Ganztagsschule: Eltern erwarten Betreuung und pädagogische Qualität

Laut einer Befragung des DIPF | Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation entwickelt sich der Ganztag zur zentralen Bildungs- und Familienstruktur

Kurz vor dem bundesweiten Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung im Grundschulalter macht eine aktuelle Studie des DIPF | Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation deutlich: Eltern in Deutschland verbinden mit Ganztagsangeboten weit mehr als reine Betreuung. Während viele Familien vor allem auf eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf angewiesen sind, erwarten andere gezielte pädagogische Unterstützung, soziale Förderung und mehr Selbstständigkeit für ihre Kinder. Die Untersuchung zeigt außerdem erhebliche Unterschiede je nach Bildungsstand, Erwerbstätigkeit und Wohnort der Familien.

An der deutschlandweiten Befragung nahmen insgesamt 4.330 Eltern teil. Besonders häufig nutzen Alleinerziehende sowie Familien mit zwei berufstätigen Elternteilen Ganztagsangebote. Familien mit nur einem erwerbstätigen Elternteil greifen dagegen seltener darauf zurück und geben häufiger an, keinen Betreuungsbedarf zu haben.

Deutlich wurden auch Unterschiede zwischen akademischen und nicht-akademischen Familien. Zwar melden beide Gruppen ihre Kinder ähnlich häufig im Ganztag an, die Erwartungen unterscheiden sich jedoch erheblich. Nicht-akademische Eltern erhoffen sich häufiger konkrete schulische Unterstützung. So wünschen sich 64,4 Prozent Hilfe bei Hausaufgaben und Lernbegleitung, während dies bei akademischen Eltern nur 51,7 Prozent tun.

Auch finanzielle Aspekte spielen eine Rolle. Eltern ohne akademischen Abschluss verzichten häufiger aus Kostengründen auf einen Ganztagsplatz. Gleichzeitig kritisieren akademische Eltern häufiger mangelnde Vielfalt der Angebote und zu wenig individuelle Förderung.

Ein weiterer Befund betrifft den Wohnort. In Städten nutzen 63 Prozent der Familien Ganztagsangebote, auf dem Land dagegen nur 56 Prozent. Gleichzeitig berichten Eltern in urbanen Regionen deutlich häufiger davon, keinen Platz gefunden zu haben.

Ganztag wird zur zentralen Bildungs- und Familieninfrastruktur

Die Ergebnisse zeigen, dass Ganztagsschulen für viele Familien inzwischen eine zentrale gesellschaftliche Infrastruktur darstellen. Sie dienen längst nicht mehr nur als Nachmittagsbetreuung, sondern übernehmen zunehmend auch Bildungs- und Förderaufgaben. Besonders Familien mit hohem organisatorischem Druck im Alltag sind auf verlässliche Angebote angewiesen.

Gleichzeitig macht die Untersuchung deutlich, dass Eltern keine homogene Gruppe darstellen. Ihre Erwartungen an Ganztagsschulen hängen eng mit ihrer Lebenssituation zusammen. Während manche Familien vor allem stabile Betreuungszeiten benötigen, wünschen sich andere gezielte Förderung, soziale Erfahrungen oder Unterstützung beim schulischen Lernen.

Die Forschenden empfehlen deshalb, Eltern frühzeitig in die Planung neuer Ganztagsangebote einzubeziehen. Kommunen, Schulen und Träger müssten den Ausbau differenziert gestalten und sowohl Betreuungssicherheit als auch pädagogische Qualität berücksichtigen. Besonders wichtig sei dies angesichts des ab 2026 schrittweise geltenden Rechtsanspruchs auf ganztägige Förderung im Grundschulalter.

So wurde die Studie durchgeführt

Die Untersuchung wurde Ende 2024 im Rahmen des bundesweiten Förderprogramms „Schule macht stark“ durchgeführt. Wissenschaftlich begleitet wurde das Projekt vom DIPF unter Leitung von Dr. Amina Kielblock. Die Forschenden befragten bundesweit 4.330 Eltern mithilfe eines standardisierten Fragebogens. Analysiert wurden Zusammenhänge zwischen familiären Merkmalen wie Erwerbstätigkeit, Bildungsabschluss oder Wohnort und der Nutzung von Ganztagsangeboten. Zudem wurden Gründe für oder gegen die Teilnahme erfasst.

Die Studie liefert dadurch einen breiten Überblick über aktuelle Erwartungen und Nutzungsmuster von Familien in Deutschland. Durch die große Teilnehmerzahl besitzt die Untersuchung eine hohe Aussagekraft. Positiv hervorzuheben ist zudem, dass unterschiedliche soziale Gruppen systematisch miteinander verglichen wurden.

Allerdings handelt es sich um eine Befragungsstudie, die auf Selbstauskünften der Eltern basiert. Solche Angaben können subjektiv geprägt sein und geben keine direkten Aussagen über die tatsächliche Qualität einzelner Ganztagsangebote oder deren Wirkung auf Kinder. Zudem bleibt offen, ob bestimmte Gruppen möglicherweise unterrepräsentiert waren, etwa Familien mit geringen Deutschkenntnissen oder besonders belasteten Lebenssituationen.

