Forschen statt Versuchsanleitung! Was Kinder wirklich brauchen

Eine gute MINT-Bildung beginnt nicht mit Experimenten, sondern mit Fragen. Ein Blick auf Forschung, Praxis und erfolgreiche Bildungsinitiativen

Als Erwachsene haben wir eine bemerkenswerte Eigenschaft: Wir beantworten Fragen oft schon, bevor Kinder sie zu Ende gestellt haben.

„Warum schwimmt das?“
„Weil Holz leichter ist als Wasser.“
Schnell ist das Gespräch beendet und der Erkenntnisgewinn auch.

Dabei zeichnet die aktuelle Forschung zur frühen MINT-Bildung ein ganz anderes Bild. Kinder lernen Naturwissenschaften, Mathematik und Technik nicht in erster Linie durch Erklärungen. Sie lernen durch Staunen, Ausprobieren, Irrtümer und überraschende Entdeckungen. Anders gesagt: Sie lernen nicht, wenn wir ihnen die Welt erklären. Sie lernen, wenn sie beginnen, sich die Welt selbst zu erklären.

Kinder sind geborene Forscher

Lange Zeit haben wir unterschätzt, wie früh Kinder naturwissenschaftliche Denkweisen entwickeln können. Viele internationale Studien aus neuerer Zeit zeigen jedoch, dass bereits Kita-Kinder beobachten, vergleichen, Vermutungen bilden und ihre Vorstellungen aufgrund neuer Erfahrungen verändern können. Schließlich sind Kinder von Natur aus neugierig. Und das ist nun mal die wichtigste Eigenschaft für einen Forschenden.

Die Bildungsforscherin Dr. Ildikó Mária Revák und ihr Team kommen in einer umfangreichen Übersichtsarbeit zu dem Ergebnis, dass Kinder schon im Vorschulalter mathematische, naturwissenschaftliche und technische Fragestellungen erfolgreich bearbeiten können. Wichtigste Voraussetzung: Sie erhalten die Gelegenheit dazu und werden angemessen begleitet.

Dabei kann es nicht darum gehen, dass Kinder möglichst früh Fachwissen anhäufen. Entscheidend ist, dass sie ihre Fragen stellen: Warum sinkt ein Stein? Warum fliegt ein Ahornsamen? Warum wächst eine Bohne? Warum fällt ein Turm um?

Die Entwicklungspsychologin Prof. Dr. Alison Gopnik von der University of California bringt diesen Gedanken auf den Punkt: „Es ist nicht so, dass Kinder kleine Wissenschaftler sind – Wissenschaftler sind große Kinder.“

Der Satz ist zwar zugespitzt, verweist aber auf eine zentrale Erkenntnis der Entwicklungsforschung: Kinder beobachten ihre Umwelt, entwickeln Vermutungen und überprüfen sie immer wieder neu. Je länger man darüber nachdenkt, desto erstaunlicher wirkt eigentlich nicht die Neugier der Kinder, sondern unsere allzu erwachsene Fähigkeit, sie manchmal auszubremsen.

Gute MINT-Bildung braucht keine Wunderkiste

Die Forschung der vergangenen Jahre zeigt erstaunlich einheitlich, dass erfolgreiche MINT-Angebote einige gemeinsame Merkmale besitzen.

Kinder dürfen selbst tätig werden. Sie arbeiten mit realen Materialien. Sie verfolgen eigene Ideen. Sie sprechen über ihre Beobachtungen. Und sie dürfen Fehler machen.

Die Bildungsforscherin Dr. Sharon Burns konnte in einer Meta-Analyse zeigen, dass insbesondere problemlösende und forschende Aktivitäten wichtige Lernprozesse unterstützen. Entscheidend ist dabei weniger das Material als die Art, wie Kinder damit umgehen.

Ein teurer Experimentierkasten garantiert noch keine Bildung. Ein paar Bretter, Steine, Wasserpfützen oder Kastanien können dagegen hochinteressante Forschungsobjekte sein.

Die Frage lautet deshalb nicht: „Welches Experiment machen wir heute?“ Sondern: „Welche Frage beschäftigt die Kinder gerade?“

Wie viel Anleitung brauchen Kinder?

Genau daran entzündet sich eine heftige Diskussion: Denn auch wenn sich fast alle Fachleute einig sind, dass Kinder aktiv lernen sollen, herrscht keineswegs Einigkeit darüber, wie offen solche Lernprozesse sein müssen. Die internationale Forschung spricht häufig von „guided inquiry“ – angeleitetem Forschen. Kinder erkunden selbstständig Phänomene, werden dabei jedoch von Erwachsenen begleitet.

Das hört sich vernünftig an. Doch wie viel Begleitung ist wirklich sinnvoll? Ab wann wird Unterstützung zur Steuerung? Und wann wird aus einem Forschungsprojekt lediglich eine gut organisierte Versuchsanleitung?

Die Forschung gibt darauf keine einfache Antwort. Sie zeigt jedoch, dass Kinder sowohl Freiräume als auch Orientierung benötigen. Gute Lernbegleitung bedeutet deshalb weder, alles vorzugeben noch sich völlig zurückzuziehen.

Auf der Suche nach dem richtigen Weg

Wer die Landschaft der frühen MINT-Bildung betrachtet, entdeckt sehr unterschiedliche Antworten auf diese Fragen.

Programme wie TuWaS! oder Prima!Forscher arbeiten stärker mit vorbereiteten Materialien, Experimenten und fachlich strukturierten Lernangeboten. Andere Initiativen konzentrieren sich stärker auf die professionelle Begleitung von Lernprozessen. Dazu gehören beispielsweise die Stiftung Kinder forschen oder SINUS an Grundschulen.

Wieder andere Projekte gehen noch einen Schritt weiter. Einrichtungen wie die Forscherstation Heidelberg oder die Freiburger Forschungsräume interessieren sich besonders für die Frage, wie Kinder überhaupt zu Erkenntnissen gelangen und welche Rolle Erwachsene dabei spielen.

Auf den ersten Blick erscheinen diese Unterschiede gering. Tatsächlich spiegeln sie jedoch eine grundlegende pädagogische Debatte wider.

Die Stiftung Kinder forschen: Forschen mit Geländer

Die Stiftung Kinder forschen ist der größte Akteur im Bereich der frühen MINT-Bildung in Deutschland. Seit fast zwei Jahrzehnten qualifiziert sie pädagogische Fachkräfte und Lehrkräfte für naturwissenschaftliches, mathematisches und technisches Lernen.

Viele ihrer Grundideen finden sich heute auch in der internationalen Forschung wieder. Kinder sollen entdecken, beobachten, diskutieren und eigene Lösungswege entwickeln. Lernen wird ausdrücklich als aktiver Prozess verstanden.

Die Frühpädagogin Prof. Dr. Yvonne Anders, Mitglied des wissenschaftlichen Beirats der Stiftung, beschreibt deren Bedeutung mit den Worten: „Die Stiftung Kinder forschen ist für mich eine zentrale Instanz für die Qualitätsentwicklung in der frühkindlichen Bildung.“

Gleichzeitig arbeitet die Stiftung mit Themenvorschlägen, Fortbildungen und didaktischen Materialien. Das ist keineswegs ein Nachteil. Schließlich benötigen pädagogische Fachkräfte Orientierung und Unterstützung. Man könnte sagen: Die Stiftung baut Kindern und Erwachsenen ein stabiles Geländer, an dem sie sich beim Forschen entlangbewegen können. Die spannende Frage lautet jedoch: Reicht das Geländer manchmal vielleicht etwas weit in den Weg hinein?

