Mobilfunk: kein erhöhtes Tumorrisiko für Kinder

Studie MOBI-Kids stützt Risikobewertung im Strahlenschutz

Nach derzeitigem Kenntnisstand gibt es keine wissenschaftlich gesicherten Belege für gesundheitsschädigende Wirkungen durch Mobilfunk für den Menschen. Dies untermauert die der kürzlich veröffentlichten internationalen MOBI-Kids. Die Präsidentin des BfS, Inge Paulini, betonte: „Die neuen Ergebnisse tragen dazu bei, wissenschaftliche Restunsicherheiten auch mit Blick auf Kinder und Jugendliche zu verringern. Sie bestätigen, dass die im Mobilfunk geltenden Grenzwerte Erwachsene und Kinder schützen.“

Hohe Aussagekraft durch große Datenbasis

Für die großangelegte MOBI-Kids-Studie untersuchten die Studienautorinnen und -autoren das Nutzungsverhalten von rund 800 Kindern und Jugendlichen, die im Alter zwischen zehn und 24 Jahren an einem Hirntumor erkrankt sind. Verglichen wurden die Daten mit denen einer Kontrollgruppe. Informationen zu Dauer und Häufigkeit der Nutzung von Mobiltelefonen und DECT-Telefonen wurden in Interviews erhoben.

Insgesamt wurden zwischen 2010 und 2015 rund 2800 junge Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus acht europäischen Ländern – darunter Deutschland – sowie Israel, Australien, Kanada, Japan, Korea und Neuseeland in die Studie aufgenommen.

Wie die Auswertung der Daten nahelegt, war das Risiko an einem Hirntumor zu erkranken für regelmäßige Nutzerinnen und Nutzer von Mobil- und DECT-Telefonen in der Studie nicht höher als für Nicht-Nutzerinnen und -Nutzer. Es zeigte sich sogar ein tendenziell sinkendes Erkrankungsrisiko mit der Intensität und der Dauer der Nutzung, insbesondere in der Altersgruppe der 15- bis 19-Jährigen.

Hier gehen die Autorinnen und Autoren davon aus, dass dieses Absinken möglicherweise Ergebnis einer methodischen Verzerrung sein könnte – etwa, weil die Angaben zum Nutzungsverhalten der Hirntumorpatientinnen und -patienten teilweise von den Eltern abgegeben wurden. Eine andere Erklärung wäre, dass sich bei den jungen Patientinnen und Patienten das Nutzungsverhalten aufgrund von Symptomen der Erkrankung, die bereits vor der Diagnose vorlagen, verändert haben könnte. Es gibt keinen Grund für die Annahme eines schützenden Effekts bei Mobilfunknutzung.

Die Ergebnisse der MOBI-Kids-Studie decken sich mit denen früherer Studien. Durch ihren Umfang und den hohen Anteil an Langzeit-Nutzerinnen und Nutzer verfügt sie jedoch über eine deutlich aussagekräftigere Datenbasis als bisherige Studien, insbesondere für jugendliche Mobilfunknutzerinnen und -nutzer.

Kinder und Jugendliche im Fokus der Forschung

Die Nutzung von Mobiltelefonen, Smartphones und Tablets hat in den letzten Jahren stark zugenommen, auch bei Kindern und Jugendlichen. Die Auswirkungen elektromagnetischer Felder auf die Gesundheit junger Nutzer*innen sind jedoch im Vergleich zur robusten Studien- und Datenlage bei Erwachsenen weniger gut erforscht. Das Bundesamt für Strahlenschutz, die Strahlenschutzkommission SSK sowie Strahlenschutzorganisationen im In- und Ausland haben in der Vergangenheit immer wieder den Forschungsbedarf in diesem Bereich angemahnt.

Ermöglicht wurde die MOBI-Kids-Studie 2009 mit finanzieller Unterstützung der EU-Kommission und weiteren Projektpartnern aus den 14 Teilnehmerländern. Das BfS förderte im Rahmen der Ressortforschung die Auswertung der Daten aus Deutschland. Der Abschluss der Untersuchung und die Publikation Ende Dezember 2021 in der Zeitschrift Environment International ist deshalb nicht nur für den Strahlenschutz in Deutschland von Bedeutung.

