Krisenkommunikation in der Kita: Richtig handeln und klar informieren

Unfälle, Vorwürfe, Personalmangel oder öffentliche Kritik: So reagieren Kitas professionell, informieren Eltern und Presse und schützen dabei die Kinder

Ein Unfall in der Kita, ein schwerer Vorwurf gegen eine Fachkraft, Personalmangel oder Kritik in sozialen Medien: Eine Krise kann innerhalb weniger Minuten entstehen. Dann braucht es nicht nur schnelles Handeln, sondern auch klare Kommunikation.

Krisenkommunikation in der Kita bedeutet jedoch nicht, möglichst schnell etwas nach außen zu sagen. Zunächst müssen Kinder geschützt, Fakten geklärt und Zuständigkeiten festgelegt werden. Erst danach stellt sich die Frage: Wer muss wann was erfahren?

Denn eine Krise besteht selten nur aus dem eigentlichen Ereignis. Sie kann dadurch größer werden, dass Informationen fehlen, widersprüchliche Aussagen kursieren oder Eltern den Eindruck gewinnen, etwas werde verschwiegen.

Für Kitas gilt dabei ein besonders wichtiger Maßstab: Im Mittelpunkt stehen Kinder. Krisenkommunikation darf deshalb nicht in erster Linie dazu dienen, den Ruf der Einrichtung zu schützen. Vorrang haben Sicherheit, Schutz, verlässliche Aufklärung und das Wohlergehen der Kinder.

Die Unfallkasse Berlin empfiehlt für Kitas vorbereitete Abläufe und klare Zuständigkeiten für Notsituationen und Krisen. Gerade bei schwerwiegenden Vorfällen sollte vorher geklärt sein, wer welche Entscheidungen trifft und wer gegenüber Medien Auskunft geben darf.

Krisenkommunikation in der Kita beginnt mit sechs Fragen

Eine Krise beginnt nicht erst, wenn die Presse anruft oder ein Beitrag in sozialen Medien erscheint.

Ein Elternteil beschwert sich. Eine Fachkraft beobachtet etwas Beunruhigendes. Ein Kind verletzt sich. Mehrere Beschäftigte fallen gleichzeitig aus. Ein Kind erzählt zu Hause von einer problematischen Situation.

Schon jetzt beginnt Kommunikation.

Die erste Frage lautet deshalb nicht:

„Was sagen wir nach außen?“

Sondern:

„Was ist passiert, wer muss jetzt geschützt werden und wer braucht welche Information?“

Praxiswerkzeug 1: Die ersten sechs Fragen

  1. Was wissen wir sicher?
  2. Was wissen wir noch nicht?
  3. Wer ist unmittelbar betroffen?
  4. Welche Schutzmaßnahmen sind jetzt notwendig?
  5. Wer muss intern oder behördlich informiert werden?
  6. Wer darf und soll nach außen sprechen?

Diese sechs Fragen helfen, Fakten und Vermutungen voneinander zu trennen. Sie verhindern zugleich zwei typische Fehler: vorschnell etwas zu erklären, das noch gar nicht geklärt ist – oder aus Angst vor einem Fehler überhaupt nicht zu kommunizieren.

Erst schützen, dann kommunizieren

Bei einem Unfall steht zunächst die Versorgung des Kindes im Mittelpunkt. Bei einem Verdacht auf Gewalt muss geklärt werden, wie das betroffene Kind geschützt und das vorgesehene Verfahren eingeleitet wird. Bei gravierendem Personalausfall muss die Leitung zunächst entscheiden, welche Betreuung überhaupt noch verantwortbar ist.

Kommunikation ersetzt keine dieser Aufgaben.

Sie kann aber erklären, was jetzt geschieht und warum.

Das gilt besonders für Ereignisse, die das Wohl von Kindern beeinträchtigen können. § 47 SGB VIII verpflichtet den Träger einer erlaubnispflichtigen Einrichtung, entsprechende Ereignisse oder Entwicklungen unverzüglich der zuständigen Behörde zu melden. Auch offizielle Länderinformationen weisen darauf hin, dass diese Meldepflicht während des laufenden Betriebs besteht.

Deshalb muss in einer ernsthaften Situation immer zunächst geklärt werden, welche internen, gesetzlichen und behördlichen Schritte erforderlich sind.

Transparenz heißt nicht: alles erzählen

Gerade in Krisen wird häufig Transparenz gefordert. Das ist richtig – aber Transparenz bedeutet nicht, sämtliche bekannten Informationen öffentlich zu machen.

In einer Kita betreffen viele Informationen Kinder, Familien oder Mitarbeitende. Persönliche Daten, gesundheitliche Einzelheiten, Verdachtsmomente oder Aussagen eines Kindes gehören nicht automatisch in eine Elternmail oder an die Presse.

Die entscheidende Frage lautet:

Was müssen Menschen wissen, damit sie die Situation verstehen und angemessen handeln können – und was muss geschützt bleiben?

Bei einem laufenden Verfahren kann beispielsweise gesagt werden, dass ein Vorwurf bekannt ist, ernst genommen und geprüft wird. Nicht erforderlich ist es, Vermutungen über Schuld oder Motive öffentlich weiterzugeben.

Praxiswerkzeug 2: Tatsache – Maßnahme – offener Punkt

Ein einfacher Dreischritt hilft:

  • Gesicherte Tatsache: Was wissen wir sicher?
  • Maßnahme: Was haben Einrichtung und Träger veranlasst?
  • Offener Punkt: Was wird noch geprüft?

Zum Beispiel:

„Uns ist ein Vorwurf im Zusammenhang mit einer Situation in unserer Einrichtung bekannt geworden. Wir nehmen diesen sehr ernst und haben den Träger informiert. Der Sachverhalt wird derzeit geprüft. Zum Schutz der betroffenen Kinder und Mitarbeitenden können wir zu Einzelheiten momentan keine Angaben machen.“

Damit wird weder beschönigt noch vorverurteilt.

Unfall in der Kita: Wie Eltern informiert werden sollten

Wenn Eltern wissen, dass ein Rettungswagen vor der Kita stand, werden Fragen entstehen. Gibt es keine verlässliche Information, füllen Gerüchte die Lücke.

Eine erste Mitteilung kann trotzdem knapp bleiben:

„Heute Vormittag kam es in unserer Einrichtung zu einem medizinischen Notfall. Das betroffene Kind wurde versorgt und ärztlich betreut. Die Eltern des Kindes wurden selbstverständlich informiert. Weitere persönliche Einzelheiten können wir zum Schutz des Kindes nicht mitteilen.“

Entscheidend ist nicht, möglichst viel zu sagen. Entscheidend ist, verlässlich zu informieren.

Auch bei weniger dramatischen Krisen gilt dieses Prinzip. Fällt beispielsweise Personal kurzfristig aus, brauchen Eltern vor allem klare Antworten: Was ändert sich? Für wen? Wie lange? Was passiert als Nächstes?

Praxiswerkzeug 3: Die Vier-Punkte-Elterninformation

Eine kurzfristige Information sollte möglichst vier Fragen beantworten:

  • Was ist passiert?
  • Was bedeutet das konkret für die Familien?
  • Was unternimmt die Einrichtung?
  • Wann gibt es die nächste Information?

Zum Beispiel:

„Aufgrund mehrerer kurzfristiger Krankheitsausfälle können wir morgen die Gruppe Blau nicht vollständig besetzen. Nach Prüfung aller Vertretungsmöglichkeiten müssen wir deshalb die Betreuungszeit am Dienstag auf 8 bis 14 Uhr begrenzen. Uns ist bewusst, dass dies Familien vor organisatorische Schwierigkeiten stellt. Wir informieren Sie bis 16 Uhr darüber, ob die reguläre Betreuung am Mittwoch wieder möglich ist.“

Die nächste Informationszeit zu nennen ist besonders hilfreich. Eltern wissen dann, wann sie mit Neuigkeiten rechnen können.

Fehler eingestehen, wenn ein Fehler feststeht

Eine Kita verliert nicht zwangsläufig Vertrauen, weil ein Fehler passiert. Schwieriger wird es, wenn Verantwortliche ausweichen oder das Offensichtliche sprachlich verschleiern.

Statt:

„Im Rahmen eines bedauerlichen Kommunikationsproblems kam es offenbar zu Missverständnissen.“

ist klarer:

„Wir haben die Eltern gestern zu spät informiert. Das war ein Fehler. Dafür entschuldigen wir uns.“

Ein klar benannter Fehler ist etwas anderes als ein ungeklärter Vorwurf. Solange nicht feststeht, was geschehen ist, sollte weder Schuld eingestanden noch eine Beschuldigung reflexartig zurückgewiesen werden.

Der Grundsatz lautet:

Ernst nehmen, schützen, prüfen und informieren – aber nichts als Tatsache darstellen, was noch geklärt werden muss.

Vorwürfe gegen Fachkräfte: Kinderschutz ohne Vorverurteilung

Besonders schwierig wird Krisenkommunikation, wenn einem Mitarbeiter oder einer Mitarbeiterin unangemessenes oder übergriffiges Verhalten vorgeworfen wird.

Mehrere berechtigte Interessen treffen dann aufeinander. Das Kind muss geschützt und ernst genommen werden. Gleichzeitig darf eine beschuldigte Person nicht öffentlich vorverurteilt werden. Leitung und Träger müssen den Sachverhalt prüfen und gegebenenfalls weitere Stellen einschalten.

Für die Kommunikation lässt sich das auf einen Satz bringen:

Ein Vorwurf ist weder belanglos noch bereits ein Beweis.

Das sollte auch in der Wortwahl erkennbar sein.

Problematisch wären Aussagen wie:

„Das kann bei uns überhaupt nicht passiert sein.“

Ebenso problematisch wäre:

„Die Fachkraft hat sich eindeutig falsch verhalten“, solange die Fakten noch nicht geklärt sind.

Besser ist:

„Wir nehmen die Schilderung sehr ernst und prüfen den Sachverhalt nach den dafür vorgesehenen Verfahren.“

Presseanfrage an die Kita: Wer darf was sagen?

Eine Journalistin ruft an:

„Stimmt es, dass ein Kind in Ihrer Kita von einer Mitarbeiterin geschlagen wurde?“

Jetzt sollte nicht die Person antworten, die zufällig ans Telefon gegangen ist.

Die Unfallkasse Berlin weist ausdrücklich darauf hin, dass bei Krisen geklärt sein sollte, welche Befugnisse die Kita-Leitung besitzt und wann beispielsweise Träger oder andere Stellen zuständig sind.

Praxiswerkzeug 4: Fünf Schritte bei einer Presseanfrage

  1. Namen, Medium und Kontaktdaten notieren.
  2. Nach der konkreten Frage fragen.
  3. Den Redaktionsschluss erfragen.
  4. Keine ungeprüfte spontane Stellungnahme abgeben.
  5. Verbindlich sagen, wann eine Rückmeldung erfolgt – und diese Zusage einhalten.

Ein sinnvoller Satz lautet:

„Danke für Ihre Anfrage. Ich möchte Ihnen keine ungeprüften Informationen geben. Ich kläre den aktuellen Stand mit unserem Träger und melde mich bis 14 Uhr bei Ihnen.“

Das ist keine Ausflucht. Es ist professionelles Vorgehen.

Warum „Kein Kommentar“ selten hilft

Es gibt gute Gründe, bestimmte Informationen nicht herauszugeben. Ein pauschales „Kein Kommentar“ wirkt jedoch schnell wie Abwehr oder Geheimhaltung.

Besser ist es, die Grenze zu erklären.

Zum Beispiel:

„Wir können bestätigen, dass der Sachverhalt geprüft wird. Zu personenbezogenen Einzelheiten äußern wir uns zum Schutz der Betroffenen nicht.“

Oder:

„Die zuständigen Stellen sind informiert. Da die Prüfung noch läuft, möchten wir dem Ergebnis nicht vorgreifen.“

So bleibt die Einrichtung ansprechbar, ohne geschützte Informationen preiszugeben.

Praxiswerkzeug 5: Drei Sätze für schwierige Situationen

Wenn etwas ungeklärt ist:

„Dazu liegen uns derzeit noch keine gesicherten Informationen vor. Wir prüfen den Sachverhalt.“

Wenn Persönlichkeitsrechte betroffen sind:

„Zu personenbezogenen Einzelheiten können wir zum Schutz der Betroffenen keine Angaben machen.“

Wenn ein Fehler feststeht:

„Hier haben wir einen Fehler gemacht. Wir haben unsere Abläufe überprüft und folgende Veränderung vorgenommen: …“

Solche Formulierungen funktionieren allerdings nur, wenn dahinter tatsächlich sorgfältiges Handeln steht.

Kritik in sozialen Medien: Erst prüfen, dann reagieren

Ein kritischer Beitrag erscheint. Andere kommentieren. Screenshots werden weitergeleitet. Nach kurzer Zeit kennen viele Menschen nur noch einen Ausschnitt der ursprünglichen Geschichte.

Dann entsteht schnell der Impuls, sofort öffentlich zu widersprechen. Das kann eine Krise verschärfen. Die bessere Reihenfolge lautet:

Lesen → sichern → prüfen → intern klären → reagieren.

Sachlich falsche öffentliche Behauptungen können korrigiert werden. Persönliche Konflikte gehören dagegen nicht in die Kommentarspalte.