Die Antwort hängt weniger von den Materialien als von ihrer Nutzung ab. Dieselbe Praxisanregung kann Ausgangspunkt für einen offenen Forschungsprozess sein – oder zu einer Schritt-für-Schritt-Anleitung werden, bei der das Ergebnis von Anfang an feststeht.

Freiburger Forschungsräume: Auf die Haltung kommt es an

Genau hier setzen die Freiburger Forschungsräume an. Ihr vielleicht bekanntester Leitsatz lautet: „Auf die Haltung kommt es an.“

Dieser Satz wirkt zunächst unspektakulär. Tatsächlich steckt darin jedoch eine kleine pädagogische Revolution. Die Freiburger Forschungsräume fragen nicht zuerst, welche Inhalte Kinder lernen sollen. Sie fragen zunächst, wie Erwachsene Kindern begegnen.

Im Mittelpunkt stehen die forschende Haltung des Kindes, das Interesse der Kinder und ein wertschätzender Dialog. Beobachten, Vermuten, Beschreiben und Erklären gehören zusammen. Sprachbildung und naturwissenschaftliches Lernen werden bewusst miteinander verbunden.

Kinder und Erwachsene machen sich gemeinsam auf einen Weg des Fragens, Forschens und Entdeckens. Nicht die richtige Antwort steht im Mittelpunkt, sondern der Denkweg. Damit stehen die Freiburger Forschungsräume in einer Tradition, die eng mit den Arbeiten des Bildungsforschers Prof. Dr. Gerd E. Schäfer verbunden ist. Lernen entsteht demnach aus eigenen Erfahrungen und deren gemeinsamer Reflexion.

Forscherstation Heidelberg: Den Denkwegen der Kinder folgen

Auch die Forscherstation Heidelberg, gegründet von der Klaus Tschira Stiftung, verfolgt einen ähnlichen Ansatz. Dort steht seit Jahren die Frage im Mittelpunkt, wie Erwachsene Kinder beim Denken begleiten können, ohne ihnen die Lösungen vorwegzunehmen.

Die Forscherstation verbindet wissenschaftliche Forschung, Fortbildung und Praxis. Interessant ist dabei vor allem die konsequente Orientierung an den Denkwegen der Kinder. Nicht das Experiment selbst gilt als entscheidend, sondern die Gespräche, Beobachtungen und Schlussfolgerungen, die daraus entstehen.

Damit liegt die Einrichtung erstaunlich nahe an den Positionen internationaler Forscherinnen wie Alison Gopnik oder Prof. Dr. Kathy Hirsh-Pasek.

Vom Experiment zur Beziehung

Hier zeigt sich genau die wichtigste Entwicklung der vergangenen Jahre. Viele Jahre stand in der frühen MINT-Bildung vor allem das Experiment im Mittelpunkt. Heute rückt zunehmend eine andere Frage in den Vordergrund: Was geschieht eigentlich zwischen Kind und Erwachsenem während eines solchen Lernprozesses?

Auffällig ist, dass neuere Forschungsarbeiten vergleichsweise selten über bestimmte Materialien oder Experimente sprechen. Stattdessen beschäftigen sie sich mit Neugier, Problemlösen, Selbstwirksamkeit, Kooperation und Gesprächsprozessen.

Auch Kathy Hirsh-Pasek und ihre Kollegin Prof. Dr. Roberta Golinkoff betonen seit Jahren die Bedeutung spielerischer Lernprozesse. Ihr Fazit lautet – wenig überraschend:

„Spiel ist der wichtigste Weg, auf dem Kinder lernen.“

Mit anderen Worten: Nicht das Experiment allein scheint entscheidend zu sein, sondern die Art und Weise, wie Kinder dabei denken, sprechen und begleitet werden.

Entscheidend: die Qualität der Interaktion

Und wer hat nun recht? Die Antwort lautet: Wahrscheinlich alle ein bisschen und manche ein bisschen mehr.

Die aktuelle Forschung liefert keine Belege dafür, dass völlig freie Lernprozesse grundsätzlich besser wären als gut strukturierte Angebote. Noch weniger aber spricht sie für starre Anleitungen.

Entscheidend scheint etwas anderes zu sein: die Qualität der Interaktion.

Kinder profitieren von Erwachsenen, die zuhören, Fragen aufgreifen, Materialien bereitstellen und Denkprozesse anregen. Sie profitieren weniger von Erwachsenen, die jede Antwort bereits kennen und sie möglichst schnell mitteilen möchten. Vielleicht liegt genau darin die eigentliche Botschaft der aktuellen MINT-Forschung.

  • Nicht das Experiment steht im Mittelpunkt.
  • Nicht der Roboter.
  • Nicht das Arbeitsblatt.
  • Nicht einmal das Thema.

Im Mittelpunkt steht die Beziehung zwischen einem neugierigen Kind und einem Erwachsenen, der bereit ist, gemeinsam zu staunen.

Die eigentliche Entdeckung

Wer die neueren Studien liest, stößt immer wieder auf dieselbe Erkenntnis: Gute MINT-Bildung hat erstaunlich wenig mit Unterricht im klassischen Sinn zu tun.

  • Sie beginnt dort, wo Kinder Zeit bekommen, eigene Fragen zu verfolgen.
  • Sie wächst dort, wo Erwachsene nicht sofort erklären.
  • Und sie gelingt dort am besten, wo niemand genau weiß, was am Ende herauskommt.

Das ist manchmal anstrengend. Aber wahrscheinlich ist genau das echte Forschung.

Die Zukunft liegt in der pädagogischen Beziehung

Betrachtet man die aktuelle internationale Forschung, die Stiftung Kinder forschen, die Forscherstation Heidelberg und die Freiburger Forschungsräume gemeinsam, dann zeichnet sich ein bemerkenswerter Trend ab:

Die Zukunft der frühen MINT-Bildung liegt vermutlich weniger in immer neuen Materialien und Programmen als in der Qualität der pädagogischen Beziehungen.

Je mehr Forschende über erfolgreiche Lernprozesse herausfinden, desto häufiger rücken Themen wie Gesprächskultur, Selbstwirksamkeit, Kooperation, forschende Haltung und kindliche Neugier in den Mittelpunkt.

Vielleicht ist das die überraschendste Erkenntnis überhaupt:

Die wichtigste Ressource für frühe MINT-Bildung ist nicht Technik.

Es sind Menschen, die gemeinsam mit Kindern staunen können.

Quellen und weiterführende Informationen

Revák, Ildikó Mária et al. (2024): A Systematic Review of STEM Teaching-Learning Methods and Activities in Early Childhood.
https://www.ejmste.com/article/a-systematic-review-of-stem-teaching-learning-methods-and-activities-in-early-childhood-14779

Burns, Sharon et al. (2025): A Systematic Review and Meta-Analysis of Approaches to Teaching Problem-Solving Skills in Early Childhood STEM Activities.
https://bera-journals.onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1002/rev3.70079

Zviel-Girshin, Rinat et al. (2025): Enhancing Early STEM Engagement: The Impact of Inquiry-Based Robotics Projects on First-Grade Students’ Problem-Solving Self-Efficacy and Collaborative Attitudes.
https://www.mdpi.com/2227-7102/15/10/1404

Lewis Presser, Amanda E. et al. (2025): Preschool and Data Science: Supporting STEM Learning.
https://www.mdpi.com/2227-7102/15/10/1412

Liu, Jing et al. (2025): Forms and Functions Innovation: A Scoping Review of Digital and Intelligence Technologies in Early Childhood Education Practice.
https://link.springer.com/article/10.1007/s44436-025-00010-6