Das unterstrich auch Paulini: „Das Projekt MOBI-Kids demonstriert die Bedeutung einer international kooperierenden und interdisziplinären Strahlenschutzforschung. So angelegte Studien garantieren eine breite Datenbasis, die verlässliche Informationen liefert. Das BfS unterstützt daher die internationale Forschungsvernetzung.“

Quelle: Bundesamt für Strahlenschutz




Wie lernen wirklich funktioniert

Henning Beck: Das neue Lernen heißt Verstehen

Eltern und Kinder, Auszubildende und Studenten suchen nicht erst in Zeiten der Pandemie nach dem „richtigen“ also dem effektiven Lernen.  Die Angebote sind vielfältig. Sie versprechen bessere Konzentrationsmöglichkeiten und Gedächtnisleistungen. Das soll alles fast mühelos geschehen. Gute Noten garantiert. Da kommt Henning Beck mit seinem Buch „Das neue Lernen heißt Verstehen“ scheinbar genau richtig, um Unterstützung anzubieten.

Wie das Gehirn arbeitet

Der Biochemiker und Neurowissenschaftler lässt uns in die Verarbeitung des Gehirns blicken und erklärt dessen Möglichkeiten. Dabei zeigt er die Unterschiede zwischen einem menschlichen Gehirn und der künstlichen Intelligenz. Denn so einfach lässt sich ein menschliches Gehirn nicht mit zwei Zuständen (1 und 0) imitieren. Hier holt er uns aus unseren oft sciencefictionhaft geprägten Vorstellungen und zeigt uns die Grenzen, die nicht einfach und manchmal gar nicht überschritten werden können.

Vom Lernen und Verstehen

Und das Lernen? Wie helfen all die tollen Angebote? Auch hier ist genaues Hinsehen angezeigt. Jetzt beginnt Beck uns den Unterschied zwischen Lernen und Verstehen zu erklären. Lernmethoden für das Memorieren von Vokabeln oder Formeln sind nicht das Gleiche, wie zu verstehen, was eigentlich passiert und welche Zusammenhänge vorliegen.

Daher unterscheidet er auch das Lernen auf eine Prüfung und das Lernen/Verstehen von Problemen und deren Lösungen. Dieses Wissen, das wir nicht einfach bei all den datengefütterten Internetwissenspools abfragen können, muss selbst aufgebaut werden. Und genau hierin unterscheidet sich das Lernen, das die Anbieter auf dem Nachhilfemarkt und die mittlerweile massiv im Internet beworbenen Hilfen mit eigentlich altbekannten Methoden unterstützen können, vom Verstehen. Die effektivsten Methoden zum Lernen stellt Henning Beck vor und die allermeisten von uns sollten diese sogar aus der Schule noch kennen. Wiederholungen, Zusammenfassungen, Eselsbrücken, Schaubilder und eine Selbst-Abfrage sind nun mal genau das, was schon unsere Lehrkräfte einsetzten.

Zusammenhänge verstehen, Orientierung schaffen

Aber damit begnügt sich Beck eben nicht und das aus gutem Grund. Er zeigt, wie wichtig das Verständnis von Zusammenhängen und damit ein gutes Allgemeinwissen ist. Er erklärt die Bedeutung einer guten Orientierung in dem Überangebot von Informationen. Dabei wird deutlich, wie sehr wir „Schule“ brauchen. Aber welche?

Auch da zeichnet Beck ein klares Bild. Schüler und Schülerinnen brauchen keine kleinschrittigen vorzerstückelten Unterrichtseinheiten. Denn „je passiver man ist, desto schlechter versteht man.“ (S. 200). Auch den aktuell oft angewendeten „umgedrehten Unterricht“, indem sich die Lernenden nun die Inhalte per Videoerklärung selbst erarbeiten, nachdem ihnen die Lehrenden die Seiten vorher herausgesucht haben, schickt Beck auf den Prüfstand und kommt zu dem Schluss, dass es sich dabei nicht um die Lösung handelt.

Die wahre Kunst…

Die wahre Kunst liegt darin, Problemstellungen zu offerieren, die im Setting der Gruppe erstmal herausfordern, die neues Denken aktivieren und die auch ein Scheitern mit sich bringen dürfen. Doch dann muss dieses Scheitern aufgefangen werden.

