Warum Kinder weiterlesen – und wie Lesefreude wachsen kann

Lesen zu können genügt nicht. Was Kinder zum Weiterlesen bewegt, warum Jungen seltener lesen und wie Erwachsene die Freude am Lesen stärken können.

Es ist längst Schlafenszeit. Das Licht sollte aus sein, das Buch geschlossen. Doch dann kommt dieser Satz, den Eltern eigentlich gern hören: „Nur noch zwei Minuten?“ Ein zehnjähriges Kind beschrieb der britischen Leseforscherin Sarah McGeown und ihrem Team genau diesen Moment. Auf jeder Seite warte schon die nächste Überraschung: „Was passiert jetzt? Was passiert jetzt? Kann ich nur noch zwei Minuten lesen?“ Ein anderes Kind erzählte: „Ich habe das Gefühl, als wäre ich wirklich an diesem Ort – und ich möchte ihn nicht verlassen.“ Wieder ein anderes sagte, nach einem anstrengenden Tag könne es beim Lesen all seine Gefühle „in das Buch fließen lassen“. Die Aussagen stammen aus Interviews mit 33 Kindern zwischen neun und elf Jahren und wurden hier aus dem Englischen übersetzt (McGeown et al., 2020, S. 602).

Drei Kinder, drei Erfahrungen – Spannung, Versinken, Entlastung. Und dreimal geschieht etwas Entscheidendes: Niemand muss diese Kinder zum Lesen überreden. Sie lesen, weil ihnen das Lesen selbst etwas gibt. Damit beginnt eine Frage, die für die Leseförderung mindestens so wichtig ist wie die Frage nach Buchstaben, Wörtern und Textverständnis: Was macht aus einem Kind, das lesen kann, ein Kind, das lesen will?

Ein Buch liest man nie allein

Im vorigen Teil unserer Reihe ging es darum, wie aus gelesenen Wörtern Bedeutung entsteht. Flüssiges Lesen allein reicht nicht; Kinder müssen Wortbedeutungen kennen, Zusammenhänge herstellen, Vorwissen aktivieren und Schlussfolgerungen ziehen. Doch selbst ein Kind, das all dies beherrscht, wird dadurch nicht automatisch zum freiwilligen Leser. Man stelle sich zwei Kinder vor, die ähnlich gut lesen. Das eine entdeckt irgendwann eine Buchreihe, wartet auf den nächsten Band, bekommt von einem Freund einen Comic zugesteckt und sucht beim nächsten Bibliotheksbesuch selbst nach Nachschub. Das andere liest ebenfalls ordentlich – aber hauptsächlich dann, wenn die Schule es verlangt. Mit dem Klingeln endet auch das Lesen. Aus solchen zunächst kleinen Unterschieden können mit der Zeit zwei sehr verschiedene Lesebiografien entstehen.

Die deutschsprachige Leseforschung schaut deshalb schon lange über die reine Lesetechnik hinaus. Cornelia Rosebrock und Daniel Nix unterscheiden in ihrem einflussreichen Mehrebenenmodell neben den eigentlichen Leseprozessen eine persönliche und eine soziale Ebene. Ein Kind bringt beim Lesen also immer auch sich selbst mit: sein Wissen, seine Gefühle, seine Motivation und die Vorstellung davon, was für ein Leser es eigentlich ist. Und es bringt gewissermaßen seine Umwelt mit: Familie, Schule, Freunde und die Vorstellungen darüber, was, wann und warum man liest (Rosebrock & Nix, 2025). Lesen ist nicht nur eine Fähigkeit. Lesen wird Teil einer persönlichen Geschichte.

Irgendwann wird der Freund wichtiger als die Mutter

Wie sehr andere Menschen diese Geschichte beeinflussen, hat der Schweizer Leseforscher Maik Philipp untersucht. Seine Längsschnittstudie trägt den treffenden Titel „Lesen empeerisch“. Im Mittelpunkt steht eine Gruppe, die Erwachsene bei der Leseförderung leicht übersehen: die Gleichaltrigen. Philipp zeigt, dass Peers für die Entwicklung von Lesemotivation und Leseverhalten zu Beginn der Sekundarstufe bedeutsam werden (Philipp, 2010).

Das leuchtet unmittelbar ein. In der Grundschule legt vielleicht noch die Mutter ein Buch auf den Nachttisch oder der Lehrer empfiehlt eine Geschichte. Einige Jahre später kann der beiläufige Satz des besten Freundes – „Das musst du lesen!“ – mehr bewirken als jede Empfehlung eines Erwachsenen. Bücher können Gesprächsstoff werden, von Hand zu Hand gehen und Zugehörigkeit schaffen. Umgekehrt kann Lesen in einer Gruppe auch etwas sein, mit dem man sich gerade nicht zeigen möchte. Kinder lernen deshalb nicht nur, wie man liest. Sie lernen auch, welche Bedeutung Lesen in ihrer Welt hat.

Schon am Ende der Grundschule zeigen sich dabei beträchtliche Unterschiede. IGLU 2021 bescheinigt den Viertklässlerinnen und Viertklässlern in Deutschland im Durchschnitt zwar eine eher hohe Lesemotivation und ein positives Leseselbstkonzept. Gleichzeitig lesen jedoch 21,7 Prozent außerhalb der Schule nicht oder nur selten zum Vergnügen. Und über die vergangenen 20 Jahre hat die mittlere Lesemotivation abgenommen. Bei Lesemotivation, Leseselbstkonzept und Leseverhalten finden sich zudem systematische Unterschiede zugunsten der Mädchen (McElvany, Kleinkorres & Kessels, 2023, S. 146).

Wie aus „Das ist schwer“ ein „Lesen ist nichts für mich“ wird

Kinder sammeln beim Lesen nicht nur Erfahrungen mit Texten, sondern auch mit sich selbst. Eine Geschichte interessiert mich, aber ich komme kaum durch den ersten Absatz. Die anderen sind längst fertig. Beim Vorlesen stocke ich. Jemand verbessert mich. Zu Hause soll ich zehn Minuten lesen, während mein Bruder schon spielen darf. Oder es geschieht das Gegenteil: Ich verstehe plötzlich einen schwierigen Text. Jemand interessiert sich für meine Meinung. Ich entdecke ein Buch, das mich nicht loslässt. Aus solchen Erfahrungen entsteht nach und nach das Leseselbstkonzept: Ich kann gut lesen. Bücher sind etwas für mich. Oder eben: Ich bin kein Leser.

Bemerkenswert ist, wie früh sich hier etwas verändern kann. Die deutschsprachige Forschung spricht von einem „Motivationsknick“, der sich bereits gegen Ende der Grundschulzeit abzeichnet. Als mögliche Faktoren werden zunehmende Vergleiche mit anderen Kindern und leistungsbezogene Rückmeldungen diskutiert. Gleichzeitig nennen Forschende interessante und vom Schwierigkeitsgrad her passende Texte, Selbstbestimmung, Kompetenzerleben und soziale Eingebundenheit als Ansatzpunkte, um die Freude am Lesen zu unterstützen (Ohle-Peters et al., 2021, S. 865–866).

