BDP fordert mehr Psycholog*innen in Kitas und kindorientierte Bildung!

Frühkindliche Entwicklung als Schlüssel für mehr Bildungsgerechtigkeit – BDP plädiert für Early-Excellence-Familienzentren und psychologische Unterstützung in Kindergärten

Viele Kinder in Deutschland starten mit ungleichen Voraussetzungen ins Leben. Der Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen (BDP) macht darauf aufmerksam, dass gerade in den ersten Lebensjahren zu wenig gezielt gefördert wird. Besonders Kinder aus benachteiligten Familien bekommen häufig nicht die Unterstützung, die sie bräuchten. Der BDP sieht darin eine verpasste Chance – für die Kinder selbst und für die Gesellschaft insgesamt. Er fordert deshalb mehr Psycholog*innen in Kindergärten und den Ausbau von Early-Excellence-Familienzentren. Hannover zeigt bereits, wie das gelingen kann. Gleichzeitig begrüßt der Verband das Startchancen-Programm der Bundesregierung, mahnt jedoch an, die Vorschulzeit stärker mitzudenken.

Frühe Jahre, große Wirkung

Bildung beginnt lange vor der Einschulung. Diese Botschaft zieht sich wie ein roter Faden durch die aktuelle Stellungnahme des BDP. Anlass ist der UNICEF-Bericht 2025, der einmal mehr zeigt, wie unterschiedlich Kinder in Deutschland aufwachsen. Manche wachsen in einem Umfeld auf, in dem sie viel sprechen, spielen, entdecken und ausprobieren dürfen. Andere erleben früh Stress, Zeitdruck oder schlicht Mangel an Anregung.

Diese Unterschiede verschwinden nicht mit dem ersten Schultag. Sie prägen Kinder vielmehr dauerhaft. Sie beeinflussen, wie sicher sie sich fühlen, wie neugierig sie sind und wie selbstbewusst sie Neues angehen. Für den BDP ist deshalb klar: Wer echte Chancengerechtigkeit will, muss früher ansetzen. Nicht erst in der Schule. Sondern in der Kita und in den Familien.

Was im Kitaalter wirklich entsteht

In den ersten Lebensjahren bauen Kinder das Fundament ihres Denkens auf. Sie entwickeln innere Strukturen, mit denen sie die Welt ordnen und verstehen. Sie lernen, dass Dinge zusammenhängen, dass Handlungen Folgen haben und dass sich Probleme lösen lassen. Das geschieht nicht durch Arbeitsblätter oder Programme, sondern durch Spielen, Ausprobieren und Wiederholen.

Entscheidend ist dabei der Rahmen. Kinder brauchen Erwachsene, die aufmerksam begleiten, ohne sie zu drängen. Sie brauchen Zeit, um Dinge immer wieder zu testen. Sie brauchen Räume, in denen sie sicher scheitern und neu beginnen dürfen. Wenn diese Bedingungen stimmen, entwickeln Kinder nicht nur Wissen, sondern vor allem Lernfreude. Und genau diese Lernfreude trägt sie später durch die Schulzeit.

Der BDP betont deshalb, dass frühkindliche Bildung kein bloßes Vorspiel zur Schule ist. Sie ist ein eigener, entscheidender Bildungsabschnitt.

Early Excellence als ganzheitlicher Ansatz

Ein Modell, das genau hier ansetzt, ist der Early-Excellence-Ansatz aus England. In Deutschland wird er häufig in Form von Familienzentren innerhalb von Kindergärten umgesetzt. Der besondere Gedanke dahinter ist einfach, aber wirkungsvoll: Man kann Kinder nicht isoliert fördern, ohne ihre Lebenswelt mitzudenken.

In diesen Familienzentren wird Bildung deshalb nicht nur im Gruppenraum gedacht. Eltern werden einbezogen, beraten und unterstützt. Die Kita öffnet sich ins Quartier. Übergänge werden behutsam begleitet. Lernen wird als gemeinschaftliche Aufgabe verstanden.

Hannover gilt hier als Vorreiter. Mit 51 Early-Excellence-Familienzentren hat die Stadt ein Netz geschaffen, das Kinder und Familien gleichermaßen stärkt. Für den BDP ist Hannover ein Beleg dafür, dass dieser Ansatz funktioniert – und bundesweit Schule machen sollte.

Warum Psycholog*innen in Kitas gebraucht werden

Erzieherinnen leisten jeden Tag wertvolle Arbeit. Dennoch stoßen sie zunehmend an Grenzen. Die Gruppen sind groß, die Aufgaben vielfältig und die Bedürfnisse der Kinder sehr unterschiedlich. Genau hier sieht der BDP den Bedarf an Psychologinnen in Kindergärten.

Diese könnten Kinder gezielt unterstützen, wenn sie Schwierigkeiten haben, sich zu konzentrieren, zu regulieren oder in der Gruppe zurechtzukommen. Sie könnten Teams dabei helfen, Lernräume so zu gestalten, dass sie Kinder nicht über-, aber auch nicht unterfordern. Und sie könnten Eltern begleiten, wenn Unsicherheiten oder Belastungen auftreten.

