Was Kinder heute brauchen: Fortbildung zur Kinderpsychologie

Bindung, Neurodiversität, soziale Medien und Resilienz: Eine neue Präsenzfortbildung mit Psychologe Dr. Thomas Fuchs richtet den Blick auf zentrale Fragen moderner Kindheit.

9,5 Millionen Minuten – so viel Zeit verbringen Kinder ungefähr vom ersten Atemzug bis zum 18. Lebensjahr. Eine gewaltige Zeitspanne. Und zugleich eine Phase, in der sich entscheidet, wie Kinder die Welt erleben, wie sie Beziehungen gestalten und wie widerstandsfähig sie durchs Leben gehen.

Genau dort setzt die Präsenzfortbildung „Was Kinder brauchen – Kinderpsychologie live erleben“ an, die am 29. September 2026 im Museum am Schölerberg in Osnabrück stattfindet. Die Veranstaltung richtet sich an pädagogische Fachkräfte, Lehrkräfte, Tagespflegepersonen sowie Mitarbeitende aus der Kinder- und Jugendarbeit.

Zentrale Fragen im Mittelpunkt

Im Mittelpunkt stehen zentrale Fragen, die viele pädagogische Fachkräfte täglich beschäftigen: Warum ist eine sichere Bindung für Kinder so wichtig? Wie können Erwachsene mit schwierigen Verhaltensweisen umgehen, ohne die Beziehung zum Kind zu gefährden? Welche Rolle spielen soziale Medien im Alltag von Kindern und Jugendlichen? Und was bedeutet eigentlich Neurodiversität?

Die Fortbildung möchte dabei nicht nur theoretisches Wissen vermitteln, sondern Kinderpsychologie greifbar und erlebbar machen. Die Themen werden laut Ausschreibung „multimedial und experimentell aufgearbeitet“ . Besonders interessant dürfte für viele Teilnehmende auch der Schwerpunkt zur Pubertät sein – jener Lebensabschnitt, der Eltern und pädagogische Fachkräfte oft gleichermaßen fordert.

Welche Kinder hinterlassen wir der Welt?

Darüber hinaus richtet die Veranstaltung den Blick auf eine größere gesellschaftliche Frage: Welche Welt hinterlassen Erwachsene den Kindern – und welche Kinder hinterlassen wir der Welt? Dahinter steht die Idee, Kinder wieder stärker aus ihrer eigenen Perspektive wahrzunehmen und ihre Bedürfnisse ernst zu nehmen.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf dem Thema Resilienz. Pädagogische Fachkräfte erfahren, wie sie Kinder dabei unterstützen können, widerstandsfähig, solidarisch und verantwortungsvoll aufzuwachsen. Die Ausschreibung formuliert dazu einen eindrucksvollen Gedanken: „Denn Kinder sind die Saat der Zukunft.“

Über den Referenten

Referent der Veranstaltung ist Dr. rer. soc. Thomas Fuchs, Diplom-Psychologe mit den Schwerpunkten klinische und pädagogische Psychologie. Er arbeitete viele Jahre als Kinder- und Jugendpsychologe und promovierte über Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätsstörungen. Neben seiner Tätigkeit in eigener Praxis absolvierte er zusätzliche Ausbildungen in Verhaltenstherapie, Supervision und Selbsterfahrung.

Die Fortbildung findet als Präsenzveranstaltung am 29.09.2026 von 9:00 bis etwa 15:30 Uhr im Museum am Schölerberg in Osnabrück statt. Die Teilnahmegebühr beträgt 99 Euro. Nach Abschluss erhalten die Teilnehmenden eine Bescheinigung über acht Unterrichtseinheiten.

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Neue Maßnahmen für besseren Schutz vor sexuellem Missbrauch

Wie Kampagne, Forschung und digitale Schutzkonzepte pädagogische Fachkräfte unterstützenKampagne „Schieb deine Verantwortung nicht weg!“ wird fortgeführt

Die bundesweite Aufklärungs- und Aktivierungskampagne #NichtWegschieben geht 2025/26 in eine neue Phase. Sie richtet sich an Erwachsene – insbesondere an pädagogische Fachkräfte, Lehrkräfte und Eltern – und vermittelt praxisnahe Handlungsmöglichkeiten zum Schutz von Kindern vor sexueller Gewalt.