Das macht die Sache für Erwachsene so anspruchsvoll. Ein Text darf herausfordern, ohne ständig Misserfolg zu produzieren. Ein Kind braucht Rückmeldung, ohne fortwährend mit anderen verglichen zu werden. Es muss lesen lernen – und soll dabei möglichst nicht lernen, dass Lesen vor allem aus Leistung, Fehlern und Kontrolle besteht.

Die Lust am Lesen hat einen gefährlichen Knick

Noch deutlicher wird die Entwicklung nach der Grundschule. Laura Engler und Andrea Westphal untersuchten anhand des Nationalen Bildungspanels NEPS 8.193 Schülerinnen und Schüler in Deutschland von der fünften bis zur achten Klasse. Die intrinsische Lesemotivation nahm über diese Jahre ab. Entscheidend ist jedoch der zweite Befund: Der Rückgang wurde abgeschwächt, wenn die Jugendlichen zuvor mehr Autonomieunterstützung durch ihre Deutschlehrkräfte wahrgenommen hatten (Engler & Westphal, 2024, S. 4047–4048). Die Studie begleitet dieselben Schülerinnen und Schüler über vier Schuljahre und kann damit Entwicklungen erfassen, die in einer Momentaufnahme verborgen blieben.

Der Verlust der Leselust ist also kein unveränderliches Naturgesetz des Älterwerdens. Und Autonomie bedeutet keineswegs, dass Lehrkräfte sich zurückziehen sollen. Autonomieunterstützende Lehrer hören den Schülerinnen und Schülern zu, nehmen ihre Perspektive ernst, ermöglichen Entscheidungen und vermeiden unnötigen Druck und Kontrolle (Engler & Westphal, 2024, S. 4051–4052). Das kann beim Lesen etwas sehr Konkretes bedeuten: nicht „Dieses Buch liest du“, sondern gelegentlich auch „Welches von diesen Büchern möchtest du lesen?“.

Die Jungenlücke – und ihre allzu bequeme Erklärung

Besonders sichtbar wird das Problem bei Jungen. Bereits IGLU findet am Ende der Grundschule systematische Unterschiede zugunsten der Mädchen bei Lesemotivation, Leseselbstkonzept und Leseverhalten (McElvany, Kleinkorres & Kessels, 2023, S. 146). Auch PISA 2025 zeigt bei den 15-Jährigen weiterhin einen deutlichen Geschlechterunterschied beim Lesen. Solche Befunde sind ernst zu nehmen. Gefährlich wird es allerdings, wenn aus statistischen Gruppenunterschieden eine vermeintliche Eigenschaft des einzelnen Kindes wird: Mädchen lesen eben gern, Jungen eben nicht.

So einfach ist das nicht. Ein Junge, der keinen Kinderroman anrührt, kann jedes Fußballmagazin verschlingen. Ein anderer liest Fantasy. Ein dritter interessiert sich für Tiere, Technik oder Schwarze Löcher. Und ein Mädchen, das statistisch zu einer lesefreudigeren Gruppe gehört, kann Bücher genauso langweilig finden. In der deutschsprachigen Leseforschung werden Geschlechterunterschiede deshalb nicht nur als Frage des biologischen Geschlechts betrachtet, sondern im Zusammenhang mit Lesesozialisation, Interessen, Selbstbildern und sozialen Erwartungen.

Das lässt sich im Alltag leicht vergessen. Der Junge bekommt automatisch Fußball, Technik und Abenteuer angeboten, das Mädchen Tiere, Freundschaft und Beziehungsgeschichten. Doch die entscheidende Frage lautet nicht: Was lesen Jungen? Oder: Was lesen Mädchen? Sondern: Was könnte dieses Kind so sehr interessieren, dass es freiwillig weiterlesen möchte?

Vielleicht liegt das richtige Buch im falschen Regal

Dazu gehört, unseren Begriff vom „richtigen Lesen“ zu überprüfen. Der dicke Kinderroman genießt bei Erwachsenen hohes Ansehen. Beim Comic werden manche schon skeptischer, beim Manga erst recht. Ein Fußballmagazin? Ein Witzebuch? Ein Lexikon voller Rekorde? Schnell erscheint das wie eine Vorstufe zum eigentlichen Lesen.

Die Kinder selbst sehen das anders. In den Interviews von McGeown und ihrem Team beschrieben sie sehr unterschiedliche Gründe für ihre Lektüre. Geschichten können beruhigen, glücklich machen, Spannung erzeugen oder ein Kind so tief in eine andere Welt hineinziehen, dass es sie nicht verlassen möchte. Zeitschriften werden dagegen beispielsweise gelesen, weil ein Thema interessiert. Ein Kind sagte, es versuche vor allem, „Fußballzeitschriften oder Sachen über Fußball“ zu lesen. Comics wiederum wurden unter anderem gewählt, weil sie Spaß machen und leichter zugänglich sind (McGeown et al., 2020, S. 602–604).

Für die Praxis ergibt sich daraus eine ziemlich befreiende Erkenntnis: Wer einen Comic verschlingt, liest. Wer Fußballstatistiken vergleicht, liest. Wer zum vierten Mal dasselbe Lieblingsbuch hervorholt, liest ebenfalls. Natürlich dürfen Erwachsene neue Türen öffnen und Kinder mit Literatur bekannt machen, die diese selbst nicht entdeckt hätten. Aber nicht jedes Kind muss durch dieselbe Tür zum Leser werden.

Wer wählen darf, hat eher einen Grund anzufangen

Dass Interesse und Wahlmöglichkeiten mehr sind als pädagogische Wohlfühlbegriffe, zeigt auch eine große Meta-Analyse von Lisa van der Sande und ihren Kolleginnen und Kollegen. Sie werteten 39 Studien aus, in denen Lesemotivation gezielt gefördert wurde. Im Durchschnitt verbesserten die Interventionen positive Formen der Lesemotivation; auch für das Leseverständnis zeigte sich ein positiver Effekt. Besonders wirksam waren Maßnahmen, die das Interesse der Kinder anregten. Und bemerkenswert für unsere Jungenfrage: Die positiven Effekte auf die Motivation fielen in Studien mit einem höheren Jungenanteil sogar größer aus (van der Sande et al., 2023, S. 1–2).

