Was Kinder brauchen: Kinderpsychologie live erleben und verstehen
geschrieben von Redakteur | Juli 6, 2026
Praxisnahe Fortbildung mit Dr. Thomas Fuchs zu Bindung, Neurodiversität, Medien, Pubertät und Resilienz
Die Kindheit ist die prägendste Phase im Leben eines Menschen. Wer Kinder begleitet, trägt Verantwortung für ihre Entwicklung – und sollte wissen, welche Erkenntnisse die moderne Kinderpsychologie bereithält. Genau hier setzt die Präsenzfortbildung „Was Kinder brauchen – Kinderpsychologie live erleben“ an.
Der Kinder- und Jugendpsychologe Dr. rer. soc. Thomas Fuchs vermittelt wissenschaftlich fundiertes Wissen verständlich, praxisnah und anhand zahlreicher Beispiele. Im Mittelpunkt stehen Fragen, die pädagogische Fachkräfte im Alltag unmittelbar betreffen:
Warum ist eine sichere Bindung für Kinder so entscheidend?
Wie lassen sich Konflikte lösen, ohne die Beziehung zum Kind zu gefährden?
Welche Rolle spielen Geschlechterunterschiede?
Was bedeutet Neurodiversität – und warum ist jedes Kind auf seine Weise einzigartig?
Wie können Kinder einen gesunden Umgang mit sozialen Medien entwickeln?
Was verändert sich in der Pubertät – und wie können Erwachsene Jugendliche sinnvoll begleiten?
Darüber hinaus richtet die Veranstaltung den Blick auf eine grundlegende Frage: Welche Welt hinterlassen wir den Kindern – und welche Kinder hinterlassen wir der Welt? Ziel ist es, Erwachsene dabei zu unterstützen, Kinder resilient, solidarisch und verantwortungsbewusst auf ihrem Lebensweg zu begleiten.
Termin
Dienstag, 29. September 2026 9:00 Uhr bis ca. 15:30 Uhr
Veranstaltungsort
Museum am Schölerberg, Osnabrück
Referent
Dr. rer. soc. Thomas Fuchs, Diplom-Psychologe mit den Schwerpunkten klinische und pädagogische Psychologie sowie langjähriger Erfahrung in der Kinder- und Jugendpsychologie.
Zielgruppe
Die Fortbildung richtet sich an Erzieherinnen und Erzieher, Lehrkräfte, Tagespflegepersonen sowie Fachkräfte aus der Kinder- und Jugendarbeit und weiteren pädagogischen Arbeitsfeldern.
Teilnahmegebühr
99,00 Euro Nach der Veranstaltung erhalten alle Teilnehmenden eine Teilnahmebescheinigung über 8 Unterrichtseinheiten (UE). Weitere Informationen zum Ablauf werden nach der Anmeldung zugesandt.
Alltagsintegrierte Sprachbildung beginnt mit Beziehung
geschrieben von Redakteur | Juli 6, 2026
Prof. Dr. Armin Krenz zeigte auf der Klax Konferenz 2026, warum Sprachentwicklung vor allem in vertrauensvollen Beziehungen, bedeutsamen Alltagssituationen und wertschätzenden Dialogen gelingt
„Bildung braucht Bindung“ – kaum ein Satz fasst die Grundlagen erfolgreicher Sprachbildung so treffend zusammen wie dieser. Kinder lernen sprechen, weil sie Beziehungen gestalten, sich selbst, ihre eigenen Ausdrucksmöglichkeiten sowie ihre Umwelt entdecken und sich verstanden fühlen wollen. Dass Sprachentwicklung deshalb vor allem im Alltag und nicht in isolierten Förderprogrammen gelingt, verdeutlichte Prof. h.c. Dr. h.c. Armin Krenz auf der Klax Konferenz 2026 in Berlin. Sein Vortrag traf einen Nerv bei den zahlreichen pädagogischen Fachkräften und regte zu intensiven Diskussionen über die Zukunft frühkindlicher Bildung an.
Trotz hochsommerlicher Temperaturen in den Veranstaltungsräumen blieb die Aufmerksamkeit der Zuhörerinnen und Zuhörer während der beiden Vortragseinheiten ungebrochen. Die überwiegend aus Kindertageseinrichtungen, Krippen und anderen pädagogischen Einrichtungen stammenden Fachkräfte verfolgten die Ausführungen mit großer Konzentration. Viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer äußerten sich im Anschluss begeistert über die fachliche Tiefe, die Praxisnähe und die klare Haltung des Referenten.
Sprache entsteht nicht durch Programme, sondern durch sicher erlebte Beziehungen
Im Mittelpunkt des Vortrags stand eine zentrale Botschaft: Sprachbildung ist kein isolierter Förderbereich, sondern Teil einer ganzheitlichen Entwicklung des Kindes. Sprache, Bindung und nachhaltige Bildungsprozesse bilden ein untrennbares Wirkungsgefüge bei der Sprachbildung, so wie es immer wieder vielfältige wissenschaftliche Untersuchungen zeigen. Armin Krenz zitierte dabei stets entsprechende Wissenschaftler*innen und benannte die Untersuchungen, so dass interessierte Teilnehmer*innen die Quellenangaben aufrufen können. Auch wenn in der Auseinandersetzung >alltagsintegrierte Sprachbildung versus additive Sprachförderung< unterschiedliche Aussagen vorgebracht werden, geht es Armin Krenz um fundierte Belege, die für eine alltagsintegrierte Sprachbildung sprechen und nicht um persönlich geprägte Meinungsaussagen, die einer additiven Sprachförderung den Vorzug geben sollen. Sprache eröffnet Kindern Zugänge zu sich selbst, zu anderen Menschen und zur Welt. Gleichzeitig kann Sprache vielfältige Entwicklungsfelder im Kind fördern – oder auch behindern, wenn das Kind mit entwicklungshinderlichen Sprachäußerungen konfrontiert wird. Krenz stellte die Bedeutung einer alltagsintegrierten Sprachbildung heraus. Sprachliche Entwicklung vollzieht sich demnach nicht in künstlich geschaffenen Förderstunden, sondern in alltäglichen Interaktions- und Kommunikationssituationen. Kinder lernen Sprache dort besonders nachhaltig, wo sie sich angenommen fühlen, eigenen Interessen nachgehen können und erleben, dass ihre Worte Wirkung entfalten.
„Sprache will erlebt werden“, lautete eine der zentralen Aussagen seines Vortrags. Sprachbildung entstehe in interessanten Interaktionen, in wertschätzenden Dialogen und in Situationen, die für Kinder bedeutsam seien. Additive Sprachförderprogramme könnten diese Voraussetzungen nur sehr begrenzt erfüllen.
Bildung braucht Bindung
Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der engen Verbindung zwischen Sprachentwicklung und Bindungserfahrungen. Krenz knüpfte dabei an entwicklungspsychologische Erkenntnisse an und machte deutlich, dass Kinder zunächst ein sicheres Verhältnis zu sich selbst und ihren Bezugspersonen entwickeln müssen, bevor sie die Welt neugierig erkunden können.