Eine mögliche Antwort:

„Wir nehmen Ihre Kritik ernst. Da es dabei um einen konkreten Vorgang und persönliche Informationen geht, möchten wir diesen nicht öffentlich besprechen. Bitte wenden Sie sich direkt an die Leitung.“

Die Einrichtung signalisiert Gesprächsbereitschaft, ohne vertrauliche Angelegenheiten öffentlich auszutragen.

Krisenplan für die Kita: Zuständigkeiten vorher klären

Die schlechteste Zeit, um zu überlegen, wer im Krisenfall mit Eltern, Presse und Träger spricht, ist der Moment, in dem die Krise bereits da ist.

Deshalb gehört die Kommunikationsstruktur in einen Krisen- oder Notfallplan.

Praxiswerkzeug 6: Der Krisen-Kommunikationsplan auf einer Seite

Frage Festlegung
Wer entscheidet über externe Kommunikation? Leitung/Träger
Wer vertritt die Leitung? Name/Funktion
Wer informiert Eltern? …
Wer beantwortet Presseanfragen? …
Wer informiert zuständige Stellen? …
Wo liegen aktuelle Kontaktdaten? …
Welche Kommunikationskanäle stehen kurzfristig zur Verfügung? …
Wer dokumentiert Ereignis und Kommunikation? …

Die Seite sollte so aufbewahrt werden, dass verantwortliche Personen sie im Ernstfall sofort finden.

Auch aktuelle Materialien zur Kita-Kommunikation zeigen, dass Einrichtungen ihre Kommunikationswege an veränderte und krisenhafte Situationen anpassen müssen. In der Corona-KiTa-Studie des Deutschen Jugendinstituts wurde beispielsweise sichtbar, wie stark Kitas während der Pandemie zusätzliche Kommunikationsformen einsetzen mussten, um den Kontakt zu Familien aufrechtzuerhalten.

Ein Krisenplan sollte ausprobiert werden

Ein Papier im Ordner schafft noch keine Handlungssicherheit.

Was passiert, wenn die Leitung nicht erreichbar ist? Wer kennt die Nummer des Trägers? Wer kann kurzfristig eine Nachricht an alle Eltern senden? Was geschieht, wenn gleichzeitig Eltern und Lokalzeitung anrufen?

Solche Situationen lassen sich im Team durchspielen.

Praxiswerkzeug 7: Die 20-Minuten-Krisenübung

Nehmen Sie einen erfundenen Fall:

„Um 10.15 Uhr verletzt sich ein Kind schwer auf dem Außengelände. Um 11 Uhr schreibt ein Elternteil in einer öffentlichen Facebook-Gruppe, die Kita habe ihre Aufsichtspflicht verletzt. Um 11.20 Uhr ruft die Lokalzeitung an.“

Dann fragt das Team:

  • Wer macht jetzt was?
  • Wer informiert wen?
  • Was wissen wir bereits?
  • Welche Angaben dürfen wir machen?
  • Was muss geschützt bleiben?
  • Wann informieren wir die übrigen Eltern?

Solche Übungen machen Schwachstellen sichtbar, bevor sie im Ernstfall zum Problem werden.

Nach der Krise: Was muss sich verändern?

Wenn die unmittelbare Krise beendet ist, ist die Arbeit noch nicht abgeschlossen.

Jetzt sollte ausgewertet werden:

  • Was hat funktioniert?
  • Wo entstanden Informationslücken?
  • Waren Zuständigkeiten eindeutig?
  • Gab es widersprüchliche Aussagen?
  • Wurden Eltern rechtzeitig erreicht?
  • Brauchen Mitarbeitende weitere Unterstützung?
  • Müssen Verfahren geändert werden?

Auch öffentlich kann eine Rückmeldung sinnvoll sein, wenn sich aus dem Vorfall konkrete Veränderungen ergeben haben:

„Wir haben den Vorfall gemeinsam mit dem Träger ausgewertet. Künftig wird …“

Damit zeigt die Einrichtung, dass sie eine Krise nicht nur möglichst schnell hinter sich bringen möchte, sondern daraus lernt.

Das Kind bleibt auch in der Krise der Maßstab

Eine Krise erzeugt unterschiedliche Interessen.

Eltern wollen Antworten. Mitarbeitende möchten geschützt werden. Der Träger muss Verantwortung übernehmen. Die Leitung muss Entscheidungen treffen. Medien fragen nach.

Gerade dann braucht es einen einfachen Prüfstein:

Hilft das, was wir jetzt tun und sagen, dem Schutz und dem Wohlergehen der Kinder – oder dient es vor allem unserer eigenen Entlastung?

Das bedeutet nicht, alles öffentlich machen zu müssen. Im Gegenteil: Der Schutz eines Kindes kann gerade verlangen, bestimmte Informationen nicht weiterzugeben.

Aber die Priorität muss klar sein.

Nicht der Ruf der Kita steht an erster Stelle.

Das Kind steht an erster Stelle.

Zehn Regeln für Krisenkommunikation in der Kita

  1. Zuerst Sicherheit und Schutz gewährleisten.
  2. Fakten und Vermutungen konsequent trennen.
  3. Leitung und Träger frühzeitig einbeziehen.
  4. Gesetzliche Melde- und Verfahrenspflichten beachten.
  5. Festlegen, wer nach außen spricht.
  6. Persönlichkeitsrechte der Betroffenen schützen.
  7. Früh informieren, aber nichts Ungeklärtes behaupten.
  8. Sagen, was getan wird und wann weitere Informationen folgen.
  9. Festgestellte Fehler klar benennen und Konsequenzen ziehen.
  10. Nach der Krise Abläufe überprüfen und verbessern.

Eine Kita beweist ihre Professionalität nicht dadurch, dass niemals etwas Schwieriges geschieht. Unfälle, Konflikte, Beschwerden und Fehler lassen sich nicht vollständig verhindern.

Entscheidend ist, wie damit umgegangen wird.

Wer sorgfältig prüft, Kinder schützt, Verantwortung übernimmt, verständlich informiert und aus Fehlern lernt, kann auch in schwierigen Situationen Vertrauen erhalten oder neu aufbauen.

Gute Kommunikation zeigt ihre Qualität deshalb nicht nur, wenn alles gut läuft.

Sie zeigt sie besonders dann, wenn es schwierig wird.

Quellen und weiterführende Informationen

Gernot Körner

In der Reihe „Eltern- und Öffentlichkeitsarbeit“ sind folgende Artikel erschienen:

Elternarbeit in der Kita: So gelingt echte Erziehungspartnerschaft

Wenn Eltern und Fachkräfte in der Kita in Konflikt geraten

Eltern und Schule: Was Kinder für ihre Entwicklung brauchen

Öffentlichkeitsarbeit in der Kita: Zeigt, was ihr leistet!

Öffentlichkeitsarbeit in der Kita: So wird gute Pädagogik sichtbar

Krisenkommunikation in der Kita: Richtig handeln und klar informieren

spielen und lernen: Verstehen, was Kinder wirklich brauchen

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Öffentlichkeitsarbeit in der Kita: So wird gute Pädagogik sichtbar

Gute Öffentlichkeitsarbeit muss nicht aufwendig sein. Mit einfachen Werkzeugen können Kita-Teams zeigen, was Kinder erleben, lernen und für ihre Entwicklung brauchen.

Drei Kinder bauen im Sandkasten einen Wasserlauf. Sie graben Rinnen, errichten einen Damm und lassen Wasser hindurchfließen. Doch es nimmt einen anderen Weg als geplant. Also wird diskutiert, umgebaut und erneut ausprobiert. Schließlich funktioniert die Konstruktion.

Was könnte die Kita darüber berichten? „Heute hatten unsere Kinder viel Spaß beim Matschen“ wäre schnell geschrieben. Aber fast alles, was diese Situation interessant macht, bliebe unsichtbar. Die Kinder beobachten, stellen Vermutungen an, erleben Ursache und Wirkung, entwickeln Lösungen und müssen sich miteinander verständigen. Und als der erste Versuch misslingt, geben sie nicht auf.

Genau darum geht es in diesem zweiten Beitrag zur Öffentlichkeitsarbeit: nicht noch einmal um deren grundsätzliche Bedeutung, sondern um das Handwerkszeug. Wie findet eine Kita solche Geschichten? Wie erzählt sie sie verständlich? Und wie erreicht sie damit Eltern, Öffentlichkeit oder Presse?

Gute Geschichten liegen mitten im Kita-Alltag

Eine Kita braucht keine außergewöhnlichen Veranstaltungen, um etwas Interessantes erzählen zu können. Jeden Tag geschehen Dinge, die viel darüber verraten, wie Kinder sich entwickeln.

Ein Kind versucht immer wieder, seinen Reißverschluss selbst zu schließen. Zwei andere streiten darüber, wer zuerst auf die Schaukel darf. Eine Gruppe baut einen Turm, der ständig einstürzt. Im Garten wird ein Regenwurm entdeckt. Ein Kind tröstet ein anderes. Aus Kartons entsteht plötzlich ein Raumschiff.

Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht: „Was können wir heute veröffentlichen?“ Sie lautet: „Was ist heute geschehen, das etwas darüber erzählt, wie Kinder lernen und sich entwickeln?“

Damit verändert sich der Blick. Das vermeintlich Alltägliche wird interessant, sobald sichtbar wird, was darin steckt.

Praxiswerkzeug 1: Der Fünf-Fragen-Check

Bevor aus einer Beobachtung ein Beitrag, ein Aushang oder eine Pressemitteilung wird, helfen fünf Fragen:

  1. Was ist geschehen?
  2. Was haben die Kinder dabei selbst getan?
  3. Was haben sie erfahren, entdeckt oder bewältigt?
  4. Warum ist das für ihre Entwicklung bedeutsam?
  5. Für wen könnte diese Geschichte interessant sein?

Besonders die vierte Frage ist wichtig. Sie macht aus „Das haben wir gemacht“ ein „Darum ist das für Kinder bedeutsam“.

Vom Erlebnis zur kleinen Geschichte

Viele pädagogische Fachkräfte können sehr genau beschreiben, was sie beobachten. Schwieriger wird es manchmal, wenn daraus ein Text für Eltern oder die Website werden soll.

Dafür hilft eine einfache Struktur:

Beobachtung → Handlung → Herausforderung → Lösung oder Entdeckung → Bedeutung

Nehmen wir wieder den Wasserlauf. Statt „Unsere Kinder haben heute mit Wasser und Sand experimentiert“ könnte es heißen:

„Wohin fließt das Wasser? Das wollten einige Kinder heute herausfinden. Im Sand entstanden Rinnen, Dämme und kleine Seen. Doch das Wasser hielt sich nicht an den Plan. Also bauten die Kinder um und probierten es noch einmal. Dabei entdeckten sie, wie Wasser fließt, was ein Hindernis bewirkt und warum manche Konstruktionen halten und andere nicht. Gleichzeitig mussten sie ihre Ideen austauschen und gemeinsame Lösungen finden.“

Dazu braucht es keine pädagogischen Fachbegriffe. Im Gegenteil: Gute Öffentlichkeitsarbeit übersetzt pädagogisches Wissen in verständliche Geschichten.

Nicht nur das Ergebnis erzählen

Ein fertiger Turm sagt wenig darüber aus, was während des Bauens geschehen ist. Ein gemaltes Bild verrät nicht, welche Idee dahinterstand. Und ein Waldtag ist pädagogisch nicht deshalb interessant, weil die Kinder im Wald waren.

Spannend sind häufig die Wege zum Ergebnis.

Wie oft ist der Turm eingestürzt? Was haben die Kinder daraufhin verändert? Wer hatte eine neue Idee? Wie wurde aus zwei unterschiedlichen Vorstellungen eine gemeinsame Lösung?

Gerade Misslingen kann eine gute Geschichte erzählen.

Praxiswerkzeug 2: Aus „Hat nicht geklappt“ wird eine Bildungsgeschichte

Nicht so:

„Die Kinder bauten gemeinsam eine Brücke.“

Sondern beispielsweise so:

„Eine Brücke aus Brettern und Kisten – das war der Plan. Doch beim ersten Versuch wackelte alles. Also wurden die Bretter verschoben. Beim zweiten Versuch war die Brücke stabiler, aber noch immer nicht gut genug. Die Kinder berieten miteinander und probierten weiter. Schließlich konnten sie tatsächlich darüberlaufen. Dafür brauchten sie nicht nur Geschick, sondern auch Geduld, gemeinsame Ideen und die Bereitschaft, nach einem Misserfolg noch einmal neu anzufangen.“

Jetzt wird sichtbar, was Kinder tatsächlich geleistet haben.

Die Sprache entscheidet

Wer pädagogische Arbeit verständlich machen möchte, sollte nicht für andere Fachkräfte schreiben. Begriffe wie „Selbstwirksamkeit“, „Ko-Konstruktion“, „Resilienzförderung“ oder „naturwissenschaftliche Kompetenz“ können fachlich richtig sein. Für Eltern und eine breitere Öffentlichkeit erklären sie aber zunächst wenig.

Besser ist es häufig, zu zeigen, was damit gemeint ist.

Statt „Die Kinder erleben Selbstwirksamkeit“ lässt sich schreiben:

„Die Kinder erleben: Unsere Idee funktioniert. Wir können etwas verändern.“

Statt „Die Aktivität fördert Problemlösekompetenzen“:

„Als die erste Lösung nicht funktionierte, suchten die Kinder nach einer anderen.“

Und statt „Die Kinder erwerben soziale Kompetenzen“:

„Sie mussten einander zuhören, ihre Ideen erklären und sich auf eine gemeinsame Lösung einigen.“

Das ist nicht weniger fachlich. Es ist lediglich verständlicher.

