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Didacta in Köln: Prof. Ferdinand Klein empfiehlt Vortrag von Armin Krenz

„Kinder haben ein RECHT auf ihre Kindheit“ – Plädoyer für kindorientierte Pädagogik

Hinweis von Prof. Dr. Ferdinand Klein zum Vortrag von Prof. Dr. Armin Krenz auf Europas größter Bildungsmesse, der didacta in Köln:

Titel des Vortrags:
„Kinder haben ein RECHT auf ihre Kindheit – Ein Plädoyer für eine kind(heits)orientierte Elementarpädagogik“
Termin: 10.03.2026, 14:00–15:00 Uhr
Ort: didacta Köln, Halle 8, Stand D 046

Der international bekannte und renommierte Kindheitsforscher Armin Krenz (Hon. Prof. für Entwicklungspsychologie & Elementarpädagogik a. D.) setzt sich seit über 45 Jahren in Vorträgen und Büchern immer wieder dafür ein, dass Kinder auch in Kindertageseinrichtungen förderliche Entwicklungsbedingungen vorfinden, die dazu beitragen, dass sie in Selbstbildungsprozesse hineinfinden können, partizipatorisch bei der Planung, Gestaltung und Durchführung einer lebendigen Alltagspädagogik beteiligt werden, sich mit Fachkräften verbunden fühlen und ihnen Fachkräfte mit wertschätzenden Beziehungsangeboten begegnen. Eine alltagsorientierte Pädagogik, die gemeinsam mit Kindern gelebt wird, macht didaktisch konzipierte Förderprogramme vielfach überflüssig.

Kinder sind keine Marionetten, die sich nach den Erwartungen und Vorstellungen der Erwachsenen oder von Wirtschaftsverbänden zu richten haben, sondern Menschen, die Entwicklungsrechte in Anspruch nehmen können, so wie diese in der UN-Charta „Rechte des Kindes“ festgeschrieben, durch den Deutschen Bundestag ratifiziert wurden und seit dem 05.04.1992 in Kraft getreten sind.

Krenz wies bereits in der Onlineveranstaltung am 18. September 2025Kitas brauchen eine radikale pädagogische Kehrtwende zum KIND“ auf die dringend gebotene Bildungswende von unten hin (Mitschnitt auf YouTube: https://youtu.be/mMSZkMTDIzI). Diese Wende zum KIND begründet Krenz in fünf aktuellen Werken.

Erziehung aus der Begegnung heraus gestalten

Mit Janusz Korczak über inklusionspädagogische Grundfragen nachdenken

© Ferdinand Klein[1]


Coverbild des Buches Klein, F. (2025)

Einführender Impuls

Das Coverbild und der Text verweisen auf den polnischen Kinderarzt, Pädagogen und Schriftsteller Janusz Korczak. Auf dem Fundament seiner „fröhlichen Pädagogik der Achtung“ (Näheres in Klein 1996) gründet der fachliche Dialog, den Armin Krenz und der Autor seit bald 30 Jahren pflegen. Krenz begleitet mit wertschätzender Haltung und fachlicher Kompetenz mein (heil)päd­agogisches Bemühen in Wissenschaft und Praxis, das in Korczaks Pädagogik verankert ist.

Korczak zeigt zeitüberdauernd, „Wie man ein Kind lieben soll“ (Andresen 2018). Er wollte seine Waisenkinder nicht allein lassen und begleitete sie bis ins Konzentrationslager Treblinka (Näheres in Klein 2022). Seine beziehungsgestaltende Pädagogik ist besonders für die Erziehung in Kindertageseinrichtungen aktuell. Darauf macht Armin Krenz mit Herzenskraft unermüdlich aufmerksam.

Vorbemerkung

Die Veranstaltung hätte auch folgende Überschriften tragen können:

  • Mehr KIND! Mehr Persönlichkeit und weniger Formalismus/Dirigismus: BILDUNGSWENDE jetzt!
  • Kinder müssen wieder Ausgangs- und Mittelpunkt der Pädagogik sein: BILDUNGSWENDE jetzt!
  • Kinder brauchen Menschen, Spiel und Seelenproviant und keine didaktisierten Förderprogramme: BILDUNGSWENDE jetzt!

