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Rollenspiele für die Gruppenarbeit in der Schule

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  • Beitrags-Kategorie:Praxis

Spiele und Methoden zum Ausprobieren neuer Verhaltensmöglichkeiten

Rollenspiele bieten sich an, um neue Verhaltensmöglichkeiten auszuprobieren. Diese Methode lässt sich für viele verschiedene Themen einsetzen, beispielsweise „Gewalt an der Schule“.

Anspiel

Die Kinder teilen sich in Kleingruppen zu je vier Kindern auf. Jede Gruppe bereitet ein kurzes szenisches Spiel vor. Darin soll eine Konfliktsituation dargestellt werden. Die erste Gruppe beginnt und spielt ihren Konflikt bis zu dem Punkt, an dem er eskaliert. Ein Ende wird also nicht gezeigt. Die zweite Gruppe darf sich kurz zur Beratung zurückziehen. Anschließend spielt sie die angefangene Szene der ersten Gruppe zu Ende. Dabei versucht sie, eine Lösungsmöglichkeit für den Konflikt darzustellen. Die gesamte Großgruppe spricht im Anschluss über den Konflikt und die angebotene Lösung. Weitere Möglichkeiten zur Konfliktbewältigung werden gesammelt, bevor dann die zweite Gruppe ihre vorbereitete Spielszene vorführt.

Live am frühen Abend

Die Spielleitung hat ein Rollenspiel vorbereitet, in dem unterschiedliche Aspekte eines Themas diskutiert werden sollen. Im folgenden Beispiel soll das Piercing von Jugendlichen in einer Talkshow diskutiert werden.

Dazu sind eingeladen:

  • Herr Dr. Ganzwohl, Mediziner,
  • Herr Nadelstich, Piercingspezialist und Tattoomeister,
  • Frau Sauerbier, eine betroffene Mutter,
  • Isabell Neumacher, eine Jugendliche, die sich gepierct hat.

Vier Kinder suchen sich je eine Rolle aus. Die anderen Kinder verteilen sich gleichmäßig auf vier Gruppen und ziehen sich mit jeweils einem Schauspieler zurück. Gemeinsam arbeiten sie das Informationsmaterial durch, das die Spielleitung für die einzelnen Rollen besorgt hat. Dr. Ganzwohl z. B. bekommt für sich und seine Gruppe Informationen über die Gefahren des Piercings. Gemeinsam legen die Gruppen eine Argumentationsstrategie fest. Unterdessen richtet die Spielleitung im Gemeinschaftsraum ein Studio mit einer Bühne her, auf der die geladenen Gäste diskutieren werden.

Die Zuschauer, die sich später auch zu Wort melden dürfen, sitzen in Reihen hintereinander. Die Spielleitung eröffnet das Gespräch, heizt mit Sprüchen die Atmosphäre etwas an und leitet die Diskussion. Zuerst darf jeder Gast auf der Bühne sein Statement vortragen. Anschließend diskutieren die Experten ein wenig, bevor die Zuschauer in die Diskussion einsteigen oder Fragen stellen. Nach etwa einer halben Stunde bricht die Spielleitung die Runde ab und die Kinder diskutieren gemeinsam weiter. Dabei achtet die Spielleitung darauf, dass die Informationen aus dem Rollenspiel nicht verloren gehen, sondern als wichtige Aspekte in die Diskussion einbezogen werden.

Mögliche Rollenvorgaben:

Herr Dr Ganzwohl

hat sich der ganzheitlichen Medizin verschrieben. Er glaubt, dass bereits durch Ohrringe wichtige Akupunkturpunkte vernichtet werden. Dabei weist er immer wieder auf die hohe Infektionsgefahr hin, die beim Piercing besteht und spricht von Erfahrungen mit Patienten, die das Piercing wieder entfernen lassen mussten, weil sich die Entzündungen nicht besserten. Er geht davon aus, dass die Ringe vom menschlichen Körper als Fremdkörper wahrgenommen werden, gegen die er permanent kämpft, wodurch das Immunsystem geschwächt werden kann.

Zusätzliche Informationen: Medizinische Broschüren über das Piercing, Zusammenstellung der Gefahren für den Körper.

