Gewalt und Verhaltensprobleme nehmen schon in Grundschulen zu

Deutsches Schulbarometer 2026 und Berliner Gewaltstudie zeigen wachsende Belastungen an Schulen

Gewalt, Konflikte, soziale Spannungen und herausforderndes Verhalten von Schülerinnen und Schülern gehören inzwischen zu den größten Herausforderungen im Bildungsbereich. Darauf weisen sowohl das Deutsche Schulbarometer 2026 der Robert Bosch Stiftung als auch das kürzlich vorgestellte Berliner Konflikt- und Gewaltbarometer hin. Obwohl beide Untersuchungen unterschiedliche Schwerpunkte setzen, zeichnen sie ein vergleichbares Bild: Viele Lehrkräfte erleben eine Zunahme von Konflikten und Verhaltensproblemen, die sich zunehmend auch bereits im Grundschulalter bemerkbar machen.

Besonders bemerkenswert ist, dass Berlin als erstes Bundesland eine eigene umfassende Untersuchung zu Gewalt, Konflikten, Diskriminierung und sozialem Konformitätsdruck an Schulen vorgelegt hat. Die vollständige wissenschaftliche Studie ist bislang allerdings noch nicht öffentlich zugänglich. Veröffentlicht wurden bisher zentrale Ergebnisse durch die Berliner Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie.

Problematisches Schülerverhalten wird zur größten Herausforderung

Im Deutschen Schulbarometer 2026 bezeichneten 46 Prozent der befragten Lehrkräfte problematisches Verhalten von Schülerinnen und Schülern als größte berufliche Herausforderung. Gegenüber dem Jahr 2024 entspricht dies einem deutlichen Anstieg. Damals lag dieser Wert noch bei 35 Prozent.

Jede vierte Lehrkraft sieht insbesondere das Sozialverhalten der Schülerinnen und Schüler als problematisch an. Darüber hinaus werden mangelnde Motivation, fehlender Lernwille sowie zunehmende psychische Belastungen von Kindern und Jugendlichen als wesentliche Herausforderungen genannt.

Trotz der hohen Belastungen zeigt die Untersuchung zugleich ein hohes Engagement der Lehrkräfte. Viele sehen einen erheblichen Fortbildungsbedarf, insbesondere im Umgang mit psychisch belasteten Schülerinnen und Schülern, bei Fragen der Inklusion sowie im Bereich Klassenführung und Verhaltensmanagement.

Berliner Gewaltstudie zeigt deutliche Problemlagen

Zu ähnlichen Ergebnissen kommt das Berliner Konflikt- und Gewaltbarometer. Für die Untersuchung wurden mehr als 14.000 Schülerinnen und Schüler sowie über 2.500 Lehrkräfte und pädagogische Mitarbeitende befragt.

Mehr als die Hälfte der befragten Lehrkräfte und pädagogischen Fachkräfte bewertet Gewalt und Konflikte an der eigenen Schule als großes oder sehr großes Problem. Fast zwei Drittel berichten von einer Zunahme von Gewalt seit der Corona-Pandemie. Rund 80 Prozent beobachten zudem, dass Konflikte heute schneller eskalieren als noch vor wenigen Jahren.

Berlins Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch bezeichnete die Ergebnisse als „deutliches Warnsignal“. Wenn fast zwei Drittel der Lehrkräfte eine Zunahme von Gewalt wahrnehmen und vier von fünf Befragten beobachten, dass Konflikte schneller eskalieren, dürfe dies nicht als normaler Schulalltag akzeptiert werden.

Besonders besorgniserregend sei, dass viele dieser Entwicklungen bereits an Grundschulen sichtbar würden.

Grundschulen rücken stärker in den Fokus

Während Gewaltprobleme in der öffentlichen Diskussion häufig mit Jugendlichen und weiterführenden Schulen in Verbindung gebracht werden, lenken beide Studien den Blick verstärkt auf jüngere Altersgruppen.

Die Berliner Untersuchung hebt ausdrücklich hervor, dass problematische Entwicklungen bereits im Grundschulbereich erkennbar sind. Konflikte, aggressive Verhaltensweisen und soziale Spannungen treten demnach nicht erst in der Sekundarstufe auf.

Auch die Ergebnisse des Deutschen Schulbarometers lassen erkennen, dass Schulen zunehmend mit sozialen und emotionalen Herausforderungen konfrontiert sind. Dabei geht es nicht allein um einzelne Gewaltvorfälle, sondern um grundlegende Veränderungen im sozialen Miteinander und im Umgang mit Konflikten.

Der Bildungsforscher Prof. Dr. Ullrich Bauer von der Universität Bielefeld verweist darauf, dass die Gewaltbelastung einzelner Schulen stark vom jeweiligen Umfeld und den Belastungsprofilen der Schülerinnen und Schüler abhängt. Schulklassen sind selten homogen. Entscheidend ist häufig, wie groß der Anteil derjenigen ist, die gewaltförmig agieren.

Konflikte verlagern sich zunehmend in digitale Räume

Ein weiterer Schwerpunkt der Berliner Studie betrifft digitale Konflikte. Nach Einschätzung der beteiligten Wissenschaftler werden Auseinandersetzungen heute häufig über Messenger-Dienste und soziale Netzwerke fortgeführt.

Der Wuppertaler Erziehungswissenschaftler Prof. Dr. Marc Grimm spricht von einem digitalen Raum, der Konflikte verlängert, die zuvor bereits in der Schule sichtbar geworden sind. Neben verbaler und sozialer Gewalt berichteten zahlreiche Schülerinnen und Schüler auch von körperlichen Gewalterfahrungen.

Die Digitalisierung verändert damit nicht nur das Lernen, sondern auch die Dynamik sozialer Konflikte. Streitigkeiten, die früher mit dem Unterrichtsende oft beendet waren, setzen sich heute vielfach außerhalb der Schule fort.