Während die von allen Seiten geforderten und zugleich notwendigen Qualitätsstandards und Verbesserungen für professionelles Handeln im Erzieher*innenberuf sowie eine konsequentere kindorientierte Konzeptionsumsetzung immer lauter werden, geraten die wirklich grundlegenden, lebensbedeutsamen, nachhaltig wirksamen und dringend notwendigen Bedürfnisse von Kindern zunehmend ins Abseits der geforderten Umsetzung des Erziehungs-, Bildungs- und Betreuungsauftrags nach dem Sozialgesetzbuch (SGB, 8. Bd., 2. Hlb).

Der Kindheitspädagoge wendet sich im Vortrag – ebenso wie in seinen aktuellen Büchern – an pädagogische Fachkräfte, Eltern und politische Entscheidungsträger sowie an alle, die sich für eine kindgerechte Bildungspolitik und Elementarpädagogik engagieren möchten. Gerade Vorträge vor vielen hundert Teilnehmenden (darunter auch aus der Politik) mit anschließender Diskussion finden ein überaus großes Echo – in Deutschland ebenso wie in europäischen Nachbarländern.

Krenz antwortet aus reflektierten und langjährigen Erfahrungen, aus eigenen wissenschaftlichen Erkenntnissen und weiteren Forschungsergebnissen heraus auf aktuelle Missstände in der frühkindlichen Bildung, Erziehung und Betreuung, die sich in immer schnellerem Tempo fortsetzen:

  • Im Gegensatz zu vielen politischen Mandatsträgern, die sich häufig mit wohlfeilen Worten und ohne kenntnisgeleiteten Praxisbezug äußern, hat sich die Realität in Kindertageseinrichtungen in den vergangenen Jahren weiter dramatisch verschärft – nicht nur für pädagogische Fachkräfte, sondern vor allem (neben den Eltern) für die Kinder selbst – mit nachhaltig dramatischen Folgen für deren psychosoziale und kognitive Entwicklung.
  • Viele Fachkräfte fühlen sich im Spannungsfeld zwischen fachlichem Anspruch (abgeleitet aus wissenschaftlichen Erkenntnissen) und strukturellen, institutionellen sowie personellen Mangelsituationen zunehmend zerrieben. Krankenmeldungen haben deutlich zugenommen, arbeitsbezogene und zugleich innere Kündigungen häufen sich, Burnout-Symptome treten häufiger auf. Teams sind überlastet; vieles zerfällt in Einzelkämpfertum, ungelöste Teamkonflikte nehmen zu – und übertragen sich auf Kinder, die dies in Verhaltensirritationen ausdrücken.
  • Viele Eltern sind – aus unterschiedlichen Gründen – zunehmend schwer erreichbar. Ausbildungsstandards in Fachschulen wurden mancherorts abgesenkt, um dem Erzieherinnenmangel entgegenzuwirken; zugleich wird ein Professionalitätsniveau erreicht, das dem Anspruch des Berufes widerspricht. Außerdem bringen manche Quereinsteigerinnen – oftmals nur mit Minimalfortbildung – zusätzliche Unruhe in das Kollegium und in die Lebenswelt der Kinder, wodurch Entwicklungsprozesse gestört werden.
  • So finden wir immer häufiger eine Pädagogik vor, die Kindern in ihrer sensiblen Entwicklungsphase weder Stabilität noch verlässliche Begleitung bieten kann – mit allen bekannten, nachhaltigen Folgen für kindliches Verhalten und damit auch für die gesellschaftliche Zukunft.

