Warum Musizieren Kinder stark macht – und ihr Gehirn wachsen lässt

Musik berührt Kinder nicht nur emotional. Forschungen zeigen: Gemeinsames Singen, Trommeln und Musizieren fördern Sprache, Konzentration, soziale Fähigkeiten und die Entwicklung des Gehirns

Kaum erklingt Musik, passiert etwas: Kinder beginnen zu wippen, zu klatschen oder mitzusingen. Manche trommeln auf den Tisch, andere bewegen sich ganz selbstverständlich im Rhythmus. Musik erreicht Kinder unmittelbar – nicht nur über das Denken, sondern über Bewegung, Gefühle und Sinne.

Genau darin liegt ihre besondere Kraft. Musik ist für Kinder kein abstraktes Lernfeld. Sie erleben und hören sie, bewegen sich, beobachten andere, reagieren auf Klänge und drücken gleichzeitig eigene Gefühle aus. Deshalb gehört Musik zu den stärksten Erfahrungsräumen kindlicher Entwicklung.

Der renommierte Pädagoge Armin Krenz beschreibt Musik treffend als „Seelenproviant für Kinder“ (Krenz 2022). Musik schenke Geborgenheit, Ausdrucksmöglichkeiten und Gemeinschaftserfahrungen. Gerade in einer oft hektischen und reizüberfluteten Welt brauche es solche emotionalen Erfahrungsräume besonders dringend.

Musik, Bewegung und Rhythmus gehören zusammen

Musik wird von Kindern nicht nur gehört. Sie wird gespürt, bewegt und körperlich erlebt. Genau deshalb reagieren Kinder oft spontan mit Klatschen, Schwingen oder Tanzen auf Musik.

Dass Rhythmus und Bewegung eine zentrale Bedeutung für die Entwicklung von Kindern haben, wurde schon früh von Reformpädagogen erkannt. Rudolf Steiner, der Begründer der Waldorfpädagogik, entwickelte mit der Eurythmie ein pädagogisches Bewegungskonzept, das Musik, Sprache und Bewegung miteinander verbindet. Dahinter steht die Idee, dass Lernen nicht allein über den Intellekt geschieht, sondern immer auch über Körpererfahrung, Rhythmus und sinnliches Erleben.

Heute bestätigen viele neurowissenschaftliche und musikpädagogische Forschungen genau diese Zusammenhänge. Musik aktiviert Wahrnehmung, Bewegung, Aufmerksamkeit und Emotion gleichzeitig (Sallat 2017, S. 1). Besonders Rhythmus scheint dabei eine wichtige Rolle zu spielen. Forschungen zeigen, dass rhythmische Fähigkeiten mit Sprachentwicklung und Lesenlernen zusammenhängen können (ARD alpha 2024).

Gerade deshalb sind Bewegungslieder, Klatschspiele, rhythmische Verse oder musikalische Bewegungsangebote weit mehr als nur „schöne Beschäftigungen“. Sie fördern Kinder ganzheitlich.

Warum Musik das Gehirn so intensiv aktiviert

Wenn Kinder musizieren, arbeitet nicht nur ein einzelner Bereich des Gehirns. Vielmehr werden gleichzeitig Wahrnehmung, Bewegung, Aufmerksamkeit, Gedächtnis und Emotionen aktiviert. Genau diese Vielschichtigkeit macht Musik so bedeutsam.

Eine Langzeitstudie, die im Fachjournal The Journal of Neuroscience veröffentlicht wurde, untersuchte über zwölf Jahre hinweg die Entwicklung musikalisch aktiver und nicht musikalisch aktiver Menschen. Die Forschenden fanden Hinweise darauf, dass musikalisches Training die Verarbeitung von Hörinformationen und Klangmustern beeinflusst (Schneider et al. 2023).

Für Kinder bedeutet das: Beim Musizieren trainieren sie Fähigkeiten, die sie auch in vielen anderen Lebensbereichen brauchen. Sie hören genau hin, unterscheiden Tonhöhen und Rhythmen, koordinieren Bewegungen und lernen, aufmerksam zu bleiben.

