Value of Play Conference: Starkes Plädoyer für Spiel als Entwicklungskraft

Value of Play Konferenz

Wissenschaftliche Premiere auf der Spielwarenmesse setzt ein gesellschaftliches Signal für die Bedeutung des Spielens

Die Premiere der Value of Play Conference auf der Spielwarenmesse in Nürnberg gehörte zu den inhaltlich bemerkenswertesten Beiträgen des 75. Jubiläumsjahres. Die Messe selbst steht seit jeher für die Vielfalt und Kraft des Spielens. Mit dem neuen Konferenzformat wurde dieser Kern nun zusätzlich wissenschaftlich eingeordnet und aus unterschiedlichen fachlichen Blickwinkeln beleuchtet. Das Ergebnis war eine ebenso dichte wie erkenntnisreiche Veranstaltung, die den Wert des Spiels weit über Produkt- und Marktfragen hinaus sichtbar machte.

Durch das Programm führte der Moderator Dr. Volker Mehringer von der Universität Augsburg. Mit ruhiger, fachkundiger Gesprächsführung verband er die einzelnen Beiträge, ordnete Thesen ein und öffnete immer wieder den Raum für Nachfragen aus dem Publikum. Dadurch entstand kein reines Vortragsformat, sondern ein lebendiger fachlicher Austausch.

Spiel als menschliche Schlüsselkompetenz

Den Auftakt bildete der Programmpunkt „Spielend kompetent: Ein Impro-Dialog über die Essenz des Spiels“ mit Prof. Dr. Martin Geisler von der Ernst-Abbe-Hochschule Jena und Prof. Dr. Jens Junge vom Institut für Ludologie in Berlin. In einem dialogischen, stellenweise improvisierten Format zeigten sie, wie grundlegend das Spiel für menschliche Entwicklung und kulturelle Praxis ist. Sie beschrieben Spiel als Experimentierraum, als Trainingsfeld für soziale Aushandlungsprozesse und als Motor kreativen Denkens. Der gewählte Zugang machte wissenschaftliche Inhalte anschaulich und gut nachvollziehbar.

Deutlich wurde gleich zu Beginn: Spiel ist keine Nebensache. Es ist eine Form aktiver Welterkundung und Kompetenzbildung – über alle Altersstufen hinweg.

Wie Spielen Bildung und Lernen beflügelt

Im anschließenden Gesprächsformat „Power of Play: Wie Spielen Bildung beflügelt“ diskutierten Pablo Busó vom spanischen Forschungsinstitut AIJU und Moderator Dr. Volker Mehringer über die Rolle des Spiels in Lern- und Bildungsprozessen. Anhand von Studien und Praxisbeispielen zeigten sie, wie stark spielerische Settings Motivation, Problemlösefähigkeit und nachhaltiges Lernen unterstützen.

Dabei ging es auch um die Frage, wie stark pädagogische Systeme das freie Spiel heute noch zulassen. Mehrfach wurde betont, dass Kompetenzen nicht allein durch Anleitung entstehen, sondern durch eigenes Tun, Ausprobieren und Variieren. Spiel wurde hier als natürlicher Lernmodus beschrieben, nicht als methodische Zugabe.

Gamification und Arbeitswelt: Spielprinzipien im Beruf

Einen Perspektivwechsel bot der Vortrag „Professionell spielen: Wie Gamification Arbeitswelten verändert“ von Prof. Dr. Thomas Voit von der Technischen Hochschule Nürnberg. Er erläuterte, wie spieltypische Mechanismen in Unternehmen und Organisationen genutzt werden könnten, um Motivation, Beteiligung und Innovationskraft zu fördern. Zielsysteme, Feedbackstrukturen und freiwillige Herausforderungen, wie man sie aus Spielen kennt, finden sich zunehmend auch in beruflichen Kontexten wieder.

Value of Play Conference
Toy Business Forum

Anhand seines Empamos-Modells zeigte Voit, dass Spielprinzipien nicht nur unterhalten, sondern strukturieren und aktivieren können. Das Spiel wird damit auch zu einem Werkzeug moderner Arbeitskultur.