1. Erkenntnis für eine persönlichkeitsprägende Kita-Praxis

  • Die Veranstaltung und die fünf rezensierten Werke rufen dazu auf, gemeinsam für eine seit über zwei Jahrzehnten dringend erforderliche Bildungswende von unten zu sorgen. Pädagogik muss endlich kindgerecht, zuverlässig, beziehungsstark und entwicklungsförderlich gestaltet werden (können). Kinder sind keine Datenpunkte, keine zu verwaltenden Objekte und kein „Humankapital“.
  • Kinder wollen schöpferisch tätig, aktiv und partizipatorisch beteiligt sein – nicht permanent in die Rolle von Reakteur*innen gedrängt werden.
  • Es geht um eine Pädagogik mit Kindern, um eine „Bildung durch Bindung“ (Krenz/Klein 2013), um intrinsisch motivierte Kinder, die aus ihrem Erleben heraus fühlen wollen, wer sie sind, welchen Stellenwert sie in ihrem Umfeld haben und was sie entdecken, unternehmen und bewirken können.
  • Kinder brauchen dazu emotional stabile, sozial denkende und handelnde, kommunikationsfreundliche und handlungsaktive Persönlichkeiten, die sich u. a. durch Selbstbewusstsein, Leistungsfreude, Mut, Selbstfürsorge, Geduld, Verlässlichkeit, Zutrauen, Humor, Optimismus, Lernmotivation, Anstrengungsbereitschaft, Selbstreflexion und Perspektivorientierung auszeichnen.
  • Diese Persönlichkeiten schaffen ein wertschätzendes, emotional warmes Beziehungsklima, eine fehlerfreundliche, Sicherheit vermittelnde Atmosphäre, geben Klärungsimpulse bei Konflikten und realisieren partizipative, werteorientierte und inklusive Pädagogik – mit einer gepflegten Kommunikations-, Interaktions-, Spiel-, Sprach- und Naturerlebniskultur.

Geboten ist eine differenzierte Betrachtung der Bildungswende. Darauf weisen die Impulse zum „Situationsorientierten Ansatz“ und die Rezensionen der fünf einander ergänzenden Bücher hin: authentische Kenntnis der Praxis, Erleben vor Ort, Dabeisein in Kindertageseinrichtungen sowie im Außenbereich der Einrichtungen – und ein face-to-face-Resonanzempfinden.

2. Der „Situationsorientierte Ansatz“ – eine zukunftsweisende Perspektive

Entwicklung und Ziel

Der „Situationsorientierte Ansatz“ wurde in den Jahren 1984 bis 1989 von Armin Krenz im Rahmen seiner Tätigkeit am „Institut für angewandte Psychologie und Pädagogik in Kiel“ auf der Grundlage des „Situationsansatzes“ erarbeitet und hat sich in den letzten 35 Jahren als viel beachtetes elementarpädagogisches Konzept in Deutschland und im europäischen Ausland etabliert.

Der Ansatz berücksichtigt die soziokulturellen und psychologisch bedeutsamen Lebensbedingungen von Kindern und Eltern und basiert auf einem ganzheitlichen Menschenbild, das die Entwicklung aller Personen, die am Entwicklungsprozess beteiligt sind, in den Mittelpunkt rückt. Ausgangsfrage ist, welche entwicklungsförderlichen Bedingungen Kinder und Familien heute brauchen, um Ressourcen zu entdecken sowie auf- und auszubauen.

Er orientiert sich an aktuellen Erkenntnissen der Entwicklungspsychologie, Bildungsforschung, Neurobiologie und Bindungsforschung. Ziel ist es, jedes Kind zu unterstützen, Selbst-, Sach- und Sozialkompetenzen auf- und auszubauen und möglichst viele Ressourcen zu wecken, damit Entwicklung in allen Feldern möglich wird.

Grundannahmen und Eckwerte

  • Kinder haben ein Recht darauf, sich als „Gast auf dieser Welt“ zu empfinden. Dazu braucht es Fachkräfte, die Modell für Humanität, Werteorientierung, Engagement, Neugier und Selbstbildungsinteresse sind.
  • Fachkräfte sind Bündnispartner der Kinder und beachten ihre Ressourcen – entsprechend dem gesetzlichen Auftrag sowie den in der UN-Kinderrechtskonvention verankerten Entwicklungsrechten.
  • Elementarpädagogik muss sich wieder an bedeutsamen Wertebereichen orientieren: Sprach-, Ess-, Spiel- und Konfliktkultur sowie alltagsorientierte Lern- und Umgangskultur.
  • Der Mensch kann Zukunft aktiv gestalten, wenn belastende Erfahrungen bearbeitet werden können: Klärung/Bereinigung aktualisierter Ereignisse sorgt für Entlastung und macht Ressourcen verfügbar.
  • Keine isolierten, funktionsorientierten Programme, sondern lebensbedeutsame Themen und kindorientierte Schwerpunkte, die sich an Interessen der Kinder orientieren.
  • Das Spiel bildet den Mittelpunkt, eng vernetzt mit Lern- und Schulfähigkeit; eine vorgezogene Schuldidaktik findet keinen Platz.

