Väter spielen mehr mit Kindern als sie sie versorgen

Gemeinsames Spielen macht Väter zufriedener – klassische Versorgungsaufgaben übernehmen sie deutlich seltener

Väter verbringen heute deutlich mehr Zeit mit ihren Kindern als frühere Generationen. Trotzdem zeigt sich im Familienalltag weiterhin eine klare Rollenverteilung: Während viele Väter gerne spielen, Ausflüge organisieren oder ihre Kinder ins Bett bringen, bleiben klassische Versorgungsaufgaben häufiger bei den Müttern. Genau diesen Unterschied untersucht eine aktuelle Studie des Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung genauer – mit interessanten Ergebnissen für Familien, Politik und Arbeitswelt.

Die Untersuchung basiert auf Daten des internationalen „Generations and Gender Survey“ und analysiert, wie sich Väter in verschiedenen europäischen Ländern an der Kinderbetreuung beteiligen. Dabei zeigt sich ein auffälliges Muster: Besonders häufig übernehmen Väter interaktive und freizeitbezogene Tätigkeiten – also Aufgaben, die flexibel planbar sind und oft mit positiven gemeinsamen Erlebnissen verbunden werden. Dazu gehören vor allem gemeinsames Spielen, Freizeitaktivitäten oder das Zu-Bett-Bringen der Kinder.

Spielen gehört für viele Väter selbstverständlich dazu

Am deutlichsten wird dieses Muster beim gemeinsamen Spielen. In sieben von neun untersuchten Ländern ist dies die Tätigkeit, die Väter mindestens ebenso häufig übernehmen wie ihre Partnerinnen. Die Unterschiede zwischen den Ländern fallen dabei allerdings deutlich aus. In Norwegen geben sogar 95 Prozent der Väter an, mindestens ebenso oft wie die Mutter mit den Kindern zu spielen. In Deutschland liegt der Anteil bei immerhin 68 Prozent.

Die Forschenden sehen darin einen Hinweis darauf, dass sich die Vaterrolle in vielen europäischen Ländern verändert hat. Moderne Väter möchten emotional stärker präsent sein und aktiv Zeit mit ihren Kindern verbringen. Besonders interaktive Tätigkeiten ermöglichen Nähe, gemeinsame Erfahrungen und oft auch positive Rückmeldungen im Familienalltag.

Versorgungsaufgaben bleiben häufiger bei den Müttern

Anders sieht es allerdings bei klassischen Versorgungsaufgaben aus. Tätigkeiten wie das Anziehen der Kinder, die Essenszubereitung oder die Betreuung kranker Kinder werden deutlich seltener von Vätern übernommen. Gerade hier zeigen sich große Unterschiede zwischen den europäischen Ländern.

Während in Norwegen 80 Prozent der Väter angeben, sich mindestens ebenso häufig wie ihre Partnerinnen um kranke Kinder zu kümmern, liegt der Anteil in Deutschland nur bei 42 Prozent. In Tschechien sind es sogar lediglich rund 29 Prozent.

Auch bei anderen alltäglichen Versorgungsaufgaben landet Deutschland im unteren Bereich des europäischen Vergleichs. Die Studie deutet darauf hin, dass traditionelle Rollenbilder und arbeitsorganisatorische Strukturen weiterhin eine wichtige Rolle spielen.

Warum Spielen zufriedener macht als Pflegeaufgaben

Besonders interessant ist der Zusammenhang zwischen Kinderbetreuung und Lebenszufriedenheit der Väter. Laut Studie berichten Väter, die häufig mit ihren Kindern spielen, insgesamt über eine höhere Lebenszufriedenheit. Bei der Betreuung kranker Kinder zeigt sich dagegen eher ein gegenteiliger Effekt: Väter, die diese Aufgabe besonders häufig übernehmen, bewerten ihre Lebenszufriedenheit im Durchschnitt niedriger.

Die Forschenden erklären diesen Unterschied vor allem mit der zeitlichen Struktur der Aufgaben. Interaktive Tätigkeiten wie Spielen oder gemeinsame Freizeit lassen sich häufig flexibel in den Alltag integrieren – etwa nach Feierabend oder am Wochenende. Pflege- und Versorgungsaufgaben dagegen entstehen oft kurzfristig, sind zeitlich gebunden und schwer planbar.

Dr. Stefanie Hoherz vom Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung erklärt dazu, dass versorgende Tätigkeiten häufig schwerer mit Erwerbsarbeit vereinbar seien. Genau hier entstehe für viele Familien ein erheblicher organisatorischer Druck.

Kinderbetreuung ist nicht gleich Kinderbetreuung

Die Studie macht deutlich, dass Kinderbetreuung keineswegs eine einheitliche Tätigkeit ist. Zwischen gemeinsamem Spielen und der Versorgung eines kranken Kindes liegen im Familienalltag oft völlig unterschiedliche Anforderungen. Während Freizeitaktivitäten häufig emotional positiv erlebt werden, erzeugen kurzfristige Betreuungsaufgaben oft Stress, Zeitdruck und Konflikte mit beruflichen Verpflichtungen.

