftigen, sind deutlich bodenständiger und praxisorientierter gehalten (z. B. Martine F. Delfos: „Sag mir mal … Gesprächsführung mit Kindern“, Beltz, 10. Aufl.; Martine F. Delfos: „Wie meinst du das? Gesprächsführung mit Jugendlichen“, Beltz, 7. Aufl.; Hilal Virit: „Miteinander sprechen – miteinander wachsen“, Humboldt; Belanna Media: „Kommunikation für Erzieher. Gelungene Gespräche mit Kindern, Eltern und Kollegen“, epubli, 3. Aufl.; Angelika Sommer: „Zuhören, Sprechen, Stärken. Familienkommunikation von Klein bis Groß“, Kindle-Ausgabe).

Zusammenfassung auf den Punkt gebracht

Fachkräfte, die sowohl unter einem wissenschaftlich fundierten Blickwinkel am Thema „Gesprächsführung mit Kindern und Jugendlichen“ interessiert sind als auch auf der Suche nach professionell-informativen, kognitiv orientierten Gesprächsführungsimpulsen bzw. -hinweisen, werden reichhaltig fündig werden. Elementarpädagogische Fachkräfte, die vor allem auf basal- und bodenständig ausgerichtete Praxisbeispiele Wert legen, werden sich eher mit ihren Erwartungen in den oben genannten Buchhinweisen wiederfinden.

(Armin Krenz)

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Bibliografische Angaben

Gauck, Letizia / Kahl, Tobias:
Gesprächsführung mit Kindern und Jugendlichen.
Ein praxisorientiertes Handbuch
Hogrefe Verlag, Bern, 2026
240 Seiten
35,00 €
ISBN: 978-3-456-86403-7
(auch als eBook erhältlich: ISBN: 978-3-456-86403-7)




Warum frühkindliche Bildung neu gedacht werden muss

Armin Krenz

Armin Krenz fordert eine Pädagogik, die Kinder in ihrer Entwicklung stärkt

Was brauchen Kinder, um sich gesund zu entwickeln? Diese Frage stellt der Sozialpädagoge, Kindheitsforscher und Elementarpädagoge Prof. Armin Krenz in einem Vortrag bei der Rosa-Luxemburg-Stiftung in den Mittelpunkt. Dabei richtet er den Blick auf eine Entwicklung, die er seit Jahren kritisch begleitet: Frühkindliche Bildung werde zunehmend auf Lernprogramme, Kompetenzen und schulische Vorbereitung reduziert, während grundlegende Entwicklungsbedürfnisse von Kindern aus dem Blick gerieten.

Erziehung, Bildung und Betreuung gleichermaßen

Krenz erinnert daran, dass Kindertageseinrichtungen weit mehr leisten sollen als Wissensvermittlung. Ihr gesetzlicher Auftrag umfasst Erziehung, Bildung und Betreuung gleichermaßen. Ziel ist die Unterstützung von Kindern auf ihrem Weg zu eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeiten. Nach seiner Auffassung wird dieser Anspruch jedoch häufig durch ein verkürztes Bildungsverständnis erschwert.


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SPIEL und SELBSTBILDUNG
Kitas brauchen eine pädagogische Revolution
Autor: Krenz, Armin
Verlag: ObersteBrink
ISBN 9783963046162
22,00 €


Konsequent an den Entwicklungsbedürfnissen von Kindern orientieren

Im Vortrag wirbt Krenz für eine Pädagogik, die sich konsequent an den Entwicklungsbedürfnissen von Kindern orientiert. Beziehungen, emotionale Sicherheit, Spiel, Bewegung, Selbstwirksamkeit und ausreichend Zeit für eigene Erfahrungen seien zentrale Voraussetzungen für nachhaltige Bildungsprozesse. Bildung entstehe nicht durch Belehrung, sondern durch aktive Auseinandersetzung mit der Welt.

Gleichzeitig thematisiert Krenz die Rahmenbedingungen pädagogischer Arbeit. Hohe Bürokratiebelastungen, Fachkräftemangel und fehlende Zeit für die Arbeit mit Kindern erschwerten vielerorts die Umsetzung einer entwicklungsförderlichen Pädagogik.

Der Vortrag bietet zahlreiche Impulse für pädagogische Fachkräfte, Lehrkräfte und Eltern. Er lädt dazu ein, den Begriff Bildung neu zu denken und die Frage zu stellen, was Kinder heute wirklich brauchen, um ihre Fähigkeiten und Potenziale entfalten zu können.

Den vollständigen Vortrag von Armin Krenz finden Sie hier: https://www.youtube.com/watch?v=GIsCHIcnCd0




Digitale Ausstellungsvideos zu Krieg, Sexualität und Trauer

Drei fachlich fundierte Ausstellungsvideos stehen ab sofort online zur Verfügung

Im Rahmen der beiden bisher in Aderstedt am Huy stattgefundenen Zeltfachtagungen sind drei Ausstellungsvideos mit dem Titel „Ausschnitte unseres Lebens – Tabus, Wahrheiten, Gegenwart“ entstanden, die ab sofort im Internet aufgerufen werden können.

Im Mittelpunkt stehen die Themen Krieg, Sexualität und Trauer – Themenbereiche, die üblicherweise selbst bei konkreten Anlässen weder in vielen Kindertageseinrichtungen mit Kindern noch unter Kita-Fachkräften professionell thematisiert werden.

Regine Leipert, Erzieherin im Ruhestand und Fachkraft für den Situationsorientierten Ansatz, hat diese Ausstellungsvideos in enger Zusammenarbeit mit Christina Brehmer vom Kuratorium des Schulfördervereins e. V. der Petri-Sekundarschule Schwanebeck konzipiert und zusammengestellt. Bei Bedarf können die Inhalte gleichzeitig im Transkript mitgelesen werden. Unterstützt wurden die beiden dabei von Armin Krenz, dem Entwickler des Situationsorientierten Ansatzes, der die inhaltliche Vorbereitung der Themenschwerpunkte aktiv begleitet hat.