Sichere Beziehungen schaffen die Grundlage für Exploration, Lernfreude und sprachliche Ausdrucksfähigkeit. Kinder, die sich emotional angenommen und wertgeschätzt fühlen, entwickeln leichter Selbstvertrauen, Selbstwirksamkeit und die Bereitschaft, sich auf neue Erfahrungen einzulassen. Sprachbildung geschieht deshalb vor allem durch Beziehungserfahrungen, durch Sprechfreude und durch eine wertschätzende Dialogkultur.
Besonders eindrücklich schilderte Krenz die Bedeutung der pädagogischen Fachkraft als „Faktor Nummer 1“ für gelingende Bildungsprozesse. Internationale Studien belegten, dass die Qualität der Erwachsenen-Kind-Interaktion einen entscheidenden Einfluss auf die sprachliche, soziale und kognitive Entwicklung von Kindern habe.
Kritik an einer zunehmend verschulten Frühpädagogik
Mit deutlichen Worten setzte sich der Referent auch kritisch mit aktuellen Entwicklungen in der Elementarpädagogik auseinander. Er warnte vor einer ständig zunehmenden Instrumentalisierung von Bildung und vor der Tendenz, frühkindliche Bildungsprozesse an schulischen, funktionsdefinierten Logiken, die einer Erwachsenensicht entspringen, auszurichten.
Kinder seien weder Förderobjekte noch „unfertige Erwachsene“, sondern eigenständige Persönlichkeiten mit individuellen Entwicklungswegen. Bildung dürfe deshalb nicht auf Programme, Lernziele und standardisierte Förderangebote reduziert werden. Vielmehr brauche es Zeit, Beziehung, Alltagserfahrungen und die Möglichkeit zur selbstbestimmten Auseinandersetzung mit der Welt.
Dabei griff Krenz unter anderem Gedanken von Gerd E. Schäfer, Alice Miller, Rebeca Wild und Carl Gustav Jung auf und plädierte für eine Rückbesinnung auf die Eigenständigkeit der Elementarpädagogik.
Die Welt durch Sprache entdecken
Immer wieder führte der Vortrag zurück zur Frage, welche Bedeutung Sprache für die Entwicklung eines Kindes besitzt. Sprache eröffnet den Zugang zu den eigenen Gefühlen, Bedürfnissen und Ressourcen ebenso wie zur sozialen und kulturellen Umwelt.
Kinder benötigen deshalb sprachunterstützende, wahrnehmungsoffene, mitfühlende und aufmerksam beobachtende Begleiterinnen und Begleiter. Sprachbildung gelingt dort, wo Kinder ernst genommen werden, ihre Gedanken Gehör finden und Dialoge auf Augenhöhe entstehen. Sprachbildung unterstützt, sofern diese Merkmale von Kindern erlebt werden, damit die >Selbstbildung< des Kindes im Unterschied zu einer additiven Sprachförderung, durch die sich das Kind eher als ein ‚Reakteur‘ versteht und sich weniger als ‚Akteur‘ seiner eigenen Entwicklung erleben kann.
Besonders die Verbindung von Sprachbildung, Selbstwertentwicklung, Resilienz und sozialem Lernen zog sich als roter Faden durch den Vortrag. Sprache wurde dabei nicht als Technik verstanden, sondern als grundlegendes Medium menschlicher Beziehung und Persönlichkeitsentwicklung.
Große Resonanz und intensive Diskussionen
Die Resonanz auf den Vortrag war ausgesprochen positiv. Viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer nutzten die Gelegenheit für Gespräche, Rückfragen und den fachlichen Austausch. Besonders die Verbindung wissenschaftlicher Erkenntnisse mit langjährigen Praxiserfahrungen wurde von den Zuhörenden hervorgehoben.
Die Klax Konferenz 2026 hatte sich zum Ziel gesetzt, Bildung neu zu denken und wissenschaftliche Impulse mit pädagogischer Praxis zu verbinden. Mit seinem Vortrag traf Armin Krenz genau den Nerv vieler Fachkräfte, die nach Orientierung in einer zunehmend komplexen Bildungslandschaft suchen. Die Themen Sprachbildung, Beziehungsgestaltung und kindorientierte Pädagogik erwiesen sich dabei als hochaktuell und praxisrelevant.
Die Präsentation zum Vortrag
Da zahlreiche Teilnehmerinnen und Teilnehmer den Wunsch geäußert haben, die Inhalte des Vortrags noch einmal nachlesen und für die eigene pädagogische Praxis nutzen zu können, stellen wir die Präsentation von Prof. h.c. Dr. h.c. Armin Krenz im Anschluss an diesen Bericht als Download zur Verfügung. Sie enthält die zentralen Gedanken, Impulse und Literaturhinweise des Vortrags und bietet zahlreiche Anregungen für die alltagsintegrierte Sprachbildung in Krippe, Kita und Kindertagespflege.
Warum frühkindliche Bildung neu gedacht werden muss
geschrieben von Redakteur | Juli 6, 2026
Armin Krenz fordert eine Pädagogik, die Kinder in ihrer Entwicklung stärkt
Was brauchen Kinder, um sich gesund zu entwickeln? Diese Frage stellt der Sozialpädagoge, Kindheitsforscher und Elementarpädagoge Prof. Armin Krenz in einem Vortrag bei der Rosa-Luxemburg-Stiftung in den Mittelpunkt. Dabei richtet er den Blick auf eine Entwicklung, die er seit Jahren kritisch begleitet: Frühkindliche Bildung werde zunehmend auf Lernprogramme, Kompetenzen und schulische Vorbereitung reduziert, während grundlegende Entwicklungsbedürfnisse von Kindern aus dem Blick gerieten.
Erziehung, Bildung und Betreuung gleichermaßen
Krenz erinnert daran, dass Kindertageseinrichtungen weit mehr leisten sollen als Wissensvermittlung. Ihr gesetzlicher Auftrag umfasst Erziehung, Bildung und Betreuung gleichermaßen. Ziel ist die Unterstützung von Kindern auf ihrem Weg zu eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeiten. Nach seiner Auffassung wird dieser Anspruch jedoch häufig durch ein verkürztes Bildungsverständnis erschwert.
SPIEL und SELBSTBILDUNG Kitas brauchen eine pädagogische Revolution Autor: Krenz, Armin Verlag: ObersteBrink ISBN 9783963046162 22,00 €
Konsequent an den Entwicklungsbedürfnissen von Kindern orientieren
Im Vortrag wirbt Krenz für eine Pädagogik, die sich konsequent an den Entwicklungsbedürfnissen von Kindern orientiert. Beziehungen, emotionale Sicherheit, Spiel, Bewegung, Selbstwirksamkeit und ausreichend Zeit für eigene Erfahrungen seien zentrale Voraussetzungen für nachhaltige Bildungsprozesse. Bildung entstehe nicht durch Belehrung, sondern durch aktive Auseinandersetzung mit der Welt.
Gleichzeitig thematisiert Krenz die Rahmenbedingungen pädagogischer Arbeit. Hohe Bürokratiebelastungen, Fachkräftemangel und fehlende Zeit für die Arbeit mit Kindern erschwerten vielerorts die Umsetzung einer entwicklungsförderlichen Pädagogik.
