Der Mann, der keinen Namen hatte

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Ein Bilderbuch über Freundschaft, Identität und wertvolle Beziehungen

Geschichten, die mit „es war einmal“ beginnen, haben etwas Märchenhaftes. Klaro. Und das heißt, sie sind außerhalb unserer typischen, normalen Logik angesiedelt. Das ist an sich schon spannend. Und lässt über die eine oder andere Ungereimtheit hinwegschauen. Denn als erfahrener Abenteuerbuchleser habe ich mich sofort gefragt: Wie ist der Mann auf die Insel gekommen, auf der er lebt? Wie und von wem hat er sprechen gelernt, wie seine Kleidung fabriziert und was isst er eigentlich?

Aber zunächst die Story: Ein Mann lebt auf einer Insel. Er hat einen langen Bart und trägt eine Art Ostfriesennerz mit Südwester und einen rot-weiß gestreiften Schal. Auf der Insel sind alle seine Freunde, er hat ihnen allen Namen gegeben, den Bergen, den Bäumen, den Tieren, und er spricht mit ihnen – oder wenigstens zu ihnen. Damit ist er zufrieden bis glücklich. Bis eines Tages ein Schiff auftaucht, jede Menge Touristen an Land gehen, alles fotografieren, „oooh“ rufen, ihn mitnehmen, mit in die große Stadt. Wo er der absolute Medienhype wird. Mit jeder Menge neuer Freunde und vielen Dingen, die er nicht kennt, von Essen gehen bis Smartphone. Das verwirrt ihn, er fühlt sich dem nicht gewachsen, hat Sehnsucht nach seiner Insel. Wie es weiter geht, weiß jede erfahrene Bilderbuchvorleserin und jedes erfahrene Bilderbuchlesekind.

Freundschaft, Vertrauen und die Suche nach dem eigenen Glück

Womit wir schon den ersten Gesprächsanlass haben. Wovon wir auf jeder dieser wundervoll gestalteten Doppelseiten einige finden. Hast du dich schon mal unter anderen Menschen allein oder einsam gefühlt? Was ist eine gute Freundschaft? Wo fühlst du dich wohl? Wann fühlst du dich glücklich? Und wie fühlt sich diese merkwürdige Geste der Hände an, die auf dem Titelbild zu sehen ist?

Solche Gespräche sind dann wertvoll, wenn auch die erwachsenen Vorleser, von Eltern, Großeltern bis Kita-Personal, sich einlassen, persönlich einlassen, sich zeigen. Dann kann das Vertrauen entstehen, was solche tiefen Gespräche erst möglich macht. Und dieses Vertrauen ist die Grundlage für das Erkennen und Stärken der eigenen Identität, das in-sich-Ruhen, das Wertschätzen der Umgebung und der Umwelt.

„Der Mann, der keinen Namen hatte“ ist also ein ruhiges Buch. Ein Buch, das beim Vorlesen eine ruhige Atmosphäre braucht, keine stete Ablenkung im Hintergrund. Und wer das bieten kann, der hat hier wirklich ein gutes Buch gefunden, an das sich Vorleser und Kinder immer wieder erinnern werden.

Ralf Ruhl

cover der mann der keinen namen hatte

Davide Cali (Text), Lucia Carlini (Ill.):
Der Mann, der keinen Namen hatte.
Carl Auer Kids 2026, www.carl-auer.de,
ISBN 978-3-96843-074-4,
38 Seiten, ab 3 Jahre,
20 Euro




Jugend forscht 2027: Jetzt Projekte anmelden

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Junge Talente können ihre Ideen noch bis Ende November anmelden

Kinder und Jugendliche für Naturwissenschaften, Technik und eigene Forschungsfragen zu begeistern, gehört zu den wichtigen Aufgaben frühkindlicher und schulischer Bildung. Der Wettbewerb Jugend forscht bietet dafür eine besondere Gelegenheit. Wer an der Wettbewerbsrunde 2027 teilnehmen möchte, muss sich allerdings beeilen: Die Anmeldung ist nur noch bis zum 30. November 2026 möglich.

Unter dem Motto „Wozu Zukunft? Finde deine Antwort“ lädt die 62. Wettbewerbsrunde junge Menschen dazu ein, eigene Ideen zu entwickeln und sich mit den Herausforderungen von morgen auseinanderzusetzen. Angesprochen sind Kinder und Jugendliche bis 21 Jahre, die Freude am Forschen, Experimentieren und Entdecken haben. Teilnehmende ab 15 Jahren starten bei Jugend forscht, jüngere Nachwuchsforschende ab Klasse 4 in der Sparte Jugend forscht junior.

Eigene Forschungsfragen entwickeln und Lösungen finden

Ob Klimawandel, erneuerbare Energien, künstliche Intelligenz oder Robotik: Die Themen für ein Forschungsprojekt können ganz unterschiedlich sein. Denkbar sind beispielsweise technische Hilfen für Menschen mit Behinderung, neue Ideen zum Schutz von Tieren und Pflanzen oder Untersuchungen zu chemischen und physikalischen Phänomenen. Auch mathematische Fragestellungen und Informatikprojekte sind willkommen.

Entscheidend ist, dass die jungen Teilnehmenden einer eigenen Frage nachgehen, selbstständig forschen und ihre Ergebnisse nachvollziehbar darstellen. Damit bietet der Wettbewerb auch Anknüpfungspunkte für pädagogische Einrichtungen, die Kinder frühzeitig für naturwissenschaftliche Zusammenhänge interessieren möchten.

Sieben Fachgebiete stehen zur Auswahl

Die Projekte müssen einem der sieben Fachgebiete von Jugend forscht zugeordnet werden: Arbeitswelt, Biologie, Chemie, Geo- und Raumwissenschaften, Mathematik/Informatik, Physik oder Technik.

Für die Anmeldung genügt es zunächst, das Forschungsthema festzulegen. Anschließend haben die Teilnehmenden Zeit, ihre Ideen bis Anfang Januar 2027 weiterzuentwickeln, zu experimentieren und ihre Ergebnisse zu dokumentieren. Erst dann ist eine schriftliche Ausarbeitung des Projekts einzureichen.

Vom Regionalwettbewerb bis zum Bundesfinale

Die ersten Wettbewerbe auf regionaler Ebene beginnen im Februar 2027. Dort präsentieren die jungen Forschenden ihre Arbeiten vor einer Jury und der Öffentlichkeit. Wer sich durchsetzt, kann im März und April bei den Landeswettbewerben antreten. Die erfolgreichsten Projekte qualifizieren sich schließlich für das Bundesfinale.

Das 62. Bundesfinale findet vom 27. bis 30. Mai 2027 statt. Auf allen drei Wettbewerbsebenen gibt es Geld- und Sachpreise im Gesamtwert von mehr als einer Million Euro zu gewinnen.

Zukunft gestalten statt nur darüber nachdenken

Dr. Jessica Bönsch, Geschäftsführende Vorständin der Stiftung Jugend forscht e. V., sieht im diesjährigen Motto einen besonderen Anreiz, eigene Ideen zu entwickeln:

„Wir erwarten auch in der 62. Runde, mit dem Wettbewerb Jugend forscht wieder viele Kinder und Jugendliche aus dem gesamten Bundesgebiet für MINT-Themen zu begeistern“, sagt Dr. Jessica Bönsch, Geschäftsführende Vorständin der Stiftung Jugend forscht e. V. „Mit dem diesjährigen Motto laden wir junge Menschen ein, mit Blick auf unsere Zukunft nicht beim „Warum“ stehenzubleiben, sondern den Fokus auf das „Wie weiter“ zu richten und selbst Antworten und Lösungen zu formulieren. Jugend forscht 2027 ist der Ort, um mögliche Zweifel in Innovation zu verwandeln. Wir suchen junge Köpfe, die nicht nur zuschauen, sondern anpacken.“

Das Formular zu Online-Anmeldung, die Teilnahmebedingungen und das Wettbewerbsplakat 2027 finden Sie im Internet unter www.jugend-forscht.de.