Die drei Ausstellungsvideos eignen sich sowohl für eine intensivere, fachlich fundierte Auseinandersetzung mit den zentralen Themen als auch für den Einsatz bei Elternabenden. Sie bieten eine gute Grundlage, um gemeinsam mit Eltern in einen offenen Gedankenaustausch einzutauchen.

Es gibt drei Möglichkeiten, die Ausstellungsvideos aufzurufen:

  1. über die Eingabe des Suchtextes:
    „Ausstellung Ausschnitte unseres Lebens – eine digitale Ausstellung zur Kindesentwicklung“
  2. über den YouTube-Kanal des Schulfördervereins:
    YouTube-Kanal Schulförderverein Petri
  3. über den Direktlink:
    Direktlink zur Ausstellung

Um eine möglichst breite Bekanntmachung dieser Ausstellungsvideos zu erreichen, wäre es hilfreich, diese Informationen weiterzugeben. Daher bietet es sich an, den Hinweis an interessierte Fachkräfte sowie selbstverständlich auch an Eltern weiterzuleiten. Im Hinblick auf eine entwicklungsförderliche Pädagogik wäre dies sehr zu begrüßen.

Märchen – ein Zaubermittel für Sprachbildung und Sprachentwicklung

Die Ausstellungsvideos stehen zugleich im thematischen Zusammenhang mit der Zeltfachtagung 2026 in Aderstedt am Huy, die ebenfalls vom Schulförderverein Petri Schwanebeck organisiert wird. Unter dem Titel „Märchen – ein Zaubermittel für Sprachbildung und Sprachentwicklung“ beschäftigt sich die Tagung mit aktuellen Erkenntnissen zur Sprachbildung in der frühen Kindheit und der Bedeutung von Märchen für Entwicklungs- und Bildungsprozesse in der Kita.

Die zweitägige Fortbildung findet am 11. und 12. September 2026 statt und richtet sich an pädagogische Fachkräfte aus Kita, Krippe und Hort sowie an weitere Interessierte.

Weitere Informationen zur Zeltfachtagung und zur Anmeldung finden Sie unter:

Online-Anmeldung Zeltfachtagung 2026




Kita als Schlüsselphase: Armin Krenz fordert dringend Umdenken

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In Freiburg plädiert Armin Krenz vor großem Publikum für eine Pädagogik, die sich konsequent an den Bedürfnissen von Kindern orientiert – und warnt vor den Fehlentwicklungen im Bildungssystem

Mehr als 300 Teilnehmende – vor Ort in der Aula der Katholischen Hochschule Freiburg sowie online zugeschaltet – haben am 20. April 2026 den Vortrag von Prof. Dr. Armin Krenz verfolgt. Im Rahmen der Reihe „Leben und Lernen im Wandel“ des Freiburger Bündnisses „Eine Schule für alle“ stellte der renommierte Entwicklungspsychologe die frühe Kindheit als entscheidende Phase für die gesamte menschliche Entwicklung in den Mittelpunkt.

Bereits zu Beginn machte Krenz deutlich, worum es geht: Die Kita-Zeit ist keine vorbereitende Zwischenphase, sondern eine eigenständige, hochbedeutsame Entwicklungszeit. Was Kinder hier erleben, beeinflusst nachhaltig ihre Persönlichkeit, ihre Lernfähigkeit und ihr soziales Verhalten. Frühkindliche Bildung ist kein „Vorlauf“ für Schule, sondern ein eigenständiger, hochkomplexer Entwicklungsraum mit langfristiger Wirkung.

Bildung beginnt lange vor der Schule

Krenz knüpfte an internationale Bildungsdebatten an und erinnerte daran, dass bereits Organisationen wie die UNESCO die frühe Kindheit als entscheidend für nachhaltige Entwicklung definieren. Was Kinder in diesen Jahren an Grundhaltungen, emotionalen Erfahrungen und sozialen Kompetenzen erwerben, prägt ihr gesamtes späteres Leben.

Dabei stellte er eine zentrale Frage: Was verstehen wir eigentlich unter Bildung?

Seine Antwort widerspricht gängigen Praxisformen. Bildung sei nicht die Anhäufung von Wissen, sondern die Entfaltung von Persönlichkeit, Kreativität und Verantwortung. Sie vollziehe sich im Alltag, in Beziehungen und im eigenaktiven Erleben – nicht in standardisierten Förderprogrammen.

Wie Kinder wirklich lernen

Ein zentraler Teil des Vortrags widmete sich der Frage, wie Lernen überhaupt funktioniert. Krenz formulierte drei grundlegende Bedingungen:

  • Kinder müssen sich als bedeutsam erleben
  • Inhalte müssen einen Bezug zur Lebenswelt haben
  • Die Umgebung muss emotional motivierend sein

Fehlen diese Voraussetzungen, entstehen schnell Langeweile, Stress und Rückzug. Besonders deutlich wurde seine Kritik an künstlich erzeugten Lernsituationen, die dem kindlichen Entwicklungsrhythmus widersprechen. Lernen, so Krenz, sei kein linearer Prozess, sondern ein zutiefst emotional gesteuerter Vorgang.

Beziehung statt Belehrung

Ein wiederkehrendes Motiv des Vortrags war die herausragende Bedeutung von Bindung und Beziehung. Bildung entstehe in erster Linie durch Beziehungserfahrungen – nicht durch Programme, Curricula oder Förderpläne.

Kinder, die sich sicher gebunden fühlen, zeigen mehr Neugier, weniger Angst und eine höhere Bereitschaft, sich auf neue Erfahrungen einzulassen. Das Gehirn, so Krenz, sei in erster Linie kein reines „Denkorgan“, sondern ein „emotionales Sozialorgan“. Daraus ergibt sich eine klare Konsequenz für pädagogische Praxis: Ohne stabile Beziehungen bleibt jede Bildungsanstrengung oberflächlich.

