Wie Kinder Sprache lernen: Warum der Alltag die beste Förderung bietet

Armin Krenz zeigt, wie Sprache in Beziehung, Spiel und Alltag wächst – und was Fachkräfte tun können, um Kinder sprachlich nachhaltig zu stärken

Sprache begegnet Kindern überall. Beim Frühstück wird darum verhandelt, wer neben wem sitzen darf. Beim Bauen muss erklärt werden, wohin der nächste Stein gehört. Im Rollenspiel werden Rollen verteilt, beim Anziehen wird Hilfe eingefordert, draußen werden Entdeckungen kommentiert und beim Streit müssen Wünsche, Ärger und Grenzen irgendwie in Worte gefasst werden.

Genau darin liegt eine große Chance für die Sprachbildung: Sie muss nicht erst künstlich hergestellt werden. Der Alltag ist voller Situationen, in denen Kinder Sprache brauchen.

Das ist einer der zentralen Gedanken des neuen Buches „Sprachbildung in der Kita – alltagsorientiert und kindzentriert“ von Armin Krenz. Sein Ausgangspunkt reicht allerdings weit über die Frage hinaus, wie Kinder möglichst viele Wörter lernen oder grammatikalisch richtige Sätze bilden. Sprache ermöglicht Kindern, Bedürfnisse auszudrücken, Beziehungen aufzubauen, Konflikte auszutragen, Gedanken mitzuteilen und zunehmend selbstbestimmt an ihrer sozialen Welt teilzunehmen. Krenz bezeichnet Sprache deshalb als „Tor zur umfassenden Teilhabe am Leben“.

Einen zentralen Gedanken formuliert er so:

„Sprache ist das Tor zum umfänglichen Entdecken der eigenen Persönlichkeit.“

Damit verschiebt sich auch die Perspektive auf Sprachförderung: Statt zuerst zu fragen, welches Programm ein Kind benötigt, lohnt es sich zu fragen, welche sprachlichen Erfahrungen sein Alltag bietet.

Kinder wollen nicht Sprache üben – sie wollen etwas sagen

Dieser Unterschied erscheint zunächst klein, ist pädagogisch aber grundlegend. Ein Kind spricht nicht, um seinen Wortschatz zu trainieren. Es spricht, weil es den roten Bagger haben möchte, weil es wissen will, warum ein Regenwurm keine Beine hat, weil es seinem Freund etwas erzählen oder verhindern möchte, dass jemand seinen Turm umstößt.

Eine der im Buch aufgegriffenen Aussagen bringt diesen Perspektivwechsel besonders prägnant auf den Punkt:

„Kinder wollen nicht Sprachen lernen, sondern kommunizieren.“

Krenz stellt deshalb die alltagsintegrierte Sprachbildung ins Zentrum. Sie versteht Sprachbildung nicht als isolierte Übungseinheit, sondern als Querschnittsaufgabe der gesamten Kita. Kommunikation soll an den Interessen und Äußerungen der Kinder anknüpfen, dialogisch und beziehungsorientiert sein und Kindern ermöglichen, Sprache als Mittel des Denkens, Handelns und sozialen Austauschs zu erfahren.

Bemerkenswert ist, dass dieser Ansatz keineswegs eine pädagogische Spezialposition darstellt. Krenz arbeitet ausführlich die Bildungs- und Orientierungspläne der 16 Bundesländer durch. Nach seiner Auswertung legen 14 der 16 Länder die alltagsintegrierte Sprachbildung zugrunde; zwei verbinden sie in unterschiedlicher Weise mit additiver Sprachförderung. Als gemeinsame Prinzipien arbeitet er unter anderem eine ganzheitliche, beziehungsorientierte, dialogische, partizipative, interessen- und handlungsorientierte Sprachbildung heraus.

Damit stellt sich allerdings eine unbequeme Frage: Wenn die Grundidee fachlich und bildungspolitisch so breit verankert ist – warum bereitet die Sprachentwicklung vieler Kinder weiterhin Sorgen?

Fünf Dinge, die Fachkräfte sofort tun können

Gerade an dieser Stelle besitzt das Buch praktischen Nutzen. Sprachbildung wird nicht auf besondere „Sprachzeiten“ beschränkt. Krenz richtet den Blick vielmehr auf Situationen, die ohnehin jeden Tag stattfinden.

Handlungen sprachlich begleiten: Was Kinder tun, bietet fortwährend Gelegenheit für Sprache. „Du stellst den großen Stein ganz oben hin.“ – „Jetzt ist der Ärmel umgekrempelt.“ – „Der Ball ist unter die Bank gerollt.“ Sprache verbindet sich dadurch mit konkreten Erfahrungen.

Kinder ausreden lassen und Äußerungen erweitern: Aus einem kindlichen „Auto da“ muss keine Korrektur werden. Eine Antwort wie „Ja, das rote Auto steht neben der Kiste“ nimmt die Aussage ernst und bietet gleichzeitig ein reichhaltigeres sprachliches Modell.

Echte Fragen stellen: Fragen, deren Antwort der Erwachsene längst kennt – „Welche Farbe hat das?“ –, erzeugen eine andere Kommunikation als Fragen wie: „Warum glaubst du, dass der Turm immer wieder umfällt?“ Offene Fragen geben Kindern Anlass, zu überlegen, zu erklären und Zusammenhänge sprachlich herzustellen.

Spiel, Bewegung und Natur als Sprachräume verstehen: Krenz widmet diesen Erfahrungsbereichen breiten Raum. Hinzu kommen Musik, Rhythmik, Lieder, Tanz, Märchen und das Philosophieren mit Kindern. Schon das Inhaltsverzeichnis macht deutlich, wie umfassend er Sprachbildung versteht. Neues Buch, Sprachbildung_SATZ

Das eigene Sprechen beobachten: Sprachbildung betrifft nicht nur das Kind. Erwachsene sind Sprachvorbilder. Wie viel rede ich selbst? Unterbreche ich Kinder? Höre ich wirklich zu? Erweitere ich Äußerungen oder korrigiere ich vor allem? Spreche ich mit Kindern oder hauptsächlich zu ihnen? Solche Fragen machen aus Sprachbildung eine Aufgabe professioneller Selbstreflexion.

Sprachbildung braucht keine künstliche Sprachwelt

Vielleicht lässt sich ein Grundgedanke des Buches auf einen einfachen Satz bringen: Kinder brauchen Sprache dort, wo sie etwas bewirken können.

Wenn ein Kind erklärt, warum es noch nicht aufräumen möchte, einem anderen Kind die Regeln seines Spiels erläutert oder beim Spaziergang wissen will, warum Schnecken nach dem Regen auftauchen, benutzt es Sprache nicht für eine Übung. Es benutzt sie, weil Sprache gerade einen Sinn hat.

Krenz greift dazu eine Aussage auf, die den Ansatz der alltagsintegrierten Sprachbildung sehr anschaulich beschreibt. Kinder erwerben Sprache besonders gut, wenn dies nicht in eigens dafür eingerichteten Zeiten und Räumen geschieht, sondern in Situationen, in denen Sprache für sie wichtig und nützlich ist – etwa beim gemeinsamen Spiel auf einer Bewegungsbaustelle, beim Singen, im Fantasiespiel, beim Erforschen eines Regenwurms oder beim Aushandeln, wer als Nächstes schaukeln darf.

„Eine Sprache lernt man aber, indem man sie gebraucht.“ (Otto Jespersen)

Für Fachkräfte ergibt sich daraus eine durchaus anspruchsvolle Aufgabe: Sie müssen nicht möglichst viele Sprachübungen anbieten, sondern erkennen, wann eine alltägliche Situation sprachlich reich werden kann.

Dazu gehört auch, sich selbst zurückzunehmen. Wer jede kindliche Äußerung ergänzt, jedes Gespräch lenkt und jede Frage selbst beantwortet, produziert zwar viel Sprache – gibt Kindern aber möglicherweise zu wenig Gelegenheit, selbst zu sprechen.

Das Buch erinnert deshalb immer wieder an die Bedeutung des erwachsenen Sprachvorbilds. Fachkräfte sollen ihr eigenes Sprach- und Sprechverhalten regelmäßig reflektieren. Sprachbildung ist damit nicht nur eine Frage dessen, was wir mit Kindern machen, sondern ebenso eine Frage dessen, wie wir mit Kindern sprechen.

Die Qualität der Beziehung entscheidet mit

Damit berührt Krenz einen Punkt, der im Alltag leicht hinter Methoden und Förderkonzepten verschwindet: Kinder sprechen mit Menschen.

Spracherwerb braucht deshalb Kommunikation und Kommunikation braucht Beziehung. Kinder benötigen Erwachsene, die ihnen zuhören, ihre Äußerungen ernst nehmen und ihnen Zeit und Raum geben, selbst sprachlich tätig zu werden.

Das Buch greift dazu Erkenntnisse und Vorgaben aus Forschung, Fachliteratur und den Bildungsplänen der Länder auf. So wird etwa für Bayern hervorgehoben, dass Spracherwerb an Dialog, persönliche Beziehung, Interesse und für Kinder sinnvolle Handlungen gebunden ist. Kinder lernen Sprache nicht allein durchs Zuhören, sondern wesentlich auch durch die eigene Sprachproduktion.

Das hat unmittelbare Konsequenzen für den Kita-Alltag. Eine Fachkraft kann die sprachliche Aktivität eines Kindes nicht erzwingen. Sie kann aber Bedingungen schaffen, unter denen das Kind etwas sagen möchte.

Das ist etwas anderes als die Vorstellung, Sprache ließe sich in einzelne Kompetenzen zerlegen, die anschließend nacheinander trainiert werden.