Ein Thema, verschiedene Leser

Ein häufiger Fehler besteht darin, einen Text einmal zu verfassen und ihn anschließend unverändert für Newsletter, Website, Presse und Aushang zu verwenden.

Doch unterschiedliche Menschen interessieren unterschiedliche Aspekte.

Eltern möchten beispielsweise wissen, was ihre Kinder erleben und warum es bedeutsam ist. Die Lokalredaktion fragt nach dem Nachrichtenwert. Auf der Website lässt sich ein pädagogischer Zusammenhang ausführlicher erklären. Ein Aushang muss dagegen innerhalb weniger Augenblicke verständlich sein.

Praxiswerkzeug 3: Ein Thema – vier Möglichkeiten

Nehmen wir noch einmal die selbst gebaute Brücke.

Für den Elternnewsletter:
Wie haben die Kinder das Problem gelöst und welche Erfahrungen haben sie dabei gemacht?

Für die Website:
Warum sind selbst gewählte Bauprojekte wertvolle Bildungsgelegenheiten?

Für einen Aushang:
„Wann trägt eine Brücke?“ Dazu drei Sätze darüber, was die Kinder ausprobiert und herausgefunden haben.

Für die Lokalzeitung:
Der Brückenbau allein dürfte kaum genügen. Anders kann es aussehen, wenn daraus beispielsweise ein größeres Kinderprojekt mit Handwerksbetrieben oder einer örtlichen Schule entsteht.

Das spart zugleich Arbeit. Eine gute Geschichte lässt sich mehrfach nutzen, wenn sie für die jeweilige Zielgruppe neu erzählt wird.

Zehn Minuten für neue Themen

Öffentlichkeitsarbeit darf im Kita-Alltag nicht zu einer zusätzlichen Dauerbelastung werden. Deshalb sollte die Themensuche möglichst einfach in bestehende Abläufe integriert werden.

Dafür können zehn Minuten in einer Teamsitzung genügen.

Praxiswerkzeug 4: Die kleine Redaktionsrunde

Alle ein oder zwei Wochen beantwortet das Team drei Fragen:

Was haben wir in den vergangenen Tagen bei den Kindern beobachtet, das uns selbst beeindruckt oder überrascht hat?

Was steckt darin, das Außenstehende vielleicht nicht auf Anhieb erkennen?

Welche dieser Geschichten möchten wir erzählen?

Zunächst reichen Stichwörter. Niemand muss während der Teamsitzung bereits einen fertigen Artikel verfassen.

Nebenbei kann diese kleine Übung noch etwas anderes bewirken: Wer regelmäßig nach erzählenswerten Situationen sucht, schaut genauer hin. Öffentlichkeitsarbeit kann so auch die Reflexion der eigenen pädagogischen Arbeit unterstützen.

Eine Themenbank verhindert den leeren Bildschirm

Die interessantesten Geschichten entstehen selten genau an dem Tag, an dem ein neuer Newsletter geschrieben werden soll. Deshalb lohnt es sich, Ideen festzuhalten.

Das kann auf einem Blatt im Teamzimmer, in einer einfachen Tabelle oder in einem gemeinsamen digitalen Dokument geschehen.

Praxiswerkzeug 5: Die Themenbank

Beobachtung Was steckt darin? Für wen? Verwendung
Kinder bauen eine Brücke Ausdauer, Zusammenarbeit Eltern Newsletter
Ein Kind tröstet ein anderes Empathie Eltern Website
Kinder entdecken Schnecken Naturbeobachtung Eltern Aushang
Kinder planen das Sommerfest mit Beteiligung Eltern/Presse Website/Presse
Kinder diskutieren Spielregeln Aushandeln, Fairness Eltern Newsletter

So entsteht nach einigen Wochen ein kleiner Fundus. Das Team muss nicht ständig nach neuen Themen suchen, sondern kann auswählen.

Wer macht was – und wann?

Eine gute Idee nützt wenig, wenn niemand zuständig ist. „Das müssten wir einmal auf die Website stellen“ gehört zu jenen Sätzen, nach denen häufig nichts geschieht.

Deshalb braucht Öffentlichkeitsarbeit klare, aber möglichst einfache Zuständigkeiten.

Ein kleiner Redaktionsplan genügt:

Thema Zielgruppe Format Verantwortlich Termin
Gartenprojekt Eltern Newsletter Frau Müller 12. Mai
Tag der offenen Tür Öffentlichkeit Presse Leitung 20. Mai
Freies Spiel Eltern Website Herr Kaya Juni
Kinderparlament Eltern/Presse Website/Presse Leitung Juli

Dabei geht es nicht darum, ständig etwas zu veröffentlichen. Ein guter Beitrag alle zwei oder vier Wochen ist wertvoller als eine dauernde Folge belangloser Meldungen.

Was interessiert die Lokalredaktion?

Für die eigene Kita ist vieles wichtig, was für eine Zeitung noch keine Nachricht ist. Dass eine Einrichtung ein Sommerfest feiert, dürfte beispielsweise kaum überraschen.

Deshalb hilft ein Perspektivwechsel: Warum sollte sich jemand dafür interessieren, dessen Kind unsere Kita gar nicht besucht?

Interessant können ein ungewöhnliches Projekt, eine Kooperation, ein Jubiläum, ein gesellschaftlich relevantes Thema, eine besondere Initiative oder etwas sein, das Auswirkungen auf den Stadtteil oder die Gemeinde hat.

Auch Kinder können Themen setzen. Wenn sie beispielsweise feststellen, dass es auf ihrem Weg zur Kita gefährliche Straßenstellen gibt, ihre Beobachtungen dokumentieren und sich damit an die Kommune wenden, entsteht eine Geschichte, die weit über die Einrichtung hinausweist.

Praxiswerkzeug 6: Der Nachrichten-Test

Vor dem Kontakt mit einer Redaktion helfen fünf Fragen:

  • Was ist daran neu?
  • Was ist daran ungewöhnlich?
  • Warum betrifft oder interessiert es andere Menschen?
  • Gibt es einen örtlichen Bezug?
  • Können wir in ein oder zwei Sätzen sagen, worin die eigentliche Geschichte besteht?

Je mehr Fragen sich überzeugend beantworten lassen, desto eher lohnt sich die Kontaktaufnahme.

So entsteht eine Pressemitteilung

Eine Pressemitteilung muss nicht besonders kunstvoll geschrieben sein. Sie muss vor allem schnell verständlich machen, was passiert.

Das Wichtigste gehört deshalb an den Anfang.

Praxiswerkzeug 7: Die einfache Pressemitteilung

Überschrift: Was ist die Nachricht?

Erster Absatz: Wer macht was, wann, wo und warum?

Zweiter Absatz: Was ist daran besonders?

Dritter Absatz: Was bedeutet das für die Kinder oder die pädagogische Arbeit?

Zitat: Ein kurzer, konkreter Satz der Leitung oder einer beteiligten Fachkraft.

Kontakt: Name, Telefonnummer und E-Mail-Adresse einer erreichbaren Ansprechperson.

Zum Beispiel:

Kinder verwandeln Kita-Garten in Lebensraum für Insekten

Die Kinder der Kita Sonnenhügel gestalten in den kommenden Wochen gemeinsam mit ihren pädagogischen Fachkräften einen Teil des Außengeländes zu einem naturnahen Garten um. Dabei entstehen Blumenflächen, Verstecke für kleine Tiere und eine Wasserstelle.

Ausgangspunkt waren Beobachtungen der Kinder. Ihnen war aufgefallen, dass sich an manchen Pflanzen besonders viele Insekten aufhalten. Sie wollten wissen, warum das so ist.

„Wir haben die Fragen der Kinder aufgegriffen und überlegen nun gemeinsam, wie wir mehr Lebensräume für Tiere schaffen können“, erklärt Kita-Leiterin …

Damit hat eine Redaktion bereits die wesentlichen Informationen.

Die Überschrift muss etwas versprechen – und es halten

„Bei uns war wieder viel los!“ klingt freundlich, sagt aber nichts.

„Ein toller Tag für unsere Kinder“ ebenso wenig.

Eine gute Überschrift sollte den Leserinnen und Lesern einen konkreten Grund geben weiterzulesen:

Kinder verwandeln Kita-Garten in einen Lebensraum für Insekten
Warum unsere Kinder seit einer Woche an derselben Brücke bauen
Was Kinder entdecken, wenn Erwachsene sie einfach machen lassen
Kinder entscheiden mit: So plant unsere Kita das Sommerfest

Die Überschrift darf neugierig machen. Vor allem muss sie aber zum Inhalt passen. Wer etwas Großes verspricht und anschließend wenig erzählt, verspielt Aufmerksamkeit.

Ein Text in 15 Minuten

Zeitmangel bleibt ein Problem. Deshalb hilft eine feste Kurzform, mit der sich kleine Beiträge schnell erstellen lassen.

Praxiswerkzeug 8: Die Fünf-Satz-Methode

Satz 1: Was ist passiert?
Satz 2: Was wollten die Kinder herausfinden oder erreichen?
Satz 3: Was war schwierig oder überraschend?
Satz 4: Wie gingen die Kinder damit um?
Satz 5: Was zeigt uns diese Situation?

Nicht jeder Text muss exakt fünf Sätze haben. Die Methode zwingt aber dazu, sich auf die eigentliche Geschichte zu konzentrieren.

Und sie verhindert einen verbreiteten Fehler: lange pädagogische Erklärungen, bevor überhaupt deutlich geworden ist, was geschehen ist.

Wenn etwas schiefgeht

Auch dieser Bereich gehört zum praktischen Handwerkszeug. Ein Unfall ereignet sich, Eltern erheben öffentlich Vorwürfe, aufgrund von Personalmangel müssen Öffnungszeiten eingeschränkt werden oder eine Journalistin bittet kurzfristig um Stellungnahme.

Jetzt hilft kein schöner Websitebeitrag. Jetzt braucht es klare Abläufe.

Die beiden schlechtesten Reaktionen sind meist: vorschnell reden oder gar nicht reagieren.

Praxiswerkzeug 9: Die ersten Schritte in einer Krise

  1. Fakten klären: Was wissen wir sicher, was noch nicht?
  2. Zuständigkeit klären: Wer muss einbezogen werden – Leitung, Träger, gegebenenfalls Behörden?
  3. Eine Stimme festlegen: Wer spricht für die Einrichtung?
  4. Betroffene schützen: Persönliche Informationen bleiben vertraulich.
  5. Nicht spekulieren: „Das prüfen wir derzeit“ ist besser als eine Vermutung.
  6. Weiteres Vorgehen nennen: Wenn möglich, sagen, wann weitere Informationen folgen.

Transparenz bedeutet nicht, sofort alles zu sagen. Sie bedeutet, das zu sagen, was gesichert ist, und deutlich zu machen, was noch geklärt werden muss.

Kritik nicht im Affekt beantworten

Besonders öffentliche Kritik verleitet zu schnellen Reaktionen. Ein Vorwurf erscheint, jemand fühlt sich ungerecht behandelt – und schon wird eine Verteidigung formuliert.

Besser funktioniert eine einfache Reihenfolge:

Lesen → prüfen → intern klären → antworten.

Sachliche Kritik verdient eine sachliche Antwort. Persönliche Konflikte gehören dagegen nicht vor ein öffentliches Publikum.

Eine knappe Reaktion kann genügen:

„Vielen Dank für Ihren Hinweis. Da es sich um eine persönliche Angelegenheit handelt, möchten wir diese nicht öffentlich besprechen. Bitte wenden Sie sich direkt an unsere Leitung.“

Die Einrichtung signalisiert damit Gesprächsbereitschaft, ohne Vertrauliches öffentlich zu verhandeln.

Eltern sind die wichtigste Öffentlichkeit

So praktisch Pressearbeit und Website sein können: Die wichtigste Öffentlichkeit einer Kita sind die Eltern.

Gerade ihnen gegenüber bietet sich die Chance, pädagogische Arbeit verständlicher zu machen. Nicht mit langen Fachvorträgen, sondern anhand dessen, was ihre Kinder tatsächlich erleben.

Statt lediglich mitzuteilen, dass die Gruppe im Wald war, lässt sich erzählen, welche Fragen dort entstanden sind. Statt nur das fertige Bauwerk zu präsentieren, lässt sich beschreiben, wie die Kinder Hindernisse überwunden haben.

So erfahren Eltern nicht nur, was ihr Kind gemacht hat. Sie können besser verstehen, warum solche Erfahrungen für seine Entwicklung wichtig sind.

Das kann wiederum Gespräche verändern. Wer versteht, was hinter dem scheinbaren „Spielen“ steckt, betrachtet pädagogische Arbeit mit anderen Augen.

Praxiswerkzeug 10: Die Werkzeugkiste für den Alltag

Vor jeder Veröffentlichung reichen schließlich einige wenige Fragen:

  1. Haben wir eine Geschichte – oder nur eine Meldung?
  2. Was tun die Kinder darin selbst?
  3. Was ist daran bemerkenswert?
  4. Warum ist diese Erfahrung für Kinder bedeutsam?
  5. Versteht das auch jemand ohne pädagogische Ausbildung?
  6. Für wen schreiben wir?
  7. Passt der Text zu diesem Adressaten?
  8. Ist klar, wer sich um Veröffentlichung und Rückfragen kümmert?
  9. Können wir Unwichtiges streichen?
  10. Hilft der Beitrag dabei, Kinder und ihre Bedürfnisse besser zu verstehen?

