Der Mann mit dem Koffer

Ein Quatsch- und Reim-Buch zum Weiterdichten und Miträtseln
Es werden hierzulande nicht viele portugiesische Kinderbücher in Übersetzung herausgebracht. Oft wirken sie auf deutsche Leser skurril oder etwas sperrig. Was dann gern als „poetisch“ beschrieben wird. So auch dieses Bilderbuch vom Mann mit dem Koffer. Macht aber nix. Denn witzig ist es in jedem Fall – und es fordert heraus. Zum Selber-Reimen und hintergründigen Quatsch-Entdecken. Hier ein kurzes Original:

Der Mann mit dem Koffer
hat eine unruhige Uhr.
Mal zeigt sie die Zeit an,
mal spinnt sie auch nur.
Die Kids (vier bis fünf Jahre alt), die am Sonntag zu Besuch bei mir waren, lachten sich beim Vorlesen kaputt. Weil sie es komisch fanden, dass eine Uhr spinnt. Und weil auf den Illustrationen alle Leute große, hervorquellende Augen hatten. Der Hund übrigens auch. Die Ameisen allerdings nicht, bemerkten sie sogleich. Und sie reimten sofort selbst, passend zum Bild mit den Zeigern, die aus der Uhr quellen:
Der Mann mit dem Koffer
isst Nasenpopel pur.
Er muss sich beeilen,
denn er will ans Meer zur Kur.
Einige Erlebnisse dieses Mannes werden in Vier-, andere in Fünfzeilern beschrieben. Da erfahren wir, dass er einen Hund hat, der mal groß und manchmal klein ist, dass er zwei verschiedene Schuhe trägt – einer ist kaputt und einer elegant –, manchmal Blumen verkauft, oder nein, er verschenkt sie doch lieber sofort, und dass er gerne ein Lächeln verteilt. Mit Freude an neue und alte Freunde.
Das ist doch in jedem Fall sympathisch und lässt sich sofort selbst ausprobieren: Einfach Lächeln verschenken – und sich darüber freuen, wenn man ein ebensolches zurückbekommt. Und damit hat sich dieses Buch in jedem Fall gelohnt!
Ralf Ruhl

Adélia Carvalho (Text),
João Vaz de Carvalho (Ill.):
Der Mann mit dem Koffer.
Kraus Verlag 2026,
www.kraus-verlag.de,
ISBN: 978-3-911687-03-4,
38 Seiten, ab 3 Jahre, 18 Euro