Mutterwerden: Wohlbefinden steigt – Partnerschaft leidet

baby schreit

Neue Studie zeigt: Stimmung und Sinn wachsen, doch Lebens- und Paarzufriedenheit sinken nach der Geburt des ersten Kindes

Mutter werden verändert das Leben grundlegend – emotional, sozial und im Alltag. Doch was passiert eigentlich mit dem psychischen Wohlbefinden in dieser sensiblen Phase? Eine aktuelle Studie der Universität Greifswald und der Tilburg University liefert nun differenzierte Antworten. Die Forschungsergebnisse wurden im renommierten Journal of Personality and Social Psychology veröffentlicht und zeichnen ein überraschend vielschichtiges Bild des Übergangs zur Mutterschaft.

Studie begleitet Frauen von der Schwangerschaft bis nach der Geburt

Im Projekt „Transition to Parenthood: Individual Variability in Well-Being“ begleiteten die Forschenden 161 Frauen im Alter zwischen 22 und 42 Jahren, die ihr erstes Kind erwarteten. Über einen Zeitraum von zehn Monaten – von der Schwangerschaft bis in die ersten Monate nach der Geburt – wurden in drei Messphasen verschiedene Aspekte des Wohlbefindens erfasst: Stimmung, Sinnerleben, Lebenszufriedenheit und Partnerschaftszufriedenheit.

Der besondere Mehrwert dieser Untersuchung liegt in der hohen zeitlichen Auflösung. Anders als frühere Studien, die meist rückblickend nach Veränderungen fragten, betrachtete das Team den Übergang zur Mutterschaft als dynamischen Prozess. Dadurch konnten die Forschenden erstmals präzise nachvollziehen, wann sich welche Dimension des Wohlbefindens verändert.

Positive Gefühle nehmen zu – aber nicht alles wird besser

Die Ergebnisse zeigen: Mutterwerden ist weder ein eindeutiges Glücksversprechen noch ein reiner Belastungsfaktor.

Besonders gegen Ende der Schwangerschaft und in den ersten Monaten nach der Geburt steigen positive Emotionen deutlich an. Auch das Gefühl von Sinn im Leben wächst spürbar. Viele Frauen erleben diese Phase also als emotional erfüllend und bedeutsam.

Gleichzeitig sinkt jedoch die allgemeine Lebenszufriedenheit – zumindest in der globalen, rückblickenden Einschätzung. Im täglichen Erleben fällt dieser Rückgang deutlich schwächer aus. Besonders auffällig ist zudem die Entwicklung der Partnerschaftszufriedenheit: Sie nimmt nach der Geburt merklich ab.

Damit relativiert die Studie das bislang eher negative Bild früherer Forschung. Diese konzentrierte sich meist ausschließlich auf Lebenszufriedenheit und kam zu dem Schluss, dass das Wohlbefinden nach der Geburt deutlich sinke. Die neue Untersuchung zeigt hingegen: Entscheidend ist, welche Facette von Wohlbefinden betrachtet wird.


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Unterschied zwischen Alltagserleben und Gesamtbewertung

Ein zentrales Ergebnis der Studie liegt im Unterschied zwischen globalen Einschätzungen und dem konkreten Alltagserleben. Während Frauen rückblickend ihre Lebens- und Partnerschaftszufriedenheit niedriger bewerten, erleben sie im täglichen Leben durchaus viele positive Momente.

Das bedeutet: Der Übergang zur Mutterschaft bringt zwar Herausforderungen mit sich, aber ebenso emotionale Zugewinne. Besonders das gestiegene Sinnerleben – also das Gefühl, dass das eigene Leben bedeutsam und erfüllend ist – stellt einen wichtigen psychologischen Faktor dar.

Schlaf und Baby beeinflussen das Wohlbefinden

Neben den allgemeinen Entwicklungen untersuchte das Forschungsteam auch konkrete Alltagsfaktoren. Der wichtigste Stimmungsaufheller bleibt – wenig überraschend – der Schlaf. Frauen, die besser schliefen, berichteten von höherem Wohlbefinden und größerer Zufriedenheit.

