Kinder stärken und schützen: Ein Buch über Sexualität und Prävention

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Ein empfehlenswerter Titel, der Kinder und Erwachsene sensibel ins Gespräch bringt

Es gibt eine Reihe unterschiedlicher Bücher zum Themenschwerpunkt „Wie können Kinder vor sexuellen Übergriffen geschützt werden?“, die Eltern sowie (sozial-)pädagogische Fachkräfte über Möglichkeiten informieren, Kinder gegen sexuelle Gewalterfahrungen zu sensibilisieren, zu stärken und aufzuklären. Ebenso sind entsprechende Publikationen auf dem Markt, die sich als „Aufklärungs-“ und „Stark-mach-Bücher“ direkt an Kinder wenden.

Diese Veröffentlichung verbindet nun die unterschiedlichen Aspekte in einem Buch, indem es gleichzeitig sowohl Kinder als auch Erwachsene direkt anspricht und dazu anregt, über Sexualität und über sexualisierte Gewalt zu sprechen. Alle Informationen werden auf jeder Seite von der freischaffenden Künstlerin Emily Claire Völker (aus Berlin) vielfältig illustriert.

Worte finden und Sprachlosigkeit überwinden

Dieses Buch unterstützt Erwachsene dabei, eine mögliche Sprachlosigkeit, Scham oder Befangenheit zu überwinden bzw. die „richtigen“ Worte für sexuelle sowie sexualisierte Begriffe und Vorgänge zu finden. Andererseits stellen der Autor und die Autorin sowohl den Unterschied zwischen einer lustvoll erlebbaren Sexualität des Kindes und unter Kindern sowie grenzüberschreitenden sexualisierten Übergriffen als auch die lustvoll erlebte Sexualität unter Erwachsenen heraus.

Klar strukturierte Impulse für Kinder und Erwachsene

Dabei befinden sich auf nahezu jeder Seite Textkästen für Erwachsene, in denen in kurz gefasster Form das Wesentliche des jeweiligen Schwerpunktes auf den Punkt gebracht wird. Gleichzeitig bietet das Buch noch weitaus mehr:

Es stellt den einzigartigen Wert jedes Kindes in den Vordergrund, bietet Gesprächs- und Übungsimpulse an, eingebettet in eine Beschäftigung mit den unterschiedlichen Gefühlen, die jeder Mensch empfinden kann. Es erfasst verschiedene Formen von Gewalt und Zwängen, informiert über Rechte, die jedes Kind hat.

Strategien erkennen und Selbstbehauptung stärken

Weiterhin benennt es Strategien, wie Menschen, die sexuelle Gewalt an Kindern planen, vorgehen, und wie Kinder sensibilisiert werden können, solchen von Erwachsenen geplanten Strategien nicht auf den Leim zu gehen.

Stattdessen werden die „mutigen Fünf der Selbstbehauptung“ zum Ausdruck gebracht:

durch eine aufrechte Körperhaltung, einen festen Blickkontakt, eine ernste Mimik, eine grenzsetzende Gestik sowie eine laute Sprache mit dem Wort: „Stopp!“.

Vertrauen finden und Gefühle ernst nehmen

Schließlich wird darauf hingewiesen, dass es sehr hilfreich ist, sich vertrauensvollen Erwachsenen anzuvertrauen, wenn Kindern etwas komisch vorkommt oder sie unter Druck gesetzt werden.

Mit diesen verschiedenen Inhalten werden Kinder in ihrer individuellen Einmaligkeit und in ihren gespürten Gefühlen gestärkt, erhalten Wissen und können erfahren, ihre Gefühle und Eindrücke in Worte zu fassen, sprachlich auszudrücken und letztlich den eigenen Empfindungen zu trauen.

Weiterführende Hinweise und kleine Anmerkung

Auf der vorletzten Buchseite befindet sich schließlich ein QR-Code, über den weiterführende Informationen und Literaturhinweise zur Verfügung gestellt werden.

Alle Inhalte sind „unverkrampft“ formuliert, und die Illustrationen sind in einer sehr ästhetisch ansprechenden, kindorientierten Weise dargestellt.

Es gibt allerdings ein kleines Fragezeichen: So findet sich auf Seite 19 die sachlich berechtigte Anmerkung, dass der Begriff „Missbrauch“ nicht gut sei, weil es auch keinen „Gebrauch“ gibt und stattdessen der Begriff „sexualisierte Gewalt“ weitaus angebrachter ist. Gleichzeitig lautet der Untertitel des Buches aber: „Ein wirksames Aufklärungsbuch für Kinder zur Prävention von sexuellem Missbrauch“.

Gleichwohl kann dieser minimale Widerspruch in keiner Weise das überaus empfehlenswerte Buch schmälern. Es gehört daher zu den Spitzentiteln dieser Literaturkategorie!              

Prof. Dr. Armin Krenz

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Müller, Carsten, Bohle, Steffi & Völker, Emily Claire: Jetzt mal ehrlich? MEINE GEFÜHLE, MEIN KÖRPER, MEINE REGELN. Ein wirksames Aufklärungsbuch für Kinder zur Prävention von sexuellem Missbrauch. Edition Michael Fischer, München 2025. 48 Seiten, 16,00 €. ISBN: 978-3-7459-2740-5




Wenn das Gewicht auf der Seele lastet: Übergewicht und Psyche bei Kindern

Neue Studien zeigen: Übergewicht belastet nicht nur den Körper, sondern erhöht auch das Risiko für Depressionen und Ängste

Übergewicht bei Kindern ist seit Jahren ein Thema in der Gesundheits- und Bildungspolitik. Meist stehen dabei Ernährung, Bewegung und medizinische Folgen im Vordergrund. Doch neue wissenschaftliche Erkenntnisse machen deutlich: Übergewicht belastet nicht nur den Körper – es kann auch die seelische Gesundheit von Kindern erheblich beeinträchtigen.

Darauf weist die Stiftung Kindergesundheit in einem aktuellen Newsletter hin. Studien zeigen, dass übergewichtige Kinder und Jugendliche deutlich häufiger unter psychischen Problemen leiden als normalgewichtige Gleichaltrige. Besonders depressive Symptome, Angststörungen und Verhaltensauffälligkeiten treten verstärkt auf. Damit wird klar: Wer Prävention ernst nimmt, muss nicht nur Kalorien und Bewegung betrachten, sondern auch die psychische Dimension von Übergewicht.