Kidults: Wenn Erwachsene das Spiel neu entdecken

Mit dem Thema spielender Erwachsener beschäftigte sich der Vortrag „Zwischen Nostalgie und Lifestyle: Wie Erwachsene das Spielzeugsegment revolutionieren“ von Katriina Heljakka von der Universität Turku. Sie ordnete den internationalen Kidult-Trend wissenschaftlich ein und beschrieb ihn als kulturelle Bewegung, nicht nur als Marktphänomen. Spielen, Sammeln und Gestalten im Erwachsenenalter sei Ausdruck von Kreativität, Identitätsarbeit und Gemeinschaft.

Der wachsende Kidult-Markt verändere nicht nur Sortimente, sondern auch die Wahrnehmung des Spiels insgesamt. Es werde zunehmend als lebensbegleitende Praxis verstanden.

Spiel als Zuflucht in Krisenzeiten

Den emotionalen Schlusspunkt setzte Brian McCarty, Gründer der Initiative WarToys, mit seinem Beitrag über die Bedeutung des Spielens in Krisen- und Kriegsgebieten. Anhand konkreter Projekte und Bilddokumentationen zeigte er, wie Kinder über Spiel Erlebtes verarbeiten und Ausdrucksmöglichkeiten finden. Spiel erschien hier als Schutzraum und als Mittel seelischer Stabilisierung. Dieser Beitrag erweiterte den Blick auf das Thema deutlich und verlieh der Konferenz eine starke gesellschaftliche Dimension

Ein starkes Format mit gesellschaftlicher Strahlkraft

Die Value of Play Conference überzeugte durch Qualität, Themenbreite und fachliche Tiefe. Gleichzeitig wurde deutlich, wie wertvoll eine noch breitere Öffnung wäre. Gerade pädagogische Fachkräfte, Ausbildende und Bildungsinstitutionen könnten von den dargestellten Erkenntnissen unmittelbar profitieren. Eine gezielte Öffnung der Veranstaltung – etwa am ersten Messetag – wäre sinnvoll und wichtig für die gesamte Gesellschaft. Sie könnte helfen, den Stellenwert des Spiels als Entwicklungsmotor sichtbarer zu machen und den Transfer in Bildungsrealitäten zu stärken.

Messefazit: Jubiläumsausgabe mit starker Resonanz

Über die gesamte Laufzeit hinweg zeigte die Spielwarenmesse ihre internationale Bedeutung als Branchenplattform. Tausende Fachbesucher, Aussteller aus zahlreichen Ländern und eine insgesamt optimistische Stimmung prägten die Veranstaltung. Trends, Innovationen und neue Networking-Formate wurden intensiv genutzt, die Zufriedenheit vieler Aussteller war hoch, und ein großer Teil plant bereits die Rückkehr zur nächsten Ausgabe.

Zwischen Geschäft, Innovation und Begegnung setzte die Messe auch inhaltliche Akzente. Die Value of Play Conference war dabei ein besonderer Baustein: Sie hat den Blick geschärft für das, was hinter allen Produkten steht – das Spiel selbst als Grundlage von Lernen, Entwicklung und menschlicher Erfahrung.

Gernot Körner




Didacta in Köln: Prof. Ferdinand Klein empfiehlt Vortrag von Armin Krenz

„Kinder haben ein RECHT auf ihre Kindheit“ – Plädoyer für kindorientierte Pädagogik

Hinweis von Prof. Dr. Ferdinand Klein zum Vortrag von Prof. Dr. Armin Krenz auf Europas größter Bildungsmesse, der didacta in Köln:

Titel des Vortrags:
„Kinder haben ein RECHT auf ihre Kindheit – Ein Plädoyer für eine kind(heits)orientierte Elementarpädagogik“
Termin: 10.03.2026, 14:00–15:00 Uhr
Ort: didacta Köln, Halle 8, Stand D 046

Der international bekannte und renommierte Kindheitsforscher Armin Krenz (Hon. Prof. für Entwicklungspsychologie & Elementarpädagogik a. D.) setzt sich seit über 45 Jahren in Vorträgen und Büchern immer wieder dafür ein, dass Kinder auch in Kindertageseinrichtungen förderliche Entwicklungsbedingungen vorfinden, die dazu beitragen, dass sie in Selbstbildungsprozesse hineinfinden können, partizipatorisch bei der Planung, Gestaltung und Durchführung einer lebendigen Alltagspädagogik beteiligt werden, sich mit Fachkräften verbunden fühlen und ihnen Fachkräfte mit wertschätzenden Beziehungsangeboten begegnen. Eine alltagsorientierte Pädagogik, die gemeinsam mit Kindern gelebt wird, macht didaktisch konzipierte Förderprogramme vielfach überflüssig.