Nach der Geburt spielt vor allem das Verhalten des Babys eine entscheidende Rolle. Häufiges Weinen wirkt sich deutlich negativ auf die emotionale Verfassung der Mütter aus. Soziale Kontakte außerhalb der Familie wirken anfangs unterstützend, werden jedoch im weiteren Verlauf teilweise als zusätzliche Belastung empfunden.

Übergang zur Mutterschaft ist ein komplexer Prozess

Die Studie macht deutlich: Der Übergang zur Mutterschaft ist kein einfacher Vorher-Nachher-Effekt, sondern ein komplexer Entwicklungsprozess mit unterschiedlichen Dynamiken. Positive Gefühle und Sinnzuwachs stehen sinkender Partnerschaftszufriedenheit und geringerer globaler Lebenszufriedenheit gegenüber.

Für Fachkräfte, Familien und politische Entscheidungsträger liefern die Ergebnisse wichtige Hinweise. Sie zeigen, dass Unterstützungsangebote differenziert ansetzen sollten – etwa durch Förderung von Erholung und Schlaf, Stärkung partnerschaftlicher Ressourcen und realistische Erwartungen an die erste Zeit mit Baby.

Insgesamt zeichnet die Forschung ein differenziertes, teilweise sogar überraschend positives Bild des Mutterwerdens: Während sich die Bewertung des eigenen Lebens verändert, wächst zugleich das Gefühl von Sinn und emotionaler Erfüllung – besonders rund um die Geburt des ersten Kindes.




Fluorid im Trinkwasser: Keine negativen Effekte für Neugeborene

Eine große Auswertung zeigt: Studie findet keine Hinweise auf Risiken rund um Geburt und Schwangerschaft

Fluorid ist für viele Eltern und Erzieherinnen ein sensibles Thema. Es steckt in Zahnpasta, Speisesalz – und in einigen Ländern auch im Trinkwasser. Immer wieder taucht die Sorge auf, Fluorid könne ungeborenen oder neugeborenen Kindern schaden. Eine umfangreiche internationale Untersuchung mit Beteiligung der Universität Basel gibt nun Entwarnung.

Warum Fluorid überhaupt eingesetzt wird

Fluorid stärkt den Zahnschmelz, repariert frühe Schäden und schützt wirksam vor Karies. Besonders Kinder profitieren davon, da Karies zu den häufigsten chronischen Erkrankungen im Kindesalter zählt. In der Schweiz wird Fluorid seit den 1980er-Jahren vor allem über fluoridiertes Speisesalz aufgenommen. In den USA hingegen ist es üblich, Trinkwasser mit Fluorid anzureichern – eine Maßnahme, die mehr als 60 Prozent der Bevölkerung erreicht.

Große Datenbasis, klares Ergebnis

Ein internationales Forschungsteam hat Daten von rund 11,5 Millionen Geburten in den USA ausgewertet. Untersucht wurde, ob Fluorid im Trinkwasser mit einem niedrigeren Geburtsgewicht, einer kürzeren Schwangerschaft oder einem erhöhten Risiko für Frühgeburten zusammenhängt.

Das Ergebnis: Es fanden sich keine negativen Effekte. Weder das durchschnittliche Geburtsgewicht noch die Dauer der Schwangerschaft oder die Frühgeburtenrate unterschieden sich in Regionen mit fluoridiertem Trinkwasser von jenen ohne diese Maßnahme. Die Ergebnisse wurden im renommierten Fachjournal JAMA Network Open veröffentlicht.

Kariesprävention mit Fluorid schadet nicht

Das Geburtsgewicht gilt als verlässlicher Indikator für die Gesundheit von Neugeborenen. Dass hier keine Unterschiede festgestellt wurden, spricht dafür, dass Fluorid im Trinkwasser während der Schwangerschaft keine messbaren Risiken birgt. Für Eltern und pädagogische Fachkräfte bedeutet das: Die bewährte Kariesprävention steht nicht im Widerspruch zur Gesundheit von Babys.

