Didacta in Köln: Prof. Ferdinand Klein empfiehlt Vortrag von Armin Krenz

„Kinder haben ein RECHT auf ihre Kindheit“ – Plädoyer für kindorientierte Pädagogik

Hinweis von Prof. Dr. Ferdinand Klein zum Vortrag von Prof. Dr. Armin Krenz auf Europas größter Bildungsmesse, der didacta in Köln:

Titel des Vortrags:
„Kinder haben ein RECHT auf ihre Kindheit – Ein Plädoyer für eine kind(heits)orientierte Elementarpädagogik“
Termin: 10.03.2026, 14:00–15:00 Uhr
Ort: didacta Köln, Halle 8, Stand D 046

Der international bekannte und renommierte Kindheitsforscher Armin Krenz (Hon. Prof. für Entwicklungspsychologie & Elementarpädagogik a. D.) setzt sich seit über 45 Jahren in Vorträgen und Büchern immer wieder dafür ein, dass Kinder auch in Kindertageseinrichtungen förderliche Entwicklungsbedingungen vorfinden, die dazu beitragen, dass sie in Selbstbildungsprozesse hineinfinden können, partizipatorisch bei der Planung, Gestaltung und Durchführung einer lebendigen Alltagspädagogik beteiligt werden, sich mit Fachkräften verbunden fühlen und ihnen Fachkräfte mit wertschätzenden Beziehungsangeboten begegnen. Eine alltagsorientierte Pädagogik, die gemeinsam mit Kindern gelebt wird, macht didaktisch konzipierte Förderprogramme vielfach überflüssig.

Kinder sind keine Marionetten, die sich nach den Erwartungen und Vorstellungen der Erwachsenen oder von Wirtschaftsverbänden zu richten haben, sondern Menschen, die Entwicklungsrechte in Anspruch nehmen können, so wie diese in der UN-Charta „Rechte des Kindes“ festgeschrieben, durch den Deutschen Bundestag ratifiziert wurden und seit dem 05.04.1992 in Kraft getreten sind.

Krenz wies bereits in der Onlineveranstaltung am 18. September 2025Kitas brauchen eine radikale pädagogische Kehrtwende zum KIND“ auf die dringend gebotene Bildungswende von unten hin (Mitschnitt auf YouTube: https://youtu.be/mMSZkMTDIzI). Diese Wende zum KIND begründet Krenz in fünf aktuellen Werken.


Prof. Dr. Ferdinand Klein

Erziehung aus der Begegnung heraus gestalten

Mit Janusz Korczak über inklusionspädagogische Grundfragen nachdenken

Format: 21,0 x 14,8 cm
ISBN: 9783963046186
22,00 € (inkl. MwSt.)


Einführender Impuls

Das Cover verweist auf den polnischen Kinderarzt, Pädagogen und Schriftsteller Janusz Korczak. Auf dem Fundament seiner „fröhlichen Pädagogik der Achtung“ (Näheres in Klein 1996) gründet der fachliche Dialog, den Armin Krenz und der Autor seit bald 30 Jahren pflegen. Krenz begleitet mit wertschätzender Haltung und fachlicher Kompetenz mein (heil)päd­agogisches Bemühen in Wissenschaft und Praxis, das in Korczaks Pädagogik verankert ist.

Korczak zeigt zeitüberdauernd, „Wie man ein Kind lieben soll“ (Andresen 2018). Er wollte seine Waisenkinder nicht allein lassen und begleitete sie bis ins Konzentrationslager Treblinka (Näheres in Klein 2022). Seine beziehungsgestaltende Pädagogik ist besonders für die Erziehung in Kindertageseinrichtungen aktuell. Darauf macht Armin Krenz mit Herzenskraft unermüdlich aufmerksam.

Vorbemerkung

Die Veranstaltung hätte auch folgende Überschriften tragen können:

  • Mehr KIND! Mehr Persönlichkeit und weniger Formalismus/Dirigismus: BILDUNGSWENDE jetzt!
  • Kinder müssen wieder Ausgangs- und Mittelpunkt der Pädagogik sein: BILDUNGSWENDE jetzt!
  • Kinder brauchen Menschen, Spiel und Seelenproviant und keine didaktisierten Förderprogramme: BILDUNGSWENDE jetzt!

Während die von allen Seiten geforderten und zugleich notwendigen Qualitätsstandards und Verbesserungen für professionelles Handeln im Erzieher*innenberuf sowie eine konsequentere kindorientierte Konzeptionsumsetzung immer lauter werden, geraten die wirklich grundlegenden, lebensbedeutsamen, nachhaltig wirksamen und dringend notwendigen Bedürfnisse von Kindern zunehmend ins Abseits der geforderten Umsetzung des Erziehungs-, Bildungs- und Betreuungsauftrags nach dem Sozialgesetzbuch (SGB, 8. Bd., 2. Hlb).

Der Kindheitspädagoge wendet sich im Vortrag – ebenso wie in seinen aktuellen Büchern – an pädagogische Fachkräfte, Eltern und politische Entscheidungsträger sowie an alle, die sich für eine kindgerechte Bildungspolitik und Elementarpädagogik engagieren möchten. Gerade Vorträge vor vielen hundert Teilnehmenden (darunter auch aus der Politik) mit anschließender Diskussion finden ein überaus großes Echo – in Deutschland ebenso wie in europäischen Nachbarländern.