Unter diesem Link können Sie sich das Video vom Vortrag auch nachträglich ansehen:

vortragarmin

Was Kinder stark macht

Besonders eindrücklich war die Darstellung der sogenannten „seelischen Erfahrungswerte“, die Kinder für eine gesunde Entwicklung benötigen. Dazu zählen unter anderem:

  • Zeit, Ruhe und Bewegung
  • Vertrauen, Sicherheit und Liebe
  • Mitsprache, Neugier und Selbstwirksamkeit
  • das Erleben von Gefühlen und sozialer Zugehörigkeit

Diese Erfahrungen bilden die Grundlage für Selbstständigkeit, Resilienz und soziale Kompetenz. Krenz machte deutlich, dass diese Qualitäten nicht „vermittelt“ werden können – sie müssen erlebt werden.

Was Kinder wirklich brauchen

Krenz konkretisierte seine Perspektive anhand von zentralen Erfahrungsqualitäten, die Kinder für eine gesunde Entwicklung benötigen. Dazu gehören unter anderem:

  • Sicherheit und Vertrauen
  • Zeit und Ruhe
  • Bewegung und Spiel
  • soziale Zugehörigkeit
  • emotionale Ausdrucksmöglichkeiten

Diese Faktoren bilden die Grundlage für Selbstwirksamkeit, Resilienz und soziale Kompetenz. Sie lassen sich nicht durch Programme ersetzen, sondern müssen im Alltag erfahrbar werden.

Kritik an der aktuellen Bildungspraxis

Deutlich kritisch wurde der Vortrag dort, wo Krenz die gegenwärtige Praxis in vielen Kitas und Schulen analysierte. Seine Diagnose: Bildung werde zunehmend instrumentalisiert.

  • Aus Bildungsbereichen werden Fächer
  • Aus kindlichen Interessen werden vorgegebene Programme
  • Aus Alltagssituationen werden künstliche Lernsettings

Diese Entwicklung führe zu einer Verschiebung weg von der kindlichen Lebenswelt hin zu erwachsenen Erwartungen. Besonders scharf fiel seine Kritik an einer „Vorschulpädagogik“, die Kinder frühzeitig auf schulische Anforderungen trimmt und dabei zentrale Entwicklungsbedürfnisse vernachlässigt.

Das Spiel als Schlüssel zur Entwicklung

Ein zentrales Argument richtete sich auf die Bedeutung des Spiels. Krenz stellte klar: Freies Spiel ist keine Freizeitbeschäftigung, sondern die effektivste Form des Lernens.

Freies, selbstgewähltes Spiel ermögliche:

  • tiefes emotionales Erleben
  • soziale Aushandlungsprozesse
  • kreative Problemlösungen
  • nachhaltige kognitive Entwicklung

Zahlreiche Studien und Zitate aus der Bildungsforschung untermauerten diese Perspektive. Die Reduktion von Spielzeit zugunsten strukturierter Förderprogramme sei daher nicht nur fragwürdig, sondern stark entwicklungshemmend.


Hier finden Sie die gesamte PowerPoint Präsentation des Vortrags zum Download:

Der schleichende Verlust von Kindheit

Ein besonders nachdenklicher Moment entstand, als Krenz die Veränderungen der kindlichen Lebenswelt beschrieb. Der Raum für freies Spiel sei seit den 1970er Jahren massiv geschrumpft – um bis zu 90 Prozent.

Kinder verlieren nicht nur Orte, sondern auch Zeit. Zeit zum Entdecken, zum Ausprobieren, zum einfachen Kindsein. Diese Entwicklung, so Krenz, habe tiefgreifende Folgen für die Persönlichkeitsentwicklung.

Ein zentrales Argument richtete sich auf die Bedeutung des Spiels. Krenz stellte klar: Freies Spiel ist keine Freizeitbeschäftigung, sondern die effektivste Form des Lernens.

Pädagogik im Spannungsfeld gesellschaftlicher Erwartungen

Der Vortrag machte deutlich, dass frühkindliche Bildung längst nicht mehr nur eine pädagogische Frage ist. Sie steht im Kontext gesellschaftlicher Beschleunigung, ökonomischer Interessen und politischer Steuerung.

Wenn Kinder zunehmend als „Ressource“ oder „Investition“ betrachtet werden, verändert sich auch der Blick auf Bildung. Krenz warnte eindringlich vor dieser Entwicklung und plädierte für eine Rückbesinnung auf die Bedürfnisse des Kindes.

Der große Zuspruch zeigt: Das Thema bewegt viele Menschen in der Praxis. Pädagogische Fachkräfte, Eltern und Interessierte suchten an diesem Abend Orientierung und fachliche Einordnung.

Fehlende Aufmerksamkeit für ein zentrales Zukunftsthema

Gerade weil der Vortrag so klar, so fundiert und zugleich so praxisnah die Bedeutung früher Kindheit herausarbeitete, fällt ein Umstand umso stärker ins Gewicht: die auffällige Abwesenheit politischer Entscheidungsträger.

Es ging an diesem Abend nicht um Randthemen, sondern um grundlegende Fragen gesellschaftlicher Zukunftsfähigkeit: Wie entwickeln sich Kinder? Welche Bedingungen brauchen sie? Und welche strukturellen Fehlentwicklungen stehen dem entgegen?

Dass Vertreterinnen und Vertreter aus Politik und bildungspolitischer Steuerung hier nicht sichtbar präsent waren, wirft eine unangenehme Frage auf: Wird die Tragweite frühkindlicher Bildung systematisch unterschätzt – oder fehlt es an der Bereitschaft, wissenschaftlich fundierte Erkenntnisse in politisches Handeln zu übersetzen?

Denn die Faktenlage ist seit Jahren eindeutig. Die Bedeutung von Bindung, Spiel, Selbstbildung und entwicklungsförderlichen Rahmenbedingungen ist breit erforscht und international belegt. Wenn diese Erkenntnisse dennoch nur begrenzt in politische Entscheidungen einfließen, entsteht ein Legitimationsproblem.