Der Vortrag bietet zahlreiche Impulse für pädagogische Fachkräfte, Lehrkräfte und Eltern. Er lädt dazu ein, den Begriff Bildung neu zu denken und die Frage zu stellen, was Kinder heute wirklich brauchen, um ihre Fähigkeiten und Potenziale entfalten zu können.
Kita als Schlüsselphase: Armin Krenz fordert dringend Umdenken
geschrieben von Redakteur | Juli 6, 2026
In Freiburg plädiert Armin Krenz vor großem Publikum für eine Pädagogik, die sich konsequent an den Bedürfnissen von Kindern orientiert – und warnt vor den Fehlentwicklungen im Bildungssystem
Mehr als 300 Teilnehmende – vor Ort in der Aula der Katholischen Hochschule Freiburg sowie online zugeschaltet – haben am 20. April 2026 den Vortrag von Prof. Dr. Armin Krenz verfolgt. Im Rahmen der Reihe „Leben und Lernen im Wandel“ des Freiburger Bündnisses „Eine Schule für alle“ stellte der renommierte Entwicklungspsychologe die frühe Kindheit als entscheidende Phase für die gesamte menschliche Entwicklung in den Mittelpunkt.
Bereits zu Beginn machte Krenz deutlich, worum es geht: Die Kita-Zeit ist keine vorbereitende Zwischenphase, sondern eine eigenständige, hochbedeutsame Entwicklungszeit. Was Kinder hier erleben, beeinflusst nachhaltig ihre Persönlichkeit, ihre Lernfähigkeit und ihr soziales Verhalten. Frühkindliche Bildung ist kein „Vorlauf“ für Schule, sondern ein eigenständiger, hochkomplexer Entwicklungsraum mit langfristiger Wirkung.
Bildung beginnt lange vor der Schule
Krenz knüpfte an internationale Bildungsdebatten an und erinnerte daran, dass bereits Organisationen wie die UNESCO die frühe Kindheit als entscheidend für nachhaltige Entwicklung definieren. Was Kinder in diesen Jahren an Grundhaltungen, emotionalen Erfahrungen und sozialen Kompetenzen erwerben, prägt ihr gesamtes späteres Leben.
Dabei stellte er eine zentrale Frage: Was verstehen wir eigentlich unter Bildung?
Seine Antwort widerspricht gängigen Praxisformen. Bildung sei nicht die Anhäufung von Wissen, sondern die Entfaltung von Persönlichkeit, Kreativität und Verantwortung. Sie vollziehe sich im Alltag, in Beziehungen und im eigenaktiven Erleben – nicht in standardisierten Förderprogrammen.
Wie Kinder wirklich lernen
Ein zentraler Teil des Vortrags widmete sich der Frage, wie Lernen überhaupt funktioniert. Krenz formulierte drei grundlegende Bedingungen:
Kinder müssen sich als bedeutsam erleben
Inhalte müssen einen Bezug zur Lebenswelt haben
Die Umgebung muss emotional motivierend sein
Fehlen diese Voraussetzungen, entstehen schnell Langeweile, Stress und Rückzug. Besonders deutlich wurde seine Kritik an künstlich erzeugten Lernsituationen, die dem kindlichen Entwicklungsrhythmus widersprechen. Lernen, so Krenz, sei kein linearer Prozess, sondern ein zutiefst emotional gesteuerter Vorgang.
Beziehung statt Belehrung
Ein wiederkehrendes Motiv des Vortrags war die herausragende Bedeutung von Bindung und Beziehung. Bildung entstehe in erster Linie durch Beziehungserfahrungen – nicht durch Programme, Curricula oder Förderpläne.
Kinder, die sich sicher gebunden fühlen, zeigen mehr Neugier, weniger Angst und eine höhere Bereitschaft, sich auf neue Erfahrungen einzulassen. Das Gehirn, so Krenz, sei in erster Linie kein reines „Denkorgan“, sondern ein „emotionales Sozialorgan“. Daraus ergibt sich eine klare Konsequenz für pädagogische Praxis: Ohne stabile Beziehungen bleibt jede Bildungsanstrengung oberflächlich.
Besonders eindrücklich war die Darstellung der sogenannten „seelischen Erfahrungswerte“, die Kinder für eine gesunde Entwicklung benötigen. Dazu zählen unter anderem:
Zeit, Ruhe und Bewegung
Vertrauen, Sicherheit und Liebe
Mitsprache, Neugier und Selbstwirksamkeit
das Erleben von Gefühlen und sozialer Zugehörigkeit
Diese Erfahrungen bilden die Grundlage für Selbstständigkeit, Resilienz und soziale Kompetenz. Krenz machte deutlich, dass diese Qualitäten nicht „vermittelt“ werden können – sie müssen erlebt werden.
Was Kinder wirklich brauchen
Krenz konkretisierte seine Perspektive anhand von zentralen Erfahrungsqualitäten, die Kinder für eine gesunde Entwicklung benötigen. Dazu gehören unter anderem:
Sicherheit und Vertrauen
Zeit und Ruhe
Bewegung und Spiel
soziale Zugehörigkeit
emotionale Ausdrucksmöglichkeiten
Diese Faktoren bilden die Grundlage für Selbstwirksamkeit, Resilienz und soziale Kompetenz. Sie lassen sich nicht durch Programme ersetzen, sondern müssen im Alltag erfahrbar werden.
Kritik an der aktuellen Bildungspraxis
Deutlich kritisch wurde der Vortrag dort, wo Krenz die gegenwärtige Praxis in vielen Kitas und Schulen analysierte. Seine Diagnose: Bildung werde zunehmend instrumentalisiert.
Aus Bildungsbereichen werden Fächer
Aus kindlichen Interessen werden vorgegebene Programme
Aus Alltagssituationen werden künstliche Lernsettings
Diese Entwicklung führe zu einer Verschiebung weg von der kindlichen Lebenswelt hin zu erwachsenen Erwartungen. Besonders scharf fiel seine Kritik an einer „Vorschulpädagogik“, die Kinder frühzeitig auf schulische Anforderungen trimmt und dabei zentrale Entwicklungsbedürfnisse vernachlässigt.
Das Spiel als Schlüssel zur Entwicklung
Ein zentrales Argument richtete sich auf die Bedeutung des Spiels. Krenz stellte klar: Freies Spiel ist keine Freizeitbeschäftigung, sondern die effektivste Form des Lernens.
Freies, selbstgewähltes Spiel ermögliche:
tiefes emotionales Erleben
soziale Aushandlungsprozesse
kreative Problemlösungen
nachhaltige kognitive Entwicklung
Zahlreiche Studien und Zitate aus der Bildungsforschung untermauerten diese Perspektive. Die Reduktion von Spielzeit zugunsten strukturierter Förderprogramme sei daher nicht nur fragwürdig, sondern stark entwicklungshemmend.
Hier finden Sie die gesamte PowerPoint Präsentation des Vortrags zum Download:
Ein besonders nachdenklicher Moment entstand, als Krenz die Veränderungen der kindlichen Lebenswelt beschrieb. Der Raum für freies Spiel sei seit den 1970er Jahren massiv geschrumpft – um bis zu 90 Prozent.