Erhöhtes Risiko für Depressionen und Angststörungen

Besorgniserregend ist vor allem der Zusammenhang zwischen Übergewicht und depressiven Entwicklungen im Jugendalter. Während Mädchen generell häufiger zu depressiven Symptomen neigen, zeigen die Daten bei Jungen einen besonders alarmierenden Effekt: Übergewichtige 14-jährige Jungen haben ein fünffach erhöhtes Risiko, innerhalb weniger Jahre klinisch relevante depressive Symptome zu entwickeln.

Auch aggressive Verhaltensweisen können mit zunehmendem Alter häufiger auftreten. Erschreckend ist zudem, dass psychische Belastungen oft bestehen bleiben – selbst dann, wenn sich das Körpergewicht später wieder normalisiert. Übergewicht hinterlässt also nicht nur körperliche Spuren, sondern kann langfristig auch die emotionale Entwicklung beeinflussen.

Mobbing und Ausgrenzung verstärken die Belastung

Ein entscheidender Faktor ist die soziale Dimension. Übergewichtige Kinder erleben deutlich häufiger Hänseleien, Mobbing und Ausgrenzung. Diese Erfahrungen verstärken die seelische Belastung und können noch Jahre später nachwirken.

Expertinnen und Experten betonen deshalb die Dringlichkeit frühzeitiger Maßnahmen gegen gewichtsbezogenes Mobbing – insbesondere in Schulen und Bildungseinrichtungen. Prävention bedeutet hier nicht nur Gesundheitsförderung, sondern auch die Schaffung eines respektvollen sozialen Umfelds, in dem Kinder nicht stigmatisiert werden.

Soziale Ungleichheit verschärft das Problem

Besonders stark betroffen sind Kinder aus sozial benachteiligten Familien. Eine Untersuchung des Max-Planck-Instituts für demografische Forschung bestätigt, dass Kinder aus Familien mit geringem Einkommen und niedrigerem Bildungsniveau nicht nur häufiger übergewichtig sind, sondern auch häufiger emotionale Probleme entwickeln.

Die Forschenden untersuchten über 4.600 Kinder in den Niederlanden und fanden heraus, dass ein erheblicher Teil der psychischen Belastungen in diesen Familien direkt mit dem häufigeren Auftreten von Übergewicht zusammenhängt. Ursachen sind neben unausgewogener Ernährung auch eingeschränkte Möglichkeiten für sportliche Aktivitäten sowie ein erhöhtes Stressniveau im familiären Umfeld.

Ganzheitliche Prävention statt einseitiger Maßnahmen

Die Stiftung Kindergesundheit fordert daher ein Umdenken. Prävention darf sich nicht allein auf Ernährung und Bewegung konzentrieren. Vielmehr müssen soziale und psychische Komponenten stärker berücksichtigt werden.

Prof. Dr. Berthold Koletzko, Vorsitzender der Stiftung, betont: Kinder seien nicht nur passive Patientinnen und Patienten, sondern aktive Beteiligte ihrer eigenen Gesundheitsversorgung. Sie profitieren von verständlicher Information und echter Mitsprache. attachmentdata121919

Die Stiftung empfiehlt gezielte Maßnahmen, die sowohl körperliche als auch psychische Aspekte berücksichtigen:

  • Gestaltung gesundheitsförderlicher Lebensräume in Bildungseinrichtungen
  • Programme gegen Ausgrenzung und für ein positives Körperbild
  • Frühzeitige psychologische Begleitung und niedrigschwellige Hilfen

Nur ein gesellschaftlicher Ansatz, der strukturelle Faktoren einbezieht, kann langfristig wirksam sein.

Innovative Projekte: Powerkids und #starkWieWir

Neben klassischen Aufklärungskampagnen entwickelt die Stiftung Kindergesundheit auch innovative Formate, die Kinder direkt erreichen. Ein Beispiel ist die App Powerkids, die sich an übergewichtige Kinder zwischen acht und zwölf Jahren richtet. Spielerisch vermittelt sie über zwölf Wochen Impulse zu Ernährung, Bewegung und Selbstwert.

Auch die Mitmach-Challenge #starkWieWir verbindet Gesundheitsbildung auf Augenhöhe mit kreativen Materialien und dokumentarischen Filmen, in denen Kinder selbst zu Vorbildern für einen gesunden Alltag werden. Die Filme und Arbeitsblätter sind in der Mediathek der Stiftung verfügbar.

Körper und Seele gemeinsam in den Blick nehmen

Übergewicht im Kindesalter ist ein komplexes Thema, das weit über Ernährung hinausgeht. Die aktuellen Studien machen deutlich: Psychische Gesundheit, soziale Teilhabe und der Schutz vor Ausgrenzung müssen integraler Bestandteil jeder Präventionsstrategie sein.

Kinder brauchen nicht nur Bewegung und gesunde Mahlzeiten, sondern auch Anerkennung, Unterstützung und ein Umfeld, das sie stärkt – körperlich wie seelisch. Nur so kann Prävention wirklich gelingen.




Abnehmen in Kindheit und Jugend schützt das Herz ein Leben lang

Eine große schwedische Langzeitstudie zeigt: Normalisiert sich das Gewicht bis zum jungen Erwachsenenalter, ist das spätere Risiko für koronare Herzkrankheit nicht erhöht

Eine neue internationale Studie aus Schweden belegt: Kinder, die zeitweise übergewichtig sind, aber bis zum jungen Erwachsenenalter wieder Normalgewicht erreichen, tragen kein erhöhtes Risiko für koronare Herzerkrankungen im Erwachsenenalter. Entscheidend ist also nicht, ob ein Kind einmal zu schwer war – sondern ob es gelingt, das Gewicht rechtzeitig zu normalisieren.

Die Untersuchung wurde in JAMA Pediatrics veröffentlicht und basiert auf den Gesundheitsdaten von mehr als 100.000 Menschen, die von der Kindheit bis ins mittlere Erwachsenenalter begleitet wurden.