Trotz dieser Einschränkungen bietet die Studie wichtige Hinweise für Bildungspolitik und Praxis. Sie verdeutlicht, dass der Ausbau der Ganztagsbetreuung nicht allein quantitativ gedacht werden darf. Entscheidend wird sein, wie gut die Angebote auf die unterschiedlichen Bedürfnisse von Familien abgestimmt werden.

Originalpublikation:

Kielblock, A.; Haas, T.; Kielblock, S. (2026). Betreuung und Bildung von Grundschulkindern. Perspektiven der Eltern. Bericht zur bundesweiten Elternbefragung zu Betreuung und Bildung von Grundschulkindern im Rahmen des ForschungsverbundsSchule macht stark – SchuMaS“. Frankfurt a. M.: DIPF | Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation.
https://doi.org/10.25656/01:35177




Kostenloser Kita-Song, der eure Gruppe verbindet

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Musik für den Kita-Alltag

Musik ist in Kitas mehr als ein schöner Moment zwischendurch. Sie begleitet den Morgenkreis, gibt Übergängen Struktur, bringt Bewegung in die Gruppe und schafft Rituale, die Kinder schnell wiedererkennen. Wenn ein Lied zur eigenen Gruppe passt, wird daraus etwas Besonderes: ein gemeinsames Gefühl für Kinder, Team und Eltern.

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Hinter kitasong.de stehen Markus und Alex von Magic Melody Studio. Die Idee entstand, als sie für die Tochter guter Freunde ein persönliches Kinderlied schrieben – mit ihrem Namen und kleinen Details aus ihrem Alltag. Als sie ihren eigenen Namen im Lied hörte und dabei strahlte, war klar: Solche Momente sollten mehr Kinder erleben. Mit kitasong.de bringen Markus und Alex dieses Gefühl nun auch in Kitas – als kostenloses Angebot, das Kinder, Gruppen und Familien musikalisch verbindet.

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Musik & Bewegung im Kita-Alltag nutzen

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Warum Musik und Bewegung im Kita-Alltag unverzichtbar sind

Stell Dir vor, die Kinderaugen leuchten, die Füße tanzen und der gesamte Raum ist voller Energie. Musik und Bewegung gehören zu den wirkungsvollsten Impulsen im Alltag von Kindern und genau darin liegt ihr großes Potenzial.

Sie fördern Kinder ganzheitlich: Motorik, Sprache, soziale Kompetenzen und emotionale Entwicklung werden gleichzeitig angesprochen. Wenn Kinder singen, tanzen oder sich rhythmisch bewegen, entstehen wichtige Lernprozesse oft ganz nebenbei.

Bereits die Jüngsten profitieren davon. Rhythmus und Wiederholung helfen ihnen, sprachliche Muster zu erkennen und ihre Wahrnehmung zu schulen. Ältere Kinder entwickeln durch musikalische und bewegungsorientierte Aktivitäten zusätzlich Teamfähigkeit, Konzentration und Kreativität.

Das Besondere: Musik und Bewegung lassen sich ohne großen Aufwand in den Alltag integrieren. Ein Lied im Morgenkreis, ein Bewegungsspiel zwischendurch oder ruhige Musik in Entspannungsphasen, oft sind es kleine Impulse mit großer Wirkung.

Ein besonders wirkungsvoller Ansatz ist die Rhythmik. Sie verbindet Musik, Bewegung, Sprache und Wahrnehmung miteinander und unterstützt Kinder dabei, sich auszudrücken, ihren Körper besser wahrzunehmen und Selbstvertrauen zu entwickeln.

Musik und Bewegung sind daher keine Zusatzangebote, sondern ein zentraler Bestandteil frühkindlicher Bildung.

Gerade in einem oft reizintensiven Alltag können Musik und Bewegung außerdem dabei helfen, Anspannung abzubauen und emotionale Balance zu fördern. Aktive Bewegungsphasen, rhythmische Rituale oder ruhige musikalische Impulse unterstützen Kinder dabei, Gefühle besser wahrzunehmen, zur Ruhe zu kommen und neue Energie zu tanken. Auch Entspannungsübungen und bewusste Bewegungsmomente leisten damit einen wichtigen Beitrag zum Gesundheits- und Stressmanagement bereits im frühen Kindesalter.

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NEU: Das SAFARI Glockenspiel von SONOR

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SONOR SAFARI Glockenspiel – musikalische Abenteuer für Kinder

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Dank des bewährten Boomwhackers®-Farbsystems können Kinder sofort loslegen – ganz ohne Notenkenntnisse. Jede Klangplatte ist farblich markiert, sodass erste Melodien intuitiv entdeckt werden können. So wird Musizieren von Anfang an zum Erfolgserlebnis.

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Ein besonderes Highlight ist die innovative Rollfunktion: Nach dem Spielen lässt sich das Glockenspiel einfach zusammenrollen und in der praktischen Dose verstauen. Diese dient nicht nur als Transportbox, sondern kann im Handumdrehen auch als kleine Trommel genutzt werden – perfekt für kreativen Rhythmusspaß unterwegs.