Kinder sind keine Marionetten, die sich nach den Erwartungen und Vorstellungen der Erwachsenen oder von Wirtschaftsverbänden zu richten haben, sondern Menschen, die Entwicklungsrechte in Anspruch nehmen können, so wie diese in der UN-Charta „Rechte des Kindes“ festgeschrieben, durch den Deutschen Bundestag ratifiziert wurden und seit dem 05.04.1992 in Kraft getreten sind.

Krenz wies bereits in der Onlineveranstaltung am 18. September 2025Kitas brauchen eine radikale pädagogische Kehrtwende zum KIND“ auf die dringend gebotene Bildungswende von unten hin (Mitschnitt auf YouTube: https://youtu.be/mMSZkMTDIzI). Diese Wende zum KIND begründet Krenz in fünf aktuellen Werken.


Prof. Dr. Ferdinand Klein

Erziehung aus der Begegnung heraus gestalten

Mit Janusz Korczak über inklusionspädagogische Grundfragen nachdenken

Format: 21,0 x 14,8 cm
ISBN: 9783963046186
22,00 € (inkl. MwSt.)


Einführender Impuls

Das Cover verweist auf den polnischen Kinderarzt, Pädagogen und Schriftsteller Janusz Korczak. Auf dem Fundament seiner „fröhlichen Pädagogik der Achtung“ (Näheres in Klein 1996) gründet der fachliche Dialog, den Armin Krenz und der Autor seit bald 30 Jahren pflegen. Krenz begleitet mit wertschätzender Haltung und fachlicher Kompetenz mein (heil)päd­agogisches Bemühen in Wissenschaft und Praxis, das in Korczaks Pädagogik verankert ist.

Korczak zeigt zeitüberdauernd, „Wie man ein Kind lieben soll“ (Andresen 2018). Er wollte seine Waisenkinder nicht allein lassen und begleitete sie bis ins Konzentrationslager Treblinka (Näheres in Klein 2022). Seine beziehungsgestaltende Pädagogik ist besonders für die Erziehung in Kindertageseinrichtungen aktuell. Darauf macht Armin Krenz mit Herzenskraft unermüdlich aufmerksam.

Vorbemerkung

Die Veranstaltung hätte auch folgende Überschriften tragen können:

  • Mehr KIND! Mehr Persönlichkeit und weniger Formalismus/Dirigismus: BILDUNGSWENDE jetzt!
  • Kinder müssen wieder Ausgangs- und Mittelpunkt der Pädagogik sein: BILDUNGSWENDE jetzt!
  • Kinder brauchen Menschen, Spiel und Seelenproviant und keine didaktisierten Förderprogramme: BILDUNGSWENDE jetzt!

Während die von allen Seiten geforderten und zugleich notwendigen Qualitätsstandards und Verbesserungen für professionelles Handeln im Erzieher*innenberuf sowie eine konsequentere kindorientierte Konzeptionsumsetzung immer lauter werden, geraten die wirklich grundlegenden, lebensbedeutsamen, nachhaltig wirksamen und dringend notwendigen Bedürfnisse von Kindern zunehmend ins Abseits der geforderten Umsetzung des Erziehungs-, Bildungs- und Betreuungsauftrags nach dem Sozialgesetzbuch (SGB, 8. Bd., 2. Hlb).

Der Kindheitspädagoge wendet sich im Vortrag – ebenso wie in seinen aktuellen Büchern – an pädagogische Fachkräfte, Eltern und politische Entscheidungsträger sowie an alle, die sich für eine kindgerechte Bildungspolitik und Elementarpädagogik engagieren möchten. Gerade Vorträge vor vielen hundert Teilnehmenden (darunter auch aus der Politik) mit anschließender Diskussion finden ein überaus großes Echo – in Deutschland ebenso wie in europäischen Nachbarländern.

