Kita-Personal: Wie Leitungen passende Fachkräfte für ihre Teams finden

Eine neue Studie der Bertelsmann Stiftung zeigt, warum Kitas bei Einstellungen Kompromisse machen und wie Leitungen und Träger Teams aufbauen können

Besonders problematisch: Rund jede zehnte befragte Leitung berichtet, dass der Träger teilweise Personen eingestellt habe, die sie für die Arbeit mit Kindern oder im Team als ungeeignet einschätzte.Die Ergebnisse werfen eine grundsätzliche Frage auf: Wie können Kita-Leitungen unter schwierigen Bedingungen Personal gewinnen, das nicht nur eine Lücke im Dienstplan schließt, sondern die pädagogische Arbeit tatsächlich stärkt?

Warum eine schnelle Einstellung nicht immer die beste Lösung ist

Die Gründe für Kompromisse bei der Personalauswahl sind nachvollziehbar. 81 Prozent der befragten Leitungskräfte nennen die Entlastung des vorhandenen Personals, 76 Prozent die Aufrechterhaltung des Betreuungsangebots.Wer täglich mit Personalausfällen, überlasteten Kolleginnen und Kollegen und drohenden Einschränkungen der Betreuungszeiten umgehen muss, kann offene Stellen nicht beliebig lange unbesetzt lassen.

Doch eine Neueinstellung bringt nicht automatisch Entlastung. Fehlen wichtige fachliche Kompetenzen oder passt eine Person nicht in die Arbeitsweise des Teams, können zusätzliche Belastungen entstehen. Erfahrene Mitarbeitende müssen häufiger unterstützen, Konflikte klären oder Aufgaben übernehmen, für die die neue Kollegin oder der neue Kollege noch nicht ausreichend vorbereitet ist.Gerade deshalb sollte die Personalauswahl nicht allein danach erfolgen, wer möglichst schnell verfügbar ist.

Wie erkenne ich, ob jemand zu meinem Kita-Team passt?

Die Studie liefert keine fertige Checkliste für Bewerbungsgespräche. Ihre Ergebnisse machen jedoch deutlich, welche Aspekte bei der Auswahl besonders beachtet werden sollten.Neben der formalen Qualifikation sind das pädagogische Grundverständnis, die Fähigkeit zur Selbstreflexion und die Bereitschaft zur Zusammenarbeit entscheidend.Für Kita-Leitungen lassen sich daraus einige praktische Fragen ableiten:

1. Teilt die Person unsere pädagogische Grundhaltung?

Wie versteht sie die Bedürfnisse von Kindern? Wie geht sie mit Konflikten um? Welche Bedeutung haben Beteiligung, Beziehungsgestaltung und Kinderrechte für sie?

Eine gemeinsame pädagogische Orientierung bedeutet nicht, dass alle Beschäftigten gleich denken müssen. Unterschiedliche Erfahrungen und Perspektiven können ein Team bereichern. Bei grundlegenden Fragen des Umgangs mit Kindern sollte jedoch Einigkeit über verbindliche professionelle Standards bestehen.

2. Kann die Person das eigene Verhalten reflektieren?

Die hohe Zahl der Kompromisse bei der Reflexionsfähigkeit ist besonders bemerkenswert. Pädagogische Fachkräfte müssen ihr Handeln hinterfragen, Rückmeldungen annehmen und eigene Fehler erkennen können.

Im Bewerbungsgespräch können deshalb konkrete Situationen aufschlussreicher sein als allgemeine Selbsteinschätzungen. Beispielsweise: „Erzählen Sie von einer Situation, in der Sie Ihr pädagogisches Vorgehen nach einer Rückmeldung verändert haben.“

3. Wie arbeitet die Person mit anderen zusammen?

Teamfähigkeit zeigt sich nicht allein in Freundlichkeit oder Kontaktfreude. Wichtig ist, ob jemand Absprachen einhält, Informationen weitergibt, Kritik sachlich äußert und unterschiedliche Auffassungen konstruktiv bearbeiten kann.

Hilfreich können Fragen nach bisherigen Erfahrungen mit schwierigen Teamsituationen sein. Auch ein fachlich begleitetes Kennenlernen des Arbeitsalltags kann zusätzliche Eindrücke vermitteln, sofern es organisatorisch und rechtlich angemessen gestaltet wird.

4. Welche Kompetenzen sind vorhanden – und welche müssen entwickelt werden?

Nicht jede neue Mitarbeiterin und jeder neue Mitarbeiter muss bereits alle Anforderungen erfüllen. Gerade bei Quereinsteigenden kann die Bereitschaft zum Lernen eine wichtige Stärke sein.