Es geht dabei nicht um punktuelle Versäumnisse, sondern um eine strukturelle Schieflage: Bildungsentscheidungen werden häufig unter ökonomischen, administrativen oder kurzfristig messbaren Gesichtspunkten getroffen – während entwicklungspsychologische Grundlagen in den Hintergrund treten.

Die Frage nach der Kompetenz politischer Entscheidungen stellt sich damit zwangsläufig. Nicht im Sinne persönlicher Qualifikation, sondern im Hinblick auf Prioritätensetzung und Verantwortungsübernahme. Wer zentrale Erkenntnisse zur kindlichen Entwicklung ignoriert oder relativiert, riskiert langfristige gesellschaftliche Folgekosten – in Bildung, Gesundheit und sozialem Zusammenhalt.

Der Vortrag von Armin Krenz hat deutlich gemacht: Das Wissen ist vorhanden. Was fehlt, ist die konsequente politische Umsetzung.

Und genau darin liegt die eigentliche Herausforderung.

Bücher von Armin Krenz bei Burckhardthaus




Zeltfachtagung 2026: Märchen als Schlüssel zur Sprachbildung in der Kita

Märchenschloss auf einer Insel mit einem Buch im Vordergrund

Weiterbildung für pädagogische Fachkräfte rund um Sprachentwicklung, Märchen und frühe Bildung

Märchen gehören seit Generationen zur Kindheit – doch sie sind weit mehr als nur schöne Geschichten. Aktuelle neurobiologische Erkenntnisse zeigen: Märchen fördern die Sprachentwicklung, erweitern den Wortschatz und stärken die Ausdrucksfähigkeit von Kindern nachhaltig.

Genau diesem spannenden Zusammenhang widmet sich die Zeltfachtagung 2026 in Aderstedt am Huy. Pädagogische Fachkräfte aus Kita, Krippe und Hort sowie alle Interessierten sind herzlich eingeladen, sich zwei Tage lang intensiv mit dem Thema auseinanderzusetzen:

„Märchen – ein Zaubermittel für Sprachbildung und Sprachentwicklung“

Warum Märchen für die Sprachförderung so wertvoll sind

Gerade in der frühen Kindheit ist Sprache ein Schlüssel für Bildung, Teilhabe und soziale Entwicklung. Märchen wirken dabei wie ein pädagogischer Schatz:

  • sie regen die Fantasie an
  • fördern Sprachfreude und Erzählkompetenz
  • unterstützen selbstexplorative Denkprozesse
  • stärken emotionale und soziale Entwicklung
  • bieten wertvolle Impulse für die Persönlichkeitsbildung

Die Tagung zeigt praxisnah, warum Märchen als „Kraftfutter fürs Gehirn“ gelten und wie sie gezielt in der elementarpädagogischen Arbeit eingesetzt werden können.

Zeltfachtagung 2026 – Termin und Ort

📅 11. und 12. September 2026
📍 Aderstedt am Huy (Landkreis Harz)

Die Veranstaltung findet in einem besonderen Rahmen statt: in einem Event-Zelt auf einer großen Wiese am Spielplatz – ideal für eine entspannte Lernatmosphäre und kollegialen Austausch.

Tagungsanschrift:
„Naturnaher Spiel- und Bewegungsraum am Hallerspring“
Ernst-Thälmann-Platz 38
38838 Aderstedt am Huy

Fachliche Impulse von erfahrenen Referent*innen

Die Zeltfachtagung bietet hochwertige Fortbildung mit renommierten Expert*innen:

Prof. h.c. Dr. h.c. Armin Krenz

Sozialpädagoge mit Zulassung zur heilkundlich, psychologisch-therapeutischen Tätigkeit, Autor von über 50 Fachbüchern und Experte für Entwicklungspsychologie und Elementarpädagogik.

Gisela Barg

Inklusionspädagogin mit umfassender Berufserfahrung in der Krippen- und Elementarpädagogik sowie Zusatzqualifikation im Sozialmanagement.

Programmhighlights und Ablauf

Die Tagung kombiniert Vorträge, Austausch und praxisorientierte Arbeitsphasen.

Freitag, 11.09.2026

  • 09:00 Uhr Begrüßung und Auftakt
  • Fachvorträge und Diskussion
  • Gruppenarbeit am Nachmittag
  • Filmvorführung
  • Abendprogramm: Grillen und Gespräche am offenen Feuer

Samstag, 12.09.2026

  • 09:00 Uhr Fortsetzung der Vorträge
  • Vertiefende Gruppenarbeit
  • Abschlussreflexion und Verabschiedung um 15:30 Uhr

Anmeldung und Teilnahmebedingungen

Die Teilnahme an der Zeltfachtagung ist kostenfrei, jedoch ist die Platzzahl begrenzt.

📌 Verbindliche Anmeldung bis spätestens 01.08.2026

👉 Bitte nutzen Sie ausschließlich die Online-Anmeldung:
zeltfachtagung2026.jonnyb-service.de

Für die Verpflegung (inkl. Getränke) wird eine Pauschale erhoben:

💶 20,00 € für beide Tage
Überweisung bis zum 01.08.2026 an den Schulförderverein.

Veranstalter und Kontakt

Schulförderverein Petri Schwanebeck

Ansrechpartnerinnen:

Christina Brehmer‘
christina.brehmer@web.de

Regine Leipert
regineleipert@t-online.de

Fortbildung für Kita-Fachkräfte: Märchen neu entdecken

Ob Sprachförderung, Literacy-Arbeit oder kreative Bildungsangebote – Märchen eröffnen vielfältige Wege, Kinder sprachlich und emotional zu stärken. Die Zeltfachtagung 2026 bietet Ihnen die Chance, neue Perspektiven zu gewinnen, Methoden mitzunehmen und sich mit Kolleg*innen zu vernetzen.

✨ Wenn du Märchenaugen hast, ist die Welt voll Wunder.




