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Eine Vorlesegeschichte zum Nikolaustag

Wie Luise versucht, dem Nikolaus auf die Spur zu kommen

Spannend ist die Nacht vom 5. zum 6. Dezember: Der Nikolaus kommt und füllt die geputzten Schuhe, die vor der Tür stehen, mit Nüssen, Obst und Süßigkeiten. Noch nie hat ein Kind den Nikolaus gesehen, höchstens mal gehört.
Luise wollte in diesem Jahr ganz genau wissen, wie der Nikolaus aussieht. Deshalb legte sie sich freiwillig mittags ins Bett, um abends ausgeschlafen zu sein.
Nachmittags saß sie mit ihrem Bruder und Papa in der Küche und putzte Stiefel. (Mama wollte auch was Süßes vom Nikolaus, deshalb polierte Papa ihre Schuhe mit. Hoffentlich würde der Nikolaus den Schwindel nicht merken…). Kurz vorm Schlafengehen stellten sie ihre blitzblanken Stiefel vor die Wohnungstür – genauso, dass man sie mit einem Blick durch den Briefschlitz sehen konnte. „Gute Nacht!“, sagte Papa. „Schlaft fix ein! Denn der Nikolaus kommt erst, wenn er euch schnarchen hört.“
Luise schloss die Augen, blieb aber hellwach. Marcus versuchte, sie noch ein bisschen zu foppen – aber ohne Erfolg.
,Seltsam‘, dachte er ,heute Mittag schläft sie – und jetzt schon wieder.‘ Er las noch ein wenig in seinem Witze-Buch, löschte dann das Licht und war schon bald im Land der Träume.

Luise lag mucksmäuschenstill und lauschte. Die Kirchturmuhr schlug viermal hell, dann zehnmal dumpf: zehn Uhr. Plötzlich raschelte es draußen im Hausflur. Luise sprang aus dem Bett und schlich aus dem Kinderzimmer. Die Tür quietschte ganz leise und Luise sah Papa im erleuchteten Flur. „Was machst du denn hier???“ fragte der überrascht. Irgendwas hielt er hinter seinem Rücken versteckt.
„Ich dachte, der Nikolaus ist da“, murmelte Luise enttäuscht.
Papa wollte den Nikolaus bestimmt auch mal sehen. Beide schauten durch den Briefschlitz in der Tür: Die Stiefel waren leer. Hoffentlich hatten sie den Nikolaus nicht verscheucht. Luise trottete zurück ins Bett.
Als die tiefe Glocke elfmal schlug, waren wieder Geräusche im Flur zu hören. Luise huschte erneut hinaus und sah gerade noch, wie Papa die Wohnungstür aufschloss. In der Hand hielt er einen bunten Beutel.
„Ist er da?“, flüsterte sie.
Papa fuhr blitzschnell herum. „N-n-nein“, stotterte er. „Du sollst doch schlafen!“
„Was ist denn in dem Beutel?“
„Äh – ein Geschenk für den Nikolaus…“


Baumel-Nikolaus

Material: 1 Gardinenring, rote und weiße Wolle, Buntpapier, Papierklebstoff
Anfertigung: Von der Wolle schneidet man ca. 30 cm lange Fäden ab, die – eine Hälfte weiß, die andere rot – eng um den Gardinenring geschlungen werden (Faden doppelt legen und die beiden Enden durch die Schlaufe führen). Nun die Fäden auf gleiche Länge schneiden. Die roten Fäden werden zur Mütze zusammengebunden, die weißen Fäden bilden den Bart. Jetzt wird ein Faden zwischen das weiße und das rote Feld gespannt. Mit kleinen Buntpapierkreisen können darauf Augen und Nase angeklebt werden. Zum Abschluss einen Faden zum Aufhängen anbringen – fertig!


Gute Idee von Papa, dem Nikolaus auch mal was zu schenken. Bloß – mit seinem ewigen Umhergesause würde Papa den Nikolaus am Ende noch vertreiben. Luise schlich wieder ins Bett. Kurz, nachdem die Kirchturmuhr zwölfmal geschlagen hatte, war wieder was zu hören. Luise flitzte sogleich hinaus. Im Wohnungsflur saß Kater Maxe und gähnte. „Ach, du…“ Aber was war das? Draußen im Hausflur raschelte es. Das musste der Nikolaus sein! Luise hob ganz sacht den Deckel vom Briefschlitz an und linste hinaus: Tatsächlich! Alle Stiefel waren bis zum Rand gefüllt – und eine Hand legte noch Süßigkeiten obenauf. Das war die Hand vom Nikolaus! Luise verrenkte sich fast den Kopf, aber der Briefschlitz war so schmal, dass sie nur diese Hand sah.
Plötzlich schob sich ein breiter Hintern ins Bild.,Nanu ‚, dachte Luise,,trägt denn der Nikolaus Jeans?‘ Da drückte der Nikolaus die Türklinke herab. Luise erstarrte: Der Nikolaus hatte bestimmt bemerkt, dass sie ihm zuguckte. Jetzt würde er ihren Stiefel sicher wieder ausleeren.
Luise schaute mit klopfendem Herzen zur Tür. Herein kam – Papa. Gut gelaunt, wieder mit dem Beutel in der Hand. Als er Luise sah, erstarrte er so wie sie. Luise war den Tränen nahe. Ohne ein Wort sauste sie zurück ins Bett.

Am nächsten Morgen saß sie traurig am Frühstückstisch. Marcus lutschte bereits das fünfte Stück Schokolade, aber Luise konnte sich gar nicht recht über den Inhalt ihrer Nikolausstiefel freuen.
Papa schaute verlegen. Mama fragte: „Was ist denn mit dir?“ und nahm sie in den Arm. Luise schluckte zweimal: „Papa hat… heute Nacht… aus meinem Stiefel… genascht…“ Plötzlich lachten Mama und Papa schallend los. Luise war entsetzt.
Papa strich ihr übers Haar. „Ich nasche doch nichts von deinen Süßigkeiten! Ich hab mich bloß leise mit dem Nikolaus unterhalten.“
Luise staunte: „Was hat denn der Nikolaus gesagt?“
„Viele Grüße an die gesamte Familie. Und er hat mir einen Zettel für dich gegeben.“
„Einen Zettel?“ Luise griff aufgeregt nach dem Stück Papier, das Papa ihr hinhielt. „Liest du es mir bitte vor?“
„Also, da steht:
Liebe Luise! Jedes Kind will mich sehen… Aber ich kenne alle Tricks, auch das Gucken durch den Briefschlitz. Bis nächstes Jahr! Dein Nikolaus.
Übrigens: Ich habe dir noch etwas vor die Tür gelegt…“
Marcus feixte, Luise war beeindruckt. Sofort sauste sie zur Wohnungstür und öffnete sie. Gleich neben dem Schuh-Abtreter hatte der Nikolaus aus Russisch-Brot-Buchstaben ein Wort zusammengestellt. Luise kauerte sich hin und begann zu buchstabieren. Hui – ein schwieriges Wort. Marcus, der Neugierige, stand schon hinter ihr.
„Was heißt denn das Wort, Marcus?“
„Ätsch“, las der grinsend vor. „Darf ich das Ä gleich aufessen?“

Reuter Kichenjahr

Diesen Artikel haben wir aus folgendem Buch entnommen:

Das Kirchenjahr mit Kindern feiern
Ein Vorlesebuch mit lustigen Geschichten, Backrezepten und Spielen.

Reuter, Thomas
Burckhardthaus-Laetare
ISBN: 9783944548906
96 Seiten, 9,90 €
Mehr dazu auf www.oberstebrink.de

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