Krenz antwortet aus reflektierten und langjährigen Erfahrungen, aus eigenen wissenschaftlichen Erkenntnissen und weiteren Forschungsergebnissen heraus auf aktuelle Missstände in der frühkindlichen Bildung, Erziehung und Betreuung, die sich in immer schnellerem Tempo fortsetzen:

  • Im Gegensatz zu vielen politischen Mandatsträgern, die sich häufig mit wohlfeilen Worten und ohne kenntnisgeleiteten Praxisbezug äußern, hat sich die Realität in Kindertageseinrichtungen in den vergangenen Jahren weiter dramatisch verschärft – nicht nur für pädagogische Fachkräfte, sondern vor allem (neben den Eltern) für die Kinder selbst – mit nachhaltig dramatischen Folgen für deren psychosoziale und kognitive Entwicklung.
  • Viele Fachkräfte fühlen sich im Spannungsfeld zwischen fachlichem Anspruch (abgeleitet aus wissenschaftlichen Erkenntnissen) und strukturellen, institutionellen sowie personellen Mangelsituationen zunehmend zerrieben. Krankenmeldungen haben deutlich zugenommen, arbeitsbezogene und zugleich innere Kündigungen häufen sich, Burnout-Symptome treten häufiger auf. Teams sind überlastet; vieles zerfällt in Einzelkämpfertum, ungelöste Teamkonflikte nehmen zu – und übertragen sich auf Kinder, die dies in Verhaltensirritationen ausdrücken.
  • Viele Eltern sind – aus unterschiedlichen Gründen – zunehmend schwer erreichbar. Ausbildungsstandards in Fachschulen wurden mancherorts abgesenkt, um dem Erzieherinnenmangel entgegenzuwirken; zugleich wird ein Professionalitätsniveau erreicht, das dem Anspruch des Berufes widerspricht. Außerdem bringen manche Quereinsteigerinnen – oftmals nur mit Minimalfortbildung – zusätzliche Unruhe in das Kollegium und in die Lebenswelt der Kinder, wodurch Entwicklungsprozesse gestört werden.
  • So finden wir immer häufiger eine Pädagogik vor, die Kindern in ihrer sensiblen Entwicklungsphase weder Stabilität noch verlässliche Begleitung bieten kann – mit allen bekannten, nachhaltigen Folgen für kindliches Verhalten und damit auch für die gesellschaftliche Zukunft.

1. Erkenntnis für eine persönlichkeitsprägende Kita-Praxis

  • Die Veranstaltung und die fünf rezensierten Werke rufen dazu auf, gemeinsam für eine seit über zwei Jahrzehnten dringend erforderliche Bildungswende von unten zu sorgen. Pädagogik muss endlich kindgerecht, zuverlässig, beziehungsstark und entwicklungsförderlich gestaltet werden (können). Kinder sind keine Datenpunkte, keine zu verwaltenden Objekte und kein „Humankapital“.
  • Kinder wollen schöpferisch tätig, aktiv und partizipatorisch beteiligt sein – nicht permanent in die Rolle von Reakteur*innen gedrängt werden.
  • Es geht um eine Pädagogik mit Kindern, um eine „Bildung durch Bindung“ (Krenz/Klein 2013), um intrinsisch motivierte Kinder, die aus ihrem Erleben heraus fühlen wollen, wer sie sind, welchen Stellenwert sie in ihrem Umfeld haben und was sie entdecken, unternehmen und bewirken können.
  • Kinder brauchen dazu emotional stabile, sozial denkende und handelnde, kommunikationsfreundliche und handlungsaktive Persönlichkeiten, die sich u. a. durch Selbstbewusstsein, Leistungsfreude, Mut, Selbstfürsorge, Geduld, Verlässlichkeit, Zutrauen, Humor, Optimismus, Lernmotivation, Anstrengungsbereitschaft, Selbstreflexion und Perspektivorientierung auszeichnen.
  • Diese Persönlichkeiten schaffen ein wertschätzendes, emotional warmes Beziehungsklima, eine fehlerfreundliche, Sicherheit vermittelnde Atmosphäre, geben Klärungsimpulse bei Konflikten und realisieren partizipative, werteorientierte und inklusive Pädagogik – mit einer gepflegten Kommunikations-, Interaktions-, Spiel-, Sprach- und Naturerlebniskultur.

Geboten ist eine differenzierte Betrachtung der Bildungswende. Darauf weisen die Impulse zum „Situationsorientierten Ansatz“ und die Rezensionen der fünf einander ergänzenden Bücher hin: authentische Kenntnis der Praxis, Erleben vor Ort, Dabeisein in Kindertageseinrichtungen sowie im Außenbereich der Einrichtungen – und ein face-to-face-Resonanzempfinden.

2. Der „Situationsorientierte Ansatz“ – eine zukunftsweisende Perspektive

Entwicklung und Ziel

Der „Situationsorientierte Ansatz“ wurde in den Jahren 1984 bis 1989 von Armin Krenz im Rahmen seiner Tätigkeit am „Institut für angewandte Psychologie und Pädagogik in Kiel“ auf der Grundlage des „Situationsansatzes“ erarbeitet und hat sich in den letzten 35 Jahren als viel beachtetes elementarpädagogisches Konzept in Deutschland und im europäischen Ausland etabliert.

Der Ansatz berücksichtigt die soziokulturellen und psychologisch bedeutsamen Lebensbedingungen von Kindern und Eltern und basiert auf einem ganzheitlichen Menschenbild, das die Entwicklung aller Personen, die am Entwicklungsprozess beteiligt sind, in den Mittelpunkt rückt. Ausgangsfrage ist, welche entwicklungsförderlichen Bedingungen Kinder und Familien heute brauchen, um Ressourcen zu entdecken sowie auf- und auszubauen.

Er orientiert sich an aktuellen Erkenntnissen der Entwicklungspsychologie, Bildungsforschung, Neurobiologie und Bindungsforschung. Ziel ist es, jedes Kind zu unterstützen, Selbst-, Sach- und Sozialkompetenzen auf- und auszubauen und möglichst viele Ressourcen zu wecken, damit Entwicklung in allen Feldern möglich wird.

Grundannahmen und Eckwerte

  • Kinder haben ein Recht darauf, sich als „Gast auf dieser Welt“ zu empfinden. Dazu braucht es Fachkräfte, die Modell für Humanität, Werteorientierung, Engagement, Neugier und Selbstbildungsinteresse sind.
  • Fachkräfte sind Bündnispartner der Kinder und beachten ihre Ressourcen – entsprechend dem gesetzlichen Auftrag sowie den in der UN-Kinderrechtskonvention verankerten Entwicklungsrechten.
  • Elementarpädagogik muss sich wieder an bedeutsamen Wertebereichen orientieren: Sprach-, Ess-, Spiel- und Konfliktkultur sowie alltagsorientierte Lern- und Umgangskultur.
  • Der Mensch kann Zukunft aktiv gestalten, wenn belastende Erfahrungen bearbeitet werden können: Klärung/Bereinigung aktualisierter Ereignisse sorgt für Entlastung und macht Ressourcen verfügbar.
  • Keine isolierten, funktionsorientierten Programme, sondern lebensbedeutsame Themen und kindorientierte Schwerpunkte, die sich an Interessen der Kinder orientieren.
  • Das Spiel bildet den Mittelpunkt, eng vernetzt mit Lern- und Schulfähigkeit; eine vorgezogene Schuldidaktik findet keinen Platz.

