Soziale Herkunft prägt die Anstrengung von Schulkindern

Experimentelle WZB-Studie zeigt: Belohnungen können soziale Unterschiede im Engagement verringern

Wie stark Kinder sich bei schulischen Aufgaben anstrengen, hängt auch mit ihrer sozialen Herkunft zusammen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB), die im Fachjournal American Sociological Review veröffentlicht wurde. Erstmals wurde dabei nicht nur die Leistungsfähigkeit untersucht, sondern gezielt die Anstrengungsbereitschaft von Schülerinnen und Schülern.

Was beeinflusst die Anstrengungsbereitschaft?

Seit vielen Jahren ist belegt, dass der Bildungserfolg eng mit dem sozialen Hintergrund verknüpft ist. Deutlich weniger erforscht war bislang jedoch die Frage, ob und in welchem Ausmaß sich Kinder aus unterschiedlichen sozialen Milieus unterschiedlich stark anstrengen – unabhängig von ihren kognitiven Fähigkeiten. Genau hier setzt das Forschungsprojekt „Effort and Social Inequality“ an, das seit 2018 am WZB durchgeführt wurde.

Das Studiendesign: 1.360 Kinder im Experiment

An der experimentellen Studie nahmen 1.360 Fünftklässlerinnen und Fünftklässler aus Berlin und Madrid teil. Insgesamt waren 60 Klassen aus 32 Schulen beteiligt. Die Kinder bearbeiteten einfache, aber bewusst anstrengende kognitive Aufgaben. Diese erforderten Konzentration, Aufmerksamkeit und Selbstkontrolle. Ziel war es, das tatsächliche Engagement bei der Aufgabenbearbeitung messbar zu machen.

Die Aufgaben wurden in unterschiedlichen Settings durchgeführt. In einer Variante erhielten die Kinder keine Belohnung für richtige Lösungen. In einer zweiten Situation wurden kleine materielle Anreize, etwa kleine Geschenke, in Aussicht gestellt. In einer dritten Konstellation arbeiteten die Schülerinnen und Schüler im Wettbewerb und erhielten zusätzlich symbolische Anerkennung.

Zentrale Ergebnisse der Studie

Die Auswertung zeigt ein differenziertes Bild. Kinder aus sozial privilegierten Familien investierten im Durchschnitt mehr kognitive Anstrengung als Kinder aus weniger privilegierten Haushalten. Besonders deutlich wurde dieser Unterschied in der Situation ohne Belohnung, also dort, wo ausschließlich intrinsische Motivation gefragt war.

Gleichzeitig fällt auf, dass die Differenz insgesamt moderat bleibt. Sobald kleine Anreize eingeführt wurden, verringerte sich der Abstand zwischen den Gruppen deutlich. Kinder aus sozial benachteiligten Familien arbeiteten unter diesen Bedingungen nahezu ebenso engagiert wie ihre privilegierteren Mitschülerinnen und Mitschüler. Der Effekt zeigte sich sowohl bei materiellen Anreizen als auch bei symbolischer Anerkennung im Wettbewerb.

Von den sozialen Rahmenbedingungen geprägt

Interessant ist zudem, dass sich die Unterschiede nicht durch Intelligenz oder stabile Persönlichkeitseigenschaften erklären lassen. Vielmehr deuten die Ergebnisse darauf hin, dass das Anstrengungsverhalten stark von den sozialen Rahmenbedingungen geprägt wird. Ressourcen im Elternhaus, zeitliche Unterstützung, materielle Sicherheit und alltägliche Stabilität beeinflussen offenbar, wie viel Energie Kinder in eine Aufgabe investieren können oder wollen.

Kinder, die mit knapperen finanziellen Mitteln oder unter größerem familiären Druck aufwachsen, erleben häufiger Unsicherheiten. Diese können sich auf Konzentration und Ausdauer auswirken. Umgekehrt verfügen privilegierte Kinder oftmals über stabile Unterstützungsstrukturen, die kontinuierliches Engagement begünstigen.

Die Autorinnen und Autoren der Studie kommen zu dem Schluss:
Gezielte schulische Anreize können dazu beitragen, sozioökonomische Ungleichheiten zu verringern – und damit langfristig für mehr Chancengerechtigkeit im Bildungssystem sorgen.

Die im Februar veröffentlichte Studie „The Social Origins of Effort: How Incentives Reduce Socioeconomic Disparities among Children“ liefert damit empirische Hinweise darauf, dass Anstrengungsbereitschaft nicht allein individuell verankert ist, sondern in einem sozialen Kontext entsteht und durch situative Bedingungen beeinflusst werden kann.




150.000 neue Ganztagsplätze an Grundschulen bis 2030 nötig

Eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft zeigt: Vor allem in Westdeutschland fehlen trotz Rechtsanspruch ab 2026 noch zehntausende Ganztagsplätze an Grundschulen – besonders in Bayern und NRW

Der Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung in der Grundschule kommt – doch vor allem in Westdeutschland fehlen noch viele Plätze. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie des Institut der deutschen Wirtschaft (IW).