Der Sprach- und Musikforscher Stephan Sallat beschreibt Musik deshalb als eine Tätigkeit, die gleichzeitig Motorik, Wahrnehmung, Aufmerksamkeit, Motivation und Emotionen anspricht (Sallat 2017, S. 1). Kinder lernen beim Musizieren also nicht isoliert, sondern mit dem ganzen Körper.

Musik und Sprache gehören eng zusammen

Besonders spannend ist heute die Forschung zu Musik und Sprache. Viele Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler gehen davon aus, dass beide Bereiche im Gehirn enger miteinander verbunden sind als lange angenommen wurde.

Das Max-Planck-Institut für empirische Ästhetik erforscht, wie Musik und Sprache gemeinsam verarbeitet werden und welche Bedeutung Rhythmus, Melodie und Klangmuster für die Sprachentwicklung haben (Max-Planck-Institut für empirische Ästhetik 2024).

Auch Stephan Sallat betont, dass Sprache und Musik in ihrer Struktur erstaunlich ähnlich sind. Beide arbeiten mit Rhythmus, Melodie, Lautmustern und zeitlichen Abläufen (Sallat 2017, S. 1).

Gerade deshalb können musikalische Erfahrungen Kinder beim Sprechenlernen unterstützen. Reime, Klatschspiele, Sprechverse und Lieder fördern das Gefühl für Silben, Sprachrhythmus und Betonungen. Kinder lernen Sprache dabei oft spielerisch und beinahe nebenbei.

Besonders wichtig ist Rhythmus. Forschungen zeigen, dass rhythmische Fähigkeiten mit dem Lesenlernen zusammenhängen können. Wer Sprachrhythmen gut wahrnimmt, erkennt häufig auch leichter Silbenstrukturen und Lautmuster (ARD alpha 2024).

Musik stärkt Gefühle und Selbstvertrauen

Kinder erleben beim Musizieren immer wieder: „Ich kann etwas.“ Ein Rhythmus gelingt plötzlich. Ein Lied klingt sicherer als noch vor einigen Wochen. Gemeinsam entsteht Musik, die vorher nicht da war. Solche Erfahrungen stärken das Selbstvertrauen enorm. Musik bietet Kindern die Möglichkeit, sich auszudrücken, ohne alles in Worte fassen zu müssen. Gerade schüchterne oder sprachlich unsichere Kinder finden über Musik oft leichter Zugang zu anderen.

Zudem entwickeln musikalisch aktive Kinder häufig Freude daran, Gefühle auszudrücken und vor anderen aufzutreten. Entscheidend ist dabei vor allem die Atmosphäre. Kinder brauchen Ermutigung statt Leistungsdruck. Die Wissenschaftlichen Dienste des Deutschen Bundestages weisen darauf hin, dass negative Erfahrungen – etwa beschämendes Vorsingen – Kindern die Freude am Musizieren dauerhaft nehmen können (Deutscher Bundestag 2007, S. 3).

Umso wichtiger ist ein musikalischer Alltag, der von Freude, Gemeinschaft und Offenheit geprägt ist.

Gemeinsames Musizieren verbindet Kinder

Wer mit Kindern singt oder trommelt, erlebt schnell: Musik schafft Nähe. Kinder hören einander zu, achten auf gemeinsame Einsätze und erleben sich als Teil einer Gruppe.

Gerade gemeinsames Musizieren stärkt soziale Fähigkeiten. Kinder lernen Rücksichtnahme, Aufmerksamkeit und Kooperation – oft ganz ohne lange Erklärungen.

Die bekannte Berliner Langzeitstudie von Hans Günther Bastian zeigte, dass Kinder in musikbetonten Grundschulen häufig besseres Sozialverhalten entwickelten und seltener ausgegrenzt wurden (Bastian 2000). Gleichzeitig verbesserten sich Konzentration und Lernmotivation.