Soziale Kompetenzen gewinnen an Bedeutung

Vor diesem Hintergrund rücken soziale und personale Kompetenzen stärker in den Mittelpunkt schulischer Bildungsarbeit. Das Deutsche Schulbarometer zeigt, dass Lehrkräfte besonders häufig die Förderung von Empathie, Teamfähigkeit, Selbstständigkeit und Frustrationstoleranz als wichtige Aufgaben ansehen.

Rund drei Viertel der befragten Lehrkräfte geben an, mindestens eine dieser sogenannten überfachlichen Kompetenzen gezielt im Unterricht zu fördern. Gleichzeitig sehen viele Schulen noch Entwicklungsbedarf. Fast ein Drittel der Befragten bewertet die eigenen Kenntnisse zur Förderung solcher Kompetenzen als nicht ausreichend.

Konformitätsdruck als neues Thema

Über klassische Gewaltformen hinaus untersucht das Berliner Konflikt- und Gewaltbarometer erstmals auch sozialen und religiösen Konformitätsdruck. Viele Schülerinnen und Schüler berichten von Situationen, in denen sie Anpassungsdruck innerhalb ihrer sozialen Gruppen wahrnehmen.

Die Forscher sehen darin ein bislang wenig beachtetes Thema, das künftig stärker in den Fokus genommen werden sollte. Neben Gewalt und Mobbing geht es dabei auch um Fragen der Zugehörigkeit, Ausgrenzung und individuellen Freiheit innerhalb schulischer Gemeinschaften.

Hohe Belastung – dennoch große Berufszufriedenheit

Trotz der vielfältigen Herausforderungen zeichnet das Deutsche Schulbarometer kein ausschließlich negatives Bild. Die Mehrheit der Lehrkräfte ist weiterhin mit ihrer beruflichen Tätigkeit zufrieden. 83 Prozent geben an, insgesamt zufrieden mit ihrer Arbeit zu sein, und 89 Prozent arbeiten nach eigener Aussage gerne an ihrer Schule.

Gleichzeitig zeigen die Daten deutliche Belastungen. Mehr als ein Drittel der Lehrkräfte fühlt sich mehrmals pro Woche oder sogar täglich erschöpft. 28 Prozent würden den Beruf wechseln, wenn sich ihnen die Möglichkeit dazu bieten würde.

Die Studien machen deutlich, dass Schulen gegenwärtig vor komplexen gesellschaftlichen Herausforderungen stehen. Gewalt, Konflikte, psychische Belastungen und soziale Spannungen spiegeln Entwicklungen wider, die weit über das Bildungssystem hinausreichen. Gleichzeitig zeigen die Ergebnisse, dass Schulen zunehmend zu Orten werden, an denen gesellschaftliche Veränderungen besonders früh sichtbar werden.

Hinweis der Redaktion: Die vollständige wissenschaftliche Fassung des Berliner Konflikt- und Gewaltbarometers war zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Beitrags noch nicht öffentlich zugänglich. Grundlage der Berichterstattung sind die von der Berliner Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie veröffentlichten Ergebnisse vom 22. Juni 2026 sowie die veröffentlichten Ergebnisse des Deutschen Schulbarometers 2026 der Robert Bosch Stiftung.




Entwicklungsstände bei Kita-Kindern früh erkennen und gezielt fördern

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Neue Orientierungshilfe für Kitas und Träger

Die Beobachtung und Dokumentation der kindlichen Entwicklung gehört seit vielen Jahren zu den zentralen Aufgaben pädagogischer Fachkräfte. Vor dem Hintergrund geplanter bundesweiter Sprach- und Entwicklungsstandserhebungen gewinnt die Auswahl geeigneter Instrumente zunehmend an Bedeutung. Die Ständige Wissenschaftliche Kommission (SWK) hatte zuletzt darauf hingewiesen, dass zahlreiche der derzeit eingesetzten Verfahren qualitative Schwächen aufweisen oder nur eingeschränkt aussagekräftig sind.

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Um Kitas und Träger bei der Auswahl geeigneter Instrumente zu unterstützen, hat die pädquis Stiftung im Auftrag der Stiftung Kinder forschen die Expertise „Früh erkennen, gezielt fördern: Verfahren zur Entwicklungs- und Kompetenzfeststellung bei Kindern“ erstellt. Die Untersuchung bietet einen fundierten Überblick über wissenschaftlich geprüfte und praxisnahe Verfahren zur Erfassung kindlicher Entwicklungsstände.

Warum die Wahl des richtigen Verfahrens entscheidend ist

Pädagogische Fachkräfte begleiten Kinder täglich in ihrer sprachlichen, kognitiven, sozial-emotionalen und motorischen Entwicklung. Dabei dokumentieren sie Stärken, Lernfortschritte und mögliche Unterstützungsbedarfe mithilfe von Beobachtungsbögen oder digitalen Anwendungen.

Die Analyse zeigt jedoch deutliche Unterschiede zwischen den verfügbaren Instrumenten. Viele Verfahren erfassen lediglich einzelne Entwicklungsbereiche, während andere als veraltet gelten oder sich im pädagogischen Alltag nur schwer umsetzen lassen. Zudem fehlt bei manchen Angeboten eine ausreichende wissenschaftliche Grundlage.

Ganzheitliche Verfahren mit praktischem Nutzen

Im Mittelpunkt der Expertise stehen Verfahren, die die Entwicklung von Kindern umfassend erfassen. Berücksichtigt werden unter anderem die Bereiche Sprache, Kognition, Motorik, Mathematik sowie Selbstregulation.

Die untersuchten Instrumente wurden hinsichtlich ihrer wissenschaftlichen Qualität, ihrer Praxistauglichkeit und ihres Nutzens für die pädagogische Arbeit bewertet. Besonders wichtig war dabei die Frage, ob die Verfahren konkrete Hinweise für die individuelle Förderung von Kindern liefern.