Die hochwertigen, präzise gestimmten Klangplatten (Tonumfang c3–f4) sorgen für einen klaren, angenehmen Klang und fördern das Gehör bereits im frühen Alter. Gleichzeitig garantiert die stabile Filzunterlage ein sicheres und langlebiges Spielgefühl.

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Was Kinder heute brauchen: Fortbildung zur Kinderpsychologie

Bindung, Neurodiversität, soziale Medien und Resilienz: Eine neue Präsenzfortbildung mit Psychologe Dr. Thomas Fuchs richtet den Blick auf zentrale Fragen moderner Kindheit.

9,5 Millionen Minuten – so viel Zeit verbringen Kinder ungefähr vom ersten Atemzug bis zum 18. Lebensjahr. Eine gewaltige Zeitspanne. Und zugleich eine Phase, in der sich entscheidet, wie Kinder die Welt erleben, wie sie Beziehungen gestalten und wie widerstandsfähig sie durchs Leben gehen.

Genau dort setzt die Präsenzfortbildung „Was Kinder brauchen – Kinderpsychologie live erleben“ an, die am 29. September 2026 im Museum am Schölerberg in Osnabrück stattfindet. Die Veranstaltung richtet sich an pädagogische Fachkräfte, Lehrkräfte, Tagespflegepersonen sowie Mitarbeitende aus der Kinder- und Jugendarbeit.

Zentrale Fragen im Mittelpunkt

Im Mittelpunkt stehen zentrale Fragen, die viele pädagogische Fachkräfte täglich beschäftigen: Warum ist eine sichere Bindung für Kinder so wichtig? Wie können Erwachsene mit schwierigen Verhaltensweisen umgehen, ohne die Beziehung zum Kind zu gefährden? Welche Rolle spielen soziale Medien im Alltag von Kindern und Jugendlichen? Und was bedeutet eigentlich Neurodiversität?

Die Fortbildung möchte dabei nicht nur theoretisches Wissen vermitteln, sondern Kinderpsychologie greifbar und erlebbar machen. Die Themen werden laut Ausschreibung „multimedial und experimentell aufgearbeitet“ . Besonders interessant dürfte für viele Teilnehmende auch der Schwerpunkt zur Pubertät sein – jener Lebensabschnitt, der Eltern und pädagogische Fachkräfte oft gleichermaßen fordert.

Welche Kinder hinterlassen wir der Welt?

Darüber hinaus richtet die Veranstaltung den Blick auf eine größere gesellschaftliche Frage: Welche Welt hinterlassen Erwachsene den Kindern – und welche Kinder hinterlassen wir der Welt? Dahinter steht die Idee, Kinder wieder stärker aus ihrer eigenen Perspektive wahrzunehmen und ihre Bedürfnisse ernst zu nehmen.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf dem Thema Resilienz. Pädagogische Fachkräfte erfahren, wie sie Kinder dabei unterstützen können, widerstandsfähig, solidarisch und verantwortungsvoll aufzuwachsen. Die Ausschreibung formuliert dazu einen eindrucksvollen Gedanken: „Denn Kinder sind die Saat der Zukunft.“

Über den Referenten

Referent der Veranstaltung ist Dr. rer. soc. Thomas Fuchs, Diplom-Psychologe mit den Schwerpunkten klinische und pädagogische Psychologie. Er arbeitete viele Jahre als Kinder- und Jugendpsychologe und promovierte über Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätsstörungen. Neben seiner Tätigkeit in eigener Praxis absolvierte er zusätzliche Ausbildungen in Verhaltenstherapie, Supervision und Selbsterfahrung.

Die Fortbildung findet als Präsenzveranstaltung am 29.09.2026 von 9:00 bis etwa 15:30 Uhr im Museum am Schölerberg in Osnabrück statt. Die Teilnahmegebühr beträgt 99 Euro. Nach Abschluss erhalten die Teilnehmenden eine Bescheinigung über acht Unterrichtseinheiten.

Weitere Informationen finden Sie hier




Warum Musizieren Kinder stark macht – und ihr Gehirn wachsen lässt

Musik berührt Kinder nicht nur emotional. Forschungen zeigen: Gemeinsames Singen, Trommeln und Musizieren fördern Sprache, Konzentration, soziale Fähigkeiten und die Entwicklung des Gehirns

Kaum erklingt Musik, passiert etwas: Kinder beginnen zu wippen, zu klatschen oder mitzusingen. Manche trommeln auf den Tisch, andere bewegen sich ganz selbstverständlich im Rhythmus. Musik erreicht Kinder unmittelbar – nicht nur über das Denken, sondern über Bewegung, Gefühle und Sinne.

Genau darin liegt ihre besondere Kraft. Musik ist für Kinder kein abstraktes Lernfeld. Sie erleben und hören sie, bewegen sich, beobachten andere, reagieren auf Klänge und drücken gleichzeitig eigene Gefühle aus. Deshalb gehört Musik zu den stärksten Erfahrungsräumen kindlicher Entwicklung.

