Was Kinder heute brauchen: Fortbildung zur Kinderpsychologie
geschrieben von Redakteur | Mai 19, 2026
Bindung, Neurodiversität, soziale Medien und Resilienz: Eine neue Präsenzfortbildung mit Psychologe Dr. Thomas Fuchs richtet den Blick auf zentrale Fragen moderner Kindheit.
9,5 Millionen Minuten – so viel Zeit verbringen Kinder ungefähr vom ersten Atemzug bis zum 18. Lebensjahr. Eine gewaltige Zeitspanne. Und zugleich eine Phase, in der sich entscheidet, wie Kinder die Welt erleben, wie sie Beziehungen gestalten und wie widerstandsfähig sie durchs Leben gehen.
Genau dort setzt die Präsenzfortbildung „Was Kinder brauchen – Kinderpsychologie live erleben“ an, die am 29. September 2026 im Museum am Schölerberg in Osnabrück stattfindet. Die Veranstaltung richtet sich an pädagogische Fachkräfte, Lehrkräfte, Tagespflegepersonen sowie Mitarbeitende aus der Kinder- und Jugendarbeit.
Zentrale Fragen im Mittelpunkt
Im Mittelpunkt stehen zentrale Fragen, die viele pädagogische Fachkräfte täglich beschäftigen: Warum ist eine sichere Bindung für Kinder so wichtig? Wie können Erwachsene mit schwierigen Verhaltensweisen umgehen, ohne die Beziehung zum Kind zu gefährden? Welche Rolle spielen soziale Medien im Alltag von Kindern und Jugendlichen? Und was bedeutet eigentlich Neurodiversität?
Die Fortbildung möchte dabei nicht nur theoretisches Wissen vermitteln, sondern Kinderpsychologie greifbar und erlebbar machen. Die Themen werden laut Ausschreibung „multimedial und experimentell aufgearbeitet“ . Besonders interessant dürfte für viele Teilnehmende auch der Schwerpunkt zur Pubertät sein – jener Lebensabschnitt, der Eltern und pädagogische Fachkräfte oft gleichermaßen fordert.
Welche Kinder hinterlassen wir der Welt?
Darüber hinaus richtet die Veranstaltung den Blick auf eine größere gesellschaftliche Frage: Welche Welt hinterlassen Erwachsene den Kindern – und welche Kinder hinterlassen wir der Welt? Dahinter steht die Idee, Kinder wieder stärker aus ihrer eigenen Perspektive wahrzunehmen und ihre Bedürfnisse ernst zu nehmen.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf dem Thema Resilienz. Pädagogische Fachkräfte erfahren, wie sie Kinder dabei unterstützen können, widerstandsfähig, solidarisch und verantwortungsvoll aufzuwachsen. Die Ausschreibung formuliert dazu einen eindrucksvollen Gedanken: „Denn Kinder sind die Saat der Zukunft.“
Über den Referenten
Referent der Veranstaltung ist Dr. rer. soc. Thomas Fuchs, Diplom-Psychologe mit den Schwerpunkten klinische und pädagogische Psychologie. Er arbeitete viele Jahre als Kinder- und Jugendpsychologe und promovierte über Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätsstörungen. Neben seiner Tätigkeit in eigener Praxis absolvierte er zusätzliche Ausbildungen in Verhaltenstherapie, Supervision und Selbsterfahrung.
Die Fortbildung findet als Präsenzveranstaltung am 29.09.2026 von 9:00 bis etwa 15:30 Uhr im Museum am Schölerberg in Osnabrück statt. Die Teilnahmegebühr beträgt 99 Euro. Nach Abschluss erhalten die Teilnehmenden eine Bescheinigung über acht Unterrichtseinheiten.
Montessori-Pädagogik stärkt Kinder in ihrer Entwicklung nachweislich
geschrieben von Redakteur | Mai 19, 2026
Große Langzeitstudie zeigt Vorteile bei Sprache, Selbstkontrolle und Sozialverhalten
Die Montessori-Pädagogik erlebt seit einigen Jahren weltweit neue Aufmerksamkeit. Viele Eltern hoffen auf eine kindgerechtere Form des Lernens, mehr Selbstständigkeit und weniger Leistungsdruck. Gleichzeitig galt die wissenschaftliche Datenlage lange als uneinheitlich. Zahlreiche frühere Untersuchungen hatten zwar positive Effekte beschrieben, doch Kritiker verwiesen immer wieder darauf, dass Montessori-Einrichtungen häufig von besonders engagierten und bildungsnahen Familien gewählt werden. Dadurch blieb oft unklar, ob tatsächlich die Methode selbst für bessere Entwicklungswerte verantwortlich ist.
Vorteile bei Sprache, Lesen, Selbstregulation und sozialen Fähigkeiten
Eine neue groß angelegte Studie, über die das Wissenschaftsportal ScienceDaily berichtet, liefert nun deutlich belastbarere Hinweise darauf, dass Montessori-orientierte Betreuung und Frühpädagogik tatsächlich positive Auswirkungen auf die Entwicklung von Kindern haben können. Besonders auffällig waren Vorteile bei Sprache, Lesen, Selbstregulation und sozialen Fähigkeiten.
588 Kinder in 24 öffentlichen Montessori-Programmen
Die Forschenden begleiteten insgesamt 588 Kinder in 24 öffentlichen Montessori-Programmen in den USA. Das Besondere an der Untersuchung: Die Aufnahmeplätze wurden über ein Losverfahren vergeben. Dadurch entstanden zwei vergleichbare Gruppen – Kinder mit Montessori-Platz und Kinder ohne Montessori-Platz. Wissenschaftlich gilt ein solches randomisiertes Studiendesign als besonders aussagekräftig, weil typische Verzerrungen reduziert werden. Genau daran scheiterten viele frühere Montessori-Studien.
Eindeutige Ergebnisse
Die Ergebnisse fielen deutlich aus. Kinder in Montessori-Programmen entwickelten bessere Fähigkeiten beim Lesen und bei sprachlichen Aufgaben. Gleichzeitig zeigten sie stärkere sogenannte Exekutivfunktionen – also Fähigkeiten wie Konzentration, Impulskontrolle, Arbeitsgedächtnis und selbstständige Problemlösung. Auch beim sozialen Verständnis und im Umgang mit anderen Kindern schnitten Montessori-Kinder häufiger besser ab.