Damit rückt auch die Frage nach familienfreundlichen Arbeitsbedingungen stärker in den Mittelpunkt. Die Forschenden betonen, dass flexible Arbeitszeiten und bessere Möglichkeiten zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf entscheidend dafür sein könnten, dass Väter sich stärker an zeitgebundenen Versorgungsaufgaben beteiligen.

Die Vaterrolle verändert sich langsam

Die Ergebnisse zeigen gleichzeitig, wie stark sich Vaterbilder in Europa bereits verändert haben. Viele Männer verstehen sich heute nicht mehr ausschließlich als finanzielle Versorger, sondern möchten aktiv am Familienleben teilnehmen. Gemeinsames Spielen, emotionale Nähe und Freizeitaktivitäten mit den Kindern gehören für viele Väter inzwischen selbstverständlich zum Alltag.

Dennoch bleibt die Verteilung vieler unsichtbarer Alltagsaufgaben weiterhin ungleich. Gerade organisatorische, pflegende und zeitkritische Tätigkeiten werden nach wie vor häufiger von Müttern übernommen. Die Studie zeigt damit auch, dass Gleichberechtigung im Familienalltag nicht allein davon abhängt, wie viel Zeit Eltern mit ihren Kindern verbringen – sondern auch davon, welche Aufgaben sie konkret übernehmen.

Flexible Arbeitszeiten könnten Familien entlasten

Die Forschenden sehen deshalb vor allem Politik und Arbeitgeber in der Verantwortung. Familienfreundliche Arbeitsmodelle könnten dazu beitragen, dass sich Väter stärker an allen Bereichen der Kinderbetreuung beteiligen können – nicht nur an den angenehmen und flexiblen Aufgaben.

Denn moderne Vaterschaft bedeutet offenbar für viele Männer vor allem eines: präsent sein, Zeit verbringen und emotionale Beziehungen aufbauen. Damit aus gemeinsamer Freizeit aber tatsächlich eine gleichmäßigere Verteilung von Familienarbeit wird, braucht es laut Studie bessere strukturelle Rahmenbedingungen für Eltern im Alltag.




Positive Kindheitserfahrungen können Gewaltspiralen durchbrechen

Kyoto-Studie zeigt Zusammenhang zwischen positiven Erlebnissen und geringerem Risiko späterer Gewalt gegen ältere Menschen

Positive soziale Erfahrungen in der Kindheit könnten helfen, Gewaltzyklen über Generationen hinweg zu durchbrechen. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie der Kyoto University. Die Forschenden fanden Hinweise darauf, dass Menschen mit vielen positiven Kindheitserfahrungen später seltener Gewalt gegenüber älteren Angehörigen ausüben. Besonders bedeutsam waren dabei sichere Gemeinschaftserfahrungen, unterstützende Beziehungen sowie das Gefühl sozialer Zugehörigkeit.

Die Untersuchung zeigt, dass sogenannte „Positive Childhood Experiences“ (PCEs) offenbar einen langfristigen Schutzfaktor darstellen können — selbst bei Menschen, die in ihrer Kindheit belastende oder gewaltgeprägte Erfahrungen gemacht hatten. Nach Angaben der Forschenden nahm das Risiko späterer Gewalt gegen ältere Menschen mit der Anzahl positiver Gemeinschaftserfahrungen deutlich ab.

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler betonen, dass Gewaltprävention nicht nur über das Verhindern negativer Erfahrungen funktionieren müsse. Ebenso wichtig sei der gezielte Aufbau positiver sozialer Umfelder für Kinder und Jugendliche.

Gemeinschaft und Zugehörigkeit als Schutzfaktoren

Besonders auffällig war laut Studie die Bedeutung von Gemeinschaftserfahrungen außerhalb der Familie. Kinder, die Zugang zu sicheren sozialen Räumen hatten, sich in ihrer Schule zugehörig fühlten oder gemeinschaftliche Unterstützung erlebten, zeigten später offenbar eine geringere Wahrscheinlichkeit für aggressives Verhalten gegenüber älteren Menschen.

Studienleiterin Chie Koga erklärte, Initiativen wie Gemeinschaftsküchen oder geschützte Begegnungsorte könnten „nicht nur das aktuelle Wohlbefinden von Kindern unterstützen, sondern möglicherweise auch langfristig zur Gewaltprävention beitragen“.

Die Forschenden sehen darin einen wichtigen Hinweis für Sozialpolitik und Präventionsarbeit. Programme zur Förderung sozialer Verbundenheit könnten demnach weitreichendere gesellschaftliche Auswirkungen haben als bislang angenommen. Gerade in alternden Gesellschaften gewinne die Frage an Bedeutung, wie sich Gewalt gegenüber älteren Menschen langfristig verhindern lasse.