…und die Rolle des Lehrenden

Die Rolle des Lehrenden bleibt somit eine sehr entscheidende. Denn er muss die Problemstellung zunächst erstellen. Diese darf nicht banal sein. Denn Wissen sollte „nicht zu leicht konsumierbar“ (S. 216) sein. Beck gibt der Rolle des Unterrichtenden damit eine Dimension, die aktuell gelegentlich in der Diskussion zwischen „LehrerIn“ und „LernbegleiterIn“ in den Hintergrund tritt. Er bevorzugt nicht den einen oder anderen Begriff, sondern er setzt auf die Aufgaben. So sind gute Unterrichtende daran zu erkennen, dass auch Lehrkräfte voneinander lernen, ihre Lehrmethoden permanent hinterfragen und sich in ihrem Unterrichtsverhalten beurteilen lassen (S. 230). Dinge, die bei uns in den Schulen und Universitäten noch nicht zur alltäglichen Routine gehören.

Die digitalen Medien

Natürlich geht der Autor auch auf die aktuelle höchst priorisierte Frage nach den digitalen Medien im Unterricht ein. Und auch hier analysiert er klar. Einmal wissen wir, aber auch die Lehrenden und deren Verwaltungsapparat darüber viel zu wenig. Zudem sind die Effekte eher dürftig, wenn der Grundtenor des Unterrichtens nicht hinterfragt wird.

Verstehen entsteht durch Testen und Abfragen (weil Wissen benötigt wird). Das Einordnen und Pausen (damit Wissen sich festigen kann) sind nötig. Vertiefung durch aktives Erklären, Fehler nutzen und den Austausch in der Gruppe (S.222) gehört dazu. Das kann durch digitale Medien unterstützt werden. Aber sie sind dafür nicht zwingend nötig und schon gar kein Ersatz.

E-Bildung to go

An dieser Stelle führt er uns in die Zukunft mit einer sich entwickelnden analog gebildeten Elite gegenüber der E-Bildung to go, die alle „Fast Food“-artig quasi an jeder Ecke kostengünstig erhalten können. Und weil in dieser digitalen Welt viel gespielt wird, räumt er auch damit auf, dass das Spiel immer ein auf Punkte und Wettbewerb ausgerichtetes sein muss, um einen Beitrag zum Lernen leisten zu können.

Ahnungslosigkeit macht Meinungsbildung offenbar leichter

Ein sehr lesenswertes Buch nicht nur für alle mit Bildung beschäftigten. Aber noch wichtiger ist der Austausch darüber untereinander und das Nutzen der bisher gemachten Fehler. Das Problem ist längst gestellt, die Irrtümer massiv begangen. Nur leider scheint uns der Lehrende zu fehlen, den die Lernenden nach ihren Irrtümern zu Hilfe holen können. So wurschteln wir weiter, wie die befragten Lehrkräfte auf S. 219f, die zwar keine Ahnung haben, sich aber dennoch eine Meinung bilden. Upps! Wann ist uns das denn passiert, dass wir so ahnungslos agieren und es als Wissen deklarieren? Vermutlich in dem Unterricht, der uns nur vorgekautes kleinschrittig vermitteltes Wissen geliefert hat und uns nie Probleme präsentierte, an denen wir auch scheitern durften und weil wir nicht gelernt haben auch Fachfremde in unsere Lösungssuche einzubinden, sondern satt interdisziplinär zu agieren, den Fachspezialisten überhöhen. Umdenken ist also unsere wichtigste Aufgabe!

Daniela Körner

Henning Beck
Das neue Lernen heißt Verstehen
Taschenbuch, 272 Seiten
Ullstein 2021
ISBN 978-3-548-06457-4
9,99 Euro




Kinder und Jugendliche fordern ihre Rechte ein

Start der Anmeldephase zum Kinder- und Jugendgipfel 2022 des Deutschen Kinderhilfswerkes

Das Deutsche Kinderhilfswerk ruft zu Bewerbungen für den Kinder- und Jugendgipfel 2022 auf. Beim Kinder- und Jugendgipfel lernen Kinder und Jugendliche anhand von selbst gewählten aktuellen und gesellschaftlich relevanten Themen ihre Rechte kennen und erhalten eine Plattform, um diese mit konkreten politischen Forderungen zu verbinden. Der Gipfel wird vom Deutschen Kinderhilfswerk in Kooperation mit dem Education Innovation Lab und dem Kinder- und Jugendfreizeitzentrum Wuhlheide Berlin (FEZ) durchgeführt. Hintergrund des Kinder- und Jugendgipfels sind zwei Jubiläen: der 30. Jahrestag des Inkrafttretens der UN-Kinderrechtskonvention in Deutschland und der 50. Geburtstag des Deutschen Kinderhilfswerkes.