Die bisherigen Ergebnisse zeigen, dass Aufklärung Wirkung hat:

  • 53 % der Bevölkerung halten sexuelle Gewalt im eigenen Umfeld inzwischen für möglich (vorher 41 %).
  • 60 % sehen Familie, Freunde und Bekannte klar in der Verantwortung (vor der Kampagne 50 %).

WhatsApp-Kurs für Eltern und Fachkräfte: „7 Wochen. 7 Tipps“

2025 startet der neue WhatsApp-Messenger-Kurs „7 Wochen. 7 Tipps“, der pädagogischen Fachkräften und Eltern konkrete Werkzeuge an die Hand gibt. Vermittelt werden u. a.:

  • Wie Kinder in ihrer Selbstbestimmung gestärkt werden können
  • Wie Erwachsene Täterstrategien frühzeitig erkennen
  • Wie Gespräche über Körperwissen, Grenzen und Sexualität altersgerecht gelingen
  • Welche Schutzstandards Einrichtungen wie Kitas, Schulen oder Vereine einhalten sollten
  • Welche Signale von Kindern aufmerksam machen sollten
  • Wie Fachkräfte wertschätzend, aber klar intervenieren können

Der Kurs ergänzt bestehende Materialien und kann leicht in Teamsitzungen, Elternabende oder Schutzkonzept-Arbeit eingebunden werden.


Wie Selbstsicherheit wächst

  • Ganzheitlicher Ansatz für innere und äußere Selbstsicherheit,
  • Konkrete Impulse für Eltern, Erziehende und pädagogische Fachkräfte,
  •  Stärkt Selbstvertrauen, Verantwortungsgefühl und Resilienz,

Dieses Buch zeigt, wie Eltern und pädagogische Fachkräfte Kinder dabei unterstützen, ein gesundes Selbstvertrauen und Verantwortungsgefühl zu entwickeln. Dein SelbstSicheres Kind setzt auf einen ganzheitlichen Ansatz, der Selbstsicherheit emotional, sozial und körperlich denkt – praxisnah, einfühlsam und alltagstauglich.

Frieder Knauss, Dein Selbstsicheres Kind, Softcover, 120 Seiten, 978-3-96304-073-3, 20 €


Themenschwerpunkt 2026/27: Digitale sexuelle Gewalt

In der folgenden Kampagnenphase liegt der Fokus auf digitalen Risiken, darunter:

  • Cybergrooming und Grenzverletzungen in Social Media
  • Schutzfaktoren in Chat- und Gaming-Umgebungen
  • Anforderungen an digitale Schutzkonzepte in Schulen und Kitas
  • Medienkompetenz für Kinder, Eltern und pädagogische Teams

Ziel ist es, Erwachsene dabei zu unterstützen, Kinder und Jugendliche auch online aktiv zu begleiten und digitale Räume sicherer zu machen.

Neue Forschungsvorhaben für evidenzbasierten Kinderschutz

Neben der Kampagne wurden von Bundesfamilienministerin Karin Prien und der Unabhängigen Bundesbeauftragten Kerstin Claus mehrere Forschungsvorhaben gestartet, die für die Praxis im Bildungswesen bedeutsam sind.

Zentrum für Forschung zu sexueller Gewalt (ZEFSG)

Das neue Zentrum am Deutschen Jugendinstitut (DJI) wird langfristig Daten sammeln, Forschungslücken schließen und wissenschaftliche Grundlagen für Schutzkonzepte und Prävention bereitstellen. Für pädagogische Fachkräfte bedeutet das:

  • bessere Orientierung bei der Weiterentwicklung eigener Schutzkonzepte
  • wissenschaftlich fundierte Materialien für Fortbildungen
  • klarere Handlungsempfehlungen durch neue Erkenntnisse

„Safe!“-Jugendstudie ab 2026

Die bundesweite, repräsentative Studie befragt rund 10.000 Schülerinnen und Schüler der 9. Klassen zu:

  • Häufigkeit und Formen sexueller und anderer Gewalt
  • Folgen für schulische Entwicklung, Gesundheit und Teilhabe
  • Unterstützungsbedarfen

Die Ergebnisse sollen 2027 veröffentlicht werden und können Einrichtungen bei der Entwicklung aktueller Präventionsmaßnahmen unterstützen.