Krenz antwortet aus reflektierten und langjährigen Erfahrungen, aus eigenen wissenschaftlichen Erkenntnissen und weiteren Forschungsergebnissen heraus auf aktuelle Missstände in der frühkindlichen Bildung, Erziehung und Betreuung, die sich in immer schnellerem Tempo fortsetzen:

  • Im Gegensatz zu vielen politischen Mandatsträgern, die sich häufig mit wohlfeilen Worten und ohne kenntnisgeleiteten Praxisbezug äußern, hat sich die Realität in Kindertageseinrichtungen in den vergangenen Jahren weiter dramatisch verschärft – nicht nur für pädagogische Fachkräfte, sondern vor allem (neben den Eltern) für die Kinder selbst – mit nachhaltig dramatischen Folgen für deren psychosoziale und kognitive Entwicklung.
  • Viele Fachkräfte fühlen sich im Spannungsfeld zwischen fachlichem Anspruch (abgeleitet aus wissenschaftlichen Erkenntnissen) und strukturellen, institutionellen sowie personellen Mangelsituationen zunehmend zerrieben. Krankenmeldungen haben deutlich zugenommen, arbeitsbezogene und zugleich innere Kündigungen häufen sich, Burnout-Symptome treten häufiger auf. Teams sind überlastet; vieles zerfällt in Einzelkämpfertum, ungelöste Teamkonflikte nehmen zu – und übertragen sich auf Kinder, die dies in Verhaltensirritationen ausdrücken.
  • Viele Eltern sind – aus unterschiedlichen Gründen – zunehmend schwer erreichbar. Ausbildungsstandards in Fachschulen wurden mancherorts abgesenkt, um dem Erzieherinnenmangel entgegenzuwirken; zugleich wird ein Professionalitätsniveau erreicht, das dem Anspruch des Berufes widerspricht. Außerdem bringen manche Quereinsteigerinnen – oftmals nur mit Minimalfortbildung – zusätzliche Unruhe in das Kollegium und in die Lebenswelt der Kinder, wodurch Entwicklungsprozesse gestört werden.
  • So finden wir immer häufiger eine Pädagogik vor, die Kindern in ihrer sensiblen Entwicklungsphase weder Stabilität noch verlässliche Begleitung bieten kann – mit allen bekannten, nachhaltigen Folgen für kindliches Verhalten und damit auch für die gesellschaftliche Zukunft.

1. Erkenntnis für eine persönlichkeitsprägende Kita-Praxis

  • Die Veranstaltung und die fünf rezensierten Werke rufen dazu auf, gemeinsam für eine seit über zwei Jahrzehnten dringend erforderliche Bildungswende von unten zu sorgen. Pädagogik muss endlich kindgerecht, zuverlässig, beziehungsstark und entwicklungsförderlich gestaltet werden (können). Kinder sind keine Datenpunkte, keine zu verwaltenden Objekte und kein „Humankapital“.
  • Kinder wollen schöpferisch tätig, aktiv und partizipatorisch beteiligt sein – nicht permanent in die Rolle von Reakteur*innen gedrängt werden.
  • Es geht um eine Pädagogik mit Kindern, um eine „Bildung durch Bindung“ (Krenz/Klein 2013), um intrinsisch motivierte Kinder, die aus ihrem Erleben heraus fühlen wollen, wer sie sind, welchen Stellenwert sie in ihrem Umfeld haben und was sie entdecken, unternehmen und bewirken können.
  • Kinder brauchen dazu emotional stabile, sozial denkende und handelnde, kommunikationsfreundliche und handlungsaktive Persönlichkeiten, die sich u. a. durch Selbstbewusstsein, Leistungsfreude, Mut, Selbstfürsorge, Geduld, Verlässlichkeit, Zutrauen, Humor, Optimismus, Lernmotivation, Anstrengungsbereitschaft, Selbstreflexion und Perspektivorientierung auszeichnen.
  • Diese Persönlichkeiten schaffen ein wertschätzendes, emotional warmes Beziehungsklima, eine fehlerfreundliche, Sicherheit vermittelnde Atmosphäre, geben Klärungsimpulse bei Konflikten und realisieren partizipative, werteorientierte und inklusive Pädagogik – mit einer gepflegten Kommunikations-, Interaktions-, Spiel-, Sprach- und Naturerlebniskultur.

Geboten ist eine differenzierte Betrachtung der Bildungswende. Darauf weisen die Impulse zum „Situationsorientierten Ansatz“ und die Rezensionen der fünf einander ergänzenden Bücher hin: authentische Kenntnis der Praxis, Erleben vor Ort, Dabeisein in Kindertageseinrichtungen sowie im Außenbereich der Einrichtungen – und ein face-to-face-Resonanzempfinden.