Fluorid bleibt ein zentraler Baustein der Zahngesundheit – auch aus Sicht der frühen Entwicklung. Die aktuellen Erkenntnisse zeigen, dass Eltern ihr Neugeborenes nicht gefährden, wenn Fluorid im Rahmen öffentlicher Präventionsmaßnahmen eingesetzt wird. Für Kitas, Familienzentren und Elternhäuser gilt damit weiterhin: Regelmäßige Zahnpflege und sinnvolle Prävention sind wichtig – und nach aktuellem Wissensstand sicher.

Mehr dazu finden Sie auf dem Wissenschaftsportal JAMA Network




Diabetes bei Müttern kann zu neurologischen Störungen bei Kindern führen

Eine systematische Überprüfung und Metaanalyse von 202 Beobachtungsstudien, die 56,1 Millionen Schwangerschaften umfassen, legt Zusammenhang nahe

Diabetes bei Müttern kann laut einer aktuellen Studie der Central South University die Entwicklung des Gehirns von Embryonen verändern. Es sind jedoch gut konzipierte systematische Analysen erforderlich, um den Zusammenhang zwischen Diabetes bei Müttern und neurologischen Entwicklungsstörungen bei Kindern umfassend zu bewerten und zu quantifizieren. Ziel der chinesischen Studie war es, die verfügbaren Erkenntnisse über die Auswirkungen von Diabetes bei Müttern auf die neurologische Entwicklung von Kindern zusammenzufassen und zu bewerten.

Laut den bisherigen Ergebnissen ist mütterlicher Diabetes ist mit einem erhöhten Risiko für neurologische Entwicklungsstörungen und einer beeinträchtigten neurologischen Entwicklungsleistung bei Kindern verbunden, was unter anderem zu ADS oder Autismus führen könnte. Es sind jedoch weitere Forschungsarbeiten erforderlich, um die Kausalität zu ermitteln und die Zusammenhänge zwischen bestimmten Diabetesarten und dem gesamten Spektrum neurologischer Entwicklungsstörungen zu klären.

56,1 Millionen Schwangerschaften untersucht

202 Studien mit 56.082.462 Mutter-Kind-Paaren wurden in die Metaanalyse einbezogen. Davon untersuchten 110 (54 %) Schwangerschaftsdiabetes und 80 (40 %) prägestativen Diabetes. Von den insgesamt untersuchten Studien konzentrierten sich 169 (84 %) ausschließlich auf Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre. In Studien, die mindestens einen wichtigen Störfaktor berücksichtigten, wurde mütterlicher Diabetes mit einem erhöhten Risiko für alle Arten von neurologischen Entwicklungsstörungen sowie mit niedrigeren Intelligenz- und psychomotorischen Werten in Verbindung gebracht. In Studien, die mehrere Störfaktoren berücksichtigten (n=98, 49 %), hatten Kinder, die mütterlichem Diabetes ausgesetzt waren, ein erhöhtes Risiko für jegliche neurologische Entwicklungsstörung (Risikoquote 1,28; 95 % KI 1,24–1,31), Autismus-Spektrum-Störung (1,25; 1,20–1,31), Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (1,30; 1,24–1,37), Intelligenzminderung (1,32; 1,18–1,47), spezifischen Entwicklungsstörungen (1,27; 1,17–1,37), Kommunikationsstörung (1·20; 1·11–1·28), motorische Störung (1·17; 1·10–1·26) und Lernstörung (1·16; 1·06–1·26) im Vergleich zu nicht exponierten Kindern. Mütterlicher Diabetes vor der Schwangerschaft war stärker mit dem Risiko der meisten neurologischen Entwicklungsstörungen bei Kindern verbunden als Schwangerschaftsdiabetes (Risikoquote 1,39; [95 % KI 1,34–1,44] vs. 1,18 [1,14–1,23]; Subgruppenunterschied p<0,0001).