Gute Öffentlichkeitsarbeit entsteht nicht dadurch, dass eine Kita möglichst häufig über sich selbst spricht. Sie entsteht, wenn sie etwas zu erzählen hat, das für andere Menschen von Bedeutung ist.

Und davon gibt es im Kita-Alltag mehr als genug. Man muss nur genau hinschauen: wenn ein Kind zum zwanzigsten Mal versucht, den Reißverschluss zu schließen; wenn aus einem Streit eine gemeinsame Regel entsteht; wenn ein Turm immer wieder umfällt und trotzdem weitergebaut wird; oder wenn drei Kinder im Sand sitzen und herausfinden wollen, wohin das Wasser fließt.

Wer solche Geschichten erzählt, macht nicht einfach Werbung für eine Einrichtung. Er macht sichtbar, wie Kinder lernen, wachsen und sich die Welt erschließen – und trägt damit dazu bei, besser zu verstehen, was Kinder wirklich brauchen.

Literatur und weiterführende Informationen

Gernot Körner

In der Reihe „Eltern- und Öffentlichkeitsarbeit“ sind folgende Artikel erschienen:

Elternarbeit in der Kita: So gelingt echte Erziehungspartnerschaft

Wenn Eltern und Fachkräfte in der Kita in Konflikt geraten

Eltern und Schule: Was Kinder für ihre Entwicklung brauchen

Öffentlichkeitsarbeit in der Kita: Zeigt, was ihr leistet!

Öffentlichkeitsarbeit in der Kita: So wird gute Pädagogik sichtbar

Krisenkommunikation in der Kita: Richtig handeln und klar informieren

spielen und lernen: Verstehen, was Kinder wirklich brauchen

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Öffentlichkeitsarbeit in der Kita: Zeigt, was ihr leistet!

Gute Kita-PR macht pädagogische Arbeit verständlich. Sie schafft Vertrauen, zeigt Professionalität und schützt zugleich die Rechte und Privatsphäre der Kinder

„Was habt ihr heute gemacht?“
„Wir waren draußen.“

Für Eltern klingt das vielleicht nach einem netten Vormittag im Garten. Für die pädagogische Fachkraft steckt darin viel mehr: Die Kinder sind geklettert, haben ihren Körper erprobt, miteinander verhandelt, Käfer beobachtet, neue Wörter benutzt, Risiken eingeschätzt, Frust ausgehalten und eigene Ideen entwickelt.

Genau hier beginnt Öffentlichkeitsarbeit.

Denn gute pädagogische Arbeit spricht nicht immer für sich selbst. Wer von außen auf eine Kita schaut, sieht häufig nur einen kleinen Ausschnitt. Er sieht Kinder spielen, malen, matschen, essen oder sich streiten. Was Fachkräfte dabei beobachten, begleiten, ermöglichen und anstoßen, bleibt oft unsichtbar.

Öffentlichkeitsarbeit bedeutet deshalb zunächst: erklären, was pädagogische Arbeit leistet.

Nicht möglichst viel zeigen. Sondern verständlich machen, warum etwas geschieht.

Öffentlichkeitsarbeit ist mehr als Werbung

Beim Begriff Öffentlichkeitsarbeit denken viele zuerst an Pressemitteilungen, eine Website oder Instagram. Doch die öffentliche Wahrnehmung einer Kita entsteht viel früher.

Sie beginnt damit, wie Eltern morgens empfangen werden. Mit dem Aushang im Eingangsbereich. Mit einem Elternbrief. Mit der Art, wie eine Fachkraft beim Abholen eine Situation erklärt. Mit dem pädagogischen Konzept auf der Website. Mit einem Tag der offenen Tür. Und natürlich auch damit, wie eine Kita gegenüber Träger, Kommune, Nachbarschaft oder Presse auftritt.

Öffentlichkeitsarbeit umfasst damit fast alles, wodurch andere Menschen erfahren, wer eine Einrichtung ist, wofür sie steht und wie sie arbeitet.

Das macht sie zu einem Teil professioneller pädagogischer Arbeit – und nicht zu einer zusätzlichen Werbeaufgabe, die irgendwann erledigt wird, wenn noch Zeit übrig ist.

Warum Transparenz so wichtig ist

Eltern geben ihr Kind für viele Stunden am Tag in die Obhut anderer Menschen. Vieles von dem, was dort geschieht, erleben sie selbst nicht.

Wie wichtig Einblicke sind, zeigt eine Studie der Bertelsmann Stiftung zur Kita-Qualität aus Elternperspektive. Ein zentraler Befund lautet: Wird die Kita von Eltern als undurchsichtige „Black Box“ erlebt, können Verunsicherung und Misstrauen entstehen. Je fremder Eltern das pädagogische Umfeld ist, desto wichtiger werden Einblicke in den Alltag und verständliche Informationen.

Das heißt nicht, dass Eltern jederzeit alles sehen oder jede pädagogische Entscheidung mitbestimmen müssen. Aber sie sollten verstehen können, was in der Kita geschieht und warum.

Transparenz schafft Vertrauen.

Und Vertrauen ist eine wichtige Grundlage dafür, dass Eltern und Fachkräfte gemeinsam für das Kind handeln können.

Nicht zeigen, was ihr macht – erklären, warum ihr es macht

Ein häufiger Fehler in der Öffentlichkeitsarbeit besteht darin, hauptsächlich Aktivitäten aufzuzählen:

„Heute haben wir gemalt.“
„Wir waren im Wald.“
„Die Kinder haben einen Kuchen gebacken.“
„Wir haben ein Sommerfest gefeiert.“

Solche Informationen sind nicht falsch. Aber sie erklären wenig über die pädagogische Arbeit. Interessanter wird es, wenn aus der Aktivität eine Geschichte über Lernen und Entwicklung wird.

Aus:

„Heute haben die Kinder mit Wasser gespielt.“

kann werden:

„Beim Experimentieren mit Wasser entwickeln Kinder eigene Vermutungen: Was schwimmt? Was sinkt? Wo läuft das Wasser schneller? Sie beobachten, vergleichen, verändern ihre Ideen und suchen gemeinsam nach Lösungen.“

Aus:

„Wir waren im Wald.“

wird:

„Auf unebenem Waldboden müssen Kinder Bewegungen ständig anpassen, Entfernungen einschätzen und Risiken bewerten. Gleichzeitig entdecken sie Tiere und Pflanzen, stellen Fragen und lösen gemeinsam Probleme.“

Und aus:

„Die Kinder haben gestritten.“

kann werden:

„Konflikte gehören zum sozialen Lernen. Wir geben Kindern Zeit, ihre Interessen auszudrücken, die Sicht des anderen wahrzunehmen und möglichst eigene Lösungen zu entwickeln. Wir greifen ein, wenn Kinder Unterstützung oder Schutz brauchen.“

Plötzlich wird sichtbar, was pädagogische Fachkräfte leisten.

Gute Öffentlichkeitsarbeit erklärt auch das Spiel

Gerade das freie Spiel braucht diese Übersetzung. Wer ein Kind vertieft mit Bauklötzen spielen sieht, könnte denken: Es beschäftigt sich eben.

Eine Fachkraft sieht möglicherweise etwas anderes: Das Kind plant, verändert Konstruktionen, entdeckt statische Zusammenhänge, verarbeitet Misserfolge, verhandelt mit anderen Kindern über Material und entwickelt seine Vorstellungskraft.

Das bedeutet nicht, dass jede Spielsituation mit Bildungsbegriffen überladen werden sollte. Gute Kommunikation darf nicht klingen wie ein Förderkatalog.

Aber gerade weil frühe Bildung häufig im Spiel stattfindet, sollten Kitas erklären können, warum Spielen keine Pause vom Lernen ist.

Öffentlichkeitsarbeit kann damit auch helfen, ein realistisches Verständnis frühkindlicher Bildung zu vermitteln.

Wer soll eigentlich erreicht werden?

Nicht jede Information richtet sich an dieselbe Öffentlichkeit.

Für bestehende Eltern ist wichtig zu verstehen, was ihr Kind erlebt und wie die Einrichtung pädagogisch arbeitet. Familien, die eine Kita suchen, interessieren sich eher dafür, wofür die Einrichtung steht, wie der Alltag aussieht und welche Schwerpunkte sie setzt. Träger, Kommune und Politik sollten verstehen, welche Leistungen die Kita erbringt, welche Bedingungen dafür notwendig sind und wo Probleme liegen. Für potenzielle Fachkräfte wiederum ist interessant, wie das Team arbeitet, welche pädagogische Haltung die Einrichtung vertritt und welche Entwicklungsmöglichkeiten bestehen. Und die Nachbarschaft interessiert vielleicht, warum jeden Dienstag eine Kindergruppe im Park unterwegs ist oder weshalb beim Sommerfest mehr Betrieb herrscht.

Deshalb sollte sich eine Kita vor jeder Kommunikationsmaßnahme fragen:

Wem möchten wir eigentlich was verständlich machen?

Diese einfache Frage verhindert viel unnötige Öffentlichkeitsarbeit.

Ein klares Profil ist wichtiger als viele Kanäle

Eine Kita muss nicht überall präsent sein.

Sie braucht nicht gleichzeitig Instagram, Facebook, TikTok, Newsletter, Blog und eine ständig aktualisierte Website.

Wichtiger ist, dass sie in wenigen Sätzen erklären kann:

  • Was ist uns für Kinder besonders wichtig?
  • Wie verstehen wir Bildung und Erziehung?
  • Wie arbeiten wir mit Eltern zusammen?
  • Was unterscheidet uns vielleicht von anderen Einrichtungen?

Ein Profil entsteht dabei nicht durch Werbesätze wie „Bei uns steht das Kind im Mittelpunkt“. Das behauptet nahezu jede Kita. Interessanter wird es, wenn eine Einrichtung konkret wird:

  • „Wir geben Kindern im Alltag viel Zeit für selbstständiges Handeln.“
  • „Naturerfahrungen gehören bei uns jede Woche zum Alltag.“
  • „Konflikte lösen wir nicht sofort für Kinder, sondern unterstützen sie dabei, eigene Lösungen zu finden.“
  • „Wir möchten, dass Kinder möglichst viel selbst ausprobieren können.“

Solche Aussagen vermitteln Haltung.

Öffentlichkeitsarbeit braucht einen Plan – aber keinen dicken Ordner

Viele Einrichtungen scheitern nicht an fehlenden Ideen, sondern daran, dass niemand zuständig ist.

Eine Mitarbeiterin wollte eigentlich die Website aktualisieren. Ein anderer Kollege sollte Fotos für den Jahresbericht sammeln. Die Leitung wollte regelmäßig kurze Texte schreiben. Im Alltag bleibt alles liegen.

Deshalb hilft ein kleiner Kommunikationsplan.

Vier Fragen reichen zunächst:

  • Was wollen wir kommunizieren?
  • Für wen?
  • Über welchen Weg?
  • Wer ist verantwortlich?

Daraus kann beispielsweise entstehen: Einmal im Monat veröffentlicht die Kita einen kurzen Einblick in ein pädagogisches Thema. Die Leitung aktualisiert wichtige Informationen auf der Website. Termine werden über den offiziellen Elternkanal versendet. Für Presseanfragen gibt es eine feste Ansprechperson.

Das ist meist wirkungsvoller als ein ehrgeiziger Redaktionsplan, der nach drei Wochen nicht mehr eingehalten wird.

Regelmäßig kommunizieren – nicht nur wenn etwas Besonderes passiert

Öffentlichkeitsarbeit konzentriert sich häufig auf Höhepunkte: Sommerfest, Ausflug, Weihnachtsfeier, Jubiläum.

Doch der normale Alltag erzählt viel mehr darüber, wie eine Kita arbeitet.

  • Warum stehen bestimmte Materialien frei zur Verfügung?
  • Warum dürfen Kinder selbst entscheiden, ob sie an einem Angebot teilnehmen?
  • Warum wird ein Kind nicht sofort dazu aufgefordert, sich zu entschuldigen?
  • Warum gehen die Kinder auch bei Nieselregen hinaus?
  • Warum wird bei einem Streit nicht sofort eingegriffen?

Genau solche Fragen eignen sich hervorragend für regelmäßige kurze Beiträge.

Eine einfache Serie könnte heißen:

„Warum wir das so machen“

Ein Thema, drei oder vier Sätze, ein konkretes Beispiel.

Damit entsteht über Monate ein viel genaueres Bild pädagogischer Qualität als durch einzelne Hochglanzaktionen.

Fachsprache übersetzen

Pädagogische Fachkräfte verwenden selbstverständlich Begriffe wie Selbstwirksamkeit, Partizipation, Ko-Konstruktion, Selbstregulation oder offene Arbeit.

Für Kolleginnen und Kollegen sind sie verständlich. Für viele Eltern und Außenstehende nicht unbedingt.

Öffentlichkeitsarbeit verlangt deshalb Übersetzungsarbeit.