2. Der „Situationsorientierte Ansatz“ – eine zukunftsweisende Perspektive

Entwicklung und Ziel

Der „Situationsorientierte Ansatz“ wurde in den Jahren 1984 bis 1989 von Armin Krenz im Rahmen seiner Tätigkeit am „Institut für angewandte Psychologie und Pädagogik in Kiel“ auf der Grundlage des „Situationsansatzes“ erarbeitet und hat sich in den letzten 35 Jahren als viel beachtetes elementarpädagogisches Konzept in Deutschland und im europäischen Ausland etabliert.

Der Ansatz berücksichtigt die soziokulturellen und psychologisch bedeutsamen Lebensbedingungen von Kindern und Eltern und basiert auf einem ganzheitlichen Menschenbild, das die Entwicklung aller Personen, die am Entwicklungsprozess beteiligt sind, in den Mittelpunkt rückt. Ausgangsfrage ist, welche entwicklungsförderlichen Bedingungen Kinder und Familien heute brauchen, um Ressourcen zu entdecken sowie auf- und auszubauen.

Er orientiert sich an aktuellen Erkenntnissen der Entwicklungspsychologie, Bildungsforschung, Neurobiologie und Bindungsforschung. Ziel ist es, jedes Kind zu unterstützen, Selbst-, Sach- und Sozialkompetenzen auf- und auszubauen und möglichst viele Ressourcen zu wecken, damit Entwicklung in allen Feldern möglich wird.

Grundannahmen und Eckwerte

  • Kinder haben ein Recht darauf, sich als „Gast auf dieser Welt“ zu empfinden. Dazu braucht es Fachkräfte, die Modell für Humanität, Werteorientierung, Engagement, Neugier und Selbstbildungsinteresse sind.
  • Fachkräfte sind Bündnispartner der Kinder und beachten ihre Ressourcen – entsprechend dem gesetzlichen Auftrag sowie den in der UN-Kinderrechtskonvention verankerten Entwicklungsrechten.
  • Elementarpädagogik muss sich wieder an bedeutsamen Wertebereichen orientieren: Sprach-, Ess-, Spiel- und Konfliktkultur sowie alltagsorientierte Lern- und Umgangskultur.
  • Der Mensch kann Zukunft aktiv gestalten, wenn belastende Erfahrungen bearbeitet werden können: Klärung/Bereinigung aktualisierter Ereignisse sorgt für Entlastung und macht Ressourcen verfügbar.
  • Keine isolierten, funktionsorientierten Programme, sondern lebensbedeutsame Themen und kindorientierte Schwerpunkte, die sich an Interessen der Kinder orientieren.
  • Das Spiel bildet den Mittelpunkt, eng vernetzt mit Lern- und Schulfähigkeit; eine vorgezogene Schuldidaktik findet keinen Platz.

Kita als Spiel- und Erfahrungsraum

Im Sinne Friedrich Fröbels wird die Kita als bedeutsamer Spiel- und Erfahrungsraum verstanden, in dem Kinder mit Freude und Neugier in Sinnzusammenhängen tätig sein, Erfahrungen machen und mit anderen Kindern sowie bindungsorientierten Erwachsenen leben, spielen und lernen können. Der Ansatz lehnt altersgleiche Gruppen und fest programmierte Tagesabläufe ab und widerspricht Ausgrenzung. Er ermöglicht grundlegende soziale Erfahrungen, die sich auf emotionale und kognitive Entwicklung nachhaltig positiv auswirken (Klein 2019).

Er baut auf Einsichten klassischer Pädagog*innen (Fröbel, Montessori, Steiner, Korczak) auf und bindet aktuelle Erkenntnisse der Entwicklungs- und Sozialpsychologie sowie zur Personqualität und zum Qualitätsmanagement ein (Klein 2019).

