Von der Ernährungsbildung zur Gemeinschaftsverpflegung

Warum Erwachsene mit ihrem eigenen Essverhalten den Grundstein für eine gesunde Esskultur bei Kindern legen

Als Erwachsene tragen wir eine große Verantwortung, wenn es um das Thema Ernährung geht. Ganz bewusst schreibe ich Erwachsene, denn damit meine ich Eltern, pädagogische Fachkräfte ebenso wie alle anderen Erwachsenen, die durch ihr Handeln im Alltag die Prägung von Kindern beeinflussen – oft ganz unbemerkt und nebenbei.

Um zu verstehen, warum das so ist, reisen wir in der Menschheitsgeschichte etwa 15.000 Jahre zurück. Zu dieser Zeit wurden wir Menschen sesshaft. Das bedeutet: Wir begannen, unsere Lebensmittel selbst anzubauen und Viehzucht zu betreiben. Davor lebten wir als Jäger und Sammler in der freien Natur und zogen in kleinen Gruppen dorthin, wo das Nahrungsangebot gerade am besten war.

Warum wir Süßes und Salziges so mögen

Das Leben in der freien Natur war vom Mangel geprägt – und an diesen Mangel hat sich unser Körper angepasst. Süße Lebensmittel wie Beeren oder Obst waren besonders energiereich. Deshalb entwickelte der Mensch eine Vorliebe für Süßes, die uns motivierte, gezielt danach zu suchen.

Auf diese Suche begeben wir uns auch heute noch. Unser sogenanntes „Reptiliengehirn“ verbindet süß nach wie vor mit wertvoller Energie und wichtigen Nährstoffen. Heute findet es jedoch häufig Schokolade, Süßigkeiten oder andere stark verarbeitete Lebensmittel – also viele Kalorien, viel Zucker, aber vergleichsweise wenige wertvolle Nährstoffe.

Ähnlich verhält es sich mit Salz. Salz ist für unseren Körper lebensnotwendig, stand unseren Vorfahren jedoch nur in geringen Mengen zur Verfügung. Deshalb entwickelte sich auch hierfür eine natürliche Vorliebe. Heute begegnet uns Salz allerdings in einem Überangebot – beispielsweise in Chips, Snacks oder vielen Fertigprodukten.

Unser Lebensmittelangebot hat sich in vergleichsweise kurzer Zeit grundlegend verändert: vom Mangel an natürlichen Lebensmitteln hin zu einem ständigen Überfluss an hochverarbeiteten Produkten. Umso wichtiger ist es heute, gemeinsam mit Kindern auf Entdeckungsreise zu gehen und ein intuitives, gesundheitsförderndes Essverhalten mit Freude und Genuss zu entwickeln.

Kinder lernen durch Vorbilder

Auch hier spielt unser „Reptiliengehirn“ eine wichtige Rolle. In der freien Natur orientierten sich Kinder am Essverhalten der Erwachsenen. Was Mutter, Vater oder andere vertraute Personen aßen, musste sicher, ungiftig und nahrhaft sein. Dieses Lernprinzip hat sich bis heute kaum verändert.

Kinder beobachten sehr genau, wie Erwachsene mit Lebensmitteln umgehen. Sie übernehmen nicht nur, was gegessen wird, sondern auch wie gegessen wird. Deshalb hat das eigene Essverhalten von Erwachsenen einen wesentlich größeren Einfluss, als vielen bewusst ist.

Was eine gesundheitsförderliche Esskultur in der Kita ausmacht

Eine gesundheitsförderliche Esskultur beginnt nicht beim Speiseplan, sondern bei den Menschen, die Kinder begleiten.

Erwachsene sollten mit Freude und Genuss gemeinsam mit den Kindern essen, ihnen auf Augenhöhe begegnen und nichts von ihnen erwarten, was sie nicht selbst vorleben. Authentizität ist dabei einer der wichtigsten Bausteine einer gelungenen Ernährungsbildung.

Mit einer bewussten Ernährungsbildung lässt sich dieses Thema aktiv gestalten. Sie eröffnet Kindern die Möglichkeit, Lebensmittel mit allen Sinnen kennenzulernen, Neues auszuprobieren und Schritt für Schritt Offenheit für unbekannte Geschmacksrichtungen zu entwickeln.