Statt:

„Wir fördern die Selbstwirksamkeit der Kinder.“

kann man schreiben:

„Kinder erleben bei uns, dass ihre Ideen etwas bewirken. Sie dürfen ausprobieren, Entscheidungen treffen und erfahren, dass sie Probleme selbst lösen können.“

Statt:

„Wir arbeiten partizipativ.“

ist möglicherweise verständlicher:

„Kinder werden an Entscheidungen beteiligt, die ihren Alltag betreffen – zum Beispiel bei Projekten, Regeln oder der Gestaltung von Räumen.“

Dabei geht nichts von der Professionalität verloren. Im Gegenteil: Wer etwas verständlich erklären kann, zeigt, dass er weiß, warum er es tut.

Eltern informieren: klar, knapp und auf mehreren Wegen

Nicht jede Information ist Öffentlichkeitsarbeit im engeren Sinn. Doch gute Elternkommunikation prägt entscheidend das Bild einer Einrichtung.

Das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit empfiehlt für schriftliche Informationen, sie klar, verständlich und auf das Wesentliche beschränkt zu formulieren. Auch mögliche Sprachbarrieren sollten berücksichtigt werden. Schriftliche und mündliche Kommunikation können sich sinnvoll ergänzen.  Das klingt selbstverständlich, wird im Alltag aber schnell vergessen.

Ein vierseitiger Elternbrief mit verschachtelten Sätzen ist nicht automatisch gründlicher als eine halbe Seite mit klaren Informationen. Ebenso wenig sollte eine wichtige Nachricht ausschließlich an einem Schwarzen Brett hängen, an dem Eltern morgens mit einem müden Dreijährigen und zwei Taschen vorbeilaufen.

Entscheidend ist: Kommt die Information bei den Menschen an, für die sie gedacht ist?

Nicht jedes Problem gehört in die Öffentlichkeit

Transparenz bedeutet nicht, alles öffentlich zu machen. Ein Konflikt mit einem Kind gehört nicht auf die Website. Eine Beschwerde von Eltern nicht in den Newsletter. Interne Teamprobleme nicht in soziale Medien. Öffentlichkeitsarbeit braucht deshalb immer die Unterscheidung zwischen:

Was darf und soll öffentlich sein?

und:

Was gehört in einen geschützten Raum?

Gerade Informationen über einzelne Kinder benötigen besonderen Schutz. Gespräche über Entwicklung, Verhalten oder familiäre Situationen sind vertraulich. Professionelle Öffentlichkeitsarbeit zeigt deshalb die Arbeit der Einrichtung, ohne persönliche Geschichten von Kindern für die eigene Darstellung zu benutzen.

Kinder müssen nicht das Werbematerial der Kita sein

Bei Öffentlichkeitsarbeit denken viele Einrichtungen schnell an Fotos lachender Kinder.

Doch Kinderfotos sind kein notwendiger Bestandteil guter Kita-Kommunikation.

Im Gegenteil: Gerade bei Veröffentlichungen im Internet sollten Einrichtungen äußerst zurückhaltend sein. Einmal veröffentlichte Bilder können gespeichert, kopiert, verändert und weiterverbreitet werden. Fachinformationen zum Umgang mit Kinderfotos empfehlen deshalb, die Persönlichkeitsrechte der Kinder und ihre eigene Perspektive ernst zu nehmen und ein Nein des Kindes zu respektieren.

Bei digitalen Kommunikationswegen kommen zudem datenschutzrechtliche Anforderungen hinzu. Das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit weist darauf hin, dass personenbezogene Informationen und Kinderfotos nicht unbedacht über Messenger, soziale Netzwerke oder E-Mail-Dienste verbreitet werden sollten und Einrichtungen sichere, mit Träger und Datenschutzverantwortlichen abgestimmte Lösungen benötigen.

Für Öffentlichkeitsarbeit ergibt sich daraus ein sehr einfacher Grundsatz:

Die pädagogische Arbeit sichtbar machen – nicht die Kinder öffentlich machen.

Gute Bilder funktionieren auch ohne Gesichter

  • Eine Wasserbahn im Garten.
  • Kinderhände beim Modellieren.
  • Ein halbfertiger Turm.
  • Materialien für ein Experiment.
  • Gummistiefel vor der Tür.
  • Eine Werkbank.
  • Ein Tisch voller gesammelter Blätter.
  • Ein Raum, den Kinder umgestaltet haben.

Solche Motive können oft viel besser zeigen, was in einer Kita geschieht, als das fünfzigste Gruppenfoto.

Noch stärker werden sie durch eine kurze Erklärung.

Ein Foto von drei Brettern und einigen Steinen wirkt zunächst unspektakulär. Die Information, dass Kinder daraus seit drei Tagen eine Brücke bauen, immer wieder Veränderungen ausprobieren und gemeinsam darüber diskutieren, warum sie einstürzt, erzählt dagegen eine kleine Bildungsgeschichte.

Auch Fachkräfte sollten sichtbar werden

Öffentlichkeitsarbeit über Kitas konzentriert sich häufig fast ausschließlich auf Kinder. Dabei darf auch die Professionalität der Erwachsenen sichtbar werden.

  • Warum beobachtet eine Erzieherin zunächst, statt sofort einzugreifen?
  • Wie bereitet ein Team Räume vor?
  • Warum werden bestimmte Materialien angeboten?
  • Wie entstehen pädagogische Entscheidungen?
  • Was lernen Fachkräfte in einer Fortbildung?
  • Wie bereitet das Team Entwicklungsgespräche vor?

Solche Einblicke helfen Außenstehenden zu verstehen, dass pädagogische Arbeit weit mehr bedeutet, als Kinder zu beaufsichtigen.

Das ist gerade in Zeiten des Fachkräftemangels relevant. Wer zeigen möchte, dass frühpädagogische Arbeit ein anspruchsvoller Beruf ist, muss auch zeigen, worin diese Professionalität besteht.

Fünf Formate, die fast jede Kita umsetzen kann

Dafür braucht es keine professionelle PR-Abteilung.

  • „Warum wir das so machen“: Eine pädagogische Entscheidung aus dem Alltag kurz erklären.
  • „Was Kinder dabei lernen“: Eine alltägliche Situation wie Bauen, Klettern, Rollenspiel oder Streiten einordnen.
  • „Ein Blick hinter die Kulissen“: Zeigen, wie Räume vorbereitet, Projekte geplant oder Materialien ausgewählt werden.
  • „Drei Fragen an …“: Eine Fachkraft stellt ihren Arbeitsbereich, eine Fortbildung oder einen pädagogischen Schwerpunkt vor.
  • „Heute beobachtet“: Eine typische, anonymisierte Situation schildern und erklären, warum sie entwicklungsbedeutsam ist.

Schon eines dieser Formate, regelmäßig eingesetzt, kann das Bild einer Einrichtung verändern.

Auch über schwierige Bedingungen darf gesprochen werden

Öffentlichkeitsarbeit bedeutet nicht, alles schönzureden.

Wenn Personalmangel dazu führt, dass Angebote reduziert werden müssen, darf eine Kita das erklären. Wenn bestimmte Projekte wegen fehlender Ressourcen nicht möglich sind, kann auch das transparent gemacht werden.

Entscheidend ist die Form.

Statt:

„Wegen des ständigen Personalmangels können wir leider schon wieder nichts anbieten.“

ist professioneller:

„Aufgrund der aktuellen Personalsituation konzentrieren wir unsere verfügbaren Kräfte derzeit auf eine verlässliche Betreuung und stabile Beziehungen zu den Kindern. Deshalb können einzelne Zusatzangebote vorübergehend nicht stattfinden.“

Das verschweigt das Problem nicht. Aber es erklärt die pädagogische Entscheidung dahinter.

Auch Fachbeiträge zur Zusammenarbeit mit Eltern weisen darauf hin, dass Einrichtungen schwierige Rahmenbedingungen transparent machen können, um verständlich zu machen, was aktuell leistbar ist und was nicht.

Acht Fragen für den Praxischeck

Eine Kita kann ihre Öffentlichkeitsarbeit regelmäßig mit wenigen Fragen überprüfen:

  1. Können Eltern in zwei oder drei Sätzen erklären, wofür unsere Kita pädagogisch steht?
  2. Zeigen wir nur Aktivitäten – oder erklären wir auch deren Bedeutung?
  3. Kommunizieren wir regelmäßig oder nur bei Festen und besonderen Ereignissen?
  4. Sind unsere Texte auch für Menschen verständlich, die keine pädagogische Ausbildung haben?
  5. Wissen wir bei jedem Kanal, welche Zielgruppe wir erreichen wollen?
  6. Ist klar geregelt, wer für welche Kommunikation verantwortlich ist?
  7. Schützen wir Privatsphäre und Persönlichkeitsrechte von Kindern konsequent?
  8. Zeigen wir neben den Kindern auch die Professionalität der Fachkräfte?

Wo mehrere Antworten „Nein“ lauten, liegt meist schon der nächste sinnvolle Schritt.

Gute Öffentlichkeitsarbeit beginnt mit einer Haltung

Eine Kita braucht für gute Öffentlichkeitsarbeit keine perfekte Website, kein großes Budget und keine tägliche Social-Media-Präsenz.

Sie braucht zunächst Klarheit darüber, was sie tut und warum sie es tut. Dann muss sie diese Arbeit so erklären, dass andere Menschen sie verstehen können. Das stärkt nicht nur das Image der Einrichtung. Es kann Eltern helfen, pädagogische Entscheidungen besser nachzuvollziehen. Es kann Vertrauen schaffen, den Beruf der pädagogischen Fachkräfte realistischer darstellen und einer Öffentlichkeit zeigen, was frühkindliche Bildung tatsächlich bedeutet.

Und dabei sollte immer derselbe Maßstab gelten:

Nicht: Wie können wir unsere Kita möglichst wirkungsvoll präsentieren?

Sondern:

Was sollten Eltern und Öffentlichkeit verstehen, damit sie nachvollziehen können, was Kinder für eine gute Entwicklung brauchen und was unsere pädagogische Arbeit dazu beiträgt?

Die beste Öffentlichkeitsarbeit zeigt deshalb nicht möglichst viel von Kindern.

Sie macht verständlich, was für Kinder geleistet wird.

Quellen

Gernot Körner

In der Reihe „Eltern- und Öffentlichkeitsarbeit“ sind folgende Artikel erschienen:

Elternarbeit in der Kita: So gelingt echte Erziehungspartnerschaft

Wenn Eltern und Fachkräfte in der Kita in Konflikt geraten

Eltern und Schule: Was Kinder für ihre Entwicklung brauchen

Öffentlichkeitsarbeit in der Kita: Zeigt, was ihr leistet!

Öffentlichkeitsarbeit in der Kita: So wird gute Pädagogik sichtbar

Krisenkommunikation in der Kita: Richtig handeln und klar informieren

spielen und lernen: Verstehen, was Kinder wirklich brauchen

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Wenn Eltern und Fachkräfte in der Kita in Konflikt geraten

Vorwürfe, Mobbingverdacht, Streit um Förderung oder Kritik an Fachkräften: So lassen sich Konflikte klären, ohne das Kind aus dem Blick zu verlieren

„Meine Tochter will nicht mehr in die Kita. Sie sagt, Frau M. schreit sie ständig an.“

Emmas Mutter ist aufgebracht. Seit einigen Tagen weint die Fünfjährige morgens, bevor sie in die Kita geht. Am Vorabend hat sie schließlich erzählt, eine Erzieherin sei immer wieder „gemein“ zu ihr und habe sie angeschrien. Für ihre Mutter ist klar: So darf niemand mit ihrem Kind umgehen. Die Fachkraft erlebt die Situation anders. Sie habe Emma nicht angeschrien, sagt sie. Allerdings habe es in den vergangenen Tagen mehrere schwierige Situationen gegeben. Emma habe anderen Kindern Spielzeug weggenommen, Aufforderungen ignoriert und schließlich ein anderes Kind geschubst. Daraufhin habe sie sehr deutlich eingegriffen.

Wer hat recht? Genau diese Frage führt in Konflikten zwischen Eltern und pädagogischen Fachkräften häufig zunächst in die falsche Richtung. Wichtiger sind drei andere Fragen: Was ist tatsächlich geschehen? Wie hat das Kind die Situation erlebt? Und was muss jetzt geschehen, damit es sich wieder sicher fühlt? Erziehungspartnerschaft ist vergleichsweise einfach, solange Eltern und Fachkräfte ähnlich auf ein Kind schauen. Ihre eigentliche Bewährungsprobe beginnt dort, wo Vorwürfe im Raum stehen, Eltern der Kita nicht mehr vertrauen oder Fachkräfte sich zu Unrecht angegriffen fühlen. Und manchmal muss dabei auch eine unbequeme Möglichkeit zugelassen werden: Vielleicht hat das Kind mit seinem Vorwurf recht.

Ein Kind – zwei sehr unterschiedliche Wahrnehmungen

Dass Eltern und pädagogische Fachkräfte ein Kind unterschiedlich erleben, ist keineswegs ungewöhnlich. Eine Meta-Analyse von 23 Studien mit Vorschulkindern untersuchte die Übereinstimmung von Eltern- und Fachkräfteurteilen über emotionale und Verhaltensprobleme. Das Ergebnis: Die Übereinstimmung war insgesamt eher gering. Das bedeutet nicht, dass Eltern oder Fachkräfte Kinder schlecht beobachten. Kinder verhalten sich in unterschiedlichen Lebenswelten unterschiedlich. Zu Hause gelten andere Regeln, Beziehungen und Anforderungen als in einer Gruppe mit vielen Kindern. Ein Kind, das zu Hause ruhig und ausgeglichen wirkt, kann in der Kita schnell in Konflikte geraten. Ein anderes fällt in der Gruppe kaum auf, zeigt zu Hause aber große Belastungen.