Interessant ist auch: Trotz zusätzlicher Musikstunden verschlechterten sich die Leistungen in Mathematik, Deutsch oder Englisch nicht. Teilweise schnitten die Kinder sogar besser ab (Deutscher Bundestag 2007, S. 5).

Musik ist kein Luxusfach

Noch immer wird Musik in Bildungseinrichtungen manchmal als „schönes Zusatzangebot“ betrachtet. Die Forschung zeigt jedoch längst, dass Musik Wahrnehmung, Sprache, Konzentration, soziale Fähigkeiten und emotionale Entwicklung gleichzeitig fördert. Sie verbindet Denken, Fühlen und Handeln auf einzigartige Weise.

Dabei geht es ausdrücklich nicht darum, Kinder möglichst früh zu kleinen Hochleistungsmusikern zu machen. Entscheidend ist vielmehr, dass Musik selbstverständlich zum Alltag gehört.

Schon kleine Rituale können viel bewirken: ein gemeinsames Lied am Morgen, Klatschspiele zwischendurch, Bewegungslieder, Rhythmusübungen oder freies Experimentieren mit Instrumenten und Klängen.

Denn Kinder brauchen Musik nicht erst später. Sie brauchen sie jetzt.

Quellenverzeichnis

  • ARD alpha (2024): Warum Musik unsere Emotionen beeinflusst. Online unter: ARD alpha – Musik und Emotionen
  • Bastian, Hans Günther (2000): Musik(erziehung) und ihre Wirkung. Mainz: Schott.
  • Deutscher Bundestag (2007): Die Wirkung von Musik auf die Persönlichkeitsentwicklung von Kindern. Wissenschaftliche Dienste, WD 9 – 060/2007.
  • Krenz, Armin (2022): Musik ist Seelenproviant für Kinder. Online unter: spielen und lernen – Musik ist Seelenproviant für Kinder
  • Max-Planck-Institut für empirische Ästhetik (2024): Neurokognition von Musik und Sprache. Online unter: Max-Planck-Institut – Musik und Sprache
  • Sallat, Stephan (2017): Musiktherapie bei Sprach- und Kommunikationsstörungen. München: Ernst Reinhardt Verlag.
  • Schneider, Peter et al. (2023): Neuroanatomical Disposition, Natural Development, and Training-Induced Plasticity of the Human Auditory System from Childhood to Adulthood. In: The Journal of Neuroscience, 43(37), S. 6430–6446. Online unter: Journal of Neuroscience – Musik und Gehirnentwicklung

Gernot Körner




Wie gemeinsames Musizieren die Empathie von Kindern stärkt

Eine Studie der Universitäten Sheffield und Durham zeigt: Wenn Kinder im Rhythmus zusammenfinden, entsteht mehr als nur Musik

Wenn Kinder miteinander musizieren, stimmen sie sich nicht nur klanglich aufeinander ein – auch ihr inneres Erleben kann sich dabei angleichen. Was intuitiv vertraut klingt, wurde nun in einer wissenschaftlichen Studie fundiert belegt: Musikalische Synchronität und kindliche Empathie hängen eng zusammen.

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler vom Department of Music der University of Sheffield und der Durham University haben in einer umfangreichen Untersuchung mit Grundschulkindern erforscht, wie gemeinsames rhythmisches Musizieren das soziale Miteinander beeinflusst – und wie Empathie die Fähigkeit zur Synchronisation fördert. Veröffentlicht wurde die Studie im Fachjournal Frontiers in Psychology (April 2025).

Empathie hilft beim musikalischen Miteinander

Im ersten Experiment wurden 72 Kinderpaare gebeten, sich rhythmisch aufeinander einzustellen – durch einfaches gemeinsames Klopfen. Dabei zeigte sich: Kinder mit einem hohen Maß an Empathie – also der Fähigkeit, Gedanken und Gefühle anderer nachzuempfinden – waren deutlich besser darin, sich auf den Takt ihrer Partner einzulassen.