Dabei geht es ausdrücklich nicht darum, Kitas zu Therapieräumen zu machen. Es geht um Prävention. Um frühe Hilfe. Um bessere Bedingungen, bevor Probleme größer werden. Aus Sicht des BDP wäre dies ein wichtiger Schritt hin zu mehr Bildungsgerechtigkeit.

Startchancen – guter Impuls, aber zu spät gedacht

Der BDP begrüßt das Startchancen-Programm der Bundesregierung als grundsätzlich richtigen Schritt. Es zeigt, dass Bildungsgerechtigkeit endlich stärker in den Fokus rückt. Gleichzeitig hält der Verband den Ansatz für zu schullastig.

Denn viele Weichen werden bereits gestellt, bevor ein Kind überhaupt einen Klassenraum betritt. In der Kita. In der Familie. In den ersten Lebensjahren. Wenn diese Phase nicht ausreichend berücksichtigt wird, bleiben spätere Maßnahmen oft weniger wirksam, als sie sein könnten.

Der BDP plädiert deshalb für einen stärkeren Blick auf die Frühförderung. Für mehr Early-Excellence-Familienzentren. Für bessere strukturelle Bedingungen in Kitas. Und für die verbindliche Einbindung von Psycholog*innen in die frühkindliche Bildung.

Am Ende läuft alles auf eine einfache Erkenntnis hinaus: Wer Kinder stark machen will, muss früh beginnen.




Bessere Sprachentwicklung in Kita: Mehr Beobachten statt bloßer Tests!

Neue interdisziplinäre Expertise zeigt: Sprachentwicklung gelingt vor allem durch alltagsintegrierte Bildung, qualifizierte Beobachtung und bessere Vernetzung – nicht durch flächendeckende Screenings

Die jüngst erschienene Expertise zur Erfassung und Förderung der sprachlichen Entwicklung in der Kindertagesbetreuung zeichnet ein ambivalentes Bild: In deutschen Kitas wird sehr viel beobachtet, dokumentiert und getestet – doch die vorhandenen Daten führen häufig nicht zu besserer Unterstützung für Kinder. Stattdessen dominieren punktuelle Messungen, die wenig über tatsächliche Entwicklungsverläufe aussagen und kaum handlungsleitend für die pädagogische Praxis sind.

Die Autor*innen betonen, dass Sprache kein isolierbares „Testmerkmal“ ist, sondern sich in Beziehungen, Alltagssituationen und sozialen Kontexten entwickelt. Strukturelle Probleme wie Fachkräftemangel, große Gruppen und fehlende Zeit erschweren es Kitas zusätzlich, Beobachtungen systematisch auszuwerten und in passgenaue Sprachbildungsangebote zu überführen. Gleichzeitig werden viele Verfahren eingesetzt – in NRW durchschnittlich vier pro Einrichtung –, ohne dass ihre Ergebnisse sinnvoll miteinander verknüpft werden.

Beobachtung statt Momentaufnahme: Was wirklich trägt

Im Zentrum der Empfehlungen steht die kontinuierliche, systematische Beobachtung als zentrales Instrument der Sprachstandserfassung. Offene Verfahren wie Bildungs- und Lerngeschichten oder wahrnehmende Beobachtung erlauben einen ganzheitlichen Blick auf Kinder, ihre Interessen, Kommunikationsweisen und Lernwege. Standardisierte Bögen wie BaSiK, Seldak oder Sismik können dies ergänzen, ersetzen aber nicht den Blick auf den Alltag des Kindes.

Entscheidend ist, dass Beobachtungen nicht nur dokumentiert, sondern konsequent in pädagogisches Handeln übersetzt werden: Welche sprachlichen Anregungen braucht dieses Kind? Welche Situationen fördern Dialog? Welche Umgebung unterstützt konzentriertes Sprechen und Zuhören? Dafür braucht es gut qualifizierte Fachkräfte, regelmäßige Reflexion und ausreichende Zeitressourcen.

Warum Sprachscreenings überschätzt werden

Sprachscreenings werden in der politischen Debatte oft als Lösung präsentiert – etwa im Kontext der geplanten verpflichtenden Sprachdiagnostik für Vierjährige. Die Expertise zeigt jedoch klar ihre Grenzen: Screenings liefern nur Momentaufnahmen, sind anfällig für falsch-positive Ergebnisse und bieten kaum Hinweise für konkrete Förderung.

Besonders problematisch ist ihr Einsatz bei mehrsprachigen Kindern. Viele Verfahren basieren auf einsprachigen Altersnormen und deuten typische Merkmale des Zweitspracherwerbs fälschlich als „Defizit“. Dadurch besteht die Gefahr von Stigmatisierung, Fehlzuweisungen zu Fördermaßnahmen oder sogar ungerechtfertigten Schulrückstellungen.

Alltagsintegrierte Sprachbildung ist am wirksamsten

Statt additiver Förderprogramme in separaten Settings plädiert die Expertise für eine bedarfsorientierte, alltagsintegrierte Sprachbildung. Kinder lernen Sprache am besten in authentischen, interessengeleiteten Interaktionen – beim Spielen, Erzählen, Forschen und gemeinsamen Handeln.