Demnach müssen bis zum Schuljahr 2029/30 rund 150.000 zusätzliche Ganztagsplätze geschaffen werden, damit der Anspruch bundesweit erfüllt werden kann.

Rechtsanspruch startet ab 2026

Ab dem Schuljahr 2026/2027 gilt der Rechtsanspruch auf einen Ganztagsplatz zunächst für Kinder der ersten Klassenstufe. In den darauffolgenden Jahren wird er schrittweise auf die Klassen 2 bis 4 ausgeweitet.

Ziel ist es, Familien zu entlasten und Kindern bessere Bildungs- und Entwicklungschancen zu eröffnen. Doch besonders in den westdeutschen Bundesländern klafft noch eine deutliche Lücke zwischen Angebot und Bedarf.

Besonders großer Bedarf in Bayern und NRW

Die IW-Berechnungen zeigen deutliche regionale Unterschiede:

  • Nordrhein-Westfalen: rund 45.300 fehlende Plätze
  • Bayern: rund 42.300 fehlende Plätze

Geht man sogar von einer Zielquote von 75 Prozent ganztags betreuter Grundschulkinder aus, steigt der Bedarf drastisch: Mehr als 570.000 zusätzliche Plätze wären dann bundesweit erforderlich.

Allein in:

  • Bayern: etwa 204.000 Plätze
  • Nordrhein-Westfalen: rund 126.000 Plätze
  • Baden-Württemberg: etwa 105.000 Plätze

Hier zeigt sich: Der Ausbau ist vielerorts noch eine enorme Kraftanstrengung.

Hamburg und Ostdeutschland als Vorbilder

Ganz anders stellt sich die Situation in Ostdeutschland und in Hamburg dar. Dort werden bereits heute deutlich mehr als 75 Prozent der Grundschulkinder ganztags betreut.

Zwar gibt es auch hier kleinere Unterschiede zwischen den von Eltern gewünschten Betreuungszeiten und der tatsächlichen Quote, doch durch sinkende Kinderzahlen dürften sich diese Lücken schließen. Ein größerer weiterer Ausbau scheint aktuell nicht nötig.

Qualität entscheidet über Attraktivität

Neben dem quantitativen Ausbau spielt die Qualität der Angebote eine entscheidende Rolle.

IW-Experte Wido Geis-Thöne betont: Ganztagsangebote müssen für Familien attraktiv sein. Dazu gehören unter anderem:

  • verlässliche und flexible Öffnungszeiten
  • gute pädagogische Qualität
  • Ferienbetreuung
  • bezahlbare Elternbeiträge

Ganztagsbetreuung stärkt nicht nur die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Sie bietet Kindern zusätzliche Lern- und Fördermöglichkeiten, soziale Erfahrungen und bessere Teilhabechancen.

Wie wurde gerechnet?

Für die Studie hat das IW den voraussichtlichen Bedarf im Schuljahr 2029/2030 berechnet. Grundlage waren:

  • die prognostizierte Entwicklung der Grundschulkinderzahlen
  • die im Jahr 2024 von Eltern geäußerten Betreuungswünsche
  • das aktuell vorhandene Angebot an Ganztagsplätzen

Das Ergebnis macht deutlich: Der Rechtsanspruch ist politisch beschlossen – doch insbesondere in Westdeutschland bleibt der Weg bis zur flächendeckenden Umsetzung noch weit. In vielen Regionen wird sich in den kommenden Jahren einiges bewegen. Entscheidend wird sein, dass nicht nur neue Plätze entstehen – sondern gute Ganztagsschulen, in denen Kinder gerne lernen und leben.




Radikale Lehrplanreform: Kritisches Denken sollte früh Standard werden

Silhouette zweier Menschen vor einer Bibliothek

Eine wissenschaftliche Analyse der Flinders University warnt: Bildungssysteme müssen stärker auf evidenzbasiertes, unabhängiges Denken setzen, um globale Herausforderungen wie Klimawandel, Gesundheitskrisen und Desinformation bewältigen zu können

Bildungssysteme sollten sich nach Ansicht von Wissenschaftler:innen deutlich stärker auf die Förderung von kritischem, unabhängigem Denken konzentrieren. Eine aktuelle Studie der Flinders University in Australien betont, dass nur durch rationales, evidenzbasiertes Lernen langfristig Lösungen für zentrale Herausforderungen in Umwelt, Gesellschaft und Wirtschaft gefunden werden können.

Die Fachleute sehen eine radikale Neuausrichtung der Lehrpläne als notwendig an. Schüler:innen sollten von Beginn an lernen, Probleme kritisch zu analysieren, Zusammenhänge zu hinterfragen und über den eigenen Erfahrungshorizont hinauszublicken. Kritisches Denken werde damit zu einer grundlegenden Voraussetzung, um in einer komplexen Welt handlungsfähig zu bleiben.

Worauf es bei der Förderung kritischen Denkens im Bildungssystem ankommt

Die Autor:innen der Studie unterstreichen, dass systemisches und tiefgehendes Denken angesichts globaler Krisen wie Klimawandel, Biodiversitätsverlust oder Gesundheitsbedrohungen von zentraler Bedeutung sei. Gleichzeitig warnen sie davor, dass digitale Technologien, Künstliche Intelligenz und die Verbreitung von Falschinformationen bestehende Vorurteile verstärken könnten.