Unsere Sinne entscheiden mit

Auch hier hilft ein Blick in unsere Entwicklungsgeschichte. Unsere Sinne sind die Antennen zur Außenwelt. Mit ihnen lernten Menschen in der freien Natur, welche Lebensmittel genießbar und welche ungenießbar waren.

Jede Esserfahrung wird im Gehirn gespeichert: Geruch, Geschmack, Konsistenz, Geräusche, Aussehen und das Gefühl beim Berühren eines Lebensmittels. Aus all diesen Eindrücken entsteht nach und nach ein inneres Bild davon, was wir mögen und was uns vertraut erscheint.

Lebensmittel, die wir kennen und mit positiven Erfahrungen verbinden, akzeptieren wir meist problemlos. Unbekannte Lebensmittel begegnen wir dagegen zunächst häufig mit Vorsicht. Dieses Verhalten ist völlig normal und diente ursprünglich unserem Schutz.

Gerade deshalb ist die Begleitung durch vertraute Erwachsene so wichtig. Sie vermittelt Sicherheit und Vertrauen. Gleichzeitig wird die gesamte Atmosphäre einer Mahlzeit abgespeichert: Wie fühle ich mich beim Essen? Wie reagieren die Erwachsenen? Darf ich selbst entscheiden, ob ich probieren möchte?

Positive Erfahrungen fördern die Bereitschaft, neue Lebensmittel kennenzulernen. Druck oder Zwang – etwa durch Aufforderungen wie „Du musst wenigstens probieren!“ – können dagegen dazu führen, dass ein Lebensmittel dauerhaft abgelehnt wird. Manchmal genügt später schon sein Geruch, um diese negative Erinnerung wieder hervorzurufen.

Ich bin mir sicher, dass jeder von uns solche Erinnerungen aus der eigenen Kindheit kennt – an ein Lieblingsgericht ebenso wie an ein Lebensmittel, das man bis heute nur ungern isst.

Gemeinsam Verantwortung übernehmen

Das bedeutet: Die Zusammenarbeit zwischen Küche und pädagogischen Fachkräften ist ein entscheidender Hebel, um Kindern die Entwicklung eines gesundheitsförderlichen Essverhaltens zu ermöglichen.

Das Speisenangebot sollte so hochwertig und schmackhaft sein, dass auch die Erwachsenen mit Freude und Genuss mitessen möchten. Nur so können sie die Kinder am Esstisch authentisch begleiten.

Ist dies nicht der Fall und lehnen Erwachsene das Essen ab, weil es nicht ihren Vorstellungen einer guten Mahlzeit entspricht, überrascht es kaum, wenn auch Kinder wenig Begeisterung für das Essen entwickeln.

Deshalb sind drei Faktoren besonders wichtig: die Qualität des Essens, eine angenehme Essatmosphäre und das gemeinsame Essen.

Ernährungsbildung praktisch erleben

Doch was bedeutet praktische Ernährungsbildung eigentlich?

Ich möchte das am Beispiel der roten Linse zeigen. Immer wieder werde ich gefragt: „Wie können wir Kindern Hülsenfrüchte schmackhaft machen?“

Meine Antwort lautet: Entdeckt die Lebensmittel gemeinsam mit den Kindern – mit allen Sinnen. So entsteht Schritt für Schritt eine positive Beziehung zu neuen Lebensmitteln.

Mit allen Sinnen entdecken

1. Fühlen

Jedes Kind erhält eine Schüssel mit roten Linsen. Nun dürfen die Kinder die Linsen in aller Ruhe mit den Händen ertasten, sie durch die Finger rieseln lassen oder die Hände darin „baden“. Dabei entstehen spannende Sinneseindrücke und angenehme Geräusche.

2. Hören

Füllt gemeinsam mit den Kindern rote Linsen in eine Plastikflasche oder ein Schraubglas und gestaltet daraus eine Rassel. So wird aus einem Lebensmittel ganz nebenbei ein Musikinstrument.

3. Schmecken

Roh sind rote Linsen nicht zum Verzehr geeignet. Gegart eröffnen sie jedoch viele Möglichkeiten. Bereitet deshalb gemeinsam mit den Kindern ein einfaches Rezept zu.