Zugleich weisen die Autorinnen und Autoren darauf hin, dass vermutlich nicht einzelne positive Erfahrungen ausreichen. Vielmehr scheine eine Kombination unterschiedlicher unterstützender Erfahrungen notwendig zu sein. Entscheidend sei ein Umfeld, in dem Kinder verlässliche Beziehungen, gegenseitige Unterstützung und soziale Teilhabe erleben können.

Wie die Studie durchgeführt wurde

Veröffentlicht wurde die Untersuchung im Fachjournal Journal of Interpersonal Violence unter dem Titel „The Role of Positive Childhood Experiences in Intergenerational Violence and Elder Abuse“. Beteiligt waren Forschende verschiedener japanischer Forschungseinrichtungen, darunter die Kyoto University.

Analysiert wurde der Zusammenhang zwischen positiven Kindheitserfahrungen und späterem Gewaltverhalten gegenüber älteren Menschen. Die Forschenden betrachteten dabei unterschiedliche Formen sozialer Unterstützung und Gemeinschaftserlebnisse während der Kindheit. Anschließend untersuchten sie statistisch, wie stark diese Erfahrungen mit späterem Verhalten im Erwachsenenalter zusammenhängen.

Würdigung der Studie

Die Studie liefert einen wichtigen Perspektivwechsel innerhalb der Gewaltforschung. Während viele Untersuchungen vor allem auf belastende Kindheitserfahrungen und Traumata fokussieren, richtet diese Arbeit den Blick gezielt auf schützende Faktoren. Dadurch entsteht ein differenzierteres Verständnis darüber, wie Resilienz und soziale Stabilität entstehen können.

Besonders hervorzuheben ist der lebenslauforientierte Ansatz: Die Forschenden betrachten nicht nur kurzfristige Effekte, sondern mögliche langfristige Auswirkungen positiver sozialer Erfahrungen über Jahrzehnte hinweg. Das macht die Ergebnisse sowohl für Präventionsarbeit als auch für Bildungs- und Sozialpolitik relevant.

Allerdings zeigt die Studie vor allem statistische Zusammenhänge. Ob positive Kindheitserfahrungen direkt ursächlich spätere Gewalt verhindern, lässt sich daraus nicht abschließend ableiten. Zudem beruhen solche Untersuchungen häufig auf Selbstauskünften der Teilnehmenden, was Erinnerungsverzerrungen möglich macht.

Dennoch unterstreicht die Arbeit eindrücklich, wie bedeutsam soziale Zugehörigkeit, sichere Gemeinschaften und unterstützende Beziehungen für die langfristige Entwicklung von Kindern sein können.

https://www.kyoto-u.ac.jp/en/research-news/2026-05-07-0




Häufiges Vorlesen stärkt früh den Wortschatz von Kindern

Neue Auswertungen zeigen: Kinder profitieren langfristig, wenn ihnen im Kleinkindalter regelmäßig vorgelesen wird

Kinder, denen im Alter von drei Jahren täglich vorgelesen wird, verfügen Jahre später über einen deutlich größeren Wortschatz. Das zeigen aktuelle Auswertungen des Nationalen Bildungspanels (NEPS). Der Effekt ist langfristig messbar: Auch im Alter von sieben Jahren profitieren diese Kinder noch sprachlich von frühen Vorleseerfahrungen.

Damit bestätigt sich, was die Bildungsforschung seit Jahren vermutet: Sprachentwicklung beginnt nicht erst in der Schule – sie entsteht im Alltag, im Gespräch, beim gemeinsamen Anschauen von Bildern und vor allem beim Vorlesen.

Frühe Sprachbildung entsteht im Miteinander

Die Daten machen deutlich, wie entscheidend die Interaktion zwischen Eltern und Kindern ist. Vorlesen ist dabei weit mehr als eine ruhige Beschäftigung: Es schafft Aufmerksamkeit, fördert Verständnis und erweitert den Wortschatz.

Besonders wirksam ist regelmäßiges Vorlesen. Kinder, denen mehrmals täglich vorgelesen wurde, zeigen deutlich bessere sprachliche Kompetenzen als Kinder, die diese Erfahrung seltener machen.

Ein einfacher Impuls mit großer Wirkung

Die Ergebnisse sind eindeutig – und zugleich bemerkenswert alltagsnah: Es braucht keine aufwendigen Förderprogramme, um Kinder sprachlich zu stärken. Gemeinsame Zeit, Bücher und Gespräche reichen oft aus.

Vorlesen wirkt dabei auf mehreren Ebenen gleichzeitig:

  • Kinder lernen neue Wörter
  • sie verstehen Zusammenhänge besser
  • sie entwickeln ein Gefühl für Sprache und Geschichten
  • sie erleben Nähe und Aufmerksamkeit

Gerade diese Verbindung aus Sprache und Beziehung macht den Unterschied.

Was das für Familien, Kitas und Schulen bedeutet

Für Eltern und pädagogische Fachkräfte ergibt sich daraus eine klare Schlussfolgerung: Vorlesen sollte ein selbstverständlicher Teil des Alltags sein – möglichst früh und möglichst regelmäßig.

