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Selbstbild ErzieherInnen: Kompetent und stark im Fördern von Selbstvertrauen

OECD lässt in Deutschland über 3000 pädagogische Fachkräfte befragen: 

Die gute Nachricht: Fast alle Fachkräfte in der Kita sind mit ihrem Beruf und ihrer aktuellen Tätigkeit zufrieden.  Gesellschaftlich anerkannt fühlt sich aber nur jede Dritte. Das sind zwei Ergebnisse der OECD-Studie TALIS Starting Strong. Die groß angelegte Erhebung führt die Organisation in neun Ländern durch. An der Befragung haben hierzulande weit über 3.000 Fachkräfte im Bereich der frühkindlichen Bildung, Betreuung und Erziehung (FBBE) teilgenommen. Dabei unterteilt die Studie in Fachkräfte im Bereich Krippenkinder (U3) und Kindergartenkinder (Ü3).

Zu wenig Geld und Anerkennung

Rund 94 Prozent der Befragten sind demnach mit ihrer Arbeit zufrieden. Nur 36 Prozent fühlen sich dagegen gesellschaftlich anerkannt. Zudem ist wenig überraschend ein geringer Prozentsatz mit seinem Gehalt zufrieden. Im Ü3-Bereich sind es 26 Prozent, im U3-Bereich mit 29 Prozent etwas mehr.  

Wenn es schon mit dem Geld und der Anerkennung nicht so richtig klappt, sind doch die meisten mit der Leitung ihrer Einrichtung zufrieden. Nur 32 Prozent der Befragten im Ü3-Bereich und 26 Prozent im U3-Bereich wünschen sich mehr Unterstützung.

Stress bei der Arbeit entsteht aus dem Ungleichgewicht zwischen Anforderungen und den dafür vorhandenen Ressourcen.

Fehlen von Personal ist größter Belastungsfaktor

Als größte Belastungsfaktoren zählen hierzulande „Zusätzliche Pflichten aufgrund der Abwesenheit von pädagogischen Fachkräften“, „zu viele Kinder in der Gruppe“ und „mangelnde Ressourcen“. Dazu zählen etwa die finanzielle Unterstützung, materielle Ressourcen und Personal. Aus dem Mangel an letzterem kommt es auch zu Spannungen. So stellen für etwa 33 Prozent der MitarbeiterInnen im Ü3-Bereich und 27 Prozent im U3-Bereich zusätzliche Aufgaben aufgrund von Personalausfällen eine „sehr starke“ Belastung bei der Arbeit dar.

Personalmangel Gefahr für die Qualität des Angebots

In beiden Bildungsbereichen gibt jede fünfte Einrichtungsleitung an, dass der Personalmangel angesichts der Zahl der angemeldeten Kinder die Fähigkeit ihrer Einrichtungen, den Kindern ein qualitativ hochwertiges Umfeld zu bieten, stark beeinträchtigt.

Super Ausbildung und wenig Weiterbildung

Dabei sind die deutschen Fachkräfte prima geschult. Die Ausbildung gehört zu den besten in den Ländern, die an der Befragung teilnehmen. In Deutschland haben 97 Prozent des Personals im Kindergartenbereich und 96 Prozent des Personals im Krippenbereich ein Ausbildungsprogramm absolviert, in dem sie speziell für die Arbeit mit Kindern qualifiziert wurden. Zudem beinhaltete die Ausbildung bei rund 80 Prozent ein Praxismodul.

Anders sieht es im Bereich der Fort- und Weiterbildungen aus: Im Vergleich zu den anderen Ländern werden in Deutschland im Rahmen von Fort- und Weiterbildungen für Fachkräfte meist nur wenige Themenbereiche abgedeckt. Die Folge daraus ist, dass nur ein relativ kleiner Anteil des Personals die eigene Ausbildung in Bereichen wie der Arbeit mit Kindern mit unterschiedlichem Hintergrund (rund 35 Prozent) oder der Pädagogik (rund 25 Prozent) vertieft.