Stiftung Kinder forschen:
https://www.stiftung-kinder-forschen.de

Wissenschaftliche Begleitung der Stiftung Kinder forschen:
https://www.stiftung-kinder-forschen.de/ansatz-wirkung/wissenschaftliche-begleitung/

Freiburger Forschungsräume:
https://www.freiburg.de/pb/627371.html

„Auf die Haltung kommt es an“ – Freiburger Forschungsräume:
https://spielen-und-lernen.online/praxis/freiburger-forschungsraeume-auf-die-haltung-kommt-es-an/

Forscherstation Heidelberg:
https://www.forscherstation.info

TuWaS! – Technik und Naturwissenschaften an Schulen:
https://www.tuwas-deutschland.de

SINUS an Grundschulen:
https://www.sinus-an-grundschulen.de




Schulstart = Lesestart! Gewinnt ein Paket von Ravensburger

ravensburger spiele

Wenn nach den Sommerferien die Schultüten gepackt werden und Kinder voller Neugier in ein neues Kapitel starten, begleiten die Bücher und Spiele von Ravensburger die kleinen Schüler:innen auf ihrem Weg. Ob erste Buchstaben, herzliche Schulgeschichten oder ein spannendes Lernspiel: Diese Neuheiten wecken Leselust, fördern wichtige Kompetenzen und machen den Schulstart noch schöner. Wir verlosen 1 Gewinnpaket im Wert von ca. 95 €!

Das steckt im Gewinnpaket:

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Leserabe 1. Lesestufe – ABC-Geschichten und Rätsel (ab 6 Jahren, € 9,99) Hexe Hanna, Papagei Pepe und Piraten mit Currywurst: Witzige Wortspiele und knifflige ABC-Rätsel machen das Lesenlernen leicht und lustig – in gut lesbarer, großer Fibelschrift mit Stundenplan zum Herausschneiden.

Leserabe 1. Lesestufe – Schulgeschichten mit Hund Floh (ab 6 Jahren, € 8,99) In der Klasse 2b ist immer was los, denn Schulhund Floh ist mit dabei! Vier herzliche Geschichten über Lernen, Abenteuer und faires Miteinander. Toll geeignet für alle Kinder, die Tiere lieben.

Mega witzig! Die besten Witze für Erstleser (ab 6 Jahren, € 9,99) Tierwitze, Schulwitze, Sportwitze: Hier ist für jeden Witzbold etwas dabei! Kurze Texte und gut lesbare Schrift machen das Lesenlernen kinderleicht. Loslesen und schlapplachen!

Leserabe Vor-Lesestufe – Eine kleine Katze für Anton (ab 5 Jahren, € 8,99) Anton zieht in eine neue Stadt und findet im Garten ein Kätzchen und plötzlich auch neue Freunde. Hauptwörter werden durch Bilder ersetzt, damit Eltern und Kinder gemeinsam als Leseteam lesen können. Empfohlen von der Stiftung Lesen, gelistet bei Antolin.

Wieso? Weshalb? Warum? Mein ABC der Fahrzeuge (ab 4 Jahren, € 19,99) Von A wie Abschleppfahrzeug bis Z wie Zahnradbahn: Über 150 Fahrzeuge, spannende Klappen und ein großes Poster fürs Kinderzimmer. Buchstabe für Buchstabe lernen Kinder spielerisch das Alphabet kennen; fachlich geprüft und ideal zur Vorbereitung auf Vorschule und Schule.

Auf Textaufgaben-Mission (ab 7 Jahren, UVP € 17,99) Fiesling Dr. Finsterbacke hält ganz Hamster City in Atem! In diesem spannenden Brettspiel helfen Kinder dem Hamster-Geheimdienst, rätselhaften Zugangscodes zu knacken. Das Besondere: Das Spiel vermittelt spielerisch wertvolle Grundlagen zum Lösen von Textaufgaben, ohne dass es sich auch nur eine Sekunde wie Schule anfühlt.

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Das Stichwort lautet: Lesestart. Das Gewinnspiel endet am 24.6.2026.






Regelmäßiger Schlaf stärkt Sprache und Gedächtnis bei Kindern

Nicht nur die Schlafdauer, sondern vor allem feste Schlafzeiten sind entscheidend für die kindliche Entwicklung

Werden Kindergartenkinder jeden Abend zu unterschiedlichen Zeiten ins Bett gebracht oder schwankt ihre Schlafdauer stark, kann dies messbare Folgen für ihre Sprachentwicklung und ihr Gedächtnis haben. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der University of Massachusetts Amherst. Die Forschenden fanden heraus, dass bereits vergleichsweise geringe Unregelmäßigkeiten im Schlafrhythmus mit schlechteren Leistungen bei Wortschatztests und Aufgaben zum räumlichen Gedächtnis zusammenhängen. Bemerkenswert ist dabei, dass diese Zusammenhänge auch dann bestehen blieben, wenn die insgesamt geschlafene Zeit statistisch berücksichtigt wurde.

Die Untersuchung zeigte, dass Kinder mit stärker schwankenden Schlafzeiten geringere Werte beim rezeptiven Wortschatz erreichten. Auch die Leistungen im visuospatialen Gedächtnis – also der Fähigkeit, sich räumliche Informationen und Anordnungen zu merken – waren bei Kindern mit unregelmäßigem Schlaf schlechter. Dagegen fanden die Forschenden überraschenderweise keinen Zusammenhang zwischen Schlafunregelmäßigkeiten und der sogenannten exekutiven Aufmerksamkeit. Offenbar reagieren verschiedene Bereiche der kindlichen Kognition unterschiedlich empfindlich auf Schlafschwankungen.

Schlafregelmäßigkeit verdient mehr Aufmerksamkeit

Die Ergebnisse erweitern das bisherige Verständnis von gesundem Kinderschlaf. Während Empfehlungen für Eltern häufig vor allem die tägliche Schlafdauer betonen, rückt die neue Untersuchung einen weiteren Aspekt in den Vordergrund: die Regelmäßigkeit des Schlaf-Wach-Rhythmus.

„Kinder mit unregelmäßigeren Schlafmustern schnitten bei Sprach- und Gedächtnisaufgaben tendenziell schlechter ab – selbst dann, wenn die gesamte Schlafdauer berücksichtigt wurde“, sagte die Hauptautorin der Studie, Karolina Rusin, Doktorandin an der Universität. „Diese Ergebnisse stärken die wachsende wissenschaftliche Evidenz dafür, dass nicht nur die Schlafdauer, sondern auch die Regelmäßigkeit des Schlafs eine wichtige Rolle für eine gesunde Entwicklung von Kindern spielt.“ Die Daten legen nahe, dass das kindliche Gehirn nicht nur ausreichend Schlaf benötigt, sondern auch von verlässlichen biologischen Rhythmen profitiert.

Die Erkenntnisse passen zu einer Vielzahl früherer Forschungsarbeiten, die zeigen, dass Schlaf eine zentrale Rolle bei der Gedächtniskonsolidierung spielt. Während des Schlafs werden neu erworbene Informationen verarbeitet, stabilisiert und langfristig gespeichert. Dies gilt insbesondere für sprachliche Lernprozesse und Gedächtnisleistungen. Bereits frühere Untersuchungen konnten nachweisen, dass Schlaf die Speicherung neuer Wörter, Regeln und Erfahrungen unterstützt.

Warum unregelmäßiger Schlaf das Lernen erschweren könnte

Aus neurobiologischer Sicht könnte ein unregelmäßiger Schlafrhythmus die Prozesse der Gedächtnisbildung beeinträchtigen. Forschende gehen davon aus, dass das Gehirn während bestimmter Schlafphasen wichtige Informationen des Tages erneut aktiviert und festigt. Werden Schlafzeiten ständig verschoben, könnten diese biologischen Abläufe gestört werden.