Für Schulklassen, Jugendgruppen und alle interessierten Kinder und Jugendlichen

Zum Programm für Schulklassen, Jugendgruppen und alle interessierten Kinder und Jugendlichen von zehn bis 17 Jahren (bei jüngeren Teilnehmenden sollte eine intensivere Begleitung eingeplant werden) gehört der kostenlose Online-Workshop „Unsere Forderungen!“ mit verschiedenen Modulen, die ab dem 5. April2022 begonnen werden können. Nach Durchlaufen der digitalen Phase des Gipfels haben die Teilnehmenden die Chance, zum analogen Kinder- und Jugendgipfel im September 2022 nach Berlin eingeladen zu werden, sich bundesweit zu vernetzen, kreativ an ihren Forderungen weiterzuarbeiten und diese mit Politikerinnen und Politikern zu diskutieren.

Deutschland wird bei Kinderrechten oft eigenen Ansprüchen nicht gerecht

„Deutschland wird bei den Kinderrechten oftmals seinen eigenen Ansprüchen nicht gerecht. Viele Kinder und Jugendliche werden an den Rand der Gesellschaft gedrängt. Das haben die Kinder und Jugendlichen in der Corona-Pandemie schmerzlich erfahren müssen. Hier wurde deutlich, dass die Kinder und Jugendlichen in der öffentlichen Debatte zu selten einbezogen und ihre Sichtweisen und Bedürfnisse in der Folge häufig ignoriert werden. Man diskutiert über sie, aber nicht mit ihnen. Das möchten wir mit dem Kinder- und Jugendgipfel ändern. Denn wir brauchen für die junge Generation nachhaltige Strukturen, damit sie ihre Rechte wahrnehmen können“, betont Holger Hofmann, Bundesgeschäftsführer des Deutschen Kinderhilfswerkes.

Der Kinder- und Jugendgipfel 2022 des Deutschen Kinderhilfswerkes wird vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert. Weitere Infos zum Kinder- und Jugendgipfel 2022 unter www.dkhw.de/Gipfel2022.




Aktion „Schulhofträume“ startet in die 3. Runde

Deutsches Kinderhilfswerk, Rossmann und Procter & Gamble fördern Umgestaltung von Schulhöfen

Ab sofort sind Bewerbungen für die 3. Runde der Aktion „Schulhofträume“ möglich: Dabei sollen bei diesem Gemeinschaftsprojekt des Deutschen Kinderhilfswerkes (DKHW), Rossmann und Procter & Gamble (P&G) modernisierungsbedürftige Außenbereiche von Schulen nachhaltig und naturnah umgestaltet und „grüne Klassenzimmer“ oder Schulgärten im Außenbereich von Schulen errichtet werden.

Deutschlandweit 100.000 Euro

Insgesamt fördern die Partner die Sanierung maroder Schulhöfe deutschlandweit mit 100.000 Euro. Wichtige Voraussetzung für die Förderung: Bei der Ideenfindung und Umsetzung soll möglichst die gesamte Schule mitwirken, allen voran die Schülerinnen und Schüler selbst.

„Nicht erst seit der Corona-Krise ist klar, wie wichtig es ist, dass es in Schulen naturnah gestaltete Außenräume gibt, die einen Aufenthalt und sogar Unterricht an der frischen Luft, in grüner und anregender Umgebung ermöglichen. Hierzu zählen neben der Einrichtung von grünen Klassenzimmern auch die naturnahe Umgestaltung von Schulhöfen oder die Einrichtung von Schulgärten mit vielfältigen Möglichkeiten zum Naturerleben und mit hoher Aufenthaltsqualität“, betont Holger Hofmann, Bundesgeschäftsführer des DKHW.