Früh abnehmen – langfristig gesund bleiben

Die Forschenden verfolgten Kinder mit unterschiedlichen Gewichtsentwicklungen:

  • normalgewichtig in Kindheit und Jugend
  • übergewichtig in der Kindheit, später normalgewichtig
  • normalgewichtig in der Kindheit, später übergewichtig
  • durchgehend übergewichtig

Das zentrale Ergebnis:
👉 Kinder, die in der Kindheit übergewichtig waren, dieses Übergewicht aber bis zum jungen Erwachsenenalter wieder verloren, hatten später kein höheres Risiko für koronare Herzerkrankungen als Menschen, die immer normalgewichtig waren.

Das bedeutet: Der Körper kann sich erholen. Gesundheitsrisiken sind nicht „festgeschrieben“.

Kritisch ist vor allem eine Gewichtszunahme in der Pubertät

Besonders auffällig war ein anderer Befund:
Menschen, die erst während der Pubertät deutlich zunahmen, hatten später sogar ein höheres Herzrisiko als jene, die schon als Kinder übergewichtig waren.

Die Pubertät scheint also eine besonders sensible Phase für die langfristige Stoffwechsel- und Herzgesundheit zu sein. Schnelle Gewichtszunahmen in dieser Zeit wirken sich offenbar stärker auf die späteren Gefäße aus als ein früheres, aber wieder rückläufiges Übergewicht.

Was heißt das für Eltern, Kitas, Schulen und Politik?

Die Studie vermittelt eine ermutigende, entlastende und zugleich handlungsorientierte Botschaft:

  • Übergewicht in der Kindheit ist kein gesundheitliches Schicksal.
  • Entscheidend ist, dass Kinder rechtzeitig Unterstützung bekommen, um wieder in ein gesundes Gleichgewicht zu finden.
  • Prävention und Begleitung wirken – und sie lohnen sich langfristig.

Für die Praxis bedeutet das:

  • weniger Stigmatisierung,
  • mehr frühe, wertschätzende Unterstützung,
  • mehr gesundheitsförderliche Alltagsbedingungen (Bewegung, Ernährung, Stressreduktion),
  • und eine stärkere Aufmerksamkeit für die Pubertät als sensible Entwicklungsphase.

Eine klare Botschaft: Es ist nie „zu spät“ – aber früh ist besser

Die Forschenden betonen ausdrücklich:
Wer es schafft, Übergewicht bis zum jungen Erwachsenenalter abzubauen, hat die gleichen Chancen auf ein gesundes Herz wie Menschen ohne frühere Gewichtsprobleme.

Damit wird ein verbreitetes Gefühl relativiert, das viele Eltern und Betroffene kennen: „Jetzt ist es ohnehin schon zu spät.“
Diese Studie zeigt: Nein – ist es nicht.

Diese Forschung liefert ein wichtiges Gegengewicht zu alarmistischen Debatten:
Sie zeigt nicht nur Risiken, sondern vor allem Möglichkeiten.

Kinder sind entwicklungsfähig – körperlich wie seelisch. Und wenn Gesellschaft, Familie und Bildungseinrichtungen günstige Rahmenbedingungen schaffen, kann sich Gesundheit nicht nur erhalten, sondern auch wiederherstellen.

Quelle:

Ohlsson C. et al. (2025). Change in Weight Status From Childhood to Young Adulthood and Risk of Adult Coronary Heart Disease. JAMA Pediatrics. doi:10.1001/jamapediatrics.2025.4950




Wie wir unsere Kinder besser schützen – ein neues Bildungskonzept für Resilienz, Sicherheit und Mut

Digitale Risiken erkennen, Kinder stärken, SelbstSicherheit fördern – für Eltern, Erzieherinnen und alle, die Kinder begleiten.

Noch nie war die Herausforderung, Kinder gut auf die Zukunft vorzubereiten, so groß wie heute. Die rasante Entwicklung digitaler Technologien und der untrennbar damit verknüpfte Aufstieg künstlicher Intelligenz schaffen Chancen – aber ebenso neue Risiken. Besonders Kinder und Jugendliche begegnen ihnen täglich: gesundheitliche Belastungen, soziale Isolation, Cybermobbing, Gewalt- und Missbrauchsdarstellungen, sogar KI-generiert und personalisiert.  Das ist die Welt, in der Kinder heute aufwachsen. Und es ist die Welt, in der sie bestehen müssen.

Ein Ansatz, der nicht auf Technik, sondern auf Beziehung setzt

Wie Kinder Sicherheit durch Menschen lernen – nicht durch Algorithmen

Der Selbstverteidigungstrainer und Kindersicherheitsexperte Frieder Knauss hat ein Buch vorgelegt, das Eltern und Pädagog*innen konkrete Wege zeigt, Kinder für diese Zukunft stark zu machen: 

„Dein SelbstSicheres Kind“.

Im Mittelpunkt stehen nicht technische Schutzsysteme, Überwachung oder KI, sondern analoge Fähigkeiten, echte Beziehung, Präsenz und Vertrauen. Digitalisierung wird nicht verteufelt – aber bewusst eingeordnet. Kinder brauchen, bevor sie digitale Kompetenzen ausbilden, zuerst innere Sicherheit und innere Stärke.

SelbstSicherheit: Ein Begriff mit zwei Bedeutungen

Innere Stärke + äußere Handlungskompetenz = echte Kindersicherheit

Das Herz des Buches steckt im Titel. SelbstSicherheit meint nicht nur Selbstbewusstsein, sondern zwei gleichwertige Dimensionen:

• Kinder sind sich ihrer selbst sicher – sie kennen Gefühle, Bedürfnisse, Grenzen. 
• Kinder können (altersgemäß) für ihre Sicherheit sorgen – sie handeln, statt zu erstarren.

Analog dazu nutzt das Buch zwei starke Bilder: 

🪝 Innere Sicherheit = Anker
🛡️ Äußere Sicherheit = Schutzschild

Auf knapp 120 Seiten erhält man dazu praktische Impulse – kompakt, konkret und für Alltagssituationen geschrieben, ohne Problemdramatisierung und ohne pädagogische Überforderung.

Wie gelingen Nähe, Offenheit und echte Gespräche?