Kita als Spiel- und Erfahrungsraum

Im Sinne Friedrich Fröbels wird die Kita als bedeutsamer Spiel- und Erfahrungsraum verstanden, in dem Kinder mit Freude und Neugier in Sinnzusammenhängen tätig sein, Erfahrungen machen und mit anderen Kindern sowie bindungsorientierten Erwachsenen leben, spielen und lernen können. Der Ansatz lehnt altersgleiche Gruppen und fest programmierte Tagesabläufe ab und widerspricht Ausgrenzung. Er ermöglicht grundlegende soziale Erfahrungen, die sich auf emotionale und kognitive Entwicklung nachhaltig positiv auswirken (Klein 2019).

Er baut auf Einsichten klassischer Pädagog*innen (Fröbel, Montessori, Steiner, Korczak) auf und bindet aktuelle Erkenntnisse der Entwicklungs- und Sozialpsychologie sowie zur Personqualität und zum Qualitätsmanagement ein (Klein 2019).

Literaturhinweise und Links

  • Andresen, S. (2018): Wie liebt man Kinder – eine kindheitstheoretische Einordnung Janusz Korczaks. In: Korczak, J.: Wie man ein Kind lieben soll. 17. überarbeitete Auflage. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht, VII–XXVII.
  • Klein, F. (1996): Janusz Korczak. Sein Leben für Kinder – sein Beitrag für die Heilpädagogik. Heilbronn: Klinkhardt.
  • Klein, F. (2019): Inklusive Erziehungs- und Bildungsarbeit in der Kita. Heilpädagogische Grundlagen und Praxishilfen. Köln: Bildungsverlag EINS.
  • Klein, F. (2022): Janusz Korczak. Die Aktualität seiner Pädagogik. Regensburg: Walhalla.
  • Klein, F. (2025): Erziehung aus der Begegnung heraus gestalten. Mit Janusz Korczak über inklusionspädagogische Grundfragen nachdenken. Freiburg: BurckhardtHaus.
  • Krenz, A. (2019): Kinder brauchen Seelenproviant. Was wir ihnen für ein glückliches Leben mitgeben können. München: Kösel.
  • Krenz, A. (2025a): Berufsbild Erzieherin. Grundsatzgedanken zum Selbstverständnis eines sehr anspruchsvollen Berufs.* Freiburg: BurckhardtHaus.
  • Krenz, A. (2025b): SPIEL UND SELBSTBILDUNG. Kitas brauchen eine pädagogische Revolution. Freiburg: BurckhardtHaus.
  • Krenz, A. (2025c): Beobachtung und Entwicklungsdokumentation. Grundlagen – Praxisbeispiele – Beobachtungsliste – Dokumentationsmuster. Freiburg: BurckhardtHaus.
  • Krenz, A. (2025d): Merkmale einer guten Kita-Pädagogik – Das Praxisbuch für Qualität in der frühen Bildung. Was in Kitas oftmals vergessen, zurückgestellt oder außer Acht gelassen wird. Freiburg: BurckhardtHaus.
  • Krenz, A. (2025e): Ganzheitliche Pädagogik verstehen und leben. Wie Kinder durch Beziehung, Sinneserfahrung und Selbstbildung nachhaltig wachsen – ein Leitfaden für pädagogische Fachkräfte, Lehrkräfte und Eltern. Freiburg: BurckhardtHaus.
  • Krenz, A./Klein, F. (2013): Bildung durch Bindung. Frühpädagogik: inklusiv und kindorientiert. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht.
  • www.beobachten-und-dokumentieren.de
  • https://www.bertelsmann-stiftung.de

Prof. Dr. Ferdinand Klein




Neues Pixi-Buch stärkt Kinderrecht auf Inklusion mit Begleitmaterial

„Alle machen mit!“ zeigt Kita-Kindern spielerisch, dass Teilhabe und Vielfalt selbstverständlich sind – ergänzt durch Kurzfilm und Methodenheft

Mit dem neuen Pixi-Buch „Alle machen mit!“ erweitert das Deutsche Kinderhilfswerk seine Kinderrechte-Reihe um ein weiteres wichtiges Thema: das Recht auf Inklusion und gleichberechtigte Teilhabe. Das Buch richtet sich an Kinder im Kita-Alter sowie an ihre Bezugspersonen und vermittelt auf kindgerechte Weise, dass alle Kinder dazugehören – unabhängig von Fähigkeiten, Herkunft oder Lebenssituation.

„Alle machen mit!“ ist bereits das achte Pixi-Buch dieser Reihe, das zentrale Kinderrechte aus der UN-Kinderrechtskonvention behandelt. Der Carlsen Verlag hat die Materialien im Auftrag des DKHW hergestellt. Insgesamt wurden von den bisherigen Ausgaben bereits über 500.000 Exemplare verbreitet. Ziel der Reihe ist es, Kinder frühzeitig mit ihren Rechten vertraut zu machen und diese im Alltag erlebbar zu machen.

Alltagsthema Inklusion im Mittelpunkt

Im neuen Band steht das Mädchen Maja im Mittelpunkt. Die Geschichte spielt im Kita-Alltag: Gemeinsam mit anderen Kindern – mit und ohne Behinderung – entdeckt sie Barrieren im Kita-Garten. Zusammen mit pädagogischen Fachkräften setzen sich die Kinder aktiv dafür ein, den Garten so umzugestalten, dass alle ihn gleichermaßen nutzen können.