In der Fachzeitschrift Microbial Biotechnology wird betont, dass dadurch die Fähigkeit gefährdet sei, klar zu denken und sinnvolle Entscheidungen zu treffen. Besonders junge Menschen müssten daher frühzeitig Kompetenzen entwickeln, um Informationen kritisch einzuordnen und fundierte Urteile zu bilden.

Jake Robinson von der Flinders University hebt hervor, dass vor allem die konsequente Frage nach dem „Warum?“ eine wichtige Grundlage sei. Das Einfordern plausibler Begründungen für politische Maßnahmen oder gesellschaftliche Entwicklungen könne vor Manipulation und Propaganda schützen.

Kritisches Denken fungiere somit als eine Art Schutzschild gegen Vorurteile, Desinformation und den Druck sozialer Medien. Gleichzeitig könne es dazu beitragen, einen „gesunden Geist“ zu fördern und menschliches Entwicklungspotenzial besser zu entfalten.

Vorstellungskraft und Anpassungsfähigkeit stärker einbeziehen

Die Studie fordert nicht nur mehr analytische Fähigkeiten, sondern auch die Entwicklung von Anpassungsfähigkeit und Vorstellungskraft. Kinder sollten lernen, kritisch zu hinterfragen, kreative Lösungen zu entwickeln, empathisch zu handeln und neue Perspektiven einzunehmen.

Robinson betont, dass insbesondere die Vorstellungskraft in der Erziehungswissenschaft häufig unterschätzt werde – vor allem in Disziplinen, die als „harte“ Naturwissenschaften gelten. Dabei könne gerade die Verbindung von Wissenschaft und Alltag helfen, abstrakte Themen verständlich zu machen und Denkprozesse anzuregen.

Mikrobiologie als Zugang zum kritischen Denken

Als besonders geeignet für die Förderung kritischer Kompetenzen sehen die Wissenschaftler:innen die Mikrobiologie. Sie biete zahlreiche Anknüpfungspunkte an den Alltag von Kindern und Jugendlichen – etwa bei Themen wie Hygiene, Lebensmittelverderb, Krankheitsübertragung oder Fermentation.

Ein konkretes Beispiel sind die sogenannten „MicroChats“ der International Microbiology Literacy Initiative. Diese Tools stellen altersgerechte Themen bereit und laden Kinder dazu ein, das Gelernte in andere Kontexte zu übertragen. Ziel ist es, grundlegende Prinzipien zu verstehen und kritisches Denken langfristig zu stärken.

Die Studie plädiert insgesamt dafür, Lehrpläne so weiterzuentwickeln, dass Kinder nicht nur Fakten lernen, sondern Fähigkeiten erwerben, um Fragen zu stellen, Zusammenhänge zu erkennen und Herausforderungen evidenzbasiert zu bewältigen.




Studie zeigt: Kinder lernen besser, wenn Schule Resonanzräume schafft

Wie Beziehungen, Beteiligung und Lernumgebungen den Ganztag wirksam machen

Was brauchen Kinder, um wirklich gut zu lernen? Nicht mehr Tests, nicht mehr Stoff und nicht mehr Tempo — sondern Beziehungen, Beteiligung und Bedeutung. Zu diesem zentralen Ergebnis kommt die qualitative Studie „Lernen aus der Perspektive von Kindern – Resonanzerfahrungen des Lernens in ganztägigen Grundschulen“ von Iris Nentwig-Gesemann, Bastian Walther und Lorena Lake (2025, Verlag Bertelsmann Stiftung).

Die Forscher:innen haben Kinder nicht nur befragt, sondern ihnen zugehört: in Gesprächen, Beobachtungen, Zeichnungen und Gruppendiskussionen. Entstanden ist ein differenziertes Bild davon, wie Kinder ihren Lernalltag erleben — und was sie brauchen, um sich in der Schule wohlzufühlen und engagiert zu lernen.

„Lernen ist für Kinder kein isolierter Prozess, sondern eingebettet in Beziehungen, Räume, Materialien, Rhythmen und soziale Gefüge“, fassen die Autor:innen sinngemäß zusammen.

Lernen braucht Resonanz – sonst wird Schule zur Entfremdungszone

Im Zentrum der Studie steht das Konzept der Resonanz. Lernen gelingt dort, wo Kinder in eine lebendige Beziehung treten können — zu Menschen, zu Themen und zur Welt. Wo Lehrkräfte selbst für eine Sache brennen, wo Fragen willkommen sind und wo Kinder sich trauen, Unsicherheiten zu zeigen, entsteht ein Lernklima, das trägt.

Fehlt diese Resonanz, erleben Kinder Schule dagegen als kalt, fremd oder rein leistungsorientiert. In Anlehnung an den Soziologen Hartmut Rosa sprechen die Autor:innen davon, dass Lernen dann vom „Resonanzraum“ zur „Entfremdungszone“ wird.