Entwicklungszeit ist keine Schnellstraße und Kinder sind keine Stopfgänse

Warum Kinder Zeit, Beziehung und eigene Erfahrungen brauchen – und weshalb die heutige Bildungspraxis ihre Entwicklung zunehmend unter Druck setzt

Schon im Jahre 1990 erschien in der Zeitschrift PSYCHOLOGIE HEUTE ein Artikel von Helga Zeiher unter dem Titel „Kindheit: organisiert und isoliert“ (Heft 2/1990), „DIE ZEIT“ berichtete vom „Ende der Kindheit“ (19.04.2000, Nr. 17) und in der Zeitung „Die Woche“ lautete die Überschrift eines lesenswerten Beitrags „Kaputte Kindheit“ (03.01.1997, Nr. 2). Schon vor über drei Jahrzehnten hätten sich demnach Eltern, pädagogische Fachkräfte und (sozial-)politische Mandatsträger die Frage nach dem „Recht des Kindes auf den heutigen Tag“ (Janusz Korczak) stellen und für Veränderungen sorgen müssen. Der bekannte österreichische Lehrer und Schriftsteller Ernst Ferstl hat offensichtlich leider recht, wenn er meint: „Wir brauchen viele Jahre, bis wir verstehen, wie kostbar Augenblicke sein können.“ (Ferstl, Kurz und fündig. Gedanken mit Tiefgang, 1995).

Nicht vorüber. Was vorüber ist, ist nicht vorüber. Es wächst weiter in deinen Zellen. Ein Baum aus Tränen oder vergangenem Glück.
(Rose Ausländer)

Wenn Zeit und Raum verloren gehen

So beklagen auch in zunehmendem Maße Kindheitsforscherinnen, Bildungswissenschaftler*innen, ganzheitlich orientierte Kinderärzt*innen sowie zeitorientierte und wachsame elementarpädagogische Fachkräfte den Umstand, dass Kindern immer weniger Zeit und Raum zur Verfügung gestellt wird, um eigenen Interessen in Ruhe nachgehen zu können, eigene Vorhaben ungestört umzusetzen oder auch Zeiten zu genießen, ohne etwas Großartiges im Sinne einer bewegungsaktiven Handlung zu unternehmen. Das betrifft sowohl viele Kinder in ihrem Elternhaus als auch in zunehmendem Maße die von ihnen besuchten Kindertageseinrichtungen. Ein Blick in eine Reihe von Kindertageseinrichtungen macht dies deutlich, indem es festgelegte (starre) Tagesablaufstrukturen, fest verankerte Wochentagsaktivitäten und ausgefüllte Tagespläne gibt, die den Aufenthalt der Kinder nach vorgegebenen Strukturmerkmalen takten.

Auf diese Weise ist der Alltag vieler Kinder durch Hektik, Stress und Programmangebote gekennzeichnet, bei denen ihnen oftmals kaum Zeit zur Verfügung gestellt wird, in selbstgestaltete, nachhaltige Selbstbildungsprozesse hineinfinden zu können. Demgegenüber brauchen Kinder – gerade im Kindergartenalter – Zeit und Raum, um sich selbst, ihre eigenen Ressourcen und die Welt um sie herum wahrzunehmen, aus eigenem Interesse zu entdecken und auf diese Weise eine selbstgesteuerte Beziehung zu sich und ihrem Umfeld herzustellen.

Gerade Kindheit ist kurz und nicht nachholbar. Wir dürfen sie nicht überspringen. Das ist doch wie bei Bäumen: Die, die zu schnell wachsen, haben später weiches Holz. Was stabil sein soll, braucht Zeit.
(Kirsten Boie)

Wenn Kinder zu „Fällen“ werden

Anstatt sich den tatsächlichen Entstehungsbedingungen des erwartungswidrigen Verhaltens bei Kindern zuzuwenden, diese fachkompetent und differenziert zu identifizieren und nachhaltige, entwicklungsförderliche Bedingungen in Gang zu setzen, werden Kinder im Sinne eines medizinischen Modells klassifiziert und mit Begriffsetikettierungen bewertet, um sie als „veränderungswürdig“ zu betrachten und in Maßnahmen zu bringen, die bei ihnen eine Verhaltensänderung bewirken sollen. Strukturelle, externe, institutionsbedingte, personale Ursachen werden dabei häufig ausgeblendet, sodass das Kind als „Symptomträger“ in den Mittelpunkt der Betrachtung gerückt wird.

Jedes Kind hat das Recht zu lernen, zu spielen, zu lachen, zu träumen, zu lieben, anderer Ansicht zu sein, vorwärtszukommen und sich zu verwirklichen.
(Hall-Dennis Report)

Kindheit unter Druck – typische Muster

Viele „auffällige Verhaltensweisen“ bei Kindern, wie beispielsweise Hyperaktivität, Impulsivität, dissoziales Verhalten, emotionaler Rückzug, geringe Konzentrationsfertigkeit, fehlende Belastbarkeit, soziale Isolation, Lern- und Kommunikationsstörungen, Angst- und Zwangsstörungen wie auch psychosomatische Erkrankungen, sind häufig eine Folge aus den drei großen entwicklungshinderlichen Bedingungsfeldern im Alltagsleben von Kindern: Kinderzeiten sind zerrissen, Kinderwelten werden zerteilt und Kinderräume sind immer stärker eingeschränkt!

Prof. Dr. Klaus-Peter Brinkhoff hat das Thema „Kindheiten in der heutigen Zeit“ in seinem Beitrag „Kindsein ist kein Kinderspiel“ (in: Mansel, J., 1996, S. 25–59) mit zutreffenden Begriffen sehr deutlich auf den Punkt gebracht, wenn er unter anderem von einer abgefederten „Airbag-Kindheit“, einer gnadenlosen „Konsum-Kindheit“, einer beherrschenden „Medien-Kindheit“, einer mit allen Weltereignissen konfrontierten „Erste-Reihe-Kindheit“, einer früh angelegten „Karriere-Kindheit“, einer funktionsgestalteten „Insel-Kindheit“, einer künstlich angebotenen „Entsinnlichten Kindheit“, einer durch den Verlust der Kindheit geprägten „Gefährdeten Kindheit“ und schließlich einer „Ungewissen Kindheit“ spricht. In allem ist ein roter Faden zu erkennen, der sich durch diese Begriffs-Kindheiten zieht: Kindern fehlt ihre Zeit, um mit Ruhe und in unstrukturierten Räumen eigene Erfahrungen zu sammeln, unbelastet von Erwachsenenproblemen und nicht mit fremdbestimmenden Vorgabestrukturen überfrachtet.