Was ist mit gezielter Sprachförderung?

Krenz setzt sich ausführlich mit der Unterscheidung zwischen alltagsintegrierter Sprachbildung und additiver Sprachförderung auseinander. Dabei positioniert er sich deutlich zugunsten eines ganzheitlichen Ansatzes.

Er verweist auf Forschung, nach der für die untersuchten additiven Sprachförderprogramme überwiegend keine Effekte auf kindliche Sprachkompetenzen und die schriftsprachliche Entwicklung nachgewiesen werden konnten. Daraus folge derzeit kein Beleg dafür, dass diese Form der Sprachlernstrategie für Kinder im entsprechenden Alter wirksamer sei als die alltagsintegrierte Sprachbildung.

Seine Konsequenz daraus lautet allerdings nicht, Kinder mit sprachlichen Schwierigkeiten einfach sich selbst zu überlassen. Im Gegenteil: Alltagsintegrierte Sprachbildung verlangt hohe Aufmerksamkeit und Professionalität. Fachkräfte müssen beobachten, individuelle Entwicklungsverläufe kennen, Sprechanlässe schaffen und ihr eigenes Kommunikationsverhalten reflektieren.

Der entscheidende Perspektivwechsel lautet: Nicht das Kind wird für eine Sprachübung aus seinem Alltag herausgenommen, sondern der Alltag selbst wird zum Sprachraum.

Sprachbildung steckt auch in Räumen

Interessant ist, dass Krenz nicht bei der direkten Kommunikation zwischen Fachkraft und Kind stehen bleibt. Auch die Umgebung entscheidet darüber mit, wie viel und wie gut gesprochen werden kann.

Eine Kita braucht Orte, an denen Kommunikation entstehen kann: Bilderbücher und Kinderbibliotheken, Schreib- und Gesprächsbereiche, interessantes Material, aber ebenso Rückzugsmöglichkeiten. Selbst die Raumakustik spielt eine Rolle. Wo der Geräuschpegel permanent hoch ist, werden Zuhören und differenzierte Gespräche schwieriger.

Sprachbildung wird damit zu einer Frage der gesamten pädagogischen Qualität einer Einrichtung – von der Beziehungsgestaltung über das Spiel bis zur Gestaltung der Räume.

Das lässt sich in einem weiteren Kernsatz verdichten:

„Sprachliche Bildung ist grundsätzlich in den Alltag integriert.“

Die Konsequenz ist weitreichend: Sprachbildung findet nicht nur im Morgenkreis, beim Vorlesen oder während eines geplanten Angebots statt. Sie geschieht beim Anziehen, Essen, Bauen, Streiten, Entdecken und Spielen. Entscheidend ist, ob Erwachsene solche Situationen als Möglichkeiten für Dialog und sprachliche Selbsttätigkeit erkennen.

Und die Eltern?

Auch hier vertritt Krenz eine klare Position. Nachhaltige Sprachbildung könne nicht allein Aufgabe der Kita sein. Neu erworbene sprachliche Fähigkeiten müssen im Alltag immer wieder aufgegriffen und verwendet werden. Deshalb widmet er der Zusammenarbeit mit Eltern ein eigenes Kapitel.

Kita und Familie sollten nicht als getrennte Sprachwelten betrachtet werden, sondern gemeinsam Bedingungen schaffen, unter denen Kinder erzählen, fragen, zuhören, argumentieren und mit Sprache experimentieren können.

Gerade darin liegt auch eine wichtige Botschaft an Eltern: Sprachbildung verlangt zu Hause kein Förderprogramm. Gemeinsam kochen, erzählen, vorlesen, singen, einkaufen, Fragen beantworten, über Erlebnisse sprechen und vor allem dem Kind zuhören schaffen täglich Gelegenheiten, Sprache zu gebrauchen.

Ein Buch über Sprache – und über Pädagogik

Wer von „Sprachbildung in der Kita“ eine Sammlung von Sprachspielen oder Übungen erwartet, bekommt etwas anderes. Armin Krenz stellt die grundsätzlichere Frage: Unter welchen Bedingungen können Kinder Sprache entwickeln?

Seine Antwort führt mitten hinein in das Selbstverständnis der Elementarpädagogik. Das Buch behandelt neben Spracherwerb und Sprachbildung deshalb auch Beziehung, Kommunikation, Spiel, Bewegung, Musik, Natur, Märchen, Philosophieren, die Vorbildfunktion Erwachsener, Adultismus und die Zusammenarbeit mit Eltern. Krenz versteht Sprachbildung nicht als Zusatzaufgabe, sondern als Bestandteil eines kindzentrierten Kita-Alltags. Bereits im Vorwort formuliert er den Anspruch, fachliche Aussagen durch Forschungsergebnisse und überprüfbare Quellen zu fundieren.

Darin dürfte der besondere Nutzen des Buches für pädagogische Fachkräfte, Kita-Leitungen und Fachschulen liegen: Es liefert nicht einfach die nächste Methode zur Sprachförderung. Es fordert dazu auf, den gesamten Kita-Alltag daraufhin zu betrachten, wie viel wirkliche Kommunikation er Kindern ermöglicht.

Krenz formuliert die Aufgabe der Erwachsenen an einer Stelle besonders prägnant:

„Erwachsene haben die Aufgabe, dafür zu sorgen, dass Kinder das Können können.“

Für die Sprachbildung heißt das: Erwachsene können Kindern Sprache nicht abnehmen und sie ihnen auch nicht einfach „beibringen“. Aber sie können Beziehungen, Räume und Situationen schaffen, in denen Kinder Sprache brauchen, ausprobieren, erweitern und zunehmend sicher beherrschen.

Und daraus ergibt sich eine Frage, die sich gut für die nächste Teamsitzung eignen dürfte:

Wie oft erleben Kinder bei uns Situationen, in denen sie sprechen, weil sie wirklich etwas zu sagen haben – und wie oft sollen sie sprechen, weil Erwachsene gerade Sprache fördern wollen?


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Armin Krenz

Sprachbildung in der Kita – alltagsorientiert und kindzentriert

In diesem praxisnahen Fachbuch erläutert Armin Krenz, warum sprachliche Bildung in der Kita weit mehr ist als gezielte Sprachförderung. Kinder benötigen Erwachsene, die als positive Sprachvorbilder agieren, aufmerksam zuhören, individuelle Ausdrucksformen verstehen und Gespräche wertschätzend begleiten

Format: 210,0 x 14,8 cm
ISBN: 9783963046223
25,00 €
Burckhardthaus




Sprachförderung in Kitas: Mit Bewegung Sprache lernen

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Rennen, werfen, fangen, reden: Die Freiburger Sprach-Ballschule verbindet Sprachbildung mit Sport. Mit 1,4 Millionen Euro Förderung soll das Angebot wachsen und mehr Kinder in Kitas und Grundschulen erreichen.

Kinder lernen Sprache nicht nur im Gespräch oder beim Vorlesen. Auch beim Rennen, Werfen und gemeinsamen Spielen entstehen ständig neue Sprechanlässe. Genau hier setzt die Freiburger Sprach-Ballschule an: Sie richtet sich an Kinder im Kita- und Grundschulalter und verbindet Sprachbildung mit Bewegung – als gleichberechtigte Partner, nicht als Ergänzung.

1,4 Millionen Euro für den Ausbau

Über fünf Jahre erhalten die Stadt Freiburg, der SC Freiburg, die beruf leben akademie und die step stiftung insgesamt rund 1,4 Millionen Euro vom GKV-Bündnis für Gesundheit Baden-Württemberg. Die vier sind Kooperationspartner der Sport-Quartiere Freiburg. Mit dem Geld sollen die Sprach-Ballschule weiterentwickelt und die Sport-Quartiere ausgebaut werden.

Oberbürgermeister Martin Horn: „Sprache ist der Schlüssel zu Bildung und gesellschaftlicher Teilhabe. Die Freiburger Sprach-Ballschule verbindet Sprachbildung, Bewegung und soziale Entwicklung auf eine Weise, die Kinder dort erreicht, wo sie stehen – spielerisch, niedrigschwellig und im direkten Lebensumfeld. Als Kooperationspartner des Projekts Sport-Quartiere Freiburg sind wir sehr dankbar für die großzügige Förderung. Sie ist ein wichtiger Beitrag für mehr Bildungsgerechtigkeit und gesundheitliche Chancengleichheit in Freiburg.“

Sprachanlässe ganz nebenbei

Für Kitas ist der Ansatz interessant, weil Sprachbildung mitten im Alltag stattfindet. Die Kinder müssen dafür nicht am Tisch sitzen oder eine klassische Fördersituation durchlaufen. Beim Spielen und Bewegen hören sie neue Wörter, probieren sie aus, stellen Fragen und kommen miteinander ins Gespräch.

Ein Ball etwa bietet Anlass, über Farben, Formen, Richtungen und Bewegungen zu sprechen. Kinder beschreiben, was sie tun, erklären Regeln oder fordern andere zum Mitmachen auf. In Bewegungsgeschichten lassen sich neue Wörter direkt mit Handlungen verbinden. Ein Wort bleibt leichter im Gedächtnis, wenn es mit einer Handlung, einem Gegenstand oder einem gemeinsamen Erlebnis verknüpft ist.

Nebenbei sammeln die Kinder Erfahrungen mit dem eigenen Körper und erleben, dass sie etwas bewirken können. Beim gemeinsamen Spiel müssen sie sich verständigen, zuhören, warten, Regeln beachten und aufeinander reagieren. Sprache wird so zum Werkzeug, das sie unmittelbar brauchen.