„Resonanz meint eine Antwortbeziehung — ein In-Beziehung-Sein, in dem Menschen sich gegenseitig wahrnehmen und aufeinander reagieren.“

Vier Dimensionen entscheiden über die Qualität von Lernen

Die Studie beschreibt Lernen als Zusammenspiel von vier eng miteinander verbundenen Dimensionen:

  • Beziehungen zu Pädagog:innen: geprägt von Vertrauen, Anerkennung und Dialog
  • Beziehungen zu anderen Kindern: Kooperation statt Konkurrenz
  • Bezug zur Sache: Neugier, Sinnhaftigkeit und Interesse am Thema
  • Raum, Material und Zeit: anregende Umgebungen und genügend Zeit zur Vertiefung

Erst wenn alle vier Dimensionen zusammenwirken, entsteht das, was Kinder als „gutes Lernen“ erleben.

Sinngemäß beschreiben Kinder Lernmomente als besonders gut, „wenn man gar nicht merkt, dass man lernt — und plötzlich die Zeit vorbei ist“.

Beteiligung stärkt Motivation und Verantwortung

Ein zentrales Ergebnis der Studie: Kinder wollen beteiligt werden — nicht, um alles selbst zu entscheiden, sondern um gehört zu werden und mitgestalten zu können. Sie wollen verstehen, warum Dinge so sind, wie sie sind, und Einfluss auf ihren Alltag nehmen dürfen.

„Kinder sind in der Lage, sich eine eigene Meinung zu bilden und diese zum Ausdruck zu bringen“, betonen die Autor:innen.

Partizipation wirkt sich dabei nicht nur auf das Wohlbefinden aus, sondern auch auf Lernmotivation, Verantwortungsgefühl und demokratische Kompetenzen.

Räume, Zeit und Materialien sind keine Nebensache

Auch die Lernumgebung spielt eine entscheidende Rolle. Enge Räume, starre Sitzordnungen und permanente Zeitknappheit erschweren resonantes Lernen. Wo Kinder sich bewegen dürfen, Materialien zugänglich sind und Zeit zum Vertiefen bleibt, entstehen dagegen ganz andere Lernprozesse.

„Räume strukturieren Praxis — sie können Lernen ermöglichen oder behindern“, heißt es in der Studie.

Vier Schultypen – aber viele Wege zu guter Bildung

Die Autor:innen identifizieren vier typische Organisationsformen von Ganztagsgrundschulen — von experimentierfreudigen Lerncommunities bis hin zu stark formalisierten Lernorten. Keine dieser Formen ist per se richtig oder falsch. Entscheidend ist, ob sie für Kinder verlässliche, sinnvolle und mitgestaltbare Lernbeziehungen ermöglichen.

Was das für den Ganztagsausbau bedeutet

Mit dem ab 2026 geltenden Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung gewinnt die Studie zusätzliche Bedeutung. Sie zeigt: Der quantitative Ausbau reicht nicht aus. Qualität entsteht nicht durch mehr Angebote, sondern durch gemeinsame Entwicklungsprozesse.

„Qualität entsteht nicht durch isolierte Maßnahmen, sondern durch bewusste und kontinuierliche Entwicklungsprozesse“, so das Forschungsteam.

Multiprofessionelle Teams, Schulleitungen, Träger, Eltern — und vor allem die Kinder selbst — müssen gemeinsam an der Gestaltung guter Lern- und Lebensräume arbeiten.

Bildung gelingt nur mit Kindern

Die Studie macht deutlich: Kinder sind keine passiven Empfänger von Bildung, sondern aktive Mitgestalter:innen. Gutes Lernen entsteht dort, wo Beziehungen tragen, Beteiligung möglich ist und Lernen Sinn macht.

Oder, wie es die Autor:innen programmatisch formulieren:

Bildung sollte nicht für Kinder gemacht werden — sondern mit ihnen.

Gernot Körner

Quelle

Nentwig-Gesemann, Iris; Walther, Bastian; Lake, Lorena (2025): Lernen aus der Perspektive von Kindern. Resonanzerfahrungen des Lernens in ganztägigen Grundschulen. Verlag Bertelsmann Stiftung, Gütersloh. 264 Seiten, ISBN 978-3-86793-006-4, 28 €




Zwei Wege zum Stern: Bibel und Legende der Weisen aus dem Morgenland

Warum wir die biblische Erzählung und die Legende von Caspar, Melchior und Balthasar nebeneinanderstellen – und was Kinder daraus lernen können.

In der Bibel wird erzählt, dass Weise aus dem Morgenland einem besonderen Stern folgten und nach Bethlehem kamen. Ihre Namen werden nicht genannt, und vieles bleibt offen. Diese Erzählung ist knapp und konzentriert sich auf das Wesentliche.

Viele Jahrhunderte später begannen Menschen, diese Geschichte weiterzudenken. Sie stellten sich vor, wer diese Weisen gewesen sein könnten, woher sie kamen und was sie auf ihrem Weg erlebt hatten. So entstand eine zweite Erzählung – eine Legende. In ihr bekamen die Weisen Namen, eine Herkunft und eine gemeinsame Geschichte. Man nannte sie Caspar, Melchior und Balthasar und sprach von ihnen als Königen.