Kinder verlieren nicht nur Orte, sondern auch Zeit. Zeit zum Entdecken, zum Ausprobieren, zum einfachen Kindsein. Diese Entwicklung, so Krenz, habe tiefgreifende Folgen für die Persönlichkeitsentwicklung.
Ein zentrales Argument richtete sich auf die Bedeutung des Spiels. Krenz stellte klar: Freies Spiel ist keine Freizeitbeschäftigung, sondern die effektivste Form des Lernens.
Pädagogik im Spannungsfeld gesellschaftlicher Erwartungen
Der Vortrag machte deutlich, dass frühkindliche Bildung längst nicht mehr nur eine pädagogische Frage ist. Sie steht im Kontext gesellschaftlicher Beschleunigung, ökonomischer Interessen und politischer Steuerung.
Wenn Kinder zunehmend als „Ressource“ oder „Investition“ betrachtet werden, verändert sich auch der Blick auf Bildung. Krenz warnte eindringlich vor dieser Entwicklung und plädierte für eine Rückbesinnung auf die Bedürfnisse des Kindes.
Der große Zuspruch zeigt: Das Thema bewegt viele Menschen in der Praxis. Pädagogische Fachkräfte, Eltern und Interessierte suchten an diesem Abend Orientierung und fachliche Einordnung.
Fehlende Aufmerksamkeit für ein zentrales Zukunftsthema
Gerade weil der Vortrag so klar, so fundiert und zugleich so praxisnah die Bedeutung früher Kindheit herausarbeitete, fällt ein Umstand umso stärker ins Gewicht: die auffällige Abwesenheit politischer Entscheidungsträger.
Es ging an diesem Abend nicht um Randthemen, sondern um grundlegende Fragen gesellschaftlicher Zukunftsfähigkeit: Wie entwickeln sich Kinder? Welche Bedingungen brauchen sie? Und welche strukturellen Fehlentwicklungen stehen dem entgegen?
Dass Vertreterinnen und Vertreter aus Politik und bildungspolitischer Steuerung hier nicht sichtbar präsent waren, wirft eine unangenehme Frage auf: Wird die Tragweite frühkindlicher Bildung systematisch unterschätzt – oder fehlt es an der Bereitschaft, wissenschaftlich fundierte Erkenntnisse in politisches Handeln zu übersetzen?
Denn die Faktenlage ist seit Jahren eindeutig. Die Bedeutung von Bindung, Spiel, Selbstbildung und entwicklungsförderlichen Rahmenbedingungen ist breit erforscht und international belegt. Wenn diese Erkenntnisse dennoch nur begrenzt in politische Entscheidungen einfließen, entsteht ein Legitimationsproblem.
Es geht dabei nicht um punktuelle Versäumnisse, sondern um eine strukturelle Schieflage: Bildungsentscheidungen werden häufig unter ökonomischen, administrativen oder kurzfristig messbaren Gesichtspunkten getroffen – während entwicklungspsychologische Grundlagen in den Hintergrund treten.
Die Frage nach der Kompetenz politischer Entscheidungen stellt sich damit zwangsläufig. Nicht im Sinne persönlicher Qualifikation, sondern im Hinblick auf Prioritätensetzung und Verantwortungsübernahme. Wer zentrale Erkenntnisse zur kindlichen Entwicklung ignoriert oder relativiert, riskiert langfristige gesellschaftliche Folgekosten – in Bildung, Gesundheit und sozialem Zusammenhalt.
Der Vortrag von Armin Krenz hat deutlich gemacht: Das Wissen ist vorhanden. Was fehlt, ist die konsequente politische Umsetzung.
Und genau darin liegt die eigentliche Herausforderung.
Zwischen Wurzeln und Flügeln: Selbstständigkeit gezielt fördern
geschrieben von Redakteur | Juli 6, 2026
Wie Kinder durch Orientierung, Vertrauen und Freiräume wachsen
Herbert Renz-Polster, Kinderarzt und ein international weithin bekannter Wissenschaftler, der sicherlich vielen Fachkräften zum Beispiel durch seine Bücher „Mit Herz und Klarheit“, „Kinder verstehen“, „Demokratie braucht Erziehung“, „Menschenkinder“ oder „Die Kindheit ist unantastbar“ bekannt ist, wendet sich in seinem neuesten Buch der Frage zu, wie Kinder sowohl eine sichere Bindung als auch eine authentisch gefestigte und vor allem nachhaltige Selbstständigkeit entwickeln können.
Inhaltschwerpunkte und zentrale Aussagen
Das Buch greift ein grundlegendes Spannungsfeld der Pädagogik auf. Einerseits benötigen Kinder für ihre förderliche Entwicklung Nähe, ein grundlegendes Empfinden von Sicherheit und verlässliche Bindung, andererseits auch Zeit und Platz für Freiräume, um eigene Erfahrungen machen zu können und damit Selbstständigkeit und soziale Kompetenzen zu entdecken, aufzubauen, zu entwickeln und zu festigen. Diese beiden Seiten beschreibt Renz-Polster symbolisch mit den Begriffen „Wurzeln“ und „Flügel“. Während die bedürfnisorientierte Erziehung in den vergangenen Jahren vor allem die „Wurzeln“ betont hat, rückt der Autor nun die Bedeutung der „Flügel“ stärker in den Betrachtungsmittelpunkt. Mit „Wurzeln“ sind Sicherheit, emotional spürbare Nähe sowie Bindungserlebnisse gemeint, und „Flügel“ stehen symbolisch für Eigenverantwortung, Autonomie, Selbstständigkeit sowie soziale Kompetenz.
Der erste Teil des Buches widmet sich den Entwicklungsbedürfnissen von Kindern. Dabei erläutert der Autor, wie Selbstregulation, emotionale Reifung und soziale Kompetenzen entstehen. Es wird deutlich, dass Kinder schon in frühen Jahren lernen müssen, eigene Erfahrungen zu machen und Herausforderungen zu bewältigen, um eigene Kompetenzen wahrzunehmen, die auch später zu Selbstverantwortung führen.
Der zweite Teil enthält sogenannte „Flügelimpulse“ – praktische Denkanstöße und Orientierungen für den Alltag von Kindern im Kommunikations- und Interaktionsgeschehen mit Erwachsenen. Diese sollen verdeutlichen, wie Kinder in unterschiedlichen Alltagssituationen entwicklungsförderlich begleitet werden können, ohne sie zu stark zu dirigieren bzw. zu kontrollieren oder vor möglichen Gefahren im Sinne einer Überbehütung zu schützen.
Das zentrale Anliegen des Autors ist es, das Verständnis von einer reinen Bedürfnisorientierung weiterzuentwickeln. Kinder sollen das Vertrauen in sich entdecken, als Akteur tätig werden zu können, selbstständig zu handeln und Verantwortung für sich selbst und gleichzeitig auch für die Folgen ihres Handelns zu übernehmen. Auch wenn sich das Buch mit erster Priorität an Eltern wendet, wobei z. B. typische Herausforderungen im Alltag wie Konflikte in der Autonomiephase, Wutanfälle und mangelnde Kooperation aufgegriffen werden, treffen die Erklärungen und hilfreichen Handlungsimpulse selbstverständlich auch für das Alltagsgeschehen in der Elementarpädagogik zu.