Unterschiedliche Beobachtungen sind deshalb zunächst einmal Informationen. In einem Konflikt kommt jedoch etwas Weiteres hinzu: Kein Mensch beobachtet wie eine Kamera. Erwartungen, Erfahrungen, Beziehungen und Emotionen beeinflussen, was wir wahrnehmen und wie wir Verhalten interpretieren. Das gilt für Eltern – und es gilt für Fachkräfte. Deshalb darf weder die elterliche noch die professionelle Perspektive automatisch zur allein gültigen Wahrheit erklärt werden. Aber auch der Satz „Die Wahrheit liegt wahrscheinlich irgendwo in der Mitte“ hilft nicht weiter. Denn meist liegt sie dort eben nicht.

„Die Erzieherin ist gemein“

Zurück zu Emma. Was sollte ihre Mutter tun? Zunächst sollte sie die Aussage ihrer Tochter ernst nehmen, ohne das Ergebnis der Klärung bereits vorwegzunehmen. Das ist ein entscheidender Unterschied. „Was ist passiert?“ ist etwas anderes als: „Warum schreit Frau M. dich immer an?“ Die zweite Frage enthält bereits eine Behauptung und kann dem Kind eine bestimmte Interpretation nahelegen. Gerade bei jüngeren Kindern sollte deshalb möglichst offen gefragt werden.

Hilfreicher sind Fragen wie:

  • Was ist passiert?
  • Was hat Frau M. gesagt?
  • Was war vorher?
  • Wer war dabei?
  • Was hast du dann gemacht?
  • Wie ging es dir dabei?

Selbst wenn sich später herausstellt, dass die Fachkraft aus ihrer Sicht nicht geschrien hat, kann Emma die Situation als bedrohlich erlebt haben. Auch dieses Erleben ist wichtig. Aus einer ersten kindlichen Schilderung sollte deshalb weder sofort ein Urteil über eine Fachkraft noch ein Verhör des Kindes werden. Ebenso falsch wäre es allerdings, die Aussage mit Sätzen wie „Das wird schon nicht so schlimm gewesen sein“ oder „Frau M. würde so etwas niemals machen“ abzutun. Ein Kind sollte nicht erst beweisen müssen, dass sein Unbehagen berechtigt ist, bevor Erwachsene bereit sind hinzusehen.

So könnte das Gespräch beginnen

„Emma hat mir erzählt, dass sie sich von Ihnen angeschrien gefühlt hat und im Moment nicht gern in die Kita kommt. Das macht mir Sorgen. Ich möchte gern verstehen, was passiert ist und wie Sie die Situation erlebt haben.“

Damit wird niemand verurteilt. Aber das Problem wird auch nicht kleingeredet.

Und wenn das Kind recht hat?

An dieser Stelle wird es unangenehm – aber gerade deshalb wichtig. Denn selbstverständlich kann es vorkommen, dass sich eine pädagogische Fachkraft einem Kind gegenüber tatsächlich unangemessen verhält. Das darf in einem Beitrag über Konflikte zwischen Eltern und Kita nicht nur als theoretische Möglichkeit behandelt werden. Die bundesweite Befragung „Psychosoziale Belastung und Kinderschutz in der Kita“ liefert dafür wichtige Hinweise. An ihr beteiligten sich 21.635 pädagogisch Tätige und Leitungskräfte. Untersucht wurden unter anderem psychosoziale Belastungen, der Umgang mit herausforderndem Verhalten von Kindern sowie beobachtetes pädagogisches Fehlverhalten und die Reaktionen darauf.

Die von der Bertelsmann Stiftung veröffentlichten Ergebnisse sind gerade für unseren Fall bedeutsam. Ein Vorwurf gegen eine Fachkraft darf nicht deshalb relativiert werden, weil grundsätzlich davon ausgegangen wird, dass Fachkräfte professionell handeln. Professionalität bedeutet vielmehr, auch die Möglichkeit eigenen oder kollegialen Fehlverhaltens ernst zu nehmen. Die Untersuchung lenkt dabei den Blick nicht nur auf einzelne Fachkräfte, sondern auch auf Teamstrukturen und Arbeitsbedingungen.

Nicht jeder Vorwurf eines Kindes gegen eine Fachkraft ist ein Beweis. Aber jeder ernsthafte Vorwurf verdient eine sorgfältige Klärung.

Eine Einrichtung muss deshalb zwischen zwei gleichermaßen problematischen Reaktionen hindurchsteuern: Sie darf weder eine Fachkraft aufgrund einer kindlichen Äußerung vorverurteilen noch das Kind reflexartig in Zweifel ziehen, um eine Kollegin oder einen Kollegen zu schützen.

Zwischen Verharmlosung und Vorverurteilung

Was bedeutet das praktisch? Auf der einen Seite wäre es falsch, nach einer einzigen kindlichen Äußerung festzustellen: „Diese Erzieherin schreit Kinder an.“ Auf der anderen Seite wäre es ebenso falsch, reflexartig zu antworten: „Das kann ich mir bei meiner Kollegin überhaupt nicht vorstellen.“ Die Aufgabe besteht darin, den Vorwurf ernst zu nehmen und gleichzeitig offen zu lassen, was die Klärung ergibt.

Jetzt sind konkrete Fragen hilfreich:

  • Was genau berichtet das Kind?
  • Berichtet es einmalig davon oder wiederholt?
  • Hat sich sein Verhalten verändert?
  • Gibt es Situationen, vor denen es Angst hat?
  • Haben Kolleginnen oder Kollegen etwas beobachtet?
  • Gibt es ähnliche Beobachtungen bei anderen Kindern?
  • Wie beschreibt die betreffende Fachkraft die Situation?

Hier zeigt sich auch die Bedeutung eines professionellen Teams. Kinderschutz und pädagogische Qualität dürfen nicht davon abhängen, dass Kolleginnen und Kollegen einander grundsätzlich bestätigen. Eine gute Einrichtung braucht eine Kultur, in der problematisches Verhalten angesprochen werden kann. Loyalität gegenüber einer Kollegin oder einem Kollegen darf nicht bedeuten, beim Kind wegzusehen.

Wenn Eltern mit einem Vorwurf kommen

Für Fachkräfte kann eine solche Situation ausgesprochen belastend sein. Wer hört: „Mein Kind sagt, Sie schreien es an“, empfindet das möglicherweise als Angriff auf die eigene Professionalität. Der erste Impuls kann dann lauten: „Das stimmt überhaupt nicht.“ Damit beginnt jedoch schnell ein Streit darüber, wessen Darstellung glaubwürdiger ist. Hilfreicher wäre zunächst: „Ich verstehe, dass Sie sich Sorgen machen, wenn Emma Ihnen das so erzählt. Lassen Sie uns gemeinsam anschauen, was passiert ist.“ Das ist kein Schuldeingeständnis, sondern die Bereitschaft zur Klärung.

Anschließend sollte die Situation möglichst konkret rekonstruiert werden: Wann geschah sie? Was war vorher? Wer war beteiligt? Was sagte die Fachkraft? Wie reagierte das Kind? Gab es ähnliche Situationen? Je konkreter das Gespräch wird, desto geringer ist die Gefahr, dass aus einem Ereignis pauschale Urteile entstehen: „Sie schreien die Kinder ständig an“ auf der einen und „Sie glauben Ihrem Kind sowieso alles“ auf der anderen Seite. Mit solchen Sätzen lässt sich kaum noch etwas klären.

„Mein Kind wird gemobbt“

Ein besonders schwieriger Konflikt entsteht, wenn Eltern sagen: „Mein Kind wird in der Kita gemobbt.“ Der Begriff ist stark aufgeladen. Eltern, die befürchten, ihr Kind werde wiederholt ausgegrenzt, verspottet oder verletzt, sind alarmiert. Umso problematischer wäre eine reflexartige Antwort wie „Mobbing gibt es in diesem Alter noch nicht“ oder „Kinder streiten sich eben“. Beides beendet die Klärung, bevor überhaupt untersucht wurde, was passiert.

Angenommen, Jonas erzählt zu Hause seit Wochen, dass zwei Jungen ihn nicht mitspielen lassen und über ihn lachen. Inzwischen will er morgens nicht mehr in die Kita. Seine Eltern sprechen die Fachkraft darauf an, doch diese antwortet: „Das beobachten wir überhaupt nicht. Jonas spielt doch jeden Tag mit anderen Kindern.“ Damit darf die Sache nicht erledigt sein. Dass eine Fachkraft etwas nicht beobachtet hat, bedeutet nicht, dass es nicht geschieht. Umgekehrt beweist Jonas‘ Schilderung allein noch nicht, dass systematisches Mobbing vorliegt.

Statt über den Begriff zu streiten, sollte die Kita genauer hinschauen:

  • Wann sucht Jonas Kontakt zu anderen Kindern?
  • Wann wird er abgewiesen oder ausgeschlossen?
  • Sind immer dieselben Kinder beteiligt?
  • Gibt es wiederkehrende Situationen?
  • Wie reagieren andere Kinder?
  • Wie verhält sich Jonas selbst?
  • Wie reagieren die Erwachsenen?

Aus „Sie glauben unserem Kind nicht“ gegen „Wir sehen das aber anders“ wird damit eine gemeinsame Untersuchungsfrage: Was erlebt Jonas tatsächlich in der Gruppe?

„Mit unserem Kind ist alles in Ordnung“

Ein anderer Konflikt entsteht, wenn Fachkräfte überzeugt sind, dass ein Kind zusätzliche Unterstützung benötigt, Eltern diese Einschätzung aber entschieden zurückweisen. „Mit unserer Tochter ist alles in Ordnung.“ Dieser Satz kann Fachkräfte frustrieren, wenn sie seit Monaten Schwierigkeiten beobachten. Doch hinter der Ablehnung können sehr unterschiedliche Gründe stehen: Angst vor Stigmatisierung, schlechte Erfahrungen mit Institutionen, Sorge vor einer Diagnose oder schlicht die Tatsache, dass Eltern ihr Kind zu Hause anders erleben.

Problematisch wird es, wenn die Fachkraft nun versucht, die Eltern möglichst schnell von ihrer eigenen Einschätzung zu überzeugen. „Ihr Kind braucht dringend Therapie“ verschärft den Konflikt – insbesondere dann, wenn damit eine diagnostische Feststellung verbunden wird, die gar nicht Aufgabe der Fachkraft ist. Besser ist es, konkrete Beobachtungen zu beschreiben: „Uns fällt seit einigen Wochen auf, dass Mila häufig nicht versteht, was andere Kinder von ihr möchten. In Gruppensituationen zieht sie sich dann zurück und weint. Wir würden gern mit Ihnen überlegen, wie wir genauer herausfinden können, was ihr helfen könnte.“

Eltern müssen eine fachliche Einschätzung nicht sofort teilen. Aber Fachkräfte müssen relevante Beobachtungen auch nicht verschweigen, um einen Konflikt zu vermeiden. § 22a SGB VIII sieht ausdrücklich die Zusammenarbeit mit den Erziehungsberechtigten zum Wohl des Kindes und deren Beteiligung an wesentlichen Angelegenheiten der Erziehung, Bildung und Betreuung vor. Zusammenarbeit bedeutet jedoch nicht, dass Eltern und Fachkräfte jederzeit derselben Meinung sein müssen.

Ein Konflikt muss nicht mit Einigkeit enden

Das ist möglicherweise eine der wichtigsten Einsichten für schwierige Elterngespräche. Am Ende eines Gesprächs können Eltern weiterhin sagen: „Wir sehen das anders.“ Und die Fachkraft kann antworten: „Das akzeptiere ich. Gleichzeitig möchte ich unsere Beobachtung weiter ernst nehmen.“ Entscheidend ist nun, was danach geschieht. Welche Beobachtungen werden weitergeführt? Wann spricht man wieder miteinander? Welche Unterstützung kann das Kind zunächst bekommen? Soll eine weitere Fachperson hinzugezogen werden?

Eltern und Fachkräfte müssen nicht zwingend dieselbe Erklärung für das Verhalten eines Kindes haben, um den nächsten sinnvollen Schritt zu gehen. Ein gutes Konfliktgespräch muss nicht mit Einigkeit enden. Aber es sollte mit mehr Klarheit darüber enden, was das Kind jetzt braucht.

Wenn Kritik persönlich wird

Konflikte eskalieren besonders schnell, wenn nicht mehr über eine konkrete Situation, sondern über Personen gesprochen wird: „Sie haben mein Kind auf dem Kieker.“ – „Sie sind völlig uneinsichtig.“ – „Sie können Ihr Kind einfach nicht realistisch einschätzen.“ – „Sie haben offenbar keine Ahnung, wie man mit Kindern umgeht.“ Spätestens jetzt verschwindet das Kind langsam aus dem Gespräch. Beide Seiten verteidigen sich selbst.

