Den Frühling mit Kindern erleben

Kreative Bastelideen und praktische Tipps
Wenn die langen Wintermonate zu Ende gehen, das Schmelzwasser langsam im Boden verschwindet und sich die Matschebenen allmählich wieder in festes Land verwandeln, dann stellt sich auch bald dieses wunderbare Gefühl ein, das man nur im Frühling erleben kann: Mit aller Kraft will etwas in Körper und Seele wachsen, ausbrechen. Diese Sehnsucht, diese Freude an der Welt wird besonders im Frühling erlebt. Mit den ersten warmen Sonnenstrahlen ist es plötzlich wieder voll in den Parks, Gartenanlagen und Spielplätzen. Überall sieht man freundliche, offene und lachende Gesichter, eine Wohltat nach all den dunklen Wintermonaten. Die Kraft, die der Frühling mit sich bringt, kann Berge versetzen. Endlich wieder festen Boden unter den Füßen! So lassen sich gut neue Schritte wagen und jeder Schritt bedeutet Bewegung, Aufbruch.
Arche Noah
Genau diese Stimmung greift die Erzählung der Arche Noah auf. Was für ein fantastisches Bild muss das gewesen sein, als all die Tiere nach der großen Flut die Arche verließen, um sich an Land eine neue Heimat zu suchen.
Die Farben dieses Aufbruchs festzuhalten, die Freude über die Vielfalt der Tiergestalten selbst zum Ausdruck zu bringen, kann zu einer wunderschönen Gestaltungsaufgabe führen: Jeder kann sein eigenes Tierpaar entwerfen und herstellen. Das klingt viel komplizierter, als es ist. Denn bei dieser Aufgabe braucht sich keiner daran zu halten, dass Giraffen einen langen Hals, Schweine einen Ringelschwanz und Elefanten einen Rüssel haben müssen. Jeder kann die Tiere nach seinen eigenen Vorstellungen gestalten: Kühe mit Giraffenhälsen sehen lustig aus, hellblaue Elefanten mit Riesenohren erinnern an Dumbo, den fliegenden Elefanten, Pferde mit langer Mähne und einem Horn lassen das Einhorn wieder lebendig werden. Fantasie haben die Kinder genug. Wenn sie dann noch bunte Stoffe verwenden, wird das Ergebnis eine farbenprächtige Sammlung von Fabelwesen sein.
Material: jede Menge kunterbunte Stoffreste, Stecknadeln, Scheren (wenn vorhanden eine Stoffschere), Pappe, Papierscheren, Bleistifte und Radiergummis, Kohlepapier, Nähgarn und Nadeln, Kleber, Füllwatte, Filzstifte und Zwirn
Jedes Kind entwirft sein Fantasietier.
Dabei soll ganz viel ausprobiert werden. Es empfiehlt sich also, einen dicken Radiergummi danebenzulegen, denn wer weiß schon vorher, ob das känguruähnliche Wesen mit dem Beutel auf dem Rücken tatsächlich so bleiben soll oder ob der Beutel nicht doch besser auf dem Kopf getragen wird. Der Fischvogel mit den Rückenflossen will vielleicht doch keine Flügel haben, also weg damit. Am Anfang werden die Wesen vielleicht noch „echten“ Tieren ähneln, aber schon bald wird die Fantasie beflügelt, und es entstehen immer fantasievollere Fabeltiere.
Wenn die Kinder mit ihren Entwürfen fertig sind, werden diese mit Kohlepapier auf die (nicht zu dicke) Pappe übertragen und ausgeschnitten. Die so entstandenen Schablonen jetzt auf dem ausgewählten Stoff platzieren, der vorher doppelt gelegt wurde. Die Umrisse der Schablone mit einem Stift auf die oberste Stofflage übertragen. Damit die untere Lage beim Ausschneiden nicht verrutscht, wird nach dem Entfernen der Pappe der Stoff mit Stecknadeln zusammengeheftet und die Umrisse mit einer Stoffschere ausgeschnitten.