Wirksame Praxis bedeutet daher:

  • dialogische, beziehungsorientierte Kommunikation,
  • eine ruhige, strukturierte und sprachlich anregende Umgebung,
  • Wertschätzung von Mehrsprachigkeit als Ressource,
  • gezielte Zusammenarbeit mit Familien,
  • und professionelle Fachberatung für Kitas.

Additive Programme können ergänzen, ersetzen aber nicht gute pädagogische Prozessqualität.

Logopädische Diagnostik: notwendig – aber oft zu spät

Bei auffälligen Entwicklungsverläufen ist eine frühzeitige, mehrdimensionale logopädische Diagnostik unerlässlich. Sie sollte alle Sprachen des Kindes einbeziehen und medizinische Aspekte wie Hörfähigkeit berücksichtigen.

In der Realität behindern jedoch lange Wartezeiten, regionale Versorgungslücken und fehlende Dolmetschangebote eine zeitnahe Abklärung. Dies erhöht das Risiko von Fehldiagnosen und verspäteten Interventionen – mit langfristigen Folgen für die Bildungsbiografie der Kinder.

Vernetzung als Schlüssel zur besseren Sprachbildung

Ein zentrales Ergebnis der Expertise ist die Notwendigkeit stärkerer multiprofessioneller Kooperation zwischen Kita, Kinderärzt*innen, Logopädie, Frühförderstellen und Jugendhilfe – immer in enger Abstimmung mit den Familien.

Empfohlen werden unter anderem:

  • bessere Schnittstellen für den Informationsaustausch,
  • Ausbau diagnostischer und therapeutischer Kapazitäten,
  • rechtliche Erleichterungen für Sprachtherapie in Kitas,
  • anschlussfähige Übergänge von der Kita zur Grundschule,
  • und die Verstetigung erfolgreicher Modellprojekte.

Weg vom Defizitblick, hin zu chancengerechter Sprachbildung

Die Expertise fordert einen Paradigmenwechsel: Weg von defizitorientierter „Sprachförderung“, hin zu einer inklusiven, ressourcenorientierten Sprachbildung, die jedes Kind in seiner individuellen Entwicklung ernst nimmt.

Nicht mehr Tests sind der Schlüssel – sondern bessere Rahmenbedingungen, qualifizierte Fachkräfte und eine enge Verzahnung von Bildung, Gesundheit und Familie. Nur so kann sprachliche Bildung nachhaltig gelingen und echte Bildungsgerechtigkeit entstehen. Quelle: Espenhorst, N., Koch, S., Albers, T., Cloos, P., Glück, C., Hruška, C. A., & Scharff Rethfeldt, W. (2026): Erfassung und Förderung der sprachlichen Entwicklung im Kontext der Kindertagesbetreuung. Handlungsempfehlungen für geeignete Maßnahmen und Konzepte aus interdisziplinärer Sicht. Deutscher Paritätischer Wohlfahrtsverband.




Online-Infoabende zur Elementarpädagogik an der PH Niederösterreich

Wer mit jungen Kindern arbeiten möchte, erhält im Februar 2026 online Einblicke in Studium und Weiterbildung

Wer sich für Bildung von Anfang an interessiert und beruflich im Bereich der frühen Kindheit tätig werden möchte, kann sich im Februar 2026 im Rahmen mehrerer Online-Informationsabende über Studien- und Weiterbildungsangebote der Pädagogischen Hochschule Niederösterreich informieren. Die Veranstaltungen richten sich an alle, die sich für Elementarpädagogik und inklusive frühkindliche Bildung interessieren — unabhängig davon, ob sie am Beginn ihrer beruflichen Orientierung stehen oder bereits pädagogisch tätig sind.

Die Teilnahme ist online, kostenlos und unverbindlich möglich.

Für wen sind die Informationsabende gedacht?

Die Online-Abende richten sich an:

  • Personen, die überlegen, Elementarpädagog*in zu werden,
  • Interessierte an inklusiven Zugängen in der frühen Bildung,
  • Berufstätige, die sich akademisch weiterqualifizieren möchten.

Angesprochen sind damit sowohl Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger als auch pädagogische Fachkräfte, die ihre Kompetenzen vertiefen oder formalisieren möchten.

Welche Studien- und Weiterbildungsangebote werden vorgestellt?

Vorgestellt werden unterschiedliche Studienformate im Bereich Elementarpädagogik und Inklusive Elementarpädagogik — darunter:

  • das neue Bachelorstudium,
  • Hochschullehrgänge zur Weiterbildung,
  • weiterführende Bachelor- und Masterangebote.

Die Teilnehmenden erhalten Einblick in Inhalte, Aufbau und Anforderungen der einzelnen Programme und erfahren, welche Qualifikationen für welche beruflichen Perspektiven sinnvoll sind.

Direkter Austausch mit den Studienverantwortlichen

Ein zentraler Bestandteil der Informationsabende ist der direkte Kontakt mit den Ansprechpersonen der Studiengänge. Interessierte können Fragen stellen, individuelle Voraussetzungen klären und sich persönlich beraten lassen. Damit bieten die Veranstaltungen nicht nur einen Überblick, sondern auch eine fundierte Orientierungshilfe für die eigene Bildungs- und Berufsentscheidung.