Quelle: Pressemitteilung Jugend forscht




Selbstregulation in der Kita: Fachkräften fehlt Wissen

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Selbstregulation: Vielen Kita-Fachkräften fehlt wichtiges Wissen

Kinder müssen erst lernen, ihre Gefühle zu kontrollieren, Impulse zu steuern und mit Enttäuschungen umzugehen. Diese Fähigkeiten entwickeln sich nicht von allein. Kindertageseinrichtungen können sie gezielt fördern. Doch vielen pädagogischen Fachkräften fehlt dafür offenbar das notwendige Wissen. Das zeigt eine bundesweite Befragung im Auftrag der Stiftung Kinder forschen.

Das Institut uzbonn befragte dafür 503 pädagogische Fachkräfte und Kita-Leitungen. 37 Prozent der Befragten können den Begriff Selbstregulationskompetenz nicht erklären. Weitere 39 Prozent verstehen darunter nur teilweise, was gemeint ist.

Auch bei der Umsetzung gibt es Nachholbedarf: 44 Prozent fördern die Selbstregulation von Kindern nach eigener Einschätzung eher zufällig als gezielt. Bei knapp einem Viertel findet eine entsprechende Förderung nie oder höchstens einmal im Monat statt.

Selbstregulation beginnt im Kita-Alltag

Dabei gibt es zahlreiche Möglichkeiten, diese Fähigkeiten im Alltag zu stärken. Wenn Kinder beim gemeinsamen Spielen warten, Regeln beachten oder Konflikte lösen, üben sie ihre Impulskontrolle. Beim Zuhören und Erzählen trainieren sie ihre Aufmerksamkeit. Rollenspiele fördern die Fähigkeit, sich in andere hineinzuversetzen und flexibel zu reagieren.

Entscheidend ist, dass pädagogische Fachkräfte solche Situationen bewusst aufgreifen. Kinder brauchen dafür verlässliche Beziehungen, klare Strukturen und Erwachsene, die sie beim Umgang mit ihren Gefühlen unterstützen.

Selbstregulation bedeutet dabei nicht, dass Kinder möglichst angepasst sein sollen. Vielmehr geht es darum, eigene Gefühle und Handlungen zunehmend selbst steuern zu können.

Stiftung Kinder forschen bietet Fortbildungen an

Um pädagogische Fachkräfte für das Thema zu sensibilisieren, hat die Stiftung Kinder forschen gemeinsam mit der Charité – Universitätsmedizin Berlin das Programm StaRK (Selbstregulation stärken – Gesundheit von klein auf fördern) entwickelt.

Dazu gehören der Online-Kurs „Der Turm fällt um – und jetzt? Selbstregulation fördern“ sowie das Webinar „Forschen, Fühlen, Dranbleiben – Selbstregulation in der Kita“. Beide Angebote vermitteln Grundlagen und zeigen Möglichkeiten für die praktische Arbeit.

Unterstützt wird das Programm von der hkk Krankenkasse, der RWE Foundation und der Siemens Stiftung.

Die Befragung zeigt: Selbstregulation ist für die Entwicklung von Kindern wichtig, wird in vielen Kitas aber noch nicht systematisch gefördert. Mehr Wissen und gezielte Fortbildungen könnten dazu beitragen, diese Lücke zu schließen.

Wie aussagekräftig ist die Befragung?

Die bundesweite Befragung wurde vom Umfragezentrum Bonn (uzbonn), einem etablierten Institut für empirische Sozialforschung, durchgeführt. 503 pädagogische Fach- und Leitungskräfte wurden telefonisch interviewt. Die Stichprobe wurde zufällig ausgewählt und nach Bundesländern gewichtet. Allerdings umfasst sie neben Kita-Fachkräften auch Beschäftigte im Hortbereich. Zudem beruhen die Ergebnisse auf Selbsteinschätzungen und nicht auf Beobachtungen des pädagogischen Alltags. Die Untersuchung liefert damit einen interessanten Hinweis auf mögliche Wissenslücken, erlaubt aber keine uneingeschränkten Rückschlüsse auf die tatsächliche Förderpraxis in allen deutschen Kitas.

Quelle: Pressemitteilung Stiftung Kinder Forschen

Zum Vergleich:

In Deutschland waren am 1. März 2025 rund 795.700 Personen im pädagogischen, Leitungs- und Verwaltungsbereich von Kindertageseinrichtungen beschäftigt. Zählt man auch Hauswirtschaft, Technik und weitere Beschäftigungsbereiche hinzu, waren es insgesamt rund 914.000 Beschäftigte. Die 503 Befragten entsprechen damit nur einem sehr kleinen Ausschnitt des gesamten Kita-Personals. Das allein macht die Untersuchung allerdings nicht weniger aussagekräftig: Entscheidend ist, ob die Auswahl der Befragten repräsentativ erfolgte.

Quelle: Statistisches Bundesamt, Pressemitteilung zur Kindertagesbetreuung 2025 und Beschäftigte in Tageseinrichtungen

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Die Expertise „Selbstregulation und sozial-emotionale Entwicklung von Kindern im Alter von 3 bis 6 Jahren“ gibt es unter diesem Link.

Die Zusammenfassung der Befragungsergebnisse zum Thema Selbstregulationskompetenzen können Sie hier herunterladen.




13 Jahre Krippenausbau: Was haben die Kinder davon?

Milliarden für neue Betreuungsplätze, doch vielerorts fehlt Personal. Sinkende Geburtenzahlen eröffnen nun Chancen für eine bessere Betreuung der Kleinsten

Seit dem 1. August 2013 haben Kinder in Deutschland ab ihrem ersten Geburtstag einen Rechtsanspruch auf frühkindliche Förderung in einer Kita oder in der Kindertagespflege. Seither hat sich die Betreuungslandschaft grundlegend verändert. Milliarden Euro wurden investiert und Hunderttausende zusätzliche Plätze geschaffen. Doch 13 Jahre später fällt die Bilanz zwiespältig aus: Während der Ausbau der Betreuungsangebote erhebliche Fortschritte gemacht hat, bleiben die personellen und pädagogischen Bedingungen vielerorts hinter wissenschaftlichen Empfehlungen zurück. Gleichzeitig eröffnet der Geburtenrückgang neue Möglichkeiten, die Qualität der Betreuung zu verbessern.

Milliarden für den Ausbau – und was daraus geworden ist

Bereits 2008 hatte der Bund mit dem Kinderförderungsgesetz die Voraussetzungen für den Rechtsanspruch geschaffen. In fünf Investitionsprogrammen stellte er seitdem insgesamt 5,4 Milliarden Euro für den Ausbau der Kindertagesbetreuung bereit. Nach Angaben des Bundesfamilienministeriums konnten damit mehr als 750.000 zusätzliche Betreuungsplätze für Kinder unter drei Jahren geschaffen werden. Der Ausbau erleichterte vielen Familien die Vereinbarkeit von Beruf und Familie und eröffnete Kindern zusätzliche Bildungs- und Entwicklungsmöglichkeiten.

Doch mit neuen Gebäuden und zusätzlichen Plätzen allein ist es nicht getan. Gute frühkindliche Betreuung erfordert ausreichend qualifizierte Fachkräfte, verlässliche Beziehungen und Zeit für die individuellen Bedürfnisse der Kinder. Deshalb verlagerte sich die Förderpolitik ab 2019 zunehmend auf die Qualität. Mit dem Gute-KiTa-Gesetz und dem späteren KiTa-Qualitätsgesetz unterstützte der Bund die Länder bei der Verbesserung der Betreuungsbedingungen. Für die Jahre 2023 bis 2026 standen dafür rund acht Milliarden Euro zur Verfügung. Gefördert wurden unter anderem die Fachkräftegewinnung, die Qualifizierung des Personals, die sprachliche Bildung und bessere pädagogische Rahmenbedingungen.