Dem Buch liegen vier zentrale Botschaften zugrunde:
(1) Kinder brauchen neben Nähe und Verständnis auch eine klare Orientierung, um eigene Bedürfnisse und werteorientierte Handlungsnotwendigkeiten miteinander in Beziehung zu setzen. (2) Kinder brauchen vielfältige und praktisch erlebbare Erfahrungen, um ein möglichst hohes Maß an Selbstständigkeit in der Gegenwart und für die Zukunft auf- und ausbauen zu können. (3) Ängstlichkeit und Misstrauen der Erwachsenen beschneiden die Erfahrungswelt der Kinder und schwächen gleichzeitig deren Selbstvertrauen und Selbstwirksamkeit. Entsprechend sollten Erwachsene den Kindern mehr zutrauen, ohne dabei Überforderungen zu erzeugen. Kinder wollen etwas leisten, sich selbst als wirksam erleben – und dieses Empfinden muss für sie erfahrbar sein. (4) Freiheit und Struktur sind ein vernetztes Ganzes, um sowohl eine Laissez-faire-Pädagogik als auch eine autokratische Vorgabepädagogik zu vermeiden. Loslassen, Begleiten und ein demokratisch strukturiertes, entwicklungsförderlich sinnvolles Setting sorgen für eine ausgewogene Balance zwischen Selbstwirksamkeit und einem wertedurchsetzten Sicherheitsgefüge.
Verständlich und klar strukturiert
Das Buch überzeugt einerseits durch seine verständliche Sprache und andererseits durch seine klare Struktur, wie man es auch aus den anderen Büchern des Autors kennt. Renz-Polster verbindet anschauliche Beispiele aus dem Zusammenleben von Kindern und Erwachsenen mit wissenschaftlichen Erkenntnissen und persönlichen Erfahrungen, was das Buch lebendig erscheinen lässt. Dadurch ist das Werk praxisnah und auch für Leserinnen und Leser ohne große pädagogische Vorkenntnisse zugänglich und zugleich informativ.
Renz-Polster gelingt es, ein ausgewogenes Gleichgewicht zwischen Bindung und Selbstständigkeit und damit eine gelingende Autonomieentwicklung darzustellen. Es werden keine starren Erziehungsregeln aufgestellt; vielmehr lädt das Buch zur Reflexion eigener Einschätzungen und Handlungsmuster ein. Seine „Flügelimpulse“ regen dazu an, die eigene Haltung als aktive und zugleich engagierte Entwicklungsbegleiter*in selbstkritisch zu hinterfragen und reflektiertere Entscheidungen im Alltagshandeln zu treffen. Wer nach klaren Handlungsvorgaben, Anweisungen, Rezepten oder Schritt-für-Schritt-Anleitungen sucht, wird hier nicht fündig; stattdessen setzt der Autor auf Haltung, Verständnis und langfristige Orientierung.
Angesichts aktueller Ergebnisse aus der Erziehungsforschung zu Überbehütung und Leistungsdruck im pädagogischen Alltag liefert der Autor einen wichtigen Beitrag zur Frage, wie Kinder in einer zunehmend kontrollierten Lebenswelt ausreichend Freiraum für eigene Erfahrungen erhalten können, um nachhaltig gut auf ihr späteres Leben vorbereitet zu sein.
Stanford Studie zeigt: Frühes Hören der Mutter fördert die Sprachentwicklung
Das Hören der Stimme der Mutter wirkt sich positiv auf die Gehirnentwicklung von Frühchen aus – das zeigt eine neue, randomisiert-kontrollierte Studie der Stanford University School of Medicine. Frühgeborene, die im Krankenhaus regelmäßig Tonaufnahmen ihrer Mutter hörten, zeigten in MRT-Scans deutliche Verbesserungen in den Sprachzentren des Gehirns.
Frühe Sprachreize fördern neuronale Entwicklung
Unter Leitung von Katherine Travis konnten Forschende erstmals kausal nachweisen, dass frühe Spracherfahrungen messbar zur Reifung neuronaler Sprachpfade beitragen. Frühgeborene, die in den ersten Lebenswochen regelmäßig die vertraute Stimme ihrer Mutter hörten, entwickelten bessere Verbindungen zwischen Hör- und Spracharealen als Kinder, die keine Sprachaufnahmen erhielten. Die Ergebnisse wurden im Fachjournal Frontiers in Human Neuroscience veröffentlicht.
Risiko verzögerter Sprachentwicklung senken
Wie Heidi Feldmann, Seniorautorin der Studie, erklärt, verbringen Kinder, die mehr als drei Wochen zu früh geboren werden, oft lange Zeit im Krankenhaus – meist ohne den gewohnten mütterlichen Klangkontakt. Das könne die Sprachentwicklung verzögern. Durch gezielte Sprachinterventionen ließe sich dieses Risiko offenbar verringern.
Dr. Walter Hultzsch erklärt, wie Nähe, Blickkontakt und feine Signale die Entwicklung von Aufmerksamkeit, Selbstregulation und Persönlichkeit von Säuglingen fördern. Sein Buch verbindet neurowissenschaftliches Wissen mit alltagstauglicher Orientierung für Eltern, Großeltern, Paten und pädagogische Fachkräfte, die Babys in den ersten Lebensjahren achtsam begleiten wollen.
Dr. Walter Hultzsch Hey Mama, schau mir in die Augen – und sprich mit mir – Bindung, Blickkontakt & frühe Kommunikation – wie sie das Gehirn deines Babys formen 120 Seiten, ISBN: 9783963040726, 20 € Mehr zum Buch
Schon wenige Stunden Hören zeigen Wirkung
Während der Studie hörten die 46 teilnehmenden Frühchen über einen Zeitraum von zweieinhalb Stunden Tonaufnahmen, in denen ihre Mütter aus dem Kinderbuch „Paddington Bear“ vorlasen – jeweils in der Muttersprache. Schon nach wenigen Wochen zeigten sich deutliche strukturelle Veränderungen in den Sprachzentren. Die Forschenden betonen, dass die Tonaufnahmen den Schlaf der Kinder nicht beeinträchtigten.
Bedeutung für die Frühchenmedizin
Die Studie liefert neue Hinweise, wie wichtig emotionale Bindung und akustische Reize für die frühe Hirnentwicklung sind. Frühgeborene reagieren demnach sensibel auf die Stimme der Bezugsperson – ein einfaches, aber wirkungsvolles Mittel, um ihre Entwicklung gezielt zu unterstützen.