Frühkindliche Bildung als wachsendes Berufsfeld

Der Bedarf an qualifizierten Fachkräften in der Elementarpädagogik wächst — ebenso wie die Bedeutung inklusiver, diversitätssensibler Bildungsansätze. Die Informationsabende der Pädagogischen Hochschule Niederösterreich greifen diese Entwicklungen auf und zeigen, welche akademischen Wege in dieses Berufsfeld führen und wie sich bestehende Kompetenzen gezielt weiterentwickeln lassen.

Hier finden Sie alle Termine mit Zoom-Links, Uhrzeiten und Zugangsdaten




Pädagogische Fachkraft werden: Infoveranstaltung in Freiburg 2026

Welche Wege in die Arbeit mit Kindern führen – und wie der Einstieg gelingen kann

Wer mit Kindern von 0 bis 10 Jahren arbeiten möchte, steht oft vor vielen offenen Fragen: Welche Ausbildung passt zu mir? Welche Abschlüsse werden anerkannt? Welche Möglichkeiten gibt es für Quereinsteigerinnen oder für Frauen mit pädagogischer Vorbildung aus dem Ausland?

Antworten auf diese Fragen bietet die Informationsveranstaltung „Pädagogische Fachkraft werden – aber wie?“ am Mittwoch, 25. Februar 2026, von 9:00 bis 12:30 Uhr im Historischen Kaufhaus am Münsterplatz in Freiburg. Die Veranstaltung richtet sich an Frauen aus der Region Freiburg, die sich beruflich in Richtung Elementar- und Frühpädagogik orientieren oder weiterqualifizieren möchten.

Für wen ist die Veranstaltung gedacht?

Die Veranstaltung richtet sich an Frauen, die

  • neu in das Berufsfeld der Arbeit mit Kindern einsteigen möchten,
  • bereits Erfahrung in der Betreuung, Erziehung oder Bildung von Kindern im Alter von 0 bis 10 Jahren haben (auch durch eigene Kinder),
  • einen Berufsabschluss als Hebamme, Familienpflegerin, Grund-, Haupt- oder Sonderschullehrerin (1. Staatsexamen) besitzen,
  • oder einen pädagogischen Berufsabschluss im Ausland erworben haben.

Hilfreich sind Deutschkenntnisse auf mindestens dem Sprachniveau B1.

Was erwartet die Teilnehmerinnen?

Im Mittelpunkt steht eine Informationsbörse mit zahlreichen Einrichtungen und Beratungsstellen aus Freiburg und der Region. Dort können Teilnehmerinnen persönliche Fragen klären, sich individuell beraten lassen und Kontakte knüpfen.

Begleitend finden zwei Vortragsrunden statt, in denen unter anderem folgende Fragen behandelt werden:

  • Wie werde ich Erzieherin?
  • Wie werde ich sozialpädagogische Assistenz?
  • Wie werde ich Tagesmutter bzw. Kindertagespflegeperson?

Die Vorträge informieren über Ausbildungswege, Zugangsvoraussetzungen, schulische und praxisintegrierte Modelle sowie über Möglichkeiten des Direkteinstiegs in Kitas.

Wer organisiert die Veranstaltung?

Veranstaltet wird die Informationsveranstaltung von der Kontaktstelle Frau und Beruf Freiburg – Südlicher Oberrhein in Zusammenarbeit mit zahlreichen regionalen Partnern aus Bildung, Beratung, Arbeitsmarkt und Verwaltung. Die Teilnahme ist kostenfrei, eine Anmeldung ist erforderlich.

Termin und Ort

  • Wann: Mittwoch, 25. Februar 2026, 9:00–12:30 Uhr
  • Wo: Historisches Kaufhaus, Münsterplatz, Freiburg
  • Anmeldung: über www.frauundberuf-bw.de/freiburg oder per QR-Code im Flyer
  • Kosten: kostenfrei

>> Hier geht’s zur Anmeldung




Vortrag auf der didacta: Kinder haben ein Recht auf ihre Kindheit

Prof. Dr. Armin Krenz plädiert auf der didacta 2026 für eine Elementarpädagogik, die sich konsequent an den Bedürfnissen von Kindern orientiert

In knapp zwei Monaten öffnet die didacta Bildungsmesse in Köln vom 10. bis 14. März 2026 wieder ihre Tore — und spielen und lernen ist mit dabei. Im Rahmen der Messe hält der bekannte Sozialpädagoge und Begründer des „Situationsorientierten Ansatzes“, Prof. Dr. Armin Krenz, einen Vortrag mit dem Titel:

„Kinder haben ein RECHT auf ihre Kindheit — Ein Plädoyer für eine kind(heits)orientierte Elementarpädagogik“

Der Vortrag findet am Dienstag den 10. März 2026 auf der Stiftungsfläche des Ausschusses Frühe Bildung im Didacta Verband in Halle 8, Stand D 044, von 14 bis 15 Uhr statt.