Die Programme haben Verbesserungen angestoßen. Ihre Wirkung bleibt jedoch schwer zu beurteilen, weil die Länder unterschiedliche Schwerpunkte setzen und einheitliche Qualitätsstandards fehlen. Vor allem ist es bislang nicht gelungen, überall die personellen Voraussetzungen für eine fachlich angemessene Betreuung zu schaffen.

Nur jede siebte Kita verfügt über ausreichend Personal

Wie groß die Defizite sind, zeigt eine im Januar 2026 veröffentlichte Untersuchung der Bertelsmann Stiftung und von Forschenden der Universität Wien. Auf Grundlage amtlicher Daten aus dem Jahr 2024 wurde die tatsächliche Personalausstattung mit wissenschaftlichen Empfehlungen verglichen. Das Ergebnis: Bundesweit erreichen nur knapp 14 Prozent der Kindertageseinrichtungen die empfohlene volle Personalausstattung. In Westdeutschland sind es durchschnittlich 16,3 Prozent, in Ostdeutschland einschließlich Berlin lediglich rund zwei Prozent.

Dabei geht es nicht nur um rechnerische Personalschlüssel. Entscheidend ist, wie viele Fachkräfte den Kindern tatsächlich zur Verfügung stehen. Krankheit, Urlaub, Fortbildungen und organisatorische Aufgaben reduzieren die unmittelbare Betreuungszeit erheblich. Besonders problematisch ist dies für Kinder unter drei Jahren. Sie benötigen intensive Zuwendung, Unterstützung bei alltäglichen Verrichtungen und vertraute Erwachsene, die ihnen Sicherheit vermitteln. Eine Fachkraft, die gleichzeitig mehrere Kleinkinder versorgen muss, kann diesen Bedürfnissen nur begrenzt gerecht werden.

Eine weitere Bertelsmann-Untersuchung vom Dezember 2025 zeigt, dass auch die Zusammenarbeit innerhalb der Teams eine entscheidende Rolle spielt. Die bundesweite Befragung von Fach- und Leitungskräften macht deutlich, dass Schwierigkeiten bei Arbeitsabläufen und Kommunikation das Risiko unangemessenen pädagogischen Verhaltens erhöhen können. Gute Teamarbeit ist demnach nicht nur eine organisatorische Frage, sondern eine wesentliche Voraussetzung für den Schutz und das Wohlbefinden der Kinder.

Wenn frühe Betreuung zum Stress wird

Der Mediziner, Neurowissenschaftler und Psychotherapeut Prof. Dr. Joachim Bauer gehört zu den Wissenschaftlern, die auf die Bedeutung verlässlicher Beziehungen für die frühkindliche Entwicklung und die Regulation von Stress hinweisen. Aus seiner neurobiologischen Perspektive sind zwischenmenschliche Zuwendung, emotionale Sicherheit und die Fähigkeit vertrauter Erwachsener, kindliche Belastungen aufzufangen, wesentliche Voraussetzungen einer gesunden Entwicklung. Gerade in den ersten Lebensjahren sind Kinder darauf angewiesen, dass Erwachsene ihre Bedürfnisse wahrnehmen und ihnen helfen, belastende Situationen zu bewältigen.

Daraus ergibt sich eine kritische Frage an die institutionelle Betreuung: Was geschieht, wenn ein Kleinkind über längere Zeit von seinen vertrauten Bezugspersonen getrennt ist, ohne in der Einrichtung ausreichend emotionale Sicherheit zu finden? Mehrere entwicklungspsychologische Studien zum Stresshormon Cortisol deuten darauf hin, dass bei einem Teil der Krippenkinder während des Betreuungstages erhöhte Werte oder veränderte Tagesverläufe auftreten können. Solche Befunde können auf Belastungen hinweisen, fallen in der Forschung jedoch nicht einheitlich aus und hängen von Faktoren wie Alter, Eingewöhnungsqualität und individueller Reaktion des Kindes ab. Ob daraus langfristige Entwicklungsrisiken entstehen, lässt sich nicht allein aus den Hormonwerten ableiten. Die Forschung erlaubt deshalb keine pauschale Verurteilung der Krippenbetreuung, macht aber deutlich, dass ihre Qualität gerade bei sehr jungen Kindern von besonderer Bedeutung ist.

Qualitätskriterien der Deutschen Gesellschaft für Sozialpädiatrie und Jugendmedizin

Auch die Deutsche Gesellschaft für Sozialpädiatrie und Jugendmedizin betont in ihren Qualitätskriterien für die Betreuung unter Dreijähriger die Bedeutung stabiler, feinfühliger Beziehungen. Sie weist darauf hin, dass die Bewältigung von Trennungsstress individuell sehr unterschiedlich ausfallen kann und bei jüngeren Kindern besonders sorgfältig berücksichtigt werden muss. Entscheidend ist deshalb nicht allein, ab welchem Alter ein Kind eine Krippe besucht, sondern welche Bedingungen es dort vorfindet.

Für die pädagogische Praxis ergeben sich daraus konkrete Anforderungen: Die Eingewöhnung muss sich am einzelnen Kind orientieren und darf nicht durch starre Zeitvorgaben bestimmt werden. Kinder brauchen möglichst konstante Bezugspersonen, die auch tatsächlich verfügbar sind, wenn sie Trost und Unterstützung benötigen. Gruppengrößen und Personalausstattung müssen eine individuelle Begleitung ermöglichen. Ebenso wichtig sind altersgerechte Tagesabläufe mit ausreichend Ruhe, Rückzugsmöglichkeiten und Zeit für Pflege, Spiel und persönliche Zuwendung. Fachkräfte müssen zudem darin geschult sein, Anzeichen von Überforderung, Rückzug oder anhaltendem Stress zu erkennen und gemeinsam mit den Eltern angemessen darauf zu reagieren.

Damit bekommt die Kritik an den strukturellen Bedingungen eine zusätzliche Dimension. Fehlendes Personal bedeutet nicht nur mehr Arbeit für die Beschäftigten. Es kann auch dazu führen, dass die grundlegenden emotionalen Bedürfnisse kleiner Kinder nicht ausreichend berücksichtigt werden. Gute Krippenpädagogik ist deshalb untrennbar mit guten Arbeitsbedingungen verbunden.

Sinkende Geburtenzahlen eröffnen neue Möglichkeiten

Inzwischen verändert der demografische Wandel die Ausgangslage. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes wurden am 1. März 2026 rund 756.700 Kinder unter drei Jahren in Kindertageseinrichtungen oder öffentlich geförderter Kindertagespflege betreut. Das waren etwa 44.600 weniger als im Vorjahr und fast 100.000 weniger als beim bisherigen Höchststand 2023. Die Betreuungsquote sank leicht auf 37,2 Prozent.

Allerdings bedeutet der Rückgang nicht, dass überall ausreichend Betreuungsplätze vorhanden wären. Noch 2025 wünschten sich 49,3 Prozent der Eltern unter Dreijähriger einen Betreuungsplatz, tatsächlich betreut wurden jedoch nur 37,8 Prozent. Besonders in westdeutschen Ballungsräumen besteht weiterhin ein erheblicher ungedeckter Bedarf. In manchen ostdeutschen Regionen drohen dagegen bereits Gruppenschließungen und Personalabbau.