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Erfahrungsräume statt Programmstruktur

Zeitreise: Nimm ein Kind an die Hand und lass dich von ihm führen. Betrachte die Steine, die es aufhebt, und höre zu, was es dir erzählt. Zur Belohnung zeigt es dir eine Welt, die du längst vergessen hast.
(unbekannter Verfasser)

Viele (inter)national tätige und seit vielen Jahren forschende Erziehungswissenschaftler*innen und Entwicklungspsycholog*innen, z. B. Klaus Fröhlich-Gildhoff, Gerald Hüther, Rüdiger Kißgen, Niels Birbaumer, Harald Engler, Karsten Brensing, Tobias Hauser, Manfred Spitzer, Karl Heinz Brisch und Benjamin Hilbig, sind sich aufgrund einer systemischen Betrachtung heutiger Kindheiten, kindeigener Ausdrucksformen und vorgegebener Entwicklungsbedingungen in folgenden Überlegungen einig. Kurzum auf den Punkt gebracht bedeutet dies:

(a) Erwachsene – sowohl Eltern als auch Fachkräfte im Kita-Bereich – bieten Kindern immer häufiger Räume an, die in ihrer Gestaltung lediglich auf eine ganz bestimmte Funktionalität ausgerichtet sind.
(b) Kindern werden Tätigkeiten von Erwachsenen – mit festen Erwartungsvorstellungen verbunden – vorgegeben, die sie möglichst zu erfüllen haben, und dabei wird das Ganze in vorher festgelegte Zeiteinheiten eingebettet, in denen sich das Kind dem vorgesetzten Angebot zuzuwenden hat.
(c) Erfahrungsräume werden arrangiert, künstliche Situationen, die mit dem Alltagserleben des Kindes teilweise oder gar nichts zu tun haben, hergestellt (= Konfrontation mit einer Wirklichkeit aus zweiter Hand), um Leistungen des Kindes mit zuvor erfassten Lernzielen für eine Zukunftskompetenz in Übereinstimmung zu bringen.

Kinder und Uhren dürfen nicht ständig aufgezogen werden, man muss sie auch gehen lassen.
(Jean Paul)


Bücher von Armin Krenz bei Burckhardthaus


Stress statt Selbstbildung

Kinder benötigen ihr eigenes, für sie selbst noch nicht vollständig und umfassend begreif- und erfassbares Zeitmaß (Jean Piaget), nach dem sie ihre Wahrnehmungen und Beobachtungen nach subjektiven Bedürfnissen ausrichten und fokussieren dürfen, um sich mit ihrer selbstmotivierten Konzentration und intrinsisch gelenkten Aufmerksamkeit ihrem eigenen Attraktivitätsobjekt handelnd zuwenden zu können. Überall dort, wo solche Wahrnehmungsprozesse im Kind unterbrochen oder gar unterbunden werden, bleibt im Kind eine unfertige, unbearbeitete Situation bestehen und sorgt im weiteren Verlauf für halbherzige oder nicht vorhandene Aufmerksamkeit auf das neue Wahrnehmungsobjekt.

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Neurowissenschaftler*innen (etwa Gerald Hüther, Gerhard Roth, Manfred Spitzer, Wolf Singer, Christian Haass, Martin Dichgans) stellen bei Kindern eine zunehmende Anhäufung von Stresshormonen (= biochemische Botenstoffe) durch besondere Belastungen fest, indem bei eher kurzzeitigen Belastungserlebnissen sogenannte Katecholamine (Adrenalin und Noradrenalin) und bei dauerhaften Belastungen sogenannte Glukokortikoide in der Nebenniere gebildet und freigesetzt werden. Über die weitere Vermittlung des Corticotropin-Releasing-Hormons wird Adrenocorticotropin freigesetzt, das wiederum die Synthese und Ausschüttung des Glukokortikoids Cortisol aus der Nebennierenrinde stimuliert. So entsteht im Kind der folgende Gefühlsimpuls: Flucht oder Kampf, Desinteresse bzw. Abwendung vom Angebot oder Auflehnung/aggressive Abneigung gegen das, was das Kind um sich herum erlebt. ZEIT und RAUM würden eine solche verfahrene Situation erst gar nicht aufkommen oder sich zuspitzen lassen.

Wenn wir bei einem Kind etwas ändern wollen, sollten wir zunächst prüfen, ob es sich nicht um etwas handelt, das wir an uns selbst ändern müssen.
(Carl Gustav Jung)

Zentrale Fragen einer kindorientierten Pädagogik

Fragen, die daher im Sinne einer tatsächlichen KINDORIENTIERUNG immer dringlicher im Sinne einer zeitgebenden Entwicklungsunterstützung angezeigt sind und in den Vordergrund gerückt werden müssen, lauten wie folgt:

  • Was braucht das Kind an Unterstützung im Hinblick auf seine Interessen und Bedürfnisse?
  • Welche aktive Begleitung braucht das Kind, um seine subjektiv ausgerichtete Neugierde ausdrücken und handelnd ausprobieren zu können?
  • Womit kann dem Kind geholfen werden, um seine innewohnenden Ressortkompetenzen zu entdecken und diese handlungsaktiv in Erfahrung zu bringen?