Der renommierte Pädagoge Armin Krenz beschreibt Musik treffend als „Seelenproviant für Kinder“ (Krenz 2022). Musik schenke Geborgenheit, Ausdrucksmöglichkeiten und Gemeinschaftserfahrungen. Gerade in einer oft hektischen und reizüberfluteten Welt brauche es solche emotionalen Erfahrungsräume besonders dringend.

Musik, Bewegung und Rhythmus gehören zusammen

Musik wird von Kindern nicht nur gehört. Sie wird gespürt, bewegt und körperlich erlebt. Genau deshalb reagieren Kinder oft spontan mit Klatschen, Schwingen oder Tanzen auf Musik.

Dass Rhythmus und Bewegung eine zentrale Bedeutung für die Entwicklung von Kindern haben, wurde schon früh von Reformpädagogen erkannt. Rudolf Steiner, der Begründer der Waldorfpädagogik, entwickelte mit der Eurythmie ein pädagogisches Bewegungskonzept, das Musik, Sprache und Bewegung miteinander verbindet. Dahinter steht die Idee, dass Lernen nicht allein über den Intellekt geschieht, sondern immer auch über Körpererfahrung, Rhythmus und sinnliches Erleben.

Heute bestätigen viele neurowissenschaftliche und musikpädagogische Forschungen genau diese Zusammenhänge. Musik aktiviert Wahrnehmung, Bewegung, Aufmerksamkeit und Emotion gleichzeitig (Sallat 2017, S. 1). Besonders Rhythmus scheint dabei eine wichtige Rolle zu spielen. Forschungen zeigen, dass rhythmische Fähigkeiten mit Sprachentwicklung und Lesenlernen zusammenhängen können (ARD alpha 2024).

Gerade deshalb sind Bewegungslieder, Klatschspiele, rhythmische Verse oder musikalische Bewegungsangebote weit mehr als nur „schöne Beschäftigungen“. Sie fördern Kinder ganzheitlich.

Warum Musik das Gehirn so intensiv aktiviert

Wenn Kinder musizieren, arbeitet nicht nur ein einzelner Bereich des Gehirns. Vielmehr werden gleichzeitig Wahrnehmung, Bewegung, Aufmerksamkeit, Gedächtnis und Emotionen aktiviert. Genau diese Vielschichtigkeit macht Musik so bedeutsam.

Eine Langzeitstudie, die im Fachjournal The Journal of Neuroscience veröffentlicht wurde, untersuchte über zwölf Jahre hinweg die Entwicklung musikalisch aktiver und nicht musikalisch aktiver Menschen. Die Forschenden fanden Hinweise darauf, dass musikalisches Training die Verarbeitung von Hörinformationen und Klangmustern beeinflusst (Schneider et al. 2023).

Für Kinder bedeutet das: Beim Musizieren trainieren sie Fähigkeiten, die sie auch in vielen anderen Lebensbereichen brauchen. Sie hören genau hin, unterscheiden Tonhöhen und Rhythmen, koordinieren Bewegungen und lernen, aufmerksam zu bleiben.

Der Sprach- und Musikforscher Stephan Sallat beschreibt Musik deshalb als eine Tätigkeit, die gleichzeitig Motorik, Wahrnehmung, Aufmerksamkeit, Motivation und Emotionen anspricht (Sallat 2017, S. 1). Kinder lernen beim Musizieren also nicht isoliert, sondern mit dem ganzen Körper.

Musik und Sprache gehören eng zusammen

Besonders spannend ist heute die Forschung zu Musik und Sprache. Viele Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler gehen davon aus, dass beide Bereiche im Gehirn enger miteinander verbunden sind als lange angenommen wurde.

Das Max-Planck-Institut für empirische Ästhetik erforscht, wie Musik und Sprache gemeinsam verarbeitet werden und welche Bedeutung Rhythmus, Melodie und Klangmuster für die Sprachentwicklung haben (Max-Planck-Institut für empirische Ästhetik 2024).

Auch Stephan Sallat betont, dass Sprache und Musik in ihrer Struktur erstaunlich ähnlich sind. Beide arbeiten mit Rhythmus, Melodie, Lautmustern und zeitlichen Abläufen (Sallat 2017, S. 1).

Gerade deshalb können musikalische Erfahrungen Kinder beim Sprechenlernen unterstützen. Reime, Klatschspiele, Sprechverse und Lieder fördern das Gefühl für Silben, Sprachrhythmus und Betonungen. Kinder lernen Sprache dabei oft spielerisch und beinahe nebenbei.

Besonders wichtig ist Rhythmus. Forschungen zeigen, dass rhythmische Fähigkeiten mit dem Lesenlernen zusammenhängen können. Wer Sprachrhythmen gut wahrnimmt, erkennt häufig auch leichter Silbenstrukturen und Lautmuster (ARD alpha 2024).

Musik stärkt Gefühle und Selbstvertrauen

Kinder erleben beim Musizieren immer wieder: „Ich kann etwas.“ Ein Rhythmus gelingt plötzlich. Ein Lied klingt sicherer als noch vor einigen Wochen. Gemeinsam entsteht Musik, die vorher nicht da war. Solche Erfahrungen stärken das Selbstvertrauen enorm. Musik bietet Kindern die Möglichkeit, sich auszudrücken, ohne alles in Worte fassen zu müssen. Gerade schüchterne oder sprachlich unsichere Kinder finden über Musik oft leichter Zugang zu anderen.