Gerade darin liegt eine große Herausforderung. Wenn weniger Kinder betreut werden, könnten die vorhandenen Fachkräfte mehr Zeit für das einzelne Kind gewinnen. Gruppen könnten kleiner, Beziehungen stabiler und Arbeitsbedingungen besser werden. Voraussetzung wäre allerdings, dass sinkende Kinderzahlen nicht automatisch zu entsprechenden Kürzungen bei Personal und Finanzierung führen.

Neue Förderprogramme – aber reichen sie aus?

Die Bundesregierung hat weitere Maßnahmen angekündigt. Für die Jahre 2026 bis 2029 stehen im Rahmen eines neuen Investitionsprogramms insgesamt vier Milliarden Euro zur Verfügung – allerdings nicht ausschließlich für die Kindertagesbetreuung, sondern gemeinsam mit der Hochschul- und Wissenschaftsinfrastruktur. Welcher Anteil der Mittel tatsächlich in Kitas fließt, ist bislang nicht gesondert ausgewiesen. Mit dem Programm können unter anderem Einrichtungen modernisiert und zusätzliche Kapazitäten geschaffen werden. Eine dauerhafte Finanzierung zusätzlicher Fachkräfte ist damit allerdings nicht automatisch verbunden.

Weiter geht der Entwurf eines Startchancen- und Qualitätsentwicklungsgesetzes, den das Bundeskabinett im September 2026 beschlossen hat. Das Gesetz befand sich Anfang November 2026 noch im parlamentarischen Verfahren und war damit noch nicht in Kraft. Vorgesehen sind bundesweite Qualitätsstandards und eine gezieltere Förderung von Einrichtungen in sozial herausfordernden Lagen. Bis 2034 plant der Bund dafür rund 9,25 Milliarden Euro. Ob das Gesetz die Betreuungsqualität tatsächlich nachhaltig verbessert, wird wesentlich von seiner konkreten Ausgestaltung und Umsetzung abhängen – und davon, ob und wann es den Gesetzgebungsprozess abschließt.

Die bisherigen Erfahrungen zeigen, worauf es ankommt: Fachkräfte müssen nicht nur gewonnen, sondern auch gehalten werden. Dafür braucht es verlässliche Arbeitsbedingungen, angemessene Personalschlüssel, qualifizierte Leitungen und ausreichend Zeit für Teamarbeit, Fortbildung und pädagogische Reflexion. Gerade bei unter Dreijährigen müssen stabile Bezugspersonen und eine behutsame Eingewöhnung gewährleistet sein. Zudem sollten die tatsächliche Betreuungsqualität und das Wohlbefinden der Kinder stärker untersucht werden, statt den Erfolg der Förderpolitik vor allem an Platzzahlen und eingesetzten Finanzmitteln zu messen.

Nach 13 Jahren Rechtsanspruch steht die deutsche Krippenbetreuung damit vor einer neuen Aufgabe. Der quantitative Ausbau hat vielen Familien geholfen und die Betreuungslandschaft nachhaltig verändert. Doch die wissenschaftlichen Befunde machen deutlich, dass gute Betreuung mehr verlangt als einen verfügbaren Platz. Der Rückgang der Kinderzahlen könnte nun die Chance eröffnen, den Schwerpunkt stärker auf die Qualität zu verlagern.

Ob diese Chance genutzt wird, entscheidet sich allerdings nicht allein in Ministerien und Parlamenten, sondern auch im Alltag der Einrichtungen. Dort müssen Fachkräfte täglich versuchen, den Bedürfnissen der Kinder unter oft schwierigen Bedingungen gerecht zu werden. Dabei lohnt sich eine gemeinsame Bestandsaufnahme: Wie gut gelingt es uns, jedem Kind Sicherheit und Zuwendung zu vermitteln? Wo stoßen wir an Grenzen? Und welche Veränderungen wären notwendig, damit wir unserem pädagogischen Anspruch besser gerecht werden können?

Die folgende Checkliste bietet Krippenteams fünf Fragen, mit denen sie ihre Betreuungsbedingungen gemeinsam reflektieren können. Sie ersetzt keine fachliche Qualitätsprüfung, kann aber helfen, Stärken und Probleme sichtbar zu machen und notwendige Verbesserungen anzustoßen.

Wo Fachkräfte Unterstützung finden

Wenn Personalmangel, häufig wechselnde Bezugspersonen oder organisatorische Probleme die Qualität der Krippenbetreuung beeinträchtigen, können sich pädagogische Fachkräfte an die Fachberatung ihres Trägers oder des örtlichen Jugendamts wenden. Diese unterstützt unter anderem bei Fragen zur pädagogischen Konzeption, zur Eingewöhnung, zur Teamarbeit und zur Qualitätsentwicklung. Bei erheblichen Mängeln, die das Wohl der Kinder betreffen, ist die zuständige Einrichtungsaufsicht beim Landesjugendamt oder einer entsprechenden Landesbehörde eine weitere Anlaufstelle.

Bestehen konkrete Anhaltspunkte für eine mögliche Kindeswohlgefährdung, haben beruflich mit Kindern befasste Personen nach § 8b SGB VIII Anspruch auf Beratung durch eine insoweit erfahrene Fachkraft. Diese Beratung kann über das örtliche Jugendamt vermittelt werden. Bei akuter Gefährdung muss unverzüglich gehandelt werden.

Weitere Informationen: Die örtlichen Jugendämter und Landesjugendämter informieren über die jeweils zuständigen Beratungs- und Aufsichtsstellen. Die gesetzlichen Grundlagen finden sich insbesondere in den §§ 8b und 45 SGB VIII.

Quellen und weiterführende Informationen

Gernot Körner




Die gute Nachricht vom Vorlesen hat einen Haken

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Der Vorlesemonitor 2026 meldet einen deutlichen Anstieg beim Vorlesen. Doch wie zuverlässig sind die Zahlen? Und welche Erkenntnisse lassen sich daraus für die Leseförderung in Kitas und Grundschulen gewinnen?

Immer mehr Eltern lesen ihren Kindern vor. Zumindest geben sie das an. Laut Vorlesemonitor 2026 lesen 76,4 Prozent der befragten Eltern ihren ein- bis achtjährigen Kindern mindestens mehrmals pro Woche vor. Zwei Jahre zuvor waren es 67,7 Prozent. Das ist eine erfreuliche Entwicklung. Denn gemeinsame Bucherlebnisse können die Sprachentwicklung fördern und wichtige Grundlagen für das spätere Lesenlernen schaffen. Doch wie zuverlässig sind die Zahlen? Und was bedeuten die Ergebnisse für die pädagogische Praxis?

spielen und lernen hat die Studie untersucht und die Stiftung Lesen um eine Stellungnahme gebeten. Die Antworten zeigen, dass der Vorlesemonitor wichtige Hinweise liefert, zugleich aber Fragen zur Aussagekraft der Ergebnisse und zur Wirksamkeit der Leseförderung offenlässt.

Was Eltern sagen und was sie tatsächlich tun

Für den Vorlesemonitor 2026 wurden 914 Eltern persönlich in ihren Wohnungen befragt. Die Untersuchung erfasst damit keine unmittelbar beobachteten Verhaltensweisen, sondern die Angaben der Eltern über ihren Familienalltag. Gerade beim Vorlesen könnte das eine Rolle spielen. Schließlich wissen viele Eltern, dass Vorlesen als wichtig für die Entwicklung ihrer Kinder gilt. Wer danach gefragt wird, könnte deshalb dazu neigen, sein Verhalten positiver darzustellen.

Die Stiftung Lesen räumt dieses Problem ausdrücklich ein. „Der Vorlesemonitor erfasst, was Eltern über ihr Verhalten berichten, er beobachtet nicht, wie häufig in den Familien tatsächlich vorgelesen wird“, erklärt Laura Trost, Leiterin Marketing und Kommunikation der Stiftung Lesen, auf unsere Anfrage. Wie stark mögliche Verzerrungen durch sozial erwünschte Antworten die Ergebnisse beeinflussen, lasse sich „seriös nicht beziffern“.