„Bei der großen Menge an unterschiedlichen Verfahren kann die Auswahl schnell überfordern“, sagt Dr. Tobias Ernst, Vorstand der Stiftung Kinder forschen. „Viele sind sehr teuer und kompliziert in der Handhabung. Das nützt weder dem Träger noch den Fachkräften. Die Studie hat Verfahren identifiziert, die Erzieherinnen und Erziehern direkte Förderempfehlungen geben und somit einen echten pädagogischen Mehrwert liefern. Damit lässt sich gute Bildungsarbeit verlässlich steuern.“

Mehr Bildungsgerechtigkeit durch frühzeitige Förderung

Nach Einschätzung der Stiftung Kinder forschen kann der flächendeckende Einsatz wissenschaftlich fundierter Verfahren einen wichtigen Beitrag zur Verbesserung der Bildungsgerechtigkeit leisten. Entwicklungsbedarfe könnten deutlich früher erkannt und individuelle Fördermaßnahmen gezielter umgesetzt werden.

„Wenn Kinder bei der Einschulung weder ausreichend sprechen noch gut einen Stift halten können, unruhig sind oder einfaches Zählen nicht beherrschen, dann wurden bei der Frühförderung wichtige Chancen vertan“, ergänzt Ernst. „Dabei könnten wir mit den richtigen Instrumenten und entsprechender Qualifizierung pädagogischer Fachkräfte frühzeitig Bedarfe in der kindlichen Sprach- und Kompetenzentwicklung aufdecken und diese gezielt und individuell fördern.“

Diese Verfahren erzielten die besten Bewertungen

Für die Expertise wurden insgesamt 25 Verfahren untersucht. Mehrere Instrumente konnten dabei mit sehr guten Ergebnissen überzeugen. Besonders positiv wurden die Verfahren MONDEY und Vineland-3 bewertet.

Katharina Kluczniok, Professorin für Frühkindliche Bildung und Erziehung sowie Co-Autorin der Expertise, erklärt: „Die am besten bewerteten Verfahren überzeugen besonders durch die Kombination aus wissenschaftlicher Qualität, breiter Erfassung kindlicher Entwicklung und guter Praxistauglichkeit.“

Darüber hinaus sehen die Autorinnen und Autoren auch bei anderen Verfahren großes Potenzial. Da die Instrumente unterschiedliche Schwerpunkte setzen, können sie je nach Zielsetzung sinnvoll miteinander kombiniert werden.

Kluczniok betont: „Wie geeignet ein Verfahren ist, hängt jedoch letztlich auch vom jeweiligen Einsatzbereich und den Anforderungen in der Praxis ab.“

Wissenschaftlich fundierte Diagnostik als Grundlage erfolgreicher Förderung

Für die Stiftung Kinder forschen steht fest, dass die Erhebung von Entwicklungsständen eine zentrale Voraussetzung für eine erfolgreiche Bildungsarbeit ist. Entscheidend sei dabei die Nutzung wissenschaftlich fundierter Instrumente, die verlässliche Ergebnisse liefern und Fachkräften konkrete Handlungsmöglichkeiten eröffnen.

„Wichtig ist, dass der Entwicklungsstand überhaupt erhoben wird – mit einem wissenschaftlich fundierten Instrument, das verlässliche Daten liefert, auf deren Basis eine Fachkraft das Kind gut fördern kann“, so Ernst. Damit greift er eine zentrale Empfehlung des SWK-Gutachtens auf.

Über die pädquis Stiftung

Die pädquis Stiftung ist ein unabhängiges und gemeinnütziges Institut, das seit mehr als 25 Jahren zur Weiterentwicklung der pädagogischen Qualität in frühkindlichen Bildungseinrichtungen beiträgt. Durch Evaluationen in Kitas und Krippen liefert die Stiftung datenbasierte Erkenntnisse für Kitaleitungen, Träger, Kommunen sowie Landes- und Bundesministerien. Ziel ist die kontinuierliche Verbesserung der pädagogischen Praxis. Prof. Dr. Katharina Kluczniok ist Vorstandsvorsitzende der pädquis Stiftung und Professorin für Frühkindliche Bildung und Erziehung an der Freien Universität Berlin.

Über die Stiftung Kinder forschen

Die Stiftung Kinder forschen engagiert sich bundesweit für hochwertige frühe Bildung in den Bereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik (MINT). Ziel ist es, Kinder frühzeitig für Zukunftsthemen zu begeistern und sie zu nachhaltigem Handeln zu befähigen.

Quelle: Pressemitteilung Stiftung Kinder forschen




Sicherer Schulweg: Warum Schulwegtraining so wichtig ist

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Selbstständigkeit stärkt die Sicherheit im Straßenverkehr

Mit Beginn des neuen Schuljahres machen sich bundesweit rund 800.000 Kinder erstmals auf den Weg zur Schule. Damit dieser neue Lebensabschnitt sicher gelingt, empfiehlt die Deutsche Verkehrswacht (DVW), Kinder den Schulweg möglichst eigenständig oder gemeinsam mit Freunden bewältigen zu lassen. Dadurch entwickeln sie wichtige Fähigkeiten für die sichere Teilnahme am Straßenverkehr, gewinnen an Selbstvertrauen und starten durch die zusätzliche Bewegung aktiver in den Unterricht.

Eine wichtige Voraussetzung dafür ist ein frühzeitiges und regelmäßiges Schulwegtraining mit den Eltern. Idealerweise beginnt dieses bereits vor den Sommerferien. So können Kinder den Weg unter realistischen Bedingungen kennenlernen und sich schrittweise an typische Verkehrssituationen gewöhnen. Das häufig genutzte Elterntaxi bis direkt vor das Schultor bietet dagegen nur scheinbar mehr Sicherheit. Tatsächlich kann es die Entwicklung eigenständiger Verkehrskompetenz erschweren und das Verkehrsaufkommen rund um Schulen zusätzlich erhöhen.