Bereits frühere Untersuchungen bei Kleinkindern zeigten, dass unregelmäßiger Schlaf mit weniger effizienter neuronaler Informationsverarbeitung und Aufmerksamkeitssteuerung verbunden sein kann. Dabei wurden Veränderungen in Hirnaktivitätsmustern beobachtet, die mit Lern- und Aufmerksamkeitsleistungen zusammenhängen.

Für die Sprachentwicklung könnte dies besonders relevant sein. Der Erwerb neuer Wörter und Bedeutungen gehört zu den zentralen Entwicklungsaufgaben im Kindergartenalter. Wenn die nächtliche Verarbeitung neuer sprachlicher Informationen beeinträchtigt wird, könnten sich Nachteile bei Wortschatz und Sprachverständnis ergeben. Die aktuelle Studie liefert hierfür nun weitere Hinweise.

Bewegungen von 379 Kindern aufgezeichnet

An der Untersuchung nahmen 379 Kindergartenkinder mit einem Durchschnittsalter von 4,3 Jahren teil. Die Schlafmuster wurden mithilfe der sogenannten Aktigraphie erfasst. Dabei tragen die Kinder ein kleines Messgerät am Körper, das Bewegungen aufzeichnet und daraus Schlaf- und Wachphasen ableitet.

Die Forschenden untersuchten mehrere Kennwerte der Schlafregelmäßigkeit. Dazu gehörten Schwankungen der Schlafmitte – also des zeitlichen Mittelpunkts zwischen Einschlafen und Aufwachen –, Unterschiede in der Schlafdauer von Nacht zu Nacht sowie der sogenannte „soziale Jetlag“. Dieser beschreibt die Differenz zwischen Schlafzeiten an Werktagen und an freien Tagen.

Die kognitiven Fähigkeiten wurden mit etablierten Testverfahren gemessen. Der rezeptive Wortschatz wurde mithilfe des Peabody Picture Vocabulary Tests erfasst. Zusätzlich prüften die Forschenden das räumliche Gedächtnis mit einer Gedächtnisaufgabe sowie die exekutive Aufmerksamkeit mit einer altersangepassten Flanker-Aufgabe.

Im Durchschnitt schwankte die Schlafdauer der Kinder um etwa 60 Minuten. Die Schlafmitte variierte um rund 32 Minuten. Bereits diese Unterschiede reichten aus, um statistisch bedeutsame Zusammenhänge mit Sprach- und Gedächtnisleistungen sichtbar zu machen.

Stärken und Schwächen der Studie

Die Studie weist mehrere Stärken auf. Besonders hervorzuheben ist die vergleichsweise große Stichprobe von 379 Kindern. Zudem wurde der Schlaf nicht über Elternfragebögen erfasst, sondern objektiv mittels Aktigraphie gemessen. Dadurch lassen sich Schlafmuster deutlich präziser bestimmen als durch Selbstauskünfte oder Erinnerungen der Eltern.

Ebenfalls positiv ist, dass die Forschenden die Gesamt-Schlafdauer statistisch kontrollierten. Dadurch konnten sie zeigen, dass die beobachteten Effekte tatsächlich mit der Regelmäßigkeit des Schlafs zusammenhängen und nicht lediglich mit zu wenig Schlaf.

Gleichzeitig sind einige Einschränkungen zu beachten. Die Ergebnisse beruhen auf Beobachtungsdaten und erlauben daher keine endgültigen Aussagen über Ursache und Wirkung. Es ist möglich, dass weitere Faktoren – etwa familiäre Routinen, soziale Rahmenbedingungen oder Unterschiede im Tagesablauf – die Zusammenhänge teilweise mit beeinflussen. Zudem lagen für einzelne kognitive Tests deutlich kleinere Teilstichproben vor als für die Gesamtuntersuchung.

Dennoch liefern die Daten wichtige Hinweise darauf, dass regelmäßige Schlafenszeiten im Vorschulalter eine bedeutende Rolle für die Entwicklung von Sprache und Gedächtnis spielen könnten. Die Studie ergänzt damit die wachsende wissenschaftliche Evidenz, dass guter Kinderschlaf weit mehr umfasst als nur ausreichend viele Stunden im Bett.

Quelle: Karolina Rusin et al., Irregular Sleep Impairs Verbal and Memory Abilities in Early Childhood, Präsentation auf der Jahrestagung SLEEP 2026, Associated Professional Sleep Societies, Baltimore, USA. https://neurosciencenews.com/irregular-sleep-memory-learning-30818/




Mit Kide Science wird Forschen zum Kinderspiel

Polylino

Kleine Forscher:innen ganz groß – Kide Science macht MINT-Abenteuer in der Kita möglich

Kinder sind geborene Entdecker:innen. Sie stellen Fragen, probieren aus und staunen und lernen dabei auf eine Weise, die kein Buch ersetzen kann. Genau hier setzt Kide Science an: ein spielbasiertes MINT-Programm aus Finnland, das Erzieher:innen in die Lage versetzt, echte Forschungserlebnisse in den Kita-Alltag zu integrieren, ganz ohne Vorkenntnisse und ohne großen Aufwand.

Forschen mit Geschichte und Magie

Das Besondere an Kide Science: Kinder helfen Figuren aus einer magischen Welt, echte naturwissenschaftliche Rätsel zu lösen. Ein Brief von Kelvin, dem neugierigen Hauptcharakter aus der Story-Welt „Supraland“, stellt die Aufgabe. Und schon sind die Kleinen mittendrin. Sie untersuchen, was mit Luft passiert, wenn es kalt wird. Sie bauen einen Party-Roboter. Sie entdecken, wie ein Regenbogen entsteht. Die Geschichte ist der Einstieg, das Experiment ist die Antwort. Die Neugier ist der Motor.

Für Pädagog:innen gemacht – nicht gegen sie

Kide Science ist klar auf die Bedürfnisse von Erzieher:innen ausgerichtet: Fertige Missionspläne führen Schritt für Schritt durch jede Aktivität, mit Profi-Tipps, Hintergrundwissen und Anleitungsvideos. Alle Materialien kommen aus dem Alltag; teure Experimentierkästen braucht ihr nicht. Der digitale Support liegt ausschließlich bei den Fachkräften, für die Kinder bleibt alles bildschirmfrei und haptisch erlebbar. Jede Mission lässt sich zudem für vier Altersstufen anpassen, sodass ihr sie passgenau auf eure Gruppe abstimmen könnt.

Das bringt Kide Science in eure Kita:

  • Fertige Lektionspläne – in wenigen Minuten vorbereitet, ohne Vorkenntnisse
  • Nur Alltagsmaterialien – keine teuren Experimentierkästen nötig
  • Bildschirmfrei für Kinder – haptisches Lernen mit digitalem Support für Pädagog:innen
  • Forschungsbasiert aus Skandinavien – entwickelt auf Basis von Forschung an der Universität Helsinki
  • Für Kita und Grundschule – ein Programm, zwei Bildungsstufen

Kide Science ist ein Angebot von ILT Education und steht auf Deutsch für den DACH-Markt zur Verfügung. Entdeckt das Programm jetzt unter ilteducation.com/de/kide-science und findet heraus, wie spielbasiertes Forschen in eurem Kita-Alltag aussehen kann.




