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Entwicklungsstände bei Kita-Kindern früh erkennen und gezielt fördern

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Neue Orientierungshilfe für Kitas und Träger

Die Beobachtung und Dokumentation der kindlichen Entwicklung gehört seit vielen Jahren zu den zentralen Aufgaben pädagogischer Fachkräfte. Vor dem Hintergrund geplanter bundesweiter Sprach- und Entwicklungsstandserhebungen gewinnt die Auswahl geeigneter Instrumente zunehmend an Bedeutung. Die Ständige Wissenschaftliche Kommission (SWK) hatte zuletzt darauf hingewiesen, dass zahlreiche der derzeit eingesetzten Verfahren qualitative Schwächen aufweisen oder nur eingeschränkt aussagekräftig sind.

kompetenzfeststellung-expertise

Um Kitas und Träger bei der Auswahl geeigneter Instrumente zu unterstützen, hat die pädquis Stiftung im Auftrag der Stiftung Kinder forschen die Expertise „Früh erkennen, gezielt fördern: Verfahren zur Entwicklungs- und Kompetenzfeststellung bei Kindern“ erstellt. Die Untersuchung bietet einen fundierten Überblick über wissenschaftlich geprüfte und praxisnahe Verfahren zur Erfassung kindlicher Entwicklungsstände.

Warum die Wahl des richtigen Verfahrens entscheidend ist

Pädagogische Fachkräfte begleiten Kinder täglich in ihrer sprachlichen, kognitiven, sozial-emotionalen und motorischen Entwicklung. Dabei dokumentieren sie Stärken, Lernfortschritte und mögliche Unterstützungsbedarfe mithilfe von Beobachtungsbögen oder digitalen Anwendungen.

Die Analyse zeigt jedoch deutliche Unterschiede zwischen den verfügbaren Instrumenten. Viele Verfahren erfassen lediglich einzelne Entwicklungsbereiche, während andere als veraltet gelten oder sich im pädagogischen Alltag nur schwer umsetzen lassen. Zudem fehlt bei manchen Angeboten eine ausreichende wissenschaftliche Grundlage.

Ganzheitliche Verfahren mit praktischem Nutzen

Im Mittelpunkt der Expertise stehen Verfahren, die die Entwicklung von Kindern umfassend erfassen. Berücksichtigt werden unter anderem die Bereiche Sprache, Kognition, Motorik, Mathematik sowie Selbstregulation.

Die untersuchten Instrumente wurden hinsichtlich ihrer wissenschaftlichen Qualität, ihrer Praxistauglichkeit und ihres Nutzens für die pädagogische Arbeit bewertet. Besonders wichtig war dabei die Frage, ob die Verfahren konkrete Hinweise für die individuelle Förderung von Kindern liefern.

„Bei der großen Menge an unterschiedlichen Verfahren kann die Auswahl schnell überfordern“, sagt Dr. Tobias Ernst, Vorstand der Stiftung Kinder forschen. „Viele sind sehr teuer und kompliziert in der Handhabung. Das nützt weder dem Träger noch den Fachkräften. Die Studie hat Verfahren identifiziert, die Erzieherinnen und Erziehern direkte Förderempfehlungen geben und somit einen echten pädagogischen Mehrwert liefern. Damit lässt sich gute Bildungsarbeit verlässlich steuern.“

Mehr Bildungsgerechtigkeit durch frühzeitige Förderung

Nach Einschätzung der Stiftung Kinder forschen kann der flächendeckende Einsatz wissenschaftlich fundierter Verfahren einen wichtigen Beitrag zur Verbesserung der Bildungsgerechtigkeit leisten. Entwicklungsbedarfe könnten deutlich früher erkannt und individuelle Fördermaßnahmen gezielter umgesetzt werden.

„Wenn Kinder bei der Einschulung weder ausreichend sprechen noch gut einen Stift halten können, unruhig sind oder einfaches Zählen nicht beherrschen, dann wurden bei der Frühförderung wichtige Chancen vertan“, ergänzt Ernst. „Dabei könnten wir mit den richtigen Instrumenten und entsprechender Qualifizierung pädagogischer Fachkräfte frühzeitig Bedarfe in der kindlichen Sprach- und Kompetenzentwicklung aufdecken und diese gezielt und individuell fördern.“

Diese Verfahren erzielten die besten Bewertungen

Für die Expertise wurden insgesamt 25 Verfahren untersucht. Mehrere Instrumente konnten dabei mit sehr guten Ergebnissen überzeugen. Besonders positiv wurden die Verfahren MONDEY und Vineland-3 bewertet.

Katharina Kluczniok, Professorin für Frühkindliche Bildung und Erziehung sowie Co-Autorin der Expertise, erklärt: „Die am besten bewerteten Verfahren überzeugen besonders durch die Kombination aus wissenschaftlicher Qualität, breiter Erfassung kindlicher Entwicklung und guter Praxistauglichkeit.“

Darüber hinaus sehen die Autorinnen und Autoren auch bei anderen Verfahren großes Potenzial. Da die Instrumente unterschiedliche Schwerpunkte setzen, können sie je nach Zielsetzung sinnvoll miteinander kombiniert werden.

Kluczniok betont: „Wie geeignet ein Verfahren ist, hängt jedoch letztlich auch vom jeweiligen Einsatzbereich und den Anforderungen in der Praxis ab.“

Wissenschaftlich fundierte Diagnostik als Grundlage erfolgreicher Förderung

Für die Stiftung Kinder forschen steht fest, dass die Erhebung von Entwicklungsständen eine zentrale Voraussetzung für eine erfolgreiche Bildungsarbeit ist. Entscheidend sei dabei die Nutzung wissenschaftlich fundierter Instrumente, die verlässliche Ergebnisse liefern und Fachkräften konkrete Handlungsmöglichkeiten eröffnen.

„Wichtig ist, dass der Entwicklungsstand überhaupt erhoben wird – mit einem wissenschaftlich fundierten Instrument, das verlässliche Daten liefert, auf deren Basis eine Fachkraft das Kind gut fördern kann“, so Ernst. Damit greift er eine zentrale Empfehlung des SWK-Gutachtens auf.

Über die pädquis Stiftung

Die pädquis Stiftung ist ein unabhängiges und gemeinnütziges Institut, das seit mehr als 25 Jahren zur Weiterentwicklung der pädagogischen Qualität in frühkindlichen Bildungseinrichtungen beiträgt. Durch Evaluationen in Kitas und Krippen liefert die Stiftung datenbasierte Erkenntnisse für Kitaleitungen, Träger, Kommunen sowie Landes- und Bundesministerien. Ziel ist die kontinuierliche Verbesserung der pädagogischen Praxis. Prof. Dr. Katharina Kluczniok ist Vorstandsvorsitzende der pädquis Stiftung und Professorin für Frühkindliche Bildung und Erziehung an der Freien Universität Berlin.

Über die Stiftung Kinder forschen

Die Stiftung Kinder forschen engagiert sich bundesweit für hochwertige frühe Bildung in den Bereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik (MINT). Ziel ist es, Kinder frühzeitig für Zukunftsthemen zu begeistern und sie zu nachhaltigem Handeln zu befähigen.

Quelle: Pressemitteilung Stiftung Kinder forschen

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