Das passt schlecht zum Bild des Jungen, der sich grundsätzlich nicht fürs Lesen gewinnen lässt. Vielleicht sind Jungen nicht die hoffnungsloseren Leser. Vielleicht erreichen wir manche von ihnen mit unseren Angeboten nur schlechter. Und vielleicht müsste Leseförderung deshalb häufiger mit einer anderen Frage beginnen. Nicht: Wie bekomme ich dieses Kind zum Lesen? Sondern: Was müsste dieses Kind finden, damit es lesen möchte?

Wenn gut gemeinte Förderung im Weg steht

„Wenn du zwanzig Minuten gelesen hast, darfst du spielen.“ „Für fünf Bücher bekommst du einen Preis.“ Solche Sätze sind gut gemeint. Doch was hört das Kind möglicherweise? Lesen ist die unangenehme Arbeit, für die anschließend die eigentliche Belohnung kommt. Ähnliches kann mit Lesepässen, Leseprotokollen und Verständnisfragen geschehen. Sie haben ihren pädagogischen Sinn. Lehrkräfte müssen schließlich erkennen, wo ein Kind Unterstützung benötigt. Doch wenn kaum noch eine Geschichte gelesen werden darf, ohne dass anschließend Seiten gezählt, Fragen beantwortet und Felder ausgefüllt werden, droht aus Leseförderung Lesekontrolle zu werden.

Schon im vorigen Teil dieser Reihe haben wir deshalb davor gewarnt, aus dem Gespräch über eine Geschichte ein Verhör zu machen. Das gilt für die Motivation ebenso. Ein Kind braucht auch Erfahrungen, bei denen niemand auf die Uhr schaut und kein Arbeitsblatt wartet. Zugleich wäre die Forderung „Lasst Kinder einfach lesen“ zu simpel. Leseflüssigkeit muss trainiert, Textverständnis entwickelt und schwächeren Leserinnen und Lesern gezielt geholfen werden. Die Kunst besteht darin, beides nicht miteinander zu verwechseln: Lesetraining und Lesen aus Freude sind nicht dasselbe.

Wer jeden Abend exakt zehn Minuten lesen muss, kann sehr gut darin werden, nach zehn Minuten das Buch zuzuklappen. Interessant wird es in dem Moment, in dem das Kind die Uhr vergisst.

Aus hundert kleinen Geschichten wird eine Lesebiografie

Eine Lesebiografie entsteht wahrscheinlich nicht durch das eine wunderbare Buch und auch nicht durch die perfekte Fördermethode. Sie wächst aus vielen kleinen Begegnungen: aus der Mutter, die abends noch ein Kapitel vorliest; dem Vater mit Zeitung, Roman oder E-Reader; der Erzieherin, die das Lieblingsbilderbuch zum sechsten Mal hervorholt; dem Lehrer, der drei Bücher hinlegt und fragt: „Welches interessiert dich?“; dem Freund, der einen Manga in die Hand drückt und sagt: „Den musst du lesen.“

Leider gehören auch andere Geschichten dazu: das Stocken beim Vorlesen vor der Klasse, der Vergleich mit schnelleren Kindern, das langweilige Pflichtbuch, die roten Korrekturen oder der Satz „Du liest ja sowieso nie“. Aus all diesen Erfahrungen kann sich irgendwann eine erstaunlich stabile Antwort auf eine sehr persönliche Frage bilden: Was hat Lesen mit mir zu tun?

Lesefreude lässt sich nicht verordnen. Kein Erwachsener kann einem Kind befehlen, von einer Geschichte gefesselt zu sein. Aber Erwachsene sind deshalb keineswegs machtlos. Sie können Interesse wecken und Bücher zugänglich machen, Kindern etwas zutrauen, ohne sie ständig zu kontrollieren, Wahlmöglichkeiten schaffen und helfen, wenn die Auswahl überfordert. Sie können Comics neben Romane legen, Sachbücher neben Fantasy und die Interessen eines Kindes wichtiger nehmen als die Vorstellung davon, was es in seinem Alter oder als Junge oder Mädchen eigentlich lesen sollte. Und sie können selbst sichtbar lesen.

Gute Leseförderung besteht deshalb weniger darin, Kinder immer wieder zum Lesen zu bringen. Wahrscheinlich besteht sie darin, ihnen so viele gute Begegnungen mit Texten und anderen Lesenden zu ermöglichen, dass sie irgendwann selbst einen Grund haben weiterzulesen.

Das Licht sollte längst aus sein, das Buch eigentlich auch. Doch dann kommt jener Satz, der mehr über gelungene Leseförderung verrät als mancher ausgefüllte Lesepass: „Nur noch zwei Minuten?“

Studien und Literatur

Engler, L. & Westphal, A. (2024). Teacher autonomy support counters declining trend in intrinsic reading motivation across secondary school. European Journal of Psychology of Education, 39, 4047–4065. DOI: 10.1007/s10212-024-00842-5.

McElvany, N., Kleinkorres, R. & Kessels, U. (2023). Leseselbstkonzept, Lesemotivation und Leseverhalten im internationalen Vergleich. In N. McElvany, R. Lorenz, A. Frey, F. Goldhammer, A. Schilcher & T. C. Stubbe (Hrsg.), IGLU 2021. Lesekompetenz von Grundschulkindern im internationalen Vergleich und im Trend über 20 Jahre (S. 131–149). Münster: Waxmann.

McGeown, S. P., Bonsall, J., Andries, V., Howarth, D. & Wilkinson, K. (2020). Understanding reading motivation across different text types: Qualitative insights from children. Journal of Research in Reading, 43(4), 597–608. DOI: 10.1111/1467-9817.12320.

OECD (2026). PISA 2025 Results. Volume I. Paris: OECD Publishing.

Ohle-Peters, A., Igler, J., Schlitter, T., Teerling, A., Köller, O. & McElvany, N. (2021). Unterrichtsqualität und intrinsische Lesemotivation im Kontext der Bund-Länder-Initiative „Bildung durch Sprache und Schrift“ (BiSS). Zeitschrift für Erziehungswissenschaft, 24, 861–882. DOI: 10.1007/s11618-021-01022-7.

Philipp, M. (2010). Lesen empeerisch. Eine Längsschnittstudie zur Bedeutung von peer groups für Lesemotivation und -verhalten. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften. DOI: 10.1007/978-3-531-92463-2.

Rosebrock, C. & Nix, D. (2025). Grundlagen der Lesedidaktik und der systematischen schulischen Leseförderung. 10. Auflage. Bielefeld: Schneider bei wbv.

van der Sande, L., van Steensel, R., Fikrat-Wevers, S. & Arends, L. (2023). Effectiveness of interventions that foster reading motivation: A meta-analysis. Educational Psychology Review, 35(1), Artikel 21, 1–38. DOI: 10.1007/s10648-023-09719-3.