Kirsten Lühmann, Präsidentin der Deutschen Verkehrswacht: „Mit der Einschulung ergibt sich eine gute Gelegenheit, unsere Kinder ein Stück mobile Selbstständigkeit erfahren zu lassen. Als Eltern müssen wir das aber gut vorbereiten und uns Zeit nehmen für die Verkehrserziehung. Das bedeutet auch, die Kleinen eben nicht mit dem Auto bis ins Klassenzimmer zu fahren. Nur wer sich viel bewegt, lernt sichere Bewegungen! Wer die Verkehrswelt dagegen passiv vom Rücksitz aus erfährt, lernt nichts für den mobilen Alltag.“

Schulwegtraining Schritt für Schritt vorbereiten

Viele Schulen stellen spezielle Schulwegpläne zur Verfügung. Diese zeigen Strecken, die möglichst wenige Gefahrenstellen enthalten. Dabei gilt: Der kürzeste Weg ist nicht automatisch die sicherste Route.

Eltern sollten den ausgewählten Schulweg gemeinsam mit ihrem Kind mehrfach ablaufen. Jede Straßenüberquerung, jede Abbiegung und potenzielle Gefahrenpunkte wie Baustellen, unübersichtliche Kreuzungen oder parkende Fahrzeuge sollten dabei ausführlich besprochen werden. Ebenso wichtig ist es, den Rückweg regelmäßig zu trainieren.

Gerade Schulanfänger können neue Situationen noch nicht immer richtig einschätzen oder bereits Erlerntes auf andere Verkehrssituationen übertragen. Deshalb hilft das wiederholte Üben dabei, wichtige Abläufe zu verinnerlichen und Gefahren frühzeitig zu erkennen.

Kinder schrittweise an mehr Verantwortung heranführen

Sobald das Kind den Schulweg sicherer beherrscht, können Eltern die Verantwortung nach und nach übertragen. Statt den Weg aktiv vorzugeben, sollte das Kind die Führung übernehmen. Erwachsene greifen dann nur noch korrigierend ein, wenn Fehler auftreten oder Unsicherheiten sichtbar werden.

Besonders wichtig ist es, die Strecke zu den gleichen Zeiten zu üben, zu denen das Kind später tatsächlich unterwegs sein wird. So lernt es die typischen Verkehrsbedingungen am Morgen oder Mittag kennen. Regelmäßige Wiederholungen sorgen dafür, dass sich das Verhalten festigt und mehr Sicherheit entsteht.

Wenn Kinder den Schulweg schließlich souverän bewältigen, können Eltern ihnen Schritt für Schritt mehr Eigenständigkeit zutrauen und sie alleine gehen lassen.

Schulwegsicherheit bleibt ein wichtiges Thema

Zahlreiche Verkehrswachten engagieren sich seit Jahren aktiv für mehr Sicherheit auf dem Schulweg. Sie unterstützen Eltern und Lehrkräfte bei der Verkehrserziehung und vermitteln Kindern wichtige Grundlagen für eine selbstständige und sichere Mobilität.

Aus diesem Grund hat die Deutsche Verkehrswacht den sicheren Schulweg zum Jahresthema 2026 erklärt. Im Rahmen einer Fachtagung am 19. Juni 2026 im Neckarforum Esslingen werden aktuelle Herausforderungen und erfolgreiche Lösungsansätze diskutiert.

Unter dem Motto „Sicher zur Schule – Gemeinsam Verantwortung tragen“ tauschen sich Fachleute aus Wissenschaft und Praxis über wirksame Maßnahmen aus, die Schülerinnen und Schüler auf ihrem täglichen Schulweg besser schützen und ihre sichere Verkehrsteilnahme fördern sollen.

Schulwegtraining der VMS Verkehrswacht Medien & Service GmbH

Quelle: Pressemitteilung Deutsche Verkehrswacht (DVW)




Alltagsintegrierte Sprachbildung beginnt mit Beziehung

Prof. Dr. Armin Krenz zeigte auf der Klax Konferenz 2026, warum Sprachentwicklung vor allem in vertrauensvollen Beziehungen, bedeutsamen Alltagssituationen und wertschätzenden Dialogen gelingt

„Bildung braucht Bindung“ – kaum ein Satz fasst die Grundlagen erfolgreicher Sprachbildung so treffend zusammen wie dieser. Kinder lernen sprechen, weil sie Beziehungen gestalten, sich selbst, ihre eigenen Ausdrucksmöglichkeiten sowie ihre Umwelt entdecken und sich verstanden fühlen wollen. Dass Sprachentwicklung deshalb vor allem im Alltag und nicht in isolierten Förderprogrammen gelingt, verdeutlichte Prof. h.c. Dr. h.c. Armin Krenz auf der Klax Konferenz 2026 in Berlin. Sein Vortrag traf einen Nerv bei den zahlreichen pädagogischen Fachkräften und regte zu intensiven Diskussionen über die Zukunft frühkindlicher Bildung an.

Trotz hochsommerlicher Temperaturen in den Veranstaltungsräumen blieb die Aufmerksamkeit der Zuhörerinnen und Zuhörer während der beiden Vortragseinheiten ungebrochen. Die überwiegend aus Kindertageseinrichtungen, Krippen und anderen pädagogischen Einrichtungen stammenden Fachkräfte verfolgten die Ausführungen mit großer Konzentration. Viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer äußerten sich im Anschluss begeistert über die fachliche Tiefe, die Praxisnähe und die klare Haltung des Referenten.