Zudem entwickeln musikalisch aktive Kinder häufig Freude daran, Gefühle auszudrücken und vor anderen aufzutreten. Entscheidend ist dabei vor allem die Atmosphäre. Kinder brauchen Ermutigung statt Leistungsdruck. Die Wissenschaftlichen Dienste des Deutschen Bundestages weisen darauf hin, dass negative Erfahrungen – etwa beschämendes Vorsingen – Kindern die Freude am Musizieren dauerhaft nehmen können (Deutscher Bundestag 2007, S. 3).

Umso wichtiger ist ein musikalischer Alltag, der von Freude, Gemeinschaft und Offenheit geprägt ist.

Gemeinsames Musizieren verbindet Kinder

Wer mit Kindern singt oder trommelt, erlebt schnell: Musik schafft Nähe. Kinder hören einander zu, achten auf gemeinsame Einsätze und erleben sich als Teil einer Gruppe.

Gerade gemeinsames Musizieren stärkt soziale Fähigkeiten. Kinder lernen Rücksichtnahme, Aufmerksamkeit und Kooperation – oft ganz ohne lange Erklärungen.

Die bekannte Berliner Langzeitstudie von Hans Günther Bastian zeigte, dass Kinder in musikbetonten Grundschulen häufig besseres Sozialverhalten entwickelten und seltener ausgegrenzt wurden (Bastian 2000). Gleichzeitig verbesserten sich Konzentration und Lernmotivation.

Interessant ist auch: Trotz zusätzlicher Musikstunden verschlechterten sich die Leistungen in Mathematik, Deutsch oder Englisch nicht. Teilweise schnitten die Kinder sogar besser ab (Deutscher Bundestag 2007, S. 5).

Musik ist kein Luxusfach

Noch immer wird Musik in Bildungseinrichtungen manchmal als „schönes Zusatzangebot“ betrachtet. Die Forschung zeigt jedoch längst, dass Musik Wahrnehmung, Sprache, Konzentration, soziale Fähigkeiten und emotionale Entwicklung gleichzeitig fördert. Sie verbindet Denken, Fühlen und Handeln auf einzigartige Weise.

Dabei geht es ausdrücklich nicht darum, Kinder möglichst früh zu kleinen Hochleistungsmusikern zu machen. Entscheidend ist vielmehr, dass Musik selbstverständlich zum Alltag gehört.

Schon kleine Rituale können viel bewirken: ein gemeinsames Lied am Morgen, Klatschspiele zwischendurch, Bewegungslieder, Rhythmusübungen oder freies Experimentieren mit Instrumenten und Klängen.

Denn Kinder brauchen Musik nicht erst später. Sie brauchen sie jetzt.

Quellenverzeichnis

  • ARD alpha (2024): Warum Musik unsere Emotionen beeinflusst. Online unter: ARD alpha – Musik und Emotionen
  • Bastian, Hans Günther (2000): Musik(erziehung) und ihre Wirkung. Mainz: Schott.
  • Deutscher Bundestag (2007): Die Wirkung von Musik auf die Persönlichkeitsentwicklung von Kindern. Wissenschaftliche Dienste, WD 9 – 060/2007.
  • Krenz, Armin (2022): Musik ist Seelenproviant für Kinder. Online unter: spielen und lernen – Musik ist Seelenproviant für Kinder
  • Max-Planck-Institut für empirische Ästhetik (2024): Neurokognition von Musik und Sprache. Online unter: Max-Planck-Institut – Musik und Sprache
  • Sallat, Stephan (2017): Musiktherapie bei Sprach- und Kommunikationsstörungen. München: Ernst Reinhardt Verlag.
  • Schneider, Peter et al. (2023): Neuroanatomical Disposition, Natural Development, and Training-Induced Plasticity of the Human Auditory System from Childhood to Adulthood. In: The Journal of Neuroscience, 43(37), S. 6430–6446. Online unter: Journal of Neuroscience – Musik und Gehirnentwicklung

Gernot Körner




Deutschland bei Kinderwohl lediglich auf Platz 25 von 37

Neue UNICEF-Studie zeigt gravierende Folgen von Kinderarmut und sozialer Ungleichheit für Bildung, Gesundheit und Zukunftschancen von Kindern in Deutschland

Deutschland zählt zu den wirtschaftsstärksten Ländern der Welt – doch wenn es um das Wohlbefinden von Kindern geht, landet die Bundesrepublik im aktuellen internationalen Vergleich von UNICEF lediglich auf Rang 25 von 37 untersuchten Staaten. Für das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen ist dieses Ergebnis ein deutliches Warnsignal. Die neue Studie des UNICEF-Forschungsinstituts Innocenti macht sichtbar, wie stark soziale Ungleichheit und Kinderarmut die Entwicklungschancen von Kindern beeinträchtigen – auch in einem reichen Land wie Deutschland.