Zum Inhalt des Vortrags

Kinder brauchen Entwicklungsbedingungen, die ihnen helfen, eine sichere Identität aufzubauen, Lebensfreude zu verspüren, Lernfreude zu entdecken, Selbstbildung zu entwickeln und psycho-soziale Kommunikations- und Interaktionsfähigkeiten auszubilden, die ein hohes Maß an Nachhaltigkeit ermöglichen.

Diese lebensbedeutsamen Merkmale, die sich aus dem Erziehungs-, Bildungs- und Betreuungsauftrag ableiten lassen, geraten jedoch zunehmend in Gefahr — dann nämlich, wenn das Kinderleben immer stärker durch Erwachsenenvorgaben fremdgesteuert wird, Kinderzeiten durch getaktete Zeitvorgaben zerrissen werden, Entwicklungsräume enger werden und Bindungssicherheiten immer weniger erlebt werden können.

Vor diesem Hintergrund richtet sich der Blick auf eine zentrale Frage:
Was brauchen Kinder wirklich — und was muss Elementarpädagogik leisten, um ihren Auftrag qualitätsorientiert und professionell erfüllen zu können?

Persönliche Begegnung mit Prof. Dr. Krenz

Prof. Dr. Armin Krenz wird von Dienstag 10.3. bis Donnerstag 12.3. auf der Messe anwesend sein. Am Stand der Körner Medien, zu der auch spielen und lernen gehört, wird es Gelegenheit zum persönlichen Austausch mit ihm geben. Die genaue Standplatzierung steht derzeit noch nicht fest und wird nachgereicht.


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Spiel ist Bildung — warum wir umdenken müssen

Das Spiel verliert in vielen Kitas zunehmend an Bedeutung — verdrängt durch Förderprogramme, Zeitdruck und wachsende Anforderungen an Fachkräfte. Dabei ist Spiel der Motor kindlicher Selbstbildung. Unsere Veröffentlichung zeigt, warum Spiel unverzichtbar ist und wie eine lebendige Spielpädagogik Kinder stärkt, Entwicklung ermöglicht und Bildung wieder kindgerecht macht.

Armin Krenz
Spiel und Selbstbildung – Kitas brauchen eine pädagogische Revolution
Softcover, 176 Seiten
ISBN: 978-3-96304-616-2
22 €




Wie Inklusion in Hamburgs Kitas gelingen kann – neue Forschung zeigt Wege

Was Leitungskräfte, Teams und Träger konkret tun können, um autistische Kinder wirksam einzubeziehen

Inklusion ist längst ein erklärtes Ziel der frühkindlichen Bildung in Deutschland – doch in der Praxis bleibt sie häufig fragmentarisch. Zwar betreuen laut Statista inzwischen rund 41 Prozent aller Kindertageseinrichtungen Kinder mit Anspruch auf Eingliederungshilfe, gleichzeitig fühlen sich viele pädagogische Fachkräfte nicht ausreichend auf die Bedürfnisse neurodivergenter Kinder vorbereitet. Insbesondere autistische Kinder stoßen im Kita-Alltag weiterhin auf strukturelle, organisatorische und kulturelle Barrieren. Eine aktuelle empirische Untersuchung aus Hamburg zeigt nun, wo genau diese Barrieren liegen – und welche Stellschrauben tatsächlich geeignet sind, um Inklusion im Alltag wirksam umzusetzen.

Der Blick auf die Organisation statt nur auf das Kind

Im Zentrum der Studie steht nicht das einzelne Kind, sondern die Organisation Kita als Ganzes. Der entscheidende Befund: Inklusion gelingt nicht primär durch einzelne Fortbildungen oder zusätzliche Fachkräfte, sondern durch eine gezielte Veränderung der Organisationskultur – und diese wird maßgeblich von der Leitungsebene geprägt. Kita-Leitungen nehmen eine Schlüsselrolle ein, weil sie gleichzeitig pädagogische, organisatorische und kommunikative Verantwortung tragen und damit als Bindeglied zwischen Team, Träger, Familien und externen Unterstützungsstrukturen fungieren.

Diversitätskompetenz als strategische Aufgabe

Die Untersuchung zeigt, dass Leitungskräfte dann wirksam zur Inklusion beitragen können, wenn sie Diversitätskompetenz nicht als individuelles Merkmal einzelner Fachkräfte begreifen, sondern als strategische Entwicklungsaufgabe der gesamten Einrichtung. Diversitätskompetenz umfasst dabei mehrere Ebenen: Wissen über Neurodiversität und Autismus, die Fähigkeit zur kritischen Reflexion normativer Vorstellungen von „Normalität“, eine diskriminierungssensible Haltung sowie konkrete Kompetenzen zur Anpassung von Strukturen, Routinen und Kommunikationsformen im Kita-Alltag.

Strukturelle Barrieren entstehen oft unbeabsichtigt

Ein zentrales Ergebnis der Studie ist, dass viele strukturelle Barrieren nicht aus fehlendem guten Willen entstehen, sondern aus institutionellen Routinen, die nie für Vielfalt konzipiert wurden. Starre Tagesabläufe, laute Gruppenräume, wenig Rückzugsmöglichkeiten, normierte Entwicklungsraster oder defizitorientierte Förderlogiken können für autistische Kinder hoch belastend wirken und ihre Teilhabe erheblich einschränken. Inklusion bedeutet daher nicht, einzelne Kinder „passend zu machen“, sondern die Umgebung so zu gestalten, dass unterschiedliche Wahrnehmungs-, Kommunikations- und Verhaltensweisen gleichberechtigt Platz haben.