Sprache entsteht nicht durch Programme, sondern durch sicher erlebte Beziehungen

Im Mittelpunkt des Vortrags stand eine zentrale Botschaft: Sprachbildung ist kein isolierter Förderbereich, sondern Teil einer ganzheitlichen Entwicklung des Kindes. Sprache, Bindung und nachhaltige Bildungsprozesse bilden ein untrennbares Wirkungsgefüge bei der Sprachbildung, so wie es immer wieder vielfältige wissenschaftliche Untersuchungen zeigen. Armin Krenz zitierte dabei stets entsprechende Wissenschaftler*innen und benannte die Untersuchungen, so dass interessierte Teilnehmer*innen die Quellenangaben aufrufen können. Auch wenn in der Auseinandersetzung >alltagsintegrierte Sprachbildung versus additive Sprachförderung< unterschiedliche Aussagen vorgebracht werden, geht es Armin Krenz um fundierte Belege, die für eine alltagsintegrierte Sprachbildung sprechen und nicht um persönlich geprägte Meinungsaussagen, die einer additiven Sprachförderung den Vorzug geben sollen. Sprache eröffnet Kindern Zugänge zu sich selbst, zu anderen Menschen und zur Welt. Gleichzeitig kann Sprache vielfältige Entwicklungsfelder im Kind fördern – oder auch behindern, wenn das Kind mit entwicklungshinderlichen Sprachäußerungen konfrontiert wird.
Krenz stellte die Bedeutung einer alltagsintegrierten Sprachbildung heraus. Sprachliche Entwicklung vollzieht sich demnach nicht in künstlich geschaffenen Förderstunden, sondern in alltäglichen Interaktions- und Kommunikationssituationen. Kinder lernen Sprache dort besonders nachhaltig, wo sie sich angenommen fühlen, eigenen Interessen nachgehen können und erleben, dass ihre Worte Wirkung entfalten.

„Sprache will erlebt werden“, lautete eine der zentralen Aussagen seines Vortrags. Sprachbildung entstehe in interessanten Interaktionen, in wertschätzenden Dialogen und in Situationen, die für Kinder bedeutsam seien. Additive Sprachförderprogramme könnten diese Voraussetzungen nur sehr begrenzt erfüllen.

Bildung braucht Bindung

Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der engen Verbindung zwischen Sprachentwicklung und Bindungserfahrungen. Krenz knüpfte dabei an entwicklungspsychologische Erkenntnisse an und machte deutlich, dass Kinder zunächst ein sicheres Verhältnis zu sich selbst und ihren Bezugspersonen entwickeln müssen, bevor sie die Welt neugierig erkunden können.

Sichere Beziehungen schaffen die Grundlage für Exploration, Lernfreude und sprachliche Ausdrucksfähigkeit. Kinder, die sich emotional angenommen und wertgeschätzt fühlen, entwickeln leichter Selbstvertrauen, Selbstwirksamkeit und die Bereitschaft, sich auf neue Erfahrungen einzulassen. Sprachbildung geschieht deshalb vor allem durch Beziehungserfahrungen, durch Sprechfreude und durch eine wertschätzende Dialogkultur.

Besonders eindrücklich schilderte Krenz die Bedeutung der pädagogischen Fachkraft als „Faktor Nummer 1“ für gelingende Bildungsprozesse. Internationale Studien belegten, dass die Qualität der Erwachsenen-Kind-Interaktion einen entscheidenden Einfluss auf die sprachliche, soziale und kognitive Entwicklung von Kindern habe.

Kritik an einer zunehmend verschulten Frühpädagogik

Mit deutlichen Worten setzte sich der Referent auch kritisch mit aktuellen Entwicklungen in der Elementarpädagogik auseinander. Er warnte vor einer ständig zunehmenden Instrumentalisierung von Bildung und vor der Tendenz, frühkindliche Bildungsprozesse an schulischen, funktionsdefinierten Logiken, die einer Erwachsenensicht entspringen, auszurichten.

Kinder seien weder Förderobjekte noch „unfertige Erwachsene“, sondern eigenständige Persönlichkeiten mit individuellen Entwicklungswegen. Bildung dürfe deshalb nicht auf Programme, Lernziele und standardisierte Förderangebote reduziert werden. Vielmehr brauche es Zeit, Beziehung, Alltagserfahrungen und die Möglichkeit zur selbstbestimmten Auseinandersetzung mit der Welt.

Dabei griff Krenz unter anderem Gedanken von Gerd E. Schäfer, Alice Miller, Rebeca Wild und Carl Gustav Jung auf und plädierte für eine Rückbesinnung auf die Eigenständigkeit der Elementarpädagogik.

Die Welt durch Sprache entdecken

Immer wieder führte der Vortrag zurück zur Frage, welche Bedeutung Sprache für die Entwicklung eines Kindes besitzt. Sprache eröffnet den Zugang zu den eigenen Gefühlen, Bedürfnissen und Ressourcen ebenso wie zur sozialen und kulturellen Umwelt.

Kinder benötigen deshalb sprachunterstützende, wahrnehmungsoffene, mitfühlende und aufmerksam beobachtende Begleiterinnen und Begleiter. Sprachbildung gelingt dort, wo Kinder ernst genommen werden, ihre Gedanken Gehör finden und Dialoge auf Augenhöhe entstehen. Sprachbildung unterstützt, sofern diese Merkmale von Kindern erlebt werden, damit die >Selbstbildung< des Kindes im Unterschied zu einer additiven Sprachförderung, durch die sich das Kind eher als ein ‚Reakteur‘ versteht und sich weniger als ‚Akteur‘ seiner eigenen Entwicklung erleben kann.

Besonders die Verbindung von Sprachbildung, Selbstwertentwicklung, Resilienz und sozialem Lernen zog sich als roter Faden durch den Vortrag. Sprache wurde dabei nicht als Technik verstanden, sondern als grundlegendes Medium menschlicher Beziehung und Persönlichkeitsentwicklung.

Große Resonanz und intensive Diskussionen

Die Resonanz auf den Vortrag war ausgesprochen positiv. Viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer nutzten die Gelegenheit für Gespräche, Rückfragen und den fachlichen Austausch. Besonders die Verbindung wissenschaftlicher Erkenntnisse mit langjährigen Praxiserfahrungen wurde von den Zuhörenden hervorgehoben.

Die Klax Konferenz 2026 hatte sich zum Ziel gesetzt, Bildung neu zu denken und wissenschaftliche Impulse mit pädagogischer Praxis zu verbinden. Mit seinem Vortrag traf Armin Krenz genau den Nerv vieler Fachkräfte, die nach Orientierung in einer zunehmend komplexen Bildungslandschaft suchen. Die Themen Sprachbildung, Beziehungsgestaltung und kindorientierte Pädagogik erwiesen sich dabei als hochaktuell und praxisrelevant.