Die Untersuchung „Report Card 20: Unequal Chances – Children and Economic Inequality“ analysiert die Lebensbedingungen von Kindern in Ländern der Europäischen Union und der OECD. Bewertet wurden unter anderem Bildungserfolge, körperliche Gesundheit, psychisches Wohlbefinden sowie die Auswirkungen wirtschaftlicher Ungleichheit auf das Aufwachsen von Kindern und Jugendlichen. Das Ergebnis für Deutschland fällt ernüchternd aus: Trotz hoher wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit gelingt es offenbar nicht, allen Kindern vergleichbare Chancen auf Bildung, Gesundheit und gesellschaftliche Teilhabe zu ermöglichen.

UNICEF spricht von vertanen Zukunftschancen

UNICEF Deutschland bewertet das Abschneiden Deutschlands ungewöhnlich deutlich. Christian Schneider, Geschäftsführer von UNICEF Deutschland, erklärt, die Bekämpfung von Kinderarmut müsse endlich politische Priorität erhalten. Nach Einschätzung der Organisation verspielt Deutschland Zukunftschancen, wenn nicht konsequent in Bildung, Teilhabe und gesundheitliche Versorgung von Kindern investiert werde. Besonders kritisch bewertet UNICEF, dass ein wirtschaftlich so starkes Land seit Jahren lediglich im unteren Mittelfeld des Rankings liegt.

Die Studie verdeutlicht, dass soziale Herkunft in Deutschland weiterhin erheblich über Bildungs- und Entwicklungsmöglichkeiten entscheidet. Während Kinder aus wohlhabenden Familien deutlich bessere Chancen haben, erleben viele Kinder aus einkommensschwachen Haushalten Einschränkungen in nahezu allen Lebensbereichen. Für UNICEF ist das nicht nur ein sozialpolitisches Problem, sondern langfristig auch ein Risiko für gesellschaftlichen Zusammenhalt und wirtschaftliche Stabilität.

Kinderarmut bleibt in Deutschland auf hohem Niveau

Besonders problematisch ist nach Angaben der Studie die seit Jahren stagnierende Kinderarmut in Deutschland. Rund 15 Prozent aller Kinder leben demnach in einkommensarmen Familien. Gleichzeitig wächst die Einkommensungleichheit weiter. Menschen im wohlhabendsten Fünftel der Bevölkerung verfügen inzwischen über ein Vielfaches des Einkommens der ärmsten Bevölkerungsgruppen. UNICEF sieht darin eine zentrale Ursache für ungleiche Entwicklungschancen von Kindern.

Die Folgen von Armut zeigen sich laut Studie bereits früh im Alltag vieler Kinder. Schlechte Wohnverhältnisse, fehlende Rückzugsorte, mangelnde Freizeitmöglichkeiten und unzureichend ausgestattete Bildungseinrichtungen prägen vielerorts die Lebensrealität benachteiligter Familien. Hinzu kommen strukturelle Unterschiede zwischen Wohngebieten: In sozial benachteiligten Stadtteilen fehlen häufig gut erreichbare Kinderarztpraxen, Spielplätze oder ausreichende Bildungsangebote.

Schwache Bildungsergebnisse trotz hoher Wirtschaftskraft

Besonders alarmierend fällt das Ergebnis Deutschlands im Bildungsbereich aus. Nur etwa 60 Prozent der 15-Jährigen erreichen laut UNICEF grundlegende Kompetenzen in Lesen und Mathematik. Damit liegt Deutschland auf Rang 34 von 41 vergleichbaren Staaten. Länder wie Irland, Slowenien oder Südkorea schneiden deutlich besser ab – teilweise trotz geringerer wirtschaftlicher Ressourcen.

Auffällig groß ist zudem die Bildungsschere zwischen sozial benachteiligten und privilegierten Jugendlichen. Während in einkommensstarken Familien neun von zehn Jugendlichen grundlegende Kompetenzen erreichen, gelingt dies unter Jugendlichen aus benachteiligten Haushalten nicht einmal jedem Zweiten. Die Studie beschreibt damit eine Bildungsungleichheit, die sich über viele Jahre hinweg verfestigt hat.

Für pädagogische Fachkräfte bestätigt die Untersuchung zahlreiche Entwicklungen, die bereits seit Jahren im Bildungsalltag sichtbar werden: Kinder starten mit sehr unterschiedlichen Voraussetzungen ins Bildungssystem, und soziale Benachteiligungen lassen sich häufig nur schwer ausgleichen. UNICEF sieht darin einen klaren politischen Handlungsauftrag.

Gesundheit und Lebenszufriedenheit hängen stark vom Einkommen ab

Die Untersuchung zeigt außerdem deutliche Zusammenhänge zwischen sozialer Lage und Gesundheit von Kindern. Kinder aus wirtschaftlich abgesicherten Familien sind häufiger körperlich gesund und berichten häufiger von hoher Lebenszufriedenheit. Bei Kindern aus einkommensarmen Familien zeigen sich dagegen häufiger gesundheitliche Belastungen und psychische Probleme.