Die Stiftung betont allerdings, dass Erhebungsmethode und Frageformulierungen gegenüber den Vorjahren unverändert geblieben seien. Dadurch lasse sich die Entwicklung wissenschaftlich nachvollziehen. Auch die Stichproben seien hinsichtlich der festgelegten Merkmale jeweils repräsentativ für die deutschsprachigen Eltern des betreffenden Erhebungsjahres. Zwar seien die Stichproben von 2024 und 2026 „nicht komplett strukturgleich“, die Unterschiede seien jedoch minimal. Konkrete Berechnungen dazu enthält die Stellungnahme nicht. Auch unsere Frage nach einer möglichen Gewichtung der Ergebnisse blieb unbeantwortet.

Warum gerade bei Ein-, Zwei- und Achtjährigen?

Besonders auffällig sind die Unterschiede zwischen den Altersgruppen. Bei den Einjährigen stieg die berichtete Vorlesehäufigkeit um 16 Prozentpunkte, bei den Zweijährigen um 15 und bei den Achtjährigen sogar um 20 Prozentpunkte. Bei den Drei- bis Siebenjährigen blieb sie dagegen weitgehend unverändert.

Die Stiftung Lesen verweist insbesondere bei den jüngeren Kindern auf ihr Förderprogramm „Lesestart 1-2-3“. Über Kinderarztpraxen und Bibliotheken erhalten Familien kostenlose Bilderbücher und Anregungen zum Vorlesen. „Eine mögliche Erklärung ist aus unserer Sicht, dass Familien früher und konkreter erreicht werden“, schreibt Laura Trost.

Allerdings gibt es die Lesestart-Förderung bereits seit 2011, das heutige Programm „Lesestart 1-2-3“ seit 2019. Schon vor der Ausweitung im Jahr 2024 wurden Millionen Buchgeschenke verteilt. Auch der Bundesweite Vorlesetag und zahlreiche andere Aktionen zur Leseförderung bestehen seit vielen Jahren. Sie könnten das Vorleseverhalten langfristig beeinflusst haben, erklären aber allein noch nicht, warum die berichteten Werte gerade zwischen 2024 und 2026 so stark gestiegen sind.

Zwar wurden 2024 zusätzliche Mittel bereitgestellt, sodass teilnehmende Kinderarztpraxen mehr Familien mit Büchern versorgen konnten. Ob diese Familien deshalb tatsächlich häufiger vorlesen, ist jedoch nicht nachgewiesen. Die Stiftung selbst nennt die Ausweitung von Lesestart ausdrücklich als mögliche Erklärung und räumt ein: „wir können es aber anhand der erhobenen Daten nicht belegen“.

Bemerkenswert ist zudem, dass die Bundesförderung von Lesestart 1-2-3 Ende 2026 auslaufen soll. Das zuständige Bundesministerium verweist laut einem Bericht von ZDFheute auf eine Evaluation, bei der nachhaltige positive Wirkungen des Projekts nicht nachgewiesen werden konnten. Das bedeutet nicht, dass die Buchgeschenke wirkungslos sind. Es zeigt aber, dass die Verteilung von Büchern noch keinen Beleg für eine dauerhaft veränderte Vorlesepraxis liefert.

Offen bleibt außerdem, wie belastbar die auffälligen Veränderungen innerhalb der einzelnen Altersgruppen sind. Auf unsere Frage nach deren statistischer Signifikanz erhielten wir keine konkrete Antwort.

Vorlesen ist nicht gleich Vorlesen

Eine weitere Besonderheit betrifft die Definition des Vorlesens. Während viele Menschen darunter das laute Lesen eines geschriebenen Textes verstehen, verwendet die Stiftung Lesen einen deutlich weiteren Begriff. „Wir verwenden ausdrücklich einen weiten Vorlesebegriff“, erklärt Trost. Dazu gehört auch das gemeinsame Betrachten von Bilderbüchern und das Erzählen zu Bildern, selbst wenn diese Bücher wenig oder überhaupt keinen Text enthalten.

Das ist pädagogisch nachvollziehbar. Gerade jüngere Kinder profitieren von Gesprächen über Bilder und Geschichten. Allerdings sind das Vorlesen geschriebener Texte und das gemeinsame Betrachten textloser Bilderbücher nicht dieselbe Tätigkeit. Beide können die Sprachentwicklung unterstützen, bieten aber unterschiedliche sprachliche Erfahrungen. Bei der Interpretation der Ergebnisse sollte diese Unterscheidung berücksichtigt werden.

Nicht alle Kinder haben vergleichbare Erfahrungen

Unabhängig von den methodischen Grenzen enthält der Vorlesemonitor wichtige Hinweise für die pädagogische Praxis. Fast jedem vierten Kind wird nach Angaben der Eltern höchstens einmal pro Woche vorgelesen, mehr als jedem achten überhaupt nicht. Kitas und Grundschulen können deshalb nicht voraussetzen, dass alle Kinder mit vergleichbaren Erfahrungen im Umgang mit Büchern und Geschichten aufwachsen. Regelmäßige Buch- und Gesprächsangebote sind deshalb besonders wichtig, um allen Kindern entsprechende Erfahrungen zu ermöglichen.

Interessant ist auch ein weiterer Befund: 41 Prozent der regelmäßig vorlesenden Eltern berichten, dass sie beim Vorlesen häufig mit ihren Kindern über die Geschichten sprechen. Bei Eltern, die seltener vorlesen, sind es nur 20 Prozent. Das unterstreicht die Bedeutung des dialogischen Lesens. Kinder sollten Gelegenheit erhalten, Fragen zu stellen, Vermutungen zu äußern, Zusammenhänge zu erkennen und eigene Gedanken zu formulieren. Allerdings lässt sich aus diesem statistischen Zusammenhang keine Ursache-Wirkungs-Beziehung ableiten.

Für die Grundschule ist außerdem bedeutsam, dass selbst Achtjährigen vergleichsweise selten vorgelesen wird. Nur 55 Prozent erhalten nach Angaben ihrer Eltern regelmäßig entsprechende Angebote. Dabei endet die Bedeutung gemeinsamer Bucherfahrungen keineswegs mit dem Beginn des selbstständigen Lesenlernens. Das Vorlesen ermöglicht auch älteren Kindern die Begegnung mit Geschichten und sprachlichen Strukturen, die sie selbst möglicherweise noch nicht flüssig lesen können. Vorlesen und eigenständiges Lesen erfüllen deshalb unterschiedliche, einander ergänzende Aufgaben.

Mehr Vorlesen bedeutet nicht automatisch bessere Lesekompetenz

Besonders wichtig ist die Frage, welche Bedeutung die Ergebnisse für die Lesekompetenz haben. Schließlich dokumentieren Untersuchungen wie IGLU und die IQB-Bildungstrends seit Jahren erhebliche Schwierigkeiten beim Lesenlernen.

Die Stiftung Lesen warnt selbst vor vorschnellen Schlussfolgerungen. „Aus dem Anstieg der Vorlesehäufigkeit allein lässt sich also kein Rückschluss auf die aktuelle Situation der Lesekompetenz ableiten“, erklärt Laura Trost. Der Vorlesemonitor untersucht schließlich nicht, wie gut Kinder lesen können. Er erfasst weder ihr Textverständnis noch ihre schulischen Leistungen.