Zeit mit Kindern ist nicht automatisch Zeit für Kinder

Ein Kapitel widmet sich der Frage, wie gelingendes Zuhören aussieht. Die Erkenntnis ist simpel – und doch tiefgehend:  Viele Erwachsene verbringen Zeit für Kinder, aber wenig Zeit mit ihnen. „Es gibt einen Unterschied zwischen Zeit, die man für ein Kind aufwendet, und Zeit, die man mit einem Kind verbringt – zum Zuhören, zum Fühlen, zum Verstehen.“ (S. 18)

Doch was passiert, wenn ein Kind nicht sprechen möchte? Wie schafft man einen Raum für echte Gespräche – nicht einmalig, sondern immer wieder?  Das Buch liefert Antworten, Ideen, Gesprächsformen und Rituale, die Bindung, Vertrauen und Öffnung ermöglichen. Nicht oberflächlich – sondern tief und lebensnah. Erzieher*innen finden darin viele Anregungen für die pädagogische Alltagspraxis.

Kinder stark machen heißt: Scheitern zulassen

Resilienz entsteht nicht durch Perfektion – sondern durch Widerstände

Ein Schwerpunkt des Buches ist die Entwicklung von Widerstandskraft, also Resilienz. Misserfolge sind nicht das Gegenteil kindlicher Entwicklung, sondern ein notwendiger Bestandteil davon.  „Misserfolge gehören zum Leben dazu! (…) Eine der wichtigsten Eigenschaften ist der richtige Umgang mit Problemen.“ (S. 49f)

Kinder sollen nicht rücksichtslos „abgehärtet“ werden – aber sie dürfen Schwierigkeiten erleben, Konflikte austragen, Fehler machen. Nur wer fällt, kann wieder aufstehen. Schon Konfuzius formulierte: „Unser größter Ruhm liegt nicht darin, niemals zu fallen, sondern jedes Mal wieder aufzustehen.“

Im Interview mit SWR 1 Leutewerden sogenannte „Rasenmäher-Eltern“ thematisiert – also Erwachsene, die Hindernisse entfernen, bevor sie auftreten. Kinder dieser Muster haben es später schwer, denn Erfahrung ersetzt Vorsorge.

Der Grundsatz lautet daher: „Mein Kind kann das.“

Gefahren erkennen – ohne Angst zu erzeugen

Die SelbstSicherheits-Ampel für Zuhause, Kita, Schule und Alltag

Der zweite Teil des Buches widmet sich Gefahrenquellen im realen Leben:

• Zuhause 
• Kindergarten & Schule
• Schulweg & Freizeit

Dafür wird ein erprobtes Ampelsystem genutzt – aus dem Präventionsprojekt „Nicht mit mir!“ des Deutschen Ju-Jutsu Verbands:

🟢 Prävention (Wissen, Grenzen, körperliche Selbstbestimmung)
🟡 Selbstbehauptung (laut werden, Nein sagen, Hilfe holen)
🔴 Selbstverteidigung (nur im äußersten Notfall)

Hierzu beschreibt das Buch Go-Buttons – Wenn-Dann-Regeln, die im Notfall automatisch ablaufen müssen:

• Wenn mich jemand festhält, dann …
• Wenn mich ein Fremder anspricht, dann …

Diese Automatismen müssen geübt werden – nur dann funktionieren sie unter Stress.

Die Stimme als mächtigste Waffe eines Kindes

Laut sein darf man üben – besonders, wenn man Angst hat

Ein oft unterschätzter Punkt: Schrei- und Alarmtraining. Laut sein ist leicht, wenn man wütend oder fröhlich ist. Schwer dagegen ist laut sein, wenn man Angst hat. „Wird ein Kind angegriffen, ist seine beste Chance, möglichst viele Menschen aufmerksam zu machen.“ (S. 68)

Hier liefert das Buch klare Übungen und Wiederholungsformate. Kinder, die schreien dürfen, schreien im Ernstfall können.

Vorbild statt Forderung

Kinder kopieren Verhalten – nicht Regeln

Resümee beider Buchteile:  Kinder tun, was Erwachsene vorleben, nicht was sie sagen.

Wer Körpergrenzen lehrt, muss sie respektieren. Wer Ehrlichkeit verlangt, muss ehrlich sein. 

„Live what you preach.“

So entsteht glaubwürdige SelbstSicherheit – von innen heraus.

Empfehlung für Eltern, Erzieher*innen und pädagogische Teams

Praxisnah, verständlich, sofort umsetzbar

Michael Korn, Kinder- und Jugendtrainer, beschreibt im Vorwort: „Das Buch zeigt praxisnahe Wege, wie Kinder Stärken entwickeln, sich selbst vertrauen und Verantwortung für ihre Sicherheit übernehmen.“ (S. 7)

Damit ist alles gesagt – und gleichzeitig beginnt hier erst die Praxis.

Frieder Knauss

Frieder Knauss
Dein SelbstSicheres Kind 
Wie Sie die Entwicklung von Selbstsicherheit und Selbstbewusstsein praktisch unterstützen
120 Seiten
ISBN: 9783963040733
20 €

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Kinderschutz in Deutschland: Zahl der gefährdeten Kinder wächst weiter

Eine neue Albert-Schweitzer-Kinderdörfer und Familienwerke-Studie offenbart alarmierende Wahrnehmungen und konkrete Zahlen – Zeit für mehr gesellschaftliches Engagement – wachsende Sorge um Kinderschutz in Deutschland

Kinderschutz in Deutschland ist für viele Menschen zu einem zentralen Sorgen-Thema geworden. Laut einer aktuellen, repräsentativen GfK-Umfrage im Auftrag der Albert-Schweitzer-Kinderdörfer und Familienwerke sind 65,2 Prozent der Befragten überzeugt, dass die Zahl der Kinder, die in familiären Krisen leben und deren Wohl gefährdet ist, in den letzten fünf Jahren deutlich gestiegen ist. Diese Wahrnehmung verweist auf ein gesellschaftliches Klima, in dem Überforderung, psychische Belastungen, Armut, Gewalt und Vernachlässigung als zunehmende Risiken für Kinder wahrgenommen werden.