Schulhöfe als Klassenzimmer

„Schulhöfe haben heute mehr denn je eine wichtige Rolle, um das sichere Miteinander und die Begegnung von Kindern zu ermöglichen. Eine kindgerechte, ansprechende Gestaltung, die die Kreativität fördert, sollte ein Standard sein. Dies ist jedoch aufgrund limitierter finanzieller Mittel nicht immer umsetzbar. Hier setzen wir mit unserem Projekt ‚Schulhofträume‘ an: Unser gemeinsames Ziel ist die Verbesserung von Schulhöfen, damit diese im besten Fall sogar wie ein Klassenzimmer genutzt werden können”, so Jörg Herrigt von P&G.

„Gemeinsam mit dem Deutschen Kinderhilfswerk setzt sich Rossmmann seit vielen Jahren für die Einhaltung und Umsetzung der Kinderrechte in Deutschland ein. Damit möchten wir ein deutliches Signal für mehr Kinderfreundlichkeit in Deutschland setzen. Das Projekt ‚Schulhofträume‘ soll asphaltierte Flächen in Schulhöfe mit Aufenthaltscharakter verwandeln, von denen sowohl die Schülerinnen und Schüler als auch die Natur nachhaltig profitieren“, erklärt Raoul Roßmann von der Dirk Rossmann GmbH.

„Zukunft mitgemacht“

Seit diesem Jahr läuft das gemeinsame Engagement von DKHW, Rossmann und P&G unter dem Dach „Zukunft mitgemacht.“ Der Fokus liegt darin, junge Menschen für die Zukunft zu stärken und ihnen die Möglichkeit zu geben, sich über selbstbestimmtes Lernen und Mitgestalten aktiv in die Gesellschaft einzubringen. Damit wird eine wichtige Grundlage für eine starke und demokratische Gemeinschaft geschaffen. Mehr Infos unter www.zukunftmitgemacht.de.

Bewerben können sich Schulen, Schülergruppen, Elterninitiativen, Vereine oder Kommunen. Die Gesamtfördersumme der Aktion beträgt 100.000 Euro, verteilt auf 15 Projekte. Die Hauptförderung ist mit 15.000 Euro dotiert. Bewerbungen werden bis zum 28. April 2022 angenommen.

Weitere Informationen unter www.dkhw.de/schulhoftraeume.




„Digitale Kompetenzen spätestens ab der Sekundarstufe vermitteln“

Studie des Leibniz Instituts stellt enorme Kompetenzunterschiede fest

In der deutschen Bevölkerung sind die digitalen Kompetenzen ungleich verteilt. Vor allem ältere Menschen ab 50, Frauen, Personen mit geringer formaler Bildung oder Migrationshintergrund weisen unterdurchschnittliche digitale Kompetenzen auf. Zu diesen Ergebnissen kommt eine Studie des RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung http:/rwi-essen.de.

Bildungspanel ausgewertet

Die Datenauswertung des Nationalen Bildungspanels zeigt auch, dass bei Jugendlichen große Kompetenzunterschiede bestehen, die stark vom Elternhaus beeinflusst werden, wie es heißt. Ist demnach mindestens ein Elternteil erwerbstätig, haben Jugendliche zudem eine um bis zu 7,5 Prozentpunkte höhere digitale Kompetenz als Kinder arbeitsloser Eltern.

Die Schere in den digitalen Kompetenzen zwischen verschiedenen sozioökonomischen Gruppen öffnet sich bereits während der Schulzeit ab der Sekundarstufe I. Während die Kinder in der sechsten Klasse noch über sehr ähnliche Kompetenzen verfügen, sind in der neunten Klasse bereits deutliche Unterschiede nach Migrationshintergrund und elterlicher Berufstätigkeit messbar.

Elternhaus beeinflusst Wissen

Den Experten nach sollten digitale Kompetenzen im formalen Bildungssektor spätestens ab der Sekundarstufe I vermittelt werden. Schulen sollten darüber hinaus Jugendliche mit Migrationshintergrund sowie Mädchen stärker für Themen mit Bezug zur Informatik begeistern und motivieren. Die Studie weist darauf hin, dass gerade in diesen Gruppen das Interesse an informatischen Berufsfeldern bereits gegen Ende der Schullaufbahn in der 12. Klasse nachlässt.