Die erste Geschichte ist eine biblische Überlieferung. Die zweite ist eine gewachsene Legende, die den Glauben, die Fantasie und die Erfahrungen vieler Generationen widerspiegelt. Beide Geschichten erzählen vom Suchen, vom Mut zum Aufbruch und davon, dass Licht selbst in dunklen Zeiten den Weg zeigen kann.

Die Weisen aus dem Morgenland

Einige Zeit nach der Geburt Jesu geschah etwas, das weit über Bethlehem hinaus Beachtung fand.

In einem fernen Land lebten Männer, die den Himmel aufmerksam beobachteten. Sie kannten die Sterne, ihre Bewegungen und ihre Zeichen. Wenn sich am Himmel etwas veränderte, glaubten sie, dass auch auf der Erde etwas Wichtiges geschah.

Eines Nachts blieb einer von ihnen stehen und sagte leise: „Seht dort. Dieser Stern war gestern noch nicht da.“

Die anderen blickten hinauf. Ein neuer Stern leuchtete hell am Himmel. „Er ist anders als die anderen“, sagte einer. „Er kündigt etwas an“, meinte ein anderer.

Nach langem Nachdenken kamen sie zu dem Schluss: Ein besonderer König musste geboren worden sein. „Wir sollten ihn suchen“, sagte der Älteste.

„Auch wenn wir nicht wissen, wohin der Weg uns führt“, antwortete ein anderer. Sie machten sich auf den Weg und folgten dem Stern. Ihre Reise führte sie schließlich nach Jerusalem. Dort fragten sie die Menschen:

„Wo ist der neugeborene König der Juden? Wir haben seinen Stern gesehen und sind gekommen, um ihn zu ehren.“

Diese Worte erreichten auch König Herodes. Er ließ die Weisen zu sich rufen und sprach freundlich zu ihnen: „Sucht das Kind und sagt mir Bescheid, wenn ihr es gefunden habt. Auch ich möchte hingehen und dem Kind huldigen.“

Doch seine Worte waren nicht ehrlich.

Als die Weisen Jerusalem verließen, erschien der Stern wieder. Er führte sie nach Bethlehem und blieb über einem Haus stehen. Dort fanden sie Maria, Josef und das Kind. Sie knieten nieder und brachten ihre Gaben dar: Gold, Weihrauch und Myrrhe.

In der Nacht hatten sie einen Traum. Darin wurden sie gewarnt, nicht zu Herodes zurückzukehren. „Wir müssen einen anderen Weg nehmen“, sagten sie zueinander.

So kehrten sie heim – verändert durch das, was sie gesehen hatten.

Die heiligen drei Könige: Caspar, Melchior und Balthasar

Viele Jahre später erzählten sich die Menschen diese Geschichte weiter. Dabei entstand die Legende von drei Königen: Caspar, Melchior und Balthasar.

Es heißt, dass sie sich kannten, weil sie sich mit den Sternen beschäftigten. Sie lebten in verschiedenen Ländern, doch sie standen miteinander in Verbindung und tauschten ihr Wissen aus.

Eines Nachts entdeckte jeder von ihnen denselben neuen Stern am Himmel. Caspar sagte: „So hell hat noch nie ein Stern geleuchtet.“ Melchior erwiderte: „Er erscheint nicht zufällig.“ Balthasar fügte hinzu: „Vielleicht ruft er uns.“

Sie verabredeten sich, diesem Zeichen zu folgen, und trafen sich nach langer Reise. Dort entschieden sie gemeinsam: „Wir gehen los. Wir wollen sehen, wohin uns dieses Licht führt.“

Sie packten Geschenke ein, die einem König würdig waren: Gold, Weihrauch und Myrrhe. Ihre Reise führte sie zuerst nach Jerusalem zum Palast von König Herodes. „Wir suchen einen neugeborenen König“, sagten sie offen. „Ein Stern hat uns zu ihm geführt.“

Herodes erschrak, verbarg seine Angst jedoch hinter freundlichen Worten: „Geht und sucht das Kind. Wenn ihr es gefunden habt, kommt zurück und sagt mir Bescheid. Auch ich möchte hingehen und dem Kind huldigen.“

Als sie den Palast verließen, sagte Balthasar leise: „Seine Worte klingen freundlich, aber sie sind nicht wahr.“

Der Stern erschien wieder und führte sie nach Bethlehem. Dort fanden sie Maria, Josef und das Kind. Sie knieten nieder und überreichten ihre Geschenke.

In der Nacht hatten auch sie einen Traum. Darin wurden sie gewarnt, nicht zu Herodes zurückzukehren.

„Wenn wir zurückgehen, bringen wir das Kind in Gefahr“, sagte Melchior. „Dann nehmen wir einen anderen Weg“, antwortete Caspar.

So machten sie sich auf einem anderen Weg auf den Heimweg.

Über Suchen, Vertrauen, Gefahr und Verantwortung

Diese beiden Geschichten helfen Kindern, über Suchen, Vertrauen, Gefahr und Verantwortung nachzudenken.

Gesprächsimpulse:

Warum folgen die Weisen dem Stern?
Woran merkt man, dass Herodes nicht ehrlich ist?
Warum ist es wichtig, das Kind zu schützen?