Die Studie zeigt außerdem sehr deutlich: Kinderschutz wird nicht mehr als Randthema betrachtet, sondern als dringende gemeinsame Aufgabe von Politik, Fachpraxis und Zivilgesellschaft. Gleichzeitig wächst das Unbehagen, ob die bestehenden Schutzsysteme tatsächlich stark genug sind, um allen gefährdeten Kindern verlässlich zur Seite zu stehen.

Kinderschutz in Zahlen: Inobhutnahmen 2024

Die subjektive Besorgnis wird durch offizielle Zahlen untermauert. Nach aktuellen Daten des Statistischen Bundesamts wurden im Jahr 2024 in Deutschland insgesamt 69.477 Kinder und Jugendliche von den Jugendämtern in Obhut genommen. Inobhutnahmen sind immer eine einschneidende Schutzmaßnahme und erfolgen in akuten Krisen, wenn das familiäre Umfeld nicht mehr in der Lage ist, Sicherheit und Stabilität zu gewährleisten.

Hinter diesen Zahlen stehen sehr unterschiedliche Problemlagen. Häufige Gründe sind die Überforderung von Eltern oder einem Elternteil, Vernachlässigung, Anzeichen für körperliche oder psychische Misshandlung oder Hinweise auf sexuelle Gewalt. Daneben spielt auch die unbegleitete Einreise von Minderjährigen eine große Rolle. Ein Teil der Kinder kehrt nach der Klärung der Situation in die Herkunftsfamilie zurück, doch ein erheblicher Anteil braucht langfristig andere Lebens- und Betreuungsformen, etwa in Kinderdorffamilien, Wohngruppen oder Pflegefamilien.

Auch wenn die Zahl der Inobhutnahmen 2024 im Vergleich zum Vorjahr um rund sieben Prozent zurückgegangen ist, bleiben die absoluten Zahlen hoch. Sie machen deutlich, dass der Kinderschutz in Deutschland täglich mit komplexen Lebenssituationen konfrontiert ist – und dass es nicht reicht, sich auf vermeintlich sinkende Fallzahlen zu verlassen.

Wer schützt die Kinder? Vertrauen in Staat und freie Träger

Ein zentrales Ergebnis der GfK-Studie betrifft die Frage, wem die Bevölkerung im Bereich Kinderschutz am meisten vertraut. Nur 46,1 Prozent der Befragten geben an, dass sie dem Staat – etwa in Form von Jugendämtern und öffentlichen Trägern – beim Kinderschutz und bei der Familienhilfe vertrauen. Deutlich höher fällt das Vertrauen in gemeinnützige Organisationen und Wohlfahrtsverbände aus: 72,9 Prozent der Befragten sehen freie Träger als verlässliche Partner, wenn es darum geht, Kinder in Not zu schützen und Familien zu unterstützen. Kirchliche oder religiöse Träger liegen mit 39,1 Prozent im Mittelfeld.

Gefragt nach der aus ihrer Sicht besten Unterbringungsform für Kinder, die aufgrund von Vernachlässigung, Missbrauch oder Gewalt nicht in ihren Herkunftsfamilien bleiben können, entscheiden sich 38,1 Prozent der Befragten für familienanaloge Kinderdorffamilien mit festen Hauseltern. Diese Form der Betreuung wird häufiger als besonders kindgerecht bewertet als stationäre Wohngruppen oder Pflegefamilien. Die Bevölkerung verbindet mit Kinderdorffamilien Stabilität, persönliche Bindung und ein möglichst „normales“ Familienleben – Faktoren, die gerade für Kinder mit belastenden Erfahrungen enorm wichtig sind.

Überblick über die GfK-Studie

Die vorliegenden Ergebnisse gehen auf eine repräsentative Online-Befragung der GfK (Gesellschaft für Konsumforschung) zurück, die im Auftrag der Albert-Schweitzer-Kinderdörfer und Familienwerke im Sommer 2025 durchgeführt wurde. Befragt wurden Männer und Frauen im Alter von 18 bis 74 Jahren in Deutschland; die Stichprobe umfasst etwa 1.000 Personen und bildet die deutschsprachige Bevölkerung dieser Altersgruppe ab.

Wesentliche Resultate sind: Ein deutlicher Teil der Bevölkerung sieht einen Anstieg familiärer Krisen mit möglicher Kindeswohlgefährdung. Das Vertrauen in gemeinnützige Träger ist ausgesprochen hoch, während das Vertrauen in staatliche Strukturen als vergleichsweise gering eingeschätzt wird. Kinderdorffamilien werden als besonders geeignete Unterbringungsform wahrgenommen, wenn Kinder nicht in ihren Herkunftsfamilien bleiben können.

Die Ergebnisse werden in der öffentlichen Kommunikation eng mit aktuellen amtlichen Daten zu Inobhutnahmen verknüpft, um die subjektive Wahrnehmung der Bevölkerung mit objektiven Zahlen zu unterfüttern.

Was die Studie leistet – und wo ihre Grenzen liegen

Die GfK-Studie hat mehrere Stärken. Sie bietet einen aktuellen Blick auf die Stimmungslage in der Bevölkerung, macht sichtbar, wie präsent das Thema Kinderschutz in Deutschland ist, und zeigt, welchen Stellenwert Vertrauen in verschiedene Akteure hat. Durch die Verknüpfung mit amtlichen Statistiken entsteht ein differenzierteres Bild aus subjektiver Wahrnehmung und objektiven Zahlen.

Gleichzeitig hat die Studie klare Grenzen. Sie misst Wahrnehmungen, nicht direkt die tatsächliche Häufigkeit von Kindeswohlgefährdungen. Dass 65 Prozent der Befragten einen Anstieg familiärer Krisen erleben, spiegelt vor allem gesellschaftliche Stimmung, mediale Debatten und persönliche Eindrücke wider. Ob und in welchem Umfang die tatsächlichen Gefährdungslagen zunehmen, lässt sich aus der Umfrage allein nicht belegen.

Hinzu kommt: Die Stichprobe von rund 1.000 Personen ist zwar für Meinungsumfragen üblich, aber für die komplexe Realität von Kindeswohlgefährdungen nur begrenzt aussagekräftig. Regionale Unterschiede, unterschiedliche soziale Milieus oder besondere Problemlagen lassen sich damit nur eingeschränkt abbilden.