Bedenklich stimmt zudem die Situation bei den Leitungskräften. Nur 35 Prozent der LeiterInnen im Kindergarten- und 43 Prozent der Leitungen im Krippenbereich geben an, dass sie eine Schulung dafür erhielten, pädagogische Leitungsaufgaben wahrzunehmen. Das ist das niedrigste Niveau unter den teilnehmenden Ländern.

Stark bei der sozial-emotionalen Entwicklung

Am stärksten fühlen sich die Fachkräfte bezüglich ihrer Fähigkeiten, Kinder in ihrer sozial-emotionalen Entwicklung zu fördern. Bezüglich der Arbeit mit Kindern mit unterschiedlichen Hintergründen oder im Hinblick auf die Nutzung digitaler Medien zur Förderung des Lernens fühlen sie sich dagegen schwächer. Während etwa 95 Prozent der pädagogischen Fachkräfte in beiden Bildungsbereichen angeben, dass sie Kinder dabei helfen können, Selbstverstrauen aufzubauen, berichten weniger als 10 Prozent dasselbe für den Einsatz digitaler Medien.  Damit befinden sie sich in bester Gesellschaft mir ihren KollegInnen in den anderen Ländern.

Gute Kommunikation und Teilnahme

Am meisten lernen die Fachkräfte wohl von ihren Kolleginnen. In beiden Bildungsbereichen beteiligt sich das meiste pädagogische Personal wöchentlich oder sogar täglich an gemeinsamen Aktivitäten  über verschiedene (Alters-)Gruppen hinweg. Leider geben nur 40 Prozent ihren KollegInnen auch so häufig Feedback über ihre berufliche Praxis.

Sehr positiv ist das Bild bezüglich der Beteiligungsmöglichkeiten. 80 Prozent des pädagogischen Personals in Deutschland ist der Meinung, dass ihre Einrichtung ihnen die Möglichkeit bietet, sich an Entscheidungsprozessen zu beteiligen.

Gesundheitliche Probleme

Im Vergleich zu anderen Ländern ist der Anteil am pädagogischen Personal, das erwägt, die eigene Arbeitsstelle wegen gesundheitlicher Probleme aufzugeben in Deutschland hoch. Das könnte auch auf ein erhöhtes Burnout-Risiko hindeuten. 25 Prozent der Befragten im Kindergartenbereich und 22 Prozent im Bereich Krippe erwägt den Ausstieg.

Empfehlungen für die Politik

Aufgrund dieser Erkenntnisse empfiehlt die OECD für Deutschland folgendes:

  • Schaffen von Bedingungen zur Förderung informellen, kollaborativen Lernens unter pädagogischen Fachkräften und Ausrichtung des Fort- und Weiterbildungsangebots hin zu Teamfortbildungen.
  • Verbesserung der Ausrichtung von Fort- und Weiterbildung auf verschiedene Karrierestufen unter Berücksichtigung der Bedarfe der Fachkräfte und der Qualität der Fort- und Weiterbildungsaktivitäten.
  • Status und Anerkennung erhöhen, indem sichergestellt wird, dass die Gehälter der Fachkräfte mit ihren Verantwortlichkeiten im Einklang stehen und indem Wege für den beruflichen Aufstieg innerhalb des FBBE-Sektors besser definiert werden.
  • Unterstützung von Fort- und Weiterbildung für Leitungen, indem in neue Modelle von Leitungsfortbildung investiert wird und kontinuierliche berufliche Fort- und Weiterbildung erleichtert wird.

Die vollständige Studie auf englisch finden Sie hier:
https://www.oecd-ilibrary.org/education/building-a-high-quality-early-childhood-education-and-care-workforce_b90bba3d-en 

Eine Ländernotiz für Deutschland finden Sie unter:
http://www.oecd.org/education/school/TALIS-Starting-Strong-2018-Vol2-Germany-de.pdf

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