Diese Geschichten erzählen davon, dass Hoffnung manchmal klein beginnt und dennoch stark ist.




Geflüchtete Kinder: Bildungsrechte oft nicht ausreichend gesichert

Neue Studie zeigt große Lücken bei schulischer Bildung in Erstaufnahmeeinrichtungen

Alle Kinder haben ein Recht auf Bildung. Dieses Recht gilt unabhängig von Herkunft, Aufenthaltsstatus oder Lebenssituation. Dennoch zeigt eine aktuelle Studie der Universität Bremen und der htw saar, dass geflüchtete Kinder und Jugendliche in deutschen Erstaufnahmeeinrichtungen häufig keinen oder nur eingeschränkten Zugang zu Bildungsangeboten haben – besonders in den ersten Monaten nach ihrer Ankunft.

Die Studie „Bildungsrechte und Schule für geflüchtete Kinder und Jugendliche in Erstaufnahmeeinrichtungen“ (BiSKE) wurde von Johanna Funck (Universität Bremen) und Markus Ciesielski (htw saar) durchgeführt. Sie liefert erstmals einen bundesweiten Überblick darüber, wie verfügbar und zugänglich schulische Bildung für geflüchtete Kinder im Alter von sechs bis 18 Jahren in Erstaufnahmeeinrichtungen tatsächlich ist.

Erste bundesweite Bestandsaufnahme zur Bildung in Aufnahmeeinrichtungen

Zwischen November 2024 und Mai 2025 befragte das Forschungsteam standardisiert 203 Erstaufnahmeeinrichtungen in allen Bundesländern. Erfasst wurde, ob es Bildungsangebote für Kinder und Jugendliche gibt, wie diese ausgestaltet sind und ob ein Zugang zu regulären Schulen besteht.

Damit liegt erstmals eine vollständige, systematische Erhebung zur Bildungssituation geflüchteter Kinder in deutschen Aufnahmeeinrichtungen vor. Die Ergebnisse zeichnen ein differenziertes, insgesamt jedoch deutlich problematisches Bild.

Jede fünfte Einrichtung ohne jedes Bildungsangebot

Besonders gravierend ist, dass knapp jede fünfte der untersuchten Einrichtungen keinerlei Bildungsangebote machte. In 38 Einrichtungen – das entspricht 19 Prozent – gab es weder schulische noch schulähnliche Angebote, obwohl in rund der Hälfte dieser Einrichtungen Kinder und Jugendliche teilweise über Monate lebten.

In weiteren 82 Einrichtungen beschränkten sich die Angebote ausschließlich auf schulalternative Maßnahmen oder Deutschkurse, die meist direkt in den Einrichtungen stattfanden. Diese Angebote unterschieden sich stark in Umfang und Qualität und waren nicht immer von Beginn an zugänglich. Ein regulärer Schulbesuch war in diesen Fällen nicht vorgesehen.

Zugang zur Regelschule häufig eingeschränkt

In 83 Einrichtungen – rund 41 Prozent – war grundsätzlich ein Zugang zu regulären Schulen möglich. Allerdings zeigte die Studie, dass dieser Zugang oft mit Einschränkungen verbunden war. Häufig mussten Kinder und Jugendliche lange Wartezeiten in Kauf nehmen, oder der Schulbesuch war nur für bestimmte Altersgruppen vorgesehen.

Auffällig sind zudem Unterschiede zwischen den Bundesländern. Dort, wo geflüchtete Kinder nicht von der Schulpflicht ausgenommen sind, zeigen sich tendenziell bessere Bildungsbedingungen. In Ländern mit zeitlich eingeschränkter oder ausgesetzter Schulpflicht für Asylsuchende sind Bildungsangebote deutlich lückenhafter.

Bildungsbiografische Brüche setzen sich fort

Die Forschenden kommen zu einem klaren Schluss: Eine längere Unterbringung in Erstaufnahmeeinrichtungen ohne zeitnahen Zugang zu qualitativ hochwertiger schulischer Bildung stellt ein erhebliches Risiko für den weiteren Bildungsweg der betroffenen Kinder und Jugendlichen dar.

Bildungsbiografische Brüche entstehen damit nicht nur auf der Flucht oder im Herkunftsland, sondern setzen sich in Deutschland fort. Gerade für jüngere Kinder können längere Phasen ohne geregelten Bildungsalltag langfristige Folgen für Sprachentwicklung, Lernmotivation und soziale Integration haben.

Schulpflicht als zentraler Hebel für Bildungsgerechtigkeit

Die Studie betont, dass eine inklusivere Ausgestaltung der Schulpflicht ein entscheidender Ansatzpunkt ist, um das Recht auf Bildung verlässlich umzusetzen. Eine verbindliche Schulpflicht für alle Kinder – unabhängig vom Aufenthaltsstatus – würde die Verantwortung der Bundesländer klar definieren und den Druck erhöhen, entsprechende Bildungsangebote bereitzustellen.