Auch der Rückgriff auf Inobhutnahmedaten bleibt ohne tieferen Kontext. Die Zahl von 69.477 Inobhutnahmen im Jahr 2024 erklärt nicht, wie viele Kinder anschließend dauerhaft in Pflegefamilien, Kinderdörfern oder stationären Einrichtungen leben, wie viele zurückkehren konnten oder wie die Qualität der Betreuung konkret aussieht. Zur Reintegration, zur Stabilität der Hilfen und zur langfristigen Wirkung macht die Studie keine Aussagen.

Hinzu kommt ein möglicher Darstellungsdruck: Die Studie wurde von einer Organisation in Auftrag gegeben, die selbst als Träger im Kinderschutz und der Kinder- und Jugendhilfe aktiv ist. Es liegt nahe, dass die Ergebnisse und ihre Präsentation diejenigen Betreuungsformen besonders hervorheben, in denen eben diese Organisation stark engagiert ist – beispielsweise Kinderdorffamilien. Das ist legitim, erfordert aber bei der Interpretation eine kritische Distanz, um andere Formen wie Pflegefamilien oder ambulante Hilfen nicht aus dem Blick zu verlieren.

Schließlich bleibt der zentrale Begriff „familiäre Krisen“ recht unscharf. Er umfasst ein breites Spektrum von vorübergehender Überforderung bis zu schwerer Vernachlässigung oder Gewalt. Die Studie differenziert diese Dimensionen nicht nach Schweregrad, Dauer oder Art der Gefährdung. Damit bleibt offen, ob Menschen in erster Linie kleine Alltagssorgen, extreme Misshandlungssituationen oder alles dazwischen im Kopf haben, wenn sie von „mehr Krisen“ sprechen.

Was die Ergebnisse für den Kinderschutz bedeuten

Trotz ihrer Grenzen hat die Studie für die Praxis des Kinderschutzes eine wichtige Signalwirkung. Sie zeigt, dass Kinderschutz in Deutschland als dringliches Thema wahrgenommen wird, dass viele Menschen besorgt sind und dass sie von Politik, Jugendhilfe und freien Trägern entschlossenes Handeln erwarten.

Gleichzeitig macht sie offenkundig, dass das Vertrauen in staatliche Strukturen begrenzt ist und dass freie, gemeinnützige Träger als besonders glaubwürdige Partner gelten. Für Politik und Fachpraxis lässt sich daraus eine klare Botschaft ableiten: Kinderschutz braucht stabile, gut ausgestattete und transparente Kooperationsstrukturen zwischen öffentlichen und freien Trägern – und er braucht eine starke Stimme in der Öffentlichkeit.

Familien früh und präventiv unterstützen

Ein zentrales Ergebnis aus amtlichen Zahlen und praktischer Erfahrung ist, dass viele Kindeswohlgefährdungen im Kontext von Überforderung, psychischen Belastungen, Armut oder Konflikten entstehen, die sich über längere Zeit aufbauen. Hier setzt die Forderung nach präventiven Angeboten an:

Familien brauchen frühzeitige, gut erreichbare Unterstützung, bevor Krisen eskalieren. Dazu gehören niedrigschwellige Elternberatungen, Familienzentren, Familienhebammen, bindungsorientierte Angebote in der frühen Kindheit und verlässliche Hilfen schon vor dem Kita-Eintritt. Je früher solche Unterstützungsangebote greifen, desto häufiger können Inobhutnahmen vermieden oder zumindest die Dauer von Trennungen verkürzt werden.

Gemeinnützige Träger und Kinderdorffamilien als stabile Anker

Da die Bevölkerung gemeinnützigen Trägern ein hohes Maß an Vertrauen entgegenbringt, ist ihre Rolle im Kinderschutz besonders bedeutsam. Damit sie dieser Verantwortung gerecht werden können, brauchen sie verlässliche Rahmenbedingungen: langfristige Finanzierung statt kurzfristiger Projektlogik, weniger Bürokratie, um mehr Zeit direkt mit den Kindern verbringen zu können, und gute Arbeitsbedingungen für Fachkräfte, die täglich mit hoch belasteten Lebensgeschichten umgehen.

Kinderdorffamilien stehen in der Wahrnehmung vieler Menschen für Stabilität, Bindung und ein familienähnliches Umfeld. Wenn Kinder nicht in ihren Herkunftsfamilien bleiben können, sind solche familienanalogen Lebensformen oft ein wichtiger Gegenpol zu den Erfahrungen von Unsicherheit, Gewalt oder Vernachlässigung. Voraussetzung ist allerdings, dass diese Strukturen qualitativ hochwertig und gut abgesichert sind: mit qualifizierten Hauseltern, klaren Entlastungs- und Vertretungsmodellen, angemessener Vergütung und verlässlicher traumapädagogischer sowie psychologischer Begleitung. Wachstum um jeden Preis wäre hier fatal; entscheidend ist ein Ausbau, der sich an den realen Möglichkeiten der Fachkräfte und an der Qualität orientiert.

Mehr Forschung, mehr Monitoring, mehr Transparenz

Weil die GfK-Studie Wahrnehmungen abbildet und mit aggregierten Zahlen zu Inobhutnahmen arbeitet, bleibt sie in vielen Punkten an der Oberfläche. Für einen wirksamen Kinderschutz in Deutschland braucht es jedoch ein deutlich dichteres Netz an Forschung und Monitoring.

Nötig sind bundesweit einheitliche und vergleichbare Daten zum Kinderschutz, regelmäßige Dunkelfeldstudien, die auch nicht gemeldete Fälle sichtbar machen, sowie Längsschnittstudien, die untersuchen, welche Hilfen Kindern und Familien langfristig wirklich helfen. Nur auf Basis solcher evidenzbasierten Erkenntnisse lassen sich Angebote ausbauen, verbessern oder neu ausrichten. Forschung muss daher fester Bestandteil einer modernen Kinderschutzstrategie sein – nicht ein optionales Zusatzthema.