Entscheidend ist jedoch, dass vorhandene Kompetenzlücken erkannt und durch geeignete Einarbeitung, Anleitung und Weiterbildung bearbeitet werden. Dabei müssen die jeweiligen landesrechtlichen Qualifikations- und Einsatzvorgaben eingehalten werden.

Kita-Leitung und Träger müssen gemeinsam entscheiden

Ein zentraler Befund der Studie betrifft das Verhältnis zwischen Kita-Leitung und Träger.Nur 59 Prozent der befragten Leitungskräfte geben an, dass vor jeder Neueinstellung ein persönliches Gespräch mit dem Träger stattfindet. Gleichzeitig berichten 62 Prozent, dass der Träger ihnen die alleinige Entscheidung über eine Anstellung überlässt, obwohl er die rechtliche Verantwortung trägt.

Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass Verantwortlichkeiten und Abstimmungsprozesse nicht immer ausreichend geklärt sind.

Gerade bei der Frage, wer in ein bestehendes Team passt, sind beide Perspektiven notwendig. Der Träger muss die rechtlichen, organisatorischen und finanziellen Voraussetzungen berücksichtigen. Die Kita-Leitung kennt dagegen die pädagogische Konzeption, die Zusammensetzung des Teams und die konkreten Anforderungen des Alltags.

Sinnvoll erscheint deshalb ein gemeinsames Verfahren, bei dem vor einer Ausschreibung geklärt wird, welche Qualifikationen zwingend erforderlich sind, welche Kompetenzen entwickelt werden können und wer über die Einstellung entscheidet.

Die Bertelsmann Stiftung empfiehlt ausdrücklich, die Zusammenarbeit zwischen Trägern und Leitungen bei Personalauswahl und Personalentwicklung zu intensivieren.

Warum die Einarbeitung über den Erfolg mitentscheidet

Selbst eine sorgfältig ausgewählte Fachkraft benötigt Zeit, um in einer neuen Einrichtung anzukommen.

Sie muss die Kinder kennenlernen, Beziehungen aufbauen, die pädagogische Konzeption verstehen und sich mit den Abläufen und Vereinbarungen des Teams vertraut machen.

Doch gerade bei der Einarbeitung zeigen sich nach der Studie erhebliche Defizite. Bis zu 28 Prozent der befragten Leitungskräfte meinen, dass ihre Träger über die Einarbeitung neuer Mitarbeitender nicht oder eher nicht informiert sind.

Damit fehlt möglicherweise auch die Grundlage, um beurteilen zu können, ob eine Neueinstellung tatsächlich zur Entlastung beiträgt.

Für die Praxis bedeutet das: Einarbeitung sollte nicht dem Zufall überlassen bleiben. Ein klarer Plan, feste Ansprechpersonen und regelmäßige Reflexionsgespräche können helfen, Unsicherheiten frühzeitig zu erkennen.

Dabei sollte auch das bestehende Team einbezogen werden. Denn neue Mitarbeitende müssen nicht nur Aufgaben übernehmen, sondern Teil einer gemeinsamen pädagogischen Praxis werden.

Weiterbildung darf nicht vom Zufall abhängen

Besonders deutlich wird der Handlungsbedarf bei der Qualifizierung.

Nur 31 Prozent der befragten Kita-Leitungen geben an, dass bei festgestelltem Weiterbildungsbedarf während der Einarbeitung in jedem Fall eine entsprechende Weiterbildung erfolgt.

Dabei zeigen die Analysen der Bertelsmann Stiftung einen Zusammenhang zwischen der Weiterbildungsaktivität der Träger und dem Schutz sowie der Förderung der Kinder: Wo Träger häufiger Fortbildungen veranlassen und deren Wirkung überprüfen, fallen die berichteten Ergebnisse günstiger aus.

Daraus lässt sich nicht ableiten, dass Fortbildungen allein für diese Unterschiede verantwortlich sind. Die Befunde unterstreichen jedoch die Bedeutung einer systematischen Personalentwicklung.

Vor allem bei Mitarbeitenden, die ohne klassische pädagogische Ausbildung in die Kita kommen, müssen Aufgaben, Verantwortlichkeiten und Qualifizierungsbedarf sorgfältig aufeinander abgestimmt werden.

Eine Einrichtung sollte deshalb bereits bei der Einstellung wissen, welche Unterstützung eine neue Person benötigt, wer diese leisten kann und welche Zeit dafür zur Verfügung steht.