Gleichzeitig machen die Autorinnen und Autoren deutlich, dass Schulpflicht allein nicht ausreicht. Sie muss begleitet werden von ausreichenden personellen, finanziellen und strukturellen Ressourcen, um geflüchtete Kinder angemessen zu fördern und Schulen wie pädagogische Fachkräfte zu entlasten.

Bildung früh sichern – Chancen von Anfang an ermöglichen

Die Ergebnisse der Studie zeigen deutlich, wie entscheidend die ersten Monate nach der Ankunft in Deutschland für die weitere Bildungsbiografie geflüchteter Kinder sind. Frühzeitiger Zugang zu Bildung ist nicht nur eine Frage der Integration, sondern ein grundlegendes Kinderrecht.

Für Politik, Verwaltung und Bildungssystem bedeutet das: Wenn Bildungsgerechtigkeit ernst genommen wird, muss sie auch in Erstaufnahmeeinrichtungen beginnen – verbindlich, qualitativ hochwertig und ohne unnötige Verzögerungen.




Sicher durchs Netz: Welche digitalen Fähigkeiten Schulkinder heute brauchen

Neue Studie zeigt 30 Kompetenzfelder für altersgerechte Cybersicherheit – und wie Schulen, Eltern und Kinder davon profitieren

Kinder wachsen heute oftmals mit Tablet, Smartphone und Internet auf. Gleichzeitig steigt die Gefahr, online manipuliert, verunsichert oder überfordert zu werden. Eine neue Studie der Universität Mannheim zeigt, welche konkreten digitalen Fähigkeiten Kinder zwischen acht und dreizehn Jahren brauchen, um sich sicher im Netz zu bewegen. Das Forschungsteam von Prof. Dr. Dr. h.c. Dirk Ifenthaler und Nicolai B. Plintz hat dafür ein umfassendes Kompetenzmodell entwickelt, das Eltern, Lehrkräften und Bildungseinrichtungen Orientierung bietet – und künftig als Grundlage für Unterrichtsmaterialien dient.

Warum digitale Schutzfähigkeiten so wichtig sind

Kinder surfen heute fast täglich im Internet: Sie chatten, spielen, suchen Informationen und tauschen Bilder aus. Doch viele Risiken erkennen sie noch nicht – von Fake-Accounts über Schadsoftware bis zu ungewollten Nachrichten. Das Mannheimer Forschungsteam hat daher systematisch untersucht, welche Kompetenzen Kinder brauchen, um online selbstbestimmt, kritisch und sicher handeln zu können.

Im EU-geförderten Projekt „Super Cyber Kids“ wurden aus über 500 Vorschlägen insgesamt 257 kindgerechte Fähigkeiten herausgearbeitet. Diese lassen sich in 30 übersichtliche Themenfelder einordnen – von Datenschutz und Geräte­sicherheit bis hin zu sozialem Verhalten im Netz.

Drei Kernbereiche: erkennen, reagieren, wiederherstellen

Das Modell unterscheidet nicht nur Themen, sondern auch Handlungsdimensionen:

  • Erkennen: Gefahren wahrnehmen, unseriöse Inhalte und Nachrichten einordnen
  • Reagieren: wissen, was bei Cybermobbing, Datenklau oder Fehlermeldungen zu tun ist
  • Wiederherstellen: Unterstützung holen, Daten sichern, Geräteprobleme lösen

So wird sichtbar, welcher Lernschritt in welchem Alter sinnvoll ist – und wo Kinder Unterstützung brauchen. Besonders wichtig war den Forschenden die realistische Umsetzbarkeit im Schulalltag. Manche Kompetenzformulierungen wurden deshalb bewusst vereinfacht, um sie für Kinder greifbar zu machen.

Workshops, Materialien & Online-Plattform für Schulen

Auf Basis der Studie entstehen nun Workshops, Unterrichtsideen und spielerische Lernangebote, die direkt im Klassenzimmer eingesetzt werden können. Eine mehrsprachige Plattform bündelt bereits Tools, Lernspiele und Materialien zur Cyber­sicherheitserziehung – leicht zugänglich und praxistauglich.

Ziel ist es, Kinder stark zu machen, damit sie digitale Räume selbstbewusst, verantwortungsvoll und sicher nutzen können – heute und in Zukunft.

Quelle:

Plintz, N.B., Ifenthaler, D. Empowering children online: a holistic skills framework for cybersecurity. Education Tech Research Dev (2025). https://doi.org/10.1007/s11423-025-10565-z




Neue Maßnahmen für besseren Schutz vor sexuellem Missbrauch

Wie Kampagne, Forschung und digitale Schutzkonzepte pädagogische Fachkräfte unterstützenKampagne „Schieb deine Verantwortung nicht weg!“ wird fortgeführt

Die bundesweite Aufklärungs- und Aktivierungskampagne #NichtWegschieben geht 2025/26 in eine neue Phase. Sie richtet sich an Erwachsene – insbesondere an pädagogische Fachkräfte, Lehrkräfte und Eltern – und vermittelt praxisnahe Handlungsmöglichkeiten zum Schutz von Kindern vor sexueller Gewalt.