Damit zeigt das Buch Inklusion nicht als abstraktes Konzept, sondern als gelebte Praxis: Kinder erleben, dass sie ihre Umgebung mitgestalten können und dass Teilhabe ein gemeinsames Recht ist. Die Kita wird als Ort sichtbar, an dem Demokratie, Selbstwirksamkeit und Vielfalt selbstverständlich sind.

Vielfalt als Normalität

Ein besonderes Merkmal der gesamten Pixi-Kinderrechte-Reihe ist der selbstverständliche Umgang mit Vielfalt. Die Figuren, Illustrationen und Sprache sind bewusst so gestaltet, dass unterschiedliche Familienformen, Lebenswelten und Ausgangssituationen als normal wahrgenommen werden. Inklusion zieht sich dabei wie ein roter Faden durch die Geschichten – ohne belehrend zu wirken.

Begleitmaterial und Kurzfilm erstmals verfügbar

Zum neuen Pixi-Buch gibt es erstmals zusätzlich einen begleitenden Kurzfilm, der die Geschichte auch audiovisuell vermittelt und Kinder auf einem weiteren Weg an ihre Rechte heranführt.

Außerdem erscheint ein Begleitheft für pädagogische Fachkräfte, das dabei unterstützt, Kinderrechte in der Kita praktisch zu thematisieren. Es enthält zwei Methoden für den Alltag:

  • Eine Übung, bei der Kinder ihre individuellen Stärken entdecken und erleben, wie wichtig jedes Mitglied für die Gemeinschaft ist.
  • Ein Projekt, bei dem Kinder gemeinsam den Kita-Hof erkunden und ihn aktiv zu einem „Kinderrechte-Ort“ weiterentwickeln.

Damit bietet das Material konkrete Anregungen, wie Inklusion und Vielfalt nicht nur erzählt, sondern auch umgesetzt werden können.

Kostenfrei erhältlich

Das Pixi-Buch ist nicht im Handel erhältlich, sondern kann kostenfrei beim Deutschen Kinderhilfswerk bestellt werden. Pädagogische Fachkräfte aus Kita und Hort können Gruppensätze (15 oder 30 Exemplare) sowie das didaktische Begleitmaterial über den Shop des Kinderhilfswerks beziehen. www.dkhw.de/shop. Der PIXI-Kurzfilm ist hier abrufbar: www.dkhw.de/pixi-film-alle-machen-mit.




Swissdidac Bern: Kleine Messe – große Impulse für die Bildungswelt

Warum sich der Blick nach Bern für Pädagoginnen und Pädagogen lohnt

Die Swissdidac ist die zentrale Bildungsmesse der Schweiz. Weil „spielen und lernen“ auch dort erscheint, haben wir uns auf den Weg nach Bern gemacht – mit kleinem Stand, aber großer Neugier.

Auf den ersten Blick wirkt die Messe kompakt: Rund 150 Ausstellende teilen sich eine Etage der BERNEXPO. Neben bekannten Schulbuchverlagen und großen Ausstattern findet sich ein breites Spektrum kleiner und mittlerer Bildungsunternehmen.

Recht schnell haben wir uns etwas deplatziert gefühlt. Dreht sich doch bei „spielen und lernen“ einiges um Grundschule und vieles um Frühpädagogik. Letztere ist hier unterrepräsentiert. Dennoch: Bei ProSpiel finden wir schönes haptisches Material für Krippe und Kindergarten. Und Petra Jenni Furrer präsentiert am Stand mit mormels and peppers ihr witziges Mathe-Lern-Konzept für die Grundschule. Bei näherem Hinsehen finden sich auch an vielen anderen Stellen neben dem breiten Schulangebot Materialien und Ideen für den Kindergarten.

Zeitgemäße Themen: Social Media, Handyverbote, KI

Die großen Debatten der Zeit bestimmen die Agenda: Social-Media-Kompetenz, Handyverbote und der Einsatz von Künstlicher Intelligenz im Unterricht stehen im Mittelpunkt vieler Programmpunkte.

Spannender jedoch sind die kreativen Angebote kleinerer Aussteller. Hier geht es oftmals um selbsttätiges Lernen, offene Lernformen und individualisierte Lernwege.

So zeigt miralearn – vertreten durch Tobias Meyer und Michael Uhmeier – visualisierte Lernwege für Kinder. Ähnliche Ansätze verfolgt die Denkreise GmbH aus Davos. Und Fripouille möchte mit seinen Workshops Kinder wie Erwachsene spielerisch für Nachhaltigkeit sensibilisieren. Während Leopold Flechsenberger mit „Brian“ seinen KI-Tutor für die adaptive Lehre präsentiert.

Lebendige Gespräche statt glatter Präsentationen

Im Gegensatz zur oftmals sehr satten, coolen und routinierten Präsentation der Bildungsindustrie herrscht hier Bewegung, Offenheit und die Bereitschaft zur Auseinandersetzung. Schnell finden sich Gespräche und Diskussion in großer Offenheit und Begeisterung. Dabei wird auch schnell deutlich, dass die Kolleginnen und Kollegen in der Schweiz vor ähnlichen Herausforderungen wie in Deutschland stehen. Allerdings erscheinen die kleineren Unternehmen hier oftmals kreativer, wenn es um innovative Lösungen für den Bildungsalltag geht.

Wer kommt zur Swissdidac?

Die Swissdidac Bern sieht sich als wachsende Leitmesse für Fachpersonen, Entscheidungsträgerinnen und Beschaffungsverantwortliche im Bildungsbereich. In der Praxis begegnen wir vor allem Lehrkräften aller Schularten. Dazu mischen sich pädagogische Fachkräfte, Wissenschaftler*innen – und sogar Bibliothekarinnen.

Der erste Messetag (19. November) verlief überraschend ruhig. Am zweiten Tag hingegen strömten Besuchermassen durch die Gänge. Vermutlich ist dies dem Berner Bildungstag zu verdanken, der parallel in der neuen Festhalle der BERNEXPO stattfand und laut Veranstaltern rund 8.000 Lehrpersonen anzog. Der letzte Messetag zeigte wieder ein entspanntes Bild.