Lernen heißt: Alte Erfahrungen neu durchdenken.
(Willy Möbius)

Wege aus der Beschleunigungspädagogik

Um aus einer entwicklungsfeindlichen Beschleunigungspädagogik herauszufinden und zu einer entschleunigten Entwicklungsbegleitung der Kinder zu gelangen, bedarf es daher vor allem folgender Umkehrschritte:

1.) Entsprechend der UN-Charta „Rechte des Kindes“ ist das Wohl des Kindes vorrangig vor allen anderen Gesichtspunkten zu berücksichtigen (Art. 3,1), einschließlich des Rechts auf Ruhe und Freizeit, Spiel und … Ruhe (Art. 31,1).
2.) Insofern darf auch das Thema „Partizipation“ weder als ein zusätzlicher, funktional gestalteter Programmpunkt in die Bildungslandschaft verstanden werden. Stattdessen muss Partizipation von Anfang an in die Alltagspädagogik als permanenter Bestandteil einer demokratischen Pädagogik integriert werden.
3.) Die Pädagogik muss erkennen, dass Kinder die Lehrmeister für alle pädagogischen Fachkräfte sowie die Ausgestaltung der Pädagogik sind und damit nicht Lehrprogramme der Ausgangspunkt für Lernprozesse sind.
4.) Die Grundlagen für eine kindorientierte und zugleich professionell gestaltete Elementarpädagogik sind aus den Erkenntnissen entwicklungspsychologischer Gesetzmäßigkeiten, der Bindungs- und Bildungsforschung abzuleiten und müssen damit modernistische Tendenzen professionell auf ihre pädagogische Berechtigung hin überprüfen und bei fachlichen Defiziten in ihre Schranken verweisen.
5.) Es muss endlich zur Kenntnis genommen werden, dass Kindheiten ein eigener Entwicklungszeitraum mit eigenen Merkmalen sind und besondere Erfordernisse notwendig machen.
6.) Die Elementarpädagogik muss sich wieder als eigenständige Fachdisziplin verstehen und sich aus der Einverleibung durch die Schulpädagogik lösen.
7.) „Bildung“ muss als ein Prozess der Selbstbildung des Kindes verstanden werden – das erfordert eine völlige Ablösung von teilisolierten und nicht nachhaltigen Förderprogrammen.
8.) Wenn sich die elementarpädagogischen Fachkräfte als aktive Entwicklungsbegleiter*innen des Kindes verstehen, erübrigt sich auch das Wort „Förderung“, das eine „Bildung aus zweiter Hand“ (Prof. Dr. Gerd Schäfer) immer wieder aufs Neue aktualisiert und das Kind weiterhin in Beschlag nehmen würde. Der Begriff „Förderung“ sollte durch den Begriff „Entwicklungsbegleitung“ ersetzt werden; dann würde auch die Berufsbezeichnung „Erzieher:in“ durch „Entwicklungsbegleiter:in“ ersetzt werden können.
9.) Solange Konzeptionen Aussagen enthalten, die kindorientierte Entwicklungsbedürfnisse als Ausgangspunkt der pädagogischen Alltagsgestaltung beschreiben und diese in der Praxis nur bruchstückhaft zu entdecken oder gar nicht wiederzufinden sind, werden diese zu unverbindlichen Konzepten degradiert und besitzen infolgedessen keine Aussagekraft. Damit bleiben sie inhaltsleere Worthülsen. Sollte das der Fall sein, besteht die Aufgabe für die Fachkräfte darin, die formulierte Theorie zur Praxis werden zu lassen.
10.) Solange sich elementarpädagogische Fachkräfte nicht deutlich von fachlich unberechtigten Träger-/Fachberater*innenerwartungen oder überzogenen, unberechtigten Elternwünschen abgrenzen, solange wird die Einrichtung kein professionelles Profil besitzen können und kindliche Entwicklungsbedürfnisse außer Acht lassen.
11.) Solange die Elementarpädagogik es nicht schafft, die pädagogische Wertigkeit vom Kinde aus zu betrachten und zu gestalten, solange bleiben bedeutsame psycho-soziale Grundbedürfnisse von Kindern unbeachtet und werden in nachhaltigen Folgen zum Ausdruck kommen.
12.) Solange alltagsferne, inhaltlich voneinander abgetrennte Themenangebote den Kindern vorgesetzt und untrennbar vernetzte Sinnzusammenhänge voneinander isoliert werden, sodass nahezu alles auf eine strikte Didaktisierung der Pädagogik hinausläuft oder sogar noch aufgestockt wird, solange werden spannende und beziehungsförderliche Bindungserfahrungen und (Selbst-)Bildungsprozesse (auf beiden Seiten!) einer funktionalen Kognitionserziehung geopfert – mit nachhaltigen entwicklungshinderlichen Auswirkungen auf das Kind.
13.) Solange Freude, eine innere Zufriedenheit, ein tiefes Glücksempfinden und eine wache Neugierde nicht als a priori gesetzte Ziele der Elementarpädagogik im uneingeschränkten Vordergrund stehen, solange entfernen sich Kinder und Erwachsene immer weiter voneinander. Psychiater sprechen hier vom „Lernziel Neurose“, weil ein lebensbejahendes, fröhliches Mit- und Voneinanderlernen nicht mehr im Mittelpunkt der Pädagogik stehen.
14.) Solange in Kindertageseinrichtungen ein funktionales, fachlich verkümmertes Bildungsverständnis im olympischen Sinne von „früher, schneller, höher, weiter“ die Alltagspädagogik prägt, solange liegt diesem Missverständnis von Bildung eine didaktisierte Vorschulpädagogik zugrunde und ist vom gesetzlich verankerten „eigenen Erziehungs-, Bildungs- und Betreuungsauftrag“ (SGB VIII, Bd. 2, Hbb.) weit entfernt.
15.) Solange die Elementarpädagogik die von wirtschaftlich geprägten Interessensgruppen/Verbänden/Stiftungen entwickelten und teilisolierten „Förderprogramme“ unkritisch und ohne Wertigkeitsüberprüfung übernimmt, solange wird es keine Pädagogik vom Kinde aus geben.
16.) Solange Fachschulen/Fachakademien u. Ä. Ausbildungsstätten für Erzieherinnen an inhaltlich starren Ausbildungsplänen, einer funktional orientierten Unterrichtsgestaltung und an rigiden Praxisbeurteilungen ihrer Praktikantinnen festhalten, solange ist es den Erzieherinnen in ihrem späteren Beruf auch umso schwerer möglich, sich auf eine kindorientierte, lebendige und damit innovative und auch mal ungeplante Pädagogik einzulassen.
17.) Und solange elementarpädagogische Fachkräfte keine Solidarität – selbstverständlich trägerübergreifend – miteinander herstellen und keinen bzw. nur wenig Mut aufbringen, mit ihrem Träger, Fachberaterinnen und Eltern bei fachlich unberechtigten Forderungen in ein konstruktives Streitgespräch einzusteigen, solange bleibt die Elementarpädagogik nur ein „Anhängsel“ anderer Fachdisziplinen, und die gesellschaftlich überaus bedeutsame Gruppe der Kindheitspädagog*innen verspielt damit gleichzeitig die Chance, ihre Professionalität nach außen zu tragen – mit dann vollkommen berechtigt erhöhten Gehaltsforderungen.