Armutsbericht 2026: Immer mehr Kinder wachsen in Armut auf

Rekordwert bei Armut – eine Million Kinder leben in erheblicher Entbehrung

Die Armut in Deutschland hat einen neuen Höchststand erreicht. Nach dem aktuellen Armutsbericht des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes leben 13,3 Millionen Menschen in Deutschland unterhalb der Armutsgrenze. Die Armutsquote stieg 2025 auf 16,1 Prozent und liegt damit höher als in jedem anderen Jahr seit Beginn der aktuellen Erhebung im Jahr 2020.

Besonders alarmierend sind die Zahlen für Kinder und Jugendliche. Zwar liegt die Armutsquote der unter 18-Jährigen mit 16 Prozent etwa im Durchschnitt der Gesamtbevölkerung. Doch hinter dieser Zahl verbirgt sich eine erschütternde Realität: Rund eine Million Kinder und Jugendliche lebt nach den Berechnungen des Paritätischen in erheblicher materieller Entbehrung.

Erhebliche materielle Entbehrung bedeutet weit mehr als einen Verzicht auf Luxus. Betroffene Familien können oft grundlegende Bedürfnisse nicht erfüllen. Dazu gehören ausreichend Wohnraum, eine gesunde Ernährung, passende Kleidung, Freizeitangebote, Klassenfahrten oder die Möglichkeit, Freunde einzuladen und am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen. Viele Familien können unerwartete Ausgaben nicht bewältigen, müssen beim Heizen sparen oder können ihren Kindern keine regelmäßigen Freizeitaktivitäten ermöglichen.

Besonders häufig betroffen sind Alleinerziehende. Fast jede dritte alleinerziehende Person lebt in Armut. Auch Familien mit mehreren Kindern tragen ein deutlich erhöhtes Armutsrisiko. Gleichzeitig zeigt der Bericht, dass Armut längst kein Randphänomen mehr ist. Selbst Erwerbsarbeit schützt nicht immer davor. Rund 1,8 Millionen Menschen leben trotz Vollzeitbeschäftigung unterhalb der Armutsgrenze.

Der Kinderschutzbund sieht darin einen unhaltbaren Zustand. Seine Präsidentin Prof. Dr. Sabine Andresen spricht von einer Situation, die Kindern ein gutes und kindgerechtes Aufwachsen vielfach unmöglich macht. Kinderarmut beeinträchtige Bildungschancen, Gesundheit und soziale Teilhabe und müsse endlich mit politischem Nachdruck bekämpft werden.

Wenn bei den Ärmsten gespart werden soll

Die Zahlen des Armutsberichts erscheinen zu einem Zeitpunkt, an dem auf politischer Ebene erneut über Kürzungen bei sozialen Leistungen diskutiert wird. Besonders betroffen wären nach den bekannt gewordenen Vorschlägen unter anderem Wohngeldempfängerinnen und -empfänger sowie Alleinerziehende, die auf Unterhaltsvorschuss angewiesen sind. Gerade diese Gruppen gehören bereits heute zu den besonders armutsgefährdeten Bevölkerungsgruppen.

Angesichts der aktuellen Daten wirkt eine solche Debatte befremdlich. Wenn mehr als 13 Millionen Menschen in Armut leben und eine Million Kinder nicht einmal die Voraussetzungen für ein kindgerechtes Aufwachsen vorfinden, erscheint es kaum nachvollziehbar, warum ausgerechnet bei den finanziell Schwächsten gespart werden soll.

Natürlich müssen staatliche Ausgaben regelmäßig überprüft werden. Doch ein Sozialstaat verliert seine Legitimation, wenn er dort kürzt, wo Menschen ohnehin kaum noch Spielräume besitzen. Wer den gesellschaftlichen Zusammenhalt stärken will, kann nicht gleichzeitig jene Unterstützung abbauen, die vielen Familien überhaupt erst ein Mindestmaß an Sicherheit ermöglicht.

Kinderarmut beginnt oft als Familienarmut

Gleichzeitig greift die Debatte zu kurz, wenn sie ausschließlich auf Kinderarmut fokussiert. Kinder werden nicht arm geboren. Sie werden arm, weil ihre Familien arm sind.

Deshalb reicht es nicht aus, lediglich einzelne Leistungen für Kinder zu verbessern. Notwendig ist eine Familienpolitik, die Familien insgesamt stärkt. Dazu gehören existenzsichernde Löhne, bezahlbarer Wohnraum, verlässliche Kinderbetreuung, bessere steuerliche Entlastungen für Familien sowie eine ausreichende soziale Absicherung in Phasen von Krankheit, Arbeitslosigkeit oder Trennung.

Besonders problematisch ist die Entwicklung vor dem Hintergrund des demografischen Wandels. Schon heute geben viele junge Erwachsene an, dass finanzielle Unsicherheit, hohe Wohnkosten und die Sorge vor sozialem Abstieg wichtige Gründe sind, die Familiengründung aufzuschieben oder ganz auf Kinder zu verzichten. Wer Kinderarmut wirksam bekämpfen will, muss daher auch die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für Eltern verbessern.

Eine Gesellschaft, die Familien dauerhaft unter finanziellen Druck setzt, riskiert nicht nur mehr Kinderarmut, sondern langfristig auch sinkende Geburtenzahlen und wachsende soziale Spannungen.

Was die Studie zeigt – und was sie nicht zeigt

Der Armutsbericht liefert ein wichtiges Bild der sozialen Lage in Deutschland. Er macht deutlich, dass die wirtschaftlichen Krisen der vergangenen Jahre, die Inflation sowie die stark gestiegenen Wohnkosten tiefe Spuren hinterlassen haben. Besonders betroffen sind Menschen mit niedrigen Einkommen, Alleinerziehende, ältere Menschen, junge Erwachsene sowie Personen ohne deutsche Staatsangehörigkeit.

Gleichzeitig zeigt die Studie, dass Armut heute deutlich breitere Bevölkerungsschichten erreicht als häufig angenommen wird. Die Mehrheit der armutsbetroffenen Menschen verfügt über die deutsche Staatsangehörigkeit. Viele haben mittlere oder sogar höhere Bildungsabschlüsse. Und ein erheblicher Teil arbeitet. Armut ist längst nicht mehr nur ein Problem einzelner Randgruppen.

Zu berücksichtigen ist allerdings auch, dass der Bericht auf dem Konzept der relativen Einkommensarmut basiert. Als arm gilt, wer weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens zur Verfügung hat. Dieses Maß beschreibt soziale Ungleichheit und mangelnde Teilhabemöglichkeiten, nicht zwingend existenzielle Not. Gerade deshalb ist die zusätzliche Betrachtung der materiellen Entbehrung so wichtig. Sie zeigt, wie viele Menschen tatsächlich auf grundlegende Dinge verzichten müssen.

Die Ergebnisse beider Messgrößen weisen in dieselbe Richtung: Armut nimmt zu. Besonders betroffen sind Kinder und Familien. Und die bisherigen politischen Maßnahmen reichen offenbar nicht aus, um diesen Trend zu stoppen.

Für eine Gesellschaft, die Chancengleichheit ernst nimmt, sollte das ein Warnsignal sein. Denn jedes Kind, das aufgrund der finanziellen Situation seiner Familie schlechtere Bildungs-, Gesundheits- oder Entwicklungschancen hat, steht für einen Verlust an Möglichkeiten – nicht nur für das einzelne Kind, sondern für die gesamte Gesellschaft.