Früh ansetzen: von der Kita bis zur Grundschule

Die Sprach-Ballschule beginnt bereits im Kita-Alter. Kinder sollen früh erreicht und in ihrer sprachlichen und motorischen Entwicklung unterstützt werden – im freien Spiel ebenso wie bei angeleiteten Bewegungsangeboten.

Bildungsbürgermeisterin Christine Buchheit: „Wer früh in Sprachbildung investiert, verhindert spätere Bildungsbenachteiligung. Die Freiburger Sprach-Ballschule setzt genau hier an – im Übergang von der Kita in die Grundschule und direkt im Lebensumfeld der Kinder. Prävention wird so konkret, wirksam und messbar. Damit schaffen wir langfristig bessere Voraussetzungen für gelingende Bildungsbiografien.“

Die Sport-Quartiere: Kitas, Schulen und Vereine vernetzt

Die Sprach-Ballschule ist Teil der Freiburger Sport-Quartiere, die seit 2021 schrittweise in verschiedenen Stadtteilen entstehen. Kitas, Schulen, Sportvereine und weitere Einrichtungen eines Stadtteils arbeiten dort enger zusammen, damit Kinder leichter Zugang zu Bewegung und Sport finden. Das Motto: „bewegen, qualifizieren, vernetzen“.

  • Sieben Sport-Quartiere gibt es bisher: St. Georgen, Littenweiler-Waldsee-Wiehre, Mooswald, Haslach-Weingarten, Vauban-Merzhausen, Zähringen-Brühl und Landwasser.
  • 227 Institutionen arbeiten dort zusammen, darunter mehr als 60 Kitas, 21 Grundschulen und 39 Sportvereine.
  • Rund 2.000 Kinder nehmen nach Angaben der Projektpartner jede Woche an den Bewegungsangeboten teil.

Mit der neuen Förderung sollen weitere Stadtteile dazukommen, zunächst solche mit besonders hohem Bedarf an Bewegungs- und Sprachförderung. Grundlage sind unter anderem der Sozialbericht 2023 und der städtische Sozialindex.

Sportbürgermeister Stefan Breiter sieht in dem Projekt zugleich eine sportpolitische Umsetzung des Sportentwicklungsplans, etwa bei Bewegungsförderung, Teilhabe, Ganztagsentwicklung und der Stärkung der Sportvereine.

Mehr Unterstützung für Kinder in belasteten Sozialräumen

Im Blick sind vor allem Kinder und Jugendliche in Sozialräumen mit erhöhtem Förderbedarf. Die Förderung der gesetzlichen Krankenkassen erlaubt es den Partnern, Personal auszubauen und die Angebote langfristig abzusichern.

Die beruf leben akademie übernimmt Fort- und Weiterbildungen für Kita-Fachkräfte. Diese sollen Anregungen erhalten, wie sich Bewegung und Sprache verbinden lassen. Schon einfache Bewegungsspiele werden zu Sprachlernsituationen, wenn Kinder einen Ball beschreiben, eine Bewegung erklären, einen Weg vorgeben oder gemeinsam Spielregeln entwickeln.

Annalena Szigeth vom GKV-Bündnis für Gesundheit Baden-Württemberg: „Das Freiburger Projekt verbindet Bewegungsförderung, Sprachbildung und kommunale Gesundheitsstrategie in vorbildlicher Weise. Gemeinsam verfolgen die fünf Partner das Ziel, bis 2030 allen Kindern einen niedrigschwelligen Zugang zu Sport- und Bewegungsangeboten zu ermöglichen und gleichzeitig ihre sprachlichen Kompetenzen gezielt zu fördern. Durch die enge Zusammenarbeit entstehen nachhaltige Strukturen mit Vorbildcharakter. Wir sind überzeugt, dass dieser Ansatz auch für andere Kommunen richtungsweisend sein kann.“

Wer hinter dem Projekt steht

  • SC Freiburg: Initiator und Koordinator der Sport-Quartiere. Vorstand Oliver Leki betont die Verantwortung des Vereins im Breitensport und will möglichst vielen jungen Menschen täglich Zugang zu Bewegung ermöglichen.
  • step stiftung: bringt Erfahrung aus der sportpädagogischen Arbeit mit Kindern in belasteten Sozialräumen ein.
  • Eisvögel Freiburg: setzen einen Schwerpunkt auf Bewegungsangebote für Mädchen.
  • Stadt Freiburg: steuert und koordiniert das Gesamtprojekt. Die Stabsstelle Freiburger Bildungsmanagement begleitet die Sprach-Ballschule fachlich und organisatorisch, das Sportreferat koordiniert die Sport-Quartiere.
  • beruf leben akademie: Fortbildung für Fachkräfte und Weiterentwicklung der Sprach-Ballschule.

Wissenschaftlich begleitet

Die Pädagogische Hochschule Freiburg begleitet die Entwicklung der Sport-Quartiere wissenschaftlich, die Sprach-Ballschule wird extern evaluiert. Die Ergebnisse sollen in die Weiterentwicklung der Angebote einfließen.

Das Ziel bis 2030: Alle Kinder in Freiburg sollen einen niedrigschwelligen Zugang zu Sport- und Bewegungsangeboten haben – und ihre Sprachkompetenz soll dabei gezielt gestärkt werden. Für Kitas heißt das: Kinder in Bewegung bringen und ihnen dabei viele Gelegenheiten geben, Sprache zu erleben, zu verstehen und selbst zu nutzen.

Quelle: Pressemitteilung der Stadt Freiburg


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Armin Krenz

Sprachbildung in der Kita – alltagsorientiert und kindzentriert

In diesem praxisnahen Fachbuch erläutert Armin Krenz, warum sprachliche Bildung in der Kita weit mehr ist als gezielte Sprachförderung. Kinder benötigen Erwachsene, die als positive Sprachvorbilder agieren, aufmerksam zuhören, individuelle Ausdrucksformen verstehen und Gespräche wertschätzend begleiten

Format: 210,0 x 14,8 cm
ISBN: 9783963046223
25,00 €
Burckhardthaus




Mehrsprachigkeit in der Kita: Wie gut sind Fachkräfte vorbereitet?

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Mehrsprachigkeit gehört in die Kita-Ausbildung

Sprachbildung wird für pädagogische Fachkräfte immer wichtiger. Doch eine aktuelle Auswertung des Deutschen Jugendinstituts (DJI) zeigt: Nicht alle Fachkräfte werden in ihrer Ausbildung ausreichend auf die sprachliche Vielfalt in Kitas vorbereitet.

In deutschen Kindertageseinrichtungen ist Mehrsprachigkeit längst Alltag. Viele Kinder wachsen mit einer anderen Familiensprache als Deutsch auf und lernen Deutsch erst oder zusätzlich in der Kita. Damit tragen pädagogische Fachkräfte eine große Verantwortung für die sprachliche Bildung dieser Kinder. Doch wie gut sind sie darauf vorbereitet?

Was die Auswertung zeigt

Das DJI hat aktuelle Daten zur Ausbildung pädagogischer Fachkräfte ausgewertet. Sprachbezogene Themen haben demnach inzwischen ihren Platz in der Ausbildung: 48 Prozent der befragten Fachkräfte geben an, sich schon während ihrer Ausbildung damit beschäftigt zu haben. Umgekehrt heißt das: Mehr als die Hälfte hat das nicht getan. Beim Thema Mehrsprachigkeit zeigen sich außerdem Unterschiede zwischen den Altersgruppen.

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Sprache lernen Kinder im Alltag

Sprachbildung findet nicht nur in eigens dafür vorgesehenen Angeboten statt. Sie begleitet den ganzen Kita-Tag: beim gemeinsamen Frühstück, im Freispiel, beim Vorlesen, Singen und Basteln oder im Gespräch über Erlebtes.

Für Kinder, die zu Hause eine andere Sprache sprechen, sind solche Situationen besonders wertvoll. Sie lernen neue Wörter kennen, probieren Sätze aus und kommen mit anderen Kindern und Erwachsenen ins Gespräch.

Dafür brauchen Fachkräfte mehr als sprachdidaktisches Wissen. Sie müssen erkennen, welche sprachlichen Fähigkeiten ein Kind bereits mitbringt, und wissen, wie sich die Familiensprache sinnvoll in den Kita-Alltag einbeziehen lässt.

Mehrsprachigkeit als Teil der Lebenswelt

Wer mehrsprachig aufwächst, beherrscht keine Sprache „nicht richtig“. Kinder nutzen ihre Sprachen einfach in unterschiedlichen Lebensbereichen. Die Familiensprache gehört dabei zu ihrer Lebenswelt und ihrer Identität.

Professionelle Sprachbildung sollte sich deshalb nicht darauf beschränken, wie schnell ein Kind Deutsch lernt. Ebenso wichtig ist, welche sprachlichen Erfahrungen es schon mitbringt und wie die Kita daran anknüpfen kann. Dafür brauchen Fachkräfte fundiertes Wissen und Handlungssicherheit.

Die Ausbildung ist der Schlüssel

Die DJI-Ergebnisse machen deutlich, welche Rolle Sprachbildung in der Qualifizierung pädagogischer Fachkräfte spielt. Wenn Kitas sprachlich immer vielfältiger werden, muss sich das auch in Ausbildung und Weiterbildung widerspiegeln.

Dabei geht es nicht nur um zusätzliche Förderprogramme. Fachkräfte müssen vor allem wissen, wie sie Sprache im Alltag, im Spiel und in der Beziehung zu den Kindern anregen können. Denn Kinder lernen Sprache dort, wo sie etwas zu erzählen haben, Fragen stellen dürfen, gemeinsam handeln und ernst genommen werden.