Entwicklung geschieht durch positiv erlebte Bindung
geschrieben von Redakteur | Juli 6, 2026
Grundsätze für eine qualitätsgeprägte Beobachtung – Beziehungen prägen das Verhalten von Kindern entscheidend mit
Kindheitsforschungen belegen: immer mehr Kinder reagieren gereizt, fühlen sich überfordert, besitzen wenig Belastbarkeit, sind unruhig oder inaktiv; reagieren mit Aggressivität auf subjektiv erlebte Überforderungen und wenden zunehmend Gewalt gegen Dinge und andere Personen an. Sie wollen Wünsche möglichst umgehend erfüllt bekommen und reagieren mit Wutausbrüchen, wenn Wunscherfüllungen versagt werden. Kinder haben vermehrt Herzrasen, Schlafstörungen, Magenbeschwerden und Kopfschmerzen; sie trauen nahezu niemandem und kritisieren jeden und alles, der bzw. was ihnen missfällt. Psychosomatische An-/Auffälligkeiten und immer frühere sowie intensivere Erfahrungen mit Suchtmitteln lassen besorgte Eltern und professionelle Fachkräfte aufhorchen und führen zu der Formulierung, dass viele Kinder in zunehmendem Maße „innerlich aussteigen“. Kinderärzt*innen, Psycholog*innen und (Elementar)Pädagog*innen schlagen Alarm. Kindheiten und Kindsein sind heute schon lange kein Kinderspiel mehr.
„Wer bringt dem Kind das Lachen bei? Die Sonne, die Blumen.
Wer bringt dem Kind das Singen bei? Die Vögel, wenn sie jubilieren.
Wer bringt dem Kind das Staunen bei? Alle Dinge, die es sieht.
Wer bringt dem Kind das Weinen bei? Die Menschen, wenn sie die Seele verletzen.
Nur eine Kinderseele ohne Narben kann herzlich lachen.“
(R. Timm)
Offensichtlich kommt es bei einer großen Anzahl von Kindern zu Irritationen im Bereich der personalen Identität und Stabilität
Wie entwicklungspsychologisch bekannt, steht bei Kindern zunächst der Auf- und Ausbau der Ich-Kompetenz im Vordergrund, geht es doch hier vor allem um das Verhältnis des Kindes zu sich selbst und um seine Möglichkeiten, sich unter dem besonderen Aspekt der eigenen Interessen und Möglichkeiten mit sich sowie seinem unmittelbaren Umfeld auseinanderzusetzen, zu entdecken, zu explorieren und bedeutsame Erfahrungen zu machen. Dieser Ich-Kompetenz wird eine grundlegende Bedeutung im Hinblick auf die Entwicklung einer Ich-Autonomie beigemessen, die dem Kind hilft, (Selbst)Vertrauen zu sich und zu seinem Handeln zu erlangen. Doch gleichzeitig zeigen o.g. Beobachtungen, dass es offensichtlich vielen Kindern immer schwerer fällt /gemacht wird, diese basale Entwicklung zu realisieren. Die Frage nach möglichen Hintergründen wird durch vielfach belegte Untersuchungsergebnisse offenbar: Entwicklung geschieht durch positiv erlebte Bindung und Erziehung ist Beziehung.
Diese sichere Bindung bzw. Beziehungsqualität scheint daher von immer weniger Kindern in ihrer ganzen Tiefe erlebt zu werden
Erinnern wir uns an die große Familientherapeutin Virginia Satir, die einmal sagte: „Ich glaube daran, dass das größte Geschenk, das ich von jemandem empfangen kann, ist, gesehen, gehört, verstanden und berührt zu werden. Das größte Geschenk, das ich geben kann, ist, den anderen zu sehen, zu hören, zu verstehen und zu berühren. Wenn dies geschieht, entsteht Kontakt.“
In der aktuellen entwicklungspsychologischen Forschung gehen viele Wissenschaftler*innen inzwischen davon aus, dass Kinder in zunehmendem Maße Entwicklungsunterbrechungen durch Beziehungsstörungen erleben/erlebt haben, die es ihnen nahezu unmöglich machen, so genannte Basisfähigkeiten aufzubauen. (Genannt seien hier vor allem die Bereiche Selbst-/Fremdwahrnehmungsbereitschaft, Wahrnehmungsdifferenzierung, Selbstannahme, Erleben von Personstärke, Öffnungsbereitschaft für Selbstexploration, Motivation zur Selbstentwicklung neu zu entdeckender Lernbereiche, Aktivitätsmotivation zum Stressabbau, Wertigkeitssensibilität, Gefühlsexploration, intrinsische Lernmotivation, konstruktives Konfliktmanagement). Inzwischen hat sich gezeigt, dass es so genannte „innere, automatisierte und autonom gesteuerte Entwicklungsabläufe“ im Hinblick auf den Aufbau von Fähigkeiten nicht gibt. Allerdings zeigen Beobachtungsergebnisse, dass spezifische Basisfähigkeiten in Verbindung mit einer qualitativ intensiven Grundbedürfnisbefriedigung durch erlebte Bindungen in sehr engen Vernetzungen stehen. Gleichzeitig ergeben sich Verhaltensirritationen spezifischer Art aus der Nichtbefriedigung bestimmter seelischer Grundbedürfnisse.
Werden nun Basisfähigkeiten als Aufbauprozess und entsprechende Fertigkeiten als Ausbauentwicklung verbunden betrachtet, fokussiert sich die notwendige Aufmerksamkeit – auch und gerade in der ELEMENTARPÄDAGOGIK – auf zwei Elemente. Zum einen muss die gesamte pädagogische Art und Weise, wie das Kommunikations- und Interaktionsgeschehen mit Kindern gestaltet wird und welche Schwerpunkte im pädagogischen Alltagsgeschehen umgesetzt werden, darauf ausgerichtet sein, dass Kinder in der täglichen Arbeit ihre Grundbedürfnisbefriedigung durch Bindungserfahrungen erleben (können). Zum anderen sind es aber auch bestimmte Verhaltensmerkmale der Erwachsenen, die notwendig sind, dem Anspruch einer bedürfnisgerechten Kommunikation in einer beziehungsgeprägten Interaktion und in bindungsnahen Erlebnissen gerecht zu werden.
Du hast mir das Lachen und die Freude gezeigt,
mich vom Stillstand befreit.
Du hast mir Geborgenheit und Sicherheit gegeben,
hast mir gezeigt,
wie es ist zu leben.
Du hast in mir Zuversicht, Hoffnung, Ziele und Staunen geweckt,
hast gemeinsam mit mir
die vielen, eigenen verborgenen Talente entdeckt.
Und dafür liebe ich Dich.
(AK in Anlehnung an Siegfried Maier)
So stehen jeweils bestimmte Vernetzungen in einer kindorientierten Elementarpädagogik im Mittelpunkt:
die Befriedigung basaler Grundbedürfnisse sorgt für einen Entwicklungsaufbau von spezifischen Fähigkeiten bei Kindern
Basisfähigkeiten führen zu spezifischen kognitiven/ emotionalen/ motorischen/ sozialen Fertigkeiten
fehlende Basisfähigkeiten führen zu spezifischen Verhaltensirritationen
und eine Grundbedürfnisbefriedigung verlangt nach bindungsintensiven und spezifischen Erwachsenenkompetenzen
Doch alles fängt mit einer Kenntnis und Befriedigung der GRUNDBEDÜRFNISSE von Kindern an. Diese können entwicklungspsychologisch als „tragende Entwicklungssäulen“ bezeichnet werden, die Kindern helfen, „Wurzeln“ für ihre Persönlichkeits- und Lebensentfaltung zu entwickeln.