In Deutschland bewerten lediglich 61 Prozent der Jugendlichen aus einkommensschwachen Familien ihre Lebenszufriedenheit als hoch. Bei Jugendlichen aus wohlhabenden Haushalten liegt dieser Anteil deutlich höher. UNICEF verweist darauf, dass finanzielle Unsicherheit in Familien Stress erzeugt und sich negativ auf das familiäre Zusammenleben sowie die psychische Entwicklung von Kindern auswirken kann.

Auch gesundheitliche Unterschiede zeigen sich deutlich: Während ein Großteil der Kinder aus wohlhabenden Familien eine sehr gute gesundheitliche Verfassung aufweist, fällt dieser Anteil bei Kindern aus armen Familien wesentlich geringer aus. Die Studie macht damit sichtbar, dass soziale Ungleichheit nicht nur Bildungschancen beeinflusst, sondern tief in alle Lebensbereiche hineinwirkt.

Andere Länder zeigen, dass bessere Bedingungen möglich sind

Dass bessere Ergebnisse erreichbar wären, zeigt laut UNICEF der internationale Vergleich. Die Niederlande, Dänemark und Frankreich belegen in der Gesamtwertung die Spitzenplätze. Auch Staaten mit geringerer Wirtschaftskraft wie Portugal oder Litauen schneiden deutlich besser ab als Deutschland.

UNICEF leitet daraus die Forderung ab, Kinderpolitik stärker in den Mittelpunkt staatlichen Handelns zu stellen. Die Organisation fordert gezielte Investitionen in benachteiligte Familien, bessere Bildungs- und Gesundheitsangebote sowie eine stärkere politische Vertretung von Kinderinteressen. Darüber hinaus müsse die soziale Infrastruktur in benachteiligten Wohngebieten verbessert werden, damit alle Kinder vergleichbare Chancen auf ein gesundes und sicheres Aufwachsen erhalten.

Über die Report Card-Serie von UNICEF Innocenti

Das UNICEF-Forschungsinstitut Innocenti mit Sitz in Florenz vergleicht in seiner Report Card-Serie seit dem Jahr 2000 regelmäßig die Situation von Kindern in den wohlhabenden Ländern der Welt. Auf der Basis aktueller Forschungsergebnisse werden Trends im kindlichen Wohlbefinden untersucht, Gründe für diese Entwicklungen identifiziert und mögliche Maßnahmen für Politik und Gesellschaft erarbeitet. Jede Ausgabe untersucht unterschiedliche Schwerpunkte im Bereich des kindlichen Wohlbefindens anhand aktueller Forschungsergebnisse. Die Report Card 20 untersucht in 44 Ländern der EU und OECD, wie wirtschaftliche Ungleichheit mit dem Wohlbefinden von Kindern zusammenhängt. Sie aktualisiert die Rangliste des kindlichen Wohlbefindens anhand von sechs Indikatoren aus den Bereichen physische Gesundheit, mentales Wohlbefinden und Kompetenzen. In den Gesamtvergleich gehen noch 37 der 44 Länder ein, da für einen Teil der Länder nicht alle dafür nötigen Daten vorliegen.

Hier finden Sie eine Zusammenfassung des Berichts aus deutsch.




Väter spielen mehr mit Kindern als sie sie versorgen

Gemeinsames Spielen macht Väter zufriedener – klassische Versorgungsaufgaben übernehmen sie deutlich seltener

Väter verbringen heute deutlich mehr Zeit mit ihren Kindern als frühere Generationen. Trotzdem zeigt sich im Familienalltag weiterhin eine klare Rollenverteilung: Während viele Väter gerne spielen, Ausflüge organisieren oder ihre Kinder ins Bett bringen, bleiben klassische Versorgungsaufgaben häufiger bei den Müttern. Genau diesen Unterschied untersucht eine aktuelle Studie des Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung genauer – mit interessanten Ergebnissen für Familien, Politik und Arbeitswelt.

Die Untersuchung basiert auf Daten des internationalen „Generations and Gender Survey“ und analysiert, wie sich Väter in verschiedenen europäischen Ländern an der Kinderbetreuung beteiligen. Dabei zeigt sich ein auffälliges Muster: Besonders häufig übernehmen Väter interaktive und freizeitbezogene Tätigkeiten – also Aufgaben, die flexibel planbar sind und oft mit positiven gemeinsamen Erlebnissen verbunden werden. Dazu gehören vor allem gemeinsames Spielen, Freizeitaktivitäten oder das Zu-Bett-Bringen der Kinder.

Spielen gehört für viele Väter selbstverständlich dazu

Am deutlichsten wird dieses Muster beim gemeinsamen Spielen. In sieben von neun untersuchten Ländern ist dies die Tätigkeit, die Väter mindestens ebenso häufig übernehmen wie ihre Partnerinnen. Die Unterschiede zwischen den Ländern fallen dabei allerdings deutlich aus. In Norwegen geben sogar 95 Prozent der Väter an, mindestens ebenso oft wie die Mutter mit den Kindern zu spielen. In Deutschland liegt der Anteil bei immerhin 68 Prozent.