Quelle: Deutsches Jugendinstitut (DJI), Pressemitteilung vom 1. Juli 2026: „Sprachbildung wird in Kitas immer wichtiger“.


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Armin Krenz

Sprachbildung in der Kita – alltagsorientiert und kindzentriert

Sprachentwicklung verstehen, Kinder sprachlich nachhaltig stärken und Sprache im Alltag lebendig gestalten.

In diesem praxisnahen Fachbuch erläutert Armin Krenz, warum sprachliche Bildung in der Kita weit mehr ist als gezielte Sprachförderung. Kinder benötigen Erwachsene, die als positive Sprachvorbilder agieren, aufmerksam zuhören, individuelle Ausdrucksformen verstehen und Gespräche wertschätzend begleiten

Format: 210,0 x 14,8 cm
ISBN: 9783963046223
25,00 €
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Alltagsintegrierte Sprachbildung beginnt mit Beziehung

Prof. Dr. Armin Krenz zeigte auf der Klax Konferenz 2026, warum Sprachentwicklung vor allem in vertrauensvollen Beziehungen, bedeutsamen Alltagssituationen und wertschätzenden Dialogen gelingt

„Bildung braucht Bindung“ – kaum ein Satz fasst die Grundlagen erfolgreicher Sprachbildung so treffend zusammen wie dieser. Kinder lernen sprechen, weil sie Beziehungen gestalten, sich selbst, ihre eigenen Ausdrucksmöglichkeiten sowie ihre Umwelt entdecken und sich verstanden fühlen wollen. Dass Sprachentwicklung deshalb vor allem im Alltag und nicht in isolierten Förderprogrammen gelingt, verdeutlichte Prof. h.c. Dr. h.c. Armin Krenz auf der Klax Konferenz 2026 in Berlin. Sein Vortrag traf einen Nerv bei den zahlreichen pädagogischen Fachkräften und regte zu intensiven Diskussionen über die Zukunft frühkindlicher Bildung an.

Trotz hochsommerlicher Temperaturen in den Veranstaltungsräumen blieb die Aufmerksamkeit der Zuhörerinnen und Zuhörer während der beiden Vortragseinheiten ungebrochen. Die überwiegend aus Kindertageseinrichtungen, Krippen und anderen pädagogischen Einrichtungen stammenden Fachkräfte verfolgten die Ausführungen mit großer Konzentration. Viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer äußerten sich im Anschluss begeistert über die fachliche Tiefe, die Praxisnähe und die klare Haltung des Referenten.

Sprache entsteht nicht durch Programme, sondern durch sicher erlebte Beziehungen

Im Mittelpunkt des Vortrags stand eine zentrale Botschaft: Sprachbildung ist kein isolierter Förderbereich, sondern Teil einer ganzheitlichen Entwicklung des Kindes. Sprache, Bindung und nachhaltige Bildungsprozesse bilden ein untrennbares Wirkungsgefüge bei der Sprachbildung, so wie es immer wieder vielfältige wissenschaftliche Untersuchungen zeigen. Armin Krenz zitierte dabei stets entsprechende Wissenschaftler*innen und benannte die Untersuchungen, so dass interessierte Teilnehmer*innen die Quellenangaben aufrufen können. Auch wenn in der Auseinandersetzung >alltagsintegrierte Sprachbildung versus additive Sprachförderung< unterschiedliche Aussagen vorgebracht werden, geht es Armin Krenz um fundierte Belege, die für eine alltagsintegrierte Sprachbildung sprechen und nicht um persönlich geprägte Meinungsaussagen, die einer additiven Sprachförderung den Vorzug geben sollen. Sprache eröffnet Kindern Zugänge zu sich selbst, zu anderen Menschen und zur Welt. Gleichzeitig kann Sprache vielfältige Entwicklungsfelder im Kind fördern – oder auch behindern, wenn das Kind mit entwicklungshinderlichen Sprachäußerungen konfrontiert wird.
Krenz stellte die Bedeutung einer alltagsintegrierten Sprachbildung heraus. Sprachliche Entwicklung vollzieht sich demnach nicht in künstlich geschaffenen Förderstunden, sondern in alltäglichen Interaktions- und Kommunikationssituationen. Kinder lernen Sprache dort besonders nachhaltig, wo sie sich angenommen fühlen, eigenen Interessen nachgehen können und erleben, dass ihre Worte Wirkung entfalten.

„Sprache will erlebt werden“, lautete eine der zentralen Aussagen seines Vortrags. Sprachbildung entstehe in interessanten Interaktionen, in wertschätzenden Dialogen und in Situationen, die für Kinder bedeutsam seien. Additive Sprachförderprogramme könnten diese Voraussetzungen nur sehr begrenzt erfüllen.

Bildung braucht Bindung

Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der engen Verbindung zwischen Sprachentwicklung und Bindungserfahrungen. Krenz knüpfte dabei an entwicklungspsychologische Erkenntnisse an und machte deutlich, dass Kinder zunächst ein sicheres Verhältnis zu sich selbst und ihren Bezugspersonen entwickeln müssen, bevor sie die Welt neugierig erkunden können.

Sichere Beziehungen schaffen die Grundlage für Exploration, Lernfreude und sprachliche Ausdrucksfähigkeit. Kinder, die sich emotional angenommen und wertgeschätzt fühlen, entwickeln leichter Selbstvertrauen, Selbstwirksamkeit und die Bereitschaft, sich auf neue Erfahrungen einzulassen. Sprachbildung geschieht deshalb vor allem durch Beziehungserfahrungen, durch Sprechfreude und durch eine wertschätzende Dialogkultur.

Besonders eindrücklich schilderte Krenz die Bedeutung der pädagogischen Fachkraft als „Faktor Nummer 1“ für gelingende Bildungsprozesse. Internationale Studien belegten, dass die Qualität der Erwachsenen-Kind-Interaktion einen entscheidenden Einfluss auf die sprachliche, soziale und kognitive Entwicklung von Kindern habe.

Kritik an einer zunehmend verschulten Frühpädagogik

Mit deutlichen Worten setzte sich der Referent auch kritisch mit aktuellen Entwicklungen in der Elementarpädagogik auseinander. Er warnte vor einer ständig zunehmenden Instrumentalisierung von Bildung und vor der Tendenz, frühkindliche Bildungsprozesse an schulischen, funktionsdefinierten Logiken, die einer Erwachsenensicht entspringen, auszurichten.

Kinder seien weder Förderobjekte noch „unfertige Erwachsene“, sondern eigenständige Persönlichkeiten mit individuellen Entwicklungswegen. Bildung dürfe deshalb nicht auf Programme, Lernziele und standardisierte Förderangebote reduziert werden. Vielmehr brauche es Zeit, Beziehung, Alltagserfahrungen und die Möglichkeit zur selbstbestimmten Auseinandersetzung mit der Welt.

Dabei griff Krenz unter anderem Gedanken von Gerd E. Schäfer, Alice Miller, Rebeca Wild und Carl Gustav Jung auf und plädierte für eine Rückbesinnung auf die Eigenständigkeit der Elementarpädagogik.

Die Welt durch Sprache entdecken

Immer wieder führte der Vortrag zurück zur Frage, welche Bedeutung Sprache für die Entwicklung eines Kindes besitzt. Sprache eröffnet den Zugang zu den eigenen Gefühlen, Bedürfnissen und Ressourcen ebenso wie zur sozialen und kulturellen Umwelt.

Kinder benötigen deshalb sprachunterstützende, wahrnehmungsoffene, mitfühlende und aufmerksam beobachtende Begleiterinnen und Begleiter. Sprachbildung gelingt dort, wo Kinder ernst genommen werden, ihre Gedanken Gehör finden und Dialoge auf Augenhöhe entstehen. Sprachbildung unterstützt, sofern diese Merkmale von Kindern erlebt werden, damit die >Selbstbildung< des Kindes im Unterschied zu einer additiven Sprachförderung, durch die sich das Kind eher als ein ‚Reakteur‘ versteht und sich weniger als ‚Akteur‘ seiner eigenen Entwicklung erleben kann.

Besonders die Verbindung von Sprachbildung, Selbstwertentwicklung, Resilienz und sozialem Lernen zog sich als roter Faden durch den Vortrag. Sprache wurde dabei nicht als Technik verstanden, sondern als grundlegendes Medium menschlicher Beziehung und Persönlichkeitsentwicklung.

Große Resonanz und intensive Diskussionen

Die Resonanz auf den Vortrag war ausgesprochen positiv. Viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer nutzten die Gelegenheit für Gespräche, Rückfragen und den fachlichen Austausch. Besonders die Verbindung wissenschaftlicher Erkenntnisse mit langjährigen Praxiserfahrungen wurde von den Zuhörenden hervorgehoben.

Die Klax Konferenz 2026 hatte sich zum Ziel gesetzt, Bildung neu zu denken und wissenschaftliche Impulse mit pädagogischer Praxis zu verbinden. Mit seinem Vortrag traf Armin Krenz genau den Nerv vieler Fachkräfte, die nach Orientierung in einer zunehmend komplexen Bildungslandschaft suchen. Die Themen Sprachbildung, Beziehungsgestaltung und kindorientierte Pädagogik erwiesen sich dabei als hochaktuell und praxisrelevant.