Die Präsentation zum Vortrag

Da zahlreiche Teilnehmerinnen und Teilnehmer den Wunsch geäußert haben, die Inhalte des Vortrags noch einmal nachlesen und für die eigene pädagogische Praxis nutzen zu können, stellen wir die Präsentation von Prof. h.c. Dr. h.c. Armin Krenz im Anschluss an diesen Bericht als Download zur Verfügung. Sie enthält die zentralen Gedanken, Impulse und Literaturhinweise des Vortrags und bietet zahlreiche Anregungen für die alltagsintegrierte Sprachbildung in Krippe, Kita und Kindertagespflege.




Hitze-Ratgeber in Leichter Sprache: Verständliche Hilfe für heiße Tage

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Umweltbundesamt erweitert sein Angebot zum Hitzeschutz

Mit einem neuen Hitze-Ratgeber in Leichter Sprache baut das Umweltbundesamt (UBA) sein Informationsangebot zum Schutz der Bevölkerung vor hohen Temperaturen weiter aus. Ziel ist es, möglichst vielen Menschen leicht verständliche und praktische Hinweise an die Hand zu geben, damit sie gesundheitliche Risiken während heißer Tage besser vermeiden können.

Warum Hitzeschutz immer wichtiger wird

Die Auswirkungen des Klimawandels machen sich auch in Deutschland zunehmend bemerkbar. Längere Hitzeperioden und immer mehr heiße Tage stellen eine wachsende Belastung für die Gesundheit dar. Besonders gefährdet sind ältere Menschen, Kinder, Schwangere sowie Personen mit chronischen Erkrankungen. Um über mögliche Gefahren aufzuklären und wirksame Schutzmaßnahmen aufzuzeigen, wurde der bereits bekannte „Hitzeknigge“ entwickelt.

Der Ratgeber vermittelt alltagsnahe Empfehlungen, die sich einfach umsetzen lassen. Dazu gehören Hinweise zur ausreichenden Flüssigkeitsaufnahme, zum richtigen Lüften von Wohnräumen, zu einer angepassten Ernährung sowie zum Verhalten bei starker Sonneneinstrahlung. Die Informationen helfen dabei, die Belastung durch hohe Temperaturen zu reduzieren und gesundheitliche Beschwerden vorzubeugen.

Leichte Sprache schafft bessere Zugänglichkeit

Mit der neuen Ausgabe in Leichter Sprache werden die Inhalte nun für noch mehr Menschen zugänglich. Kurze Sätze, verständliche Begriffe und eine übersichtliche Struktur erleichtern das Lesen und Verstehen der Informationen. Davon profitieren insbesondere Menschen mit Lernschwierigkeiten, Personen mit eingeschränkten Deutschkenntnissen sowie alle, die komplexe Texte vermeiden möchten.

Unterstützung für Kommunen und soziale Einrichtungen

Der Hitze-Ratgeber richtet sich nicht nur an Privatpersonen. Auch Städte, Gemeinden, Vereine und soziale Einrichtungen können die Broschüre nutzen, um über die gesundheitlichen Folgen von Hitze aufzuklären. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, die Inhalte um lokale Informationen zu ergänzen und an regionale Bedürfnisse anzupassen.

Kostenloser Download verfügbar

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Die neue Ausgabe des Hitze-Ratgebers in Leichter Sprache steht ab sofort kostenlos auf der Internetseite des Umweltbundesamtes zum Download bereit.

Damit erhalten Bürgerinnen und Bürger sowie Institutionen eine leicht verständliche Unterstützung, um sich besser auf zunehmende Hitzebelastungen vorzubereiten.

Quelle: Pressemitteilung Umweltbundesamt

Hitzeschutz für Kinder: So bleiben Kinder bei Sommerhitze gesund – SPIELEN UND LERNEN




Gesprächsführung mit Kindern und Jugendlichen professionell gestalten

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Eine differenzierte Betrachtung eines Handbuchs für Fachkräfte in Beratung, Therapie und Pädagogik

Sprache ist ein zentraler Bereich der Pädagogik, der eine unermesslich große Bedeutung für eine nachhaltige Persönlichkeitsentwicklung des Kindes hat. So besitzt die Sprache die Kraft, die Gesamtentwicklung des Kindes aktiv zu unterstützen, oder sie kann auch dazu beitragen, die kindliche Entwicklung zu hemmen bzw. in Einzelbereichen vollkommen zu bremsen. Daher kommt der Sprachgestaltung durch Erwachsene im Hinblick auf die Persönlichkeitsentwicklung des Kindes ein Bedeutungswert zu, dem sich Erwachsene – pädagogische Fachkräfte ebenso wie Eltern – von Zeit zu Zeit selbstreflektorisch zuwenden sollten.

„Gesprächsführung“ oder besser „Kinder wahrnehmen, auf Kinder hören, mit Kindern sprechen“ ist ein alltägliches Sprachhandeln. Dabei kommen immer wieder Gesprächsmuster von Erwachsenen zum Vorschein, die wenig bzw. gar nicht geeignet sind, die Sprach-, Explorations- und Entwicklungsfreude von Kindern zu aktivieren, zu unterstützen und letztlich zu stabilisieren.

Inhalt

In diesem vorliegenden Buch haben sich nun die beiden Autoren Dr. Gauck und Dr. Kahl mit den Merkmalen von professionell geführten bzw. zu führenden Gesprächen mit Kindern sowie Jugendlichen in fünf Kapiteln auseinandergesetzt.

Zunächst gehen sie der Frage nach, worauf zu achten ist, um professionell einen Kontakt aufzubauen und aufrechtzuerhalten. Im Folgekapitel stellen sie unterschiedliche Methoden für wirksame Gespräche vor – vom Fragen, einem aktiven Zuhören, dem Reframing, der Nutzung von Metaphern über Rollenspiele, Aufstellungen bis hin zum Einsatz von Medien, wobei sich letztere Methoden eher für Jugendliche eignen.