Fokus auf dem offenen Lernansatz
Die Forschenden sehen die Ursachen dafür vor allem in den grundlegenden Unterschieden zwischen Montessori-Pädagogik und konventionellen Kita-Modellen. Während viele konventionelle Einrichtungen stärker förderorientiert arbeiten und Lernprozesse stärker strukturieren, basiert Montessori auf einem vergleichsweise offenen Lernansatz. Kinder spielen häufig selbstständig mit speziell entwickelten Materialien, entscheiden innerhalb klarer Rahmenbedingungen eigenständig über Aktivitäten und lernen in ihrem individuellen Tempo.
Was Maria Montessori bereits wusste
Die italienische Ärztin und Reformpädagogin Maria Montessori entwickelte diesen Ansatz bereits Anfang des 20. Jahrhunderts. Ihre Grundidee war, dass Kinder einen natürlichen inneren Lernantrieb besitzen und sich besonders gut entwickeln, wenn sie eigenständig Erfahrungen sammeln dürfen. Erwachsene sollen dabei weniger kontrollieren als vielmehr vorbereitete Lernumgebungen schaffen und Lernprozesse aufmerksam begleiten.
Viele ihrer Aussagen wirken heute erstaunlich modern. Montessori schrieb: „Das Interesse des Kindes hängt von der Möglichkeit ab, eigene Entdeckungen zu machen.“ Ebenso bekannt wurde ihr Satz: „Das Leben anzuregen und es sich dann frei entwickeln zu lassen – hierin liegt die erste Aufgabe des Erziehers.“ Und bis heute gilt ihr berühmtes Motto „Hilf mir, es selbst zu tun“ als Kern ihrer Pädagogik.
Auch ein weiterer Gedanke zieht sich wie ein roter Faden durch die aktuelle Studie: „Wenn du korrekt mit dem Kind umgehst, wird auch das Kind sich im Leben korrekt benehmen.“ Montessori verstand Erziehung nie als reine Wissensvermittlung, sondern als Begleitung menschlicher Entwicklung.
Eigenaktivität laut Studie entscheidend
Genau diese Eigenaktivität ist laut Studie entscheidend. Kinder trainieren in Montessori-Einrichtungen permanent ihre Fähigkeit zur Selbststeuerung. Sie wählen Aufgaben aus, planen Arbeitsschritte, organisieren Materialien und lösen Konflikte eigenständig. Dadurch wird die Entwicklung von Fähigkeiten unterstützt, die heute als zentrale Grundlage späterer Lern- und Bildungserfolge gelten.
Stärkere Förderung der Exekutivfunktionen
Besonders interessant ist dabei die stärkere Förderung der Exekutivfunktionen. Entwicklungspsychologen betrachten diese Fähigkeiten inzwischen als einen der wichtigsten Faktoren für langfristigen schulischen Erfolg. Kinder mit gut entwickelter Selbstregulation können Aufmerksamkeit besser steuern, Frustrationen kontrollieren und komplexe Aufgaben strukturierter bearbeiten. Genau in diesen Bereichen zeigten die Montessori-Kinder deutliche Vorteile.
Sprachliche Entwicklung
Auch die sprachliche Entwicklung scheint vom Montessori-Ansatz zu profitieren. Die Forschenden verweisen darauf, dass Montessori-Materialien häufig mehrere Sinne gleichzeitig ansprechen. Kinder lernen Buchstaben nicht nur abstrakt, sondern ertasten Formen, sprechen Laute aus und verbinden Bewegungen mit Sprache. Diese multisensorische Lernweise entspricht modernen Erkenntnissen der sogenannten „Science of Reading“, die systematische Laut-Buchstaben-Verbindungen als wichtigen Bestandteil frühen Lesenlernens betrachtet.
Besondere soziale Struktur in Montessori-Gruppen
Hinzu kommt die besondere soziale Struktur vieler Montessori-Gruppen. Typisch sind altersgemischte Gruppen mit Kindern verschiedener Entwicklungsstufen. Jüngere Kinder beobachten ältere, ältere Kinder übernehmen Verantwortung und helfen anderen. Dadurch entstehen soziale Lernprozesse, die in altershomogenen Gruppen seltener auftreten. Laut Studie könnte genau dieses Modell erklären, warum Montessori-Kinder häufiger bessere Werte bei sozialem Verständnis und Kooperation zeigten.
Warum Montessori auch im Silicon Valley fasziniert
Interessant ist außerdem, dass Montessori-Prinzipien seit Jahren auch im Silicon Valley intensiv diskutiert werden. Mehrere bekannte Tech-Unternehmer besuchten Montessori-Schulen, darunter Jeff Bezos sowie die Google-Mitgründer Larry Page und Sergey Brin. Auch Jimmy Wales wird häufig als prominenter Montessori-Schüler genannt.
Besonders hervorgehoben werden dabei Eigenschaften wie eigenständiges Denken, intrinsische Motivation, kreative Problemlösung und die Fähigkeit, unabhängig von vorgegebenen Strukturen zu arbeiten. Larry Page erklärte rückblickend, Montessori habe ihm beigebracht, „nicht einfach Regeln zu folgen“. Genau diese Eigenschaften gelten heute in der Innovationsforschung als zentrale Voraussetzungen für Kreativität und Unternehmertum.
Viele Montessori-Ideen passen erstaunlich gut zu modernen Innovationskulturen: Fehler gelten nicht primär als Scheitern, sondern als Teil des Lernprozesses. Eigeninitiative wird stärker gefördert als reine Anpassung. Kinder sollen Probleme selbst entdecken und Lösungen eigenständig entwickeln.
Montessori kann messbare Entwicklungsunterschiede erzeugen
Die Untersuchung liefert damit interessante Hinweise darauf, dass Montessori nicht nur eine alternative pädagogische Haltung darstellt, sondern tatsächlich messbare Entwicklungsunterschiede erzeugen kann. Gleichzeitig warnen die Forschenden jedoch vor überzogenen Schlussfolgerungen.