Die Präsentation zum Vortrag

Da zahlreiche Teilnehmerinnen und Teilnehmer den Wunsch geäußert haben, die Inhalte des Vortrags noch einmal nachlesen und für die eigene pädagogische Praxis nutzen zu können, stellen wir die Präsentation von Prof. h.c. Dr. h.c. Armin Krenz im Anschluss an diesen Bericht als Download zur Verfügung. Sie enthält die zentralen Gedanken, Impulse und Literaturhinweise des Vortrags und bietet zahlreiche Anregungen für die alltagsintegrierte Sprachbildung in Krippe, Kita und Kindertagespflege.




Forschen statt Versuchsanleitung! Was Kinder wirklich brauchen

Eine gute MINT-Bildung beginnt nicht mit Experimenten, sondern mit Fragen. Ein Blick auf Forschung, Praxis und erfolgreiche Bildungsinitiativen

Als Erwachsene haben wir eine bemerkenswerte Eigenschaft: Wir beantworten Fragen oft schon, bevor Kinder sie zu Ende gestellt haben.

„Warum schwimmt das?“
„Weil Holz leichter ist als Wasser.“
Schnell ist das Gespräch beendet und der Erkenntnisgewinn auch.

Dabei zeichnet die aktuelle Forschung zur frühen MINT-Bildung ein ganz anderes Bild. Kinder lernen Naturwissenschaften, Mathematik und Technik nicht in erster Linie durch Erklärungen. Sie lernen durch Staunen, Ausprobieren, Irrtümer und überraschende Entdeckungen. Anders gesagt: Sie lernen nicht, wenn wir ihnen die Welt erklären. Sie lernen, wenn sie beginnen, sich die Welt selbst zu erklären.

Kinder sind geborene Forscher

Lange Zeit haben wir unterschätzt, wie früh Kinder naturwissenschaftliche Denkweisen entwickeln können. Viele internationale Studien aus neuerer Zeit zeigen jedoch, dass bereits Kita-Kinder beobachten, vergleichen, Vermutungen bilden und ihre Vorstellungen aufgrund neuer Erfahrungen verändern können. Schließlich sind Kinder von Natur aus neugierig. Und das ist nun mal die wichtigste Eigenschaft für einen Forschenden.

Die Bildungsforscherin Dr. Ildikó Mária Revák und ihr Team kommen in einer umfangreichen Übersichtsarbeit zu dem Ergebnis, dass Kinder schon im Vorschulalter mathematische, naturwissenschaftliche und technische Fragestellungen erfolgreich bearbeiten können. Wichtigste Voraussetzung: Sie erhalten die Gelegenheit dazu und werden angemessen begleitet.

Dabei kann es nicht darum gehen, dass Kinder möglichst früh Fachwissen anhäufen. Entscheidend ist, dass sie ihre Fragen stellen: Warum sinkt ein Stein? Warum fliegt ein Ahornsamen? Warum wächst eine Bohne? Warum fällt ein Turm um?

Die Entwicklungspsychologin Prof. Dr. Alison Gopnik von der University of California bringt diesen Gedanken auf den Punkt: „Es ist nicht so, dass Kinder kleine Wissenschaftler sind – Wissenschaftler sind große Kinder.“

Der Satz ist zwar zugespitzt, verweist aber auf eine zentrale Erkenntnis der Entwicklungsforschung: Kinder beobachten ihre Umwelt, entwickeln Vermutungen und überprüfen sie immer wieder neu. Je länger man darüber nachdenkt, desto erstaunlicher wirkt eigentlich nicht die Neugier der Kinder, sondern unsere allzu erwachsene Fähigkeit, sie manchmal auszubremsen.

Gute MINT-Bildung braucht keine Wunderkiste

Die Forschung der vergangenen Jahre zeigt erstaunlich einheitlich, dass erfolgreiche MINT-Angebote einige gemeinsame Merkmale besitzen.

Kinder dürfen selbst tätig werden. Sie arbeiten mit realen Materialien. Sie verfolgen eigene Ideen. Sie sprechen über ihre Beobachtungen. Und sie dürfen Fehler machen.

Die Bildungsforscherin Dr. Sharon Burns konnte in einer Meta-Analyse zeigen, dass insbesondere problemlösende und forschende Aktivitäten wichtige Lernprozesse unterstützen. Entscheidend ist dabei weniger das Material als die Art, wie Kinder damit umgehen.

Ein teurer Experimentierkasten garantiert noch keine Bildung. Ein paar Bretter, Steine, Wasserpfützen oder Kastanien können dagegen hochinteressante Forschungsobjekte sein.

Die Frage lautet deshalb nicht: „Welches Experiment machen wir heute?“ Sondern: „Welche Frage beschäftigt die Kinder gerade?“

Wie viel Anleitung brauchen Kinder?

Genau daran entzündet sich eine heftige Diskussion: Denn auch wenn sich fast alle Fachleute einig sind, dass Kinder aktiv lernen sollen, herrscht keineswegs Einigkeit darüber, wie offen solche Lernprozesse sein müssen. Die internationale Forschung spricht häufig von „guided inquiry“ – angeleitetem Forschen. Kinder erkunden selbstständig Phänomene, werden dabei jedoch von Erwachsenen begleitet.

Das hört sich vernünftig an. Doch wie viel Begleitung ist wirklich sinnvoll? Ab wann wird Unterstützung zur Steuerung? Und wann wird aus einem Forschungsprojekt lediglich eine gut organisierte Versuchsanleitung?

Die Forschung gibt darauf keine einfache Antwort. Sie zeigt jedoch, dass Kinder sowohl Freiräume als auch Orientierung benötigen. Gute Lernbegleitung bedeutet deshalb weder, alles vorzugeben noch sich völlig zurückzuziehen.

Auf der Suche nach dem richtigen Weg

Wer die Landschaft der frühen MINT-Bildung betrachtet, entdeckt sehr unterschiedliche Antworten auf diese Fragen.

Programme wie TuWaS! oder Prima!Forscher arbeiten stärker mit vorbereiteten Materialien, Experimenten und fachlich strukturierten Lernangeboten. Andere Initiativen konzentrieren sich stärker auf die professionelle Begleitung von Lernprozessen. Dazu gehören beispielsweise die Stiftung Kinder forschen oder SINUS an Grundschulen.

Wieder andere Projekte gehen noch einen Schritt weiter. Einrichtungen wie die Forscherstation Heidelberg oder die Freiburger Forschungsräume interessieren sich besonders für die Frage, wie Kinder überhaupt zu Erkenntnissen gelangen und welche Rolle Erwachsene dabei spielen.

Auf den ersten Blick erscheinen diese Unterschiede gering. Tatsächlich spiegeln sie jedoch eine grundlegende pädagogische Debatte wider.

Die Stiftung Kinder forschen: Forschen mit Geländer

Die Stiftung Kinder forschen ist der größte Akteur im Bereich der frühen MINT-Bildung in Deutschland. Seit fast zwei Jahrzehnten qualifiziert sie pädagogische Fachkräfte und Lehrkräfte für naturwissenschaftliches, mathematisches und technisches Lernen.

Viele ihrer Grundideen finden sich heute auch in der internationalen Forschung wieder. Kinder sollen entdecken, beobachten, diskutieren und eigene Lösungswege entwickeln. Lernen wird ausdrücklich als aktiver Prozess verstanden.

Die Frühpädagogin Prof. Dr. Yvonne Anders, Mitglied des wissenschaftlichen Beirats der Stiftung, beschreibt deren Bedeutung mit den Worten: „Die Stiftung Kinder forschen ist für mich eine zentrale Instanz für die Qualitätsentwicklung in der frühkindlichen Bildung.“

Gleichzeitig arbeitet die Stiftung mit Themenvorschlägen, Fortbildungen und didaktischen Materialien. Das ist keineswegs ein Nachteil. Schließlich benötigen pädagogische Fachkräfte Orientierung und Unterstützung. Man könnte sagen: Die Stiftung baut Kindern und Erwachsenen ein stabiles Geländer, an dem sie sich beim Forschen entlangbewegen können. Die spannende Frage lautet jedoch: Reicht das Geländer manchmal vielleicht etwas weit in den Weg hinein?

Die Antwort hängt weniger von den Materialien als von ihrer Nutzung ab. Dieselbe Praxisanregung kann Ausgangspunkt für einen offenen Forschungsprozess sein – oder zu einer Schritt-für-Schritt-Anleitung werden, bei der das Ergebnis von Anfang an feststeht.

Freiburger Forschungsräume: Auf die Haltung kommt es an

Genau hier setzen die Freiburger Forschungsräume an. Ihr vielleicht bekanntester Leitsatz lautet: „Auf die Haltung kommt es an.“

Dieser Satz wirkt zunächst unspektakulär. Tatsächlich steckt darin jedoch eine kleine pädagogische Revolution. Die Freiburger Forschungsräume fragen nicht zuerst, welche Inhalte Kinder lernen sollen. Sie fragen zunächst, wie Erwachsene Kindern begegnen.

Im Mittelpunkt stehen die forschende Haltung des Kindes, das Interesse der Kinder und ein wertschätzender Dialog. Beobachten, Vermuten, Beschreiben und Erklären gehören zusammen. Sprachbildung und naturwissenschaftliches Lernen werden bewusst miteinander verbunden.

Kinder und Erwachsene machen sich gemeinsam auf einen Weg des Fragens, Forschens und Entdeckens. Nicht die richtige Antwort steht im Mittelpunkt, sondern der Denkweg. Damit stehen die Freiburger Forschungsräume in einer Tradition, die eng mit den Arbeiten des Bildungsforschers Prof. Dr. Gerd E. Schäfer verbunden ist. Lernen entsteht demnach aus eigenen Erfahrungen und deren gemeinsamer Reflexion.