Was tun, wenn keine geeignete Fachkraft zu finden ist?

Die schwierigste Situation entsteht, wenn eine Kita dringend Personal braucht, aber keine Bewerberin und kein Bewerber sämtliche Anforderungen erfüllt.

Die Studie zeigt, dass solche Entscheidungen längst zum Alltag vieler Einrichtungen gehören. Sie legt jedoch nicht nahe, grundsätzlich auf Quereinsteigende oder weniger erfahrene Beschäftigte zu verzichten. Vielmehr kommt es darauf an, Kompromisse bewusst und verantwortlich zu gestalten.

Nicht jede Kompetenzlücke hat dieselbe Bedeutung. Fehlende Kenntnisse über bestimmte Dokumentationsverfahren lassen sich möglicherweise relativ schnell ausgleichen. Defizite beim professionellen Umgang mit Kindern, beim Kinderschutz oder bei der Reflexion des eigenen Verhaltens sind dagegen wesentlich schwerwiegender. Deshalb sollten Träger und Kita-Leitung gemeinsam unterscheiden, welche Anforderungen unverzichtbar sind und welche durch begleitete Qualifizierung entwickelt werden können.

Auch die Belastbarkeit des vorhandenen Teams muss berücksichtigt werden. Wenn eine neue Person intensive Anleitung benötigt, dafür aber keine Zeit zur Verfügung steht, kann die vermeintliche Entlastung ausbleiben.

Gute Personalauswahl braucht gute Rahmenbedingungen

Die Bertelsmann Stiftung richtet ihre Empfehlungen deshalb nicht allein an Kita-Leitungen und Träger. Auch die Politik sei gefordert, Verantwortlichkeiten klarer zu regeln und die notwendigen Ressourcen bereitzustellen. Dazu gehören ausreichend Leitungszeit, Fachberatung, Möglichkeiten zur Weiterbildung und eine verlässliche Finanzierung.

Denn sorgfältige Auswahlgespräche, strukturierte Einarbeitung und kontinuierliche Personalentwicklung benötigen Zeit. Fehlt diese, geraten selbst engagierte Leitungskräfte unter Druck, Stellen möglichst schnell zu besetzen.

Die neue Studie macht damit deutlich, dass die Qualität einer Kita nicht erst im Gruppenraum entsteht. Sie wird bereits dort mitbestimmt, wo entschieden wird, wer eingestellt wird, wie neue Beschäftigte begleitet werden und welche Möglichkeiten sie erhalten, sich fachlich weiterzuentwickeln.

Für Kita-Leitungen lässt sich daraus eine zentrale Frage ableiten: Nicht nur „Wer kann die freie Stelle übernehmen?“, sondern vor allem „Welche Person kann mit der richtigen Unterstützung unser Team und unsere pädagogische Arbeit langfristig stärken?“

Zur Studie

Dobelmann, Noemi; Lagemann, Marina; Vielstädte, Teresa; Bock-Famulla, Kathrin (2026): Trägerverantwortung für Schutz und Wohlbefinden von Kindern in Kitas. Personalentwicklung zentral für gute Qualität. Bertelsmann Stiftung, Gütersloh. DOI: 10.11586/2026135.Für die Untersuchung wurden 4.782 Kita-Leitungskräfte zwischen September und Oktober 2025 befragt. Die Teilnahme erfolgte freiwillig nach einem Aufruf; es handelt sich nicht um eine zufällig gezogene, repräsentative Stichprobe. Die Ergebnisse geben daher die Einschätzungen der Befragten wieder und dürfen nicht ohne Weiteres auf sämtliche deutschen Kitas übertragen werden.Quelle:

https://www.bertelsmann-stiftung.de/de/publikationen/publikation/did/traegerverantwortung-fuer-schutz-und-wohlbefinden-von-kindern-in-kitas

Gernot Körner




Kita-Personalmangel: Wenn Teams die Krise jeden Tag auffangen müssen!

Eine Befragung aus Bayern zeigt, wie Personalmangel Kita-Teams belastet, den Zusammenhalt fordert und die pädagogische Qualität im Alltag gefährdet

Wenn in einer Kita Personal fehlt, springen Kolleginnen und Kollegen ein, übernehmen zusätzliche Aufgaben oder verzichten auf ihre Pausen. Gruppen werden zusammengelegt, Dienstpläne kurzfristig geändert und pädagogische Angebote verschoben. Häufig gelingt es den Teams, den Betrieb trotzdem aufrechtzuerhalten. Doch dieser Einsatz hat seinen Preis.