Grenzen der Studie
Denn auch diese Studie hat Grenzen. Verglichen wurden Montessori-Programme mit unterschiedlichen konventionellen Einrichtungen. Dadurch bleibt offen, welche einzelnen Bestandteile letztlich ausschlaggebend sind. Außerdem untersuchte die Studie ausschließlich öffentliche Montessori-Programme mit vergleichsweise hoher Umsetzungsqualität. Nicht jede Einrichtung, die den Begriff „Montessori“ verwendet, arbeitet tatsächlich konsequent nach den ursprünglichen Prinzipien.
Qualität der Umsetzung entscheidend
Die Autor*innen betonen deshalb selbst, dass die Qualität der Umsetzung wahrscheinlich entscheidend ist. Gut ausgebildete Fachkräfte, vorbereitete Lernumgebungen und eine konsequente Orientierung an Montessori-Prinzipien dürften eine zentrale Rolle spielen. Schlechter organisierte Einrichtungen könnten deutlich geringere Effekte zeigen.
Langfristige Wirkungen noch nicht erforscht
Offen bleibt außerdem die Frage nach langfristigen Wirkungen. Die Studie begleitet Kinder bis zum Ende des Kindergartens. Ob die beobachteten Vorteile bis in die Schulzeit oder Jugend bestehen bleiben, muss erst weitere Forschung zeigen. In der Bildungsforschung verschwinden frühe positive Effekte häufig später wieder. Die Forschenden vermuten allerdings, dass Montessori gerade durch die Förderung von Selbstregulation langfristigere Wirkungen entfalten könnte.
Robuste Daten für Montessori-orientierte Frühpädagogik
Trotz dieser Einschränkungen gilt die Untersuchung als eine der bislang stärksten wissenschaftlichen Arbeiten zur Montessori-Pädagogik. Sie liefert deutlich robustere Daten als viele frühere Studien und zeigt erstmals auf größerer Ebene, dass Montessori-orientierte Frühpädagogik unter realen Bedingungen messbare Vorteile erzeugen kann.
Kein Automatismus
Für Eltern bedeutet das allerdings nicht automatisch, dass Montessori grundsätzlich jeder anderen Betreuung überlegen ist. Experten betonen weiterhin, dass die Qualität der Beziehungen, gut ausgebildete Fachkräfte und eine sichere emotionale Umgebung entscheidend bleiben. Die Studie legt jedoch nahe, dass Montessori-Konzepte Kindern offenbar besonders gute Bedingungen bieten können, um Selbstständigkeit, Konzentration und soziale Fähigkeiten früh zu entwickeln.
Gernot Körner
Puppenspiel stärkt Empathie und soziales Denken bei Kindern
geschrieben von Redakteur | Mai 19, 2026
Spielen mit Puppen verbessert offenbar das Verständnis fremder Gedanken und Gefühle
Kinder, die regelmäßig mit Puppen spielen, entwickeln offenbar ein besseres Verständnis dafür, was andere Menschen denken, fühlen oder glauben. Das zeigt eine aktuelle randomisierte Kontrollstudie von Forschenden der Cardiff University und des King’s College London, veröffentlicht im Fachjournal PLOS ONE. Besonders deutlich verbesserten sich Fähigkeiten des sogenannten „False Belief Reasoning“ — also die Fähigkeit, die Perspektive anderer Menschen unabhängig vom eigenen Wissen nachzuvollziehen.
An der Studie nahmen 73 Kinder im Alter zwischen vier und acht Jahren teil. Über einen Zeitraum von sechs Wochen spielten die Kinder entweder regelmäßig mit Puppen oder mit kreativen Tabletspielen. Die Ergebnisse zeigen: Kinder aus der Puppenspiel-Gruppe verbesserten ihre sozialen Denkfähigkeiten stärker als Kinder aus der Tablet-Gruppe.
Besonders bemerkenswert: Der Effekt fiel vor allem bei Kindern stärker aus, die laut Eltern bereits Schwierigkeiten im Umgang mit Gleichaltrigen hatten. Die Forschenden sehen darin einen Hinweis darauf, dass Puppenspiel gerade für Kinder mit sozialen Herausforderungen eine wichtige Entwicklungsressource sein könnte.
Zudem zeigte sich, dass Kinder beim Spielen mit Puppen häufiger soziale Situationen nachstellten, gemeinsam spielten und öfter über Gedanken, Gefühle und Absichten anderer Figuren sprachen als beim Tabletspiel.
Die Forschenden vermuten, dass Puppen eine besondere Form imaginärer sozialer Interaktion ermöglichen. Kinder üben beim Rollenspiel offenbar, sich in andere hineinzuversetzen und verschiedene Perspektiven gleichzeitig zu berücksichtigen.
Studienleiterin Sarah Gerson erklärt, Puppenspiel könne Kindern helfen, „soziale Informationsverarbeitung zu üben und zu verbessern“. Die Ergebnisse lieferten erstmals einen kausalen Hinweis darauf, dass Puppenspiel soziale Denkfähigkeiten tatsächlich fördern könne — und nicht nur mit ihnen zusammenhängt.
Die Autorinnen und Autoren betonen zudem, dass Puppen offenbar auch beim Alleinspiel soziale Prozesse aktivieren. Frühere neuropsychologische Untersuchungen hätten bereits gezeigt, dass beim Puppenspiel Hirnregionen aktiviert werden, die mit sozialem Denken und Empathie verbunden sind. Die aktuelle Studie liefere nun erstmals experimentelle Hinweise darauf, dass daraus tatsächlich messbare Verbesserungen sozial-kognitiver Fähigkeiten entstehen könnten.
Nach Ansicht der Forschenden könnten Rollenspiele mit Puppen deshalb eine größere Bedeutung für die kindliche Entwicklung haben als bislang angenommen — insbesondere in einer Zeit, in der digitale Medien einen immer größeren Teil des Spielalltags einnehmen.
Kinder spielten mit Puppen häufiger gemeinsam
Interessant war auch das Spielverhalten während der Untersuchung. Eltern berichteten, dass Kinder mit Puppen deutlich häufiger gemeinsam mit Geschwistern, Eltern oder Freunden spielten. Tabletspiele wurden dagegen häufiger allein genutzt.
