Übergewicht bei Kindern bleibt ein wichtiges Gesundheitsthema

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PowerKids-App unterstützt Kinder bei gesunder Lebensweise

Übergewicht und Adipositas zählen weiterhin zu den größten gesundheitlichen Herausforderungen im Kindes- und Jugendalter. In Deutschland gelten etwa 15,4 % der Drei- bis 17-Jährigen als übergewichtig, rund 5,9 % als adipös.

Ein dauerhaftes Ungleichgewicht zwischen Energieaufnahme und Energieverbrauch, zu wenig Bewegung sowie psychosoziale Belastungen können langfristig gesundheitliche Probleme verursachen.

Auch die Stiftung Kindergesundheit setzt auf diesen Ansatz und fördert mit der digitalen Präventionslösung PowerKids gesunde Lebensgewohnheiten bei Kindern.

Die PowerKids-App: Spielerische Prävention für Kinder

Die kostenfreie PowerKids-App richtet sich an Kinder im Alter von acht bis zwölf Jahren. Über einen Zeitraum von zwölf Wochen begleitet das Programm die jungen Nutzerinnen und Nutzer mit interaktiven Inhalten rund um:

  • gesunde Ernährung
  • regelmäßige Bewegung
  • Selbstwert und mentale Stärke

Kinder können beispielsweise Mahlzeiten in einem Ernährungstagebuch festhalten, Bewegungspunkte durch Alltagsaktivitäten sammeln oder ihre Stimmung im sogenannten „Launometer“ dokumentieren. Ergänzend stärken kurze mentale Übungen das Selbstbewusstsein.

Podcasts, Videos, Spiele und Challenges sorgen dafür, dass die Inhalte abwechslungsreich und motivierend vermittelt werden.

Das Programm basiert auf einem wissenschaftlich fundierten Konzept. Entwickelt wurde es gemeinsam mit Expertinnen und Experten aus Ernährungstherapie, Gesundheitswissenschaften und Kinderpsychotherapie.

Bedeutung früher Prävention

„Es ist entscheidend, Kinder frühzeitig zu erreichen – bevor gesundheitliche Risiken entstehen oder sich verfestigen“, sagt Prof. Dr. med. Dr. h. c. mult. Berthold Koletzko, Gründer und Vorstand der Stiftung Kindergesundheit.

„Programme wie PowerKids zeigen, dass Prävention dort ansetzen muss, wo Kinder leben und lernen. Wenn wir Wissen, Motivation und Selbstvertrauen spielerisch und handlungsorientiert vermitteln, schaffen wir nachhaltige Grundlagen für einen gesunden Lebensstil.“

Erste Bilanz: Gute Akzeptanz der Präventions-App

Ein halbes Jahr nach dem Start fällt die erste Bilanz positiv aus. Die App wurde rund 1.700-mal heruntergeladen. Durchschnittlich nutzen etwa 90 Kinder das Programm täglich, mit einer mittleren Nutzungsdauer von rund zehn Minuten.

Mehr als 60 Kinder haben das gesamte Programm bereits abgeschlossen. Besonders erfreulich: 85 % der teilnehmenden Kinder würden die App weiterempfehlen.

Auch die Rückmeldungen aus der Zielgruppe zeigen eine positive Resonanz:

„Der Podcast war immer sehr interessant“, berichtet ein Kind.
Ein anderes hebt hervor: „Die Fitness-Challenge fand ich sehr, sehr toll.“
Und ein weiteres sagt: „Ich mag gerne den Mixer mit den Launen.“

Weiterentwicklung der PowerKids-App geplant

Für das Jahr 2026 plant die Stiftung Kindergesundheit eine Weiterentwicklung der Anwendung. Dabei sollen Rückmeldungen und Wünsche der bisherigen Nutzerinnen und Nutzer einfließen. Parallel ist eine wissenschaftliche Evaluation vorgesehen, um die Wirksamkeit des Programms genauer zu untersuchen.

Digitale Prävention als Chance für Familien

Prävention muss früh beginnen und leicht zugänglich sein. Digitale Angebote können dabei eine wichtige Rolle spielen.

Programme wie PowerKids unterstützen Familien dabei, gesunde Routinen aufzubauen, das Selbstvertrauen von Kindern zu stärken und langfristig die Basis für ein aktives und gesundes Leben zu schaffen.