Herr Nadelstich

ist ein angesehener Tattoo- und Piercingmeister. Er kennt sich in diesem Geschäft gut aus und hat noch keine Komplikationen erlebt wenn sich die Kunden an seine Anweisungen gehalten haben. Herr Nadelstich schließt aber nicht aus, dass es bei manchen Menschen zu allergischen Reaktionen kommen kann. Er weiß, dass er die Zustimmung der Eltern braucht um ein Piercing bei Jugendlichen vornehmen zu dürfen, und achtet penibel genau darauf.

Zusätzliche Informationen: In einem Tattoostudio einholen, in dem gepierct wird. Klären, welche Hautschichten verletzt werden, was zum Beispiel mit den vielen Nerven auf und im Zungengewebe passieren kann.

Frau Sauerbier

ist empört, weil sich ihre Tochter ohne Erlaubnis piercen hat lassen. Sie überlegt, ob sie gegen das Studio, in dem dies geschehen ist, Anzeige erstatten soll. Sie befürchtet, dass ihre Tochter diesen Schritt später bereuen wird. Außerdem empfindet sie diesen neumodischen Kram als eine Art jugendlicher Aufmüpfigkeit. Die Kinder sollen sich auf den Ernst des Lebens konzentrieren.

Zusätzliche Informationen: Rechtliche Grundlagen zur Fürsorgepflicht der Eltern. Liegt eine Körperverletzung der Tochter von Seiten des Studios vor? Was müssen Eltern und Jugendliche beachten, wenn sie sich tätowieren oder piercen lassen?

Isabell Neumacher

21 Jahre alt, hat seit fünf Jahren Piercings. Immer wieder lässt sie sich neue Piercings machen und hatte bisher noch keine einzige Infektion. Sie erzählt ein bisschen über ihre Beweggründe und warum sie Piercings so schön findet.

Zusätzliche Informationen: Von Jugendlichen in Erfahrung bringen, was ihnen am Piercing gefällt.

Um in einer Gruppe sofort einen Überblick darüber zu bekommen, wie die Auffassungen verteilt sind, eignet sich eine Meinungsskala. Damit wird auf einen Blick erkennbar, wie nah oder fern sich die Kinder inhaltlich stehen.

Meinungsskala

Die Spielleitung hat auf dem Boden mit Klebestreifen eine Skala aufgezeichnet. Die Skala beginnt an einem Ende mit: „Ja, genauso ist das!“ und endet am anderen Ende mit: „Nein, das stimmt überhaupt nicht!“ Dazwischen gibt es Feinabstufungen wie „Fast bin ich dieser Meinung“ oder „Ich bin mir nicht so sicher“. Die Gruppenleitung achtet darauf, dass die Aussagen so formuliert sind, dass sie vom oberen zum unteren Ende der Skala inhaltlich immer weiter in Richtung „Nein, so ist es nicht“ tendieren.

Alle Kinder stehen an der Skala. Die Spielleitung stellt die erste Behauptung auf: „Ins Gefängnis kommt nur jemand, der es selbst verschuldet hat“. Die Kinder überlegen sich, wie sehr sie mit dieser Aussage gedanklich übereinstimmen und ordnen sich dann auf der Skala entsprechend ein. Zunächst wird gar nicht näher darauf eingegangen, es sei denn, ein Kind steht ganz allein an einem Ende der Skala. Dann darf es kurz etwas zu seiner Entscheidung sagen, wenn es möchte. Erst nachdem alle Aussagen vorgelesen worden sind und sich die Kinder entsprechend ihrer Meinung zur jeweiligen Behauptung eingeordnet haben, beginnt die Diskussion. Weitere Aussagen zum Thema „Gefängnis“ könnten sein:

  • Den Menschen im Gefängnis geht es viel zu gut.
  • Wer einmal ein Verbrechen verübt hat, wird es immer wieder tun.
  • Viele Verbrecher sollten für immer weggesperrt werden.
  • Für die Resozialisation der Gefangenen wird in Deutschland viel zu wenig getan.
  • Im Grunde kann es jedem passieren, kriminell zu werden.
  • Wer süchtig ist, sollte medizinisch und psychologisch behandelt und nicht für seine Beschaffungskriminalität bestraft werden.

Eine für Kinder immer wieder überraschende Übung ist die nächste. Dabei erkennen sie vor allem, dass sich manches anders anfühlt als es aussieht Es geht darum zu begreifen, dass die eigene innere Realität mit der äußeren Realität oder mit der Realität von anderen Menschen nicht unbedingt übereinstimmen muss.