Darüber hinaus verwendeten Kinder beim Puppenspiel häufiger sogenannte „Internal State Language“ — also Begriffe für Gedanken, Wünsche, Gefühle oder Absichten anderer Figuren. Genau diese sprachliche Auseinandersetzung mit inneren Zuständen gilt in der Entwicklungspsychologie als wichtiger Baustein sozialer Kompetenzentwicklung.
Die Forschenden vermuten deshalb, dass Puppenspiel Kindern eine sichere und kontrollierbare Umgebung bietet, um soziale Situationen gedanklich durchzuspielen und soziale Konflikte oder Perspektivwechsel zu üben.
Zur Methode
Die Untersuchung wurde als randomisierte Kontrollstudie durchgeführt — eine besonders aussagekräftige Methode in der psychologischen Forschung. Die Kinder wurden zufällig entweder einer Puppenspiel- oder einer Tabletspiel-Gruppe zugeordnet. Über einen Zeitraum von fünf bis sieben Wochen sollten sie mindestens dreimal pro Woche mit dem jeweils zugewiesenen Spielmaterial spielen.
Die Forschenden erfassten unter anderem das Spielverhalten, die soziale Interaktion während des Spiels sowie Veränderungen in sozialen Denkfähigkeiten. Dafür nutzten sie einen speziellen „Sandbox-Test“, mit dem gemessen wurde, wie gut Kinder falsche Überzeugungen anderer Personen nachvollziehen können. Zusätzlich wurden Sprachmuster während des Spiels analysiert.
Trotz Einschränkungen wichtige Hinweise
Die Studie besitzt mehrere methodische Stärken. Besonders relevant ist das randomisierte Kontrollgruppendesign, das deutlich belastbarere Aussagen über Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge erlaubt als reine Beobachtungsstudien. Zudem wurde ein vergleichsweise alltagsnahes Studiendesign gewählt: Die Kinder spielten zuhause frei und ohne starre Vorgaben. Dadurch lassen sich die Ergebnisse besser auf reale Lebenssituationen übertragen.
Positiv hervorzuheben ist auch, dass die Forschenden verschiedene Einflussfaktoren wie Alter, Geschlecht und soziale Schwierigkeiten statistisch berücksichtigten. Die Kombination aus Verhaltensmessungen, Sprachanalysen und standardisierten psychologischen Tests erhöht zusätzlich die Aussagekraft der Untersuchung.
Gleichzeitig gibt es Einschränkungen. Die Studie umfasst eine relativ kleine Stichprobe und einen begrenzten Untersuchungszeitraum. Zudem wurde die Forschung teilweise durch den Spielzeughersteller Mattel finanziert, auch wenn die Forschenden betonen, dass das Unternehmen keinen direkten Einfluss auf Datenauswertung oder Interpretation hatte.
Trotz dieser Einschränkungen liefert die Untersuchung wichtige Hinweise darauf, dass freies Rollenspiel mit Puppen eine bedeutende Rolle für die soziale und emotionale Entwicklung von Kindern spielen könnte.
Kita als Schlüsselphase: Armin Krenz fordert dringend Umdenken
geschrieben von Redakteur | Mai 19, 2026
In Freiburg plädiert Armin Krenz vor großem Publikum für eine Pädagogik, die sich konsequent an den Bedürfnissen von Kindern orientiert – und warnt vor den Fehlentwicklungen im Bildungssystem
Mehr als 300 Teilnehmende – vor Ort in der Aula der Katholischen Hochschule Freiburg sowie online zugeschaltet – haben am 20. April 2026 den Vortrag von Prof. Dr. Armin Krenz verfolgt. Im Rahmen der Reihe „Leben und Lernen im Wandel“ des Freiburger Bündnisses „Eine Schule für alle“ stellte der renommierte Entwicklungspsychologe die frühe Kindheit als entscheidende Phase für die gesamte menschliche Entwicklung in den Mittelpunkt.
Bereits zu Beginn machte Krenz deutlich, worum es geht: Die Kita-Zeit ist keine vorbereitende Zwischenphase, sondern eine eigenständige, hochbedeutsame Entwicklungszeit. Was Kinder hier erleben, beeinflusst nachhaltig ihre Persönlichkeit, ihre Lernfähigkeit und ihr soziales Verhalten. Frühkindliche Bildung ist kein „Vorlauf“ für Schule, sondern ein eigenständiger, hochkomplexer Entwicklungsraum mit langfristiger Wirkung.
Bildung beginnt lange vor der Schule
Krenz knüpfte an internationale Bildungsdebatten an und erinnerte daran, dass bereits Organisationen wie die UNESCO die frühe Kindheit als entscheidend für nachhaltige Entwicklung definieren. Was Kinder in diesen Jahren an Grundhaltungen, emotionalen Erfahrungen und sozialen Kompetenzen erwerben, prägt ihr gesamtes späteres Leben.
Dabei stellte er eine zentrale Frage: Was verstehen wir eigentlich unter Bildung?
Seine Antwort widerspricht gängigen Praxisformen. Bildung sei nicht die Anhäufung von Wissen, sondern die Entfaltung von Persönlichkeit, Kreativität und Verantwortung. Sie vollziehe sich im Alltag, in Beziehungen und im eigenaktiven Erleben – nicht in standardisierten Förderprogrammen.
Wie Kinder wirklich lernen
Ein zentraler Teil des Vortrags widmete sich der Frage, wie Lernen überhaupt funktioniert. Krenz formulierte drei grundlegende Bedingungen:
Kinder müssen sich als bedeutsam erleben
Inhalte müssen einen Bezug zur Lebenswelt haben
Die Umgebung muss emotional motivierend sein
Fehlen diese Voraussetzungen, entstehen schnell Langeweile, Stress und Rückzug. Besonders deutlich wurde seine Kritik an künstlich erzeugten Lernsituationen, die dem kindlichen Entwicklungsrhythmus widersprechen. Lernen, so Krenz, sei kein linearer Prozess, sondern ein zutiefst emotional gesteuerter Vorgang.
Beziehung statt Belehrung
Ein wiederkehrendes Motiv des Vortrags war die herausragende Bedeutung von Bindung und Beziehung. Bildung entstehe in erster Linie durch Beziehungserfahrungen – nicht durch Programme, Curricula oder Förderpläne.