Die Studie ist im Journal The Lancet erschienen.




Infizierte Schwangere können ihren Nachwuchs schädigen

Forscher der Slovak Academy of Sciences weisen Veränderungen der Gehirnaktivitäten nach

Infektionen der Mütter während der Schwangerschaft können nachhaltige Auswirkungen auf die Gehirnfunktion des Kindes haben. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Slovak Academy of Sciences. Die Forscher haben bei neugeborenen Ratten die Folgen der mütterlichen Immunaktivierung auf die Pyramidenzellen des Hippocampus untersucht.

Neuronale Erregbarkeit leidet

Den Experten nach beeinträchtigt eine pränatale Infektion die neuronale Erregbarkeit erheblich. Diesen Veränderungen der Gehirnfunktion dürfte das erhöhte Risiko von neurologischen Entwicklungsstörungen bei Infektionen der Mütter zugrunde liegen, glauben die Experten. Laut dem korrespondierenden Autor Eliyahu Dremencov gelten Infektionen der Mütter bereits als Risikofaktoren für Erkrankungen wie Autismus, Schizophrenie und Depressionen.

Während der Schwangerschaft lösen Infektionen eine Immunreaktion aus, die Zytokine freisetzt. Dabei handelt es sich um chemische Botenstoffe, die in die Plazenta gelangen können und sich auf die Hirnentwicklung des Fötus auswirken. Mittels eines gut etablierten Tiermodells haben die Forscher bei trächtigen Ratten mit Lipopolysacchariden (LPS) Infektionen ausgelöst. Danach wurden die Neuronen des Hippocampus der neugeborenen Tiere auf ihre Erregbarkeit hin untersucht.

Neurotransmission beeinträchtigt

Forschungsleiterin Lucia Moravcikova zufolge verfügt dieser Nachwuchs bei der Aktivierung der Neuronen über eine deutlich höhere Schwelle, langsamere Reaktionszeiten und verringerte Feuerungsraten. „Das weist auf eine Störung der glutamatergen Neurotransmission hin. Sie spielt eine entscheidende Rolle beim Lernen, dem Gedächtnis und der Regulation der Emotionen.“ Die Forschungsergebnisse sind im Fachmagazin „Brain Medicine“ veröffentlicht.

Moritz Bergmann/pressetext.redaktion




Luftverschmutzung und extreme Temperaturen verlängern Schwangerschaften

Studie der Curtin University hat Daten von fast 400.000 Geburten in Western Australia analysiert

Der Kontakt mit Luftverschmutzung im Freien und extreme Temperaturen während der Schwangerschaft erhöhen das Risiko einer verlängerten Schwangerschaft, zeigt eine Studie der Curtin University. Die Forscher haben die Daten von fast 400.000 Geburten in Western Australia analysiert. Eine höhere Belastung mit Feinstaub PM2.5 und biothermischer Stress stehen demnach mit 41 Wochen andauernden Schwangerschaften in Verbindung.

Viele Schwangere betroffen

Laut dem leitenden Wissenschaftler Sylvester Dodzi Nyadanu ist das die erste Studie, die die Auswirkungen einer Klima-Exposition auf längere Schwangerschaften untersucht. Von einer verlängerten Schwangerschaft sind vor allem Frauen über 35 Jahren, Erstgebärende, Frauen, die in einer städtischen Umgebung leben und jene betroffen, deren Schwangerschaften kompliziert sind.

Umweltstressoren wie klimabedingte Belastungen wurden bereits mit mütterlichen Stressreaktionen in Verbindung gebracht. In der Folge kommt es zu Störungen der endokrinen und entzündlichen Aktivitäten, die gegen Ende der Schwangerschaft noch zunehmen. Dadurch kommt es entweder zur Verkürzung der Schwangerschaft oder fallweise auch zur Verlängerung, so die Experten.