Digitale Sicherheit: Expertenkommission entwickelt neue Strategie

Die neu eingesetzte Unabhängige Expertenkommission „Kinder- und Jugendschutz in der digitalen Welt“ erarbeitet derzeit eine umfassende Strategie für den Schutz von Kindern und Jugendlichen in digitalen Medien. Für die pädagogische Praxis kündigt sie u. a. an:

  • Empfehlungen zum Umgang mit sozialen Netzwerken im Schul- und Kitakontext
  • Mindeststandards für digitale Schutzkonzepte
  • Hinweise zur Förderung altersgerechter Medienkompetenz
  • Forschung zu gesundheitlichen Folgen intensiver Mediennutzung

Diese Informationen sollen künftig verstärkt in Fortbildungen, Leitfäden und Schutzkonzept-Prozesse einfließen.

Materialien, Links & Ansprechpartnerinnen

Zahlen und Fakten zu sexuellem Missbrauch

https://beauftragte-missbrauch.de/mediathek/publikationen/zahlen-und-fakten




Ein Programm, das Kindern Selbstvertrauen schenkt

Ben Furman, Ich schaff’s!, Spielerisch und praktisch Lösungen mit Kindern finden – Das 15-Schritte-Programm für Eltern, Erzieher und Therapeuten

Kinder geraten im Alltag immer wieder in schwierige Situationen – und damit oft auch in Konflikte mit den Menschen, die sie betreuen. Eltern und pädagogische Fachkräfte können davon ein Lied singen, und die Belastung ist in vielen Familien groß. Umso wertvoller ist ein Ansatz, der nicht nur Symptome bekämpft, sondern Kindern und Erwachsenen gleichermaßen hilft.

Mit „Ich schaff’s!“ stellt der finnische Psychiater Ben Furman ein 15-Schritte-Programm vor, das weltweit erfolgreich eingesetzt wird – und dennoch längst nicht überall bekannt ist. Das Besondere daran: Kinder werden nicht wie kleine Erwachsene behandelt, sondern als eigenständige Persönlichkeiten, die lernen wollen und können.

Vom Problem zur Fähigkeit

Der entscheidende Perspektivwechsel: Nicht das Defizit steht im Mittelpunkt, sondern die Fähigkeit, die das Kind noch entwickeln darf. Bereits im ersten Schritt wird ein unerwünschtes Verhalten in eine positive Lernaufgabe übersetzt. Im zweiten Schritt wird das Kind aktiv einbezogen – es erlebt, dass man ihm etwas zutraut. Diese Haltung unterscheidet sich deutlich von vielen herkömmlichen pädagogischen und therapeutischen Ansätzen. Das Kind ist nicht Objekt von Maßnahmen, sondern handelndes Subjekt, das selbst Einfluss nehmen kann.

Wertschätzend, strukturiert, wirksam

Das Programm zeigt Kindern klar, welche Verhaltensweisen sie verändern möchten. Und es gibt ihnen Werkzeuge an die Hand: unterstützende Gedanken, Helferfiguren, ermutigende Namen für ihre neue Fähigkeit. Fortschritte werden gefeiert – Strafen oder Beschämung haben hier keinen Platz. Lernen wird als normaler, gemeinsamer Prozess verstanden, nicht als Mangel, der sanktioniert werden muss.

Ein Ansatz für alle, die mit Kindern arbeiten

„Ich schaff’s!“ vermittelt den Kindern das Gefühl von Selbstwirksamkeit – und stärkt zugleich das Miteinander in Familien und Einrichtungen. Die vielen Praxisbeispiele im Buch machen deutlich, wie auch bei hartnäckigen Verhaltensmustern positive Veränderungen möglich sind, wenn man mit Respekt, Geduld und klarer Struktur vorgeht.

Ein empfehlenswertes Buch für Eltern, Erzieherinnen, Lehrer und Therapeuten – und für alle, die Kindern nicht nur Verhaltensänderungen abverlangen, sondern sie dabei wirklich unterstützen wollen.

Daniela Körner