Auch Kitas und Grundschulen können hier gezielt ansetzen:

  • durch feste Vorlesezeiten
  • durch Zugang zu Büchern
  • durch gemeinsame Sprach- und Erzählsituationen

Denn Sprachkompetenz ist eine zentrale Grundlage für Bildung – und sie beginnt lange vor dem ersten Schultag.

Hintergrund: Das Nationale Bildungspanel (NEPS)

Die Ergebnisse basieren auf Daten des Nationalen Bildungspanels (NEPS), der größten Langzeit-Bildungsstudie in Deutschland. Sie untersucht Bildungsprozesse von der frühen Kindheit bis ins Erwachsenenalter und liefert damit eine wichtige Grundlage für Forschung und Bildungspolitik.

Originalpublikation:

https://www.lifbi.de/NEPS-SL/Detail?nummer=07




Was Kindern Halt gibt: Glaube kann vor Ängsten schützen

Warum Gemeinschaft, Sinn und Zugehörigkeit die psychische Entwicklung unterstützen können

Immer mehr Kinder und Jugendliche leiden unter Ängsten – oft leise, oft unbemerkt, aber spürbar im Alltag: Unsicherheit, Rückzug, Überforderung. Die Ursachen werden meist in Leistungsdruck, sozialen Medien oder schulischen Anforderungen gesucht. Doch ein zentraler Zusammenhang wird bislang wenig beachtet: der Verlust von Orientierung, Gemeinschaft und Sinn.

Genau hier setzt eine aktuelle internationale Analyse an – mit einem überraschend klaren Ergebnis: Wo religiöse Bindung in Familien und Gesellschaft abnimmt, steigen Angststörungen bei Kindern und Jugendlichen deutlich stärker an.

30 Jahre, 70 Länder, ein deutliches Muster

Die Untersuchung wertete Daten aus 70 Ländern über einen Zeitraum von mehr als drei Jahrzehnten aus. Neben Gesundheitsdaten zur Entwicklung von Angststörungen wurden auch gesellschaftliche Werte und Erziehungsziele einbezogen.

Das Muster ist eindeutig: Über alle Kontinente hinweg zeigt sich ein enger Zusammenhang zwischen sinkender Religiosität und zunehmender Angstbelastung bei jungen Menschen.

Wenn Individualität allein nicht trägt

Gleichzeitig haben sich die Vorstellungen von „guter Erziehung“ grundlegend verändert. Während früher Gehorsamkeit und Einordnung eine größere Rolle spielten, stehen heute Selbstständigkeit, Eigenverantwortung und Individualität im Mittelpunkt.

Das ist grundsätzlich sinnvoll – aber nicht ohne Nebenwirkungen.

Denn Kinder wachsen heute häufiger mit der Erwartung auf, ihren eigenen Weg zu finden, sich selbst zu verwirklichen und Entscheidungen früh eigenständig zu treffen. Was dabei oft fehlt, sind stabile Orientierungssysteme, die Halt geben.

Warum Glaube mehr ist als Religion

Religiosität wirkt in diesem Zusammenhang weniger über konkrete Inhalte als über ihre Funktionen:
Sie schafft Gemeinschaft.
Sie gibt dem Leben Richtung.
Sie stiftet Verlässlichkeit im Alltag.

Wo diese Strukturen wegfallen, entstehen Lücken:

  • Familien erleben weniger verbindliche Rituale
  • soziale Netzwerke werden fragiler
  • Zugehörigkeit wird weniger selbstverständlich

Gerade diese Faktoren sind jedoch entscheidend für die psychische Stabilität von Kindern.

Was jetzt wichtiger wird

Die zentrale Botschaft ist dabei nicht, zur Religion zurückzukehren. Vielmehr stellt sich eine andere Frage:
Wie können wir das stärken, was Kinder stabil macht?

Die Forschenden sehen hier klare Ansatzpunkte:

  • gemeinschaftliche Aktivitäten in Gruppen und Vereinen
  • gelebte soziale Beziehungen im Alltag
  • verlässliche Strukturen in Familie, Kita und Schule

Gerade pädagogische Einrichtungen spielen dabei eine Schlüsselrolle. Sie können Räume schaffen, in denen Kinder sich zugehörig fühlen, sich orientieren können und erleben, dass sie Teil einer Gemeinschaft sind.

Ein blinder Fleck in der Bildungsdebatte

Die Ergebnisse werfen ein kritisches Licht auf aktuelle Entwicklungen: Eine einseitige Betonung von Individualität und Selbstverantwortung greift zu kurz, wenn sie nicht durch Gemeinschaft, Orientierung und soziale Einbindung ergänzt wird.

Kinder brauchen beides: Freiheit – und Halt.