„Die digitalen Kompetenzen sind bereits bei Jugendlichen ungleich verteilt werden und stark vom Elternhaus beeinflusst. Somit könnte die Corona-Pandemie bestehende soziale Ungleichheiten langfristig verstärken, da der Zugang zum digitalen Unterricht für Kinder aus benachteiligten Familien schwieriger war. Die Politik sollte den Aufbau digitaler Kompetenzen spätestens ab der Sekundarstufe I intensivieren und auch gezielte Weiterbildungsmaßnahmen für Frauen, ältere Menschen und Personen mit Migrationshintergrund anbieten“, sagt RWI-Forscherin Friederike Hertweck.

Quelle: pressetext.redaktion/Florian Fügemann




Aktion „Lesetüte“: Bücherliebe bei Schulanfängern wecken

Leseförderaktion zur Einschulung startet in die zwölfte Runde – Anmeldung für Buchhandlungen bis 3. März 2022

Direkt beim Einstieg Lust aufs Lesen machen: 95.000 Erstklässler starteten im vergangenen Jahr in Deutschland und Österreich mit einer Lesetüte ins Schulleben. Auch in diesem Jahr können sich Buchhandlungen wieder beteiligen und die Aktion in Kooperation mit Schulen vor Ort koordinieren. Die Lesetüten werden von den Erstklässler des laufenden Schuljahres gestaltet und im Herbst den nächsten Schulanfängern übergeben. Enthalten sind ein Erstlesebuch der Verlage Arena oder Oetinger, ein Klinkenhänger und ein Lesezeichen sowie ein Begleitschreiben zum Thema Lesen im Grundschulalter, das sich an die Eltern richtet. Buchhandlungen können in der Tüte zusätzlich mit eigenen Werbematerialien, wie Lesezeichen oder Flyern, für sich werben. 

Jetzt anmelden

Die Anmeldung zur Teilnahme ist für Buchhandlungen bis zum 3. März möglich. Die Aktion ist eine Initiative der Interessengruppe (IG) Leseförderung des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels in Kooperation mit den Verlagen Arena und Oetinger.

Buchhandlungen spielen bei der Durchführung der Aktion eine essentielle Rolle, denn sie erhalten und bestücken die Tüten und sind zugleich das Bindeglied zu den Grundschulen, mit denen sie gemeinsam die Bemalung und Ausgabe der Lesetüten koordinieren. Individuelle Absprachen zur Durchführung der Aktion sind möglich, sodass Buchhandlungen und Schulen flexibel auf coronabedingte Einschränkungen in der jeweiligen Region reagieren können.

Eckdaten im Überblick:

  • Anmeldung vom 1. Februar bis zum 3. März 2022 online unter www.boersenverein.de/lesetuete
  • Jede Lesetüte enthält ein Erstlesebuch (entweder von Arena oder von Oetinger), ein Lesezeichen und einen Klinkenhänger
  • Kosten: 27,50 € pro 25er VE für Mitglieder des Börsenvereins, 55,- € pro 25er VE für alle anderen Teilnehmer
  • Auslieferung der Materialien erfolgt Mitte Mai 2022

Alle Dokumente wie Elternbriefe, Anschreiben an Schulen und auch einen Ideenpool zur Aktion stehen zum Download zur Verfügung unter www.boersenverein.de/lesetuete oder www.oetinger.de/lesefoerderung/lesetuete.

Ansprechpartnerinnen für Buchhandlungen in den Verlagen Arena und Oetinger: 

Anne Stadtelmeyer, Arena Verlag, 
E-Mail: anne.stadtelmeyer@arena-verlag.de, Telefon: 0931 / 79644-66

Andrea Krohn, Oetinger Verlag,
E-Mail: a.krohn@verlagsgruppe-oetinger.de, Telefon: 040 / 607909-759

Ansprechpartnerin beim Börsenverein ist Birgit Koch:
E-Mail: koch@boev.de, Telefon: 069 / 1306-511




Mit dem Sofortzuschlag schnell und spürbar helfen

Kinderhilfswerk und Kinderschutzbund fordern schnelle Umsetzung der Hilfe für arme Familien