Im dritten Kapitel dreht sich alles um die Berücksichtigung individueller Lebenswelten (z. B. um den Entwicklungsstand, den kulturellen Hintergrund, die Sprache, auffälliges Verhalten). Im vierten Kapitel mit dem Schwerpunkt „Ich selbst im Gespräch“ sind Leser*innen aufgefordert, sich selbst als gesprächsführende Person wie in einem Spiegelbild zu betrachten und den Fragen nachzugehen, in welcher aktuellen Situation man sich befindet und was das für einen Gesprächsverlauf bedeutet, was die eigene Biografie mit der jeweils spezifischen Gesprächshaltung und den Gesprächsstrategien zu tun hat und welche Auswirkungen eigene Gefühle auf die Gesprächsführung mit dem Kind bzw. dem Jugendlichen haben.

Das fünfte Kapitel mit dem Schwerpunkt „Besondere Gesprächskontexte“ wendet sich möglichen Testungen und Ergebnisgesprächen, Familiengesprächen, einer möglichen Krisenintervention und Gruppenangeboten zu.

Dabei kann jedes der fünf Kapitel – je nach Bedarf und Interesse – einzeln ausgewählt und gelesen werden, weil es eine weitestgehend in sich geschlossene Einheit bildet und Leserinnen nicht zwingend die anderen Kapitel lesen müssen. Die Aufbaustruktur der einzelnen Kapitel ist dabei gleich: Zunächst wird ein sogenanntes „Fallbeispiel“ vorgestellt, dann folgen theoretische Hintergrundinformationen, anschließend werden mögliche Gesprächsstrategien und Beispielfragen aufgeführt und zum Schluss erhalten Leserinnen einige (wenige) Fragenimpulse bezüglich des eigenen Arbeitsalltags.

Fazit

Dieses Buch bedarf einer deutlich differenzierten Betrachtung!

So erhalten in erster Linie Kinder- und Jugendpsychologinnen, Fachkräfte im Feld der Psychotherapie sowie in der Kinder- und Jugendpsychiatrie ebenso wie schulpsychologisch tätige Beraterinnen bedeutsame Informationen für eine zielorientierte Gesprächsführung mit Kindern und Jugendlichen, denn das Buch informiert sowohl mit fundierten theoretischen Hintergrundinformationen als auch mit zieldefinierten Gesprächsstrategien.

Gleichzeitig haben die beiden Autoren den Anspruch, Beziehungen durch eine ressourcenorientierte Gesprächsführung zu stärken, sodass sich Kinder und Jugendliche in ihren besonderen Lebenssituationen verstanden fühlen und durch die eingesetzten Gespräche in entwicklungsförderliche Prozesse hineinfinden können. Ebenso wird die Absicht benannt, dass eine Gesprächsführung mit Kindern und Jugendlichen nicht als bloße Technik verstanden werden darf, um Gespräche nicht zu funktionsorientierten Lenkungsmanövern verkümmern zu lassen.

Besonders erfreulich ist das Kapitel 4 („Ich selbst im Gespräch“), das dazu anregt, sich selbst mit unterschiedlichen Fragen zur jeweils aktuellen Arbeitssituation zu reflektieren, das eigene Verhalten in Beziehung zur eigenen Biografie zu betrachten und sich mit den eigenen Emotionen auseinanderzusetzen.

Gleichzeitig darf bzw. muss allerdings auch die Frage gestellt werden, ob die verwissenschaftlichte, überwiegend sehr funktionsorientierte Sprache – vor allem in den Kapiteln 1 bis 3 – nicht dazu beiträgt, eine Gesprächsführung – auch und gerade bei emotionalen Prozessen – primär kognitiv zu steuern, was dem oben genannten Ziel widersprechen würde.

Zum anderen weckt der Untertitel des Buches („Ein praxisorientiertes Handbuch“) die berechtigte Erwartung, dass in dieser Publikation auch immer wieder ausführliche, prozessorientiert geführte Gesprächsverläufe als nachvollziehbare Beispiele dokumentiert sind, was allerdings eine unerfüllte Erwartung bleibt.

Und auch für die Gesprächsführung – gerade mit Kindern – wäre es weiterhin sehr hilfreich gewesen, ausführlich auf den Aspekt „Adultismus“ einzugehen sowie das „Vier-Seiten-Modell der Kommunikation“ und im Kapitel 4 das Modell „Inneres Team“ anhand von Beispielen zu verdeutlichen.

Gerade pädagogische Fachkräfte im Elementar- und Primarbereich könnten aus beispielhaft dargestellten Gesprächsverläufen von Gesprächen mit Kindern Parallelen zu ihrem eigenen Gesprächsverhalten ziehen, am „Vier-Seiten-Modell der Kommunikation“ die dabei unterschiedlich wirksamen Feinheiten eigener Sprachformulierungen besonders deutlich erkennen und beim Modell „Inneres Team“ die unterschiedlichen inneren Perspektiven beleuchten und in Einklang bringen.

Vergleiche mit anderen Publikationen, die sich mit dem Schwerpunkt „Gespräche mit Kindern führen“ beschäftigen, sind deutlich bodenständiger und praxisorientierter gehalten (z. B. Martine F. Delfos: „Sag mir mal … Gesprächsführung mit Kindern“, Beltz, 10. Aufl.; Martine F. Delfos: „Wie meinst du das? Gesprächsführung mit Jugendlichen“, Beltz, 7. Aufl.; Hilal Virit: „Miteinander sprechen – miteinander wachsen“, Humboldt; Belanna Media: „Kommunikation für Erzieher. Gelungene Gespräche mit Kindern, Eltern und Kollegen“, epubli, 3. Aufl.; Angelika Sommer: „Zuhören, Sprechen, Stärken. Familienkommunikation von Klein bis Groß“, Kindle-Ausgabe).