Und vielleicht liegt genau hier der entscheidende Punkt:
Nicht alles, was modern ist, ist automatisch entwicklungsförderlich. Manche Ressourcen, die leise verschwinden, erweisen sich erst im Rückblick als unverzichtbar.

Originalpublikation:

Leonard Konstantin Kulisch, Ana Lorena Domínguez Rojas, Silvia Schneider, Babett Voigt: Global Cultural Change and Anxiety in Children and Adolescents: Analyzing Socialization Goals Over Three Decades in 70 Countries, in: Developmental Science, 2026, DOI: 10.1111/desc.70157, https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC12968521/




Die Ostergeschichte für Kinder: Von Palmsonntag bis Ostern

Eine spannende Reise durch die Ostertage – verständlich für Kinder erzählt

Von Palmsonntag bis Ostersonntag

An Ostern denken die Christen an die letzten Tage von Jesus, an seinen Tod und daran, dass er wieder lebendig wurde. Die Geschichte beginnt an Palmsonntag.

Jesus reitet durch Jerusalem

An einem Sonntag ritt Jesus auf einem Esel nach Jerusalem. Er kam zum Pascha-Fest. Das ist ein großes Fest, bei dem die Juden feiern, dass Gott sie aus Ägypten befreit hat. Jesus war selbst Jude und wollte mitfeiern.

Viele Menschen in Jerusalem freuten sich, dass Jesus kam. Sie riefen: „Gesegnet sei er, der da kommt im Namen des Herrn!“ Einige legten ihre Kleidung auf den Boden, andere rissen Palmzweige von den Bäumen und legten sie auf den Weg. So wollten sie Jesus ehren. Deshalb heißt dieser Tag Palmsonntag.

Die wichtigen Männer in der Stadt hörten, wie die Menschen jubelten. Sie hatten Angst vor Jesus, weil ihn viele wie einen König feierten. Darum beschlossen sie, ihn zu töten.

Das letzte Abendmahl

Jesus wusste, dass seine Feinde ihn suchten. Deshalb war es ihm wichtig, am Donnerstagabend mit seinen engsten Freunden, den zwölf Aposteln, zusammen zu essen.

Er wusch ihnen die Füße. Damit wollte er zeigen, wie wichtig es ist, füreinander da zu sein und einander zu helfen.

Dann nahm er Brot, segnete es, brach es in Stücke und gab es seinen Freunden. Er sagte:
„Nehmt und esst alle davon: Das ist mein Leib, der für euch hingegeben wird.“

Danach nahm er den Becher mit Wein, segnete ihn und reichte ihn weiter. Er sagte:
„Nehmt und trinkt alle daraus. Das ist mein Blut, das für euch vergossen wird. Tut dies zu meinem Gedächtnis.“

Jesus erzählte seinen Freunden auch, dass ihn einer von ihnen verraten würde. Sie waren sehr traurig und konnten es kaum glauben.

Jesus am Ölberg

Nach dem Essen ging Jesus mit seinen Freunden auf den Ölberg, in einen Garten, der Getsemani heißt. Dort bat er sie zu warten und ging ein Stück weiter, um zu beten.

Als er zurückkam, waren seine Freunde eingeschlafen.

Plötzlich kamen Soldaten. Einer von Jesu Jüngern war bei ihnen: Judas. Er hatte den Soldaten gezeigt, wo sie Jesus finden konnten. Dafür bekam er 30 Silberstücke.

Die Soldaten nahmen Jesus fest.

Jesus bei den Priestern und bei Pilatus

Die Soldaten brachten Jesus zu den mächtigen Priestern. Diese wollten, dass er verurteilt wird. Sie holten Menschen, die Dinge über Jesus erzählten, die nicht stimmten.

Dann brachten sie Jesus zu Pontius Pilatus, dem römischen Statthalter. Pilatus sprach mit Jesus und sagte: „Ich finde keine Schuld an ihm.“

Aber die Menschen riefen laut, dass Jesus bestraft werden sollte. Sie schrien und wurden immer wütender.

Pilatus wollte Jesus freilassen, doch die Menschen ließen nicht locker. Schließlich ließ er Jesus schlagen, setzte ihm eine Dornenkrone auf und ließ ihn verspotten.

Pilatus hatte Angst vor der Menge. Deshalb ließ er eine Schüssel mit Wasser bringen, wusch seine Hände und sagte:
„Ich bin unschuldig an dem, was hier geschieht.“

Er wusste, dass Jesus nichts falsch gemacht hatte. Aber er ließ die Menschen entscheiden.

Jesus am Kreuz

Am Freitagmorgen wurde Jesus zum Tod am Kreuz verurteilt. Er musste das schwere Kreuz selbst tragen. Weil er so geschwächt war, fiel er immer wieder hin.

Ein Mann, der gerade vom Feld kam, musste ihm helfen, das Kreuz zu tragen.

Auf einem Hügel schlugen die Soldaten Jesus ans Kreuz und stellten es auf.

Doch Jesus sagte:
„Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun.“

Jesus starb am Kreuz.