Wie groß die Belastungen sind, verdeutlicht eine Mitgliederbefragung des Verbands Kita-Fachkräfte Bayern e. V., deren Ergebnisse im September 2026 veröffentlicht wurden. Nach Angaben des Verbands berichten 49 Prozent der Befragten, dass es in ihren Einrichtungen aufgrund von Personalmangel bereits zu Schließungen oder verkürzten Betreuungszeiten gekommen sei. 76 Prozent erwarten nicht, dass der Fachkräftemangel bis 2027 behoben sein wird.

Hinter diesen Zahlen steht ein Problem, das in Personalstatistiken kaum sichtbar wird: Der Personalmangel verändert die Zusammenarbeit im Team und die Bedingungen, unter denen pädagogische Arbeit stattfindet.

Wenn gegenseitige Unterstützung zur Dauerbelastung wird

Ein gutes Kita-Team zeichnet sich dadurch aus, dass seine Mitglieder Verantwortung teilen, sich gegenseitig unterstützen und gemeinsam pädagogische Entscheidungen treffen. Gerade in schwierigen Situationen ist dieser Zusammenhalt unverzichtbar.

Doch wenn dauerhaft Beschäftigte fehlen, verändert sich die Bedeutung dieser Unterstützung. Aus gelegentlichem Einspringen wird eine ständige Verpflichtung. Wer krank wird, hinterlässt eine Lücke, die andere schließen müssen. Wer zusätzliche Aufgaben übernimmt, hat weniger Zeit für die eigenen.

Viele Teams entwickeln unter solchen Bedingungen eine bemerkenswerte Fähigkeit zur Improvisation. Sie organisieren den Alltag immer wieder neu und versuchen, den Kindern trotz der Engpässe verlässliche Beziehungen und vertraute Abläufe zu bieten.

Problematisch wird es, wenn solche Notlösungen zum Normalzustand werden. Dann verdeckt das Engagement der Beschäftigten möglicherweise, wie angespannt die tatsächliche Situation ist. Die Kita bleibt geöffnet, aber die Belastung steigt.

Der Verband beschreibt genau dieses Spannungsverhältnis. Nach seiner Einschätzung werden Einschränkungen des Betreuungsangebots häufig nur durch erhebliche zusätzliche Anstrengungen der Beschäftigten vermieden – zulasten ihrer Gesundheit und der pädagogischen Qualität.

Was Personalmangel mit der Teamarbeit macht

Unter dauerhaftem Zeitdruck müssen Kita-Teams ständig Prioritäten setzen. Wer übernimmt die Kinder einer erkrankten Kollegin? Welche Aufgaben können verschoben werden? Wer hat noch Zeit für Elterngespräche, Beobachtungen oder die Vorbereitung pädagogischer Angebote?

Wenn Personal und Zeit knapp sind, konkurrieren notwendige Aufgaben miteinander. Das kann Spannungen zwischen Kolleginnen und Kollegen begünstigen. Auch Leitungskräfte geraten in Konflikte zwischen den Anforderungen des Trägers, den Bedürfnissen der Kinder und dem Schutz ihrer Beschäftigten.

Die Befragung dokumentiert Sorgen, Frustration und Überlastung. Wie häufig daraus konkrete Teamkonflikte entstehen, lässt sich anhand der veröffentlichten Ergebnisse allerdings nicht feststellen.

Fest steht: Gute Teamarbeit benötigt mehr als gegenseitige Hilfsbereitschaft. Sie braucht Zeit für Absprachen, fachlichen Austausch und gemeinsame Entscheidungen.

Gerade diese Zeit fehlt häufig zuerst, wenn die Personaldecke dünn wird.

Pädagogische Qualität braucht gemeinsame Reflexion

Die unmittelbare Betreuung der Kinder lässt sich nicht aufschieben. Mahlzeiten müssen begleitet, Konflikte gelöst und Übergänge organisiert werden.

Anders sieht es mit Aufgaben aus, deren Bedeutung weniger unmittelbar sichtbar ist. Teams benötigen Zeit, um Beobachtungen auszuwerten, Entwicklungsverläufe zu besprechen, Angebote vorzubereiten und ihr pädagogisches Handeln zu reflektieren.

Fehlen diese Möglichkeiten, leidet nicht nur die Organisation. Auch die gemeinsame fachliche Grundlage der Arbeit kann geschwächt werden.