Literaturhinweise und Links

  • Andresen, S. (2018): Wie liebt man Kinder – eine kindheitstheoretische Einordnung Janusz Korczaks. In: Korczak, J.: Wie man ein Kind lieben soll. 17. überarbeitete Auflage. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht, VII–XXVII.
  • Klein, F. (1996): Janusz Korczak. Sein Leben für Kinder – sein Beitrag für die Heilpädagogik. Heilbronn: Klinkhardt.
  • Klein, F. (2019): Inklusive Erziehungs- und Bildungsarbeit in der Kita. Heilpädagogische Grundlagen und Praxishilfen. Köln: Bildungsverlag EINS.
  • Klein, F. (2022): Janusz Korczak. Die Aktualität seiner Pädagogik. Regensburg: Walhalla.
  • Klein, F. (2025): Erziehung aus der Begegnung heraus gestalten. Mit Janusz Korczak über inklusionspädagogische Grundfragen nachdenken. Freiburg: BurckhardtHaus.
  • Krenz, A. (2019): Kinder brauchen Seelenproviant. Was wir ihnen für ein glückliches Leben mitgeben können. München: Kösel.
  • Krenz, A. (2025a): Berufsbild Erzieherin. Grundsatzgedanken zum Selbstverständnis eines sehr anspruchsvollen Berufs.* Freiburg: BurckhardtHaus.
  • Krenz, A. (2025b): SPIEL UND SELBSTBILDUNG. Kitas brauchen eine pädagogische Revolution. Freiburg: BurckhardtHaus.
  • Krenz, A. (2025c): Beobachtung und Entwicklungsdokumentation. Grundlagen – Praxisbeispiele – Beobachtungsliste – Dokumentationsmuster. Freiburg: BurckhardtHaus.
  • Krenz, A. (2025d): Merkmale einer guten Kita-Pädagogik – Das Praxisbuch für Qualität in der frühen Bildung. Was in Kitas oftmals vergessen, zurückgestellt oder außer Acht gelassen wird. Freiburg: BurckhardtHaus.
  • Krenz, A. (2025e): Ganzheitliche Pädagogik verstehen und leben. Wie Kinder durch Beziehung, Sinneserfahrung und Selbstbildung nachhaltig wachsen – ein Leitfaden für pädagogische Fachkräfte, Lehrkräfte und Eltern. Freiburg: BurckhardtHaus.
  • Krenz, A./Klein, F. (2013): Bildung durch Bindung. Frühpädagogik: inklusiv und kindorientiert. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht.
  • www.beobachten-und-dokumentieren.de
  • https://www.bertelsmann-stiftung.de

Prof. Dr. Ferdinand Klein




Schulbereitschaft kritisch gelesen – zur Einordnung eines aktuellen Fachbuchs

schulbereitschaft

Eine kritische Einordnung des Konzepts vor dem Hintergrund ganzheitlicher Bildung, Spielpädagogik und frühkindlicher Entwicklung

Diese Veröffentlichung ist im Rahmen der Lehrbuchreihe Entwicklung und Bildung in der Frühen Kindheit herausgekommen. Sie greift ein immer wieder aktuelles Thema auf und wendet sich dem Fragenkomplex zu, welche Fähigkeiten Kinder für einen möglichst erfolgreichen Einstieg in die Grundschule benötigen, was in der Elementarpädagogik und Schuleingangsphase nötig ist, um Kindern zu helfen, eine gute Schulbereitschaft aufbauen zu können, und wie es am besten gelingt, einen reibungslosen Übergang in die Grundschule sowie einen erfolgreichen Schulbesuch zu erreichen.

Damit stehen sowohl die Kindergärten als auch die Schulen im Fokus und haben — ebenso wie Eltern — eine sogenannte „Bringschuld“. Eine Sichtweise, die in der Praxis oftmals so nicht gesehen wird, sondern bei der dem Kind eine „Bringschuld“ zugewiesen wird. Es stellt sich daher nicht nur die Frage, ob das Kind eine Schulbereitschaft hat, sondern auch, ob der Kindergarten sowie die Schule eine Kindfähigkeit besitzen.

Aufbau und Inhalte des Buches

Nach einer Einführung ins Thema wird zunächst Näheres zur Genese des Konzepts der Schulbereitschaft erläutert, um dann zu verdeutlichen, dass es eine gemeinsame Aufgabe von Kindertageseinrichtungen und Grundschulen ist, die Schulbereitschaft aller Kinder sicherzustellen. (Anmerkung: Warum hier die Eltern unberücksichtigt bleiben, entzieht sich der Kenntnis des Rezensenten.)

Anschließend wird der Frage nachgegangen, ob die Rahmenbedingungen des Schulanfangs in Deutschland eine föderale Vielfalt oder eine Gefahr regionaler Bildungsungleichheit darstellen. Entsprechend geht es um Stichtagsregelungen, Rückstellungen oder vorzeitige Einschulungen, die Anmeldung in der Grundschule sowie schulärztliche Untersuchungen.