Besonders dann, wenn der Rhythmus des Gegenübers unregelmäßig war, half das Einfühlungsvermögen: Die empathischeren Kinder konnten sich schneller anpassen und fanden gemeinsam in den Takt zurück.

„Gerade wenn das Klopfen des Partners ungenau ist, scheint Empathie zu helfen, die Absichten hinter dem Verhalten zu erkennen und sich flexibel anzupassen“, erklären die Studienautor:innen.

Gemeinsam Musik machen fördert soziale Bindung

Doch nicht nur Empathie wirkt sich auf die musikalische Koordination aus – auch umgekehrt zeigte sich ein Effekt: Schon eine kurze Phase des gemeinsamen Musizierens reichte aus, um das Mitgefühl der Kinder füreinander zu steigern.

Besonders wenn die Kinder synchron im Takt waren, gaben sie hinterher an, sich einander näher zu fühlen. Dieses Ergebnis war unabhängig davon, ob sie sich zuvor kannten oder nicht. Musikalische Synchronität kann also Nähe erzeugen – ganz ohne Worte.

„Unsere Ergebnisse zeigen, dass Synchronität nicht nur von Empathie profitiert, sondern selbst Empathie erzeugen kann – eine Art positiver Rückkopplung“, so Studienleiterin Persefoni Tzanaki.

Freundschaft, Vertrautheit und Geschlecht spielen eine Rolle

Die Studie zeigte auch: Kinder, die mit vertrauten Freundinnen oder Freunden zusammen musizierten, fühlten sich nach der Aufgabe besonders stark mit ihrem Partner verbunden. Und: Mädchenpaare waren besser synchronisiert und berichteten häufiger von einer engen sozialen Verbindung als Jungen oder gemischte Paare.

Solche geschlechtsspezifischen Unterschiede sind auch aus früheren Studien bekannt und deuten darauf hin, dass Mädchen im Grundschulalter oft sensibler auf soziale Signale reagieren. Vertrautheit scheint außerdem ein wichtiger Verstärker für die Wirkung musikalischer Aktivitäten auf das soziale Erleben zu sein.

Warum Musik in Kita und Schule mehr als „nur“ Bildung ist

Diese Ergebnisse lassen sich zwar nicht direkt in konkrete Handlungsanweisungen übersetzen – aber sie liefern wichtige Impulse für die pädagogische Praxis. Hier einige Anregungen für Eltern, Erzieherinnen und Lehrkräfte:

  • Musik einfach und regelmäßig im Alltag nutzen: Schon einfache Aktivitäten wie gemeinsames Klatschen, Trommeln oder Singen können Kinder einander näherbringen – es braucht keine aufwendigen Programme.
  • Vielfalt der Begegnung fördern: Unterschiedliche Partner beim Musizieren helfen Kindern, sich auf verschiedene Persönlichkeiten einzustellen und empathisches Verhalten zu üben.
  • Bekannte Freundschaften bewusst einbinden: Vertraute Beziehungen wirken als soziale Verstärker – gerade bei zurückhaltenden Kindern kann das gemeinsame Musizieren mit einem Freund oder einer Freundin neue Räume öffnen.
  • Nicht nur auf Genauigkeit achten: Auch wenn der Takt mal holpert – genau dann entstehen oft die wertvollsten sozialen Erfahrungen.

Die Forschenden betonen, dass Musik eine ganz eigene Form der nonverbalen Kommunikation eröffnet – eine, die gerade für Kinder intuitiv zugänglich ist. Wenn zwei Kinder im gleichen Takt klopfen oder singen, geschieht oft mehr, als das Ohr hören kann: Es entsteht Verbindung, gegenseitiges Verständnis – und vielleicht ein erstes echtes Mitfühlen.