Öffentliche Aufmerksamkeit für Kinderrechte stärken

Kinderschutz beginnt nicht beim Jugendamt, sondern in Familien, Schulen, Kitas, Vereinen und Nachbarschaften. Eine starke Kultur der Kinderrechte bedeutet, dass Erwachsene aufmerksam sind, hinsehen, zuhören und handeln, wenn sie den Eindruck haben, dass ein Kind Schutz braucht. Dazu gehört, Kinderrechte im Bildungssystem zu verankern, Lehrkräfte und pädagogische Fachkräfte zu qualifizieren, aber auch die breite Öffentlichkeit zu sensibilisieren – etwa über Kampagnen, Aktionstage wie den Weltkindertag am 20. September und eine nachhaltige Berichterstattung in den Medien.

Je sichtbarer Kinderrechte und Kinderschutz im Alltag werden, desto größer ist die Chance, dass Gefährdungen früh erkannt und Kinder tatsächlich geschützt werden. Die GfK-Studie zeigt: Die gesellschaftliche Aufmerksamkeit ist da, die Sorgen sind real – nun kommt es darauf an, aus dieser Sensibilität konsequentes Handeln zu machen.

Weiterführender Link zur Studie

Die ausführliche Presseinformation mit den zentralen Ergebnissen der GfK-Umfrage und den aktuellen Inobhutnahmezahlen ist auf der Website des Albert-Schweitzer-Verbands abrufbar:
https://albert-schweitzer-verband.de/wp-content/uploads/2025/07/Presseinformation-Kindeswohlgefaehrdung_GfK-Umfrage.pdf

Gernot Körner




Kinder emotional stärken mit START ab 2 und Kindergarten plus

Neue Online-Kurse der Deutschen Liga für das Kind fördern seelische Gesundheit, Kinderrechte und soziale Kompetenzen

Die Deutsche Liga für das Kind bietet 2025 wieder Online-Fortbildungen zu ihren erfolgreichen Präventionsprogrammen START ab 2 und Kindergarten plus an. Beide Programme fördern die seelische Gesundheit, die emotionale und soziale Entwicklung sowie die Kinderrechte und Partizipation von Kindern im Kita-Alter.

Bei START ab 2 lernen pädagogische Fachkräfte, wie sie mit altersgerechten Impulsen und Materialien die emotionale Wahrnehmung und Ausdrucksfähigkeit von Kindern ab zwei Jahren fördern können. Symbolische Holzfiguren helfen dabei, Bedürfnisse sichtbar zu machen und Wege zu ihrer Erfüllung zu zeigen.

Das Programm Kindergarten plus richtet sich an Kinder zwischen vier und fünf Jahren. Mit den beliebten Handpuppen Tula und Tim entdecken Kinder spielerisch ihre Gefühle, üben Empathie und stärken ihr Selbstbewusstsein.

Im Jahr 2025 finden die Online-Fortbildungen an mehreren Terminen statt:

  • START ab 2: Live-Webinar am 6. November 2025 (09.00–15.00 Uhr) und Online-Workshop am 12. Februar 2026 (15.30–17.30 Uhr)
  • Kindergarten plus:

    • Basis-Teil 1: Live-Webinar am 4. November 2025
    • Basis-Teil 2: Live-Webinar am 5. November 2025

Die Teilnahme ist ohne Vorkenntnisse möglich. Pädagog*innen lernen praxisnah, wie sie die Materialien der Programme im Alltag einsetzen und Eltern einbeziehen können.

Weitere Informationen und Buchung unter:
👉 fruehe-kindheit-online.de – Fortbildungen Kindergarten plus

Präsenzfortbildungen können außerdem individuell („on Demand“) über info@kindergartenplus.de angefragt werden.

Quelle: Deutsche Liga für das Kind e.V.




Polio-Impfung bleibt unverzichtbar: Warum Kinderlähmung noch immer ein Risiko ist

Zwar ist die Krankheit fast besiegt, aber laut Studie können nur dauerhaft hohe Impfquoten schützen

Zum Welt-Polio-Tag, erinnert die Weltgesundheitsorganisation (WHO) an eine der größten Errungenschaften der modernen Medizin: die Impfung gegen Kinderlähmung. Sie hat Millionen von Lähmungen verhindert und unzählige Leben gerettet. In den 1950er Jahren erkrankten in Deutschland jedes Jahr tausende Kinder an Polio – heute gilt das Land als poliofrei. Doch eine aktuelle Studie unter Beteiligung der Universität Bielefeld, veröffentlicht im Deutschen Ärzteblatt, macht deutlich: Die Gefahr ist noch nicht gebannt.

„Die Eindämmung von Polio gehört zu den größten Erfolgen der Public Health“, betont Professor Dr. Oliver Razum von der Universität Bielefeld, Letztautor der Studie. „Aber auch in Deutschland müssen wir weiter gegen Polio impfen. Eine vollständige Ausrottung der Krankheit wird in absehbarer Zeit nicht gelingen.“

Globale Erfolge mit Hindernissen

Die Untersuchung trägt den Titel „Erfolge und Hindernisse in der Spätphase der Globalen Polio-Ausrottungsinitiative“ und fasst die Entwicklung des weltweiten Impfprogramms zusammen, das die WHO bereits 1988 gestartet hat. Seither ist die Zahl der Krankheitsfälle um beeindruckende 99,99 Prozent gesunken. Doch in einzelnen Regionen bleibt das Virus aktiv – und damit eine Gefahr für alle.

Warum Polio nicht verschwindet

Poliomyelitis, kurz Polio oder Kinderlähmung, wird durch hochansteckende Viren übertragen. Die meisten Infektionen verlaufen unbemerkt. Doch bei einem kleinen Teil der Betroffenen führen sie zu dauerhaften Lähmungen – oft an den Beinen – oder sogar zum Tod, wenn die Atemmuskulatur betroffen ist.

Zwar gelten Europa, große Teile Asiens und der Amerikas als poliofrei. Doch in Pakistan und Afghanistan zirkulieren weiterhin sogenannte Wildviren. Hinzu kommt ein weiteres Problem: In Ländern mit niedrigen Impfraten können sich abgeschwächte Impfviren so verändern, dass sie wieder gefährlich werden. Durch internationale Reisen gelangen solche Viren auch in Industrieländer – in den vergangenen Jahren wurden sie sogar in Abwasserproben in europäischen Städten, darunter in Deutschland, nachgewiesen.