Fazit: Eine inspirierende Messe mit Entwicklungsbedarf

Wir haben die Swissdidac Bern als kleine, aber sehr lebendige, freundliche und innovative Messe kennengelernt.

Ein großes Manko bleibt jedoch: Die deutliche Fokussierung auf den schulischen Bereich. In einer Zeit, in der durchgehende Bildungsverläufe immer mehr an Bedeutung gewinnen und die Zusammenarbeit zwischen Kita und Schule stetig wächst, wäre eine stärkere Einbindung frühpädagogischer Themen dringend nötig.

Dennoch nehmen wir viele wertvolle Impulse mit – und können allen Bildungsinteressierten, die sich die Schweizer Preise leisten können, einen Besuch sehr empfehlen.

Die nächste Swissdidac findet vom 24. bis 26. November 2027 in Bern statt.

Gernot Körner




Kinder beteiligen, fördern, schützen – Live-Webinare und Online-Workshops

Die Deutsche Liga für das Kind bietet mehrere interdisziplinäre Online-Seminare zu aktuellen Themen der frühen Bildung, Förderung und des Kinderschutzes an

Die Deutsche Liga für das Kind bietet ab November 2025 wieder mehrere interdisziplinäre Live-Webinare und Online-Workshops zu aktuellen Themen der frühen Bildung, Förderung und des Kinderschutzes an. Die Veranstaltungen richten sich an pädagogische Fachkräfte aus Kita, Krippe, Kindertagespflege und Jugendämtern, an Fachberatungen, Lehrende sowie an alle, die sich für das Wohl junger Kinder engagieren.

Live-Webinar-Serie „Kinder beteiligen – fördern – schützen“

In der Reihe beleuchten Expertinnen und Experten aus Medizin, Psychologie, Soziologie und Pädagogik zentrale Fragen einer kinderrechtsbasierten Praxis. Die Referent*innen gehören dem interdisziplinären Vorstand der Deutschen Liga für das Kind an.

Termine (jeweils 16.30–18.30 Uhr):

05.11.2025 – Prof. Dr. Jeannette Roos: Konflikte in der Kita lösen

19.11.2025 – Dr. Areej Zindler: Kinder mit traumatischen Erfahrungen und Fluchterfahrungen – Basiswissen und Praxisimpulse

27.11.2025 – Prof. Dr. Jörg Maywald: Kinderrechtsbasierter Kinderschutz – Die Kita als sicherer Ort für Kinder

10.12.2025 – Dr. Thomas Fischbach: Gemeinsam stark für Kinder mit besonderem Förderbedarf – Kooperation von Fachkräften, Eltern und Therapeuten

Online-Workshop-Serie „kindgeRecht im Alltag von Kita, Krippe, Kindertagespflege“

Die Workshops zeigen praxisnah, wie ein partizipativer, kinderrechtsbasierter Alltag in der frühen Bildung gestaltet werden kann. Themen sind Feinfühligkeit, Selbstreflexion und der bewusste Umgang mit Macht in alltäglichen Schlüsselsituationen.

Termine (jeweils 16.30–18.30 Uhr):

12.11.2025 – Herausfordernde Situationen im Krippen- und Kitaalltag

03.12.2025 – Machtfragen im Alltag: Wer bestimmt wirklich in Schlüsselsituationen?

17.12.2025 – Mit Feinfühligkeit und Responsivität: Schlüsselsituationen kindgeRecht gestalten

Information und Anmeldung: https://fruehe-kindheit-online.de/?cat=c17_Workshops-Workshop.html

Quelle: Deutsche Liga für das Kind e.V.




Studie warnt: früh am Smartphone – später in der Krise

Trotz eindeutiger Forschungsergebnisse setzen viele Kitas in Deutschland weiterhin auf Tablets – und ignorieren damit gravierende Risiken für die psychische Gesundheit der Kinder und Jugendlichen

Es ist immer einfacher, dem eigenen Kind das Smartphone in die Hand zu drücken, während man sich der Präsentation für den nächsten Arbeitstag widmet. Doch nach und nach wird aus dem gelegentlichen Ablenken ein immer häufiger geäußerter Wunsch – und schließlich ein nicht selten dramatisch inszenierter Anspruch. Auf Social Media kursieren inzwischen unzählige Clips, in denen Kleinkinder wütend oder gar hysterisch reagieren, wenn ihnen Smartphones oder Tablets verwehrt werden.

Dass es sich hierbei nicht nur um kurzfristige Erziehungskrisen handelt, zeigt nun eine aktuelle, internationale Langzeitstudie, die im Journal of Human Development and Capabilities veröffentlicht wurde. Die Forschenden rund um Dr. Tara Thiagarajan, Chefwissenschaftlerin der gemeinnützigen Organisation Sapien Labs, haben Daten von über 130.000 jungen Erwachsenen im Alter von 18 bis 24 Jahren aus weltweit mehr als 60 Ländern ausgewertet – darunter allein 14.000 in Indien.

Der frühe Smartphone-Zugang hinterlässt Spuren

Das zentrale Ergebnis der Untersuchung: Wer bereits vor dem 13. Lebensjahr ein Smartphone besaß, zeigte als junger Erwachsener deutlich häufiger Symptome schwerer psychischer Belastungen. Betroffen waren nicht nur depressive Verstimmungen und Angstzustände, sondern auch Realitätsverlust, Halluzinationen, Aggressionen und Suizidgedanken. Bei Frauen, die bereits mit fünf oder sechs Jahren ein Smartphone nutzten, lag der Anteil derjenigen mit suizidalen Gedanken bei alarmierenden 48 Prozent – bei gleichaltrigen Männern immerhin bei 31 Prozent.

Die Studie stellt zudem klar: Dieser Trend ist kulturübergreifend und unabhängig vom Herkunftsland konsistent – was die These untermauert, dass der Einfluss digitaler Geräte auf das sich entwickelnde Gehirn tiefgreifend und global vergleichbar ist. Die vollständige Studie ist öffentlich zugänglich über Sapien Labs (PDF) sowie auf EurekAlert.