Ernste Auswirkungen möglich

Laut Nyadanu kann eine längere Schwangerschaft ernsthafte gesundheitliche Folgen für werdende Mütter und Kinder haben. Dazu gehören medizinische Interventionen wie die Geburtseinleitung oder Kaiserschnitte. Zudem nähmen das Risiko einer Totgeburt, Komplikationen während der Geburt und der Kindersterblichkeit zu. Zu spät geborene Kinder können früh Probleme beim Verhalten und mit ihren Emotionen haben. Die Forschungsergebnisse sind im Fachmagazin „Urban Climate“ nachzulesen.

Moritz Bergmann/pressetext.redaktion




Schwanger: Aspirin schützt Gefäße bei Grippe

Studie der RMIT University belegt bessere Blutversorgung der Plazenta

Eine geringe Dosis Aspirin kann bei einer grippebedingten Blutgefäßentzündung wirksam sein und so während der Schwangerschaft den Blutfluss zur Plazenta verbessern. Zu dem Ergebnis kommt eine Studie unter der Leitung der RMIT University. Mit Tierversuchen haben die Forscher überprüft, ob sich die Behandlung gegen Präeklampsie auch bei Grippeinfektionen einsetzen lässt. Die Ergebnisse seien bislang sehr vielversprechend. Details sind in „Frontiers in Immunology“ nachzulesen.

Ähnlich einer Präeklampsie

Der leitenden Wissenschaftlerin Stella Liong nach können Grippeinfektionen während der Schwangerschaft einer Präeklampsie ähnlich sein. Bei dieser Erkrankung handelt es sich um eine Komplikation, die zu Entzündungen der Aorta und der Blutgefäße führen kann. Geringe Mengen Aspirin werden üblicherweise eingenommen, um eine Präeklampsie zu verhindern. So wird der Körper an der Produktion von Chemikalien gehindert, die Entzündungen verursachen. Sind die Gefäße jedoch entzündet, führt das zu einem schlechten Blutfluss und beeinträchtigt die Funktion der Aorta.

„Das führt vor allem während der Schwangerschaft zu Problemen, wenn eine gute Blutversorgung der Plazenta für die Entwicklung des Fötus von entscheidender Bedeutung ist“, weiß Liong. Die erste Studie dieser Art hat gezeigt, dass Föten und Plazentas von Mäusen mit Influenza A kleiner waren als bei nicht infizierten Tieren. Marker für wenig Sauerstoff im Blut und eine schlechte Entwicklung der Blutgefäße konnten ebenfalls nachgewiesen werden. Mäuse, die jedoch täglich eine geringe Dosis Aspirin erhielten, litten weniger an Entzündungen und verfügten über eine verbesserte Entwicklung des Fötus.

Hyperaktive Immunantwort

Obwohl klinische Studien mit Menschen noch ausstehen, ist Liong nach die Einnahme von geringen Mengen Aspirin während der Schwangerschaft sicher. Und RMIT-Professor Stavros Selemidis ergänzt, dass eine Schwangerschaft die gesamte Art und Weise verändert, wie der Körper auf das Virus reagiert. Die beiden Wissenschaftler haben bereits nachgewiesen, dass das Grippevirus währen der Schwangerschaft eine schädigende hyperaktive Immunantwort auslösen kann und sich dadurch das Virus im ganzen Körper verbreitet.

Diese Infektion kann, so der Experte, später zu einer Herz-Kreislauf-Erkrankung beitragen und sich in diesem Bereich auch auf die spätere Gesundheit der Kinder auswirken. Obgleich eine Impfung immer noch als der beste Schutz vor einer Grippe während der Schwangerschaft gilt, sind die Impfungsraten bei Schwangeren laut Selemidis allgemein niedrig. Zudem könne es auch sein, dass die Impfung keine perfekte Immunreaktion mit sich bringt. Das sei vor allem bei einer Schwangerschaft oder einer Begleiterkrankung möglich.