Ein Beispiel: Wenn ein Kind wiederholt durch herausforderndes Verhalten auffällt, sollten die beteiligten Fachkräfte ihre Beobachtungen austauschen und gemeinsam überlegen, welche Unterstützung sinnvoll ist. Ohne ausreichende Besprechungszeit bleibt häufig nur die spontane Reaktion im Alltag.

Der Verband fordert deshalb, Vorbereitungs- und Ausfallzeiten bei der Personalplanung angemessen zu berücksichtigen und Leitungskräfte verlässlich für ihre Führungsaufgaben freizustellen.

Dahinter steht eine zentrale Erkenntnis: Pädagogische Qualität entsteht nicht allein während der unmittelbaren Arbeit mit den Kindern. Sie benötigt auch Zeit für Planung, Abstimmung und Reflexion.

Warum neue Beschäftigte nicht automatisch Entlastung bringen

Die Mitgliederbefragung zeigt außerdem, dass zusätzliche Bewerbungen nicht zwangsläufig zu einer besseren Personalausstattung führen. Nach Angaben des Verbands berichten Beschäftigte davon, dass Träger aus finanziellen Gründen offene Stellen nicht besetzen oder Personal abbauen.

Zugleich äußern manche Befragte Bedenken hinsichtlich der Qualifikation neu eingestellter Kräfte, insbesondere bei Quereinsteigenden.

Dabei ist eine differenzierte Betrachtung notwendig. Menschen mit anderen beruflichen Erfahrungen können Kita-Teams bereichern. Entscheidend ist jedoch, dass ihre Aufgaben und Verantwortlichkeiten zu ihrer Qualifikation passen und sie angemessen eingearbeitet werden.

Gerade unter Personalmangel wird das schwierig. Neue Kolleginnen und Kollegen benötigen Anleitung, während erfahrene Fachkräfte bereits stark beansprucht sind.

Die Einstellung zusätzlicher Beschäftigter ist deshalb nur ein Teil der Lösung. Ebenso wichtig sind verlässliche Rahmenbedingungen für ihre Einarbeitung und die langfristige Zusammenarbeit.

Ein starkes Team ersetzt keine ausreichende Personalausstattung

Die Befragung macht auf ein grundsätzliches Problem aufmerksam: Viele Einrichtungen funktionieren offenbar auch deshalb weiter, weil ihre Beschäftigten immer wieder über das übliche Maß hinaus Verantwortung übernehmen.

Das verdient Anerkennung. Es darf aber nicht dazu führen, dass strukturelle Defizite dauerhaft auf die Teams abgewälzt werden.

Wer die Qualität der Kindertagesbetreuung sichern will, muss deshalb nicht nur zusätzliche Fachkräfte gewinnen. Ebenso wichtig sind realistische Personalschlüssel, ausreichend Vorbereitungszeit, verlässliche Leitungsfreistellungen und Arbeitsbedingungen, die Beschäftigte langfristig im Beruf halten.

Auch die Gesundheit der Fachkräfte gehört dazu. Dauerhafte Überlastung kann zu Erschöpfung und Ausfällen beitragen. Dadurch wächst wiederum der Druck auf die verbleibenden Kolleginnen und Kollegen.

Für Kita-Leitungen und Träger bedeutet das, Belastungen frühzeitig sichtbar zu machen und gemeinsam zu klären, welche Aufgaben unter den vorhandenen Bedingungen tatsächlich geleistet werden können.

Regelmäßige Teamgespräche, klare Zuständigkeiten und eine gute Arbeitsorganisation können helfen. Sie können fehlendes Personal jedoch nicht ersetzen.

Ein gutes Kita-Team zeichnet sich nicht dadurch aus, dass es dauerhaft jede Personallücke auffängt. Sondern dadurch, dass seine Mitglieder gemeinsam gute pädagogische Arbeit leisten können, ohne dabei selbst an ihre Grenzen zu geraten.

Zur Befragung

Der Verband Kita-Fachkräfte Bayern e. V. veröffentlichte die Ergebnisse seiner Mitgliederbefragung zum Personalmangel im September 2026. Die Angaben geben die Erfahrungen und Einschätzungen der teilnehmenden Mitglieder wieder. Da die vollständige Auswertung bislang nicht eingesehen werden konnte, sind Teilnehmerzahl und Zusammensetzung der Stichprobe nicht abschließend geprüft. Eine Repräsentativität für sämtliche Kita-Beschäftigten in Bayern lässt sich daraus nicht ableiten.