Leitungskräfte als Motor für kulturellen Wandel

Besonders deutlich wird in der Untersuchung, dass Leitungskräfte eine entscheidende Rolle dabei spielen, diese Perspektivverschiebung im Team zu verankern. Sie entscheiden darüber, ob Inklusion als Zusatzaufgabe unter Zeitdruck erlebt wird – oder als Qualitätsmerkmal professioneller pädagogischer Arbeit. Sie setzen Prioritäten, ermöglichen Fortbildungszugänge, schaffen Reflexionsräume im Team und verhandeln mit Trägern und Behörden über Ressourcen, Zuständigkeiten und Rahmenbedingungen.

Engagement stößt an strukturelle Grenzen

Gleichzeitig macht die Studie sichtbar, dass selbst engagierte Leitungen an strukturelle Grenzen stoßen. Zeitmangel, Personalknappheit, finanzielle Restriktionen und administrative Anforderungen begrenzen den Handlungsspielraum erheblich. Viele Leitungskräfte erleben einen Zielkonflikt zwischen pädagogischem Anspruch und organisatorischer Realität. Inklusion wird dadurch nicht selten zur zusätzlichen Belastung, statt als integraler Bestandteil professioneller Praxis wahrgenommen zu werden.

Der Umgang mit Autismus prägt Teilhabechancen

Ein weiterer zentraler Befund betrifft den gesellschaftlichen und institutionellen Umgang mit Autismus. Trotz wachsender öffentlicher Aufmerksamkeit sind autistische Kinder in vielen pädagogischen Kontexten weiterhin mit defizitorientierten Zuschreibungen konfrontiert. Die Studie zeigt, dass diese Zuschreibungen nicht nur das pädagogische Handeln beeinflussen, sondern auch die Erwartungen an Kinder und Familien prägen – und damit Teilhabemöglichkeiten strukturell begrenzen. Inklusion erfordert daher nicht nur organisatorische Anpassungen, sondern auch eine bewusste Auseinandersetzung mit eigenen Haltungen, Deutungsmustern und Machtverhältnissen im Bildungssystem.

Was Kitas konkret tun können

Aus den Ergebnissen lassen sich mehrere konkrete Handlungsempfehlungen ableiten: Erstens braucht Inklusion eine klare strategische Verankerung auf Leitungsebene. Zweitens müssen Reflexions- und Lernräume für Teams institutionalisiert werden, um Unsicherheiten, Vorurteile und Überforderungen bearbeiten zu können. Drittens ist eine enge Kooperation mit Familien essenziell, da sie über unverzichtbares Wissen über die Bedürfnisse ihrer Kinder verfügen. Und viertens braucht es auf struktureller Ebene deutlich mehr politische und institutionelle Unterstützung, um Inklusion nicht nur zu fordern, sondern auch realistisch zu ermöglichen.

Inklusion als dauerhafter Entwicklungsprozess

Insgesamt zeigt die Hamburger Untersuchung: Inklusion ist kein Zustand, der einmal erreicht und dann verwaltet wird, sondern ein fortlaufender Entwicklungsprozess. Sie entsteht dort, wo Organisationen lernfähig bleiben, Vielfalt nicht als Abweichung, sondern als Normalität begreifen und bereit sind, bestehende Strukturen kritisch zu hinterfragen. Hamburgs Kitas verfügen über engagierte Fachkräfte und Leitungsteams – doch ohne strukturelle Entlastung, klare politische Rahmenbedingungen und eine konsequente Abkehr von defizitorientierten Denkmodellen bleibt Inklusion fragil.

Die Forschung macht deutlich: Wer echte Teilhabe in der frühkindlichen Bildung will, muss nicht zuerst die Kinder verändern, sondern die Systeme, in denen sie aufwachsen.

Weitere Informationen zu Gleichstellung und Diversität an der IU unter: https://www.iu.de/hochschule/diversity-und-gleichstellung/

Gernot Körner




Zwei Wege zum Stern: Bibel und Legende der Weisen aus dem Morgenland

Warum wir die biblische Erzählung und die Legende von Caspar, Melchior und Balthasar nebeneinanderstellen – und was Kinder daraus lernen können.

In der Bibel wird erzählt, dass Weise aus dem Morgenland einem besonderen Stern folgten und nach Bethlehem kamen. Ihre Namen werden nicht genannt, und vieles bleibt offen. Diese Erzählung ist knapp und konzentriert sich auf das Wesentliche.

Viele Jahrhunderte später begannen Menschen, diese Geschichte weiterzudenken. Sie stellten sich vor, wer diese Weisen gewesen sein könnten, woher sie kamen und was sie auf ihrem Weg erlebt hatten. So entstand eine zweite Erzählung – eine Legende. In ihr bekamen die Weisen Namen, eine Herkunft und eine gemeinsame Geschichte. Man nannte sie Caspar, Melchior und Balthasar und sprach von ihnen als Königen.