Fachkräfte müssen Beleidigungen nicht hinnehmen. Sie dürfen Grenzen setzen und ein Gespräch beenden, wenn eine sachliche Verständigung nicht mehr möglich ist. Gleichzeitig gehört es zu professionellem Handeln, Kritik nicht automatisch als Angriff auf die eigene Fachlichkeit abzuwehren. Denn auch hinter einem ungerecht oder überspitzt formulierten Vorwurf kann eine berechtigte Sorge stehen. Die erste Frage sollte deshalb nicht lauten: „Wie widerlege ich diesen Vorwurf?“, sondern: „Was genau macht diesen Eltern Sorgen?“ Erst danach lässt sich klären, ob die Kritik berechtigt ist.

Auch Fachkräfte können Fehler machen

Dieser Satz klingt selbstverständlich. Im Konfliktfall ist er es häufig nicht. Pädagogische Fachkräfte arbeiten unter hoher Verantwortung und oftmals unter schwierigen Bedingungen. Personalmangel, Zeitdruck, Lärm, große Gruppen und herausfordernde Situationen können erheblich belasten. Die Untersuchung zu psychosozialer Belastung und Kinderschutz ist gerade deshalb interessant, weil sie Belastungen, Teamprozesse, herausforderndes Verhalten und pädagogisches Fehlverhalten nicht völlig getrennt voneinander betrachtet.

Das darf allerdings nicht missverstanden werden. Schwierige Arbeitsbedingungen können helfen zu erklären, warum problematisches Verhalten entsteht. Sie entschuldigen es nicht. Ein Kind hat nicht weniger Anspruch auf einen respektvollen Umgang, weil die Kita unterbesetzt ist. Eine professionelle Einrichtung muss deshalb beides können: die Belastung ihrer Fachkräfte ernst nehmen und gleichzeitig klare Grenzen gegenüber unangemessenem Verhalten gegenüber Kindern ziehen.

Was Eltern erwarten dürfen – und was Fachkräfte

Eltern dürfen erwarten, dass ein ernsthafter Vorwurf nicht abgewehrt wird, nur weil er unangenehm ist. Sie dürfen erwarten, dass eine Einrichtung hinsieht, die Perspektive ihres Kindes hört und bereit ist, auch das Verhalten der eigenen Fachkräfte kritisch zu prüfen. Das bedeutet nicht, dass die Interpretation der Eltern automatisch übernommen werden muss. Aber ihre Sorge verdient eine ernsthafte Prüfung.

Umgekehrt dürfen Fachkräfte erwarten, dass aus einer Beschwerde nicht sofort ein Schuldspruch wird. Sie müssen ihre Sicht darstellen können, und Eltern sollten zwischen einer eigenen Beobachtung, einer kindlichen Erzählung und einer erwiesenen Tatsache unterscheiden. Ein schwerer Vorwurf braucht eine ernsthafte Prüfung – und eine ernsthafte Prüfung braucht Offenheit in beide Richtungen.

Wann die Leitung übernehmen sollte

Nicht jeder Konflikt gehört sofort zur Kita-Leitung. Manche Konflikte sollten aber auch nicht über Wochen zwischen einer einzelnen Fachkraft und Eltern ausgetragen werden. Die Leitung sollte insbesondere einbezogen werden, wenn schwere Vorwürfe gegen eine Fachkraft erhoben werden, Gespräche wiederholt scheitern, das Vertrauensverhältnis massiv beschädigt ist oder Entscheidungen erforderlich sind, die über die Verantwortung einer einzelnen Fachkraft hinausgehen. Auch wenn Eltern vermuten, dass ihr Kind von einer Fachkraft wiederholt unangemessen behandelt wird, sollte die Klärung nicht allein der beschuldigten Person überlassen bleiben.

Die Leitung ist dabei nicht automatisch Richterin. Ihre Aufgabe besteht zunächst darin, eine professionelle Klärung sicherzustellen: Was ist bekannt? Was wird unterschiedlich dargestellt? Was wurde beobachtet? Was berichtet das Kind? Gibt es weitere Wahrnehmungen? Was muss überprüft werden? Und welche Maßnahmen sind notwendig, damit das Kind während der Klärung geschützt und gut begleitet wird? Bei ernsthaften Vorwürfen müssen zudem die vorgesehenen Schutz-, Beschwerde- und Verfahrenswege der Einrichtung und des Trägers beachtet werden.

Dokumentieren – aber keine Akten gegeneinander anlegen

Je schwieriger ein Konflikt wird, desto wichtiger kann eine sachliche Dokumentation sein. Wann fand welches Gespräch statt? Welche Beobachtungen wurden beschrieben? Welche Vereinbarungen wurden getroffen? Was soll bis zum nächsten Gespräch geschehen? Wer übernimmt welche Aufgabe? Eine solche Dokumentation soll keine Beweissammlung gegen Eltern oder Fachkräfte sein. Sie verhindert vielmehr, dass Wochen später ein neuer Streit darüber entsteht, wer was gesagt oder zugesagt hat.

Dabei zwingt Dokumentation zu einer hilfreichen Präzision. „Die Eltern blockieren alles“ ist keine brauchbare Feststellung. „Die Eltern möchten derzeit keine weitere Abklärung und wünschen zunächst eine vierwöchige Beobachtungsphase“ dagegen schon. Je stärker ein Konflikt eskaliert, desto wichtiger wird eine Sprache, die Verhalten und Vorgänge beschreibt, statt Menschen zu bewerten.

Das Kind darf nicht zum Zeugen der Erwachsenen werden

Gerade in eskalierten Konflikten entsteht eine besondere Gefahr: Das Kind gerät zwischen die Fronten. „Sag Frau M. noch einmal, was du mir gestern erzählt hast.“ Oder: „Erklär deiner Mutter doch mal, dass es ganz anders war.“ Damit bekommt das Kind plötzlich eine Aufgabe, die nicht seine ist: Es soll entscheiden, welcher Erwachsene recht hat.

Natürlich müssen Kinder gehört werden. Wenn es um ihr Erleben geht, ist ihre Perspektive unverzichtbar. Aber ein Kind anzuhören ist etwas anderes, als es zum Zeugen oder Schiedsrichter eines Erwachsenenkonflikts zu machen. Deshalb sollte vor einem gemeinsamen Gespräch mit dem Kind immer gefragt werden: Hilft seine Anwesenheit dabei, seine Perspektive zu verstehen und eine Lösung zu finden – oder soll es eine der beiden Seiten bestätigen? Im zweiten Fall gehört das Kind nicht an den Tisch.

Wenn die Fachkraft glaubt, die Eltern seien das Problem

Auch diese Seite gehört zu einem ehrlichen Beitrag. Es gibt Eltern, die Absprachen nicht einhalten, jede kritische Beobachtung zurückweisen, Fachkräfte persönlich angreifen oder Forderungen stellen, die im Kita-Alltag nicht erfüllbar sind. Trotzdem ist ein Satz wie „Mit diesen Eltern kann man einfach nicht arbeiten“ gefährlich. Denn damit wird aus einem konkreten Konflikt eine Eigenschaft der anderen Person.

Professioneller ist die Frage: Welches konkrete Verhalten erschwert die Zusammenarbeit? „Die Eltern sind uneinsichtig“ lässt sich kaum bearbeiten. „Wir haben zweimal vereinbart, die Beobachtungen zur Sprachentwicklung nach sechs Wochen gemeinsam auszuwerten. Beide Termine wurden abgesagt, und derzeit möchten die Eltern keinen neuen Termin vereinbaren“ dagegen schon. Je schwieriger eine Beziehung wird, desto präziser sollte die Sprache werden.

Wo Erziehungspartnerschaft an ihre Grenze kommt

Es gibt schließlich Situationen, in denen ein weiterer Versuch, miteinander „auf Augenhöhe“ zu sprechen, nicht mehr die richtige Antwort ist. Wenn gewichtige Anhaltspunkte dafür bestehen, dass das Wohl eines Kindes gefährdet sein könnte, geht es nicht mehr nur um unterschiedliche pädagogische Auffassungen oder einen Konflikt zwischen Erwachsenen. Dann greifen die professionellen und rechtlichen Verfahren des Kinderschutzes.

Umgekehrt darf ein heftiger Konflikt mit Eltern nicht vorschnell zum Kinderschutzfall umgedeutet werden. Unterschiedliche Erziehungsvorstellungen, schwierige Kommunikation oder eine lautstarke Auseinandersetzung sind für sich genommen keine Kindeswohlgefährdung. Gerade an dieser Grenze braucht es geregelte Verfahren statt Bauchgefühl und fachliche Einschätzung statt persönlicher Antipathie.

Sieben Schritte, wenn ein Konflikt festgefahren ist

  1. Den konkreten Anlass benennen. Nicht: „Wir haben ständig Probleme miteinander.“ Sondern: „Wir möchten über die Situation vom Dienstag sprechen.“
  2. Beobachtung, Bericht und Interpretation auseinanderhalten. Was wurde selbst beobachtet? Was hat das Kind erzählt? Was schließen die Erwachsenen daraus?
  3. Die Perspektive des Kindes ernst nehmen. Wie hat es die Situation erlebt? Was belastet es? Was braucht es? Dabei darf es nicht zum Schiedsrichter gemacht werden.
  4. Auch die unangenehme Möglichkeit zulassen. Eltern können sich irren. Fachkräfte können sich irren. Und eine Fachkraft kann sich tatsächlich unangemessen verhalten haben. Keine dieser Möglichkeiten sollte vor der Klärung ausgeschlossen werden.
  5. Nicht um jeden Preis Einigkeit verlangen. Unterschiedliche Einschätzungen können bestehen bleiben. Trotzdem können sich Erwachsene auf Beobachtung, Unterstützung und weitere Schritte verständigen.
  6. Konkret vereinbaren, was jetzt geschieht. Wer tut was? Was wird beobachtet? Was wird verändert? Wann wird wieder gesprochen? Wer muss gegebenenfalls hinzugezogen werden?
  7. Erkennen, wann das Gespräch nicht mehr ausreicht. Bei schweren Vorwürfen oder festgefahrenen Konflikten gehört die Leitung dazu. Je nach Situation können Träger, Fachberatung oder Beratungsstellen notwendig werden. Bei Anhaltspunkten für eine Kindeswohlgefährdung gelten die entsprechenden Kinderschutzverfahren.

Und was ist nun mit Emma?

Vielleicht stellt sich heraus, dass Frau M. tatsächlich laut geworden ist. Dann muss eine professionelle Einrichtung in der Lage sein, das zu benennen und gegebenenfalls Konsequenzen daraus zu ziehen. Vielleicht hat Frau M. in einer schwierigen Situation lediglich sehr bestimmt eingegriffen und Emma hat die Lautstärke und Deutlichkeit als Anschreien erlebt. Dann ist auch das wichtig, denn die Absicht eines Erwachsenen und das Erleben eines Kindes können auseinanderfallen. Vielleicht stellt sich aber auch heraus, dass hinter Emmas plötzlicher Abneigung gegen die Kita etwas ganz anderes steckt.

All das lässt sich nur herausfinden, wenn Erwachsene bereit sind, ihre erste Erklärung nicht sofort zur Wahrheit zu erklären. Das gilt für Eltern ebenso wie für Fachkräfte. Erziehungspartnerschaft zeigt ihre Qualität deshalb nicht daran, dass Konflikte vermieden werden oder Erwachsene immer einer Meinung sind. Sie zeigt sich darin, wie ernsthaft alle Beteiligten hinschauen, wenn etwas nicht stimmt.

Eltern dürfen widersprechen. Fachkräfte dürfen eine andere Einschätzung vertreten. Eltern dürfen Fachkräfte kritisieren, und Fachkräfte dürfen Eltern widersprechen. Beide Seiten können sich irren. Beide Seiten können Fehler machen. Was nicht passieren darf: dass der Konflikt der Erwachsenen wichtiger wird als das Kind.

Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht:

Wer von uns hat recht?

Sondern:

Was müssen wir herausfinden und verändern, damit es diesem Kind gut geht?

Quellen und weiterführende Informationen

Bertelsmann Stiftung / Justus-Liebig-Universität Gießen: Psychosoziale Belastung und Kinderschutz in der Kita – Fachkräfte schauen hin! Bundesweite Online-Befragung von 21.635 pädagogisch Tätigen und Leitungskräften. Schwerpunkt unter anderem: psychosoziale Belastung, herausfordernde Situationen, pädagogisches Fehlverhalten und Kinderschutz.

Carneiro, Alexandra; Soares, Isabel; Rescorla, Leslie; Dias, Pedro: Meta-Analysis on Parent–Teacher Agreement on Preschoolers’ Emotional and Behavioural Problems. Child Psychiatry & Human Development, 52, 609–618, 2021.

Sozialgesetzbuch VIII, insbesondere § 22a: Zusammenarbeit von Fachkräften und Erziehungsberechtigten zum Wohl des Kindes und Beteiligung der Erziehungsberechtigten an wesentlichen Angelegenheiten der Erziehung, Bildung und Betreuung.

Gernot Körner

In der Reihe „Eltern- und Öffentlichkeitsarbeit“ sind folgende Artikel erschienen:

Elternarbeit in der Kita: So gelingt echte Erziehungspartnerschaft

Wenn Eltern und Fachkräfte in der Kita in Konflikt geraten

Eltern und Schule: Was Kinder für ihre Entwicklung brauchen

Öffentlichkeitsarbeit in der Kita: Zeigt, was ihr leistet!