Literaturangaben:

  • Bergmann, W. (2011): Lasst eure Kinder in Ruhe! Gegen den Förderwahn in der Erziehung. München: Kösel.
  • Dreiske, H.-H. (1987): Ohne Netz. Gedichte zur Kindheit. Freiburg: Lambertus.
  • Drerup, J. et al. (2024): Was ist eine gute Kindheit? Stuttgart: Reclam.
  • Juul, J. (2009): Dein kompetentes Kind. Auf dem Weg zu einer neuen Wertgrundlage in der Familie. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt (rororo).
  • Juul, J. (2023): Es gibt keine unberechenbaren Jugendlichen. Wie wir mit unseren Kindern in Beziehung bleiben. München: Kösel.
  • Krenz, A. & Klein, F. (2013): Bildung durch Bindung. Frühpädagogik – inklusiv und beziehungsorientiert. 2. Aufl., Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht.
  • Krenz, A. (2019): Kinderseelen verstehen. Verhaltensauffälligkeiten und ihre Hintergründe. 6. Aufl., München: Kösel.
  • Krenz, A. (2022): Elementarpädagogische Grundsätze auf den Punkt gebracht. 20 PowerPoint-Präsentationen als Grundlage für Teambesprechungen, Fortbildungsveranstaltungen und Fachberatungen. Freiburg: BurckhardtHaus (Körner Medien).
  • Krenz, A. (2024): Spiel und Selbstbildung. Kitas brauchen eine pädagogische Revolution. Freiburg: BurckhardtHaus (Körner Medien).
  • Krenz, A. (2024): Berufsbild Erzieherin. Grundsatzgedanken zum Selbstverständnis eines sehr anspruchsvollen Berufs*. Freiburg: BurckhardtHaus (Körner Medien).
  • Krenz, A. (2025): Pädagogische Haltung entwickeln und leben. Werte und Professionalität für pädagogische Fachkräfte. München: Don Bosco.
  • Krenz, A. (2025): Medienkompetenz beginnt mit der Sach- und Selbstkompetenz bei den Erwachsenen und nicht zuvorderst „am“ Kind. Freiburg: BurckhardtHaus (Körner Medien).
  • Krenz, A. (2025/2026): Merkmale einer guten Kita-Pädagogik. Das Praxisbuch zur Qualität in der frühen Bildung. Freiburg: BurckhardtHaus (Körner Medien).
  • Krenz, A. (2025/2026): Ganzheitliche Pädagogik verstehen und leben. Wie Kinder durch Beziehung, Sinneserfahrung und Selbstbildung nachhaltig wachsen. Freiburg: BurckhardtHaus (Körner Medien).
  • Lee, J. (2004): Abenteuer für eine echte Kindheit. Die Anleitung. München: Piper.
  • Mansel, J. (Hrsg.) (1996): Glückliche Kindheit – schwierige Zeit? Opladen: Leske & Budrich.
  • Maywald, J. (2019): Gewalt durch pädagogische Fachkräfte verhindern. Freiburg: Herder.
  • Postman, N. (1987): Das Verschwinden der Kindheit. Frankfurt am Main: Fischer.
  • Renz-Polster, H. (2014): Die Kindheit ist unantastbar. Weinheim: Beltz.
  • Renz-Polster, H. (2016): Menschenkinder. Artgerechte Erziehung – was unser Nachwuchs wirklich braucht. 4. Aufl., München: Kösel.
  • Renz-Polster, H. (2025): Demokratie braucht Erziehung. Warum der Widerstand gegen autoritäre Strömungen schon in der Kindheit beginnt. München: Kösel.
  • Stipsitz, R. & Hutterer, R. (Hrsg.) (1988): Person werden. Frankfurt am Main: Peter Lang.
  • von Rosenberg, F. (2022): Die beschädigte Kindheit: Das Krippensystem in der DDR und seine Folgen. München: C.H. Beck.
  • Weber, A. (2012): Mehr Matsch! Kinder brauchen Natur. Berlin: Ullstein.
  • Weber, A. (mit Emma und Max) (2013): Das Quatsch-Matsch-Buch. Das Aktionsbuch – großstadttauglich & baumhausgeprüft. München: Kösel.

Kontext des Beitrags

Diese Grundüberlegungen liegen dem Vortrag „Kinder haben ein Recht auf ihre Kindheit – ein Plädoyer für eine kind(heits)orientierte Elementarpädagogik“ zugrunde, der auf der Bildungsmesse DIDACTA in Köln am 10.03.2026 gehalten wurde.

Armin Krenz, Hon.-Professor für Entwicklungspsychologie & Elementarpädagogik (a. D.),
Prof. h. c. et Dr. h. c. / Wissenschaftsdozent mit (inter)nationalen Lehraufträgen