Süßer Linsenaufstrich (für 10 Portionen)

Allergene: Schalenfrüchte

Zutaten

  • 50 g Möhre, gewürfelt
  • 35 g Trockenaprikosen, gewürfelt
  • 75 g rote Linsen
  • 1 g Jodsalz
  • 200 ml Wasser
  • 50 g helles Mandelmus
  • Abrieb oder Saft einer Orange oder Zitrone

Zubereitung

  1. Möhren, rote Linsen, Salz und Wasser in einem geschlossenen Topf etwa 20 Minuten köcheln lassen.
  2. Anschließend alles fein pürieren.
  3. Das Mandelmus unterrühren.
  4. Zum Schluss mit Orangen- oder Zitronenabrieb beziehungsweise etwas Saft abschmecken.

Tipp: Wer den Aufstrich besonders cremig möchte, kann etwas Butter unterrühren. Bitte dabei die zusätzlichen Allergene beachten.

Ernährungsbildung beginnt mit Neugier

Kinder müssen neue Lebensmittel nicht sofort mögen. Viel wichtiger ist, dass sie neugierig werden, Lebensmittel kennenlernen und positive Erfahrungen sammeln dürfen.

Je häufiger Kinder Lebensmittel ohne Druck erleben, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie später bereit sind, Neues auszuprobieren. Ernährungsbildung bedeutet deshalb nicht, Kinder zum Essen zu überreden. Sie bedeutet, ihnen Zeit zu geben, Erfahrungen zu sammeln und Vertrauen in ihre eigenen Sinne zu entwickeln.

Genau darin liegt die große Chance einer guten Gemeinschaftsverpflegung: Sie kann weit mehr sein als die tägliche Versorgung mit Mahlzeiten. Sie wird zu einem Lern- und Erlebnisraum, in dem Kinder mit Freude entdecken, genießen und gesundheitsförderliche Gewohnheiten entwickeln können.

Stefan Brandel

Weitere Informationen, Rezepte sowie Schulungs- und Beratungsangebote:

Stefan Brandel

www.stefanbrandel.de

info@stefanbrandel.de

Telefon: 0176 819 843 08




Kostenfreies Bildungsprogramm: Kita-Kinder entdecken Lebensmittel

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Pädagogische Fachkräfte erkunden mit Kita-Kindern, woher regionale Bio-Lebensmittel kommen und wie sie hergestellt werden

Essen entdecken! ist ein kostenfreies, interaktives Bildungsprogramm der Sarah Wiener Stiftung für Kitas deutschlandweit. Die Lernreise begleitet pädagogische Fachkräfte dabei, mit Kita-Kindern zu erkunden, woher regionale Bio-Lebensmittel kommen und wie sie hergestellt werden. Die Teilnahme ist ganzjährig möglich. Kita-Fachkräfte können sich der Webseite sw-stiftung.de/mitmachen/essen-entdecken anmelden.

Die Entstehung und Verarbeitung von Bio-Lebensmitteln wie Getreide, Milch, Eier, Honig, Obst- oder Gemüsesorten wird bei Essen entdecken! mit allen Sinnen erlebbar. Das Programm fördert einen Bezug zum Essen, weckt Neugier, Interesse und Wertschätzung für die ökologische Landwirtschaft, für Tiere und Pflanzen.

Interaktiver E-Mail-Kurs

Im Rahmen eines sechswöchigen E-Mail-Kurses erhalten die pädagogischen Fachkräfte Impulse und Materialien. Sie erfahren, wie sie gemeinsam mit ihrer Kita-Gruppe im Alltag, etwa beim Morgenkreis, den Mahlzeiten oder im Kitagarten, das jeweilige Lebensmittel näher kennenlernen können. Zu den Inhalten und Formaten des Programms gehören digitale Info-Module, Videos, Hörbeiträge, Praxisbeispiele, Rezepte, interaktive Ideenpinnwände und Austauschrunden.

Exkursion

Neben dem Erkunden des Bio-Lebensmittels in der Kita ist eine Exkursion Teil der Lernreise. Kitas können einen selbstorganisierten Erlebnisort oder einen Partnerbetrieb der Stiftung besuchen.

Die Sarah Wiener Stiftung bietet jährlich bis zu 150 qualitätsgesicherte Tagesexkursionen zu erzeugenden und verarbeitenden Bio-Betrieben in ganz Deutschland an und kooperiert mit rund 30 Betrieben. Termine für Kitagruppen zwischen 15 und 30 Kindern, die zwischen drei und sechs Jahre alt sind, finden sich auf der Essen entdecken!-Webseite.