Gernot Körner

Bisher sind in der Reihe zur Leseförderung folgende Beiträge erschienen:

Ein Baby liest bereits am ersten Tag

Im Anfang war das Bild

Warum Bilderbücher heute wichtiger sind denn je

Bevor Kinder lesen, müssen sie Sprache und Laute verstehen

Erzählen – vom Erlebnis zur Geschichte

Wie Kinder den geheimen Code unserer Buchstaben knacken

Wenn Lesen plötzlich leichter wird

Lesen ist mehr als Wörter erkennen: Wie Kinder Texte verstehen lernen

Warum Kinder weiterlesen – und wie Lesefreude wachsen kann

spielen und lernen: Verstehen, was Kinder wirklich brauchen

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Häufiges Vorlesen stärkt früh den Wortschatz von Kindern

Neue Auswertungen zeigen: Kinder profitieren langfristig, wenn ihnen im Kleinkindalter regelmäßig vorgelesen wird

Kinder, denen im Alter von drei Jahren täglich vorgelesen wird, verfügen Jahre später über einen deutlich größeren Wortschatz. Das zeigen aktuelle Auswertungen des Nationalen Bildungspanels (NEPS). Der Effekt ist langfristig messbar: Auch im Alter von sieben Jahren profitieren diese Kinder noch sprachlich von frühen Vorleseerfahrungen.

Damit bestätigt sich, was die Bildungsforschung seit Jahren vermutet: Sprachentwicklung beginnt nicht erst in der Schule – sie entsteht im Alltag, im Gespräch, beim gemeinsamen Anschauen von Bildern und vor allem beim Vorlesen.

Frühe Sprachbildung entsteht im Miteinander

Die Daten machen deutlich, wie entscheidend die Interaktion zwischen Eltern und Kindern ist. Vorlesen ist dabei weit mehr als eine ruhige Beschäftigung: Es schafft Aufmerksamkeit, fördert Verständnis und erweitert den Wortschatz.

Besonders wirksam ist regelmäßiges Vorlesen. Kinder, denen mehrmals täglich vorgelesen wurde, zeigen deutlich bessere sprachliche Kompetenzen als Kinder, die diese Erfahrung seltener machen.

Ein einfacher Impuls mit großer Wirkung

Die Ergebnisse sind eindeutig – und zugleich bemerkenswert alltagsnah: Es braucht keine aufwendigen Förderprogramme, um Kinder sprachlich zu stärken. Gemeinsame Zeit, Bücher und Gespräche reichen oft aus.

Vorlesen wirkt dabei auf mehreren Ebenen gleichzeitig:

  • Kinder lernen neue Wörter
  • sie verstehen Zusammenhänge besser
  • sie entwickeln ein Gefühl für Sprache und Geschichten
  • sie erleben Nähe und Aufmerksamkeit

Gerade diese Verbindung aus Sprache und Beziehung macht den Unterschied.

Was das für Familien, Kitas und Schulen bedeutet

Für Eltern und pädagogische Fachkräfte ergibt sich daraus eine klare Schlussfolgerung: Vorlesen sollte ein selbstverständlicher Teil des Alltags sein – möglichst früh und möglichst regelmäßig.

Auch Kitas und Grundschulen können hier gezielt ansetzen:

  • durch feste Vorlesezeiten
  • durch Zugang zu Büchern
  • durch gemeinsame Sprach- und Erzählsituationen

Denn Sprachkompetenz ist eine zentrale Grundlage für Bildung – und sie beginnt lange vor dem ersten Schultag.

Hintergrund: Das Nationale Bildungspanel (NEPS)

Die Ergebnisse basieren auf Daten des Nationalen Bildungspanels (NEPS), der größten Langzeit-Bildungsstudie in Deutschland. Sie untersucht Bildungsprozesse von der frühen Kindheit bis ins Erwachsenenalter und liefert damit eine wichtige Grundlage für Forschung und Bildungspolitik.

Originalpublikation:

https://www.lifbi.de/NEPS-SL/Detail?nummer=07




Leipziger Buchmesse 2025 und Lesefestival „Leipzig liest“

Über 2.000 Veranstaltungen, Norwegen als Gastland und spannende Foren warten auf die Besucher

In zwei Wochen öffnet die Buchmesse in Leipzig wieder ihre Tore. In der Zeit vom 27. bis 30. März findet im Rahmen der Messe dann auch Europas größtes Lesefest „Leipzig liest“ statt. Mit über 2.000 Veranstaltungen und Beiträgen an mehr als 300 Leseorten wird Leipzig für kurze Zeit zum Literaturzentrum Deutschlands. Bekannte internationale Autoren, aber auch deutsche Prominente wie Sebastian Fitzek, Christoph Kramer, Peter Maffay und Lara Ermer sind mit dabei.

spielen und lernen mit kleinem Angebot

Da spielen und lernen mit seinen Schwesterverlagen Oberstebrink und Burckhardthaus keinen Platz im Kinderbuchbereich der Messe erhalten hat, sind wir lediglich am Gemeinschaftsstand des Bücherzauber e.V., Halle 3 A20, mit einem kleinen Angebot vor Ort. Aber natürlich sind uns auch hier alle Leserinnen und Leser herzlich willkommen. Auf der Buchmesse in Frankfurt werden wir dann in der Zeit vom 15. Bis 19. Oktober in Halle 3 wieder mit einem großen Stand, vielen Autoren, Veranstaltungen und vielen kleinen Überraschungen vor Ort sein.

Prominente Sprecher und Autoren live

Eine Neuheit auf der Buchmesse in Leipzig ist das Gesprächsforum „Mensch und KI: Schöne neue Welt?“ in Halle 5, in dem über die Auswirkungen Künstlicher Intelligenz auf verschiedene gesellschaftliche Bereiche diskutiert wird. Interessant dürfte auch die Audiowelt in Halle 2 sein. Hier kann das Publikum prominente Sprecher und Autoren live erleben und sich neues Audioproduktionen anhören.

Wichtige Angelegenheiten, welche die Gesellschaft beschäftigen, spricht das Forum „Offene Gesellschaft“ in Halle 5 an, in dem Teilnehmer aus den Bereichen Politik, Kultur, Wissenschaft, Aktivismus und Medien gemeinsam diskutieren.

Gastland Norwegen

Das diesjährige Gastland Norwegen bringt nach dem Motto „Traum im Frühling“ fast 50 Vertreter seiner vielfältigen Literaturlandschaft mit nach Leipzig. Neben zeitgenössischen Werken und den beliebten Kriminalromanen präsentieren diese auch Kinder- und Jugendliteratur sowie historische Erzählungen aus Norwegen. Auf der Buchmesse anzutreffen sein werden unter anderem Karl Pve Knausgard, Maja Lunde, Tomas Espedal, Johan Hardstad und viele weitere norwegische Autoren. Ein weiterer besonderer Gast ist die norwegische Kronprinzessin Mette-Marit, die das Gastland in Leipzig repräsentieren wird.