Forscherstation Heidelberg: Den Denkwegen der Kinder folgen

Auch die Forscherstation Heidelberg, gegründet von der Klaus Tschira Stiftung, verfolgt einen ähnlichen Ansatz. Dort steht seit Jahren die Frage im Mittelpunkt, wie Erwachsene Kinder beim Denken begleiten können, ohne ihnen die Lösungen vorwegzunehmen.

Die Forscherstation verbindet wissenschaftliche Forschung, Fortbildung und Praxis. Interessant ist dabei vor allem die konsequente Orientierung an den Denkwegen der Kinder. Nicht das Experiment selbst gilt als entscheidend, sondern die Gespräche, Beobachtungen und Schlussfolgerungen, die daraus entstehen.

Damit liegt die Einrichtung erstaunlich nahe an den Positionen internationaler Forscherinnen wie Alison Gopnik oder Prof. Dr. Kathy Hirsh-Pasek.

Vom Experiment zur Beziehung

Hier zeigt sich genau die wichtigste Entwicklung der vergangenen Jahre. Viele Jahre stand in der frühen MINT-Bildung vor allem das Experiment im Mittelpunkt. Heute rückt zunehmend eine andere Frage in den Vordergrund: Was geschieht eigentlich zwischen Kind und Erwachsenem während eines solchen Lernprozesses?

Auffällig ist, dass neuere Forschungsarbeiten vergleichsweise selten über bestimmte Materialien oder Experimente sprechen. Stattdessen beschäftigen sie sich mit Neugier, Problemlösen, Selbstwirksamkeit, Kooperation und Gesprächsprozessen.

Auch Kathy Hirsh-Pasek und ihre Kollegin Prof. Dr. Roberta Golinkoff betonen seit Jahren die Bedeutung spielerischer Lernprozesse. Ihr Fazit lautet – wenig überraschend:

„Spiel ist der wichtigste Weg, auf dem Kinder lernen.“

Mit anderen Worten: Nicht das Experiment allein scheint entscheidend zu sein, sondern die Art und Weise, wie Kinder dabei denken, sprechen und begleitet werden.

Entscheidend: die Qualität der Interaktion

Und wer hat nun recht? Die Antwort lautet: Wahrscheinlich alle ein bisschen und manche ein bisschen mehr.

Die aktuelle Forschung liefert keine Belege dafür, dass völlig freie Lernprozesse grundsätzlich besser wären als gut strukturierte Angebote. Noch weniger aber spricht sie für starre Anleitungen.

Entscheidend scheint etwas anderes zu sein: die Qualität der Interaktion.

Kinder profitieren von Erwachsenen, die zuhören, Fragen aufgreifen, Materialien bereitstellen und Denkprozesse anregen. Sie profitieren weniger von Erwachsenen, die jede Antwort bereits kennen und sie möglichst schnell mitteilen möchten. Vielleicht liegt genau darin die eigentliche Botschaft der aktuellen MINT-Forschung.

  • Nicht das Experiment steht im Mittelpunkt.
  • Nicht der Roboter.
  • Nicht das Arbeitsblatt.
  • Nicht einmal das Thema.

Im Mittelpunkt steht die Beziehung zwischen einem neugierigen Kind und einem Erwachsenen, der bereit ist, gemeinsam zu staunen.

Die eigentliche Entdeckung

Wer die neueren Studien liest, stößt immer wieder auf dieselbe Erkenntnis: Gute MINT-Bildung hat erstaunlich wenig mit Unterricht im klassischen Sinn zu tun.

  • Sie beginnt dort, wo Kinder Zeit bekommen, eigene Fragen zu verfolgen.
  • Sie wächst dort, wo Erwachsene nicht sofort erklären.
  • Und sie gelingt dort am besten, wo niemand genau weiß, was am Ende herauskommt.

Das ist manchmal anstrengend. Aber wahrscheinlich ist genau das echte Forschung.

Die Zukunft liegt in der pädagogischen Beziehung

Betrachtet man die aktuelle internationale Forschung, die Stiftung Kinder forschen, die Forscherstation Heidelberg und die Freiburger Forschungsräume gemeinsam, dann zeichnet sich ein bemerkenswerter Trend ab:

Die Zukunft der frühen MINT-Bildung liegt vermutlich weniger in immer neuen Materialien und Programmen als in der Qualität der pädagogischen Beziehungen.

Je mehr Forschende über erfolgreiche Lernprozesse herausfinden, desto häufiger rücken Themen wie Gesprächskultur, Selbstwirksamkeit, Kooperation, forschende Haltung und kindliche Neugier in den Mittelpunkt.

Vielleicht ist das die überraschendste Erkenntnis überhaupt:

Die wichtigste Ressource für frühe MINT-Bildung ist nicht Technik.

Es sind Menschen, die gemeinsam mit Kindern staunen können.

Quellen und weiterführende Informationen

Revák, Ildikó Mária et al. (2024): A Systematic Review of STEM Teaching-Learning Methods and Activities in Early Childhood.
https://www.ejmste.com/article/a-systematic-review-of-stem-teaching-learning-methods-and-activities-in-early-childhood-14779

Burns, Sharon et al. (2025): A Systematic Review and Meta-Analysis of Approaches to Teaching Problem-Solving Skills in Early Childhood STEM Activities.
https://bera-journals.onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1002/rev3.70079

Zviel-Girshin, Rinat et al. (2025): Enhancing Early STEM Engagement: The Impact of Inquiry-Based Robotics Projects on First-Grade Students’ Problem-Solving Self-Efficacy and Collaborative Attitudes.
https://www.mdpi.com/2227-7102/15/10/1404

Lewis Presser, Amanda E. et al. (2025): Preschool and Data Science: Supporting STEM Learning.
https://www.mdpi.com/2227-7102/15/10/1412

Liu, Jing et al. (2025): Forms and Functions Innovation: A Scoping Review of Digital and Intelligence Technologies in Early Childhood Education Practice.
https://link.springer.com/article/10.1007/s44436-025-00010-6

Stiftung Kinder forschen:
https://www.stiftung-kinder-forschen.de

Wissenschaftliche Begleitung der Stiftung Kinder forschen:
https://www.stiftung-kinder-forschen.de/ansatz-wirkung/wissenschaftliche-begleitung/

Freiburger Forschungsräume:
https://www.freiburg.de/pb/627371.html

„Auf die Haltung kommt es an“ – Freiburger Forschungsräume:
https://spielen-und-lernen.online/praxis/freiburger-forschungsraeume-auf-die-haltung-kommt-es-an/

Forscherstation Heidelberg:
https://www.forscherstation.info

TuWaS! – Technik und Naturwissenschaften an Schulen:
https://www.tuwas-deutschland.de

SINUS an Grundschulen:
https://www.sinus-an-grundschulen.de




Sprachbildung in Kita und Grundschule: Programm wird dauerhaft fortgeführt

Nach zehn Jahren belegt das Projekt „Sprachentdecker“, wie alltagsintegrierte Sprachbildung Kinder nachhaltig stärken kann

Gute Sprachkompetenzen sind eine der wichtigsten Voraussetzungen für Bildungserfolg. Das hessische Programm „Sprachentdecker“ zeigt seit inzwischen zehn Jahren, wie Kinder bereits im Alltag von Kita und Grundschule wirksam sprachlich gefördert werden können. Die Bilanz ist beeindruckend: Mehr als 200 pädagogische Fach- und Lehrkräfte wurden qualifiziert, rund 3.000 Kinder profitierten von dem Konzept. Nun wird das Programm dauerhaft fortgeführt und künftig vom Hessischen Kultusministerium finanziert.

Die Entscheidung kommt zu einem Zeitpunkt, zu dem rund um das Thema „Sprachförderung“ in Deutschland heftige Diskussionen geführt werden. Nationale Bildungsstudien weisen seit Jahren darauf hin, dass viele Kinder beim Schuleintritt und darüber hinaus Schwierigkeiten mit der deutschen Sprache haben. Betroffen sind dabei nicht nur Kinder mit Deutsch als Zweitsprache, sondern auch Mädchen und Jungen aus Familien mit geringeren Bildungschancen. Genau hier setzt das Programm „Sprachentdecker“ an.

Sprachförderung mitten im Alltag statt zusätzlicher Unterricht

Das Besondere an „Sprachentdecker“ ist sein alltagsintegrierter Ansatz. Anders als bei klassischen Förderstunden findet Sprachbildung nicht in gesonderten Kursen statt. Stattdessen lernen pädagogische Fachkräfte und Lehrkräfte, alltägliche Situationen gezielt für sprachliche Anregungen zu nutzen.

Ob beim gemeinsamen Frühstück, beim Anziehen in der Garderobe, beim Bilderbuchanschauen oder während eines Unterrichtsgesprächs – jede Situation kann genutzt werden, um Kinder zum Erzählen, Beschreiben, Fragenstellen und Nachdenken anzuregen. Sprache wird dadurch nicht als isoliertes Lernfach erlebt, sondern als natürlicher Bestandteil des täglichen Lebens.

Dieser Ansatz basiert auf der Erkenntnis, dass Kinder Sprache besonders erfolgreich erwerben, wenn sie in bedeutungsvolle Kommunikationssituationen eingebunden sind. Sie lernen neue Wörter, Satzstrukturen und Ausdrucksmöglichkeiten nicht nur durch Zuhören, sondern vor allem durch eigenes aktives Sprechen.