Die 16 seelischen Grundbedürfnisse
Ihre Merkmalsbezeichnungen lauten:
Zeit mit bindungsnahen Menschen erleben, um sich selbst in den eigenen Entwicklungsmöglichkeiten wahrzunehmen und die Welt um sich herum zu entdecken;
Ruhe in der Entwicklung erfahren, um die Basisfähigkeit „Wahrnehmungsdifferenzierung“ aufbauen zu können;
Liebe i.S. einer personalen Annahme erleben, um ein Gefühl der Selbstannahme zu entwickeln und Empathie für die lebende und dingliche Welt aufzubauen;
Vertrauen durch andere spüren, um eigenen Stolz erleben zu dürfen und Leistungsbereitschaft zu entwickeln;
von Mitmenschen verstanden werden, um in den vielfältigen Lebenssituationen und Lebensherausforderungen immer wieder Kontakt zu sich selbst herzustellen und eine Mitverantwortung für Situationsverläufe zu entdecken;
Sicherheit durch Nähe und feste (Sinn bedeutsame) Regeln erfahren, um in einen nachhaltigen Prozess der Selbstentwicklung zu finden;
Bewegung ausdrücken können, um durch gezielte und bewusst gewählte motorische Aktivitäten Stress abzubauen und in eine gedankliche, emotionale und motorische Selbststeuerung kommen zu können;
Intimität und Geheimnisse bejahend zuerkannt bekommen, um zu erkennen, dass es im Ausdrucksverhalten eine „öffentliche“ und eine „private“ Person gibt, die es in der Außenwirkung zu differenzieren gilt;
Mitsprache erleben und umsetzen dürfen, um ein individuelles, persönliches Wertigkeitsempfinden zu entwickeln;
Erfahrungsräume erkunden können, und die Vielfalt der eigenen Entwicklungspotenziale zu entdecken;
Gefühle (Freude, Angst, Wut, Trauer, Scham) entdecken, erleben und zuordnen dürfen, und ihre Existenz zu akzeptieren und in die eigene Gefühlswelt bejahend zu integrieren;
die eigene Sexualität/ sexuelle Ausrichtung in vollem Umfang annehmen und in sich stabil integrieren, um sich in seinem Körper wohlzufühlen;
Gewaltfreiheit als ein besonders wichtiges „Lebensgut“ erfahren, um in den vielfältigen, Angst auslösenden Alltagssituationen immer stärker angstfrei handeln zu können;
Neugierde spüren, zulassen und praktisch umsetzen können, um sich und der Welt immer wieder aufs Neue lernmotiviert zu begegnen;
Optimismus durch andere erleben, gerade wenn sich im Kind ein Pessimismus auszubreiten droht sowie
Respekt bzw. Achtung in der erlebten Kommunikation erfahren, um Lebensherausforderungen als Lernchancen anzusehen und mit konstruktiven Gedanken und Handlungsweisen selbst schwierige Situationen anzunehmen und zu lösen wollen.
Es sind also primär strukturelle Bedingungen und personale Kompetenzen der Erwachsenen, die für eine persönlichkeitsförderliche und stark machende, ressourcenorientierte Entwicklung von Kindern sorgen.
Reflexions- und Planungsbogen
Es ist – aus professioneller Sicht – notwendig und – aus einem intrinsisch motiviertem, selbstreflektorischen Anspruch heraus – sicherlich hilfreich, sich einmal mit den folgenden Fragen auseinanderzusetzen. Dies kann in einer Eigenarbeit, aber auch gemeinsam im Kollegium geschehen.
Wichtig ist allerdings dabei, dass es bei der Auseinandersetzung mit den Fragen nicht um bloße Absichtserklärungen oder persönlich ausgesprochene Meinungen geht. Ist doch bekannt, dass Selbsteinschätzungswerte in der Regel weitaus positiver ausfallen als beobachtbare Fakten. Insofern geht es darum, jede Beantwortung der einzelnen Fragen mit vielen Beispielen aus Ihrem Erleben noch einmal zu aktualisieren und mit der heutigen „Praxis im Alltag“ zu belegen:
A) Auswirkungen angenehmer Ereignisse, Erlebnisse und Erfahrungen auf Ihre heutige Lebensgestaltung
Denken Sie bitte an Ihre Kinder(garten)-/Schulzeit: Was zeichneten die Personen aus, denen Sie eine hohe Bedeutung beigemessen haben, die Ihnen viel bedeutet haben? Und warum war das Ihrer Einschätzung nach so?
Wodurch zeichneten sich diese Personen besonders aus? Welche Persönlichkeitsmerkmale haben Sie tief beeindruckt und hatten auf diese Weise für Sie einen besonders hohen Bedeutungswert?
Was glauben Sie, haben diese als besonders angenehm erlebten Persönlichkeitsmerkmale und Verhaltensweisen für eine Auswirkung auf Ihre damals stattgefundene und erlebte Biografie? Und welche Entwicklungsvorgänge haben diese Erlebnisse in Ihnen hervorgerufen?
Welche eigenen Persönlichkeitsmerkmale haben sich durch diese Erlebnisse bis heute in Ihnen erhalten?
B) Wie schätzen Sie das „soziale Klima“ in Ihrer Einrichtung ein?
im Kollegium, auch abhängig von Ihrer Haltung und Ihren konkreten Verhaltensweisen?
in der Kindergruppe, auch abhängig von Ihrer Haltung und Ihren konkreten Verhaltensweisen?
in der Beziehung zwischen Ihnen und den Kindern, auch abhängig von Ihrer Haltung und der Art und Weise Ihres Kommunikations- und Interaktionsverhaltens?
C) Was tragen Sie als Fachkraft im Alltagsgeschehen zum Auf-/Ausbau der personalen Ressourcen der Kinder bei (selbstwertschätzendes Erleben der Kinder)?
D) Wie verhindern Sie als Fachkraft im pädagogischen Alltag die Entstehung/ Festigung von Vulnerabilitäten (selbstwertschädigendes Erleben) der Kinder untereinander. Bzw. was tragen Sie in welcher Form dazu bei, dass Konflikte im Kollegium geklärt werden?
E) Was unternehmen Sie konkret, um
die Selbstwahrnehmung der Kinder im Alltag auf-/auszubauen?
die Erlebnisse einer Selbstwirksamkeit der Kinder auf-/auszubauen?
den Stressabbau der Kinder im Alltag aktiv zu unterstützen?
Problemlösungen mit Kindern zu suchen, zu entdecken und zu erleben anstatt ihnen Problemlösungen in direktiver Form vorzugeben?
die Partizipation der Kinder in der Einrichtung auf den unterschiedlichsten Ebenen zu aktivieren?
das Gefühl der Gruppen- und Einrichtungszugehörigkeit der Kinder und der Kolleg*innen aufzubauen und zu stabilisieren?
Zusammenfassung
Beobachtungen in der (elementar)pädagogischen Praxis haben nur dann eine fachliche Berechtigung, wenn sie systematisch vorbereitet, strukturiert und aufgabenorientiert gemacht sowie zielorientiert ausgewertet werden. Je nach ihrer Aufgabenstellung richtet sich eine Beobachtung punktgenau auf die entsprechende Fragestellung aus. Dann kann ein Beobachtungsergebnis mit dem formulierten Ziel in eine Deckungsgleichheit gebracht werden.