Kinder, die sich sicher gebunden fühlen, zeigen mehr Neugier, weniger Angst und eine höhere Bereitschaft, sich auf neue Erfahrungen einzulassen. Das Gehirn, so Krenz, sei in erster Linie kein reines „Denkorgan“, sondern ein „emotionales Sozialorgan“. Daraus ergibt sich eine klare Konsequenz für pädagogische Praxis: Ohne stabile Beziehungen bleibt jede Bildungsanstrengung oberflächlich.
Besonders eindrücklich war die Darstellung der sogenannten „seelischen Erfahrungswerte“, die Kinder für eine gesunde Entwicklung benötigen. Dazu zählen unter anderem:
Zeit, Ruhe und Bewegung
Vertrauen, Sicherheit und Liebe
Mitsprache, Neugier und Selbstwirksamkeit
das Erleben von Gefühlen und sozialer Zugehörigkeit
Diese Erfahrungen bilden die Grundlage für Selbstständigkeit, Resilienz und soziale Kompetenz. Krenz machte deutlich, dass diese Qualitäten nicht „vermittelt“ werden können – sie müssen erlebt werden.
Was Kinder wirklich brauchen
Krenz konkretisierte seine Perspektive anhand von zentralen Erfahrungsqualitäten, die Kinder für eine gesunde Entwicklung benötigen. Dazu gehören unter anderem:
Sicherheit und Vertrauen
Zeit und Ruhe
Bewegung und Spiel
soziale Zugehörigkeit
emotionale Ausdrucksmöglichkeiten
Diese Faktoren bilden die Grundlage für Selbstwirksamkeit, Resilienz und soziale Kompetenz. Sie lassen sich nicht durch Programme ersetzen, sondern müssen im Alltag erfahrbar werden.
Kritik an der aktuellen Bildungspraxis
Deutlich kritisch wurde der Vortrag dort, wo Krenz die gegenwärtige Praxis in vielen Kitas und Schulen analysierte. Seine Diagnose: Bildung werde zunehmend instrumentalisiert.
Aus Bildungsbereichen werden Fächer
Aus kindlichen Interessen werden vorgegebene Programme
Aus Alltagssituationen werden künstliche Lernsettings
Diese Entwicklung führe zu einer Verschiebung weg von der kindlichen Lebenswelt hin zu erwachsenen Erwartungen. Besonders scharf fiel seine Kritik an einer „Vorschulpädagogik“, die Kinder frühzeitig auf schulische Anforderungen trimmt und dabei zentrale Entwicklungsbedürfnisse vernachlässigt.
Das Spiel als Schlüssel zur Entwicklung
Ein zentrales Argument richtete sich auf die Bedeutung des Spiels. Krenz stellte klar: Freies Spiel ist keine Freizeitbeschäftigung, sondern die effektivste Form des Lernens.
Freies, selbstgewähltes Spiel ermögliche:
tiefes emotionales Erleben
soziale Aushandlungsprozesse
kreative Problemlösungen
nachhaltige kognitive Entwicklung
Zahlreiche Studien und Zitate aus der Bildungsforschung untermauerten diese Perspektive. Die Reduktion von Spielzeit zugunsten strukturierter Förderprogramme sei daher nicht nur fragwürdig, sondern stark entwicklungshemmend.
Hier finden Sie die gesamte PowerPoint Präsentation des Vortrags zum Download:
Ein besonders nachdenklicher Moment entstand, als Krenz die Veränderungen der kindlichen Lebenswelt beschrieb. Der Raum für freies Spiel sei seit den 1970er Jahren massiv geschrumpft – um bis zu 90 Prozent.
Kinder verlieren nicht nur Orte, sondern auch Zeit. Zeit zum Entdecken, zum Ausprobieren, zum einfachen Kindsein. Diese Entwicklung, so Krenz, habe tiefgreifende Folgen für die Persönlichkeitsentwicklung.
Ein zentrales Argument richtete sich auf die Bedeutung des Spiels. Krenz stellte klar: Freies Spiel ist keine Freizeitbeschäftigung, sondern die effektivste Form des Lernens.
Pädagogik im Spannungsfeld gesellschaftlicher Erwartungen
Der Vortrag machte deutlich, dass frühkindliche Bildung längst nicht mehr nur eine pädagogische Frage ist. Sie steht im Kontext gesellschaftlicher Beschleunigung, ökonomischer Interessen und politischer Steuerung.
Wenn Kinder zunehmend als „Ressource“ oder „Investition“ betrachtet werden, verändert sich auch der Blick auf Bildung. Krenz warnte eindringlich vor dieser Entwicklung und plädierte für eine Rückbesinnung auf die Bedürfnisse des Kindes.
Der große Zuspruch zeigt: Das Thema bewegt viele Menschen in der Praxis. Pädagogische Fachkräfte, Eltern und Interessierte suchten an diesem Abend Orientierung und fachliche Einordnung.
Fehlende Aufmerksamkeit für ein zentrales Zukunftsthema
Gerade weil der Vortrag so klar, so fundiert und zugleich so praxisnah die Bedeutung früher Kindheit herausarbeitete, fällt ein Umstand umso stärker ins Gewicht: die auffällige Abwesenheit politischer Entscheidungsträger.
Es ging an diesem Abend nicht um Randthemen, sondern um grundlegende Fragen gesellschaftlicher Zukunftsfähigkeit: Wie entwickeln sich Kinder? Welche Bedingungen brauchen sie? Und welche strukturellen Fehlentwicklungen stehen dem entgegen?
Dass Vertreterinnen und Vertreter aus Politik und bildungspolitischer Steuerung hier nicht sichtbar präsent waren, wirft eine unangenehme Frage auf: Wird die Tragweite frühkindlicher Bildung systematisch unterschätzt – oder fehlt es an der Bereitschaft, wissenschaftlich fundierte Erkenntnisse in politisches Handeln zu übersetzen?
Denn die Faktenlage ist seit Jahren eindeutig. Die Bedeutung von Bindung, Spiel, Selbstbildung und entwicklungsförderlichen Rahmenbedingungen ist breit erforscht und international belegt. Wenn diese Erkenntnisse dennoch nur begrenzt in politische Entscheidungen einfließen, entsteht ein Legitimationsproblem.