Das Deutsche Kinderhilfswerk (DKHW) hofft auf eine schnelle Umsetzung des von Bundesfamilienministerin Anne Spiegel angekündigten Sofortzuschlags für arme Familien und ihre Kinder. Aus Sicht der Kinderrechtsorganisation wird es dabei darauf ankommen, diesen Sofortzuschlag ausreichend hoch anzusetzen. „Der in der Diskussion befindliche Betrag von 25 Euro deckt den tatsächlichen Bedarf von Kindern und Jugendlichen für eine soziokulturelle Teilhabe nicht ab und erweckt den Eindruck von Politik nach Kassenlage“, heißt es in einer Erklärung des (DKHW).

„Willkürliche und systemwidrige Streichungen“

Ebenso hat bereits der Deutsche Kinderschutzbund die geplante Höhe des Sofortzuschlags kritisiert und eine größere Investition zugunsten der Kinder und Jugendlichen gefordert. „Seit vielen Jahren wird der Bedarf von Kindern und Jugendlichen künstlich kleingerechnet. Dadurch fehlen betroffenen Kindern allein durch willkürliche, systemwidrige Streichungen durchschnittlich 78 Euro des Regelsatzes pro Monat. Selbst 25 Euro monatlicher Sofortzuschlag können das nicht auffangen“, so der DKSB in einer Mitteilung. Hatte das Bundesfamilienministerium Medienberichten zufolge 25 Euro vorgeschlagen, kam aus dem Sozialministerium ein Vorschlag in Höhe von nur zahn Euro.

Kindergrundsicherung

„Nach der viel zu geringen Erhöhung des Regelsatzes für Kinder und Jugendliche im Hartz-IV-Bezug zum 1. Januar 2022, die keinen Beitrag zur Bekämpfung der Kinderarmut geleistet hat, muss der Sofortzuschlag arme Kinder und ihre Familien jetzt spürbar entlasten. Es bleibt gleichzeitig eine vordringliche Aufgabe der neuen Bundesregierung, die Neuberechnung des kindlichen Existenzminimums und Einführung einer Kindergrundsicherung zügig voranzubringen“, betont Holger Hofmann, Bundesgeschäftsführer des Deutschen Kinderhilfswerks. „Die geltenden Regelbedarfe halten den sozialrechtlichen Mindestbedarf von Kindern künstlich klein. Sie entsprechen insgesamt nicht dem notwendigen soziokulturellen Existenzminimum und sollten auf ein Niveau angehoben werden, das echte gesellschaftliche Teilhabe möglich macht. Hier hoffen wir auf die im Koalitionsvertrag angekündigte Kindergrundsicherung, die ein wichtiger Eckpfeiler bei der Bekämpfung der Kinderarmut in Deutschland werden muss.“
Zum 1. Januar war der Hartz-IV-Regelsatz für Kinder um zwei, für Jugendliche um drei Euro erhöht worden. Auch damals hatte das DKHW den geringen monatlichen Zuschlag heftig kritisiert.




„Fit für die Demokratie – Stark für die Gesellschaft“

#FitForDemocracy: Bundesweite Veranstaltungen und digitale Kampagne

Welche Rolle spielt die Demokratie im Leben von Kindern und Jugendlichen? Wie kann politische Bildung sich stärker an ihrer Lebenswelt orientieren? Welche Risiken begleiten junge Menschen bei der Informationssuche im Netz? Welche partizipatorischen Möglichkeiten können in einer digitalen Demokratie genutzt werden? „Fit für die Demokratie – Stark für die Gesellschaft“ ist das Thema des Safer Internet Day 2022 in Deutschland. Der weltweite Aktionstag für mehr Online-Sicherheit findet am 8. Februar statt: Auch in diesem Jahr bieten die EU-Initiative klicksafe und zahlreiche Institutionen in ganz Deutschland digitale Veranstaltungen und interaktive Wissensangebote an. In sozialen Medien wird der Aktionstag mit den Hashtags #FitForDemocracy sowie #SID2022 diskutiert und begleitet.