Ein Freund von Jesus, der Josef hieß, nahm seinen Körper. Er wickelte ihn in ein Leinentuch und legte ihn in ein Grab in einer Felsenhöhle. Vor den Eingang wurde ein großer Stein gerollt.

Ostersonntag

Damals war es üblich, Verstorbene mit duftenden Ölen zu salben. Deshalb gingen einige Frauen am Sonntagmorgen zum Grab von Jesus.

Doch als sie ankamen, erschraken sie: Der große Stein war weggerollt, und das Grab war leer.

Zwei Engel standen dort und sagten zu ihnen:
„Warum sucht ihr den Lebendigen bei den Toten? Er ist nicht hier. Er ist auferstanden.“


Reuter Kichenjahr

Das Kirchenjahr mit Kindern feiern

Viele lustige und spannende Geschichten in diesem Vorlesebuch erzählen, was Markus, Luise, ihre Eltern und ihr Kater beim Feiern alles erleben. Das Buch erklärt die wichtigsten Feste des Kirchenjahres auf einfache und unterhaltsame Weise – für Kinder gut verständlich.

Mit vielen Bildern, Rezepten und Bastelideen lädt es Kinder zum Mitmachen ein und macht Lust auf gemeinsames Entdecken. Vom Advent bis Ostern begleitet es Familien, Kindergruppen und Gemeinden durch das ganze Jahr.

Thoma Reuter
Das Kirchenjahr mit Kindern feiern

Ein Vorlesebuch mit lustigen Geschichten, Backrezepten und Spielen
Broschur, 96 Seiten
ISBN: 978-3-944548-90-6
14,95 €




Soziale Angst bei Kindern und Jugendlichen: Warum elterliche Wärme schützt

Eine internationale Meta-Analyse mit über 38.000 Jugendlichen zeigt: Zuwendung von Mutter und Vater mindert soziale Angst – übermäßige Kontrolle der Mutter verstärkt sie

Soziale Angst – die Furcht, im Mittelpunkt zu stehen, etwas Peinliches zu sagen oder von anderen abgelehnt zu werden – gehört zum Aufwachsen dazu. Doch wenn sie überhandnimmt, kann sie das Leben junger Menschen stark einschränken. Eine neue Meta-Analyse aus 45 Studien in 15 Ländern hat nun untersucht, welchen Einfluss Eltern darauf haben.

Das Ergebnis ist eindeutig: Elterliche Wärme schützt. Jugendliche, die sich von beiden Elternteilen angenommen, unterstützt und verstanden fühlen, berichten deutlich seltener von sozialer Angst. Und das gilt unabhängig voneinander – sowohl die Zuwendung der Mutter als auch die des Vaters trägt dazu bei.

Ganz anders sieht es bei Kontrolle aus: Wer seine Kinder zu sehr überwacht, bevormundet oder ständig beschützen will, riskiert das Gegenteil. Auffällig ist dabei, dass in dieser Analyse vor allem mütterliche Kontrolle mit mehr sozialer Angst verbunden war. Wenn beide Eltern gleichzeitig betrachtet werden, verschwindet der Zusammenhang bei den Vätern – nicht aber bei den Müttern.

Was macht Mütter und Väter unterschiedlich?

Warum scheint Kontrolle von Müttern schwerer zu wiegen? Eine Erklärung liefert der Familienalltag selbst: In vielen Familien verbringen Mütter nach wie vor mehr Zeit mit ihren Kindern, übernehmen Organisation, Betreuung und emotionale Fürsorge. Wird diese Nähe von Kontrolle begleitet, also von Überbehütung oder starkem Einmischen, wirkt das schnell einengend. Jugendliche spüren dann weniger Freiheit, sich auszuprobieren – und trauen sich auch im sozialen Miteinander weniger zu.

Bei Vätern fällt derselbe Effekt schwächer aus. Vermutlich, weil Jugendliche von ihnen eher erwarten, dass sie Grenzen setzen oder Regeln betonen. Kontrolle von Vätern wird also anders gedeutet – sie verletzt seltener das Bedürfnis nach Autonomie. Außerdem zeigt die Analyse, dass der Einfluss väterlicher Kontrolle über die letzten Jahrzehnte abnimmt, möglicherweise, weil sich Väterrollen verändert haben: weg vom strengen Kontrolleur hin zum aktiven Begleiter.

Nähe, die stark macht

Die Studie bestätigt, wie wichtig emotionale Wärme für die psychische Entwicklung Jugendlicher ist. Jugendliche, die spüren, dass sie gemocht werden, auch wenn sie Fehler machen, entwickeln ein stabileres Selbstbild und weniger Angst vor sozialer Bewertung. Das gilt in ähnlicher Weise in allen untersuchten Kulturen – in ostasiatischen Ländern sogar noch etwas stärker.