Trotz Warnungen: Digitale Medien in deutschen Kitas auf dem Vormarsch

Vor diesem Hintergrund erscheint es geradezu paradox, dass es in Deutschland weiterhin Krippen und Kindertageseinrichtungen gibt, die gezielt Tabletzeiten für Krippen- und Kindergartenkinder einführen, statt Eltern über die langfristigen Risiken digitaler Mediennutzung im frühen Kindesalter aufzuklären.

Wissenschaftliche Warnungen gibt es längst nicht nur von Sapien Labs. Auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und UNICEF weisen seit Jahren auf die negativen Folgen übermäßiger Bildschirmnutzung bei Kindern hin – insbesondere auf emotionale Belastungen, Schlafstörungen, Konzentrationsprobleme und soziale Rückzugsverhalten.

Doch anstatt klare Präventionsmaßnahmen zu treffen oder medienfreie Räume zu schaffen, wird vielerorts weiterhin die sogenannte digitale Teilhabe auch im U3-Bereich als pädagogischer Fortschritt verkauft. Eine kritische Debatte über die tatsächlichen Kosten dieser Frühdigitalisierung findet bislang kaum statt.

Besonders bemerkenswert ist, dass Deutschland – gemeinsam mit Norwegen – offenbar eine der wenigen Ausnahmen bildet: Während in Schweden, Finnland, Estland und Dänemark der Einsatz von bildschirmgestützten Lernmitteln in Krippen nicht zum Standard gehört und teilweise durch Empfehlungen oder gesetzliche Einschränkungen ausdrücklich vermieden wird, experimentieren deutsche Träger sogar in U3-Gruppen mit Touchscreens, Tablets und digitalen Bildungsangeboten. Damit steht Deutschland international nahezu allein da – und das, obwohl viele der genannten Länder als Vorreiter einer wissenschaftlich fundierten Frühpädagogik gelten.

Was jetzt gebraucht wird

Dr. Thiagarajan fordert angesichts der Studienergebnisse nichts weniger als einen strikten Ausschluss von Smartphones für Kinder unter 13 Jahren – sowie umfassende politische und bildungssystemische Reformen, um Kinder und Jugendliche in digitalen Umgebungen besser zu schützen. Sie betont: „Wir sehen in den Daten eine sehr klare Altersgrenze, unterhalb derer der Zugang zu Smartphones massiv mit psychischer Instabilität im späteren Leben korreliert.“

Die Frage, die sich nun stellt: Wie viele wissenschaftlich fundierte Warnsignale braucht es noch, bis auch im deutschen Bildungswesen gehandelt wird? Und wie lange wird die Verantwortung für psychische Belastungen bei Heranwachsenden noch allein den Eltern zugeschoben – während Bildungseinrichtungen selbst aktiv zur digitalen Frühprägung beitragen?

Weiterführende Quellen:

Gernot Körner

cover-krenz-medienkompetenz

Medienkompetenz beginnt bei den Erwachsenen

Kinder jeden Alters erleben die vielfältige digitale Mediennutzung überall in ihrem Lebensalltag. Da bleibt es nicht aus, dass sie sich ebenfalls der Faszination digitaler Medien nicht entziehen können. Gleichzeitig gehört es zu den >Lebenskompetenzen< eines Menschen, mit den unübersehbaren und besonders verlockenden Angeboten in einer stark konsumorientierten […]weiterlesen

Armin Krenz: Medienkompetenz beginnt mit der Sach- und Medienkompetenz bei den Erwachsenen und nicht zuvorderst „am“ Kind! Heft, 28 Seiten, 5 €.




Online: Bildungskrise in der Kita erfordert radikale Kehrtwende

Einladung zur Veranstaltung von Bildungswende jetzt mit Armin Krenz am 18. September 2025

Die Realität in vielen Kindertageseinrichtungen hat sich in den vergangenen Jahren dramatisch verschärft – nicht nur für pädagogische Fachkräfte, sondern vor allem für die Kinder selbst. Während der Ruf nach Qualitätsstandards, Evaluation und Konzeptentwicklung immer lauter wird, geraten die grundlegenden Bedürfnisse von Kindern zunehmend aus dem Blick. Was sie eigentlich brauchen – Beziehung, Sicherheit, Raum für Spiel, Selbstwirksamkeit und emotionale Entwicklung – wird im Alltag oft durch Bürokratie, Personalnot und institutionelle Routinen verdrängt.

Hinzu kommt: Viele Fachkräfte fühlen sich im Spannungsfeld zwischen fachlichem Anspruch und strukturellem Mangel zerrieben. Teams sind überlastet, Eltern schwer erreichbar, Ausbildungsstandards sinken. Qualifiziertes Personal denkt immer häufiger über einen Ausstieg nach. Gleichzeitig werden Quereinsteiger*innen eingestellt, oft ohne ausreichende pädagogische Qualifikation. Das Ergebnis: Eine Pädagogik, die Kindern in ihrer sensiblen Entwicklungsphase weder Stabilität noch verlässliche Begleitung bieten kann – mit allen bekannten Folgen für das kindliche Verhalten und die gesellschaftliche Zukunft.

Gegen diesen besorgniserregenden Trend setzt sich der renommierte Kindheitsforscher Prof. h.c. Dr. h.c. Armin Krenz mit Nachdruck zur Wehr. In einer aktuellen Onlineveranstaltung fordert er eine „radikale pädagogische Kehrtwende zurück zum Kind“ – weg von überakademisierten Konzepten, zurück zu einer beziehungsorientierten, kindzentrierten Praxis. Es brauche, so Krenz, endlich eine Bildungswende, die diesen Namen auch verdient: Keine Steuerung nach wirtschaftlichen Vorgaben, sondern eine konsequente Orientierung an den Entwicklungsbedürfnissen von Kindern.

Die Veranstaltung findet im Rahmen der bundesweiten Initiative „Bildungswende Jetzt“ in Kooperation mit dem Kitafachkräfteverband statt. Sie richtet sich an pädagogische Fachkräfte, Eltern, politische Entscheidungsträger*innen sowie alle, die sich für eine kindgerechte Bildungspolitik engagieren möchten.