Bei der Variante mit einer Exkursion zu einem selbstorganisierten Erlebnisort sind die Teilnehmenden freier in der Termin- und Ortsplanung. Alles entlang der Wertschöpfungskette des jeweiligen Lebensmittels ist möglich (z.B. eine Bio-Bäckerei, ein Bio-Markt oder eine Streuobstwiese). Die Sarah Wiener Stiftung unterstützt mit Tipps und Hilfestellungen, um die Organisation so einfach wie möglich zu halten. Eventuell entstehende Exkursionskosten müssen die Kitas selbst tragen.

Förderpartner

Essen entdecken! ist von IN FORM, Deutschlands Initiative für gesunde Ernährung und mehr Bewegung, ausgezeichnet. Es wird durch die Holistic Foundation, die Landwirtschaftliche Rentenbank, die Stiftung Berliner Sparkasse und die TARGOBANK Stiftung gefördert.

Quelle: Pressemitteilung Sarah Wiener Stiftung




Heinz-Ketchup erhält die Testnote „ungenügend“

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ÖKO-TEST: Problem mit Schimmelpilzgiften und Transparenz

Jede Menge Schimmelpilzgifte und Zucker kaufen laut einem aktutellen Test des Magazins ÖKO-TEST Verbraucher mit dem Heinz Tomato Ketchup ein. Ausgerechnet der Marktführer fällt durch. Immerhin: Neun von 20 getesteten Produkten können die Verbraucherschützer empfehlen. 

Laut ÖKO-TEST überschreitet Heinz den EU-Richtwert für Alternariol-Schimmelpilzgifte und erreicht ein Vielfaches dieses Werts. Zell- und neuerdings auch Tierstudien weisen darauf hin, dass diese Toxine das Erbgut schädigen können. Den Richtwert hat die EU im Rahmen einer Empfehlung zur Überwachung von Alternaria-Toxinen in Lebensmitteln veröffentlicht. Außerdem überschreitet der Testverlierer die ÖKO-TEST-Zuckermarke: Der Heinz-Ketchup enthält mehr als 25 Gramm Zucker pro 100 Milliliter. Zur Einordnung: Mit einer 30-Milliliter-Portion dieses Ketchups hätte ein dreijähriges Kind bereits mehr als die Hälfte der Menge an Zucker intus, die die Weltgesundheitsorganisation (WHO) für einen ganzen Tag empfiehlt. ÖKO-TEST kritisiert aber nicht nur den Inhalt der Flasche – Heinz fällt auch in Sachen Transparenz durch. „Dass ausgerechnet der Marktführer keinerlei Bereitschaft zeigt, Angaben zu Lieferketten, Herkunft der Tomaten, Arbeitsbedingungen oder Umweltbemühungen zu machen, ist ein Armutszeugnis“, sagt Kerstin Scheidecker, ÖKO-TEST-Chefredakteurin.

Tomaten sind weltweit ein gefragtes Lebensmittel. Der Kampf um einen niedrigen Preis geht oft auf Kosten von Umwelt und Arbeitsbedingungen. China ist mit Abstand der größte Tomatenproduzent weltweit und in Xinjiang, der Hauptanbauregion für Tomaten, arbeiten nach Angaben der vereinten Nationen auch Zwangsarbeiter auf den Feldern. Die Mehrzahl der Hersteller im Test bemüht sich um Transparenz und liefern Belege. Besonders vorbildlich sind dabei sechs Bio-Ketchup-Hersteller, die ÖKO-TEST den Weg ihrer Tomaten vom Feld bis zur Ketchupflasche offengelegt haben. In puncto ökologische und soziale Herstellungsbedingungen haben sie im Schnitt ebenfalls die Nase vorne.

Auch die Sensorik spielt eine Rolle im Ketchup-Test – mit dem Ergebnis: Guter Geschmack braucht keinen übermäßigen Zucker. Zwei Produkte überzeugen in allen Testkategorien und erreichen das Gesamturteil „sehr gut“: der Bio-Ketchup von Zwergenwiese und der günstige Penny Tomaten Ketchup.

