Die Mutkönig-Methode: Wie Eltern ihre Kinder im Umgang mit Ängsten stärken

Dr. med. Ursula Keicher Die Mutkönig-Methode gegen Kinderängste: Wie Eltern ihre Kinder spielerisch bei Angst begleiten und Selbstvertrauen stärken

Dr. med. Ursula Keicher: Die Mutkönig-Methode gegen Kinderängste: Wie Eltern ihre Kinder spielerisch bei Angst begleiten und Selbstvertrauen stärken

Angst ist allen Menschen genetisch angelegt. Sie ist ein notwendiges Frühwarnsystem vor gefährlich empfundenen Situationen, die Menschen in eine emotionale Drucksituation hineinzwingen. Darüber hinaus können Ängste aber auch – wenn sie in hoher Empfindungsintensität und längerfristig die Lebensqualität stark einschränken – entwicklungshinderliche und nachhaltige Folgen mit sich bringen. So gibt es auch Kinder, die aus den unterschiedlichsten Gründen mittel- oder längerfristig unter Angst stehen. Laut einiger wissenschaftlicher Studien gehören Angststörungen mit etwa 6–20 % zu den häufigsten psychischen Auffälligkeiten im Kindes- und Jugendalter. Diesem Themenschwerpunkt hat sich nun die Kinderärztin Dr. med. Ursula Keicher zugewandt. Auch die vielen, liebevollen textbegleitenden Illustrationen stammen von ihr.

Zum Inhalt und Aufbau des Buches

Das Buch ist wie folgt aufgebaut: einem Vorwort an die Eltern folgt eine ‚kleine Angstkunde für Eltern‘, in der die Autorin Hinweise zur Verwendung des Buches gibt und Grundsatzinformationen liefert, warum Angst ein wichtiges Gefühl ist. Danach stellt sich der ‚Mutkönig‘ vor, der ängstlichen bzw. angstbesetzten Kindern dabei helfen möchte, mit Hilfe verschiedener Mutkönig-Methoden (bei weit verbreiteten, typischen Angstauslösern) Angst loszuwerden.

Dabei geht es um ‚Angst vor der Dunkelheit‘, ‚Angst vor dem Übernachten woanders als im Elternhaus‘, ‚Angst vor dem Alleinsein und die Angst, Kellerräume zu betreten‘, ‚Angst vor anderen Kindern‘, ‚Angst vor Hunden‘, ‚Angst vor der Schule‘ und der ‚Angst bei einem Arztbesuch vor Spritzen oder anderen Herausforderungen‘. Jedem Kapitel liegt zusätzlich zu den Hintergrundinformationen ein so genanntes Ampelsystem zugrunde: die roten Punkte beziehen sich auf Tipps für Eltern, blaue Punkte sind Tipps/ Anregungen/ Aufgaben für das Kind und die gelben Punkte sind als Sammelunkte für Mutkronen (diese Befinden sich als Abziehsticker im Buch) als Belohnungsverstärker für erfüllte Aufgaben gedacht, die gesammelt und im Mut-König-Konto (S. 136 + 137) eingeklebt werden können.

Bewertung

Die reichhaltigen, theoriegefassten Informationen als auch die Tipps, Übungen und Tricks zum Mutsammeln sind vielschichtig, interessant, gut verständlich, leicht zu lesen und praktisch für eine Umsetzung beschrieben. Die Vorlese- und Ansprachetexte sind zumeist wunderbar kindgerecht formuliert, so dass es Kindern in keiner Weise schwerfallen wird, den Worten zu lauschen.  Zusätzlich trägt es beim Lesen zur Auflockerung bei, auch die liebevoll-lustigen Illustrationen – zusammen mit dem Kind – zu betrachten (z.B. vor allem das skurrile Monster, Seite 6 und S. 46, die Einladung des Monsters zu einem Radieschen-Snack, S. 60 oder den Mutkönig mit der ausgepusteten Mutblase, S. 121).

Auch wenn dies in dem Buch nicht erwähnt wurde, könnten die Übungsvorschläge, Aufgaben und Tipps aus dem Feld der Verhaltenstherapie stammen, was besonders durch die Erwähnung der so genannten ‚Klingelhose‘ (S.65) (Enurex-Gerät bei ‚Enuresis nocturna) deutlich wird. Bei aller positiven Bewertung hätte sich der Rezensent noch 3 Textergänzungen gewünscht.