Moritz Bergmann/pressetext.redaktion




Bundesrat fordert Mutterschutz für Selbstständige

Selbstständige sollen während der Schwangerschaft und nach der Entbindung die gleichen Mutterschutzleistungen erhalten wie Arbeitnehmerinnen

Selbstständige sollen während der Schwangerschaft und nach der Entbindung die gleichen Mutterschutzleistungen erhalten wie Arbeitnehmerinnen. Dies fordert der Bundesrat von der Bundesregierung in einer Entschließung, die auf eine Initiative von Nordrhein-Westfalen und Hamburg zurückgeht.

Geringer Frauenanteil bei Selbstständigen 

Der Bundesrat begründet seine Forderung mit dem immer noch auffällig niedrigen Anteil von Frauen bei Unternehmensgründungen und in der Geschäftsführung von Start-Ups sowie kleinen und mittleren Unternehmen. 

Gleichbehandlung mit Arbeitnehmerinnen

Die deutsche Rechtsordnung enthalte Regelungen für Arbeitnehmerinnen, Beamtinnen und Richterinnen – nicht jedoch für Selbstständige. Es müssten gleichwertige Verhältnisse in Bezug auf die Vereinbarkeit von Beruf und Familie geschaffen werden, um den Frauenanteil unter den Selbstständigen zu erhöhen. Daher sei es notwendig, die bestehenden Nachteile für selbständige Schwangere oder Mütter in der Zeit nach der Entbindung abzubauen, um so einen wichtigen Beitrag zur Gleichstellung von Frauen und Männern zu leisten.

Unternehmerinnen im Handwerk besonders betroffen

Gerade junge Unternehmerinnen hätten oft noch keine Rücklagen für eine ausreichende Vorsorge. Ihnen drohten beim Ausfall durch Schwangerschaft und Geburt Auftragseinbußen und Umsatzrückgänge, die bis zur Insolvenz führen könnten. Unternehmerinnen im Handwerk seien besonders betroffen, da die Arbeit oft körperlich belastend und in dieser Lebensphase der Investitionsbedarf besonders hoch sei. Daher müssten für Gründerinnen und Selbstständige Instrumente geschaffen werden, die einerseits Rückhalt zur Gründung geben und andererseits schwangerschaftsbedingte Betriebsschließungen verhindern, verlangt der Bundesrat. Finanziert werden könnten diese Instrumente durch Bundesmittel oder durch Schaffung eines solidarischen Umlagesystems.

Wie es weitergeht

Die Entschließung wird der Bundesregierung zugeleitet. Diese entscheidet, wann sie sich mit den Länderforderungen befasst. Feste Fristvorgaben gibt es hierfür nicht.

Quelle: Deutscher Bundesrat




Warum Mütter ihre eigenen Kinder am Geruch erkennen können

Schwangerschaft verändert das Gehirn: Stammzellen formen den Geruchssinn bei Wöchnerinnen

Im Tierreich gilt: Eltern müssen ihren Nachwuchs am Geruch erkennen. So ist gewährleistet, dass sie ihre eigenen Jungen aufziehen. Die Forschungsgruppe von Prof. Dr. Fiona Doetsch am Biozentrum der Universität Basel hat nun bei Mäusen gezeigt, dass genau zu diesem Zweck im Riechkolben des Gehirns vorübergehend neue Nervenzellen gebildet werden. Sie entwickeln sich während der Schwangerschaft und verschwinden einige Wochen nach der Geburt wieder. Diese neuen Neuronen im Gehirn der Mutter sorgen dafür, dass sie die eigenen Kinder am Geruch erkennt.

Neue Neuronen aus neuronalen Stammzellen

Doch woher stammen diese neuen Neuronen? Sie entstehen aus sogenannten neuronalen Stammzellen. Dies sind unreife Zellen in bestimmten Regionen des erwachsenen Gehirns. Doetschs Team untersucht Stammzellen in der sogenannten ventrikulär-subventrikulären Zone bei ausgewachsenen Mäusen. Diese bilden Nervenzellen, die in den Riechkolben wandern. In früheren Arbeiten konnten die Forschenden bereits zeigen, dass einige dieser Stammzellen durch Reize wie Hunger und Sättigung aktiviert werden. Bislang war jedoch unklar, ob auch andere Stimuli bestimmte Pools von Stammzellen anregen.