Dass gemeinsame Bucherfahrungen die sprachliche Entwicklung unterstützen können, ist durch andere Forschungsarbeiten grundsätzlich gut begründet. Für den Erwerb der Lesekompetenz reicht das allein jedoch nicht aus. Kinder müssen auch lernen, Schrift sicher zu entschlüsseln, Wörter zunehmend automatisiert zu erkennen, Texte zu verstehen und das Lesen als sinnvolle und bereichernde Tätigkeit zu erleben. Dafür brauchen sie eine kontinuierliche, systematische Förderung.

Der Vorlesemonitor 2026 liefert somit einen erfreulichen Befund: Deutlich mehr Eltern als noch vor zwei Jahren geben an, ihren Kindern regelmäßig vorzulesen. Wie groß die tatsächliche Veränderung im Familienalltag ist und welche Rolle die Förderprogramme dabei spielen, lässt sich anhand der vorliegenden Informationen jedoch nicht abschließend beurteilen.

Dass wirksame Leseförderung weit mehr umfasst als das Vorlesen, haben wir in unserer zwölfteiligen Reihe ausführlich dargestellt. Sie zeigt, wie Sprachentwicklung, Weltwissen, Lesetechnik, Textverständnis und Lesemotivation zusammenwirken – und weshalb gut gemeinte Fördermaßnahmen nicht automatisch zum Erfolg führen. Der Abschlussbeitrag „Leseförderung: Wir wissen, was Kindern hilft. Warum tun wir es nicht?“ fasst die wichtigsten Erkenntnisse zusammen und führt zu den einzelnen Folgen.

Quellen

  • Stiftung Lesen, Deutsche Bahn Stiftung und DIE ZEIT: Vorlesemonitor 2026.
  • Laura Trost, Leiterin Marketing und Kommunikation der Stiftung Lesen: Schriftliche Stellungnahme auf die Presseanfrage von spielen und lernen vom 28. Oktober 2026.
  • Stiftung Lesen: Informationen zum Programm „Lesestart 1-2-3“ und seiner Ausweitung seit 2024.
  • ZDFheute, 27. Oktober 2026: Bericht über den Vorlesemonitor und die Evaluation von Lesestart 1-2-3.
  • IGLU 2021 und IQB-Bildungstrends: Untersuchungen zur Lesekompetenz.

Gernot Körner




Geburten auf Rekordtief: Warum immer weniger Kinder geboren werden

Eine neue IW-Studie zeigt den dramatischen Geburtenrückgang. Befragungen von Frauen geben Hinweise darauf, warum Kinderwünsche unerfüllt bleiben können

In Deutschland wurden 2025 so wenige Kinder geboren wie seit 1946 nicht mehr. Nach den endgültigen Angaben des Statistischen Bundesamtes kamen 654.241 Kinder zur Welt. Das waren rund elf Prozent weniger als 2015. Besonders ausgeprägt ist der Rückgang in den ostdeutschen Flächenländern: Dort sank die Zahl der Geburten innerhalb von zehn Jahren um etwa ein Drittel, bei Müttern mit deutscher Staatsangehörigkeit sogar um mehr als 40 Prozent.

Das geht aus einer aktuellen Untersuchung des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) hervor. Der Wirtschaftswissenschaftler Wido Geis-Thöne hat dafür die Entwicklung der Geburtenzahlen und der Zahl potenzieller Mütter untersucht. Seine Analyse macht deutlich: Die niedrigen Geburtenzahlen lassen sich nicht allein damit erklären, dass es weniger junge Frauen gibt. Auch die Häufigkeit von Geburten ist zurückgegangen. Was die Menschen dazu bewegt, eine Familiengründung aufzuschieben oder auf Kinder zu verzichten, lässt sich aus der Geburtenstatistik allerdings nicht unmittelbar ablesen.

Andere Untersuchungen geben darüber Aufschluss. Sie zeigen, dass hinter der Entscheidung für oder gegen Kinder sehr unterschiedliche Lebenssituationen und persönliche Vorstellungen stehen.

In Ostdeutschland fehlen zunehmend Frauen im Familiengründungsalter

In den ostdeutschen Flächenländern lebten 2025 rund 16 Prozent weniger Frauen im Alter von 25 bis 39 Jahren als noch 2015. In dieser Altersgruppe finden die meisten Geburten statt. Der Rückgang hängt unter anderem mit den geburtenschwachen Jahrgängen der 1990er-Jahre zusammen. Nach der deutschen Wiedervereinigung waren die Geburtenzahlen in Ostdeutschland stark eingebrochen. Die damals geborenen Kinder sind heute in einem Alter, in dem viele Menschen eine Familie gründen.

Damit wirkt die demografische Entwicklung der Nachwendezeit bis in die Gegenwart hinein. Allerdings ist die Zahl der Geburten im Osten mit etwa 33 Prozent ungefähr doppelt so stark zurückgegangen wie die Zahl der Frauen zwischen 25 und 39 Jahren. Bundesweit zeigt sich ein ähnliches Bild: Während die Zahl der Frauen dieser Altersgruppe zwischen 2015 und 2025 um gut ein Prozent zunahm, sank die Geburtenzahl um rund elf Prozent.

Auch die zusammengefasste Geburtenziffer ist gesunken. Im Jahr 2025 lag sie bundesweit bei 1,32 Kindern je Frau. In Ostdeutschland ohne Berlin betrug sie 1,22, in Westdeutschland 1,34.

Warum Frauen keine Kinder bekommen möchten

Die Geburtenstatistik zeigt, wie viele Kinder geboren werden. Sie sagt jedoch wenig darüber aus, weshalb Frauen und Männer sich gegen Kinder entscheiden oder eine Familiengründung verschieben. Hier liefert die repräsentative Untersuchung frauen leben 4 wichtige Erkenntnisse. Sie beschäftigt sich mit Familienplanung und Kinderwünschen im Lebensverlauf. Die Ergebnisse zeigen, dass es nicht den einen Grund für Kinderlosigkeit gibt. Vielmehr verändern sich die Motive mit dem Alter, der Partnerschaft, der beruflichen Situation und den bisherigen Erfahrungen.

In der Untersuchung nennen Frauen ohne konkreten Kinderwunsch unter anderem folgende Gründe, die gegen eine Schwangerschaft sprechen:

  • 30 Prozent nennen finanzielle Gründe.
  • 25 Prozent sehen unzureichende Möglichkeiten, Familie und Beruf miteinander zu vereinbaren.
  • Jede vierte Befragte verweist auf eine fehlende oder krisenhafte Partnerschaft.
  • 14 Prozent nennen gesundheitliche Bedenken.

Mehrfachnennungen waren möglich. Die Zahlen beschreiben somit unterschiedliche Belastungen und Lebensumstände, nicht voneinander unabhängige Gruppen. Bemerkenswert ist, dass viele Frauen keineswegs grundsätzlich gegen Kinder eingestellt sind. Häufig sprechen die gegenwärtigen Lebensbedingungen gegen eine Schwangerschaft.

Zukunftsängste beeinflussen die Familienplanung

Wie stark gesellschaftliche Unsicherheit die Familienplanung beeinflussen kann, zeigen regionale Ergebnisse der Studie frauen leben 4. In Berlin nennen 41 Prozent der befragten kinderlosen Frauen, die Gründe gegen Kinder angeben, große Sorgen um die Zukunft angesichts der zahlreichen Krisen. 38 Prozent nennen finanzielle Gründe, 35 Prozent partnerschaftsbezogene Gründe und 34 Prozent die größere Bedeutung beruflicher Pläne. In Niedersachsen geben 34 Prozent der entsprechenden Gruppe Zukunftssorgen an, 35 Prozent finanzielle Gründe und 31 Prozent partnerschaftsbezogene Gründe.