Die Manga-Comic-Con

Im Rahmen der Buchmesse findet neben dem Lesefest „Leipzig liest“ mit der Manga-Comic-Con wieder die bunteste Veranstaltung der Leipziger Messe statt, welche Manga-, Comic- und Animefans aus der ganzen Welt nach Leipzig zieht. Ein besonderes Highlight dieser Veranstaltung sind die kreativen Cosplayer, die bis zum 27. März ihre liebevoll gestalteten Outifts und Auftritte perfektionieren, um beim Leipziger Cosplay Wettbewerb (29. März) und der neuen Cosplay Performance Meisterschaft Deutschland (30. März) zu begeistern. Zudem werden auch hier besondere Gäste, wie die japanische Manga-Künstlerin Kamome Shirahama, erwartet.

Antiquariatsmesse

Für alle Buchliebhaber, die nicht immer die neuesten Bestseller brauchen, gibt es auf der 31. Leipziger Antiquariatsmesse in Halle 5 seltene Schätze und historische Exemplare. Seit ihrer Gründung 1995 hat sie sich zu einer der bedeutendsten Antiquariatsmessen in Deutschland entwickelt, organisiert von abooks.de. Eine Vielfalt von antiquarischen Büchern, Grafiken und Autographen sowie die beliebte Literaturmeile mit preiswertem Lesefutter lädt alle Interessierten zum Stöbern und Kaufen ein.

Der Preis für die Tageskarte beträgt 25 Euro (am Samstag 30 Euro), für die Dauerkarte 58 Euro. Die Eintrittskarten berechtigen am Besuchstag zur kostenlosen Hin- und Rückfahrt zum bzw. vom Messegelände mit dem MDV in der Tarifzone 110. Die Tickets können online erworben werden.

Weitere Informationen: www.buchmesse-leipzig.de

Quelle: Pressemitteilung Leipzig Tourismus und Marketing GmbH




Welche Bücher Jungen Lust aufs Lesen machen

Jury des Leseförderprojekts boys & books hat 180 Bücher ausgewählt

Welche Bücher sind besonders geeignet, um Jungen Lust auf Lesen zu machen? Welche sind besonders empfehlenswert? Das bundesweite Leseförderprojekt boys & books, das an der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe (PHKA) angesiedelt ist, hat die Neuerscheinungen des deutschsprachigen Büchermarkts – März bis September 2023 – gesichtet und diese Woche seine neuen Leseempfehlungen auf www.boysandbooks.de online gestellt. Insgesamt 20 Top-Titel samt Inhaltsangaben, Rezensionen und Ideen für die Unterrichtspraxis gibt es hier zu entdecken. Ausgewählt hat die Buchtipps (nicht nur) für Jungen zwischen 8 und 18 eine Fachjury aus Wissenschaftler:innen, Lehrer:innen, Bibliothekar:innen und Literaturpädagog:innen. Profitieren von den Leseempfehlungen können alle, die in der Leseförderung aktiv sind – sei es in der Schule, in Bibliotheken, im Buchhandel oder im privaten Umfeld.

Aktuelle gesellschaftliche Diskurse, Bandenliteratur und Heldenreisen

„Aktuelle gesellschaftliche Diskurse werden seit den 1970er Jahren in der Kinder- und Jugendliteratur verhandelt“, sagt Dominik Achtermeier, Projektkoordinator von boys & books und wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für deutsche Sprache und Literatur der PHKA. Bedeutsame Themen der Gegenwart seien Robotik und Künstliche Intelligenz. Deshalb empfiehlt die Jury für Leserinnen und Leser ab acht Jahren unter anderem den Reihenauftakt „Die Robot Kids – Rettung von MOTO-5“. Auch sogenannte Bandenliteratur habe nach wie vor Konjunktur. In „Der Basilisk – Die sagenhaften Abenteuer des Bastian Zekoff“ beispielswiese verfolgen vier Kinder im Untergrund von Wien die Spur einer 2000 Jahre alten Sagengestalt. Geeignet ist das Buch für die Altersgruppe 10+. Achtermeier stellt weiter fest: „Die Mitglieder der literarischen Banden von heute zeichnen sich durch größere gesellschaftliche Vielfalt aus.“ Davon zeuge etwa „Ein Fall für die ForscherKids – Rettet die Wale!“, eine der Leseempfehlungen (nicht nur) für Jungen ab acht Jahren.

jungen buch

„Die Fantasyliteratur für Heranwachsende“, so Achtermeier, „setzt weiterhin auf ein charakteristisches Erzählprinzip, das bereits in der mittelalterlichen Heldenepik geprägt wurde: Die Figuren begeben sich auf Abenteuerfahrt, um zu beweisen, dass sie ‚richtige‘ Held:innen sind.“ Repräsentativ für eine visuell ansprechend gestaltete Heldenreise steht der Comicroman „Quest Kids – (K)ein Auftrag für Anfänger“, den boys & books für die Altersgruppe ab 10 Jahren empfiehlt. Für Jugendliche ab 14 Jahren geeignet ist beispielsweise „Über den Dächern von Jerusalem“. Der Roman schildert Erwartungen und Enttäuschungen auf beiden Seiten des Nahostkonflikts. In Jerusalem begegnen sich die Jüdin Tessa und der Palästinenser Mo. Und 70 Jahre später trifft die israelische Soldatin Anat auf den Palästinenser Karim. Vier Schicksale, geprägt von Terror, Wut und Verzweiflung – aber auch ein Stück Hoffnung.

Wie werden die Top-Titel ausgewählt?

Rund 20 Juror:innen haben ihre Expertise bei der Auswahl der Leseempfehlungen eingebracht. Sie lesen und bewerten die Bücher ehrenamtlich in ihrer Freizeit. Viele waren am 6. und 7. Oktober zur 14. Redaktionskonferenz an die PHKA gekommen, andere nahmen online teil. In vier Gruppen, die je ein spezifisches Lesealter in den Blick nahmen, tauschten sie sich bei der Redaktionskonferenz über ihre Bewertungen aus und bestimmten die Top-Titel. Insgesamt wurden rund 180 Neuerscheinungen berücksichtigt. Bei der Auswahl der Top-Titel ging es unter anderem darum, ob die Bücher spannend sind, ob Länge, Thematik und Komplexität für die jeweilige Altersgruppe (8+, 10+, 12+ oder 14+) passen oder ob die Figuren authentisch sind. In die Bewertung floss außerdem beispielsweise ein, wie die Cover gestaltet sind, wie hoch der Preis ist und ob es in den Büchern eine Verbindung zu den Interessen von Heranwachsenden gibt.

