Eine internationale Studie zeigt: Schon Vierjährige unterstützen andere Kinder. Wie sie helfen, hängt auch von ihrer kulturellen Umgebung ab
Ob in Deutschland, Kenia oder Bolivien: Kinder helfen anderen Kindern, wenn diese Unterstützung benötigen. Das zeigt eine internationale Studie mit 336 Kindern im Alter von vier bis neun Jahren aus sechs unterschiedlichen kulturellen Gruppen.
Ein Forschungsteam um Henriette Zeidler und Daniel Haun vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig untersuchte, wie Kinder reagieren, wenn Gleichaltrige bei einer Aufgabe Schwierigkeiten haben.
Dabei zeigte sich: Die Kinder waren grundsätzlich hilfsbereit, unabhängig davon, in welcher Gesellschaft sie aufwuchsen. Sie griffen vor allem dann ein, wenn ihre Unterstützung tatsächlich gebraucht wurde.
Mit zunehmendem Alter verändert sich die Hilfe
Jüngere Kinder halfen häufig ganz praktisch, indem sie eine Aufgabe für das andere Kind lösten. Ältere Kinder erklärten dagegen öfter, wie sich das Problem bewältigen lässt. Sie gaben also zunehmend Hilfe zur Selbsthilfe.
Daneben entdeckten die Forschenden kulturelle Unterschiede. Deutsche Kinder verbanden praktische Unterstützung besonders häufig mit gleichzeitigen Erklärungen. In anderen untersuchten Gemeinschaften erfolgte Hilfe öfter durch gemeinsames Handeln, ohne dass jeder Schritt erläutert wurde.
Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler vermuten, dass sich darin unterschiedliche Erfahrungen aus dem familiären und gesellschaftlichen Alltag widerspiegeln. Wo Erwachsene Kindern häufig etwas vormachen und gleichzeitig erklären, übernehmen Kinder möglicherweise diese Form des Helfens.
Hilfsbereitschaft ist schon in der Kindheit gegeben
Für Kitas und Grundschulen ist besonders interessant, dass Kinder nicht nur lernen, ob sie anderen helfen sollen, sondern auch, wie sie helfen.
Die Ergebnisse sprechen dafür, Kindern unterschiedliche Formen gegenseitiger Unterstützung zu ermöglichen: gemeinsam anpacken, etwas vormachen, eine Lösung erklären oder zunächst abwarten, ob Hilfe überhaupt benötigt wird.
Die Studie zeigt vor allem eine bemerkenswerte Gemeinsamkeit: Hilfsbereitschaft ist bereits in der Kindheit über sehr unterschiedliche kulturelle Lebenswelten hinweg zu beobachten. Die Art der Unterstützung entwickelt sich mit dem Alter und wird durch soziale Erfahrungen mitgeprägt.
Interessante Einblicke mit Einschränkung
Die Studie liefert interessante Einblicke in das Hilfsverhalten von Kindern aus unterschiedlichen kulturellen Lebenswelten. Ihre besondere Stärke liegt darin, dass die Forschenden das Verhalten der Kinder in konkreten Situationen beobachteten, statt lediglich Selbstauskünfte auszuwerten.
Allerdings nahmen insgesamt nur 336 Kinder aus sechs kulturellen Gruppen teil. Die Ergebnisse lassen sich deshalb nicht ohne Weiteres auf ganze Länder oder Gesellschaften übertragen. Zudem wurde das Hilfsverhalten in eigens gestalteten Versuchssituationen untersucht, die den komplexen Alltag von Kindern nur begrenzt abbilden.
Auch die vermuteten Einflüsse kultureller Erziehungs- und Lerngewohnheiten wurden nicht ursächlich nachgewiesen. Die Untersuchung zeigt somit, dass sich Formen der Hilfsbereitschaft zwischen den untersuchten Gruppen unterscheiden können. Warum diese Unterschiede entstehen und wie stark sie den Alltag prägen, bleibt offen.
Quelle:
Zeidler, Henriette et al. (2026): Children from six cultures reliably help their peers—but in different ways. Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS). DOI: 10.1073/pnas.2515233123.