Die bisherigen Ergebnisse zeigen, dass Aufklärung Wirkung hat:

  • 53 % der Bevölkerung halten sexuelle Gewalt im eigenen Umfeld inzwischen für möglich (vorher 41 %).
  • 60 % sehen Familie, Freunde und Bekannte klar in der Verantwortung (vor der Kampagne 50 %).

WhatsApp-Kurs für Eltern und Fachkräfte: „7 Wochen. 7 Tipps“

2025 startet der neue WhatsApp-Messenger-Kurs „7 Wochen. 7 Tipps“, der pädagogischen Fachkräften und Eltern konkrete Werkzeuge an die Hand gibt. Vermittelt werden u. a.:

  • Wie Kinder in ihrer Selbstbestimmung gestärkt werden können
  • Wie Erwachsene Täterstrategien frühzeitig erkennen
  • Wie Gespräche über Körperwissen, Grenzen und Sexualität altersgerecht gelingen
  • Welche Schutzstandards Einrichtungen wie Kitas, Schulen oder Vereine einhalten sollten
  • Welche Signale von Kindern aufmerksam machen sollten
  • Wie Fachkräfte wertschätzend, aber klar intervenieren können

Der Kurs ergänzt bestehende Materialien und kann leicht in Teamsitzungen, Elternabende oder Schutzkonzept-Arbeit eingebunden werden.


Wie Selbstsicherheit wächst

  • Ganzheitlicher Ansatz für innere und äußere Selbstsicherheit,
  • Konkrete Impulse für Eltern, Erziehende und pädagogische Fachkräfte,
  •  Stärkt Selbstvertrauen, Verantwortungsgefühl und Resilienz,

Dieses Buch zeigt, wie Eltern und pädagogische Fachkräfte Kinder dabei unterstützen, ein gesundes Selbstvertrauen und Verantwortungsgefühl zu entwickeln. Dein SelbstSicheres Kind setzt auf einen ganzheitlichen Ansatz, der Selbstsicherheit emotional, sozial und körperlich denkt – praxisnah, einfühlsam und alltagstauglich.

Frieder Knauss, Dein Selbstsicheres Kind, Softcover, 120 Seiten, 978-3-96304-073-3, 20 €


Themenschwerpunkt 2026/27: Digitale sexuelle Gewalt

In der folgenden Kampagnenphase liegt der Fokus auf digitalen Risiken, darunter:

  • Cybergrooming und Grenzverletzungen in Social Media
  • Schutzfaktoren in Chat- und Gaming-Umgebungen
  • Anforderungen an digitale Schutzkonzepte in Schulen und Kitas
  • Medienkompetenz für Kinder, Eltern und pädagogische Teams

Ziel ist es, Erwachsene dabei zu unterstützen, Kinder und Jugendliche auch online aktiv zu begleiten und digitale Räume sicherer zu machen.

Neue Forschungsvorhaben für evidenzbasierten Kinderschutz

Neben der Kampagne wurden von Bundesfamilienministerin Karin Prien und der Unabhängigen Bundesbeauftragten Kerstin Claus mehrere Forschungsvorhaben gestartet, die für die Praxis im Bildungswesen bedeutsam sind.

Zentrum für Forschung zu sexueller Gewalt (ZEFSG)

Das neue Zentrum am Deutschen Jugendinstitut (DJI) wird langfristig Daten sammeln, Forschungslücken schließen und wissenschaftliche Grundlagen für Schutzkonzepte und Prävention bereitstellen. Für pädagogische Fachkräfte bedeutet das:

  • bessere Orientierung bei der Weiterentwicklung eigener Schutzkonzepte
  • wissenschaftlich fundierte Materialien für Fortbildungen
  • klarere Handlungsempfehlungen durch neue Erkenntnisse

„Safe!“-Jugendstudie ab 2026

Die bundesweite, repräsentative Studie befragt rund 10.000 Schülerinnen und Schüler der 9. Klassen zu:

  • Häufigkeit und Formen sexueller und anderer Gewalt
  • Folgen für schulische Entwicklung, Gesundheit und Teilhabe
  • Unterstützungsbedarfen

Die Ergebnisse sollen 2027 veröffentlicht werden und können Einrichtungen bei der Entwicklung aktueller Präventionsmaßnahmen unterstützen.

Digitale Sicherheit: Expertenkommission entwickelt neue Strategie

Die neu eingesetzte Unabhängige Expertenkommission „Kinder- und Jugendschutz in der digitalen Welt“ erarbeitet derzeit eine umfassende Strategie für den Schutz von Kindern und Jugendlichen in digitalen Medien. Für die pädagogische Praxis kündigt sie u. a. an:

  • Empfehlungen zum Umgang mit sozialen Netzwerken im Schul- und Kitakontext
  • Mindeststandards für digitale Schutzkonzepte
  • Hinweise zur Förderung altersgerechter Medienkompetenz
  • Forschung zu gesundheitlichen Folgen intensiver Mediennutzung

Diese Informationen sollen künftig verstärkt in Fortbildungen, Leitfäden und Schutzkonzept-Prozesse einfließen.

Materialien, Links & Ansprechpartnerinnen

Zahlen und Fakten zu sexuellem Missbrauch

https://beauftragte-missbrauch.de/mediathek/publikationen/zahlen-und-fakten