Die Ergebnisse machen deutlich, dass die Entscheidung für Kinder nicht unabhängig von gesellschaftlichen Entwicklungen getroffen wird. Wirtschaftliche Unsicherheit, internationale Krisen und Sorgen um die eigene Zukunft können bei der Familienplanung eine Rolle spielen. Allerdings lässt sich daraus nicht ableiten, wie stark diese Faktoren den bundesweiten Geburtenrückgang tatsächlich verursacht haben. Die Befragungen erfassen persönliche Einschätzungen und Motive, während die IW-Studie die demografische Entwicklung beschreibt.

Viele junge Frauen möchten Kinder – aber später

Ein weiterer wichtiger Befund: Kinderlosigkeit bedeutet nicht zwangsläufig, dass kein Kinderwunsch besteht. Die Untersuchung frauen leben 4 zeigt beispielsweise für Baden-Württemberg, dass 59 Prozent der kinderlosen Frauen zwischen 20 und 24 Jahren grundsätzlich Kinder möchten. Die meisten von ihnen planen eine Familiengründung allerdings erst in einigen Jahren. Nur zwölf Prozent der kinderlosen Frauen dieser Altersgruppe geben ausdrücklich an, keine Kinder zu wollen. Weitere elf Prozent sind unentschieden, 18 Prozent haben sich mit der Frage noch nicht beschäftigt.

Auch unter den 25- bis 29-jährigen kinderlosen Frauen möchten 60 Prozent Kinder bekommen, entweder bald oder zu einem späteren Zeitpunkt. Diese Ergebnisse widersprechen der pauschalen Vorstellung, junge Frauen hätten zunehmend kein Interesse mehr an Familie und Kindern. Vielmehr besteht häufig ein Kinderwunsch, dessen Verwirklichung von bestimmten Voraussetzungen abhängig gemacht wird. Das kann die berufliche Etablierung sein, eine stabile Partnerschaft, eine geeignete Wohnung oder die Aussicht, Familie und Erwerbstätigkeit miteinander vereinbaren zu können.

Zwischen Kinderwunsch und Wirklichkeit

Die Entscheidung, Kinder zu bekommen, ist für viele Menschen mit weitreichenden Veränderungen verbunden. Sie betrifft nicht nur die finanzielle Situation, sondern auch berufliche Perspektiven, die Partnerschaft und die persönliche Lebensgestaltung. Besonders für Frauen kann die Familiengründung weiterhin mit beruflichen Nachteilen verbunden sein. Schwangerschaft, Elternzeit und die häufig ungleiche Verteilung der Sorgearbeit wirken sich auf Erwerbsbiografien aus.

Zugleich ist eine verlässliche Kinderbetreuung für viele Familien Voraussetzung dafür, dass beide Elternteile berufstätig bleiben können. Die Ergebnisse der Befragungen zeigen, dass finanzielle Sicherheit und Vereinbarkeit wichtige Bedingungen für die Familienplanung darstellen. Sie erklären jedoch nicht sämtliche Entscheidungen. Manche Menschen wünschen sich unabhängig von den äußeren Umständen ein Leben ohne Kinder. Auch das ist eine eigenständige Lebensentscheidung.

Hinzu kommt, dass nicht jeder Kinderwunsch erfüllt werden kann. Gesundheitliche und biologische Faktoren sowie Schwierigkeiten, einen passenden Partner oder eine passende Partnerin zu finden, können ebenfalls eine Rolle spielen.

Weniger Geburten bedeuten langfristig weniger potenzielle Eltern

Nach Berechnungen des Instituts der deutschen Wirtschaft dürfte sich der demografische Rückgang in den kommenden Jahren fortsetzen. Bis 2035 könnte die Zahl der Frauen zwischen 25 und 39 Jahren bundesweit um rund zehn Prozent sinken. Damit würde auch die Zahl potenzieller Mütter deutlich kleiner. Für Ostdeutschland erwartet die Untersuchung allerdings ab etwa 2030 eine allmähliche Veränderung. Dann erreichen etwas stärkere Geburtsjahrgänge das typische Familiengründungsalter. In Westdeutschland dürfte dieser Effekt später einsetzen.

Ob die Geburtenzahlen wieder steigen, hängt jedoch nicht allein von der Zahl der Frauen im entsprechenden Alter ab. Entscheidend ist auch, wie sich die tatsächliche Geburtenhäufigkeit entwickelt.

Verlässliche Kinderbetreuung und Planungssicherheit statt Kürzungen

Der IW-Forscher Wido Geis-Thöne sieht angesichts der Entwicklung politischen Handlungsbedarf. Niedrige Geburtenzahlen verringerten langfristig das Arbeitskräfteangebot und erschwerten die Finanzierung der Sozialversicherungssysteme. Er fordert deshalb bessere Bedingungen für Familien. Dazu gehören insbesondere verlässliche Betreuungsangebote und finanzielle Planungssicherheit. Kürzungen bei familienpolitischen Leistungen, etwa beim Elterngeld, hält er für problematisch.

Die Ergebnisse der ergänzend betrachteten Befragungen unterstützen die Bedeutung solcher Rahmenbedingungen. Wenn Frauen finanzielle Unsicherheit oder mangelnde Vereinbarkeit als Hindernisse für eine Familiengründung nennen, sind verlässliche Unterstützungsangebote von besonderer Bedeutung. Dabei geht es nicht darum, Menschen zur Elternschaft zu bewegen. Entscheidend ist vielmehr, dass diejenigen, die sich Kinder wünschen, ihren Wunsch möglichst unabhängig von vermeidbaren wirtschaftlichen und organisatorischen Hindernissen verwirklichen können.

Die aktuelle Geburtenentwicklung wirft deshalb nicht nur eine demografische Frage auf. Sie lenkt den Blick auch darauf, wie familienfreundlich die Lebens- und Arbeitsbedingungen in Deutschland tatsächlich sind.

Studien und Quellen

Wido Geis-Thöne (2026): Historischer Tiefststand bei den Geburten und keine Erholung in Sicht. IW-Kurzbericht Nr. 78/2026. Institut der deutschen Wirtschaft, Köln, 31. Oktober 2026.

Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG): frauen leben 4 – Familienplanung im Lebenslauf. Repräsentativbefragungen und Länderberichte, darunter Baden-Württemberg, Berlin und Niedersachsen, 2025.

Statistisches Bundesamt (2026): Geburtenstatistik 2025. Endgültige Ergebnisse zu Geburtenzahlen und zusammengefasster Geburtenziffer.




Kleinkinder verstehen statt überfordern

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Kleinkindpädagogik: Kinder verstehen und Entwicklung begleiten

Die ersten drei Lebensjahre sind eine besonders prägende Entwicklungsphase. Für pädagogische Fachkräfte bedeutet das, individuelle Bedürfnisse zu erkennen, Entwicklungsschritte zu verstehen und Kinder kompetent zu begleiten.

Mit dem staatlich geprüften und zugelassenen Fernkurs „Fachkraft für Kleinkindpädagogik“ bietet die Fernakademie für Pädagogik und Sozialberufe Dir eine flexible Möglichkeit, sich gezielt für die Arbeit mit Kindern unter drei Jahren zu qualifizieren.

Kleinkinder verstehen – statt zu überfordern

Warum fällt es Kleinkindern manchmal so schwer, zu warten, Regeln einzuhalten oder ihre Gefühle zu regulieren?

Gerade im U3-Bereich begegnen pädagogische Fachkräfte täglich Situationen, in denen Kinder scheinbar nicht kooperieren. Doch häufig fehlt ihnen noch die entwicklungsbedingte Fähigkeit, bestimmte Erwartungen zu erfüllen.

Impulskontrolle, Selbstregulation und Perspektivübernahme entwickeln sich erst nach und nach. Umso wichtiger ist es, kindliches Verhalten richtig einzuordnen und mit realistischen Erwartungen zu begleiten.

Fundiertes Entwicklungswissen schafft dabei Sicherheit im pädagogischen Handeln und stärkt eine bedürfnisorientierte Begleitung.