Die vollständige Studie ist frei zugänglich unter:
👉 https://www.frontiersin.org/articles/10.3389/fpsyg.2025.1467767/full
Originaltitel: “Actions and Feelings in Sync: Exploring the Reciprocal Relationship Between Synchrony and Empathy in Children’s Dyadic Musical Interactions”
Autoren: Persefoni Tzanaki, Tuomas Eerola und Renee Timmers (2025)




Wir müssen selbst die Musik als ein Erlebnisinstrument entdecken!

Prof. Armin Krenz im Interview zur Bedeutung von Musik und Tanz für Kinder

Im Interview mit dem renommierten Sozialpädagogen und Entwickler des „Situationsorientierten Ansatzes“ Prof. Armin Krenz (Foto) versuchen wir dem Widerspruch auf den Grund zu gehen, warum Musik und Tanz einerseits von so elementar wichtiger Bedeutung von Kindern sind, andererseits aber nur ein Mauerblümchendasein im pädagogischen Alltag vieler Kindertageseinrichtungen und Grundschulen spielen.

Dabei zitiert Krenz neben vielen anderen den Musikwissenschaftler und Bildungsexperten Prof. Hans Günther Bastian mit den Worten: „Es musiziert in jedem Kind, ob es das weiß oder will oder nicht.“ Laut Krenz werden Kinder als „Ohrenmenschen“ geboren mit einer „musikalischen Biographie“. „Sie haben die Stimme der Mutter wahrgenommen, reagieren schon im Mutterleib auf Musik und Melodien, hören den Herzschlag, nehmen Vibrationen der Stimme der Mutter wahr … Somit ist eine Bereitschaft zum Musikempfinden immer vorhanden – und wir können diese Kompetenz aufgreifen oder verkümmern lassen!“

(Das komplette Interview können Sie sich hier anhören)

Interview mit Armin Krenz

Entsprechend groß ist die Bedeutung der Musik für Kinder: „Lernen mit allen Sinnen“, „Rhythmik“, „Wahrnehmungsbereitschaft, Geräuschesensibilisierung und Wahrnehmungsdifferenzierung“, „Inklusionsmethode“, „Bewegungsfreude und Tanz“, „Hinhören, soziales Lernen, Kontaktfähigkeit und Aktivitätswünsche“ seien hier als Stichworte genannt, die Krenz im Interview weiter ausführt.

Lernprozesse durch Musik

Zu den Lernprozessen erläutert er, dass Musik immer beide Gehirnhälften anrege und damit für die Ausformung des Gedächtnisses und alle Bildungsprozesse von größter Bedeutung sei. „Insofern kann man sagen: Musik ist hör- und fühlbare Mathematik, weil sich der Rhythmus immer in einem Takt ausdrückt und für eine systematische Wahrnehmung mit festzustellenden Entwicklungsfortschritten sorgt“, so der Professor. Musik schaffe soziale Gelegenheiten und fördere ein Gemeinschaftsgefühl. Durch Musik könnten Kinder ihren Körper ganz intensiv spüren und so sorge sie dafür, ganz in sich und bei sich selbst zu sein. Mit Musik würden Kinder auch ihre Stimme entdecken, indem sie die Melodie sprachlich unterstützten und Freude dabei empfänden, mit der Musik in einen Dialog einzutreten. Sie rege die Sprache an – den Wunsch, Gefühle und Erlebnisse in Worte zu fassen, zu beschreiben und entstandene Gedanken in Handlungen umzusetzen. Sie helfe einen individuellen Musikgeschmack zu entwickeln, mit dem sich das Kind identifizieren könne. Gerade solche Identifikationen tragen zu einer persönlichen Stabilität bei, die das Selbstwertgefühl eines Kindes stärke Diese Zusammenfassung zeige damit auf, dass es beim Erleben von Musik immer um die Trinität von „Musikerleben-Bewegungsaktivität-Sprachentwicklung“ gehe.