  • Die Autorin gibt den Hinweis, dass bei weiterhin bestehenden Ängsten ein erneuter Arztbesuch ratsam sei. Nun – es gibt auch psychotherapeutisch/ pädagogisch therapeutische Fachkräfte, die bei kindlichen Angststörungen hilfreich tätig werden können!
  • Ängste können auch einen analytisch betrachtet tieferliegenden Hintergrund haben, der einer analytischen Deutung – gerade bei Enuresis diurna + Enuresis nocturna – bedarf. Diese Betrachtungsweise wird in dem Buch nicht thematisiert.
  • Dass auch elterliche Verhaltensweisen (z.B. Vernachlässigung/ Überforderung/ Gewalt) oder entwicklungshinderliche familiäre Bedingungen (z.B. Spannungen zwischen Partnern, ein Strukturchaos im Wohnumfeld, Machtkämpfe bei Scheidungsauseinandersetzungen) oder auch entwicklungshinderliche/ persönlichkeitsverletzende Verhaltensmerkmale von Erzieher:innen in Kinderkrippen/ Kindergärten, Ärzt:innen mit barschem Ton oder ein befremdliches Verhalten von Grundschullehrer:innen als Hintergründe für Kinderängste verantwortlich sind, ist nur teilweise und vereinzelt mit mehr als knappen Sätzen kurz angedeutet. Damit wird zuvorderst das Kind als ‚Symptomträger‘ betrachtet und eine systemische Sicht, wie sie immer erforderlich ist, zu stark unberücksichtigt gelassen.

Resümee auf den Punkt gebracht

Der lesenswerte und praxisorientierte Elternratgeber – auf der Grundlage einer humanistisch-verhaltenstherapeutisch orientierter Basis verfasst – mit „einigen Hintergrundinformationen zum Thema Angst“ (S. 7) gibt viele wertvolle Informationen und eine Reihe an einfach und gut umsetzbaren Tipps, wie mit tatkräftiger Unterstützung der MUTKÖNIG Eltern bei der Angstbegleitung ihrer Kinder hilfreich zur Seite stehen kann, damit sich Kinder ihren Ängsten gestärkt und sicher entgegenstellen können.

Armin Krenz, Hon. Professor für Entwicklungspsychologie & Elementarpädagogik (a.D.) et Prof. h.c. Dr. h.c.

cover mutkoenig

Dr. med. Ursula Keicher
Die Mutkönig-Methode gegen Kinderängste:
Wie Eltern ihre Kinder spielerisch bei Angst begleiten und Selbstvertrauen stärken

Erscheinungstermin ‏: ‎ 17. Juni 2026
Auflage 1 , 144 Seiten
17.6 x 1.2 x 24.4 cm
ISBN: ‎ 978-3-7589-0124-9
Gräfe und Unzer Verlag
15,00 €




Kinderärzte warnen vor Melatonin als Einschlafhilfe

Neue Leitlinie zum Einsatz von Melatonin bei Kindern und Jugendlichen mit Schlafstörungen

Die Schlafprobleme ihres Kindes sind für viele Eltern ein Riesenproblem. Entsprechend groß ist der Bedarf nach Hilfe. In ihrer Verzweiflung greifen zahlreiche Mütter und Väter zu „Melatonin Gummibärchen“, um ihre Kinder zum Schlafen zu bringen. Dabei gehen sie offenbar ein unnötiges Risiko ein, wie einer Presseinformation anlässlich der 31. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM) zu entnehmen ist.

Todesfälle im zeitlichen Zusammenhang mit Melatonin-Überdosierungen

Prof. Dr. med. Ekkehart Paditz weist darin darauf hin, dass aktuell aus den USA über mehrere Todesfälle im 1. bis 2. Lebensjahr im zeitlichen Zusammenhang mit Melatonin-Überdosierungen berichtet wurde, sowie dass bei Jugendlichen der Pubertätseintritt durch längerfristige Melatoningaben beeinflusst werden könnte.