Weitere Informationen: http://www.boysandbooks.de

Regina Thelen, Pädagogische Hochschule Karlsruhe




Die Skepsis der Eltern gegenüber sozialen Netzwerken wächst

medienmonitor

Der Kinder Medien Monitor 2023 zeigt Trends bei der Medienutzung von Kindern und Jugendlichen

Digitale und soziale Medien gehören immer mehr zum Alltag von Kindern und Jugendlichen. Klassische Medien wie TV und Print werden jedoch weiterhin auf sehr hohem Niveau genutzt. Eine besondere Faszination übt Bewegtbild aus. Kostenlose Videodienste wie YouTube stehen inzwischen bei 63 Prozent der sechs- bis 13-jährigen Kinder mindestens mehrmals pro Woche auf dem Programm. Ein rasantes Wachstum erlebt TikTok: 42 Prozent nutzen die Plattform heute, 2021 waren es noch 26 Prozent. Das sind einige Ergebnisse des jüngst erschienenen Kinder Medien Monitors.

Die Eltern befinden sich im Zwiespalt

Immerhin 44 Prozent der Kinder und Jugendlichen dürfen allein ohne Aufsicht im Internet surfen und Apps nutzen. Plattformen wie YouTube und soziale Netzwerke werden jedoch zunehmend kritisch beäugt: Während in der Zeit der Corona-Pandemie 2021 noch 39 Prozent der Eltern der Meinung waren, ihre Kinder könnten über YouTube etwas lernen, sind es 2023 nur noch 35 Prozent. Soziale Netzwerke schneiden in dieser Hinsicht noch schlechter ab, sie rutschen von 24 Prozent in 2021 auf aktuell 14 Prozent. Diese Skepsis bringt den Wunsch nach Eigenverantwortung mit sich. 45 Prozent der Eltern halten es für wichtig, dass ihr Kind Medienkompetenz erlernt.

Die Medien-Klassiker: Eltern und Kinder in der Sicherheitszone

Print und TV – Mediatheken und Streamingdienste inklusive – genießen einen Vertrauensbonus bei den Eltern. Zu den Top-Argumenten für die Nutzung klassischer Medien gehören die pädagogische Sinnhaftigkeit aber auch der Spaßfaktor für das Kind. Entsprechend räumen Eltern ihren Kindern mehr Freiräume ein als im Umgang mit digitalen Medien: 46 Prozent der Sechs- bis 13-Jährigen dürfen selbst bestimmen, welche Fernsehsendungen sie sehen. Freie Wahl bei Büchern oder Zeitschriften haben 67 Prozent.

Auch die Kinder fühlen sich offenbar nach wie vor wohl mit klassischen Medien: 85 Prozent schauen mindestens mehrmals pro Woche Serien, Filme oder Videos, wenn sie gerade im Fernsehen laufen. 66 Prozent hören Radio/Autoradio, 35 Prozent nutzen CD-Spieler oder Musikanlage.

Beim Lesen schwören Kinder auf Papier: 72 Prozent der Sechs- bis 13-Jährigen lesen mindestens mehrmals pro Woche Bücher oder Zeitschriften, elektronische Lesemedien spielen dabei so gut wie keine Rolle. Dafür spricht auch die im Vergleich zum Vorjahr leicht gestiegene Netto-Reichweite der 26 ausgewiesenen Kinderzeitschriften: Vier Millionen sechs- bis 13-jährige Mädchen und Jungen lesen mindestens eine davon. Eltern lesen mit: Insgesamt erreichen die ausgewiesenen Kinderzeitschriften 4,5 Millionen Elternteile der Sechs- bis 13-Jährigen.

Über den Kinder Medien Monitor 2023

Zuschauen, Zuhören, Lesen, Gaming – die repräsentative Markt-Media-Studie bietet umfassendes Datenmaterial rund um die Mediennutzung von Kindern in ihrer Freizeit. Darüber hinaus liefert die Untersuchung vielseitige Einblicke in weitere Lebensbereiche der Kinder, zum Beispiel Freizeitgestaltung, Konsumverhalten und Umweltengagement. Den Ergebnissen zugrunde liegen die Antworten der Kinder sowie die ihrer Eltern. Der Kinder Medien Monitor repräsentiert 7,69 Millionen Kinder in Deutschland im Alter von vier bis 13 Jahren und liefert für 26 Printmagazine repräsentative Reichweiten bei Kindern und mitlesenden Eltern. Die Untersuchung ist die einzige zählbare Studie ihrer Art in Deutschland. Herausgeber sind Egmont Ehapa Media, Gruner + Jahr, SUPER RTL, EDEKA Media und PANINI Verlag.

Quelle: KINDER MEDIEN MONITOR 2023




Umweltliteratur für Kinder und Jugendliche

umweltbuch

Literaturliste der Fachbibliothek Umwelt

Das Umweltbundesamt hat eine Literaturliste der Fachbibliothek Umwelt zu Umwelthemen für Kinder- und Jugendliche herausgegeben, die in den 3 Teilbibliotheken ausgeliehen oder eingesehen werden können oder als Kaufanregung dienen können.

Im Inhalt finden sich Literatur zu:

  • Didaktik, Lerninhalte, Unterrichtsmaterialien der Umwelterziehung
  • Jugend- und Erwachsenenbildung
  • Vorschulerziehung
  • Umwelt-Sachbücher für Kinder und Jugendliche
  • Umwelt-Geschichten für Kinder und Jugendliche
  • Umwelt-Aktionsbücher für Kinder und Jugendliche
  • Umweltspiele

Die Liste gibt es hier zum kostenlosen Download

Auf der Liste finden sich unter anderem auch Publikationen, die ebenfalls zum kostenlosen Download bereitstehen.

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Plitsch und Platsch: Ein Wassertropfen auf Reisen

Bilderbuch für Kindergartenkinder und Grundschüler:innen zum Thema Trinkwassereinsparung.

Poster Nachrichten aus der Tonne

Leo und Polly Pop auf den Spuren des Abfalls

Kinder begeben sich mit Leo und Polly auf die Spuren des Abfalls. Woher kommt er, wo ist er zu finden und wie vermeidet man Abfall.

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SPIELEN UND LERNEN auf der Buchmesse in Leipzig

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Signierte Bücher zu gewinnen, neue Bücher und kleine Überraschungen

Zum vorerst letzten Mal präsentiert sich SPIELEN UND LERNEN auf der Buchmesse in Leipzig. Leider liegt unser Stand diesmal etwas versteckt in Halle 2, Reihe B unter der Nummer 206. Immerhin haben wir mit dem Mildenberger Verlag, Don Bosco und Herder interessante und nette Nachbarn. Und es lohnt sich wirklich, uns zu besuchen. Wer uns hier nicht besuchen kann, der findet uns in diesem Jahr noch auf der Buch Berlin und der Frankfurter Buchmesse.

In Leipzig präsentieren wir natürlich vor allem unsere neuen Bücher, die bis dahin zum Teil noch nicht mal im Handel sein werden. Mit dabei werden auch einige unserer Künstler:innen und Autor:innen sein. Und für unsere Besucher:innen gibt es kleine Überraschungen.