Im darauffolgenden Kapitel werden die individuellen Merkmale der Schulbereitschaft erfasst (sprachliche Kompetenzen, bereichsspezifische kognitive Vorläuferfertigkeiten, sozial-emotionale und motivationale Voraussetzungen sowie die Selbstregulation als übergeordnete Schlüsselkompetenz), die ein Kind für einen erfolgreichen Schulstart benötigt.

Das sechste Kapitel wendet sich der Schuleingangsdiagnostik zu und damit der Frage, wie sich die Schulbereitschaft eines Kindes feststellen lässt. Hier finden sich methodische Ansätze wie Verhaltensbeobachtungen sowie standardisierte und normierte diagnostische Verfahren, traditionelle Schulfähigkeitstests und aktuelle Entwicklungs- und Schulfähigkeitstests.

Bevor das Buch ein Fazit zieht und Literaturangaben die Veröffentlichung abschließen, werden auf 16 Seiten Beispiele zur Förderung der Schulbereitschaft genannt: kompensatorische Angebote für Kinder mit Förderbedarf sowie Fördermaßnahmen im Rahmen der Schulvorbereitung in Kindertageseinrichtungen (Maßnahmen zur Sprachförderung vor der Einschulung, Förderung der frühen Literalität, der phonologischen Bewusstheit, mathematischer sowie sozial-emotionaler Kompetenzen). Drei Seiten gehen dabei auf internationale Programme zur Erhöhung der Schulbereitschaft durch Förderung der kindlichen Selbstregulation ein.

Anliegen der Autor*innen

Dr. Dubowy und Prof. Dr. Hasselhorn hoffen, durch die Offenlegung wissenschaftlicher Erkenntnisse und vielfältige erläuternde Ausführungen dazu beizutragen, dass diese Informationen sowohl auf beteiligte Entscheidungsträger als auch auf Erzieher*innen und Lehrkräfte Einfluss nehmen.

Zusammenfassende Würdigung

Dieses Buch liefert einerseits einen funktionsgerichteten und unter dieser Prämisse weit gefächerten Einblick und andererseits schwerpunktspezifische, stets sehr verständliche Themenausführungen in die seit Jahrzehnten vieldiskutierte Thematik Schulbereitschaft. Alle aufgenommenen Belege sind durch Quellenangaben untermauert.

Gleichzeitig wäre es mehr als wünschenswert gewesen, wenn diese bedeutsame Thematik

  • (a) unter dem Blickwinkel einer „ganzheitlichen Pädagogik von Anfang an“ (Stichworte: Bildung durch Bindung, nachhaltige Alltagspädagogik auf Grundlage einer partizipatorisch gestalteten, an den Interessen der Kinder ausgerichteten, lebenswelt- und situationsorientierten Pädagogik) bearbeitet worden wäre,
  • (b) der Begriff des „Vorschulkindes“ endlich in das Ablagefach einer längst vergangenen Bildungsepoche verbannt worden wäre, denn die Elementarpädagogik hat laut SGB VIII, Bd. 2, Hlb., §§ 22–24 einen eigenen Erziehungs-, Bildungs- und Betreuungsauftrag bis zum letzten Kita-Tag, und
  • (c) der Bereich der Spielpädagogik und seine Bedeutung für kindliche Entwicklungsprozesse stärker berücksichtigt worden wäre, wie er in allen Bildungsplänen der Bundesländer ausgeführt wird.

Mögen diese Anmerkungen in einer zweiten Auflage Berücksichtigung finden.

Armin Krenz

Bibliografie

schulbereitschaft

Dubowy, Minja; Hasselhorn, Marcus (2024):
Schulbereitschaft. Was Kinder für einen erfolgreichen Schulstart brauchen.
Verlag W. Kohlhammer, Stuttgart. 129 Seiten, 29,00 €.
ISBN 978-3-17-044820-9




Berufsbild Erzieher*in – Grundsatzgedanken zu einem anspruchsvollen Beruf

krenz

Vortrag von Prof. Armin Krenz auf der Buchmesse in Frankfurt

In ein paar Wochen schon, öffnet die Buchmesse in Frankfurt ihre Tore. SPIELEN UND LERNEN wird in Halle 3.0 C155 mit einem eigenen Stand dabei sein. Gemeinsam mit unseren Schwesterverlagen veranstalten wir auch einige Vorträge, Buchvorstellungen und Gespräche.