Es ist nicht so, wie es sich anfühlt

Die Spielleitung legt in der Mitte eines Sitzkreises Zeichenpapier und Zeichenkreide aus. Die Kinder schließen die Augen und halten sie solange geschlossen, bis die Spielleitung ihnen erlaubt, sie wieder zu öffnen. Während alle die Augen geschlossen haben, wird jedem Kind ein besonderer Stein in die Hand gegeben. Die Kinder befühlen ihren Stein und versuchen, ihn sich genau vorzustellen. Dabei überlegen sie sich auch, welche Farbe der Stein haben könnte. Es wäre gut, wenn die Spielleitung verschiedenfarbige Steine besorgen könnte.

Wenn sich die Kinder ihren Stein genau eingeprägt haben, legen sie ihn vor sich auf den Boden. Die Spielleitung sammelt die Steine wieder ein und deckt sie zu. Sind alle Steine verstaut, dürfen die Kinder die Augen öffnen. Sie nehmen nun, ohne miteinander zu sprechen, ein Blatt Papier und Kreide und malen ihren Stein auf. Danach legt die Spielleitung die Steine wieder in die Mitte und jedes Kind versucht, seinen Stein wieder zu finden und neben den gemalten Stein zu legen.

Die Kinder vergleichen die Steine mit ihrem Bild und äußern sich dazu. War es angenehm, den Stein in der Hand zu halten? Wie bin ich auf die Farbe gekommen? Habe ich Mulden als zu klein oder zu groß empfunden und habe ich sie überhaupt gemalt? Anschließend sprechen die Kinder darüber, wie sich ihr inneres Bild von der Realität unterscheidet.

Im folgenden Spiel können die einzelnen Kinder erfahren, wie viel Vertrauen sie in die Gruppe haben:

Gassenlauf

Die Gruppe bildet eine Gasse, indem sich die Kinder in zwei Reihen gegenüber aufstellen und ihre Arme nach oben ausstrecken, und zwar so, dass sich immer abwechselnd der Arm eines Kindes aus der einen Reihe neben dem Arm des gegenüberstehenden Kindes befindet. Es ist wichtig, dass die Kinder vor Spielbeginn erfahren, dass es um das Thema „Vertrauen“ geht. Zum Vertrauen gehören immer zwei, einer, der das Vertrauen gibt, und ein anderer, der es annimmt. Es handelt sich also um einen Prozess, an dem alle Kinder beteiligt sind. Wenn es ums Vertrauen geht, sind Scherze unangebracht.

Ein Kind stellt sich nun an den Eingang der Gasse, ruft: „Ich komme!“ und rennt durch die Gasse hindurch. Dabei nehmen alle anderen Kinder die Arme direkt vor dem laufenden Kind hoch und senken sie nach ihm wieder herunter. Wie bei einem Reißverschluss, der sich öffnet und wieder schließt. Die Gruppenleitung sollte zuerst einmal langsam durch die Gasse gehen und danach etwas schneller laufen, damit alle Kinder den Vorgang einmal geübt haben.

Jedes Kind bestimmt selbst sein Lauftempo. Bremst ein Kind das eigene Tempo jedoch stark ab, sollte ihm die Gruppenleitung anbieten, noch einmal zu laufen, damit es für sich einen Erfolg erleben kann. Nach jedem Lauf fragt die Gruppenleiterin das Kind, wie es den Lauf erlebt hat. Waren alle an der Reihe, setzen sich die Kinder zusammen und werten das Erlebte miteinander aus.

Dabei strukturiert die Gruppenleitung das Gespräch anhand von Fragen, wie:

  • Was macht es leicht oder schwer, jemandem sein Vertrauen zu schenken?
  • Warum habe ich zu manchen mehr und zu anderen weniger Vertrauen?
  • Was ist Vertrauen eigentlich?
  • Ist Vertrauen in sich selbst dasselbe wie Vertrauen in andere? Was ist wichtiger?
  • Wie entwickle ich Vertrauen in mich selbst?
  • Ist Vertrauen in mich selbst eine Voraussetzung dafür, Vertrauen in andere entwickeln zu können?
spiel ist mehr als spass

Diesen Artikel haben wir aus folgendem Buch entnommen:
Spiel ist mehr als Spaß
Spiele und Methoden für die Gruppenarbeit

Baum, Heike
ISBN: 9783944548180
144 Seiten, 7,95 €
Burckhardthaus-Laetare

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