Quelle: Verband Kita-Fachkräfte Bayern e. V. (2026): Ergebnisse der Mitgliederbefragung zum Personalmangel. Veröffentlichung vom 24. September 2026.

https://verband-kitafachkraefte-bayern.de/news

Gernot Körner




Sprachförderung in Kitas: „Wir brauchen vor allem mehr Zeit“

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Mehrsprachigkeit ist in fast jeder Kita Alltag. Eine bundesweite Umfrage zeigt: Der Förderbedarf der Kinder ist den Fachkräften meist bekannt – für eine gezielte Unterstützung fehlen aber Zeit und Personal.

In mehr als 92 Prozent der befragten Kitas wachsen Kinder auf, die zu Hause überwiegend eine andere Sprache als Deutsch sprechen. Das ergab eine Umfrage des Paritätischen Gesamtverbands unter mehr als 3.200 Einrichtungen (Mai bis Juni 2025). Mehrsprachigkeit ist damit kein Ausnahmefall mehr, sondern Normalität im pädagogischen Alltag.

Viele Kitas fühlen sich überfordert

Nur 36 Prozent der Einrichtungen können die sprachliche Vielfalt nach eigenen Angaben gezielt fördern. Weniger als die Hälfte traut sich zu, die Sprachentwicklung mehrsprachig aufwachsender Kinder fachlich sicher einzuschätzen.

„Kinder bringen mit ihrer Mehrsprachigkeit eine enorme Ressource mit, doch leider ist das System der Kindertagesbetreuung noch zu wenig darauf eingestellt. Dabei hilft ein guter Erstspracherwerb nachweislich auch beim Erlernen der deutschen Sprache“, sagt Joachim Rock, Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbands.

Es fehlt die Zeit, nicht das Wissen

Das Problem liegt weniger im Erkennen des Förderbedarfs als in seiner Umsetzung. Zwei Drittel der Einrichtungen geben an, den Bedarf mit dem aktuellen Personalschlüssel nicht abdecken zu können – gegenüber der Erhebung von 2021 hat sich die Lage deutlich verschlechtert.

„Die Erfassung des Sprachstandes ist bereits heute gängige Praxis. Viele Fachkräfte kennen die Unterstützungsbedarfe der Kinder. Aber oft fehlt die Zeit, um allen Kindern gerecht zu werden“, so Rock.

Dabei braucht Sprachförderung vor allem Regelmäßigkeit und individuelle Begleitung. Sie findet nicht nur in eigenen Fördereinheiten statt, sondern beim Frühstück, im Spiel, beim Bilderbuchbetrachten, beim Singen und in jeder Alltagssituation. Voraussetzung ist, dass Erzieherinnen und Erzieher Zeit für die Kinder haben.

Was Fachkräfte und Verband fordern

Die befragten Fachkräfte setzen vor allem auf alltagsintegrierte Sprachförderung, Fortbildungen und eine enge Zusammenarbeit mit den Eltern. Dafür brauchen sie:

  • ausreichend Personal,
  • Zeit für Beobachtung und Dokumentation,
  • Raum für fachlichen Austausch und Fortbildung,
  • Materialien und Konzepte, die Mehrsprachigkeit nicht als Problem behandeln, sondern die Familiensprachen der Kinder als Ressource einbeziehen.

Der Paritätische fordert außerdem eine dauerhafte Beteiligung des Bundes an den Kosten sprachlicher Bildung. Kitas mit vielen benachteiligten Kindern sollen zusätzliche Zeitkontingente und Funktionsstellen für Sprachbildung erhalten.

Eltern und Grundschulen stärker einbinden

Bei mehrsprachigen Kindern lohnt es sich besonders, die Spracherfahrungen aus der Familie in die Kita-Arbeit einzubeziehen. Ein regelmäßiger Austausch mit den Eltern zeigt ein vollständigeres Bild vom Kind und hilft, passende Angebote zu finden.

Schwierig ist auch der Übergang in die Grundschule: Nur 35 Prozent der Kitas berichten von einer ausreichenden Verständigung mit den aufnehmenden Schulen. In größeren Städten kooperieren manche Einrichtungen mit bis zu zehn verschiedenen Grundschulen – eine kontinuierliche Abstimmung ist so kaum möglich.

Fazit

Sprachförderung ist eine Kernaufgabe frühkindlicher Bildung, doch die Rahmenbedingungen erschweren die individuelle Begleitung. Damit Kinder ihre sprachlichen Fähigkeiten entfalten können, brauchen Fachkräfte mehr Zeit, passende Konzepte und fachliche Unterstützung. Und die Zusammenarbeit mit Familien und Schulen muss so laufen, dass Informationen an den Übergängen nicht verloren gehen.