Termin: Donnerstag, 18. September 2025, von 19.00 bis 20.30 Uhr. Die Teilnahme ist kostenfrei, eine Anmeldung ist erforderlich unter:
https://us06web.zoom.us/meeting/register/IzTyZ_w3TYWeIxoEUtEUcw

Die Veranstalter rufen dazu auf, gemeinsam laut zu werden – für eine Bildungswende von unten: kindgerecht, beziehungsstark und menschenwürdig. Denn eines steht fest: Kinder sind keine Datenpunkte. Sie sind Menschen.




Spielerisch stark: Wie Kinder durch Theaterpädagogik ihre Potenziale entfalten

Das Theaterprojekt „Die Piraten im Zauberland“ der Kita Wirbelwind zeigt, wie ganzheitliches Lernen gelingen kann

Viele Kinder lieben es, in unterschiedliche Rollen zu schlüpfen, womit sie ihre „Zauberkräfte“ zum Ausdruck bringen können. Zauberkräfte, um ihren Wunschrollen ganz nahe zu sein: als Polizist:in für Ordnung zu sorgen oder Bösewichte ins Gefängnis zu bringen, als Pirat neue Welten zu entdecken, als Schatzjäger:in vergrabene Kostbarkeiten zu finden, als Prinzessin oder Prinz in einem herrschaftlichen Schloss zu wohnen oder als König bzw. Königin ein Volk zu regieren und bewundert zu werden, als Dinosaurier das Leben in weit zurückliegenden Urzeiten zu erleben oder als Tierärztin bzw. Tierarzt kranke Tiere wieder zu heilen …

Kinder wollen sich ausdrücken, ihre vielfältigen Ausdrucksmöglichkeiten in Sprach- und Spielhandlungen erkunden und ausprobieren, ihre innewohnenden Potenziale entdecken, eigene Handlungsvorstellungen in Aktionen umsetzen, Fantasien ausleben und Weltentdecker:innen sein. Kinder sprühen vor Aktionsideen, wollen kreativ wirksam werden, erlebte Grenzen überschreiten und sich selbst als Akteur:innen der eigenen Entwicklung verstehen, um ihre ganz persönliche Identität zu erfassen und ihre besondere Individualität herauszustellen.

Kreatives Toben mit Sinn

Kinder lieben es zu toben, zu klettern, mit Sprache zu jonglieren, Herausforderungen zu entdecken und gleichzeitig Ziele zu erreichen, mit großer Neugier den Geheimnissen der Welt auf die Spur zu kommen und sich in Szene zu setzen – um den eigenen Selbstwert motorisch, emotional, in sozialen Bezügen und kognitiv zu spüren.

Neben dem Spiel mit Handpuppen, Stabfiguren, Großfiguren, Marionetten sowie dem Tisch-, Papier- oder Schattentheater besitzt die gemeinsame Planung und Durchführung eines eigenen Theaterstücks einen ganz besonderen Reiz für Kinder.

Theater als ganzheitliches Bildungsprojekt

Theaterstücke umfassen viele Merkmale – vom Bühnenbild, über Beleuchtungen, Kostüme, Requisiten, Musikuntermalung, besondere Geräusche, themenbezogene Choreografien, Dialoge, selbst gesungene Lieder, Sprach- bzw. Textanteile. Vor allem aber dient ein Drehbuch als Grundlage für eine Theateraufführung. Hier können Kinder ihre Ideen einbringen, ganz unterschiedliche Rollen in neue Szenerien integrieren, eigene Lebensthemen aufgreifen, Wunschrollen verwirklichen sowie aktiv mitgestalten – bei Kostümen, Requisiten, Texten und Bühnenbild. So entsteht aus vielen Einzelelementen ein „rundes Ganzes“.

Partizipation statt fertiger Angebote

Schauen wir uns dabei die verschiedenen Entwicklungs- und Kompetenzbereiche an, können wir tatsächlich von einer ganzheitlichen Pädagogik sprechen, bei der alle Entwicklungsfelder berücksichtigt werden – ganz ohne isolierte Fördereinheiten. Hier treffen die drei Grundelemente nachhaltiger Bildungsarbeit zusammen:

  1. Die Kinder erleben sich als individuell bedeutsame Akteur:innen, da sie von Beginn bis Auswertung eines Projekts voll partizipativ beteiligt sind.
  2. Es werden keine fertigen Themen oder didaktisch-methodisch vorbereiteten Inhalte vorgesetzt – Kinder schlagen selbst ein für sie bedeutsames Thema vor, das aktiv umgesetzt wird.
  3. All dies geschieht in einer beziehungsfreundlichen Atmosphäre, in der die Kinder ihre Erzieher:innen als authentisch, innerlich beteiligt, neugierig und wertschätzend erleben.

Lernen „ganz nebenbei“

In der Lernpsychologie spricht man hier von concomitant learning – einem „Lernen ganz nebenbei“. Kinder bringen dabei kognitive, emotionale, soziale und motorische Kompetenzen ein, ohne dass sie merken, dass eine gezielte Entwicklungsförderung stattfindet.

Alles lebt vom Engagement der Erzieher:innen, KINDER und deren Themen zum Ausgangspunkt spannender PROJEKTE zu machen. Daraus entsteht eine innere Resonanz, die Bindung stärkt – zum Projekt und zu den pädagogischen Bezugspersonen.

Was hier gelingt – und anderswo oft fehlt

  1. Kinder erleben sich als Akteur*innen – nicht als Reagierende.
  2. Kinder werden zu eigenständigen Lernmotoren – nicht zu Ausführenden vorbereiteter Programme.
  3. Die Arbeit ist prozessorientiert – nicht durch Stundenpläne oder Zielvorgaben vorstrukturiert.
  4. Es werden basale Fähigkeiten aufgebaut – keine bloße Verfeinerung von Fertigkeiten.
  5. Die Themen orientieren sich an der Erlebniswelt der Kinder – nicht an Bildungsplänen oder Jahreszeitenpädagogik.
  6. Es entsteht eine lernförderliche Atmosphäre – im Gegensatz zu normorientierten, funktional organisierten Kita-Strukturen.