Kinderkunst und Kreativität

Nachdem wir nun schon so viele Jahre versuchen zu vermitteln, was Kunst und Kreativität bedeuten, haben wir dazu nun ein praktisches Buch gemacht. Es heißt „Kinderkunst und Kreativität“. Denn Kunst fördert die Kreativität, das Selbstbewusstsein und die Vorstellungskraft. Sie ist damit nicht das Sahnehäubchen unserer Gesellschaft, sondern eben die Hefe, wie vor vielen Jahren der frühere Bundespräsident Johannes Rau festgestellt hat. Denn diese drei sind neben der Anstrengungsbereitschaft die wesentlichen Fähigkeiten, die wir dafür benötigen, um eine Zukunft zu meistern, die wir nicht kennen. Leider sind sie nur nicht allzu weit verbreitet.

Deshalb haben wir gemeinsam mit dem erfahrenen Kreativitätspädagogen und Künstler Helge Nyncke das Buch „Kinderkunst und Kreativität“ verlegt. Es ist natürlich kein Bastelbuch, in dem Schritt für Schritt erklärt wird, wie das gewünschte Objekt entsteht. Das hat nun mal mehr mit Motorik zu tun, als mit Kreativität. Hier gibt es neben einer enormen Fülle von Anregungen, die sich mit einfachen Mitteln und einer ordentlichen Portion Kreativität umsetzen lassen. Auf 198 Seiten im DIN A 4 Format finden sich etliche Abbildungen und fachliche Informationen. Das Buch stellt einfache, aber wirkungsvolle Kreativtechniken vor, die Helge Nyncke selbst in langjähriger Projektarbeit mit Kindern erprobt und entwickelt hat. Sein kunstpädagogisches Buch zeigt auf, wie mit wenig Materialaufwand, aber viel Gespür für den kreativen Prozess, erfüllende künstlerische Arbeit mit Kindern funktionieren kann. Wir sind der Überzeugung, dass sich dieses Buch bestens für den Einsatz in der Kindertageseinrichtung, im Hort und der Schule eignet.

Von den Waldtieren

In eine andere Richtung geht das Buch der niederländischen Pastellkünstlerin Loes Botman „Von den Waldtieren“. Ausgangspunkt dafür waren ihre wunderschönen und ausdrucksstarken Tierbilder, die viel mehr über das Wesen der Tiere aussagen, als es jeder Sachtext kann. Und wer das Wesen der Tiere versteht, wird sie auch wertschätzen und schützen.

Auf jeder Seite gibt es faszinierende Waldtiere zu entdecken. Die nebenstehenden Texte erzählen etwas über das Tier im Bild. Sie sind mehr Geschichte denn Sachtext. Mit ihren Zeichnungen macht Loes Botman den Betrachter auf die Schönheit der Welt um uns herum aufmerksam und teilt damit die Schönheit mit uns allen. Sie schafft Verständnis für das Wesen der Tiere und fördert so neben der Ästhetik das Weltverständnis und die Wertschätzung aller. Das Buch ist erstmals in Leipzig zu sehen. Es hat 64 Seiten und ist mit einer Breite von rund 30 Zentimetern und einer Höhe von knapp 26 Zentimetern so groß, dass der Betrachter regelecht in die Zeichnungen eintauchen kann.

Wenn ein Kind gestorben ist oder Die Farben der Trauer

cover farben gtrauer

Wieder ein ganz anderes Genre ist der Ratgeber „Wenn ein Kind gestorben ist oder Die Farben der Trauer. Das Buch entstand auf Initiative der beiden Psychologen Priv. Doz. Dr. Dr. Andreas Schulze und Prof. Dr. Wolfram Schulze, beide Koryphäen auf diesem Gebiet. Die einfühlsamen Illustrationen stammen von der bekannten Künstlerin und Illustratorin Melanie Garanin.

Ein Kind an den Tod zu verlieren, gehört ganz sicher zum schlimmsten, was einem Menschen widerfahren kann. Wie können Eltern und Familien mit solch einem Verlust umgehen lernen? Wie schaffen Sie es, einen Alltag »danach« zu gestalten in einer Gesellschaft, die den Tod und den Schmerz vielfach auszublenden versucht?

Dieses Buch ist

  • für Eltern gedacht, die ein Kind verloren haben. Sie finden hier Rat und Unterstützung suchen.
  • auch gedacht für deren Freunde, Verwandte und Kollegen. Sie können sich hier mit dem Thema intensiver auseinandersetzen, um konstruktiv helfen zu können.
  • gedacht für diejenigen, die beruflich immer wieder mit verwaisten Eltern in Kontakt kommen – also zum Beispiel für Ärzte, Krankenschwestern oder Hebammen, für Seelsorger oder Sozialarbeiter.

Dieses Buch ist Ratgeber und Fachbuch zugleich. Es bündelt einerseits neueste Erkenntnisse aus Forschung und Praxis. Und es gibt andererseits konkrete Tipps zum Umgang mit verschiedenen Aspekten der Trauer und ihrer Überwindung,

Zwar sind das nicht viele, dafür aber drei ganz besondere Bücher, wie es sie bisher nicht gab. Aus unserer Sicht sind diese Bücher wichtig für Kinder und Erwachsene. Natürlich werden wir zudem noch viele weitere Bücher am Stand haben.

Von den neuen Büchern verlosen wir je drei, die wir zudem noch von den Autoren und Illustratorinnen signieren lassen. Das Stichwort ist „Leipzig“. Das Gewinnspiel endet am 2. Mai 2023.



Teilnahmeschluss ist der 02.05.2023.




Foto des Jahres: Kinder suchen Zuflucht zu Büchern

UNICEF kürt zum 23. Mal die Fotos des Jahres – Von Kindern uns ihrer Sehnsucht

Das UNICEF-Foto des Jahres 2022 hält einen seltenen Moment von Ruhe und Glück inmitten des Konflikts im Norden Äthiopiens fest. In der zerstörten Bibliothek einer Grundschule in der äthiopischen Region Tigray vertiefen sich ein Mädchen und ein Junge in Bücher. Das diesjährige Siegerbild des argentinischen Fotografen Eduardo Soteras zeigt, was die Kinder von Tigray mit den Kindern auf der ganzen Welt teilen: das Bedürfnis, sich friedlich und neugierig mit etwas beschäftigen zu dürfen, das ihnen Freude bereitet.

Mit dem zweiten Preis wird ein Foto des amerikanischen Fotografen Ron Haviv aus einem Souterrain in Kiew (Ukraine) ausgezeichnet. Eine Gruppe von Kindern, die dort vor den Angriffen Zuflucht gesucht hat, blickt aufmerksam auf ein Kinderbuch, das ihnen gezeigt wird. Der deutsche Fotograf Daniel Pilar erhält den dritten Preis. Seine Reportage begleitet Schülerinnen in einer heimlichen Mädchenschule in der afghanischen Hauptstadt Kabul. 