Quelle: Pressemitteilung des Paritätischen Gesamtverbands

Grundlage: bundesweite Umfrage des Paritätischen Gesamtverbands unter mehr als 3.200 Kindertageseinrichtungen, Mai bis Juni 2025.

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Armin Krenz

Sprachbildung in der Kita – alltagsorientiert und kindzentriert

Sprachentwicklung verstehen, Kinder sprachlich nachhaltig stärken und Sprache im Alltag lebendig gestalten.

In diesem praxisnahen Fachbuch erläutert Armin Krenz, warum sprachliche Bildung in der Kita weit mehr ist als gezielte Sprachförderung. Kinder benötigen Erwachsene, die als positive Sprachvorbilder agieren, aufmerksam zuhören, individuelle Ausdrucksformen verstehen und Gespräche wertschätzend begleiten

Format: 210,0 x 14,8 cm
ISBN: 9783963046223
25,00 €
Burckhardthaus




Bundesregierung investiert 3,8 Milliarden Euro in den Kita-Ausbau

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Anhaltend hoher Bedarf an Kindertagesbetreuung – trotz sinkender Geburtenzahlen

Trotz rückläufiger Geburtenzahlen bleibt die Nachfrage nach Kindertagesbetreuung in Deutschland hoch. Das belegen aktuelle Zahlen aus der neuen Broschüre „Kindertagesbetreuung Kompakt“. Der Betreuungsanteil steigt über alle Altersgruppen hinweg – insbesondere bei Kindern unter drei Jahren. Gleichzeitig zeigt sich: Das Angebot an Betreuungsplätzen reicht vielerorts nicht aus, um den Bedarf zu decken.

Frühkindliche Bildung als Schlüssel für Chancengleichheit

Bundesbildungs- und Familienministerin Karin Prien betont die Bedeutung früher Bildung:

„Kitas geben Kindern frühe Bildungschancen und die Möglichkeit Gemeinschaft zu erleben – hier wird der Grundstein für den weiteren Erfolg in Schule und Beruf gelegt. Fast jedes Kind zwischen drei Jahren und Schuleintritt besucht eine Kita und auch bei den unter Dreijährigen steigt die Betreuungsquote stetig. Eltern brauchen Kitas als verlässliche Partner. Deshalb setze ich mich dafür ein, dass wir die Kindertagesbetreuung weiter ausbauen, modernisieren und erhalten.“

Der Bund stellt aus dem Sondervermögen 6,5 Milliarden Euro für Bildung und Betreuung bereit. Rund 3,8 Milliarden Euro fließen direkt in ein neues Investitionsprogramm Kindertagesbetreuung. Ziel ist es, flächendeckend qualitativ hochwertige Betreuungsangebote sicherzustellen.

Zentrale Erkenntnisse der Broschüre „Kindertagesbetreuung Kompakt“

Die wichtigsten Daten im Überblick:

  • Anstieg der Betreuungsquote: 2024 besuchten 37,4 % der Kinder unter drei Jahren eine Kita – ein Plus von einem Prozentpunkt im Vergleich zu 2023.
  • Stabile Nachfrage trotz sinkender Geburtenzahlen: Besonders in Ostdeutschland liegt der Fokus auf dem Erhalt bestehender Plätze, während in Westdeutschland ein Ausbau notwendig bleibt.
  • Hohe elterliche Nachfrage: 98 % der Eltern wünschen sich Betreuung für Kinder ab drei Jahren – 91,6 % erhalten tatsächlich einen Platz.
  • Versorgungslücke bei U3-Betreuung: Bei Kindern unter drei Jahren beträgt die Differenz zwischen Bedarf und Angebot weiterhin 14,6 Prozentpunkte.

Qualität und Fachkräfte im Fokus

Zur Stärkung der frühkindlichen Bildung setzt der Bund auf ein ganzheitliches Förderkonzept:

  • Investitionen in Infrastruktur: Das Investitionsprogramm Kindertagesbetreuung wird mit 3,8 Milliarden Euro ausgestattet.
  • Kita-Qualitätsgesetz: Bis 2026 stellt der Bund jährlich rund 2 Milliarden Euro zur Qualitätsentwicklung bereit. Die Länder können diese Mittel unter anderem zur Fachkräftesicherung einsetzen.
  • Geplante Weiterentwicklung: Der Koalitionsvertrag sieht vor, das Kita-Qualitätsgesetz durch ein umfassendes Qualitätsentwicklungsgesetz abzulösen.