Weitere Informationen und den aktuellen Test finden Sie in der Märzausgabe des ÖKO-TEST Magazins und auf der Website oekotest.de/13517




Zucker in Kinderlebensmitteln

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ÖKO-Test: Dreiste Werbung auf viel zu süßen Kinderlebensmitteln

ÖKO-TEST hat 40 Kinderlebensmittel unter die Lupe genommen und hat Anlass zu scharfer Kritik: Viele Babybreie, Cerealien oder Milchprodukte werben mit bunten Comicfiguren und machen auf gesund. Dabei enthalten die meisten Produkte viel zu viel Zucker. Negativer Spitzenreiter im Test: die Kellogg’s Frosties mit 37 Prozent Zucker.

Immer mehr Kinder leiden an Übergewicht und Krankheiten wie Typ-2-Diabetes.

Das nimmt ÖKO-TEST zum Anlass, den Zuckergehalt in Kinderlebensmitteln sowie die Werbung auf den Verpackungen zu bewerten. Im Test: Babybreie, Quetschies, Baby- und Kinderkekse, Cerealien, Ketchups und Tomatensaucen sowie Milchprodukte. Fast alle Produkte sind für Eltern und Kinder besonders ansprechend gestaltet und vermitteln den Eindruck, speziell auf die Bedürfnisse der Kleinen zugeschnitten zu sein. Das Ergebnis zeigt, dass die Aufmachung täuscht: In 29 von 40 Produkten ist der Zuckergehalt aus ÖKO-TEST-Sicht „zu hoch“. Auf insgesamt 33 Produkten bewertet ÖKO-TEST die Werbung als „problematisch“. 

Häufig tricksen die Hersteller auf Kosten der Kinder.

Aussagen wie „weniger Zucker“, „ohne Zuckerzusatz“, „Süße nur aus Früchten“ oder „mit viel guter Milch“ sind aus Sicht der Verbraucherschützer angesichts der hohen Zuckergehalte völlig unangebracht. „Viele der getesteten Produkte sind alles andere als gesund, auch wenn etwas anderes suggeriert wird. Dass die Industrie Kinder in der Werbung mit kindgerecht gestalteten Zuckerbomben ansprechen darf – damit muss endlich Schluss sein“, sagt ÖKO-TEST Chefredakteurin Kerstin Scheidecker.

Die Frankfurter Verbraucherschützer orientieren sich bei ihrer Bewertung am Nährwertprofil-Modell der WHO-Europa, das unter anderem Zucker-Höchstgehalte für verschiedene Lebensmittelgruppen vorsieht und Kindermarketing im Falle einer Überschreitung missbilligt. Für Frühstückscerealien liegt die WHO-Kinder-Werbegrenze bei 15 Milligramm pro 100 Gramm. 

Die Kellogg’s Frosties mit dem freundlichen Tiger enthalten mehr als das Doppelte und damit mehr Zucker als alle anderen Testprodukte: 37 Gramm Zucker pro 100 Gramm Cerealien. Mit einer 40-Gramm-Portion Frosties haben Kinder zwischen 1 und 3 Jahren bereits 99 Prozent der Zuckermenge zu sich genommen, die die WHO für den ganzen Tag toleriert. Es geht aber auch anders: Das Dm Bio Knuspermüsli für Kinder enthält 8,5 Gramm Zucker pro 100 Gramm, was pro Portion 23 Prozent der täglich tolerierten Zuckermenge entspricht – „in Ordnung“ lautet hier das ÖKO-TEST-Urteil.

Eltern unterschätzen den Zuckergehalt

 Eine Studie des Max-Planck-Instituts von 2018 zeigt, dass Eltern den Zuckergehalt in den Lebensmitteln ihrer Kinder massiv unterschätzen. Laut der DONALD-Studie des Forschungsinstituts für Kinderernährung (FKE) decken sechs- bis zehnjährige Kinder ihre Energiezufuhr zu mehr als 17 Prozent über zugesetzten Zucker – höchstens zehn Prozent sind eigentlich empfohlen. Bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen ist es sogar noch mehr. Die Folge: 15 Prozent der Kinder und Jugendlichen in Deutschland gelten heute als übergewichtig, sechs Prozent sogar als fettleibig. 

Alle getesteten Kinderlebensmittel und weitere Informationen finden Sie in der Märzausgabe des ÖKO-TEST Magazins und auf der Website oekotest.de/13567