„Der Wunsch, Neues zu entdecken und zu lernen, ist bei Kindern oft so groß, dass er sie die Bedrohlichkeit einer Situation vergessen lässt. Das ist die Botschaft des UNICEF-Foto des Jahres 2022“, sagte UNICEF-Schirmherrin Elke Büdenbender bei der Preisverleihung in Berlin. „Das Siegerbild fordert uns auf, alles zu tun, damit Kinder auch unter den widrigsten Umständen spielen und lernen können. Denn nur so können sie sich ihre Hoffnung und Zuversicht in Zeiten des Krieges und anderer Krisen erhalten.“

„Der Hunger nach Wissen und Bildung ist das verbindende Element der prämierten Bilder in diesem Jahr“, sagt Peter-Matthias Gaede, Mitglied der Jury und des Deutschen Komitees für UNICEF. „Gerade in Konfliktgebieten und Krisenländern sind Schulen und psychosoziale Hilfsangebote Orte der Hoffnung, die die Kinder stabilisieren und ihnen Kraft geben.“

„Die Siegerbilder zeigen das Positive im gegenwärtigen Chaos der Welt“, erklärte Prof. Klaus Honnef, Vorsitzender der Jury. „Die Kinder auf diesen Fotos symbolisieren die Kraft und den Willen durchzuhalten und weiter nach einer besseren Zukunft zu streben.“

Das Siegerbild: Äthiopiens Kinder im Krieg

Der argentinische Fotograf Eduardo Soteras dokumentiert seit 2020 besonders die Situation der Kinder im Norden Äthiopiens. Dabei fotografiert er solch rare Augenblicke wie jene des Siegerbildes: In der zerstörten Bibliothek einer Grundschule in der äthiopischen Region Tigray vertiefen sich zwei Kinder in Bücher. Das Lächeln in ihren Gesichtern verrät einen Moment des Glücks. Es ist ein seltener Moment umgeben von Zerstörung und Gewalt.

In Folge des Konflikts im Norden Äthiopiens braucht die Zivilbevölkerung dringend humanitäre Hilfe. Die Mehrheit der rund 5,2 Millionen Menschen in der Region Tigray hat unter Gewalt und Vertreibung, Unterernährung und Trinkwassermangel gelitten. Viele Gesundheitseinrichtungen und Schulen wurden zerstört.

Der zweite Preis: „Einst hatte ich ein Zuhause“

Eine Lehrerin liest einer Gruppe von Mädchen und Jungen in einem Souterrain der ukrainischen Hauptstadt Kiew Geschichten vor. Vielleicht ist es ein spannendes Märchen, das sich in den Augen der Kinder spiegelt. Aber ebenso könnten es all die von den Erfahrungen der Kinder ausgelösten Emotionen sein, die sich hier zeigen: von Angst bis Erschrecken bis Fassungslosigkeit.

In seiner Reportage zeigt der US-amerikanische Fotograf Ron Haviv Bilder von Abschied und Flucht, von verlassenen Kinderwagen, von zerstörten Brücken und zerschossenen Wohngebäuden. Und von Kellern und Metrostationen, in denen Kinder geboren werden. In denen sie spielen. Und in denen sie lernen.

Millionen Ukrainerinnen mit ihren Kindern sind innerhalb des Landes auf der Flucht oder suchen in den Nachbarländern Schutz. Fast 1000 Schulen waren, Stand November 2022, beschädigt, fast 130 komplett zerstört – mindestens 400 Kinder hatten durch Artilleriebeschuss ihr Leben verloren, 800 ihre körperliche Unversehrtheit.

Der dritte Preis: Die versteckte Mädchenschule

Die Reportage des deutschen Fotografen Daniel Pilar erzählt von einer heimlichen Mädchenschule im afghanischen Kabul. Er hat sie in einem behelfsmäßig hergerichteten Gebäude am Rande der Hauptstadt entdeckt, verborgen in einem Hinterhof. Hier unterrichtet eine junge mutige Lehrerin auch Mädchen der 7. und 8. Klasse. Und hier zeigt sich, dass deren Bildungshunger stärker ist als jedes Verbot. So anonym wie die Lehrerin müssen allerdings auch die Eltern bleiben, die ihre Töchter auf solche Schulen schicken.

Seit die Taliban im August 2021 erneut die Macht in Afghanistan übernommen haben, ist Mädchen der Besuch weiterführender Schulen wieder verboten. Mehr als einer Million Mädchen werden hierdurch Bildungschancen verweigert – während das Risiko von Ausbeutung, Missbrauch und früher Verheiratung steigt. Solidarität mit den Mädchen regt sich im Verborgenen, wie die versteckte Mädchenschule zeigt.

Sieben weitere Reportagen hob die Jury mit ehrenvollen Erwähnungen hervor:

  • Agoes Rudianto, Indonesien, Reportage:  Wie Rifki seine Armut versilbert (Indonesien)
  • Amnon Gutman, Rumänien, Reportage: Rette sich, wer kann (Ukraine)
  • Fabio Bucciarelli, Italien, Reportage: Toxischer Stress (Ukraine)
  • Federico Rios Escobar, Kolumbien, Reportage: Der harte Marsch zu einem ungewissen Ziel (Kolumbien)
  • Irina Werning, Argentinien, Reportage: „Das Versprechen“ (Argentinien)
  • Mads Nissen, Dänemark, Reportage: Der hohe Preis für einen Frieden, der keiner ist (Afghanistan)
  • Shayan Hajinajaf, Iran, Reportage: „Die zwei Flügel eines Schmetterlings“ (Iran)

Eine Ausstellung mit allen prämierten Arbeiten ist bis Mitte Januar im Haus der Bundespressekonferenz in Berlin zu sehen. Anschließend werden die Fotoreportagen vom Freundeskreis Willy-Brandt-Haus e.V. ausgestellt und sind ab dem 18. Januar 2023 für die allgemeine Öffentlichkeit im Willy-Brandt-Haus zugänglich.

UNICEF-Foto des Jahres

Zum 23. Mal zeichnet UNICEF Deutschland mit dem internationalen Wettbewerb „UNICEF-Foto des Jahres“ Bilder und Reportagen professioneller Fotojournalistinnen und -journalisten aus, die die Persönlichkeit und die Lebensumstände von Kindern auf herausragende Weise dokumentieren. Voraussetzung für die Teilnahme ist die Nominierung durch eine*n international renommierte*n Fotografie-Expert*in.

Eine Übersicht aller ausgezeichneten Fotoreportagen finden Sie auf www.unicef.de/foto.

Niklas Klütsch: Referent für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit von UNICEF