Gesund essen in Kita und Schule: Kleine Impulse wirken

kind in der schuklantine bei der essensauswahl

Nudging in der Schulverpflegung: Gesunde Entscheidungen fördern

Wie können Kinder im Alltag leichter zu gesunden Lebensmitteln greifen? Oft braucht es dafür keine großen Veränderungen. Ein Online-Vortrag zur Schulverpflegung zeigt, wie kleine Anreize die Speisenauswahl beeinflussen und zugleich zu einem bewussteren Umgang mit Lebensmitteln beitragen können.

Ob Kinder zum Wasser greifen, einen Salat probieren oder sich für eine ausgewogene Mahlzeit entscheiden, hängt nicht allein davon ab, was angeboten wird. Auch die Gestaltung der Umgebung kann eine Rolle spielen. Genau hier setzt das sogenannte Nudging an. Gemeint sind kleine, gezielte Impulse, die eine bestimmte Entscheidung erleichtern, ohne andere Möglichkeiten vorzuschreiben.

Anlässlich des bundesweiten Tags der Schulverpflegung am 23. September 2026 zeigt die Vernetzungsstelle Kita- und Schulverpflegung Sachsen-Anhalt, wie solche Ansätze in der Praxis funktionieren können.

Kleine Veränderungen können die Auswahl beeinflussen

Nudging bedeutet übersetzt etwa „Anstupsen“. Im Bereich der Ernährung geht es darum, gesunde und nachhaltige Entscheidungen einfacher und sichtbarer zu machen. Ein Beispiel: Markierungen in Form von Wassertropfen auf dem Boden können den Weg zu einem Trinkbrunnen weisen. In einer Mensa oder Kantine kann ein gut erreichbares und ansprechend präsentiertes Salatbuffet dazu einladen, das Mittagessen mit Gemüse zu ergänzen.

Entscheidend ist dabei, dass niemand zu einer bestimmten Entscheidung gezwungen wird. Die Auswahl bleibt bestehen. Lediglich die Umgebung wird so gestaltet, dass eine gesundheitsfördernde Entscheidung leichter fällt. Für Kitas und Schulen kann dieser Ansatz interessant sein, weil Kinder täglich mit vielen kleinen Entscheidungen rund ums Essen und Trinken konfrontiert sind.

Online-Vortrag zeigt Beispiele aus der Praxis

Wie Nudging bei der Verpflegung konkret eingesetzt werden kann, zeigt ein kostenloser Online-Vortrag der Landesvereinigung für Gesundheit Sachsen-Anhalt.

Am Donnerstag, 24. September 2026, von 12:30 bis 14 Uhr werden verschiedene Möglichkeiten vorgestellt. Fotobeispiele sollen zeigen, wie die Gestaltung von Räumen und Angeboten die Speisenauswahl beeinflussen kann. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer lernen unterschiedliche Nudging-Kategorien kennen und erhalten Anregungen, die sich mit vergleichsweise einfachen Mitteln umsetzen lassen.

Auch für pädagogische Fachkräfte kann das Thema interessant sein. Denn Ernährungsbildung findet nicht nur in speziellen Projekten statt. Sie beginnt im täglichen Umgang mit Lebensmitteln und Getränken.

Gesunde Ernährung und Lebensmittel wertschätzen

Der Online-Vortrag stellt außerdem einen Zusammenhang zur bundesweiten Aktionswoche „Zu gut für die Tonne!“ des Bundesministeriums für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) her. Dabei geht es um die Frage, wie sich Lebensmittelverschwendung reduzieren lässt. Nach Angaben des BMLEH fallen in Deutschland jedes Jahr rund 10,8 Millionen Tonnen Lebensmittelabfälle an. Ein Teil davon wäre noch vermeidbar.

Auch bei der Verpflegung von Kindern kann ein bewusster Umgang mit Lebensmitteln eine Rolle spielen. Passende Portionsgrößen können beispielsweise verhindern, dass mehr auf dem Teller landet, als ein Kind tatsächlich essen möchte. Gleichzeitig können Kinder lernen, Lebensmittel wertzuschätzen und bewusst mit ihnen umzugehen.

Was Nudging für Kitas bedeuten kann

Auch wenn sich der Online-Vortrag ausdrücklich mit Schulverpflegung beschäftigt, lässt sich das Prinzip auf den Kita-Alltag übertragen. Wasser kann beispielsweise gut sichtbar und jederzeit erreichbar angeboten werden. Obst und Gemüse lassen sich ansprechend präsentieren. Bei gemeinsamen Mahlzeiten können Kinder außerdem einbezogen werden, etwa indem sie bei der Auswahl von Beilagen mitentscheiden oder gemeinsam überlegen, welche Lebensmittel gerade Saison haben. Wichtig ist dabei, Nudging nicht mit Bevormundung zu verwechseln. Kinder sollen weiterhin eigene Entscheidungen treffen können. Die Umgebung kann ihnen lediglich dabei helfen, gesunde Möglichkeiten wahrzunehmen.

Online-Vortrag am 24. September

Der kostenlose Online-Vortrag richtet sich an Trägervertretungen, Beschäftigte aus Schulen, Caterer und weitere Interessierte, die die Verpflegung nachhaltiger gestalten möchten. Die Veranstaltung findet am 24. September 2026 von 12:30 bis 14 Uhr online statt. Weitere Informationen zur Veranstaltung gibt es bei der Vernetzungsstelle Kita- und Schulverpflegung Sachsen-Anhalt unter vernetzungsstelle@lvg-lsa.de oder telefonisch unter 0391 28 86 83-0. Anmeldungen sind unter https://www.lvg-lsa.de/?veranstaltungen=bundesweite-themenwoche-schulverpflegung möglich.