Wärme bedeutet dabei nicht grenzenlose Nachgiebigkeit, sondern eine zugewandte Haltung: Interesse zeigen, zuhören, Zuneigung ausdrücken, gemeinsame Zeit verbringen. Diese elterliche Unterstützung schafft einen sicheren Rahmen, in dem Jugendliche soziale Erfahrungen machen und ihr Selbstvertrauen wachsen lassen können.

Forschung mit Weitblick

Durchgeführt wurde die Untersuchung von einem internationalen Team um Cullin Howard, Doktorand am College of Family and Consumer Sciences der University of Georgia. Gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen aus verschiedenen Ländern wertete er die Daten von über 38.000 Jugendlichen im Alter zwischen zehn und neunzehn Jahren aus. Die Studie wurde im Juli 2025 veröffentlicht und gehört zu den bislang umfassendsten Arbeiten zu den unterschiedlichen Rollen von Müttern und Vätern bei der Entstehung sozialer Ängste.

Die Forschenden nutzten ein modernes statistisches Verfahren, das es erlaubt, die Einflüsse beider Eltern gleichzeitig zu betrachten. Frühere Analysen hatten Mutter und Vater meist getrennt untersucht – und dadurch übersehen, wie stark sich ihre Erziehungsweisen überschneiden. Erst das neue Verfahren machte sichtbar, welche Anteile wirklich eigenständig wirken.

Ein klarer Blick auf Familienklima und seelische Gesundheit

Die Ergebnisse zeigen, dass nicht die eine „richtige“ Erziehung zählt, sondern das Zusammenspiel von Nähe und Freiheit. Jugendliche brauchen Eltern, die ihnen Vertrauen schenken, statt sie zu lenken – und die dennoch da sind, wenn Unsicherheit aufkommt.

Die internationale Studie aus Georgia verdeutlicht dabei, was viele Pädagoginnen und Psychologen schon lange vermuten: Wärme ist universell wohltuend, Kontrolle dagegen bleibt ein Risiko – vor allem, wenn sie aus Fürsorge geboren wird, aber Freiheit verhindert.

Mehr zum Beitrag: https://link.springer.com/article/10.1007/s40894-025-00268-0




Neugier macht Kinder stark und verbindet Familien

Warum der natürliche Entdeckergeist so wichtig ist und wie Eltern und pädagogische Fachkräfte ihn schützen können

Kinder sind von Natur aus neugierig. Sie stellen Fragen, entdecken ständig Neues, experimentieren, beobachten – und lassen nicht locker, bis sie eine Antwort haben. Diese unermüdliche Suche nach Sinn, Zusammenhang und Neuem ist keine bloße Phase, sondern ein grundlegender Motor für Entwicklung, Lernen und Beziehung.

„Neugier ist eine psychologische Superkraft“, sagt der Psychologe Jonathan Schooler von der University of California, Santa Barbara. Studien zeigen: Wer sich neugierig mit der Welt verbindet, lebt zufriedener, kreativer – oft gesünder und länger.

Neugier kann man nicht lehren – aber man kann sie verlieren

Während Kinder mit einem natürlichen Entdeckergeist auf die Welt kommen, wird dieser oft ungewollt eingeschränkt. Überstrukturierte Tagesabläufe, frühzeitige Leistungsanforderungen oder ständige Ablenkung durch digitale Medien können die kindliche Neugier Stück für Stück zurückdrängen. Wer immer nur gesagt bekommt, was richtig ist, lernt irgendwann, nicht mehr selbst zu fragen.

Deshalb ist es für Eltern, Großeltern und pädagogische Fachkräfte so wichtig, Räume offen zu halten, in denen Kinder fragen, ausprobieren, beobachten und staunen dürfen. Denn Neugier braucht vor allem eines: Freiheit.

Wenn Eltern selbst neugierig bleiben

Doch auch Erwachsene profitieren, wenn sie sich gemeinsam mit Kindern auf Entdeckungsreise begeben. Eine fragende Haltung – Warum ist das so?, Was könnte dahinterstecken? – wirkt nicht nur ansteckend, sondern stärkt auch das Miteinander in der Familie.

Psychologin Madeleine Gross, ebenfalls von der UC Santa Barbara, betont: „Neugier bedeutet nicht, ständig neue Reize zu suchen, sondern das Alltägliche wieder mit offenen Augen zu sehen.“ Genau das können Kinder den Erwachsenen zeigen – wenn diese bereit sind, mit ihnen gemeinsam hinzuschauen.

Kleine Anregungen für mehr Neugier im Familienalltag

– Lasst Kinder selbst entdecken, statt sofort alles zu erklären
– Stellt Fragen, auch wenn ihr die Antwort kennt – und hört gemeinsam nach
– Probiert zusammen etwas Neues aus: ein fremdes Gericht, eine unbekannte Pflanze, ein anderer Weg zum Spielplatz
– Schafft Momente ohne Ablenkung – kein Bildschirm, kein Plan, nur Neugier

Neugier ist keine Fähigkeit, die man lehren muss – aber eine Haltung, die man bewahren sollte. Wer sie schützt, fördert nicht nur das Lernen der Kinder, sondern bereichert das Familienleben insgesamt.