Melatonin ist eben keine Naturmedizin oder Homöopathie, sondern ein Hormon, das nur nach ärztlicher Abklärung verabreicht werden sollte. Dabei ist Melatonin frei zugänglich. „Bisher liegen weltweit 33 randomisierte Placebo-kontrollierte Studien bei Kindern und Jugendlichen zwischen dem 2.-18. Lebensjahr vor, die sich auf 12 klar definierte Diagnosen beziehen“, erläutert Paditz, der die Entwicklung einer neuen Leitlinie zum Melatonin-Einsatz bei Kindern und Jugendlichen federführend koordiniert. Dazu gehören Einschlafstörungen, die allein oder in Verbindung mit ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitäts-Syndrom), nach Gehirnerschütterungen, bei Autismus-Spektrum-Störungen oder bei krankhafter Verschiebung der Schlafphasen vorliegen. Bei Kindern und Jugendlichen mit Epilepsie in Verbindung mit Fieber und einer Hirnschädigung, dem sogenannten Dravet-Syndrom, war Melatonin nicht wirksam.

Nur nach ärztlicher Verordnung

Der Dresdner Professor berichtet, dass Melatonin nur nach ärztlicher Verordnung in möglichst geringer Dosis < 1mg (je nach Alter des Kindes 0,25 bis 0,5 mg) abends vor dem Schlafengehen eingenommen werden sollte, falls Hinweise zur Schlafhygiene und eine Verhaltenstherapie keinen Effekt hatten. Von einer Einschlafstörung wird gesprochen, wenn das Einschlafen mehrfach in der Woche länger als 30 Minuten dauert. Vor dem Griff zum Rezeptblock sind eine ausführliche ärztliche Anamnese und eine neurologische Untersuchung erforderlich, damit entschieden werden kann, ob evtl. eine Untersuchung in einem Kinderschlaflabor erforderlich sein könnte und ob eine MRT-Untersuchung des Gehirns in Betracht gezogen werden sollte.

Kinder gehören zum Kinderarzt

„Das sind im Interesse der Gesundheit der Kinder und Jugendlichen keine übertriebenen Empfehlungen, damit Hinweise für Tumore der Zirbeldrüse nicht übersehen werden. Oft sind es auch ,nur‘ Sorgen oder Stress in der Schule oder im Kindergarten, die mit fraglichen Schlafstörungen verbunden sind. In dieser Situation helfen ärztliche Hinweise zur Schlafhygiene, die von den Eltern an die Kinder weitergegeben werden. Medikamentöse oder psychologische Behandlungen sind oft nicht erforderlich“, meint Paditz.


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So lernen Kinder schlafen

Die sechs besten Ein- und Durchschlaf-Programme in einem Buch. Mit Anleitungen und Orientierungshilfen, damit Sie genau die Methode finden, die für Sie und Ihr Kind richtig ist. Mit genauen Behandlungsplänen für jede Methode, psychologischen Hintergründen, die die Ursachen erklären, Tipps und Erläuterungen, was man schon im Laufe des Tages für eine ruhige Nacht tun kann und vielen anschaulichen Fallbeispielen aus der täglichen Beratungspraxis der Autorin.

Petra Weidemann-Böker
So lernen Kinder schlafen – Die sechs besten Einschlaf-Programme für Kinder
Harcover, 288 Seiten
ISBN: 9783934333598
19,95 €


„Kinder gehören zum Kinderarzt, wenn sich die Eltern Sorgen in Bezug auf Schlafstörungen machen. Da Melatonin ein Hormon ist, sollten vor dessen Gabe immer erst ärztliche Abklärungen stehen.“ Melatonin ist in Deutschland nur für Kinder und Jugendliche im Alter von 2 bis 18 Jahren mit Schlafstörungen bei Autismus-Spektrum-Störung oder Smith-Magenis-Syndrom zugelassen.

Mozart statt Melatonin

Während der Einsatz von Melatonin weiterhin umstritten ist, verbessern Melodien von Mozart das Verhalten und die Schlafqualität. Bei Säuglingen wurde nachgewiesen, dass Babyschlaflieder günstige Effekte auf die Sauerstoffsättigung, die Herzfrequenz, den Blutdruck und das Gedeihen hatten. „Mozartmelodien waren fast genauso gut wie mütterliche Lieder, im Vergleich zu den Babys, denen keine Lieder angeboten wurden. Schon in Keilschrifttexten aus Mesopotamien sind bereits Babyschlaflieder zu finden, die zur Beruhigung beitragen sollten. Vielleicht ein Hinweis, dass man nicht immer zu Medikamenten greifen muss“, gibt Paditz zu bedenken.

Quelle: Presseinformation Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM) e. V.