Bildung neuer Nervenzellen in der Schwangerschaft

In ihrer neuen Studie in „Science“ zeigen die Forschenden nun, dass bei trächtigen Mäusen verschiedene Pools von Stammzellen synchron aktiviert werden und neue Nervenzellen bilden. Normalerweise befinden sich viele dieser Stammzellen in einem «Schlafzustand». Werden sie in der Schwangerschaft aktiviert, so reifen seltene Arten von Neuronen heran. Zum Zeitpunkt der Geburt wandern diese vorübergehend in den Riechkolben, einer Region im Gehirn, die Informationen über Gerüche verarbeitet.

Veränderter Geruchssinn

Die neuen Neuronen haben eine wichtige Aufgabe. Während der frühen Mutterschaft sensibilisieren diese den Geruchssinn der Mutter, so dass diese ihrer Jungen am Geruch erkennt. Auch im Menschen gibt es im gleichen Hirnareal solche Stammzellen, die jedoch eigentlich ab dem frühen Säuglingsalter keine Neuronen für den Riechkolben mehr ausbilden.

Von der Maus zur Mutter

„Einige Frauen berichten über Veränderungen des Geruchsinns während der Schwangerschaft“, sagt Erstautorin Dr. Zayna Chaker. „Beim Menschen könnte es daher ähnlich sein. Auch hier könnte die Schwangerschaft Stammzellen aus ihrem Schlafzustand wecken.“

Perfektes Timing für Elternschaft

Dabei sind es verschiedene Stammzellpools, die im Verlauf einer Schwangerschaft wellenartig und zu unterschiedlichen Zeit angeregt werden. Die Wanderung der Neuronen zum Riechkolben und ihre Ausreifung fallen zeitlich mit dem Ende der Schwangerschaft zusammen. «Das Timing ist sehr präzise. Die neuen Neuronen sind pünktlich zur Geburt parat», sagt Doetsch. «Sie werden jedoch nur vorübergehend benötigt und wieder beseitigt, wenn der Nachwuchs älter und selbstständig ist.» Die Rekrutierung von Stammzellen bei trächtigen Tieren bereitet das Gehirn also punktuell auf den spezifischen Bedarf in der Mutterschaft vor.

Zukünftig möchte das Team von Fiona Doetsch untersuchen, welche Signale die Stammzellrekrutierung und Neubildung von Nervenzellen während der Schwangerschaft auslösen. Auch ist noch unklar, warum und wie die neu gebildeten Neuronen aus dem Riechkolben eliminiert werden. Außerdem stellt sich die Frage, ob bei werdenden Vätern das Gehirn auf ähnliche Weise umgebaut wird.

Gehirnplastizität durch neue Neuronen

Die beschriebenen Anpassungen im Gehirn beweisen einmal mehr, dass die sogenannte Plastizität unseres Gehirns nicht allein auf die Veränderungen der Nervenverbindungen, den Synapsen, zurückzuführen ist. Auch die Rekrutierung ausgewählter Stammzellen und die damit verbundene Bildung spezifischer Nervenzelltypen trägt dazu bei, dass sich unser Gehirn anpassen und auf veränderte Lebensbedingungen reagieren kann.

Originalpublikation

Zayna Chaker, Corina Segalada, Jonas A. Kretz, Ilhan E. Acar, Ana C. Delgado, Valerie Crotet, Andreas E. Moor and Fiona Doetsch.
Pregnancy-responsive pools of adult neural stem cells for transient neurogenesis in mothers.
Science (2023), doi: 10.1126/science.abo5199

Heike Sacher, Katrin Bühler, Universität Basel