Thema „Fake News“

Wer im Internet unterwegs ist, begegnet immer öfter „Fake News“, also falschen Informationen, Verschwörungsideologien und extremistischer Propaganda. Mal aggressiv und laut, mal unterschwellig untergraben Falschinformationen das Vertrauen in unsere demokratisch-plurale Gesellschaft. Gerade an aktuellen Themen, ob Corona-Pandemie oder Ukraine-Konflikt, wird das besonders sichtbar.

„Demokratie ist nicht selbstverständlich“, so Dr. Marc Jan Eumann, klicksafe-Koordinator und Direktor der Medienanstalt Rheinland-Pfalz, „es wird immer deutlicher, dass durch gezielte Falschmeldungen Demokratie ausgehöhlt werden soll. Wir sind alle gefordert – und keine Frage, das ist die entscheidende Bildungsaufgabe dieses Jahrzehnts – mit #FitForDemocracy können Kinder und Jugendliche täglich ihre digitale Medien- und Demokratiekompetenz trainieren.“

Demokratiekompetenz fördern

„Eine Meinung hat man sich schnell gebildet, Nachfragen und Verstehen erfordert etwas mehr Einsatz. Aber genau diesen Einsatz braucht es für unsere Demokratie. Online fällt es oft schwer – jungen und alten Menschen gleichermaßen – die Glaubwürdigkeit von Informationen einzuschätzen“, sagt Dr. Tobias Schmid, Direktor der Landesanstalt für Medien NRW. „Deshalb ist es wichtig, das Thema Demokratiekompetenz anzugehen und besonders unsere jungen Demokratinnen und Demokraten dafür zu sensibilisieren.“

Eine sehr konkrete Hilfe soll hier der diesjährige Safer Internet Day bieten, der am 08.02. unter dem Motto „Fit für die Demokratie – Stark für die Gesellschaft“ stattfindet.

Neues klicksafe-Lehrmaterial #FitForDemocracy

Die EU-Initiative klicksafe fördert durch vielfältige Angebote die Online-Kompetenz von Kindern und Jugendlichen. Für sie sowie für Lehrkräfte und alle anderen Interessierten haben die klicksafe-Expertinnen und Experten Lehrmaterialien und ein Wissensquiz zur Demokratiekompetenz im Internet entwickelt, die ab sofort auf klicksafe.de/sid bereitstehen.

Die Schulklasse wird zum Fitnessstudio: #FitForDemocracy ist eine Stationenarbeit für den Unterricht, die Jugendliche in ihrer Lebenswelt erreichen und mitnehmen soll. Das mentale Demokratietraining ist aufgebaut wie fünf Trainingseinheiten eines Fitnessstudios. An jeder Station werden Themen und Situationen aufgerufen, die den Jugendlichen im physischen wie im digitalen Leben begegnen: Wie reagiere ich auf menschenverachtende, diskriminierende Kommentare? Wie kann ich die Wirkung von Fake News oder Verschwörungsideologien besser einordnen? Wie kann ich mich aktiv für die Stärkung unserer Demokratie einbringen? Wie erstelle ich ein Demoplakat? Durch Kreativität soll Freude an der Demokratie und Gemeinschaft vermittelt werden.

Online-Veranstaltungen in ganz Deutschland: Jetzt mitmachen!

Mit mehr als 200 Veranstaltungen und Projekten beteiligen sich am Safer Internet Day deutschlandweit Stiftungen, Unternehmen, Schulen, Jugendorganisationen, Bildungseinrichtungen, Vereine und auch Privatpersonen – aus bekannten Gründen in diesem Jahr zum zweiten Mal in Folge überwiegend online.

Die EU-Initiative klicksafe ruft dazu auf, an den vielfältigen digitalen Formaten und virtuellen Workshops rund um die Themen Medien- und Demokratiekompetenz teilzunehmen oder kurzfristig noch eigene Angebote einzubringen. Geplante Aktionen sind auf www.klicksafe.de/sid-veranstaltungen-2022/ zu finden. Melden Sie Ihre Aktion oder Veranstaltung noch an unter www.klicksafe.de/anmeldeformular-sid-2022/.

Allgemeine Informationen zu klicksafe und dem Kampagnenthema des Safer Internet Day 2022 finden Sie auf der klicksafe-Landingpage https://www.klicksafe.de.