Am Eröffnungstag, den 16.10.2024, hält Prof. Armin Krenz einen Vortrag mit dem Titel „Berufsbild Erzieher*in – Grundsatzgedanken zum Selbstverständnis eines anspruchsvollen Berufs“. In seinem Vortrag in Halle 4.0 H104 spricht Prof. Armin Krenz um 16 Uhr über die wichtigsten berufsspezifischen Grundlagen für eine professionelle Elementarpädagogik. Und er macht auf bedeutsame basale Herausforderungen aufmerksam, damit der gesetzlich verankerte Erziehungs-, Bildungs- und Betreuungsauftrag unter Beachtung der jeweils länderspezifischen Bildungsrichtlinien, der UN-Charta Rechte des Kindes sowie der grundlegenden Ausgangsdaten aus den Feldern der Bildungs-/Bindungsforschung und Entwicklungspädagogik auch tatsächlich erfüllt werden kann. Der Zutritt ist für Messebesucher*innen kostenlos.

Anschließend, um 17 Uhr, besucht uns Prof. Krenz am Stand, spricht über den Vortrag, seine neuen Bücher und signiert Bücher.

SPIEL und SELBSTBILDUNG

Am Donnerstag, den 17.10.2024 stellt er in Halle 3.0 C155 ab 10 Uhr das Buch „SPIEL und SELBSTBILDUNG – Kitas brauchen eine pädagogische Revolution“ vor. Gerne beantwortet er die Fragen der Besucher und signiert seine Bücher. Auch hier ist der Zugang für Messebesucher*innen kostenlos.

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Krenz, Armin

SPIEL und SELBSTBILDUNG
Kitas brauchen eine pädagogische Revolution

Erscheint am 16.10.2024, jetzt schon vorbestellen!
22,00 € (inkl. MwSt.)

Zum Inhalt: Das SPIEL hat in den vergangenen Jahren in vielen Kindertageseinrichtungen deutlich an Wert verloren. Dafür kann es viele Gründe geben: sei es die deutliche Zunahme an Verhaltensirritationen bei vielen Kindern, denen sich die frühpädagogischen Fachkräfte verstärkt zuwenden müssen. Sei es die fachliche Herausforderung in einer inklusiven Pädagogik, die hohe Ansprüche an eine besondere Entwicklungsbegleitung erfordert, seien es die Bildungsansprüche vieler Eltern, die an die Fachkräfte gerichtet werden oder sei es die deutliche Zunahme an administrativen Aufgaben, die viel Arbeitszeit bindet. Hinzu kommen Beobachtungen, dass viele Fachkräfte dem SPIEL eine untergeordnete Bedeutung im Vergleich mit „Lernprogrammen“ und „Förderangeboten“ beimessen oder Quereinsteiger*innen ohne eine pädagogische Ausbildung die Lücke von fehlenden Fachkräften besetzen.

Doch unabhängig von allen Gründen bleibt der hohe Bedeutungswert des SPIELS für die SELBSTBILDUNG des Kindes bestehen! Wenn diesem Bedeutungswert kaum noch eine Beachtung geschenkt wird, hat dies gravierende Folgen für die Persönlichkeits- und Lernentwicklung der Kinder. Und damit auch auf die zukünftige gesellschaftliche Entwicklung des Landes. In dieser Veröffentlichung werden fachliche Grundlagen vorgestellt, um das SPIEL wieder verstärkt in die Elementarpädagogik zu integrieren. Es muss eine praxisorientierte Revolution stattfinden, indem einer wirtschaftlich und funktional gestalteten Elementarpädagogik die „Rote Karte“ gezeigt und erneut Kinder und ihre Entwicklungsbedürfnisse in das Zentrum der Pädagogik gerückt wird. Das gelingt nur mit einer aktiven, lebendigen, authentisch gestalteten SPIELPÄDAGOGIK und spielfreudigen kindheitspädagogischen Fachkräften.


berufsbild-erzieherin-krenz

Krenz, Armin

Berufsbild Erzieher*in
Grundsatzgedanken zum Selbstverständnis
eines sehr anspruchsvollen Berufs

Erscheint am 16.10.2024, jetzt vorbestellen!
22,00 € (inkl. MwSt.)


Krenz, Armin

Beobachtung und Entwicklungsdokumentation
Grundlagen – Praxisbeispiele – Beobachtungslisten – Dokumentationsmuster

Erscheint am 16.10.2024, jetzt vorbestellen!
25,00 € (inkl. MwSt.)

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Weitere Bücher von Amin Krenz finden Sie hier