Öffentlichkeitsarbeit in der Kita: So wird gute Pädagogik sichtbar

Krisenkommunikation in der Kita: Richtig handeln und klar informieren

spielen und lernen: Verstehen, was Kinder wirklich brauchen

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Fachtag zu Beschäftigungspotenzialen in Kitas 2026

ehs-Campus-Moritzburg

Wie können Arbeitszeiten stabilisiert und Fachkräfte entlastet werden? Jetzt kostenfrei zum Fachtag am 1. April 2026 in Dresden anmelden

Viele Erzieherinnen erleben es täglich: hohe Belastung, Personalmangel, ständig neue Anforderungen. Gleichzeitig arbeiten fast die Hälfte der pädagogischen Fachkräfte in Teilzeit – oft nicht freiwillig, sondern um die Arbeit langfristig bewältigen zu können.

Genau hier setzt der Fachtag
„Beschäftigungspotenziale in der Kindertagesbetreuung – Ergebnisse, Herausforderungen, Perspektiven für Ostdeutschland“
am 1. April 2026 in Dresden an.

Im Mittelpunkt steht die Frage:
Wie können Arbeitsbedingungen so verbessert werden, dass Fachkräfte im Beruf bleiben – und vielleicht sogar ihre Stunden aufstocken?

Worum geht es beim Fachtag?

Auf dem Fachtag werden erste Ergebnisse des bundesweiten Forschungsprojekts BeKit vorgestellt. Dieses untersucht, warum viele Fachkräfte ihre Arbeitszeit reduzieren oder nicht auf Vollzeit erhöhen – und welche Rahmenbedingungen sich ändern müssten.

Gemeinsam mit Fachkräften aus der Praxis wird diskutiert:

  • Wie können bestehende Arbeitszeiten stabilisiert werden?
  • Welche Unterstützung brauchen Erzieherinnen im Alltag wirklich?
  • Was können Träger und Politik konkret verbessern?
  • Welche Rolle spielt der demografische Wandel – besonders in Ostdeutschland?

Dabei geht es nicht um abstrakte Theorie, sondern um Ihre berufliche Realität in der Kita.

Was sich ändern muss

Der Fachkräftemangel in der Kindertagesbetreuung ist längst Alltag. Gleichzeitig werden die Anforderungen an die pädagogische Arbeit immer vielfältiger:

  • mehr Dokumentation
  • wachsende Bildungsansprüche
  • Inklusion und kulturelle Vielfalt
  • zunehmende Belastungen im Team

Viele Kolleginnen arbeiten deshalb in Teilzeit, um gesund im Beruf bleiben zu können. Doch was müsste passieren, damit sich daran etwas ändert? Welche Entlastung wäre tatsächlich wirksam?

Der Fachtag bietet Raum, genau darüber ins Gespräch zu kommen. Der Fachtag wendet sich an Erzieherinnen und Erzieher, Kita-Leitungen, Fachberatungen, Trägervertretungen, gewerkschaftliche Engagierte und Interessierte aus Politik und Wissenschaft.

Anmeldung und Organisation

📅 Datum: 1. April 2026
📍 Ort: Evangelische Hochschule Dresden
💶 Teilnahme: kostenfrei

Der Fachtag wird in Kooperation mit der Evangelischen Akademie Sachsen organisiert.

Die Anmeldung erfolgt über die Website der Evangelischen Akademie Sachsen oder per E-Mail an: akademie@evlks.de

Hintergrund: Das Projekt BeKit

Der Fachtag ist Teil des Forschungsprojekts BeKit – Beschäftigungspotenziale für die Kindertagesbetreuung (Laufzeit 08/2024–07/2026). Ziel ist es, Wege zu finden, um:

  • Fachkräfte im Beruf zu halten
  • Arbeitszeiten zu stabilisieren
  • attraktive Rahmenbedingungen für die Kita-Arbeit zu schaffen

Gefördert wird das Projekt von der Hans-Böckler-Stiftung.

Jetzt anmelden und mitdiskutieren

Wenn Sie sich fragen, wie sich die Arbeitsbedingungen in Kitas realistisch verbessern lassen – dann ist dieser Fachtag eine gute Gelegenheit, Ihre Erfahrungen einzubringen und neue Perspektiven kennenzulernen.

Die Teilnahme ist kostenfrei.




Praxisbuch Kita-Leitung: Erfolgreich in Führungsaufgaben starten

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Friederike Vogel bietet angehenden und erfahrenen Kita-Leitungen einen klar strukturierten, praxisnahen Leitfaden für alle zentralen Führungsaufgaben

Um es gleich vorweg zu sagen: Dieses Praxisbuch von Friederike Vogel, die als Diplom-Pädagogin und Systemische Beraterin langjährig als Kita-Leitungskraft gearbeitet hat und inzwischen als Fachbereichsleiterin für Kindertagesstätten bei einem Stuttgarter freien Träger tätig ist, überzeugt auf ganzer Linie!

Entsprechend der rundum zutreffenden Aussage von Lill & Sauerborn, die sie in ihrem Buch „Königin im eigenen Reich? Zum Berufsverständnis von Kindertagesstättenleiterinnen“ (Berlin 1995, S. 9) getroffen haben – „Eine Kita-Leitung kann viel bewirken und alles verhindern“ – geht die Autorin auf alle wesentlichen Aspekte, Aufgaben und Herausforderungen ein, die eine Leitungskraft im Auge haben und professionell erledigen muss.

Selbstmanagement und Selbstführung

  • Kapitel 1 erfasst die ersten Schritte, die als Kita-Leitung im ersten Jahr zu beachten und zu unternehmen sind.
  • Kapitel 2 geht auf den Schwerpunkt Selbstmanagement und Selbstführung ein – beispielsweise auf die wesentlichen Schlüsselmerkmale einer erfolgreichen Führung, die sechs Rollen einer Führungskraft und die Entwicklung eines unmissverständlichen Rollenverständnisses.
  • Das dritte Kapitel hält vier Alltagstipps für den beruflichen Alltag bereit, um Stresssituationen besser bewältigen zu können und ein zielführendes Selbstmanagement zu erreichen.
  • Im vierten Kapitel werden praktische Hinweise zur Führung von Mitarbeitenden gegeben, etwa zum Aufbau einer wertschätzenden Teamkultur, zum Umgang mit Widerständen im Team sowie zur Einarbeitung neu eingestellter pädagogischer Fachkräfte.
  • Das fünfte Kapitel zeigt auf, wie Gespräche wertschätzend geführt werden.
  • Und im sechsten Kapitel dreht sich alles darum, wie Konfliktgespräche geführt, welche Deeskalationstechniken eingesetzt oder wie lösungsorientiert an schwierige Problemstellungen herangegangen werden kann.

Kreative Lösungen und gelingende Teamarbeit

  • Kapitel 7 stellt bei einem Entwicklungsstillstand oder in lösungsfernen Situationen kreative Ideen zu neuen Lösungen vor – beispielsweise die Kopfstandmethode oder die Walt-Disney-Methode, die dabei helfen können, festgefahrene Wege zu verlassen und in der Qualitätsverbesserung weiterzukommen.
  • Kapitel 8 hilft mit bewährten Praktiken und praktischen Tipps bei der Gestaltung erfolgversprechender Teambesprechungen, einer klaren Weitergabe von Informationen, einer effizienten Büroorganisation und einer allseits gepflegten Sprachkultur.
  • Das neunte Kapitel wendet sich – wenn auch nur kurz, dafür aber punktgenau – der Zusammenarbeit mit Eltern zu.

Qualitätsmanagement und rechtliche Grundlagen

  • Im zehnten Kapitel kommen wesentliche Aspekte des Qualitätsmanagements zur Sprache, und das elfte Kapitel umfasst rechtliche Grundlagen, zum Beispiel zur Beteiligung von Kindern und zum Schutzauftrag bei einer Kindeswohlgefährdung. Checklisten ergänzen dabei das Ganze.

Ein klarer Wegweiser für Leitungskräfte

Es ist wirklich spannend, interessant, hilfreich und zielführend, dieses Buch als einen deutlichen, sehr klar formulierten Wegweiser für zukünftige und auch für derzeit tätige Leitungskräfte zu verstehen – um destruktive Gedanken- und Verhaltensmuster zu entdecken und in konstruktive Handlungsimpulse umzuwandeln sowie umzusetzen.

An keiner Stelle wird „um den heißen Brei herumgeredet“, sondern es werden stets deutliche Aussagen getroffen und mit praktischen Vorgehensweisen verbunden. Besser geht es nicht! Dass in der Buchgliederung das Unterkapitel 3.3 dem Unterkapitel 3.1 folgt und die Nr. 3.2 überschlagen wurde, ist nur ein kleiner, unwesentlicher Schönheitsfehler, der nicht ins Gewicht fällt.

Armin Krenz

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Bibliografie:

Vogel, Friederike: PRAXISBUCH KITA-LEITUNG. Wie der Einstieg in Führungsaufgaben gelingt. Verlag W. Kohlhammer, Stuttgart 2024. 149 Seiten, 29,00 €. ISBN: 978-3-17-045085-1




Der Bundesrat nimmt Stellung zum Entwurf für ein Kita-Qualitätsgesetz

Ziel ist, den „Fachkraft-Kind-Schlüssel“ zu verbessern, neue Fachkräfte zu gewinnen und die Kita-Leitung zu stärken

Einerseits begrüßen die Länder den Entwurf der Ampel-Koalition für ein Kita-Qualitätsgesetz. Andererseits formulieren sie aber auch Kritik. So lehnen sie etwa die im Gesetzentwurf vorgesehene bundesweit verpflichtende Staffelung der Kostenbeiträge für die Kindertagesbetreuung nach vorgegebenen Kriterien ab. Diese greife unverhältnismäßig in die Länderzuständigkeit und das Selbstverwaltungsrecht der Kommunen ein. 

Was die Regierung vorhat

Die Bundesregierung will das sogenannte Gute-KiTa-Gesetz auf Grundlage der Empfehlungen einer Evaluation und unter Berücksichtigung der Ergebnisse eines Monitorings weiterentwickeln. Beabsichtigt ist eine stärkere Fokussierung auf die Qualität der Kindertagesbetreuung. Seit 2019 bereits begonnene Maßnahmen der Länder zur Qualitätsentwicklung und zur Entlastung der Eltern bei den Beiträgen können fortgeführt werden.

Die Länder dürfen Maßnahmen ab dem 1. Januar 2023 aber ausschließlich zur Weiterentwicklung bestimmter im Gesetz festgelegter Handlungsfelder von vorrangiger Bedeutung ergreifen (bedarfsgerechtes Angebot, Fachkraft- Kind-Schlüssel, Fachkräftesicherung und Stärkung der Kita-Leitung).

Betreuungsschlüssel und sprachliche Bildung

Ziel ist es, den so genannten Fachkraft-Kind-Schlüssel zu verbessern, neue Fachkräfte zu gewinnen und die Kita-Leitung zu stärken. Gleichzeitig sind Investitionen in bedarfsgerechte Angebote und in sprachliche Bildung geplant, um der besonderen Bedeutung der sprachlichen Entwicklung von Kindern Rechnung zu tragen. Auch die Kindertagespflege soll gestärkt werden.

Entwicklung, Gesundheit, Ernährung und Bewegung stärken

Darüber hinaus nimmt der Entwurf – als Konsequenz aus der Corona-Pandemie – Maßnahmen zur Entwicklung, Gesundheit, Ernährung und Bewegung stärker in den Fokus. Verschiedene Studien hatten erhebliche Auswirkungen der Pandemie auf Kinder festgestellt, etwa den Anstieg von Förderbedarfen sowie Häufungen von psychischen und physischen Auffälligkeiten.

Soziale Teilhabe

Weiteres Ziel ist es, die soziale Teilhabe an der Kindertagesbetreuung für alle Kinder in Deutschland zu erleichtern. Daher sollen sich künftig die Beiträge bundesweit verpflichtend nach dem Einkommen der Eltern, der Anzahl der kindergeldberechtigten Kinder in der Familie und der individuellen täglichen Betreuungszeit staffeln. Die Evaluation habe gezeigt, dass bisher nur rund ein Drittel der Kommunen die Beiträge nach dem Einkommen staffelt.

Maßnahmen zur Beitragsentlastung, die seit 2019 im Rahmen des „Gute-Kita-Gesetzes“ von den Ländern umgesetzt wurden, sind grundsätzlich weiter möglich. Neue Maßnahmen zur Beitragsentlastung würden aber künftig nicht mehr mit Bundesmitteln finanziert. Damit soll sich die Budgetkonkurrenz zwischen Maßnahmen von Qualität und Teilhabe verringern.

Vier Milliarden Euro für 2023 und 2024

Der Bund will die Länder bei den Maßnahmen nach dem neuen Kita-Qualitätsgesetz 2023 und 2024 mit insgesamt vier Milliarden Euro unterstützen.

Qualitätsentwicklungsgesetz

Bis zum Ende der Legislaturperiode will die Bundesregierung das neue Kita-Qualitätsgesetz – wie im Koalitionsvertrag vereinbart – in einem weiteren Schritt abschließend zu einem Qualitätsentwicklungsgesetz mit bundesweiten Standards weiterentwickeln.

Bundestag am Zug

Die Stellungnahme des Bundesrates wurde der Bundesregierung zugeleitet. Sie kann sich dazu äußern, bevor der Bundestag entscheidet. Verabschiedet dieser das Gesetz in zweiter und dritter Lesung, stimmt der Bundesrat noch einmal darüber ab.

Quelle: Mittteilung Deutscher Bundesrat