Quelle: Pressemitteilung Landesvereinigung für Gesundheit Sachsen-Anhalt


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Bio & regional: Nachhaltige Ernährung in Kitas und Schulmensen fördern

Wie Kitas und Schulen mit bioregionaler Verpflegung zu mehr Nachhaltigkeit und Bildungsqualität beitragen können

Immer mehr Kinder essen täglich in Kitas oder Schulmensen. Gerade dort, wo junge Menschen viele Jahre verbringen, liegt ein großer Hebel für gesunde, nachhaltige und bewusste Ernährung. Eine aktuelle Studie der Universität Hohenheim und des Beratungsunternehmens ÖKONSULT zeigt: Bioregionale Lebensmittel könnten deutlich häufiger auf den Tisch kommen – wenn bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind.

Ziel der Studie war es, konkrete Wege aufzuzeigen, wie mehr regionale und ökologische Produkte in die Gemeinschaftsverpflegung gelangen können. Denn obwohl es viele gute Beispiele gibt, ist die Umsetzung im Kita- und Schulalltag noch ausbaufähig. Zehn praxisnahe Handlungsempfehlungen helfen nun dabei, nachhaltige Ernährung besser zu verankern – auch und gerade in Einrichtungen für Kinder und Jugendliche.

Warum bioregional in Kita und Schule?

Etwa 15 bis 18 Millionen Menschen essen in Deutschland täglich in Einrichtungen mit Gemeinschaftsverpflegung – darunter Millionen Kinder. Die tägliche Verpflegung bietet damit eine riesige Chance für die nachhaltige Transformation unseres Ernährungssystems. Ziel des Landes Baden-Württemberg ist es zum Beispiel, den Anteil an bioregionalen Lebensmitteln in der Gemeinschaftsverpflegung bis 2030 auf 30 bis 40 Prozent zu steigern.

Für Kitas und Schulen bedeutet das nicht nur ökologisch sinnvoll zu handeln, sondern auch Bildungsarbeit zu leisten. Kinder lernen durch tägliches Erleben, was gesunde Ernährung bedeutet, woher Lebensmittel kommen und warum regionale Kreisläufe wichtig sind.

Zehn Impulse für die Praxis

Das Projekt „BioRegioKantine“ hat auf Grundlage von wissenschaftlicher Literatur und Expert:inneninterviews folgende Empfehlungen formuliert, die auch für Kitas und Schulen relevant sind:

  1. Klare Ziele setzen
    Kommunen oder Träger können verbindliche Vorgaben beschließen, etwa einen bestimmten Bio-Anteil im Speiseplan – das schafft Orientierung für Küchen, Caterer und Einrichtungsleitungen.
  2. Nachhaltigkeit in Ausschreibungen verankern
    Bei der Vergabe von Verpflegungsleistungen sollten ökologische Kriterien wie Bio-Qualität ausdrücklich berücksichtigt werden. Für die Regionalität gibt es kreative Spielräume, etwa über Anforderungen an Frische oder saisonale Produkte.
  3. Frischeküchen stärken
    Einrichtungen mit eigenen Küchen oder in kommunaler Trägerschaft haben mehr Einfluss auf die Herkunft der Produkte und die Gestaltung der Speisepläne.
  4. Koordination und Vernetzung ermöglichen
    Regelmäßiger Austausch zwischen Küchenpersonal, Trägern und regionalen Erzeuger:innen hilft, Herausforderungen zu lösen und Synergien zu nutzen. Dafür braucht es Koordinierungsstellen vor Ort.
  5. Lieferstrukturen verbessern
    Für kleinere Einrichtungen ist es oft schwierig, regelmäßig regionale Produkte zu beziehen. Bündelungslösungen, z. B. über zentrale Lieferdienste, können hier Abhilfe schaffen.
  6. Digitale Plattformen nutzen
    Online-Angebote, die Produzent:innen mit Küchen vernetzen, vereinfachen die Bestellung und machen das regionale Angebot sichtbarer.
  7. Verarbeitung regionaler Produkte fördern
    Viele Kitas und Schulen sind auf vorverarbeitete Lebensmittel angewiesen. Dafür braucht es lokale Betriebe, die z. B. Gemüse waschen, schneiden und portionieren – auch hier kann kommunale Förderung ansetzen.
  8. Fortbildungen für Küchen und Pädagogik
    Schulungen für Küchenpersonal und pädagogisches Fachpersonal schaffen Wissen und Motivation – von der nachhaltigen Speiseplanung bis zur Ernährungsbildung mit Kindern.
  9. Küchenberufe aufwerten
    Gute Arbeitsbedingungen, faire Bezahlung und Wertschätzung sind nötig, um qualifiziertes Personal für Kita- und Schulverpflegung zu gewinnen und zu halten.
  10. Kinder aktiv einbinden
    Neue Gerichte und Konzepte stoßen eher auf Akzeptanz, wenn Kinder mitgestalten dürfen – etwa über Umfragen, Geschmackstests oder gemeinsame Projekte zur Herkunft von Lebensmitteln.

Ernährung als Bildungschance nutzen

Nachhaltige Ernährung in Kitas und Schulen ist mehr als eine Frage des Speiseplans – sie ist Teil der Bildungsarbeit. Eine durchdachte Gestaltung der „Ernährungsumgebung“, also etwa der Speiseräume, der Kommunikation über Gerichte und die Einbindung der Kinder, fördert das Verständnis für eine bewusste, zukunftsfähige Ernährung.

Einrichtungen, die diesen Weg gehen möchten, können sich an den Handlungsempfehlungen orientieren. Die vollständige Studie und weitere Materialien stehen unter folgendem Link zur Verfügung:
👉 https://sta.uni-hohenheim.de/BioregioKantine

Gernot Körner