Zusammenfassung auf den Punkt gebracht

Fachkräfte, die sowohl unter einem wissenschaftlich fundierten Blickwinkel am Thema „Gesprächsführung mit Kindern und Jugendlichen“ interessiert sind als auch auf der Suche nach professionell-informativen, kognitiv orientierten Gesprächsführungsimpulsen bzw. -hinweisen, werden reichhaltig fündig werden. Elementarpädagogische Fachkräfte, die vor allem auf basal- und bodenständig ausgerichtete Praxisbeispiele Wert legen, werden sich eher mit ihren Erwartungen in den oben genannten Buchhinweisen wiederfinden.

(Armin Krenz)

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Bibliografische Angaben

Gauck, Letizia / Kahl, Tobias:
Gesprächsführung mit Kindern und Jugendlichen.
Ein praxisorientiertes Handbuch
Hogrefe Verlag, Bern, 2026
240 Seiten
35,00 €
ISBN: 978-3-456-86403-7
(auch als eBook erhältlich: ISBN: 978-3-456-86403-7)




Warum frühkindliche Bildung neu gedacht werden muss

Armin Krenz fordert eine Pädagogik, die Kinder in ihrer Entwicklung stärkt

Was brauchen Kinder, um sich gesund zu entwickeln? Diese Frage stellt der Sozialpädagoge, Kindheitsforscher und Elementarpädagoge Prof. Armin Krenz in einem Vortrag bei der Rosa-Luxemburg-Stiftung in den Mittelpunkt. Dabei richtet er den Blick auf eine Entwicklung, die er seit Jahren kritisch begleitet: Frühkindliche Bildung werde zunehmend auf Lernprogramme, Kompetenzen und schulische Vorbereitung reduziert, während grundlegende Entwicklungsbedürfnisse von Kindern aus dem Blick gerieten.

Erziehung, Bildung und Betreuung gleichermaßen

Krenz erinnert daran, dass Kindertageseinrichtungen weit mehr leisten sollen als Wissensvermittlung. Ihr gesetzlicher Auftrag umfasst Erziehung, Bildung und Betreuung gleichermaßen. Ziel ist die Unterstützung von Kindern auf ihrem Weg zu eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeiten. Nach seiner Auffassung wird dieser Anspruch jedoch häufig durch ein verkürztes Bildungsverständnis erschwert.


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SPIEL und SELBSTBILDUNG
Kitas brauchen eine pädagogische Revolution
Autor: Krenz, Armin
Verlag: ObersteBrink
ISBN 9783963046162
22,00 €


Konsequent an den Entwicklungsbedürfnissen von Kindern orientieren

Im Vortrag wirbt Krenz für eine Pädagogik, die sich konsequent an den Entwicklungsbedürfnissen von Kindern orientiert. Beziehungen, emotionale Sicherheit, Spiel, Bewegung, Selbstwirksamkeit und ausreichend Zeit für eigene Erfahrungen seien zentrale Voraussetzungen für nachhaltige Bildungsprozesse. Bildung entstehe nicht durch Belehrung, sondern durch aktive Auseinandersetzung mit der Welt.

Gleichzeitig thematisiert Krenz die Rahmenbedingungen pädagogischer Arbeit. Hohe Bürokratiebelastungen, Fachkräftemangel und fehlende Zeit für die Arbeit mit Kindern erschwerten vielerorts die Umsetzung einer entwicklungsförderlichen Pädagogik.

Der Vortrag bietet zahlreiche Impulse für pädagogische Fachkräfte, Lehrkräfte und Eltern. Er lädt dazu ein, den Begriff Bildung neu zu denken und die Frage zu stellen, was Kinder heute wirklich brauchen, um ihre Fähigkeiten und Potenziale entfalten zu können.

Den vollständigen Vortrag von Armin Krenz finden Sie hier: https://www.youtube.com/watch?v=GIsCHIcnCd0




Ausgezeichnet von spiel gut: Kugelbahn – Big Speed Circle

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HABA Kugelbahn-Ergänzungsset Big Speed Circle – Murmelspaß mit Tempo

Eine flexibel aufgebaute Kugelbahn bleibt über lange Zeit interessant. Der Streckenverlauf lässt sich immer wieder verändern, und mit der schiefen Ebene lässt sich stets aufs Neue experimentieren. Ein weiterer Vorteil besteht darin, dass mit einem Grundbausatz begonnen werden kann, der sich nach und nach durch Ergänzungsteile erweitern lässt.

Der Bau einer größeren Bahn mit zusätzlichen Elementen baut auf bereits erworbenen Erfahrungen auf und fördert planerisches Denken. Solche Erweiterungen erhalten und steigern den Spielwert und machen die intellektuelle Entwicklung von Kindern sichtbar. Das Spielen mit einer Kugelbahn ist bereits ab drei Jahren möglich, der eigenständige Aufbau wird ab fünf Jahren empfohlen.

Beim Kugelbahnsystem von HABA ist die Streckenführung aus Holz gefertigt und bewusst schlicht gehalten. Dadurch kann sich das Auge ganz auf den Lauf der Kugel konzentrieren. Lediglich die Sonderteile sind teilweise farblich abgesetzt.

Mit dem Ergänzungsset Big Speed Circle für HABA-Kugelbahnen geht es für die Murmeln rasant im Kreis herum. Bis zu sechs Murmeln können gleichzeitig auf die Reise gehen. Zunächst rollen sie über die Rampe, bis sie mit Schwung im Big Speed Circle landen. Dort drehen sie sich zunächst langsam und dann immer schneller im Kreis. Schließlich fallen sie durch die Öffnung in der Mitte eine Ebene tiefer auf die Speedsnake-Bahn, auf der sie ihre Fahrt in Schlangenlinien fortsetzen.

Das Ergänzungsset hat die Auszeichnung „spiel gut“ verdient. Es überzeugt durch seine hochwertige Verarbeitung, die spielunterstützende Gestaltung und die interessante Möglichkeit, die rasante Abwärtsfahrt der Murmeln zu verfolgen.

Material: 16 Teile. 1 Trichter + 1 Schlängelbahn ABS, 1 Rampe, 6 Quader + 1 Würfel Buche natur, 6 Glasmurmeln. Gewicht 1,5 kg. 3837,812,3 cm.