Eine britische Studie findet keinen Klimaeffekt durch Enkelkinder. Deutsche Daten zeichnen jedoch ein anderes Bild
„Wir müssen unseren Kindern und Enkelkindern eine lebenswerte Welt hinterlassen.“ Kaum ein Satz verbindet Klimaschutz so unmittelbar mit der Verantwortung zwischen den Generationen. Doch führt die Geburt eines Enkelkindes tatsächlich dazu, dass sich Großeltern mehr Sorgen um den Klimawandel machen?
Dieser Frage sind Lieke Voorintholt von der Universität Trier sowie Gerard J. van den Berg und Adriaan R. Soetevent von der Universität Groningen nachgegangen. Ihre Studie ist im Fachjournal European Economic Review erschienen.
Keine stärkeren Klimasorgen nach der Geburt
Die Forschenden werteten Daten der britischen Langzeitstudie „Understanding Society“ aus. Ihr Vorteil: Dieselben Menschen werden über längere Zeit immer wieder befragt. Dadurch konnten die Wissenschaftler untersuchen, ob sich die Einstellung zum Klimawandel verändert, wenn jemand Großmutter oder Großvater wird.
Das überraschende Ergebnis: Die Forschenden fanden keine empirischen Belege dafür, dass der Übergang zur Großelternschaft die Sorgen über den Klimawandel erhöht. Zwei unterschiedliche statistische Untersuchungsansätze führten zu einem ähnlichen Resultat.
Das bedeutet allerdings nicht, dass Großeltern der Klimawandel gleichgültig wäre. Untersucht wurde vielmehr eine viel engere Frage: Verändert sich die Klimasorge eines Menschen dadurch, dass er Großmutter oder Großvater wird?
Eine deutsche Studie kommt zu einem anderen Ergebnis
Wie vorsichtig solche Ergebnisse interpretiert werden müssen, zeigt eine nahezu zeitgleich veröffentlichte Untersuchung aus Deutschland. Forschende werteten dafür Daten aus 38 Erhebungswellen des Sozio-oekonomischen Panels aus und begleiteten Menschen von zwei Jahren vor der Geburt des ersten Enkelkindes bis zu elf Jahre danach.
Dabei zeigte sich ein anderes Bild: Nach dem Übergang zur Großelternschaft nahmen die Sorgen um Umwelt und Klima tendenziell zu. Besonders deutlich wurde der Zusammenhang, wenn die Enkelkinder älter wurden. Bei den Umweltsorgen zeigten sich statistisch signifikante Veränderungen vor allem ab dem Schulalter.
Warum die Studien zu unterschiedlichen Ergebnissen kommen, lässt sich nicht mit Sicherheit sagen. Die Untersuchungen unterscheiden sich unter anderem bei den verwendeten Daten, den Beobachtungszeiträumen und bei der Messung von Klimasorgen.
Vorsicht mit einfachen Botschaften
Gerade dieser Widerspruch macht beide Untersuchungen interessant. Offenbar lässt sich die Beziehung zwischen Enkelkindern und Klimabewusstsein nicht auf die einfache Formel bringen: „Wer Enkel bekommt, sorgt sich stärker um das Klima.“
Hinzu kommt eine methodische Einschränkung der britischen Untersuchung: Klimasorge wurde dort unter anderem über die Zustimmung zu der Aussage erfasst, die Auswirkungen des Klimawandels lägen zu weit in der Zukunft, um sich darüber Sorgen zu machen. Die Forschenden haben in einer weiteren Studie selbst gezeigt, dass bereits kleine Veränderungen in der Formulierung solcher Fragen die Antworten beeinflussen können.
Für Eltern, Großeltern und pädagogische Fachkräfte bleibt deshalb eine interessante Erkenntnis: Beziehungen zwischen den Generationen können den Blick auf die Zukunft prägen. Wie stark sie Einstellungen zum Klimawandel tatsächlich verändern, ist wissenschaftlich jedoch noch keineswegs abschließend geklärt.
Studien:
Lieke Voorintholt, Gerard J. van den Berg & Adriaan R. Soetevent (2026): For the future of our grandchildren: Grandparenthood and climate change concerns. European Economic Review, 190, 105482.
Valeria Bordone, Tobias Wiß, Gerrit Bauer et al. (2026): Becoming a grandparent and worrying about the environment and climate change: evidence from German panel data. Population and Environment, 48, 24.