Was Erzieherinnen und Erzieher wissen sollten

Die Rolle der Erzieherinnen und Erzieher ist vielfältig und stets im Wandel begriffen. Weiterbildung zu Themen wie Bindungs- und Bildungsforschung, Neurobiologie und Lern- und Entwicklungspsychologie ist daher ständig notwendig. Damit das Wissen um die neuesten Erkenntnisse im Bereich Elementarpädagogik immer zur Hand ist, hat Dr. Armin Krenz 20 zentrale Präsentationen aus seinen Seminaren und Workshops zusammengestellt.

Armin Krenz
Elementarpädagogische Grundsätze auf den Punkt gebracht
20 Fact-Sheets für Fortbildungen, Beratungsgespräche, Teamgespräche und zur Prüfungsvorbereitung
344 Seiten mit den Abbildungen von 20 Powerpoint Präsentationen
ISBN: 978-3-96304-613-1
29,95 €


Musik dürfe allerdings nicht zur Geräuschkulisse oder Berieselung verkommen. Sie brauche Stille und Konzentration, um zum Bildungserlebnis zu werden. „Musik muss sich immer – stimmlich, instrumentell, rhythmisch und textbezogen – an den Themen der Kinder, ihren Musikorientierungen und an den spezifischen Bedürfnissen der Kinder orientieren!… Kinder wollen Akteure sein – gespürte Selbstaktivitäten zum Ausdruck bringen und damit ihre Selbstwirksamkeit erleben: Ich bin wichtig, bedeutsam, jemand, der beachtet und gesehen wird, nicht überflüssig, ich bin Ich und ich kann schon Vieles mitbewirken, Einfluss nehmen, mich freuen und Zufriedenheit spüren… Diese zwei grundlegenden Erfahrungen – ich bin und ich kann – bilden die Grundlage für eine Identitätsentwicklung und sind eine Voraussetzung für die Entwicklung von Sicherheit im Sinne einer Persönlichkeitsstabilisierung!“

Gründe für den Bedeutungsverlust

Gründe für den Bedeutungsverlust von Musik in der pädagogischen Praxis sieht Krenz unter anderem darin begründet, dass mittlerweile vielen elementarpädagogische Fachkräfte nicht gerne an „Bewegungsaktivitäten“ teilnehmen, nicht gerne singen oder Schwierigkeiten damit haben, nur noch selten ein Instrument und selbst nur noch ein recht kleines Repertoire an Liedern und Singspielen haben.

Ein Plädoyer für viel mehr Musik

„Wir müssen endlich – unumstößlich – der MUSIK (mit Rhythmus und Tanz) den bildungsrelevanten Bildungswert zugestehen, diesen in die Elementarpädagogik aufnehmen und in die projektorientierte Arbeit integrieren, auch um wissenschaftliche Erkenntnisse umzusetzen.
Wir müssen aufhören, eine Elementarpädagogik zu konzipieren und den Kindern aufzudrücken, die nur noch auf kognitive Frühförderung ausgerichtet ist und funktional, lieblos, lernzielorientiert gestaltet wird.
Wir müssen damit beginnen, Musik, Bewegung, Tanz nicht wie ein Nebenfach in der Schule zu betrachten und immer mehr in den Hintergrund zu schieben.
Wir müssen selbst die Musik als ein Erlebnisinstrument entdecken und wertschätzen, um die „Sprache der Musik“ als ein durch nichts zu ersetzendes Medium zu begreifen!“, lautet das Plädoyer von Armin Krenz. „Nur die Töne sind imstande, die Gedankenrätsel zu lösen, die oft in unserer Seele geweckt werden.“, zitiert er Hans Christian Andersen und schließt mit den Worten: „Und weil wir selbst der Musik, dem Rhythmus des Lebens und dem Tanz in der Pädagogik eine immer geringere Bedeutung beimessen, bleiben uns viele Geheimnisse des Lebens verborgen. Doch sie zu entdecken, hilft dabei, ganz spannende Gedankenrätsel zu lösen. Was kann es Spannenderes geben?!“