Die Forschenden sehen darin einen Hinweis darauf, dass sich die Vaterrolle in vielen europäischen Ländern verändert hat. Moderne Väter möchten emotional stärker präsent sein und aktiv Zeit mit ihren Kindern verbringen. Besonders interaktive Tätigkeiten ermöglichen Nähe, gemeinsame Erfahrungen und oft auch positive Rückmeldungen im Familienalltag.

Versorgungsaufgaben bleiben häufiger bei den Müttern

Anders sieht es allerdings bei klassischen Versorgungsaufgaben aus. Tätigkeiten wie das Anziehen der Kinder, die Essenszubereitung oder die Betreuung kranker Kinder werden deutlich seltener von Vätern übernommen. Gerade hier zeigen sich große Unterschiede zwischen den europäischen Ländern.

Während in Norwegen 80 Prozent der Väter angeben, sich mindestens ebenso häufig wie ihre Partnerinnen um kranke Kinder zu kümmern, liegt der Anteil in Deutschland nur bei 42 Prozent. In Tschechien sind es sogar lediglich rund 29 Prozent.

Auch bei anderen alltäglichen Versorgungsaufgaben landet Deutschland im unteren Bereich des europäischen Vergleichs. Die Studie deutet darauf hin, dass traditionelle Rollenbilder und arbeitsorganisatorische Strukturen weiterhin eine wichtige Rolle spielen.

Warum Spielen zufriedener macht als Pflegeaufgaben

Besonders interessant ist der Zusammenhang zwischen Kinderbetreuung und Lebenszufriedenheit der Väter. Laut Studie berichten Väter, die häufig mit ihren Kindern spielen, insgesamt über eine höhere Lebenszufriedenheit. Bei der Betreuung kranker Kinder zeigt sich dagegen eher ein gegenteiliger Effekt: Väter, die diese Aufgabe besonders häufig übernehmen, bewerten ihre Lebenszufriedenheit im Durchschnitt niedriger.

Die Forschenden erklären diesen Unterschied vor allem mit der zeitlichen Struktur der Aufgaben. Interaktive Tätigkeiten wie Spielen oder gemeinsame Freizeit lassen sich häufig flexibel in den Alltag integrieren – etwa nach Feierabend oder am Wochenende. Pflege- und Versorgungsaufgaben dagegen entstehen oft kurzfristig, sind zeitlich gebunden und schwer planbar.

Dr. Stefanie Hoherz vom Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung erklärt dazu, dass versorgende Tätigkeiten häufig schwerer mit Erwerbsarbeit vereinbar seien. Genau hier entstehe für viele Familien ein erheblicher organisatorischer Druck.

Kinderbetreuung ist nicht gleich Kinderbetreuung

Die Studie macht deutlich, dass Kinderbetreuung keineswegs eine einheitliche Tätigkeit ist. Zwischen gemeinsamem Spielen und der Versorgung eines kranken Kindes liegen im Familienalltag oft völlig unterschiedliche Anforderungen. Während Freizeitaktivitäten häufig emotional positiv erlebt werden, erzeugen kurzfristige Betreuungsaufgaben oft Stress, Zeitdruck und Konflikte mit beruflichen Verpflichtungen.

Damit rückt auch die Frage nach familienfreundlichen Arbeitsbedingungen stärker in den Mittelpunkt. Die Forschenden betonen, dass flexible Arbeitszeiten und bessere Möglichkeiten zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf entscheidend dafür sein könnten, dass Väter sich stärker an zeitgebundenen Versorgungsaufgaben beteiligen.

Die Vaterrolle verändert sich langsam

Die Ergebnisse zeigen gleichzeitig, wie stark sich Vaterbilder in Europa bereits verändert haben. Viele Männer verstehen sich heute nicht mehr ausschließlich als finanzielle Versorger, sondern möchten aktiv am Familienleben teilnehmen. Gemeinsames Spielen, emotionale Nähe und Freizeitaktivitäten mit den Kindern gehören für viele Väter inzwischen selbstverständlich zum Alltag.

Dennoch bleibt die Verteilung vieler unsichtbarer Alltagsaufgaben weiterhin ungleich. Gerade organisatorische, pflegende und zeitkritische Tätigkeiten werden nach wie vor häufiger von Müttern übernommen. Die Studie zeigt damit auch, dass Gleichberechtigung im Familienalltag nicht allein davon abhängt, wie viel Zeit Eltern mit ihren Kindern verbringen – sondern auch davon, welche Aufgaben sie konkret übernehmen.

Flexible Arbeitszeiten könnten Familien entlasten

Die Forschenden sehen deshalb vor allem Politik und Arbeitgeber in der Verantwortung. Familienfreundliche Arbeitsmodelle könnten dazu beitragen, dass sich Väter stärker an allen Bereichen der Kinderbetreuung beteiligen können – nicht nur an den angenehmen und flexiblen Aufgaben.

Denn moderne Vaterschaft bedeutet offenbar für viele Männer vor allem eines: präsent sein, Zeit verbringen und emotionale Beziehungen aufbauen. Damit aus gemeinsamer Freizeit aber tatsächlich eine gleichmäßigere Verteilung von Familienarbeit wird, braucht es laut Studie bessere strukturelle Rahmenbedingungen für Eltern im Alltag.