Je nach Geschicklichkeit des Kindes werden die beiden Teile am Rand entlang entweder zusammengeklebt oder zusammengenäht. Ein kleines Stück bleibt offen, denn dort kann die Füllwatte hineingestopft werden. Nicht zu viel Watte verwenden, der Körper soll sich zwar runden, sollte aber nicht unbedingt hart und fest sein. Dann gelingt es auch besser, das letzte Stückchen zusammenzunähen. Es kann auch geklebt werden, nur meistens kleben dabei eher die Finger als die Stoffhälften zusammen. Jetzt braucht das Tier noch Augen, Nase und Ohren, die mit den Filzstiften aufgemalt werden. Fertig ist das Wundertier.
Wenn alle Tiere mit einem Zwirnsfaden untereinandergehängt werden, entsteht ein wunderchöner farbenprächtiger Wandbehang.
Unsinn im Sinn
Der Frühling löst bei vielen Kindern ein Gefühl aus, das Eltern gern mit „Übermut“ oder „dir juckt das Fell“ beschreiben. Gemeint ist dieses herrliche Kribbeln im Bauch, das sich im ganzen Körper ausbreitet und zu den verrücktesten Ideen anregt. Diese kreative Kraft löst ein Glücksgefühl aus, das nur der verstehen kann, der es kennt.
Aber diejenigen, die es nicht wagen, verrückt zu sein, weil sie „zu gut erzogen sind“, können trotzdem versuchen, sich diesem Zustand aus sicherer Entfernung anzunähern. Zum Beispiel mit folgender Gestaltungsidee: Es geht um die Umsetzung eines Spruchs, den ich einmal in einer Zeitschrift gelesen habe: „Man merkte es ihnen kaum an, aber sie hatten nur Unsinn auf dem Kopf!“
Jeder malt auf einem Blatt eine ganz normale Menschengestalt, nur der Kopf sollte etwas ungewöhnlich aussehen. Was könnte denn dieser brave Junge auf dem Kopf tragen, etwa einen Fisch? Und diese dicke Marktfrau, was schleppt sie denn auf ihrem Haupt, einen großen Bottich, aus dem ein Krokodil herausguckt? Oder diese Dame da, die wie eine Lehrerin aussieht, was schmückt denn ihren Kopf? Springt da etwa ein kleines Vögelchen heraus? Ach, da ist ja auch das Nest mit den Kleinen! Es ist gut versteckt im Dutt der Dame. Und der dicke Mann mit dem Schwabbelbauch, was flattert ihm da um die Ohren? Ah, eine Schar zarter Schmetterlinge! Der Mann hat doch tatsächlich einen Busch auf dem Kopf. Je länger die Kinder malen, desto verrücktere Sachen werden ihnen einfallen, darauf kann man sich verlassen.
Material: Papier und Farbstifte
Kopf hoch, es geht weiter
Der erste Schritt ist getan, jetzt tasten wir uns noch weiter vor. Denn jetzt werden Haarspray, Strähnchenfärber, Stielkämme, Haarklips, Klämmerchen und Umhänge herausgeholt, und es geht den Kindern selbst an den Schopf. Wer traut sich, seinen Kopf hinzuhalten und sich gestalten zu lassen? Da hat wohl jemand schon etwas von den alten Ägyptern gehört, die ihr Haupt ja auch geschmückt haben. Die Göttin Isis trug den Thron als Zeichen ihrer Königinnenwürde auf dem Kopf.
Und was hat Jenny auf dem Kopf? Der Flechtstuhl aus der Puppenstube macht sich ganz reizend auf ihrer Kappe – Isis wäre blass vor Neid geworden. Andere Kinder haben sich Plastiktiere ins Haar gebunden, einer hat den Schopf voller Trolle in unterschiedlichen Größen, das sieht ja lustig aus. Das Haar wurde antoupiert und stark mit Haarlack besprüht. Dazu ist es noch mit Strähnchenfärber blau angemalt worden. Und in diesem malerischen Gewusel finden die Trolle wunderbaren Halt. Das Kunstwerk ist ja nicht für die Ewigkeit gedacht.
Material: Haarspray, Strähnchenfärber, Stielkämme, Haarklips, Klämmerchen, Umhänge, kleine Plastikfiguren
Diesen Artikel haben wir aus folgendem Buch entnommen:

Frühling, Sommer und viel mehr
Die Jahreszeiten mit Kindern erleben
Maya Hasenbeck
Burckhardthaus-Laetare
3 bis 6 Jahre, 96 Seiten
ISBN: 9783944548135
14,95 €
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