Berufstätige Mütter unterstützen ihre Kinder meist stärker als vermutet

Große Übersichtsarbeit in Science widerlegt einfache Annahmen über die Auswirkungen mütterlicher Erwerbstätigkeit

Kaum ein Thema wird unter Eltern so kontrovers diskutiert wie die Frage, ob die Berufstätigkeit von Müttern die Entwicklung ihrer Kinder beeinflusst. Während manche befürchten, dass Kinder unter einer frühen Fremdbetreuung oder weniger gemeinsamer Zeit leiden könnten, verweisen andere auf die Vorteile eines gesicherten Familieneinkommens und einer besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Eine umfangreiche wissenschaftliche Analyse, die in der renommierten Fachzeitschrift Science veröffentlicht wurde, kommt nun zu einem klaren Ergebnis: Die Erwerbstätigkeit von Müttern hat grundsätzlich weder eindeutig positive noch eindeutig negative Auswirkungen auf die Entwicklung von Kindern. Entscheidend sind vielmehr die Lebensbedingungen, unter denen Familien ihren Alltag gestalten.

Die Untersuchung liefert damit eine wichtige Orientierung für Eltern, pädagogische Fachkräfte und politische Entscheidungsträger. Sie zeigt, dass die häufig sehr emotional geführte Debatte differenzierter betrachtet werden muss, als dies in der öffentlichen Diskussion oft geschieht.

Eine der bislang umfassendsten Analysen zum Thema

Die Arbeit des internationalen Forschungsteams um Maria Chiara Lo Bue gehört zu den wissenschaftlich hochwertigsten Untersuchungen, die bisher zu diesem Thema veröffentlicht wurden. Die Studie erschien nicht nur in Science, einer der weltweit angesehensten Fachzeitschriften, sondern stützt sich auch auf eine besonders sorgfältige Auswahl vorhandener Forschungsergebnisse.

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler führten keine neue Befragung von Familien durch. Stattdessen analysierten sie die internationale Forschungsliteratur zu den Auswirkungen mütterlicher Erwerbstätigkeit auf Kinder. Dabei berücksichtigten sie ausschließlich Untersuchungen, die möglichst belastbare Aussagen über Ursache und Wirkung zulassen.

Gerade dieser Punkt ist von großer Bedeutung. Viele ältere Studien zeigen lediglich statistische Zusammenhänge. So lässt sich beispielsweise beobachten, dass Kinder berufstätiger Mütter in bestimmten Bereichen bessere oder schlechtere Ergebnisse erzielen als andere Kinder. Daraus kann jedoch nicht automatisch geschlossen werden, dass die Erwerbstätigkeit der Mutter die Ursache dafür ist. Ebenso könnten Einkommen, Bildungsniveau, familiäre Stabilität oder zahlreiche andere Faktoren eine Rolle spielen.

Um solche Fehlschlüsse zu vermeiden, konzentrierte sich das Forschungsteam auf 61 besonders hochwertige Studien, die mit Methoden wie natürlichen Experimenten, politischen Reformen, Längsschnittdaten oder komplexen statistischen Verfahren arbeiteten. Insgesamt wurden mehr als 800 einzelne Effekte auf unterschiedliche Entwicklungsbereiche untersucht.

Hohe wissenschaftliche Qualität macht die Ergebnisse besonders belastbar

Die Qualität dieser Übersichtsarbeit gilt in Fachkreisen als hoch. Zum einen beruht sie auf einer großen Zahl internationaler Studien. Zum anderen wurden bewusst Untersuchungen ausgewählt, die über einfache Korrelationen hinausgehen und möglichst verlässliche Aussagen über Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge ermöglichen.

Dennoch weisen die Autorinnen und Autoren selbst auf Grenzen ihrer Arbeit hin. Die Ergebnisse beruhen auf Studien aus unterschiedlichen Ländern mit sehr verschiedenen Familienpolitiken, Betreuungssystemen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen. Außerdem beschreibt die Analyse Durchschnittswerte großer Bevölkerungsgruppen. Individuelle Familiensituationen können davon selbstverständlich abweichen.

Insgesamt lässt sich die Untersuchung jedoch als wissenschaftlich sehr solide einordnen. Sie bietet derzeit eine der umfassendsten und differenziertesten Zusammenfassungen des internationalen Forschungsstandes.

Die meisten Auswirkungen sind überraschend gering

Das zentrale Ergebnis der Analyse lautet: Die Erwerbstätigkeit von Müttern allein erklärt nur einen sehr kleinen Teil der Unterschiede in der Entwicklung von Kindern.

Die Forschenden stellten fest, dass die überwiegende Mehrheit der untersuchten Effekte statistisch nicht bedeutsam war. Dort, wo Unterschiede festgestellt wurden, hielten sich positive und negative Auswirkungen nahezu die Waage. Insgesamt ergab sich kein Hinweis darauf, dass die Berufstätigkeit von Müttern grundsätzlich schädlich oder grundsätzlich förderlich für Kinder wäre.

Diese Erkenntnis widerspricht vielen vereinfachenden Vorstellungen, die sich über Jahrzehnte in gesellschaftlichen Debatten gehalten haben. Die Frage, ob eine Mutter arbeitet oder nicht, ist offenbar weit weniger entscheidend als die Bedingungen, unter denen Familien leben.

Warum das Familieneinkommen eine wichtige Rolle spielt

Ein Bereich, in dem die Erwerbstätigkeit durchaus positive Auswirkungen haben kann, betrifft die wirtschaftliche Situation von Familien. Zusätzliche Einkünfte ermöglichen häufig bessere Bildungs- und Freizeitangebote, eine stabilere Wohnsituation sowie einen erleichterten Zugang zu gesundheitlicher Versorgung.

Insbesondere Familien mit begrenzten finanziellen Ressourcen können von einem höheren Haushaltseinkommen profitieren. Kinder erhalten dadurch oft bessere Lernmöglichkeiten, mehr kulturelle Anregungen und zusätzliche Entwicklungschancen.

Die Forschenden betonen deshalb, dass Erwerbstätigkeit nicht isoliert betrachtet werden darf. Sie verändert nicht nur die verfügbare Zeit innerhalb der Familie, sondern auch die materiellen Voraussetzungen für das Aufwachsen von Kindern.

Die Qualität der Betreuung ist entscheidender als die Betreuungsform

Besonders interessant sind die Ergebnisse zur außerfamiliären Betreuung. Seit Jahren wird darüber diskutiert, ob Kinder möglichst lange zu Hause betreut werden sollten oder von einem frühen Besuch einer Kindertageseinrichtung profitieren.

Die Analyse zeigt, dass diese Gegenüberstellung zu kurz greift. Nicht die Betreuungsform selbst entscheidet über die Entwicklung eines Kindes, sondern vor allem die Qualität der Betreuung.

Hochwertige Kindertageseinrichtungen bieten Kindern zahlreiche Möglichkeiten, ihre sprachlichen, sozialen und kognitiven Fähigkeiten zu entwickeln. Sie erleben dort vielfältige Lernanregungen, knüpfen soziale Kontakte und sammeln wichtige Erfahrungen außerhalb ihres familiären Umfeldes.

Gerade im Bereich der Sprachentwicklung weisen zahlreiche Studien darauf hin, dass qualitativ hochwertige frühpädagogische Angebote insbesondere Kinder aus benachteiligten Lebenslagen unterstützen können.

Zeit allein ist nicht der entscheidende Faktor

Ein weiterer wichtiger Befund betrifft die gemeinsame Zeit von Eltern und Kindern. Zwar verändert Erwerbstätigkeit zwangsläufig den Familienalltag und reduziert häufig die Anzahl gemeinsamer Stunden. Die Forschung zeigt jedoch, dass nicht allein die Quantität der Zeit ausschlaggebend ist.

Entscheidend ist vielmehr die Qualität der Interaktionen. Kinder profitieren von Gesprächen, gemeinsamer Aufmerksamkeit, emotionaler Zuwendung und verlässlichen Beziehungen. Entwicklungspsychologische Untersuchungen belegen seit Langem, dass sichere Bindungen und feinfühlige Reaktionen von Bezugspersonen zentrale Voraussetzungen für eine gesunde Entwicklung darstellen.