Quelle: pressetext.com und University of California, Santa Barbara – Department of Psychological & Brain Sciences




Wie Religion in der Familie weiterlebt – oder endet

Ob Glaube weitergegeben wird, hängt entscheidend von den Eltern ab – mit besonderer Rolle der Mütter. Im Osten Deutschlands ist Nicht-Religiosität zur Norm geworden

Ob Kinder religiös werden oder nicht, entscheidet sich laut einer neuen internationalen Studie der Universität Münster vor allem in der Familie. Besonders dann, wenn beide Elternteile derselben Konfession angehören, religiöse Rituale gemeinsam gepflegt werden und ein klares religiöses Selbstverständnis besteht, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass Glaube an die nächste Generation weitergegeben wird. Von zentraler Bedeutung ist dabei die Rolle der Mütter, wie die Religionssoziologinnen Christel Gärtner und Linda Hennig sowie ihr Kollege Olaf Müller vom Exzellenzcluster „Religion und Politik“ betonen.

Aber auch religiöse Institutionen bleiben ein wichtiger Faktor. Der persönliche Austausch mit religiösen Autoritäten trägt wesentlich zur Festigung der Glaubenspraxis bei. Dennoch: In einem zunehmend säkularen Umfeld werden religiöse Erziehung und Weitergabe seltener. Eltern selbst sind heute oft kaum noch religiös – und vermitteln entsprechend auch keine religiösen Inhalte mehr an ihre Kinder.

Ostdeutschland als Vorreiter säkularer Sozialisation

Die Studie vergleicht Familien in Deutschland, Finnland, Italien, Ungarn und Kanada – alles Länder mit christlich geprägter Geschichte, aber unterschiedlichen Säkularisierungsverläufen. Besonders deutlich wird der Wandel in Ostdeutschland. Dort setzte der Bruch in der religiösen Weitergabe bereits früh ein: In der Generation der bis 1948 Geborenen war er bereits sichtbar. Bei den nach 1985 Geborenen stammt heute fast jede*r Zweite aus einer konfessionslosen Familie.

In Westdeutschland hingegen ist die Weitergabe von Religion nach wie vor verbreiteter: Rund 70 Prozent der jüngeren Befragten stammen aus Haushalten mit zumindest einem konfessionell gebundenen Elternteil. Der Unterschied lässt sich unter anderem mit der antireligiösen Politik der DDR erklären, so Olaf Müller: „Wenn die Weitergabe von Nicht-Religiosität zum gesellschaftlichen Normalfall wird, fällt es Eltern schwer, ihren Kindern eine religiöse Lebensweise zu vermitteln.“

Die Adoleszenz als kritischer Wendepunkt

Ob ein Mensch religiös bleibt oder wird, entscheidet sich laut den Forschenden meist in der Jugendphase. In dieser Zeit hinterfragen junge Menschen die religiösen Praktiken ihrer Herkunftsfamilie, entwickeln eigene Haltungen – und treffen zunehmend autonome Entscheidungen.

Zugleich zeigen sich seit den 1980er Jahren neue Erziehungsideale: Eltern fördern verstärkt die Selbstbestimmung ihrer Kinder – auch im religiösen Bereich. Ob ein Kind getauft wird oder sich konfirmieren lässt, ist häufig eine Entscheidung, die der Nachwuchs selbst treffen soll.

Besonders nachhaltig wirkt religiöse Sozialisation, wenn mehrere Generationen zusammenwirken – etwa wenn Großeltern ebenfalls zur religiösen Erziehung beitragen. Allerdings, so die Studienautor*innen, können Großeltern einen fehlenden religiösen Einfluss der Eltern nicht ersetzen.

Werte bleiben – auch ohne Religion

Während sich in der religiösen Praxis zwischen den Generationen oft Brüche zeigen, bleiben zentrale Werte erstaunlich konstant. Solidarität, Toleranz und Nächstenliebe – ursprünglich religiös vermittelt – werden von vielen jungen Menschen zwar übernommen, jedoch ohne religiöse Begründung. Sie gelten heute zunehmend als allgemein gesellschaftliche Werte.

Interessant ist dabei auch die Feststellung: Nicht nur Religion kann dominant weitergegeben werden – auch eine gefestigte Haltung der Nicht-Religiosität prägt die nächste Generation nachhaltig. In Familien, in denen etwa der Vater betont säkular lebt, kann dieser Einfluss ebenso stark wirken wie eine überzeugte religiöse Praxis.

Die Studie wurde von 21 Forscher*innen aus fünf Ländern durchgeführt und durch die John Templeton Foundation gefördert. Die Ergebnisse sind im Buch „Families and Religion. Dynamics of Transmission across Generations“ im Campus Verlag erschienen. Das Projekt war am Centrum für Religion und Moderne (CRM) sowie am Exzellenzcluster „Religion und Politik“ der Universität Münster angesiedelt.