Die erste Geschichte ist eine biblische Überlieferung. Die zweite ist eine gewachsene Legende, die den Glauben, die Fantasie und die Erfahrungen vieler Generationen widerspiegelt. Beide Geschichten erzählen vom Suchen, vom Mut zum Aufbruch und davon, dass Licht selbst in dunklen Zeiten den Weg zeigen kann.

Die Weisen aus dem Morgenland

Einige Zeit nach der Geburt Jesu geschah etwas, das weit über Bethlehem hinaus Beachtung fand.

In einem fernen Land lebten Männer, die den Himmel aufmerksam beobachteten. Sie kannten die Sterne, ihre Bewegungen und ihre Zeichen. Wenn sich am Himmel etwas veränderte, glaubten sie, dass auch auf der Erde etwas Wichtiges geschah.

Eines Nachts blieb einer von ihnen stehen und sagte leise: „Seht dort. Dieser Stern war gestern noch nicht da.“

Die anderen blickten hinauf. Ein neuer Stern leuchtete hell am Himmel. „Er ist anders als die anderen“, sagte einer. „Er kündigt etwas an“, meinte ein anderer.

Nach langem Nachdenken kamen sie zu dem Schluss: Ein besonderer König musste geboren worden sein. „Wir sollten ihn suchen“, sagte der Älteste.

„Auch wenn wir nicht wissen, wohin der Weg uns führt“, antwortete ein anderer. Sie machten sich auf den Weg und folgten dem Stern. Ihre Reise führte sie schließlich nach Jerusalem. Dort fragten sie die Menschen:

„Wo ist der neugeborene König der Juden? Wir haben seinen Stern gesehen und sind gekommen, um ihn zu ehren.“

Diese Worte erreichten auch König Herodes. Er ließ die Weisen zu sich rufen und sprach freundlich zu ihnen: „Sucht das Kind und sagt mir Bescheid, wenn ihr es gefunden habt. Auch ich möchte hingehen und dem Kind huldigen.“

Doch seine Worte waren nicht ehrlich.

Als die Weisen Jerusalem verließen, erschien der Stern wieder. Er führte sie nach Bethlehem und blieb über einem Haus stehen. Dort fanden sie Maria, Josef und das Kind. Sie knieten nieder und brachten ihre Gaben dar: Gold, Weihrauch und Myrrhe.

In der Nacht hatten sie einen Traum. Darin wurden sie gewarnt, nicht zu Herodes zurückzukehren. „Wir müssen einen anderen Weg nehmen“, sagten sie zueinander.

So kehrten sie heim – verändert durch das, was sie gesehen hatten.

Die heiligen drei Könige: Caspar, Melchior und Balthasar

Viele Jahre später erzählten sich die Menschen diese Geschichte weiter. Dabei entstand die Legende von drei Königen: Caspar, Melchior und Balthasar.

Es heißt, dass sie sich kannten, weil sie sich mit den Sternen beschäftigten. Sie lebten in verschiedenen Ländern, doch sie standen miteinander in Verbindung und tauschten ihr Wissen aus.

Eines Nachts entdeckte jeder von ihnen denselben neuen Stern am Himmel. Caspar sagte: „So hell hat noch nie ein Stern geleuchtet.“ Melchior erwiderte: „Er erscheint nicht zufällig.“ Balthasar fügte hinzu: „Vielleicht ruft er uns.“

Sie verabredeten sich, diesem Zeichen zu folgen, und trafen sich nach langer Reise. Dort entschieden sie gemeinsam: „Wir gehen los. Wir wollen sehen, wohin uns dieses Licht führt.“

Sie packten Geschenke ein, die einem König würdig waren: Gold, Weihrauch und Myrrhe. Ihre Reise führte sie zuerst nach Jerusalem zum Palast von König Herodes. „Wir suchen einen neugeborenen König“, sagten sie offen. „Ein Stern hat uns zu ihm geführt.“

Herodes erschrak, verbarg seine Angst jedoch hinter freundlichen Worten: „Geht und sucht das Kind. Wenn ihr es gefunden habt, kommt zurück und sagt mir Bescheid. Auch ich möchte hingehen und dem Kind huldigen.“

Als sie den Palast verließen, sagte Balthasar leise: „Seine Worte klingen freundlich, aber sie sind nicht wahr.“

Der Stern erschien wieder und führte sie nach Bethlehem. Dort fanden sie Maria, Josef und das Kind. Sie knieten nieder und überreichten ihre Geschenke.

In der Nacht hatten auch sie einen Traum. Darin wurden sie gewarnt, nicht zu Herodes zurückzukehren.

„Wenn wir zurückgehen, bringen wir das Kind in Gefahr“, sagte Melchior. „Dann nehmen wir einen anderen Weg“, antwortete Caspar.

So machten sie sich auf einem anderen Weg auf den Heimweg.

Über Suchen, Vertrauen, Gefahr und Verantwortung

Diese beiden Geschichten helfen Kindern, über Suchen, Vertrauen, Gefahr und Verantwortung nachzudenken.