Ausgangspunkt für eine Beobachtung ist unsere Wahrnehmung, die allerdings immer subjektiv geprägt ist. Hier fallen persönliche Einstellungen, Sichtweisen, Vorlieben, Abneigungen, Werte und Normen ins Gewicht. Umso bedeutsamer ist es, diese „Beobachtungsfallen“ und „Beurteilungsverschiebungen“ zu bemerken. Sonst werden persönlich geprägte Wahrnehmungs-, Beobachtungs- und Beurteilungsabsichten in den Vordergrund gerückt. Erst wenn eine Beobachtung weitgehend frei von diesen intrapersonalen Aspekten ist, kann es gelingen,
sich selbst immer besser zu verstehen und den Zusammenhang von den biografischen Erlebnissen, Eindrücken und Erfahrungen zu entdecken,
ein Kind dort mit seinen Interessen und entwicklungspädagogischen Bedürfnissen abzuholen, wo es entwicklungspsychologisch steht,
auch die eigene Verantwortung für eine gelingende Zusammenarbeit im Kollegium anzunehmen und entsprechend teamförderlich zu handeln.
Diesen Beitrag haben wir folgendem Buch entnommen:
Eigens für dieses Buch wurde die Website www.beobachten-und-dokumentieren.de eingerichtet, auf der sich die Formulare zum Download befinden. Das Buch richtet sich sowohl an Studierende der Sozial- und Heilpädagogik als auch an Erzieher*innen/Kindheitspädagog*innen, die schon im Beruf stehen.
Vertrauen: Die Basis liegt in der Kindheit
geschrieben von Redakteur | Juli 6, 2026
Erfahrungen in der Familie spielen eine zentrale Rolle für die lebenslange Bereitschaft zu vertrauen
Vertrauen ist ein elementarer Bestandteil des Lebens. Das Vertrauen in uns selbst ebenso wie das Vertrauen in andere. Ob Eltern, Partnerinnen und Partner, Kolleginnen und Kollegen – Vertrauen bildet häufig eine Grundlage für funktionierende zwischenmenschliche Beziehungen.
Ein wichtiger Grundstein für die Fähigkeit, anderen zu vertrauen, wird bereits in der Kindheit gelegt. Das hat nun ein Team von Forschenden unter der Leitung von Psychologin Andrea Reiter in einer mehrjährigen Studie herausgefunden. An der Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU) hat Reiter die Professur für Psychotherapie und Interventionspsychologie inne. Zusätzlich leitet sie am Universitätsklinikum Würzburg (UKW) eine Arbeitsgruppe in der Kinder- und Jugendpsychiatrie. Die Ergebnisse der Studie wurden kürzlich im Fachjournal Nature Communications veröffentlicht.
Mit dem Alter wächst das Vertrauen
In der Studie wurden insgesamt 570 Teilnehmende zwischen 14 und 25 Jahren befragt. Bei einem Experiment wurde außerdem gemessen, wie sehr die Probandinnen und Probanden anderen vertrauen. Nach eineinhalb Jahren folgten Follow-ups, bei den Fragebögen noch ein weiteres nach mehr als zwei Jahren. Ein erstes spannendes Ergebnis: Mit dem Übergang ins Erwachsenenalter nahm die Fähigkeit zu vertrauen im Experiment zu. „Das deutet darauf hin, dass wir mit zunehmendem Alter tendenziell offener dafür werden, den Menschen um uns herum zu vertrauen“, so Reiter.
Noch faszinierender sei in den Augen der Psychologin die Erkenntnis, dass diese Veränderung auf eine geringere Abneigung gegenüber sozialen Risiken zurückzuführen sei. „Mit zunehmendem Alter wurden die Teilnehmenden weniger vorsichtig und waren so eher bereit, ihr Vertrauen in andere zu setzen“, erklärt Reiter.
Vertrauen als Resilienzfaktor
Die Studie zeigte weiterhin, dass das Maß an Vertrauen auch mit den familiären Umständen zusammenhänge. So entwickelten diejenigen, die angaben, mehr familiäre Widrigkeiten – wie etwa Gleichgültigkeit, wenig Wärme, Missbrauch oder übermäßige Kontrolle von Seiten der Eltern – erlebt zu haben, weniger Vertrauen. Sie zeigten im Experiment zudem eine Tendenz, ihr Gegenüber bei unkooperativem Verhalten zu bestrafen und versuchten seltener, Vertrauen zurückzugewinnen.
Für Reiter besonders interessant war hier der Umstand, dass im Laufe der Zeit gerade diejenigen, die zum ersten Messzeitpunkt bedingungsloses Vertrauen zeigten, obwohl sie gleichzeitig mit erheblichen Widrigkeiten in der Familie konfrontiert gewesen waren, allgemein bessere Beziehungen zu Gleichaltrigen entwickelten.
„Das deutet darauf hin, dass Vertrauen ein Resilienzfaktor sein kann, der Menschen hilft, trotz schwieriger familiärer Verhältnisse, stärkere Beziehungen aufzubauen“, erläutert die Forscherin.
Adoleszenz als sozial sensible Phase
Die Ergebnis untermauert eine alte Hypothese, dass frühere Erfahrungen mit den Eltern sehr wichtig sind, weil sie auch die Grundlage für die spätere Entwicklung von Vertrauen in andere Menschen legen könnten.
Die Adoleszenz bildet eine sozial besonders sensible Phase, weiß Reiter: „Das Jugendalter ist eine Zeit voller sozialer Umbauprozesse. Hier erfolgt die Ablösung von der Familie und das Etablieren eigener Kontakte und Freundschaften stellt eine wichtige Entwicklungsaufgabe dar. Die Fähigkeit, anderen zu vertrauen, scheint deshalb für Jugendliche hochrelevant zu sein.“
Die gewonnen Erkenntnisse verdankt das Team auch der Auswertung der Studie mithilfe eines mathematischen Modells, der computationalen Modellierung. So fanden die Forschenden heraus, welche Mechanismen der Entwicklung der Vertrauensbildung zugrunde liegen. Die nachgewiesen wegweisende Funktion der Eltern-Kind-Beziehung wirft dementsprechend beispielsweise die Frage auf, wie Eltern früh möglichst positiv Einfluss auf diese nehmen können.
In aktuellen Untersuchungen beschäftigt sich Reiter gezielt mit Jugendlichen, die an psychischen Problemen leiden, welche ihnen den Aufbau stabiler soziale Beziehungen erschweren: „In Zusammenarbeit mit der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie in Würzburg testen wir derzeit die Fähigkeit von Jugendlichen, die an einer psychischen Erkrankung leiden, Vertrauen in andere auszubilden.“ Auch hier kommt die mathematische Modellierung zum Einsatz.
Originalpublikation:
Andrea M. F. Reiter, Andreas Hula, Lucy Vanes, Tobias U. Hauser, Danae Kokorikou, Ian M. Goodyer, NSPN Consortium, Peter Fonagy, Michael Moutoussis & Raymond J. Dolan: Self-reported childhood family adversity is linked to an attenuated gain of trust during adolescence in Nature Communications. Oct. 30th 2023. DOI: 10.1038/s41467-023-41531-z