Impfmüdigkeit und Geldmangel gefährden den Fortschritt

Die Forschenden warnen vor einer gefährlichen Kombination aus Impfmüdigkeit, Finanzierungslücken und globalen Krisen. Einige internationale Geldgeber, darunter die US-Entwicklungsagentur USAID, haben ihre Mittel für die Polio-Bekämpfung gekürzt. Das erschwert Impfkampagnen, insbesondere in Regionen mit instabilen Gesundheitssystemen oder Konflikten.

„Wir dürfen uns nicht allein auf das Ziel der Ausrottung verlassen“, mahnt Razum. „Entscheidend ist, dass wir überall auf der Welt dauerhaft hohe Impfquoten erreichen.“ Auch Ärztinnen und Ärzte in Deutschland seien gefordert, regelmäßig den Impfstatus ihrer Patient*innen zu prüfen und fehlende Impfungen nachzuholen.

Was Bildungseinrichtungen tun können

Auch Erzieher*innen und Lehrkräfte können dazu beitragen, dass das Bewusstsein für Impfprävention erhalten bleibt – etwa durch altersgerechte Aufklärung über Hygiene, Gesundheit und globale Verantwortung. Impfprogramme sind nicht nur medizinische, sondern auch gesellschaftliche Schutzschirme: Sie zeigen, wie gemeinsames Handeln das Leben vieler Menschen verbessern kann.

Polio ist fast besiegt – aber eben nur fast. Damit Kinderlähmung nie wieder zur Bedrohung wird, braucht es weiterhin Engagement, Aufklärung und Impfbereitschaft – in allen Ländern, und in jedem Alter.

Weitere Informationen unter: https://www.uni-bielefeld.de/fakultaeten/gesundheitswissenschaften/ag/ag3/index.xml

Quelle: Universität Bielefeld / Deutsches Ärzteblatt (2025)




Fast 13 Prozent betroffen: Sexualisierte Gewalt beginnt oft in der Familie

Repräsentative Untersuchung macht Ausmaß, Kontexte und Folgen von Missbrauch sichtbar – Dunkelfeld weiterhin groß

Laut einer aktuellen Dunkelfeldstudie, initiiert vom Zentralinstitut für Seelische Gesundheit (ZI) in Mannheim, berichten 12,7 Prozent der befragten Erwachsenen, in ihrer Kindheit oder Jugend sexualisierte Gewalt erlebt zu haben. Das entspricht etwa 5,7 Millionen Menschen in Deutschland.

Besonders betroffen sind weibliche Befragte: 20,6 Prozent gaben an, in jungen Jahren sexualisierte Gewalt erlebt zu haben – bei den 18- bis 29-Jährigen liegt der Anteil sogar bei 27,4 Prozent.

„Die Ergebnisse weisen auf ein erhebliches Dunkelfeld hin, das im Vergleich zu früheren Untersuchungen nicht abgenommen hat“, sagt Prof. Dr. Harald Dreßing, Leiter der Forensischen Psychiatrie am ZI und Koordinator der Studie.

Tatorte: oft das Zuhause – Täter meist männlich

Die Studie zeigt: Sexualisierte Gewalt geschieht am häufigsten im familiären Umfeld oder durch nahestehende Bezugspersonen. Zwar erleben auch Jungen Gewalt, bei ihnen häufen sich aber Kontexte wie Sport- und Freizeiteinrichtungen, kirchliche Räume oder Angebote der Kinder- und Jugendhilfe.

Ein weiteres zentrales Ergebnis betrifft die Täterstruktur: In der großen Mehrheit der Fälle waren die Täter männlich. Nur 4,5 Prozent der Betroffenen berichteten von Übergriffen durch Frauen.

Digitale Medien als neuer Risikobereich

Die Studie weist auch auf die wachsende Bedeutung digitaler Räume hin: In 31,7 Prozent der Fälle spielten soziale Netzwerke, Chats oder Messenger-Dienste eine Rolle. Dabei ging es unter anderem um das ungewollte Zusenden pornografischer Inhalte, gezielte Kontaktaufnahme oder den Druck, intime Bilder oder Videos zu verschicken.

Besorgniserregend: Über 60 Prozent derjenigen, die im realen Leben betroffen waren, erlebten auch digital sexualisierte Gewalt.

Scham, Angst und Schweigen – viele sprechen nicht darüber

Ein weiteres bedrückendes Ergebnis: 37,4 Prozent der Betroffenen haben nie mit einer anderen Person über das Erlebte gesprochen.

Häufigste Gründe: Scham, Schuldgefühle und Angst, nicht ernst genommen zu werden. „Das zeigt, dass es vielfach an geschützten Räumen fehlt, in denen Menschen das Erlebte offen ansprechen können“, so Prof. Dreßing.

Wissenschaftlich belastbare Daten zum ersten Mal

Die Studie wurde in Kooperation mit der Kinder- und Jugendpsychiatrie der Universität Ulm, dem Kriminologischen Institut Heidelberg und dem Umfrageinstitut infratest dimap durchgeführt. Erstmals wurde damit eine für Deutschland repräsentative Erhebung zum tatsächlichen Ausmaß und den Kontexten sexualisierter Gewalt realisiert.

„Es ist wichtig, dass wir die Forschung zum Ausmaß und den Kontexten sexualisierter Gewalt verstetigen“, betont Prof. Dr. Andreas Meyer-Lindenberg, Direktor des ZI. „Nur so können wir Prävention und Versorgung verbessern.“

Originalpublikation:

Harald Dreßing, Andreas Hoell, Leonie Scharmann, Anja M. Simon, Ann-Christin Haag, Dieter Dölling, Andreas Meyer-Lindenberg, Joerg Fegert: Sexual Violence Against Children and Adolescents: A German Nationwide Representative Survey on Its Prevalence, Situational Context, and Consequences. Dtsch Arztebl Int 2025; 122: 285–91. DOI: 10.3238/arztebl.m2025.0076
Link: https://www.aerzteblatt.de/10.3238/arztebl.m2025.0076

Gernot Körner