Gesprächsimpulse:

Warum folgen die Weisen dem Stern?
Woran merkt man, dass Herodes nicht ehrlich ist?
Warum ist es wichtig, das Kind zu schützen?

Diese Geschichten erzählen davon, dass Hoffnung manchmal klein beginnt und dennoch stark ist.




Personalmangel in Kitas: Wenn gute Bildung unter Stress gerät

OECD-Studie zeigt: Fehlzeiten und hohe Belastung gefährden Qualität frühkindlicher Bildung

Qualitativ hochwertige frühkindliche Bildung, Betreuung und Erziehung ist eine zentrale Voraussetzung für gleiche Bildungschancen. Für Kinder in der Kita bedeutet Qualität vor allem verlässliche Beziehungen, Zeit für Zuwendung und eine anregende Lernumgebung. Eine aktuelle internationale OECD-Studie zeigt jedoch: In deutschen Kitas geraten diese Grundlagen zunehmend unter Druck – durch Personalmangel, hohe Fehlzeiten und starken beruflichen Stress der Fachkräfte.

Fehlzeiten belasten den Kita-Alltag besonders stark

Fast 80 Prozent der befragten Kita-Leitungen in Deutschland geben an, dass Fehlzeiten im Team ihre Möglichkeiten einschränken, Kindern ein gutes Umfeld für Entwicklung, Wohlbefinden und Lernen zu bieten. Mehr als jede zweite Leitung sieht zudem den Personalmangel in Relation zur Kinderzahl als ernsthafte Hürde für pädagogische Qualität. Diese Werte liegen deutlich über dem Durchschnitt der 17 an der Studie beteiligten Länder und betreffen sowohl Krippen- als auch Kindergartengruppen.

Hoher Stress trifft auch die Kinder

Die Ergebnisse der Studie TALIS Starting Strong 2024 zeigen deutlich, wie stark die personellen Engpässe die Fachkräfte belasten. Mehr als drei Viertel der pädagogischen Fach- und Leitungskräfte in Deutschland erleben ihren Kita-Alltag als stressig – ein international auffällig hoher Wert. Zusätzliche Aufgaben durch krankheitsbedingte Ausfälle gehören zu den größten Belastungsfaktoren. Für Kinder bedeutet dies häufig wechselnde Bezugspersonen, weniger Zeit für individuelle Begleitung und eine eingeschränkte pädagogische Gestaltung des Alltags.

Berufszufriedenheit trotz hoher Belastung

Bemerkenswert ist: Trotz der hohen Arbeitsbelastung sind viele Fachkräfte grundsätzlich zufrieden mit ihrem Beruf. Die große Mehrheit fühlt sich von Kindern und Eltern wertgeschätzt. Auch die Zufriedenheit mit dem Gehalt hat sich seit 2018 deutlich verbessert, unter anderem durch Tariferhöhungen. Dennoch wünschen sich weiterhin mehr als die Hälfte der Befragten eine bessere Bezahlung und vor allem mehr gesellschaftliche Anerkennung für ihre Arbeit.

Qualifiziertes Personal, hoher Fortbildungsbedarf

Im internationalen Vergleich ist das Qualifikationsniveau des pädagogischen Personals in Deutschland hoch. Fast alle Fachkräfte verfügen über eine spezifische Ausbildung, viele sogar über einen akademischen Abschluss. Gleichzeitig zeigt die Studie einen wachsenden Fortbildungsbedarf – insbesondere im Bereich sprachlicher Förderung sowie im Umgang mit Kindern mit sonderpädagogischem Unterstützungsbedarf. Diese Herausforderungen spiegeln die zunehmende Vielfalt in den Kitas wider.

Weiterbildung scheitert oft am Personalmangel

Zwar nehmen viele Fachkräfte regelmäßig an Fort- und Weiterbildungen teil, doch der Personalmangel bremst diese Entwicklung. Rund die Hälfte der Befragten gibt an, dass fehlende Vertretungen eine Teilnahme erschweren. Damit entsteht ein Teufelskreis: Gerade dort, wo Weiterentwicklung dringend nötig wäre, fehlen die personellen Voraussetzungen.

Investitionen bleiben entscheidend

Die Studienverantwortlichen betonen, dass Investitionen in Personal und Arbeitsbedingungen weiterhin notwendig sind, um Qualität zu sichern und Fachkräfte im Beruf zu halten. Sinkende Geburtenzahlen ändern daran wenig. Für Kinder in Kitas geht es dabei um mehr als Organisation: Es geht um stabile Beziehungen, emotionale Sicherheit und gute Voraussetzungen für Lernen und Entwicklung.

Internationale Forschung liefert wichtige Hinweise

TALIS Starting Strong ist eine internationale OECD-Studie zu Arbeitsbedingungen und pädagogischer Qualität in der frühen Bildung. Die aktuellen Ergebnisse machen deutlich, wie eng das Wohlbefinden der Fachkräfte mit der Bildungsqualität für Kinder verknüpft ist – und wie dringend strukturelle Verbesserungen gebraucht werden.

Ergebnisbericht “Results from TALIS Starting Strong 2024 – Strengthening Early Childhood Education and Care”