Die Piraten im Zauberland: Ein Projekt von Kindern für Kinder

Im folgenden Teil wird das Theaterstück „Die Piraten im Zauberland“ vorgestellt, das von Kindern initiiert, gemeinsam entwickelt und schließlich mit großer Begeisterung aufgeführt wurde. Es war überwältigend mitzuerleben, mit wie viel Fantasie, Engagement und Lernfreude alle Kinder an diesem Projekt beteiligt waren.

Gerade im Kontrast zu kognitiv überfrachteten, angebotszentrierten und durchgetakteten Tagesabläufen zeigt dieses Projekt eindrucksvoll, warum Kinder, die einen spielpädagogisch orientierten Kindergarten wie den Wirbelwind Lunzig (südlich von Gera, Thüringen) besuchen, eine beeindruckende „Schulbereitschaft“ entwickeln – und ihre Erzieher*innen von Herzen mögen. Vielen Dank auch an Brit Drechsler von der Kita Wirbelwind, die nicht nur maßgebend am Projekt mitgewirkt hat, sondern uns auch das Drehbuch zur Verfügung gestellt hat.

Hon. Prof. (a.D.) Armin Krenz




Den Morgenkreis neu gedacht: Wie Kindertreffen kindgerecht gelingen

Margit Franz: Morgenkreise neu gedacht. Kindertreffen in Krippe und Kita kindgerecht gestalten

Margit Franz ist sicher vielen elementarpädagogischen Fachkräften durch ihre über 30 Buchpublikationen, einige Buchreihen und Hunderte von Fachartikeln sowie als Fachreferentin bekannt, weil sie sich unermüdlich um Grundsatzthemen einer qualitätsgeprägten Kita-Pädagogik kümmert. Nun ist ihr neues Buch über den Einsatz und die vielfältige Gestaltung eines Morgenkreises erschienen.

Vom Morgenkreis zum Kindertreffen – ein Perspektivwechsel

Der Morgenkreis: in vielen Kitas ein festes und geschätztes Ritual, in anderen Kitas eher ein „Sorgenkreis“ oder gar ein verworfenes Relikt aus der Vergangenheit. Um einem Team einerseits Reflexionshinweise für ein „Pro und Kontra“ anzubieten und andererseits die vielfältigen Gestaltungsmöglichkeiten eines „Kindertreffens“ zu offenbaren, hat sich die Autorin folgenden Schwerpunkten zugewandt:

(1) Kinder im Mittelpunkt, bei dem es zunächst um eine gleichwertige Kommunikations- und Interaktionsqualität, um Partizipation, Inklusion und um eine Teilnahmefreiwilligkeit der Kinder geht;
(2) Inhaltliche Themen, die sich aus Beschwerde-, Lieblings- oder Expert*innen-, Alltags-, Lebens- oder Erwachsenenthemen ergeben;
(3) Bedenkenswerte Überlegungen zur „idealen“ Gruppengröße, zur Vielfalt im Kindertreffen, zum ‚richtigen‘ Zeitpunkt, zur Dauer, zum Ablauf und zu Gestaltungsmöglichkeiten sowie zur Regelmäßigkeit von Kindertreffen;
(4) Geeignete Materialen, Methoden, Rituale, Spielideen sowie Moderationskompetenzen, die Kindertreffen lebendig werden lassen;
(5) Möglichkeiten der Zusammenarbeit mit dem Team, den Erziehungsberechtigten sowie potenziellen Kooperationspartnern im sozialen Umfeld;
(6) Unterschiedliche Orte als Treffpunkte für ein Kindertreffen sowie Gestaltung und Ausstattung dieser Zusammenkünfte.

Zum Schluss finden interessierte Leser:innen ein Literaturverzeichnis, um bei Bedarf angesprochene Themen zu vertiefen. So viel sei zum gelungenen Aufbau, zu einer klaren Struktur und zu den inhaltlich sehr bedeutsamen Schwerpunkten angemerkt.

Praxisnah, reflektiert und kindzentriert

Aufgrund der unterschiedlichen Möglichkeiten, einen „Morgenkreis“ zu gestalten, der nicht immer am Morgen um 9.00 Uhr stattfinden muss und die Kinder auch nicht in einem Kreis auf ihren Stühlchen sitzen müssen, plädiert die Autorin dafür, den Morgenkreis auch neu zu denken. Daher löst sie diesen Begriff mit dem Wort „Kindertreffen“ ab. Sie geht dabei in sorgsamer und in einer fachlich tiefgründigen Weise der Frage nach, was Kinder in üblichen Morgenkreisabläufen unzufrieden machen könnte und stellt entsprechende Alternativen vor, in denen Partizipation, dialogisch geführte Gespräche sowie interagierende und bedürfnisorientierte Gestaltungsformen die Langeweile oder Abwehr der Kinder gegenüber dem bisherigen Verlauf von Morgenkreisen ablösen können.

Zusätzlich werden die inhaltlichen Ausführungen immer wieder mit Praxisbeispielen und Reflexionsimpulsen angereichert, so dass das Buch mit Fug und Recht als ein sehr hilfreicher Praxisratgeber bezeichnet werden kann. Da ist es auch nicht ausschlaggebend, dass beispielsweise auf der Seite 24 die Überschriften „positive Formulierung“ und „negative Formulierung“ in den zwei Übersichtskästen vertauscht wurden oder die Autorin auf der Umschlagvorderseite als Herausgeberin benannt wurde. Das schmälert die inhaltliche Qualität des Buches in keiner Weise!

Fazit: Ein inspirierender Ideenschatz für die Kita-Praxis

Wer sich mit dem Sinn und dem Bedeutungswert eines Morgenkreises (Kindertreffens) in der Kita qualitätsgeprägt auseinandersetzen möchte, gerade auch um neue Impulse zu bekommen, damit dieses Ritual wieder kindzentriert (!) durchgeführt und neuen „Pepp“ erhalten kann, erlebt dieses Buch als einen hilfreichen Ideenschatz.

Rezensent: Armin Krenz: armin.krenz@web.de

Margit Franz
Morgenkreise neu gedacht
Kindertreffen in Krippe und Kita kindgerecht gestalten
95 Seiten
ISBN: 978-3-96046-343-6
19,95 €

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