Es geht dabei nicht um punktuelle Versäumnisse, sondern um eine strukturelle Schieflage: Bildungsentscheidungen werden häufig unter ökonomischen, administrativen oder kurzfristig messbaren Gesichtspunkten getroffen – während entwicklungspsychologische Grundlagen in den Hintergrund treten.
Die Frage nach der Kompetenz politischer Entscheidungen stellt sich damit zwangsläufig. Nicht im Sinne persönlicher Qualifikation, sondern im Hinblick auf Prioritätensetzung und Verantwortungsübernahme. Wer zentrale Erkenntnisse zur kindlichen Entwicklung ignoriert oder relativiert, riskiert langfristige gesellschaftliche Folgekosten – in Bildung, Gesundheit und sozialem Zusammenhalt.
Der Vortrag von Armin Krenz hat deutlich gemacht: Das Wissen ist vorhanden. Was fehlt, ist die konsequente politische Umsetzung.
Und genau darin liegt die eigentliche Herausforderung.
ADHS bei Kindern: Neue Studie erklärt, was im kindlichen Gehirn passiert
geschrieben von Redakteur | Mai 19, 2026
Wie Aufmerksamkeit, Impulskontrolle und Lernen zusammenhängen – und was sich verändern lässt
Kinder mit Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) haben oft Schwierigkeiten, ihre Aufmerksamkeit zu steuern, Impulse zu kontrollieren und bei einer Sache zu bleiben. Was dabei im Gehirn genau anders funktioniert, ist seit Jahren Gegenstand der Forschung. Eine neue internationale Studie hat nun sehr genau untersucht, wie sich diese Unterschiede sowohl im Verhalten als auch in der Hirnaktivität zeigen – und wie sie sich durch gezielte Förderung beeinflussen lassen.
Was wurde in der ADHS-Studie untersucht?
Für die Untersuchung nahmen 56 Kinder im Alter zwischen sechs und zwölf Jahren teil. 23 von ihnen hatten eine ADHS-Diagnose, 33 waren altersgleiche Kinder ohne ADHS. Alle Kinder bearbeiteten am Computer eine Aufgabe, bei der sie schnell auf bestimmte Reize reagieren und andere bewusst ignorieren mussten. Währenddessen wurde ihre Hirnaktivität mit einem EEG gemessen.
So konnten die Forschenden nicht nur beobachten, wie sich die Kinder verhielten, sondern auch, was dabei in den Netzwerken des Gehirns geschah, die für Aufmerksamkeit, Selbststeuerung und Lernen wichtig sind.
Welche Unterschiede zeigen Kinder mit ADHS im Verhalten und im Gehirn?
Schon zu Beginn zeigten sich deutliche Unterschiede. Kinder mit ADHS reagierten im Durchschnitt langsamer, machten mehr impulsive Fehler und hatten größere Schwierigkeiten, relevante von irrelevanten Reizen zu unterscheiden. Diese Muster sind typisch für Probleme in der Impulskontrolle und der Aufmerksamkeitssteuerung.
Parallel dazu zeigte sich in der Hirnaktivität ein auffälliger Befund: ein erhöhter sogenannter „aperiodischer Exponent“ in frontalen Hirnbereichen. Vereinfacht gesagt beschreibt dieser Wert, wie gut das Gehirn Erregung und Hemmung ausbalanciert. Ein erhöhter Wert weist darauf hin, dass diese Balance weniger stabil ist — das Gehirn reguliert sich also weniger effizient.
Die Forschenden beschreiben dies sinngemäß so: Kinder mit ADHS zeigen nicht nur im Verhalten, sondern auch auf neuronaler Ebene eine geringere Effizienz der Systeme, die Aufmerksamkeit bündeln und impulsives Handeln bremsen.
Wie wirkt sich Training und Stimulation auf die Hirnentwicklung aus?
Im zweiten Teil der Studie wurde untersucht, ob sich diese Muster verändern lassen. Die Kinder mit ADHS erhielten über zwei Wochen hinweg entweder ein kognitives Training kombiniert mit einer schwachen Hirnstimulation (tRNS) oder dasselbe Training mit einer Schein-Stimulation. Beide Gruppen trainierten gleich viel — nur die Stimulation unterschied sich.
Nach der Intervention zeigte sich vor allem im Gehirn eine Veränderung: Der aperiodische Exponent sank in der aktiv stimulierten Gruppe deutlich stärker als in der Vergleichsgruppe. Das bedeutet, dass sich die zuvor auffällige neuronale Balance in Richtung stabilerer, „typischerer“ Muster verschob. Dieser Effekt war auch drei Wochen später noch teilweise nachweisbar.
Zusätzlich veränderten sich EEG-Signale, die mit Aufmerksamkeit und Reizverarbeitung zusammenhängen. Die Forschenden interpretieren dies als Hinweis darauf, dass das Gehirn Informationen nach der Intervention kontrollierter verarbeitet — weniger impulsiv, dafür strukturierter.
Kinder mit ADS sind oft kreativ und klug, aber schnell überfordert. Der Ratgeber von Dr. Aust-Claus und Dr. Hammer zeigt, wie Eltern, Lehrkräfte und Therapeut:innen gemeinsam helfen können. Mit dem Optimind®-Konzept, Fallbeispielen und alltagstauglichen Tipps für mehr Konzentration und weniger Frust.
Was bedeutet das für Aufmerksamkeit, Lernen und Selbststeuerung?
Im Verhalten zeigte sich kein einfaches „schneller und besser“. Stattdessen reagierten die Kinder nach der Intervention etwas langsamer, arbeiteten dafür aber genauer und machten weniger Auslassungsfehler. Dieses Muster wird als Zeichen dafür verstanden, dass impulsive Reaktionen zugunsten überlegteren Handelns zurücktreten.
Für Lernen und pädagogische Situationen ist das bedeutsam: Kinder, die sich mehr Zeit für ihre Reaktionen nehmen, können Aufgaben oft zuverlässiger bearbeiten, Fehler besser vermeiden und Anweisungen stabiler umsetzen.