Weitere Informationen finden Sie unter:
www.powerkids.de




Eltern prägen die Bewegung ihrer Kinder stärker als gedacht

Neue Swiss-TPH-Studie zeigt langfristige Zusammenhänge im Familienalltag

Wie viel sich Kinder bewegen, hängt eng mit dem Bewegungsverhalten ihrer Eltern zusammen. Das zeigt eine aktuelle Auswertung der sogenannten SOPHYA-Kohortenstudie des Schweizerischen Tropen- und Public-Health-Instituts (Swiss TPH). Die Forschenden untersuchten mehrere hundert Familien in der Schweiz, bei denen Eltern und Kinder über mehrere Tage hinweg Bewegungssensoren trugen. So konnten Aktivität und Sitzzeiten objektiv erfasst und über mehrere Jahre hinweg miteinander verglichen werden.

Die Ergebnisse zeigen: Eltern mit höherer Alltagsaktivität haben im Durchschnitt auch aktivere Kinder. Dieser Zusammenhang lässt sich nicht nur zu einem bestimmten Zeitpunkt beobachten, sondern bleibt über längere Zeiträume hinweg bestehen. Umgekehrt gehen längere Sitzzeiten der Eltern häufiger mit geringerer Aktivität bei den Kindern einher.

Aktivität, Bewegungsintensität und Sitzzeiten systematisch gemessen

Die Analyse basiert auf der SOPHYA-Studie, in der körperliche Aktivität, Bewegungsintensität und Sitzzeiten systematisch gemessen wurden. Dabei ging es nicht um einzelne Sportarten oder Trainingsprogramme, sondern um das gesamte Bewegungsprofil im Alltag — also darum, wie viel Zeit Menschen sitzend verbringen, wie viel sie sich leicht, moderat oder intensiv bewegen und wie sich diese Muster über die Zeit entwickeln.

Die Forschenden verglichen die Bewegungsdaten von Eltern und Kindern und verfolgten diese über mehrere Jahre hinweg. So konnte untersucht werden, ob sich Zusammenhänge nicht nur kurzfristig, sondern auch langfristig zeigen.

Bewegungsverhalten in Familien kein zufälliges oder kurzfristiges Phänomen

Die Daten der SOPHYA-Studie zeigen vor allem, dass Bewegungsverhalten in Familien kein zufälliges oder kurzfristiges Phänomen ist. Das Swiss TPH konnte nachweisen, dass sich das Aktivitätsniveau von Eltern und Kindern nicht nur zum gleichen Zeitpunkt ähnelt, sondern dass sich diese Zusammenhänge auch über mehrere Jahre hinweg wiederfinden lassen. Kinder von Eltern mit höherer Alltagsaktivität wiesen im Durchschnitt ebenfalls höhere Bewegungswerte auf, während längere Sitzzeiten der Eltern mit mehr Inaktivität bei den Kindern verbunden waren.

Dabei geht es laut den Forschenden weniger um einzelne sportliche Aktivitäten als um übergreifende Muster: Wie bewegungsreich ist der Alltag insgesamt? Wie viel Zeit wird sitzend verbracht? Welche Rolle spielen Wege, Routinen und Freizeitgestaltung? Die Studie macht deutlich, dass sich diese alltäglichen Rahmenbedingungen zwischen Eltern und Kindern ähneln und über die Zeit stabil bleiben.

Auffällig ist außerdem, dass sich diese Zusammenhänge auch dann zeigen, wenn man Alter, Geschlecht oder sozioökonomische Faktoren berücksichtigt. Das spricht dafür, dass Bewegung im familiären Kontext nicht nur individuell geprägt ist, sondern in gemeinsamen Strukturen entsteht — etwa in der Art, wie der Tag organisiert wird, wie Freizeit verbracht wird oder wie selbstverständlich Bewegung Teil des Alltags ist.

Bewegung als Teil geteilter Lebensweisen

Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass Bewegung weniger als bewusste Einzelentscheidung zu verstehen ist, sondern vielmehr als Bestandteil gemeinsamer Lebensweisen. Kinder wachsen in bestimmte Rhythmen, Routinen und Alltagsformen hinein, die mitbestimmen, wie viel Bewegung in ihrem Leben vorkommt.

In diesem Sinne beschreibt die Studie Bewegung nicht als etwas, das isoliert „vermittelt“ wird, sondern als etwas, das sich in geteilten Alltagserfahrungen herausbildet — im gemeinsamen Unterwegssein, im Umgang mit Freizeit, in der Organisation des Familienlebens.

Zur Studie

Die Ergebnisse stammen aus der SOPHYA-Kohortenstudie des Schweizerischen Tropen- und Public-Health-Instituts und wurden in der Fachzeitschrift Journal of Activity, Sedentary and Sleep Behaviors veröffentlicht.

Die offizielle Mitteilung des Swiss TPH zur Studie findet sich hier:
👉 https://www.swisstph.ch/en/news/news-detail/news/parents-activity-patterns-shape-children-for-years-cohort-data-show