Von einem Frankfurter Modellprojekt zu einem hessenweiten Erfolgsmodell

Das Projekt wurde 2016 von der Pädagogin Diemut Kucharz an der Goethe-Universität Frankfurt gemeinsam mit der ODDO BHF Stiftung Frankfurt und dem Amt für multikulturelle Angelegenheiten entwickelt. Ziel war es von Anfang an, Kinder kontinuierlich von der Kita bis in die Grundschule sprachlich zu begleiten.

Begonnen hatte das Programm mit lediglich 14 Kita-Fachkräften und sechs Grundschullehrkräften aus neun Frankfurter Einrichtungen. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer erhielten eine einjährige Weiterbildung zu Themen wie Erst- und Zweitspracherwerb, Sprachfördertechniken, individueller Förderplanung und Elternarbeit in mehrsprachigen Lebenswelten. Ergänzend wurden sie durch Coaching direkt in ihrer praktischen Arbeit begleitet.

Der Erfolg ließ nicht lange auf sich warten. Untersuchungen und Befragungen zeigten, dass die pädagogischen Fachkräfte ihre Kompetenzen in der Sprachförderung deutlich verbessern konnten. Gleichzeitig sank der Anteil der Kinder mit Sprachförderbedarf im Deutschen innerhalb eines Jahres auf weniger als die Hälfte. Diese Ergebnisse führten dazu, dass die Förderung mehrfach verlängert und das Programm schrittweise ausgebaut wurde.

Zusammenarbeit von Kita und Grundschule ist entscheidend

Eine weitere Besonderheit von „Sprachentdecker“ liegt in der engen Zusammenarbeit zwischen Kindertagesstätten und Grundschulen. Beide Berufsgruppen nehmen gemeinsam an den Fortbildungen teil und entwickeln dadurch ein gemeinsames Verständnis von Sprachbildung.

Dieser Übergang von der Kita in die Schule gilt in der Bildungsforschung als besonders sensible Phase. Häufig gehen wichtige Informationen über die sprachliche Entwicklung eines Kindes verloren, wenn Einrichtungen zu wenig miteinander kooperieren. Durch die gemeinsame Qualifizierung entstehen dagegen Kontinuität und bessere Abstimmung. Kinder profitieren von ähnlichen sprachfördernden Strategien in beiden Bildungsbereichen.

Mehr als 3.000 Kinder haben bereits profitiert

Zwischen 2022 und 2025 wurde das Programm auf ganz Hessen ausgeweitet. Unterstützt wurde diese Entwicklung durch das Dezernat Bildung, Bauen und Immobilien der Stadt Frankfurt sowie die hessischen Ministerien für Kultus und Soziales. Inzwischen werden parallel mehrere Fortbildungsgruppen durchgeführt. Form und Inhalte werden dabei kontinuierlich weiterentwickelt und an neue wissenschaftliche Erkenntnisse angepasst.

Nach Angaben der Projektverantwortlichen wurden inzwischen deutlich mehr als 200 Pädagoginnen und Pädagogen fortgebildet und gecoacht. Rund 3.000 Kinder konnten von den verbesserten Sprachförderkompetenzen ihrer Bezugspersonen profitieren.

Multiplikatorinnen sollen das Wissen weitertragen

Damit das Konzept künftig noch mehr Einrichtungen erreicht, wurde zusätzlich eine Qualifizierung für Multiplikatorinnen eingerichtet. Diese Fachkräfte werden darauf vorbereitet, selbst Fortbildungen und Coachings durchzuführen.

Der erste Durchgang wurde bereits abgeschlossen. Sechs Multiplikatorinnen wurden ausgebildet und haben ihr Wissen inzwischen an 75 weitere pädagogische Fachkräfte weitergegeben. Für den nächsten Ausbildungsjahrgang werden bereits Bewerbungen angenommen.

Sprachbildung bleibt eine zentrale Zukunftsaufgabe

Die Verstetigung des Programms zeigt, wie groß der Bedarf an wirksamer Sprachförderung weiterhin ist. Fachleute sind sich einig, dass gute Sprachkompetenzen weit mehr bedeuten als die Fähigkeit, korrekt zu sprechen. Sprache ist der Schlüssel zum Lesen, Schreiben, Lernen und zur sozialen Teilhabe.

Programme wie „Sprachentdecker“ setzen deshalb nicht erst dann an, wenn Defizite sichtbar werden. Sie schaffen sprachfördernde Lernumgebungen für alle Kinder und unterstützen pädagogische Fachkräfte dabei, Sprache im Alltag bewusst und professionell zu begleiten.

Dass das hessische Modell nun dauerhaft gesichert wird, ist deshalb nicht nur ein Erfolg für die beteiligten Einrichtungen. Es ist zugleich ein wichtiges Signal für die frühe Bildung insgesamt: Sprachförderung wirkt besonders dann nachhaltig, wenn sie kontinuierlich, alltagsnah und über die Grenzen einzelner Bildungseinrichtungen hinweg gestaltet wird.

Quelle: Goethe-Universität Frankfurt, Pressemitteilung „Projekt Sprachentdecker wird nach zehn Jahren verstetigt“, 2026. Weitere Informationen:

https://www.fb04.uni-frankfurt.de/143908384/Sprachentdecker




Digitale Ausstellungsvideos zu Krieg, Sexualität und Trauer

Drei fachlich fundierte Ausstellungsvideos stehen ab sofort online zur Verfügung

Im Rahmen der beiden bisher in Aderstedt am Huy stattgefundenen Zeltfachtagungen sind drei Ausstellungsvideos mit dem Titel „Ausschnitte unseres Lebens – Tabus, Wahrheiten, Gegenwart“ entstanden, die ab sofort im Internet aufgerufen werden können.

Im Mittelpunkt stehen die Themen Krieg, Sexualität und Trauer – Themenbereiche, die üblicherweise selbst bei konkreten Anlässen weder in vielen Kindertageseinrichtungen mit Kindern noch unter Kita-Fachkräften professionell thematisiert werden.

Regine Leipert, Erzieherin im Ruhestand und Fachkraft für den Situationsorientierten Ansatz, hat diese Ausstellungsvideos in enger Zusammenarbeit mit Christina Brehmer vom Kuratorium des Schulfördervereins e. V. der Petri-Sekundarschule Schwanebeck konzipiert und zusammengestellt. Bei Bedarf können die Inhalte gleichzeitig im Transkript mitgelesen werden. Unterstützt wurden die beiden dabei von Armin Krenz, dem Entwickler des Situationsorientierten Ansatzes, der die inhaltliche Vorbereitung der Themenschwerpunkte aktiv begleitet hat.

Die drei Ausstellungsvideos eignen sich sowohl für eine intensivere, fachlich fundierte Auseinandersetzung mit den zentralen Themen als auch für den Einsatz bei Elternabenden. Sie bieten eine gute Grundlage, um gemeinsam mit Eltern in einen offenen Gedankenaustausch einzutauchen.

Es gibt drei Möglichkeiten, die Ausstellungsvideos aufzurufen:

  1. über die Eingabe des Suchtextes:
    „Ausstellung Ausschnitte unseres Lebens – eine digitale Ausstellung zur Kindesentwicklung“
  2. über den YouTube-Kanal des Schulfördervereins:
    YouTube-Kanal Schulförderverein Petri
  3. über den Direktlink:
    Direktlink zur Ausstellung

Um eine möglichst breite Bekanntmachung dieser Ausstellungsvideos zu erreichen, wäre es hilfreich, diese Informationen weiterzugeben. Daher bietet es sich an, den Hinweis an interessierte Fachkräfte sowie selbstverständlich auch an Eltern weiterzuleiten. Im Hinblick auf eine entwicklungsförderliche Pädagogik wäre dies sehr zu begrüßen.

Märchen – ein Zaubermittel für Sprachbildung und Sprachentwicklung

Die Ausstellungsvideos stehen zugleich im thematischen Zusammenhang mit der Zeltfachtagung 2026 in Aderstedt am Huy, die ebenfalls vom Schulförderverein Petri Schwanebeck organisiert wird. Unter dem Titel „Märchen – ein Zaubermittel für Sprachbildung und Sprachentwicklung“ beschäftigt sich die Tagung mit aktuellen Erkenntnissen zur Sprachbildung in der frühen Kindheit und der Bedeutung von Märchen für Entwicklungs- und Bildungsprozesse in der Kita.

Die zweitägige Fortbildung findet am 11. und 12. September 2026 statt und richtet sich an pädagogische Fachkräfte aus Kita, Krippe und Hort sowie an weitere Interessierte.

Weitere Informationen zur Zeltfachtagung und zur Anmeldung finden Sie unter:

Online-Anmeldung Zeltfachtagung 2026




Die Verlässlichkeit sozialwissenschaftlicher Studien auf dem Prüfstand

Warum Neurowissenschaften und Medizin in der Bildungsdebatte zunehmend an Gewicht gewinnen

Die Glaubwürdigkeit wissenschaftlicher Erkenntnisse steht und fällt mit ihrer Reproduzierbarkeit. Nur wenn Studien unter vergleichbaren Bedingungen zu ähnlichen Ergebnissen führen, gelten ihre Aussagen als belastbar. Eine nun veröffentlichte Großstudie in der renommierten Fachzeitschrift Nature stellt dieses Prinzip für die Sozial- und Verhaltenswissenschaften in Teilen infrage – mit weitreichenden Konsequenzen auch für die Pädagogik.

Im Rahmen des internationalen Forschungsprojekts SCORE (Systematizing Confidence in Open Research and Evidence) analysierten mehr als 800 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler nahezu 4.000 Forschungsaussagen aus mehreren hundert Studien. Beteiligt war unter anderem die Constructor University in Bremen. Das zentrale Ergebnis: Nur etwa 50 Prozent der untersuchten Befunde konnten erfolgreich repliziert werden.