Fachkräfte als zentrale Ressource

Ein erfolgreicher Ausbau der Kindertagesbetreuung ist nur mit qualifiziertem Personal möglich. Insbesondere in Westdeutschland ist die Verfügbarkeit von pädagogischen Fachkräften der limitierende Faktor. In Ostdeutschland könnte durch mehr Personal die Stabilität der Betreuung verbessert werden – derzeit kommt es dort häufig zu kurzfristigen Schließungen.

Zur Fachkräftegewinnung setzt die Bundesregierung unter anderem auf digitale Angebote:

👉 Kompass Erziehungsberufe – Informationen rund um Ausbildung und Quereinstieg in pädagogische Berufe

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Die aktuelle Ausgabe von „Kindertagesbetreuung Kompakt“ finden Sie hier:

https://www.bmbfsfj.bund.de/Kindertagesbetreuung Kompakt




Mehr Erzieherinnen gebraucht: Bedarf wächst bis 2028 weiter

Neue IW-Studie zeigt: Zahl der Stellen steigt deutlich – Fachkräftelücke bleibt groß

Laut der aktuellen IW-Arbeitsmarktfortschreibung 2028 des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW) ist bei den Erzieherberufen bis 2028 mit dem stärksten Beschäftigungszuwachs aller untersuchten Berufsgruppen zu rechnen: Plus 136.400 Beschäftigte in fünf Jahren. Damit setzt sich der Aufwärtstrend fort, den das IW bereits in den Vorjahren festgestellt hatte.

Für den Arbeitsmarkt bedeutet das: Der Erzieherberuf bleibt eine zentrale Stellschraube, um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu verbessern. Denn wenn mehr qualifizierte Fachkräfte in Kitas tätig sind, können Eltern – insbesondere Mütter – eher ihre Arbeitszeit ausweiten oder überhaupt wieder ins Erwerbsleben zurückkehren.

Fachkräftelücke bleibt bestehen – aber mit vergleichsweise geringer Unsicherheit

Trotz des Wachstums ist die Lage angespannt: Bis 2028 wird die Fachkräftelücke im Erzieherberuf auf rund 30.800 rechnerisch unbesetzte Stellen anwachsen. Das bedeutet, dass viele Stellen voraussichtlich nicht besetzt werden können – selbst wenn der Beschäftigungszuwachs realisiert wird.

Positiv zu bewerten ist dabei, dass die Unsicherheit dieser Prognose vergleichsweise gering ist (17,8 Prozent). Das spricht für eine verlässliche Datenlage und belastbare Trends in der Entwicklung des Berufsfeldes.

Seit 2021 werden Erzieherinnen und Erzieher übrigens nicht mehr als „Fachkräfte“, sondern als „Spezialisten“ klassifiziert. Diese statistische Umstellung ändert nichts an der hohen Relevanz und dem anhaltenden Bedarf im pädagogischen Bereich.

Warum Erzieherinnen so wichtig für den Arbeitsmarkt sind

Die Studie macht deutlich: Ohne ausreichend Personal in der frühkindlichen Bildung bleibt der Ausbau von Betreuungsplätzen begrenzt. Das wirkt sich unmittelbar auf die gesamtgesellschaftliche Erwerbsbeteiligung aus – insbesondere bei Frauen. Der Beruf der Erzieherin ist damit nicht nur aus bildungspolitischer Sicht bedeutsam, sondern spielt auch eine Schlüsselrolle im gesamtwirtschaftlichen Gleichgewicht von Angebot und Nachfrage auf dem Arbeitsmarkt.

Zur Methode der IW-Arbeitsmarktfortschreibung

Die vorliegende Arbeitsmarktfortschreibung basiert auf der Analyse von Empirie-basierten Trends der letzten sieben Jahre (bis 2023). Dabei handelt es sich nicht um eine Prognose, sondern um eine sogenannte Trendfortschreibung. Das bedeutet: Die Berechnungen zeigen auf, wie sich der Arbeitsmarkt entwickelt, wenn sich bestehende Entwicklungen unverändert fortsetzen.

Die Fortschreibung greift auf die Methodik von Alexander Burstedde zurück und wird jährlich aktualisiert. Für die aktuelle Ausgabe wurden die Daten bis einschließlich 2023 verwendet. Herausgeber ist das Institut der deutschen Wirtschaft Köln e. V.

Hier können Sie die Studie downloaden.

Gernot Körner