Neue Perspektiven für Förderung, Training und Unterstützung
Besonders spannend ist, dass die Veränderungen im Gehirn mit einer Verbesserung der ADHS-Symptome zusammenhingen. Je stärker sich die neuronale Balance normalisierte, desto stärker besserten sich Aufmerksamkeit und Selbststeuerung.
Die Studie zeigt damit: ADHS ist nicht nur eine Frage des Verhaltens oder der Motivation, sondern spiegelt sich tief in der Funktionsweise des Gehirns wider — und genau diese Funktionsweise ist veränderbar. Das eröffnet langfristig neue Perspektiven für Förderung, Training und Unterstützung im Alltag von Kindern mit ADHS.
Die Autorinnen und Autoren betonen jedoch, dass es sich um eine vergleichsweise kleine Studie handelt und dass weitere Forschung nötig ist, bevor daraus konkrete Therapieempfehlungen abgeleitet werden können. Als Beitrag zum Verständnis von ADHS und zur Weiterentwicklung von Förderansätzen ist die Arbeit jedoch sehr wertvoll.
„Die Haltung prägt die Pädagogik“ – Einladung zum Vortrag mit Prof. Armin Krenz
geschrieben von Redakteur | Mai 19, 2026
Kostenfreier Vortrag am 16. Oktober 2025 in Offenbach – Impulse zur Bedeutung von Haltung in der Pädagogik – Armin Krenz ist von 16. bis 19.10 auch am Stand 3.0 E152 auf der Buchmesse
Seien Sie dabei, wenn Armin Krenz (Prof. h.c. Dr. h.c. et Hon. Prof. für Entwicklungspsychologie) heute in Offenbach zum Thema „Die Haltung prägt die Pädagogik“ spricht. Denn pädagogische Qualität entsteht nicht durch Methodenvielfalt oder Programmangebote, sondern durch die Haltung der Fachkräfte und eine haltungsdurchdrungene Entwicklungsbegleitung der Kinder. Haltung bedeutet Halt finden, innehalten können, an Werten festhalten, Haltung zeigen – für Kinder ebenso wie für die Erwachsenen, die sie begleiten.
Wie Haltung im Alltag sichtbar wird
Krenz zeigt auf, wie Haltung im Alltag sichtbar wird: in einer gepflegten Sprach-, Spiel- und Interaktionskultur, in einer humanistisch geprägten Beziehungsgestaltung, im lösungsorientierten Umgang mit Konflikten und im Erleben ethischer und ästhetischer Werte, die unser Handeln tragen. Eine professionelle Haltung heißt, sich immer wieder aufs Neue selbst zu reflektieren und Verantwortung für das eigene Tun und das Unterlassen notwendiger Handlungen zu übernehmen. Kinder können sich dann entwickeln, wenn sie in einer Atmosphäre von Respekt, Wertschätzung, erlebter Empathie, Vertrauen und Zugewandtheit leben. Haltung bedeutet, Kinder in ihrer besonderen Individualität anzunehmen und zu verstehen, ihnen Zeit und Aufmerksamkeit zu schenken – und zugleich Grenzen aufzuzeigen, wo es nötig ist.
Ein Abend voller Impulse für Fachkräfte
Erleben Sie einen Abend voller Impulse, wie Fachkräfte durch eine entwicklungsförderliche Haltung Kinder stärken, sie als Beobachter*innen, Begleiter*innen und Impulsgeber*innen unterstützen und Bildungsprozesse gemeinsam mit ihnen gestalten können. Eine werteorientierte Haltung heißt: zuhören statt unterbrechen, beschreiben statt bewerten, Kinderinteressen wahrnehmen und Beziehung gestalten statt Macht ausüben, sodass Kinder schließlich verantwortungsvolle Akteure ihres eigenen Lebens werden können.
Anmeldung und Veranstaltungsdetails
Der Vortrag wird veranstaltet von FIZ e.V., i-Lit – Brasilianisch-Deutsche Initiative für Kinder- und Jugendliteratur und spielen-und-lernen.de. Veranstaltungsort ist die Berliner Straße 219, 63067 Offenbach am Main im Büro des Paritätischen.
Der Eintritt ist frei.
Kurzvita:
Armin Krenz (Jg. 1952), Prof. h.c. Dr. h.c. et Hon. Prof. für Entwicklungspsychologie & Elementarpädagogik, war fünf Jahrzehnte als Wissenschaftsdozent an deutschen Instituten und europaweiten Universitäten tätig, hat dazu u. a. begleitend als Supervisor, Fachberater, Qualitätsbeauftragter und Fortbildner mit pädagogischen Fachkräften gearbeitet und ist durch viele Buchpublikationen bekannt.
Ganzheitliche Pädagogik verstehen – Wie Kinder nachhaltig wachsen
geschrieben von Redakteur | Mai 19, 2026
Armin Krenz zeigt, wie Beziehung, Sinneserfahrung und Selbstbildung zu echter Entwicklung führen – ein Praxisleitfaden für Fachkräfte, Lehrkräfte und Eltern.
„Ganzheitlich“ – kaum ein Begriff wird in der Pädagogik so häufig verwendet und so wenig hinterfragt. Doch was bedeutet Ganzheitlichkeit tatsächlich? Und wie lässt sie sich in der Praxis leben?In seinem neuen Buch „Ganzheitliche Pädagogik verstehen und leben“ klärt Dr. Armin Krenz einen zentralen pädagogischen Begriff, der oft zur bloßen Formel verflacht ist, und führt ihn zurück zu seinem ursprünglichen Sinn: der untrennbaren Einheit von Körper, Geist, Emotion und Beziehung.Krenz zeigt – gestützt auf aktuelle neurowissenschaftliche, entwicklungspsychologische und bildungswissenschaftliche Erkenntnisse – warum Kinder nur dann nachhaltig lernen und sich gesund entwickeln, wenn ihre Sinnes-, Bewegungs- und Beziehungserfahrungen miteinander vernetzt sind. Ganzheitliche Pädagogik bedeutet, das Kind als fühlendes, denkendes und handelndes Subjekt ernst zu nehmen – und nicht als „Förderobjekt“ im Takt fremder Programme.
Mit einer eindrucksvollen Verbindung aus wissenschaftlicher Tiefe und Praxisnähe legt Krenz dar:
Lernen geschieht über Beziehung, Sinneserfahrung und Eigenaktivität.