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Der Fernkurs ermöglicht es pädagogischen Fachkräften, ihr Wissen rund um die Kleinkindpädagogik gezielt zu erweitern und sich beruflich weiterzuentwickeln.

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Durch das flexible Lernkonzept lässt sich die Weiterbildung individuell in den Berufs- und Familienalltag integrieren.

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Kinder müssen, bevor sie können? Ein Perspektivwechsel

Auch die eigene pädagogische Haltung spielt im Umgang mit Kleinkindern eine entscheidende Rolle.

Wenn Kinder nicht stillsitzen, warten oder Anweisungen befolgen können, entsteht im Kita-Alltag schnell Druck. Dabei lohnt sich ein genauerer Blick: Welche Fähigkeiten sind bereits entwickelt? Welche Erwartungen sind altersgerecht? Und welche Unterstützung braucht das Kind?

Das Online-Seminar „Pädagogische Haltung in der Kita reflektieren  – Entwicklungswissen statt Druck“ der Fernakademie für Pädagogik und Soziales greift genau diese Fragen auf.

Im Mittelpunkt steht ein Perspektivwechsel: weg von Bewertung und überhöhten Erwartungen, hin zu Entwicklungswissen, Beziehung und einem verständnisvolleren Umgang mit kindlichem Verhalten.

Das Seminar unterstützt pädagogische Fachkräfte dabei, ihre Haltung zu reflektieren und einen entspannteren, inklusiveren Kita-Alltag zu gestalten.

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Gut begleitet von Anfang an

Kinder unter drei Jahren brauchen verlässliche Beziehungen, eine entwicklungsangemessene Begleitung und pädagogische Fachkräfte, die ihre individuellen Bedürfnisse verstehen.

Mit fundiertem Fachwissen und einer reflektierten Haltung können Fachkräfte die Qualität ihrer pädagogischen Arbeit nachhaltig stärken.




Zink und Vitamin C im Test: Warum viele Nahrungsergänzungsmittel enttäuschen

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Zink und Vitamin C: Öko-Test findet Mängel bei vielen Präparaten

Wenn die Erkältungssaison beginnt, greifen viele Menschen zu Nahrungsergänzungsmitteln, um ihre Abwehrkräfte zu stärken. Besonders beliebt sind Präparate, die Zink und Vitamin C kombinieren. Doch wie sinnvoll ist die zusätzliche Einnahme tatsächlich? Eine Untersuchung von Öko-Test zeigt: Der erwartete Nutzen ist wissenschaftlich nur begrenzt belegt. Zudem weisen zahlreiche Produkte Mängel bei der Dosierung, den Inhaltsstoffen oder der Kennzeichnung auf.

Von den 21 untersuchten Nahrungsergänzungsmitteln schneiden rund drei Viertel nicht überzeugend ab. Die beste Gesamtbewertung lautet „befriedigend“. Das Ergebnis wirft die Frage auf, welchen Beitrag solche Präparate zur Gesundheitsvorsorge leisten können und worauf Verbraucherinnen und Verbraucher bei der Auswahl achten sollten.

Zink und Vitamin C: Was sagt die Wissenschaft?

Für die Bewertung der Präparate hat Öko-Test gemeinsam mit wissenschaftlichen Beratern die aktuelle veröffentlichte Studienlage ausgewertet. Das Ergebnis relativiert die verbreitete Erwartung, dass eine zusätzliche Einnahme von Zink und Vitamin C zuverlässig vor Erkältungen schützt.

Ein Vitamin-C-Mangel ist in Industrieländern vergleichsweise selten. Auch für die Annahme, dass hoch dosierte Nahrungsergänzungsmittel Erkältungen wirksam verhindern oder bekämpfen, liefert die Studienlage nach Einschätzung von Öko-Test keine ausreichenden Belege.

Anders sieht es bei Zink aus: Für bestimmte Bevölkerungsgruppen kann eine zusätzliche Versorgung sinnvoll sein. Ob ein Präparat benötigt wird, sollte jedoch im Einzelfall und gegebenenfalls nach ärztlicher Beratung entschieden werden. Eine pauschale Einnahme zur Stärkung des Immunsystems lässt sich daraus nicht ableiten.

Überdosierung und unerwünschte Zusatzstoffe

Neben dem tatsächlichen Nutzen hat Öko-Test auch die Zusammensetzung der Produkte untersucht. Die Verbraucherschützer verglichen die angegebenen Mengen an Zink und Vitamin C mit den Höchstmengenempfehlungen des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR). Zusätzlich ließ das Magazin die tatsächlichen Nährstoffgehalte im Labor bestimmen.

Das Ergebnis: Bei etlichen Präparaten sind die enthaltenen Mengen zu hoch angesetzt. Eine höhere Dosierung bedeutet allerdings nicht automatisch einen größeren gesundheitlichen Nutzen. Gerade bei Nahrungsergänzungsmitteln ist es deshalb wichtig, die empfohlene Tageszufuhr und mögliche Risiken einer übermäßigen Aufnahme zu berücksichtigen.

Auch die verwendeten Zusatzstoffe geben Anlass zur Kritik. Insgesamt zehn Produkte enthalten nach Angaben von Öko-Test unerwünschte Stoffe. Dazu gehört beispielsweise Talkum. Die Europäische Chemikalienagentur (ECHA) schlägt derzeit eine Einstufung des Stoffes als „wahrscheinlich krebserregend“ für den Menschen vor. Die Bewertung ist damit als vorgeschlagene Einstufung zu verstehen, nicht als bereits abschließend festgestellte Klassifizierung.

Kennzeichnung der Präparate häufig mangelhaft

Nicht nur die Inhaltsstoffe, sondern auch die Angaben auf den Verpackungen stehen in der Kritik. Öko-Test beanstandet bei den meisten untersuchten Nahrungsergänzungsmitteln Mängel in der Deklaration. Eine verständliche und korrekte Kennzeichnung ist jedoch wichtig, damit Verbraucherinnen und Verbraucher die Zusammensetzung und Dosierung eines Produkts nachvollziehen können.

Lediglich die Cetebe Abwehr Fit Vitamin C + Zink Lutschtabletten erreichen im Test ein „befriedigendes“ Gesamturteil. Damit erhalten sie die beste Bewertung der Untersuchung. Ein wirklich überzeugendes Ergebnis liefert der Test insgesamt jedoch nicht.

Was bedeutet das für den Alltag?

Für die Gesundheitsförderung gilt auch bei Zink und Vitamin C: Nahrungsergänzungsmittel sind kein Ersatz für eine ausgewogene Ernährung. Wer sich abwechslungsreich ernährt und keinen Nährstoffmangel hat, benötigt zusätzliche Präparate nicht automatisch.

Auch im pädagogischen Alltag von Kindertageseinrichtungen ist eine sachliche Einordnung solcher Gesundheitsversprechen hilfreich. Gerade wenn Eltern Fragen zur Stärkung der Abwehrkräfte ihrer Kinder haben, lohnt es sich, zwischen wissenschaftlich belegten Erkenntnissen und verbreiteten Werbeversprechen zu unterscheiden. Ob eine zusätzliche Nährstoffversorgung erforderlich ist, sollte bei konkretem Bedarf fachlich abgeklärt werden.

Die Untersuchung von Öko-Test zeigt, dass bei Nahrungsergänzungsmitteln nicht allein die beworbenen Inhaltsstoffe entscheidend sind. Ebenso wichtig sind eine angemessene Dosierung, die Qualität der Zusammensetzung und eine transparente Kennzeichnung.

Weitere Informationen und die vollständigen Testergebnisse finden sich in der Novemberausgabe 2026 des Öko-Test-Magazins sowie online unter oekotest.de/602073.

Quelle: Pressemitteilung Öko-Test