Eine Familie, die trotz beruflicher Verpflichtungen intensive gemeinsame Zeit gestaltet, kann Kindern ebenso gute Entwicklungsbedingungen bieten wie eine Familie mit deutlich mehr gemeinsamer Zeit.

Familienpolitik beeinflusst die Entwicklungschancen von Kindern

Die Ergebnisse der Studie lenken den Blick auch auf die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen. Länder unterscheiden sich erheblich hinsichtlich Elternzeitregelungen, Betreuungsangeboten, Arbeitszeiten und familienpolitischer Unterstützung.

Wo qualitativ hochwertige Kinderbetreuung verfügbar ist und Eltern Beruf und Familie gut miteinander vereinbaren können, zeigen sich häufig günstigere Bedingungen für die Entwicklung von Kindern. Die Forschenden argumentieren daher, dass politische Maßnahmen oft einen größeren Einfluss auf die Lebensrealität von Familien haben als individuelle Entscheidungen einzelner Eltern.

Damit verschiebt sich die Perspektive weg von der Frage, ob Mütter arbeiten sollten oder nicht. Stattdessen rückt die Frage in den Mittelpunkt, welche Unterstützung Familien benötigen, um Kindern gute Entwicklungsbedingungen zu ermöglichen.

Kinder benötigen ein unterstützendes Umfeld

Für viele Eltern dürfte die wichtigste Botschaft der Studie entlastend sein. Die Forschung liefert keine Hinweise darauf, dass die Berufstätigkeit von Müttern grundsätzlich nachteilig für Kinder ist. Ebenso wenig gibt es Belege dafür, dass Kinder allein deshalb bessere Entwicklungschancen haben, weil ein Elternteil dauerhaft zu Hause bleibt.

Die Entwicklung von Kindern wird von einem komplexen Zusammenspiel unterschiedlicher Faktoren geprägt. Dazu gehören stabile Beziehungen, emotionale Sicherheit, gute Bildungsangebote, ausreichend finanzielle Ressourcen und qualitativ hochwertige Betreuungsangebote.

Gerade diese Erkenntnis macht die Studie so wertvoll. Sie löst sich von einfachen Entweder-oder-Debatten und zeigt, dass Kinder vor allem dann gut aufwachsen, wenn sie in einem unterstützenden Umfeld leben – unabhängig davon, ob ihre Mutter berufstätig ist oder nicht. Die eigentliche Frage lautet deshalb nicht, ob Eltern arbeiten, sondern welche Bedingungen geschaffen werden, damit Familien und Kinder gleichermaßen profitieren können.

Quelle: Lo Bue, M. C. et al. (2025): Maternal work and children’s development. Science, Vol. 388, Issue 6753.




Sprachbildung in Kita und Grundschule: Programm wird dauerhaft fortgeführt

Nach zehn Jahren belegt das Projekt „Sprachentdecker“, wie alltagsintegrierte Sprachbildung Kinder nachhaltig stärken kann

Gute Sprachkompetenzen sind eine der wichtigsten Voraussetzungen für Bildungserfolg. Das hessische Programm „Sprachentdecker“ zeigt seit inzwischen zehn Jahren, wie Kinder bereits im Alltag von Kita und Grundschule wirksam sprachlich gefördert werden können. Die Bilanz ist beeindruckend: Mehr als 200 pädagogische Fach- und Lehrkräfte wurden qualifiziert, rund 3.000 Kinder profitierten von dem Konzept. Nun wird das Programm dauerhaft fortgeführt und künftig vom Hessischen Kultusministerium finanziert.

Die Entscheidung kommt zu einem Zeitpunkt, zu dem rund um das Thema „Sprachförderung“ in Deutschland heftige Diskussionen geführt werden. Nationale Bildungsstudien weisen seit Jahren darauf hin, dass viele Kinder beim Schuleintritt und darüber hinaus Schwierigkeiten mit der deutschen Sprache haben. Betroffen sind dabei nicht nur Kinder mit Deutsch als Zweitsprache, sondern auch Mädchen und Jungen aus Familien mit geringeren Bildungschancen. Genau hier setzt das Programm „Sprachentdecker“ an.

Sprachförderung mitten im Alltag statt zusätzlicher Unterricht

Das Besondere an „Sprachentdecker“ ist sein alltagsintegrierter Ansatz. Anders als bei klassischen Förderstunden findet Sprachbildung nicht in gesonderten Kursen statt. Stattdessen lernen pädagogische Fachkräfte und Lehrkräfte, alltägliche Situationen gezielt für sprachliche Anregungen zu nutzen.

Ob beim gemeinsamen Frühstück, beim Anziehen in der Garderobe, beim Bilderbuchanschauen oder während eines Unterrichtsgesprächs – jede Situation kann genutzt werden, um Kinder zum Erzählen, Beschreiben, Fragenstellen und Nachdenken anzuregen. Sprache wird dadurch nicht als isoliertes Lernfach erlebt, sondern als natürlicher Bestandteil des täglichen Lebens.

Dieser Ansatz basiert auf der Erkenntnis, dass Kinder Sprache besonders erfolgreich erwerben, wenn sie in bedeutungsvolle Kommunikationssituationen eingebunden sind. Sie lernen neue Wörter, Satzstrukturen und Ausdrucksmöglichkeiten nicht nur durch Zuhören, sondern vor allem durch eigenes aktives Sprechen.

Von einem Frankfurter Modellprojekt zu einem hessenweiten Erfolgsmodell

Das Projekt wurde 2016 von der Pädagogin Diemut Kucharz an der Goethe-Universität Frankfurt gemeinsam mit der ODDO BHF Stiftung Frankfurt und dem Amt für multikulturelle Angelegenheiten entwickelt. Ziel war es von Anfang an, Kinder kontinuierlich von der Kita bis in die Grundschule sprachlich zu begleiten.

Begonnen hatte das Programm mit lediglich 14 Kita-Fachkräften und sechs Grundschullehrkräften aus neun Frankfurter Einrichtungen. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer erhielten eine einjährige Weiterbildung zu Themen wie Erst- und Zweitspracherwerb, Sprachfördertechniken, individueller Förderplanung und Elternarbeit in mehrsprachigen Lebenswelten. Ergänzend wurden sie durch Coaching direkt in ihrer praktischen Arbeit begleitet.

Der Erfolg ließ nicht lange auf sich warten. Untersuchungen und Befragungen zeigten, dass die pädagogischen Fachkräfte ihre Kompetenzen in der Sprachförderung deutlich verbessern konnten. Gleichzeitig sank der Anteil der Kinder mit Sprachförderbedarf im Deutschen innerhalb eines Jahres auf weniger als die Hälfte. Diese Ergebnisse führten dazu, dass die Förderung mehrfach verlängert und das Programm schrittweise ausgebaut wurde.

Zusammenarbeit von Kita und Grundschule ist entscheidend

Eine weitere Besonderheit von „Sprachentdecker“ liegt in der engen Zusammenarbeit zwischen Kindertagesstätten und Grundschulen. Beide Berufsgruppen nehmen gemeinsam an den Fortbildungen teil und entwickeln dadurch ein gemeinsames Verständnis von Sprachbildung.

Dieser Übergang von der Kita in die Schule gilt in der Bildungsforschung als besonders sensible Phase. Häufig gehen wichtige Informationen über die sprachliche Entwicklung eines Kindes verloren, wenn Einrichtungen zu wenig miteinander kooperieren. Durch die gemeinsame Qualifizierung entstehen dagegen Kontinuität und bessere Abstimmung. Kinder profitieren von ähnlichen sprachfördernden Strategien in beiden Bildungsbereichen.