Kita als Spiel- und Erfahrungsraum

Im Sinne Friedrich Fröbels wird die Kita als bedeutsamer Spiel- und Erfahrungsraum verstanden, in dem Kinder mit Freude und Neugier in Sinnzusammenhängen tätig sein, Erfahrungen machen und mit anderen Kindern sowie bindungsorientierten Erwachsenen leben, spielen und lernen können. Der Ansatz lehnt altersgleiche Gruppen und fest programmierte Tagesabläufe ab und widerspricht Ausgrenzung. Er ermöglicht grundlegende soziale Erfahrungen, die sich auf emotionale und kognitive Entwicklung nachhaltig positiv auswirken (Klein 2019).

Er baut auf Einsichten klassischer Pädagog*innen (Fröbel, Montessori, Steiner, Korczak) auf und bindet aktuelle Erkenntnisse der Entwicklungs- und Sozialpsychologie sowie zur Personqualität und zum Qualitätsmanagement ein (Klein 2019).

Literaturhinweise und Links

  • Andresen, S. (2018): Wie liebt man Kinder – eine kindheitstheoretische Einordnung Janusz Korczaks. In: Korczak, J.: Wie man ein Kind lieben soll. 17. überarbeitete Auflage. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht, VII–XXVII.
  • Klein, F. (1996): Janusz Korczak. Sein Leben für Kinder – sein Beitrag für die Heilpädagogik. Heilbronn: Klinkhardt.
  • Klein, F. (2019): Inklusive Erziehungs- und Bildungsarbeit in der Kita. Heilpädagogische Grundlagen und Praxishilfen. Köln: Bildungsverlag EINS.
  • Klein, F. (2022): Janusz Korczak. Die Aktualität seiner Pädagogik. Regensburg: Walhalla.
  • Klein, F. (2025): Erziehung aus der Begegnung heraus gestalten. Mit Janusz Korczak über inklusionspädagogische Grundfragen nachdenken. Freiburg: BurckhardtHaus.
  • Krenz, A. (2019): Kinder brauchen Seelenproviant. Was wir ihnen für ein glückliches Leben mitgeben können. München: Kösel.
  • Krenz, A. (2025a): Berufsbild Erzieherin. Grundsatzgedanken zum Selbstverständnis eines sehr anspruchsvollen Berufs.* Freiburg: BurckhardtHaus.
  • Krenz, A. (2025b): SPIEL UND SELBSTBILDUNG. Kitas brauchen eine pädagogische Revolution. Freiburg: BurckhardtHaus.
  • Krenz, A. (2025c): Beobachtung und Entwicklungsdokumentation. Grundlagen – Praxisbeispiele – Beobachtungsliste – Dokumentationsmuster. Freiburg: BurckhardtHaus.
  • Krenz, A. (2025d): Merkmale einer guten Kita-Pädagogik – Das Praxisbuch für Qualität in der frühen Bildung. Was in Kitas oftmals vergessen, zurückgestellt oder außer Acht gelassen wird. Freiburg: BurckhardtHaus.
  • Krenz, A. (2025e): Ganzheitliche Pädagogik verstehen und leben. Wie Kinder durch Beziehung, Sinneserfahrung und Selbstbildung nachhaltig wachsen – ein Leitfaden für pädagogische Fachkräfte, Lehrkräfte und Eltern. Freiburg: BurckhardtHaus.
  • Krenz, A./Klein, F. (2013): Bildung durch Bindung. Frühpädagogik: inklusiv und kindorientiert. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht.
  • www.beobachten-und-dokumentieren.de
  • https://www.bertelsmann-stiftung.de

Prof. Dr. Ferdinand Klein

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