Reproduzierbarkeit als Schwachstelle sozialwissenschaftlicher Forschung

Die Studie macht deutlich, dass viele sozialwissenschaftliche Ergebnisse stark von sogenannten Randbedingungen abhängen. Dazu zählen kulturelle Kontexte, zeitliche Veränderungen oder spezifische Stichproben. Was unter bestimmten Umständen gilt, kann unter anderen Bedingungen nicht mehr nachweisbar sein.

Ein einfaches Beispiel: Eine Studie, die vor Jahren eine bestimmte emotionale Reaktion auf ein Video gemessen hat, kann heute zu völlig anderen Ergebnissen führen – schlicht, weil sich Humor, gesellschaftliche Normen oder mediale Gewohnheiten verändert haben.

Diese Kontextabhängigkeit ist kein methodischer Fehler, sondern ein strukturelles Merkmal sozialwissenschaftlicher Forschung. Sie erschwert jedoch die Übertragbarkeit und Verallgemeinerung von Ergebnissen erheblich.

Pädagogik zwischen Anspruch und Evidenzproblem

Gerade in der Pädagogik hat diese Problematik besondere Relevanz. Denn pädagogische Konzepte und Handlungsempfehlungen basieren häufig auf sozialwissenschaftlichen Studien. Wenn deren Ergebnisse jedoch nur eingeschränkt reproduzierbar sind, entsteht eine gewisse Unsicherheit:

  • Welche Methoden sind tatsächlich wirksam?
  • Welche Effekte sind stabil – und welche nur situationsabhängig?
  • Wie belastbar sind pädagogische „Best Practices“?

Hinzu kommt, dass pädagogische Forschung oft normativ geprägt ist. Sie beschreibt nicht nur, was ist, sondern auch, was sein sollte. Das macht sie wertvoll – aber zugleich anfälliger für unterschiedliche Interpretationen.

Warum Neurowissenschaften und Medizin als verlässlicher gelten

Vor diesem Hintergrund orientieren sich viele Fachpublikationen – etwa im Bereich der frühkindlichen Bildung – zunehmend an Erkenntnissen aus Neurowissenschaften und Medizin.

Der Grund liegt in der methodischen Struktur dieser Disziplinen:

  • Höhere Standardisierung: Experimente erfolgen unter kontrollierten Bedingungen
  • Biologische Messbarkeit: Gehirnaktivität, Stressreaktionen oder Lernprozesse lassen sich objektiv erfassen
  • Reproduzierbarkeit: Ergebnisse sind häufig stabiler und unabhängiger von kulturellen Schwankungen

Während sozialwissenschaftliche Studien stark vom Kontext abhängen, zielen neurowissenschaftliche und medizinische Ansätze auf universelle Prozesse ab – etwa die Funktionsweise des Gehirns oder grundlegende Lernmechanismen.

Spielen als Lernmotor – interdisziplinär bestätigt

Ein zentrales Beispiel für diese stärkere Evidenz ist die Bedeutung des Spiels für kindliches Lernen. Während die Pädagogik seit Jahrzehnten die Rolle des Spiels betont, liefern Neurowissenschaften und Entwicklungsmedizin heute zusätzliche empirische Bestätigungen:

Kinder können in frühen Entwicklungsphasen nicht abstrakt lernen, weil ihr Gehirn noch stark erfahrungs- und handlungsgebunden organisiert ist. Auf Basis zahlreicher neurowissenschaftlicher Studien konnte festgestellt werden, dass sich insbesondere jene Hirnareale, die für abstraktes Denken, Planung und symbolische Verarbeitung zuständig sind – vor allem der präfrontale Cortex – noch in einem langandauernden Reifungsprozess befinden. Lernen erfolgt in der Kindheit daher primär über konkrete Sinneserfahrungen, Bewegung und soziale Interaktion.

Abstrakte Inhalte, die keinen direkten Bezug zur Lebenswelt haben, können vom kindlichen Gehirn nur schwer verarbeitet und kaum nachhaltig gespeichert werden. Erst wenn Kinder Dinge sehen, anfassen, ausprobieren und in einen sinnhaften Zusammenhang bringen, entstehen stabile neuronale Netzwerke. Genau hier setzt das Spiel an: Es verbindet Wahrnehmung, Handlung und Emotion zu einem kohärenten Lernprozess.

Gleichzeitig fördert spielerisches Lernen die sogenannte neuronale Plastizität – also die Fähigkeit des Gehirns, sich durch Erfahrung strukturell zu verändern. Wiederholte, selbstgesteuerte Handlungen im Spiel stärken synaptische Verbindungen deutlich nachhaltiger als rein instruktionale Lernformen. Aus entwicklungsneurologischer Perspektive gilt daher: Kinder lernen nicht durch abstrakte Belehrung, sondern durch aktives Tun – und das Spiel ist dafür die effektivste Form.

Damit wird ein pädagogisches Prinzip auch biologisch eindeutig untermauert. Genau hier entsteht eine Schnittstelle, an der sich unterschiedliche Disziplinen sinnvoll ergänzen.

Digitale Frühbildung im Widerspruch zur Entwicklungsforschung

Vor diesem Hintergrund ist auch der zunehmende Ruf nach „digitaler Bildung“ im frühen Kindesalter kritisch zu bewerten. Während Teile der Pädagogik bereits für den Einsatz von Bildschirmmedien in Kita und Kindergarten plädieren, zeichnen Erkenntnisse aus Neurowissenschaften und Medizin ein deutlich zurückhaltenderes Bild.

Gerade in den ersten Lebensjahren ist das Gehirn auf unmittelbare, körperliche und soziale Erfahrungen angewiesen. Lernen vollzieht sich über Bewegung, Interaktion und sinnliche Wahrnehmung – nicht über zweidimensionale, passiv konsumierte Reize. Bildschirmbasierte Angebote reduzieren jedoch genau diese Erfahrungsqualitäten: Sie begrenzen die aktive Auseinandersetzung mit der Umwelt, schwächen dialogische Prozesse und verringern die Eigenaktivität des Kindes.

Vor diesem Hintergrund erscheint es fachlich problematisch, wenn Empfehlungen zum frühen Medieneinsatz formuliert werden, die diesen grundlegenden entwicklungsneurologischen Erkenntnissen widersprechen. Der Verweis auf „digitale Kompetenzen“ greift hier zu kurz, wenn er zentrale Voraussetzungen kindlicher Entwicklung außer Acht lässt.

Eine verantwortungsvolle Bildungspraxis sollte sich daher an den robustesten verfügbaren wissenschaftlichen Erkenntnissen orientieren. Wenn medizinische und neurowissenschaftliche Befunde übereinstimmend darauf hinweisen, dass frühe Bildschirmnutzung entwicklungshemmende Effekte haben kann, sollte dies in pädagogischen Konzepten konsequent berücksichtigt werden – insbesondere in einer Phase, in der die Grundlagen für Lernen, Denken und soziale Entwicklung gelegt werden.

Kein Vertrauensverlust, sondern ein Entwicklungsschritt

Wichtig ist: Die Ergebnisse der SCORE-Studie bedeuten keine generelle Abwertung der Sozialwissenschaften. Im Gegenteil: Sie zeigen eine hohe Selbstreflexion innerhalb des Fachgebiets.

Die zunehmende Offenheit – etwa durch Open-Science-Initiativen, transparente Datensätze und Vorregistrierungen von Studien – stärkt langfristig die Qualität der Forschung. Auch gescheiterte Replikationen liefern wertvolle Erkenntnisse darüber, unter welchen Bedingungen bestimmte Effekte auftreten.

Konsequenzen für die Praxis

Für die pädagogische Praxis ergibt sich daraus eine differenzierte Perspektive:

  • Sozialwissenschaftliche Studien bleiben unverzichtbar für das Verständnis von Bildung, Beziehung und Entwicklung
  • Gleichzeitig gewinnen naturwissenschaftliche Erkenntnisse an Bedeutung, wenn es um grundlegende Lernprozesse geht
  • Eine interdisziplinäre Orientierung erhöht die Qualität pädagogischer Entscheidungen

Gerade im Feld der frühen Bildung erscheint es daher sinnvoll, beide Perspektiven zu kombinieren: die Kontextsensibilität der Pädagogik und die empirische Robustheit von Neurowissenschaft und Medizin.

Unser Anspruch: Wissenschaftliche Qualität prüfen und einordnen

Genau diesen Anspruch verfolgen wir seit vielen Jahren bei spielen und lernen. Im Sinne des Grundprinzips „Follow the Science“ veröffentlichen wir Studien nicht unreflektiert, sondern prüfen sie systematisch auf ihre methodische Qualität, Aussagekraft und Übertragbarkeit in die Praxis. Entsprechende Einordnungen finden Sie in nahezu allen unseren Beiträgen zu wissenschaftlichen Untersuchungen.

Unser Ziel ist es, belastbare Erkenntnisse von weniger tragfähigen Befunden zu unterscheiden – kurz: die Spreu vom Weizen zu trennen. Umso kritischer betrachten wir Aussagen, die ohne fundierte empirische Grundlage getroffen werden, sowie Studien, die grundlegende wissenschaftliche Standards nicht erfüllen.

Denn im Kern geht es um das, was nicht verhandelbar ist: die Entwicklung und Zukunft unserer Kinder. Gerade deshalb verstehen wir uns als verlässliche Orientierungspartnerinnen und -partner für alle, die Verantwortung tragen. Das schließt ein, Position zu beziehen – auch dann, wenn dies mitunter unbequem ist.

Gernot Körner