Mehr als 3.000 Kinder haben bereits profitiert

Zwischen 2022 und 2025 wurde das Programm auf ganz Hessen ausgeweitet. Unterstützt wurde diese Entwicklung durch das Dezernat Bildung, Bauen und Immobilien der Stadt Frankfurt sowie die hessischen Ministerien für Kultus und Soziales. Inzwischen werden parallel mehrere Fortbildungsgruppen durchgeführt. Form und Inhalte werden dabei kontinuierlich weiterentwickelt und an neue wissenschaftliche Erkenntnisse angepasst.

Nach Angaben der Projektverantwortlichen wurden inzwischen deutlich mehr als 200 Pädagoginnen und Pädagogen fortgebildet und gecoacht. Rund 3.000 Kinder konnten von den verbesserten Sprachförderkompetenzen ihrer Bezugspersonen profitieren.

Multiplikatorinnen sollen das Wissen weitertragen

Damit das Konzept künftig noch mehr Einrichtungen erreicht, wurde zusätzlich eine Qualifizierung für Multiplikatorinnen eingerichtet. Diese Fachkräfte werden darauf vorbereitet, selbst Fortbildungen und Coachings durchzuführen.

Der erste Durchgang wurde bereits abgeschlossen. Sechs Multiplikatorinnen wurden ausgebildet und haben ihr Wissen inzwischen an 75 weitere pädagogische Fachkräfte weitergegeben. Für den nächsten Ausbildungsjahrgang werden bereits Bewerbungen angenommen.

Sprachbildung bleibt eine zentrale Zukunftsaufgabe

Die Verstetigung des Programms zeigt, wie groß der Bedarf an wirksamer Sprachförderung weiterhin ist. Fachleute sind sich einig, dass gute Sprachkompetenzen weit mehr bedeuten als die Fähigkeit, korrekt zu sprechen. Sprache ist der Schlüssel zum Lesen, Schreiben, Lernen und zur sozialen Teilhabe.

Programme wie „Sprachentdecker“ setzen deshalb nicht erst dann an, wenn Defizite sichtbar werden. Sie schaffen sprachfördernde Lernumgebungen für alle Kinder und unterstützen pädagogische Fachkräfte dabei, Sprache im Alltag bewusst und professionell zu begleiten.

Dass das hessische Modell nun dauerhaft gesichert wird, ist deshalb nicht nur ein Erfolg für die beteiligten Einrichtungen. Es ist zugleich ein wichtiges Signal für die frühe Bildung insgesamt: Sprachförderung wirkt besonders dann nachhaltig, wenn sie kontinuierlich, alltagsnah und über die Grenzen einzelner Bildungseinrichtungen hinweg gestaltet wird.

Quelle: Goethe-Universität Frankfurt, Pressemitteilung „Projekt Sprachentdecker wird nach zehn Jahren verstetigt“, 2026. Weitere Informationen:

https://www.fb04.uni-frankfurt.de/143908384/Sprachentdecker




Schlagfertig bleiben: Praktische Hilfe für schwierige Gespräche

Ein praxisnaher Ratgeber für den souveränen Umgang mit Angriffen, Arroganz und verbalen Grenzüberschreitungen

Wer kennt es nicht, dass man sich durch verbale Angriffe oder böswillige, unberechtigte Unterstellungen eines Gegenübers vollkommen überfahren fühlt, dass es einem die Sprache verschlägt und dass man dadurch in eine Defensive gerät, die ein lösungsorientiertes Gespräch verhindert.

Konstruktive Gespräche sind gerade bei schwierigen Gesprächspartner*innen häufig dann nicht möglich, wenn man selbst nicht das „verbale Handwerkszeug“ besitzt, um schwierige Gesprächssituationen zu meistern. Umso wichtiger ist es, Gesprächstechniken zu beherrschen, um nicht mit einem Gefühl der Demütigung oder vollkommenen Hilflosigkeit sprachlos zu sein oder, was ebenfalls nicht hilfreich ist, in einen Machtkampf einzusteigen.

Umso erfreulicher ist es, dass ein erfahrener Dozent und Trainer, Hans-Jürgen Kratz, ein Buch veröffentlicht hat, das durch und durch praktische Hinweise liefert, um sich beispielsweise auch gegen Menschen zur Wehr zu setzen, die ihre Überlegenheit zum Ausdruck bringen wollen, mit Arroganz oder persönlichen Angriffen, Alltagstheorien oder einer fachfremden Bauernschläue dafür sorgen wollen, als unbestrittene Sieger eine „Kampfarena“ zu beherrschen.

Inhalt

Das Buch setzt sich aus fünf Kapiteln zusammen. Im ersten Kapitel geht es um eine „Ursachenforschung“, ob gegebenenfalls eigene Verhaltens- und/oder bestimmte Gesprächsmerkmale ein Gespräch kontraproduktiv beeinflussen, verbunden mit sofortigen Hinweisen, welche konstruktiven Merkmale besser angebracht sind.

Im zweiten Kapitel dreht sich alles um die Frage, wie man nun auf unredliche Verhaltensweisen reagieren kann: vom Ignorieren, Nachgeben, Gegenhalten und Durchsetzen bis zum Kontern, um auf eine inhaltliche Ebene wieder zurückzufinden.

Das dritte Kapitel widmet sich der Schlagfertigkeit und geht der Frage nach, wie persönliche Angriffe abgewehrt, Scheinargumente entlarvt, Unredlichkeiten sowie Denkfehler aufgedeckt werden können. Hier werden 68 mögliche Verbalattacken benannt, bei denen zunächst die Frage geklärt wird, was dahinterstecken kann, um dann praktische Vorschläge als Reaktionsmöglichkeiten zu unterbreiten.

Im vierten Kapitel mit dem Schwerpunkt „Lassen Sie sich nichts gefallen“ folgen zwölf Vorschläge für eine mündliche Erwiderung, bevor im fünften, sehr kleinen Kapitel zwei Hinweise gegeben werden, was zu tun ist, wenn eine Situation vollkommen festgefahren ist.

Bewertung

Dieses reine praxisorientierte Buch umfasst außergewöhnlich viele Gesprächssituationen, die in einem Gespräch zu einer Eskalation führen können, wenn auf der einen Seite ein „Gesprächsführungs-Know-how“ nicht vorhanden ist oder auf der anderen Seite in problematischen Gesprächssituationen die persönliche Betroffenheit so groß ist, dass diese zu einer Denk- und Sprechblockade führt.

Die vorgestellten Antwortmöglichkeiten sind sehr vielfältig. So gibt es beispielsweise humorvolle, aber auch grenzsetzende, direkte und indirekte, inhaltlich-sachliche und auch emotional gesteuerte Reaktionsvorschläge.

Was der Inhalt des Buches auf jeden Fall in bester Weise schafft, ist die Möglichkeit für Leser*innen, sich mit „rhetorischen Rückmeldungen“ auseinanderzusetzen, diese kennenzulernen und dann zu prüfen, welche Reaktionsmöglichkeit wohl am besten für sich selbst und die vorhandene Situation geeignet scheint, die „Kuh vom Eis“ zu bringen.

Armin Krenz

Bibliographie

Kratz, Hans-Jürgen:
Lächeln, Nicken, Kontern. Lassen Sie sich von Angreifern, Großmäulern und Besserwissern nicht unterbuttern
Metropolitan – ein Imprint des Walhalla Fachverlags, 2019.
197 Seiten.
ISBN: 978-3-96186-028-9.
14,95 €

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