Emotionen sind die Basis kognitiver und sozialer Entwicklung.
Pädagogische Qualität entsteht aus Haltung, Empathie und Resonanz.
Ganzheitliche Förderung heißt: Lernen mit Kopf, Herz und Hand.
Dieses Buch ist ein Kompass für Fachkräfte, Lehrende und Eltern, die Pädagogik wieder als das verstehen möchten, was sie ist: eine Kunst der Beziehung und der Menschlichkeit.
Zielgruppen
Pädagogische Fachkräfte und Leitungsteams in Kita und Schule
Lehrkräfte und Studierende der Pädagogik und Frühpädagogik
Eltern und Familienberater*innen
Träger, Fachberatungen, Fortbildner*innen
Verkaufsargumente
Begründet, was „ganzheitliche Pädagogik“ wirklich bedeutet
Verbindung von Pädagogik, Psychologie, Neurowissenschaft und Praxis
Autor mit jahrzehntelanger Fortbildungserfahrung
Mit praxisnahen Reflexionsfragen, Beobachtungshinweisen und Beispielen
Ideal für Ausbildung, Teamarbeit und Fortbildung
Armin Krenz, (Jg. 1952), Prof. h.c. Dr. h.c. hat zuletzt viele Jahre als Honorarprofessor für Elementarpädagogik und Entwicklungspsychologie an europäischen und außereuropäischen Universitäten / Instituten gearbeitet, zugleich Leitungskräfte / Trägerverbände / Kita-Teams in Fragen zur Qualität beraten / supervidiert sowie Fachtagungen / Seminare mit Schwerpunktthemen zur pädagogischen Prozess- und professionellen Personqualität durchgeführt. Er ist Autor vieler Buchpublikationen und Fachartikel sowie regelmäßiger Fachbücherrezensent.
64 Seiten 4-fbg Fotos und Abb. 14,8 x 21,0 cm ISBN: 978-3-96304-621-0 12 € [D], 12,40 € [A]
Mitgefühl entsteht im Laufe des zweiten Lebensjahrs
geschrieben von Redakteur | Mai 19, 2026
Ein Team um Entwicklungspsychologe Markus Paulus hat in einer Längsschnittstudie die Entstehung des Mitgefühls bei Kindern untersucht
Bereits mit 18 Monaten zeigen Kinder Mitgefühl. In diesem Alter ließen Kinder im Rahmen einer LMU-Studie anhand ihrer Mimik oder Äußerungen erkennen, dass sie vom Leiden einer anderen Person berührt werden. Aus psychologischer Sicht ist das ein wichtiger Entwicklungsschritt. „Um Mitgefühl zu erfahren, muss das Kind zwischen dem Selbst und der anderen Person unterscheiden können“, sagt Markus Paulus, Inhaber des Lehrstuhls für Entwicklungspsychologie und Pädagogische Psychologie an der LMU. Diese Selbstkonzeption entsteht im Laufe des zweiten Lebensjahres. Sie lässt sich zum Beispiel auch daran beobachten, dass Kinder sich im Spiegel erkennen.
Kinder lassen sich von den Gefühlen anderer anstecken
Schon früh lassen sich Kleinkinder von den Gefühlen, etwa der Angst oder Trauer, anderer anstecken. Entwicklungspsychologisch ist diese emotionale Ansteckung ein erster Schritt hin zu Mitgefühl. „Bei Mitgefühl geht es darum, die Emotion auch regulieren zu können und nicht davon überwältigt zu werden“, erklärt Markus Paulus. Mitgefühl setzt neben der affektiven Resonanz also auch kognitives Erfassen und den Perspektivenwechsel zwischen dem Selbst und der anderen Person voraus.
Mitgefühl wird durch soziale Interaktionen erworben
Die Forschenden haben im Rahmen der Studie auch untersucht, welche Rolle das Verhalten der Bezugsperson für die Fähigkeit spielt, mit anderen mitzufühlen. Dabei zeigte sich, dass das Ausmaß der elterlichen Feinfühligkeit entscheidend ist: Je feinfühliger die Mütter auf die Bedürfnisse ihrer Kinder eingingen, desto besser waren die Kinder schon im zweiten Lebensjahr in der Lage, mit einer fremden Person Mitgefühl zu zeigen. Mitgefühl wird also sozial erworben. „Ein Kind könnte nicht überleben ohne feinfühlige Bezugspersonen, die mitfühlend handeln. Die Kinder lernen von ihnen, mit negativen Emotionen umzugehen. Dadurch sind sie in der Lage, das später selbst auch anzuwenden“, sagt Markus Paulus. Damit zeigt die Studie auch, dass Mitgefühl nicht angeboren ist, sondern sich im Kontext sozialer Interaktionen entwickelt.
Mitgefühl ist Motivation für prosoziales Verhalten
Für die weitere Entwicklung des Kindes ist Mitgefühl entscheidend dafür, prosozial zu handeln. „Mitgefühl hilft uns, auf die Notlage anderer zu reagieren und adäquat damit umzugehen. Es ist eine Motivation, für andere zu handeln, sich für andere einzusetzen“, sagt Ko-Autorin Tamara Becher.
Verhalten von 127 Mutter-Kind-Paaren untersucht
Für die Studie hat ein Team um Markus Paulus und Tamara Becher dieselben Kleinkinder im Alter von 6, 10, 14 und 18 Monaten mit ihren Müttern zu Verhaltensexperimenten an die LMU gebeten. Insgesamt wurden 127 Mutter-Kind-Paare über einen Zeitraum von eineinhalb Jahren untersucht. Zu vier unterschiedlichen Zeitpunkten wurden in spielerischen Situationen Zeichen des Mitgefühls der Kinder erfasst. Dabei beobachteten die Kinder, wie sich eine andere Person leicht anstieß und den Schmerz zum Ausdruck brachte. Ihre Reaktion wurde zudem mit ihrem Verhalten verglichen, wenn sie sahen, wie eine andere Person lachte. Das erste Mal waren die Kinder sechs Monate alt, bei der letzten Messung 18 Monate.
Originalpublikation:
Markus Paulus et al.: When do children begin to care for others? In: Cognitive Development 2024.